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DIE
DEUTSCHE HELDENSAGE
VON
WILHELM GRIMM
ZWEITE VERMEHRTE UND VERBESSERTE AUSGABE
BERLIN
FERD. DÜMMLERS VERLAGSBUCHHANDLUNG
kiiiw
HAHBWITZ USD OOSSMAVM
1867
:i-]S-^ t^
bö.
HERRN PROFESSOR
KARL LACHMANN
IN BERLIN
AUS FREUNDSCHAFT
Vorrede,
Die schon in dem ersten bände der altdeutschen
Wälder zusammengestellten Zeugnisse Ober die deutsche
heldensage neu zu bearbeiten und zu ergänzen, schien
mir ein nützliches und lohnendes unternehmen; indessen
überzeugte ich mich, dasz, wenn der gewinn vollständig
sein sollte, die innern Zeugnisse damit verbunden »wer-
den müsten. ich verstehe darunter, was die dichtungen
des fabelkreiszes selbst Ober ihre quelle aussagen, oder
die erforschung ihres innern Zusammenhangs in dieser
hinsieht zu schlieszen gestattet; sodann aber, weil sie
auf eine vorangegangene Umbildung hinweisen, abwei-
chungen in dingen, die ihrer natur nach unveränderlich
sein sollten rfnd gleichsam den hintergrund der begeben-
heiten ausmachen. dahin gehört die genealogie und
heimat der beiden, und Oberhaupt was an ihre person
fest geknOpft erscheint: namhafte waffen, rosse, schild-
zeichen, das alles erforderte neue oder die wiederauf-
nähme schon früher angestellter Untersuchungen, und
der hinzugetretene theil der abhandlung überwuchs bald
den altern.
Ausgelassen habe ich die Zeugnisse, welche sich
lediglich auf die nordische gestaltung der sage beziehen
und' sie meist nur bestätigen, man findet sie in P. E.
Müllers Sagenbibliothek schon sorgföltig gesammelt.
In der anordnung sind einige abänderungen ge-
troffen, ich habe nur drei perioden angenommen
VI
und überall die chronologische aufstellung vorgezogen,
einigemal jedoch, weil es der Untersuchung vortheühaft
war, bin ich vorsätzlich davon abgewichen, z. b. bei
nr. 34 und 35; noch öfter war eine genaue angäbe der
zeit nicht möglich. gedichten, welche in die zweite
hälfte des dreizehnten und in die erste des vierzehnten
Jahrhunderts gehören, eine stelle anzuweisen, bin ich
daher gar nicht ängstlich gewesen; wem aus irgend
einem gründe daran liegt, ihr unbestimmt gelassenes
alter auszumitteln , darf nicht viel auf diese stelle hier
bauen, die vortheile der früheren Ordnung nach dem
inhalte gewährt das angefügte vollständige register.
Ich weisz nicht, ob ich mich über die zugegebene
zweite abhandlung entschuldigen soll; vielleicht wäre es
besser, betrachtungen dieser art noch zurückzuhalten,
indessen konnte ich der Versuchung nicht widerstehen,
nach dem mühsam zurückgelegten weg einmal umzu-
blicken, um die weite der gewonnenen aussieht zu mes-
sen, lob verdient wol, dasz ich mich dort streng an
die Sache gehalten habe, mithin jeder ungestört die
grundlage benutzen kann, auf welcher eine geschichte
des deutschen epos ruhen musz.
Die mir beitrage geliefert, sei es in ihren Schriften
oder in privatmittheilungen , habe ich dankbar genannt;
die meisten der letztern art habe ich von Lachmann
empfangen. bürgermeister dr. Thomas zu Frankfurt
ha,t mir die dortigen handschriften auf das freundschaft-
lichste zukommen lassen.
Cassel, am 23. Mai 1829.
TU
Zur zweiten Auflage.
Als ich Wilhelm Grimm zum letzten male sah, hatte
das übel, das in kurzem ihn uns entreiszen sollte, schon
sich eingestellt. noch schien es unbedeutend. er
empfieng mich heiter und gesprächig, wie sonst, und da
bald die rede auf die heldensage kam, scherzte er Ober
unsre gegnerschaft und meinte, es werde auch bei einer
zweiten aufläge seines buches dabei bleiben, weil er von
der ansieht über das Verhältnis des mythus zur geschichte,
die ihn von Lachmann, trenne, nun einmal nicht abgehen
könne, als ich mich darauf erbot, zum zeichen guter
freundschaft, ihm das was ich mir nach und nach zur
heldensage angemerkt zu beliebigem gebrauch zusammen-
zustellen, — es könnte doch die eine oder die andre
notiz darunter vielleicht ihm entgangen und von werthe
sein, — nahm er mein anerbieten nicht nur freundlich
an, sondern ermunterte mich^auch mit der ausfOhrung
nicht zu säumen, mit seinem tode schien mir mein ver-
sprechen und sein auftrag nicht erloschen, nur glaubte
ich es jetzt bei einer bloszen Zusammenstellung des nach
gesammelten materials nicht bewenden lassen zu dürfen,
sondern dies, soweit es sich thun liesz, für die geschichte
der sage und dichtung verwerthen zu müssen, die Zeug-
nisse und excurse zur deutschen heldensage wurden für
Haupts Zeitschrift 12, 253 — 386 ausgearbeitet, und am
ersten Jahrestage von Wilhelm Grimms tode überbrachte
ich einen abdruck davon seinem bruder *zum gedächtnis
des 16. Decembers 1859'.
Jetzt ward mir der auftrag die neue ausgäbe seiner
'deutschen heldensage' selbst zu besorgen, sein band-
Ulf
exen^plar, sowie die Jacob Grimms und Lachmanns lie-
gen vor mir. ich konnte schon in der nachlese zu den
Zeugnissen und excursen in Haupts Zeitschrift 12, 413 —
436 einiges daraus mittheilen, und was sich mehr darin
gefunden hat, soll jetzt nicht vorenthalten bleiben, aber
sollte ich überhaupt die erst vor kurzem beigebrachten
belege hier noch einmal wiederholen? meine Unter-
suchungen aus einander zu nehmen und bei seite zu
lassen würde mich nicht verdrossen haben, wenn ich nur
von der einreihung der nackten Zeugnisse einen vor-
theil und nicht vielmehr voraus gesehen hätte, dasz sie
zu änderungen nöthigen würde, zu denen allein der Ur-
heber des buches selbst berechtigt gewesen wäre.
Daher musten selbst die texte der Zeugnisse, wie
Wilhelm Grimm sie seiner zeit in den ausgaben vorge-
funden hatte, unverändert beibehalten werden, die ein-
führung des textes neuer ausgaben, soweit sie in betracht
kommen, hätte den Standpunkt des ganzen Werkes ver-
rückt, die bemerkungen würden bei den aus den latei-
nischen Chronisten entnommenen stellen nicht immer zu
der neuen lesart gepasst haben, wie man aus den in
klammern beigefligten abweichungen der Monumenta
Germaniae [MG.] ersehen kann, die herstellung des
neuen textes würde bei den angelsächsischen stücken
mindestens die berichtigung der Übersetzung, bei den
mittelhochdeutschen gedichten aber sogar die Umgestal-
tung und neue anordnung einer ganzen reihe von arti-
keln und wenigstens theilweise die Umarbeitung der an-
gehängten abhandlung zur folge gehabt haben, wer aber
wollte und könnte sich solcher änderungen unterfangen?
Die arbeit wäre für jetzt nicht einmal zu ende zu
führen, solange das 'deutsche heldenbuch', dessen bear-
beitung wir in treuem angedenken an Wilhelm Grimm
und im hinblick auf seine 'heldensage' begonnen haben,
noch unvollendet ist; ich habe mich begnügt auf die
bisher erschienenen beiden ersten bände (Berlin 186G)
IX
einige male m% DHB. zu verweifien. wie bisher, so wird
auch in zukunft jeder von der 'deutBchen heldensage'
aus die quellen selbst aufsuchen müssen, und da diese,
so weit sie unsrer alten litteratur angehören, jedem der
sich überhaupt mit diesen dingen beschäftigt bekannt
und leicht zugänglich sind, so bedurfte es auch nur bei
einigen versteckteren stücken des hinweises auf neue
abdrücke, die erste pflicht des herausgebers der 'deut-
schen helden&age' war jedesfalls, das werk in der gestalt
zu erhalten, in der es seit beinahe vierzig jähren die
stütze und grundlage der forschung gewesen ist und
auch ferner bleiben wird, so lange es nicht vollständig
durch ein neues, ähnhches ersetzt werden kann.
Was ich auszer dem schon angedeuteten glaubte
thun zu können, besteht in folgendem, kleine versehen,
so viele von Wilhelm Grimm selbst oder von uns andern
bemerkt worden sind, wurden stillschweigend berichtigt
bei versehen, die sich nicht so einfach durch Streichung
oder vertauschung eines worts beseitigen lieszen, wurde
eine anmerkung oder Verweisung hinzugefügt, das re-
gister ist verbessert und vervollständigt, auszerdem aber
sorge getragen, dasz keine irgend beachtenswerthe be-
merkung oder notiz, die Wilhelm Grimm in sein exem-
plar eingetragen, namentlich keines der von ihm oder
von andern neu aufgefundenen Zeugnisse verloren gehe,
zum ersatze gleichsam für die in der nachlese bei
Haupt 12, 413 — 436 vorweggenommenen nummern habe
ich alle für eine zweite nachlese bestimmten^ von mir
inzwischen nachgesammelten stücke eingereiht und an
geeigneten stellen, wie schon Wilhelm Grimm damit in
seinem exemplar den anfang gemacht hatte, auf die ein-
schlagenden oder anschlieszenden arbeiten anderer ver-
wiesen und so zu erreichen gesucht, dasz die Zeugnisse
und excurse [ZE.] trotz des verschiedenen Standpunkts
der betrachtung, was sie von anfang an sein sollten, nur
ein Supplement zur 'deutschen heldensage' bilden.
Die z^usätze von WUhelm Grimms eigener haiid sind
mit runden klammern in den text eingefügt, seine an-
merkungen mit Ziffern versehen. meine einschal-
tungen in den text oder Zusätze zu den anmerkungen
haben eckige klammern, meine anmerkungen und die
Zeugnisse meiner nachlese sind durch Sternchen be-
zeichnet, den leider nur spärlichen bemerkungen Jacob
Grimms und Lachmanns ist der name beigesetzt, so
dasz was eigenthum eines jeden, in jedem falle leicht
ersichtlich ist.
Die arbeit hat mehr zeit und mühe gekostet, als
man ihr vielleicht ansieht, aber täusche ich mich nicht,
so. ist sie nicht umsonst aufgewendet und, wie mir
scheint, wird jedermann, der die 'deutsche heldensage'
gebraucht, hinfort doch wohl thun, sich der zweiten
vermehrten und verbesserten statt der ersten ausgäbe
zu bedienen.
Berlin, den 9. Mai 1867.
MüUenhoff.
Nachträgliche bemerkung.
Den anachronismus , der in der anwendung der antiqua und der 'Grimm-
gchen Orthographie' liegt, habe ich nicht verschuldet, sondern nach Vollendung
meiner arbeit allein der wünsch, das werk Wilhelm Grimms äuszerlich ganz so
wie die 'kleineren Schriften' seines bruders erscheinen zu lassen.
21. IL M.
ZEUaNISSE.
ERSTE ABTHEILUNG.
YON DEM SECHSTEN BIS INS ZWÖLFTE JAHR-
HUNDERT.
1.
JoRNANDES. Schrieb um das jähr 552 das kleine werk
de rebus geticis. bei Muratori 1.
1) Er gedenkt c. 4 des zuges der Gothen bis zum schwar-
zen meer: quemadmodum in priscis eorum carminUms, pene
hiatorico ritu, in commune recolitur.
2) C. 5. Ostrogothae praeclaris Amalis serviebant; ihres
adels geschieht noch einmal erwähnung c. 59: Amahrum
nobilitas; Theodorich, der von ihnen abstammte, legte so
groszen werth darauf, dasz er den Euthanarich aus Spanien
berief, weil er zu diesem geschlechte gehörte, um ihn mit seiner
tochter Amalasvintha zu vermählen, und seinen stamm in vollem
glänze zu erhalten. Jemandes theilt die genealogie der Gothen
mit c. 14, ut ipsi suis fabulis ferunt, und darin wird genannt:
Amala, a quo et origo Amalorum decurrit. Cassiodor sagt
(Var. 11, 1): enituit Amaltis felicitate; die sage mochte also seine
glückliche herschaft beschreiben, andere stellen über den adel
der Amaler bei Mascov 2, anm. 87. (eines langobardischen
Amalongus gedenkt Paul. Diac. 5, 10 und in fuldaischen Urkun-
den vom jähr 614, 634 kommt der name vor*; vgl. gramm. 2,
365. 1017). — die Amaler sind bei Jemandes (c. 5) diejenigen:
ante quos etiam cantu majorum facta modulationibus citharisque
canebant: Ethespamarae (Eterpamarae cod. Ambros. und cod.
Paris. 5766, Etherpamarae cod. Paris. 5873, Erpantanae cod.
Paris. 1890), Hanalae (Hannalae cod. P. 1890), Fridigerni, Vidi-
culas (Vidicojae c. A. Vuidigoiae c. P. 1890) et aliorum, quorum
in hac gente magna opinio est, quales vix heroas fuisse miranda
jactat antiquitas.
* so alte fuldaische Urkunden gibt es nicht; vgl. ZE. 5, 1. 36 (Haupts zs. 12,
415), anszerdem ZE. 1 — 3 zu dem obigen.
WiLH. Grimm, duutsobb UBLDBMSAaB. 1
1 3) C. 23. Errnanaricus nobilissimus Amdlorum — multas et
bellicosissimas arctoäs gentes perdomuit suisque parere legibus
fecit. quem merito nonnulli Aleaandro magnQ comparavere ma-
jores, c. 24. Ermanaricus, rex Gothorum, licet multarum gen-
tium extiterit triumphator, Roxolanorum (ßosomonorum A.
2 Basomonorum P. 1890 Eosomorum P. 5766) aena inßday quae
tunc inter alias illi famulatum exhibebat, tali eum nanciscitur
occasione dedpere. dum enim quandam mulierem Sanielh
(Sonilda A. Suanibüdam P. 1890 Sunihil P. 5873) nomine, ex
gente memorata, pro mariti fraudulento disceaau, rew furore com-
motuSy equis ferocibvs iMigatamj tncitatisque cursibtcSy per diveraa
diveUi praecepisaety f roter ^vs Sarvs et Ammiua germanae ohitwm
mndicantesy Ermanarid latus ferro petierunt, quo vtdnere saucitiSy
aegram vitam corporis imbecülitate contraadt Ermanaricus
tam vulneris dolorem, quam etiam incursiones Hunnorum non
ferens, grandaevtts et plenus dierum^ centesimo decimo anno vitae
suae defunctus est.
Nach der Yilkina saga herscht Ermenrek als mäch-
tiger kaiser, und hat viele Völker besiegt. sein neffe ist
Dieterich von Bern, könig von Ondungaland; nach dem ge-
dieht von der flucht gehört er selbst zum stamme der Arne-
hinge. Ermenrek entehrt die frau Sifkas, seines rathgebers,
während dieser abwesend ist. Sif ka erfahrt zwar bei seiner rück-
kehr die gewaltthat, aber um die räche desto sicherer ausüben
zu können, verstellt er sich, und führt den kaiser, dessen
vertrauen er genieszt, durch hinterlistige rathschlage ins ver-
derben. Ermenrek bringt nach und nach seine söhne ums
leben, und vertreibt oder tödtet seine nächsten verwandten.
Sifka heiszt von nun an der treulose y welchen beinamen er
auch in anderen deutschen gedichten, besonders im Alphart
führt [ZE. 16]. von Ermenreks tode. nichts näheres; er stirbt
ruhmlos, und wie es scheint gleichfalls durch Sifkas verrath,
da dieser die kröne an sich reiszen will.
Der Ermanarich (Airmanareiks) des Jemandes ist kein
anderer als dieser Ermenrek, und das treulose geschlecht, das
in seiner nähe dient und ihn verderben und betriegen will,
wird durch Sifka vorgestellt. Jemandes quellen sind die
verlorenen zwölf bücher gothiscl^er geschichte von Cassiodor,
der wahrscheinlich gothische sagen gesammelt hatte.
Bei erzählung von Ermenreks ende scheint also in der
Vilkina saga die Überlieferung schon versiegt; dagegen hat die *
nordische sage den Zusammenhang erhalten, während die deut-
schen lieder, deren dasein und Inhalt andere Zeugnisse auszer
zweifei setzen, gleichfalls verloren sind, die nordische dichtung
(ich fasse die beiden Edden und die Völsunga saga zusammen,
8 deren abweichungen unter sich in Müllers sagcDbibliothek 2, 85
zusammengestellt, hier aber nicht von belang sind) verknüpfl
Ermanrichs ende mit der sa^e von Sigurd und Gudrun, nach 8
Atlis Untergang stürzt sich diese ins meer, die wellen aber
tragen sie wider ihren willen in Jonakurs reich, sie vermählt
sich mit ihm, und drei söhne, Sorli^ Hamdir und Erp*^ sind
die firucht dieser ehe ; mit den Stiefbrüdern wird Svanhild, toch-
ter des Sigurds grosz gezogen, der mächtige gothische könig
Jörmunrekj schon hochbejahrt, hört von ihrer Schönheit, und
lässt durch seinen söhn Randver, welchen Bicci begleitet, um
sie werben, und Gudrun willigt ein. auf dem wege in das
Gothenreich räth Bicci treulos dem Jüngling, die braut für
sich zu behalten, und klagt hernach bei dem alten könige beide
an. Jörmunrek, erzürnt, lässt den Randver an den galgen
hängen und ist nun kinderlos, denn er hat nur diesen ein-
zigen söhn, die Svanhüd aber von pf erden zertreten, als
Gudrun das Schicksal ihrer tochter erfährt, reizt sie ihre drei
söhne, den mcyrd ihrer Schwester zu rächen, auf dem wege
dahin tödten Sörli und Hamdir den ['Stiefbruder'] Erp, weil
sie, seine werte unrecht auslegend, wähnen, er wolle ihnen
nicht beistehen, sie überfallen den Jörmunrek in der nacht,
Sörli haut ihm die fösze, Hamdir die bände ab, aber weil Erp
fehlt, der den köpf abhauen sollte, können sie ihn nicht tödten,
und werden selbst, da kein eisen sie verletzt, von den leuten
des königs todt gesteinigt. ^
Offenbar redet Jemandes von dieser dichtung, selbst die
namen sind noch dieselben. Jörmunrek ist die nordische
form von Ermanarich^ Suanähilt oder Suanhilt (somusz ge-
lesen werden) durch die verschiedene entstellung deutlich und
unbezweifelt; Sarins und Ammius entsprechen dem Sörli und
Sarndir (Haupts zs. 3, 151—158) [12, 305 f. 413]. die nor-
dische sage stellt nur ^es klarer da, weil sie ausführlicher ist.
die abkimft der Svanhild von Sigurd freilich fehlt, und es wird
gesagt, sie stamme von dem geschlechte der treulosen Roso-
manen, was allerdings eine wesentliche und merkenswerthe ab-
weichung ist, weil sie den Ermanrich noch auszer Verbindung
mit Sigurd erblicken lässt. Svanhild erscheint vielmehr als
gattin des treulosen rathgebers, und der grund ihrer strafe ist
dunkel ausgedrückt: pro mariti fraudulento discessu, wegen be-
triegerischer flucht ihres ehemannes; auch deutet nichts darauf,
dasz Ermanarich selbst ansprüche irgend einer art auf sie ge-
macht habe, er wird nur verwundet, wie auch nicht in der
Edda gesagt wird, dasz er gleich an seinen wunden gestorben
sei, und diese Verwundung erscheint zufallig, während in dem
gedieht die abwesenheit Erps, den Jemandes gar nicht nennt, 4
ein vollkommenes gelingen der räche hindert.
* Mieser ist Jonakrs, aber nibht der Gndnin söhn.' Jac. Grimm.
1*
4 8
2.
4 Edda SiEMUNDAB. die eddischen unsem fabelkreisz berühren-
den lieder gehören in der gestalt, in welcher sie vor uns
liegen, groszentheils dem achten Jahrhundert an. etwas später
mögen die lieder von Atli, nach einer norwegischen provinz die
grönländischen genannt, abgefasst sein, und von beiden ist viel-
leicht die Atlaquida wieder die jüngere; ich trenne sie hier von
den übrigen ab, um sie nachher besonders zu betrachten, der
älteste und bei weitem der gröste theil beruft sich aber
wiederum auf ältere gesänge, und man darf deshalb und aus
andern gründen mit höchster Wahrscheinlichkeit annehmen, dasz
jene früheren gesänge bereits im sechsten Jahrhundert vor-
handen waren. als vorchristliche kündigen sie sich noch in
jetziger gestalt an. wir verdanken diese resultate den schätz-
baren und gründlichen Untersuchungen P. E. Müllers in der
Sagenbibliothek 2, 17. 124. 133. 134.
Ich gebe diesen eddischen liedern unter den Zeugnissen
für die einheimische sage einen platz, weil nach meiner Über-
zeugung ihr grundstoff deutsch ist (vgl. Haupts zs. 1, 2 — 6;
3, 155. 156). sie sind nämlich durch die hauptpersonen , die
darin auftreten, und durch die orte, wo sich die begeben-
heiten zutragen, an Deutschland gebunden. die sage kann,
wenn sie verpflanzt wird, namen und gegend völlig verändern
oder vertauschen; erkennt sie aber in der fremde die heimat
noch an, so liegt darin ein groszer beweis ihrer abkunft. nach
einer gesuchten und eben deshalb weniger ansprechenden hypo-
these, die P. E. Müller in dem vorhin * genannten werk aufge-
stellt hat, soll der könig Atli und der flusz Rhein nicht der
Etzel und Rhein der deutschen sage sein, sondern unabhängig
davon auf erinnerungen aus dem asiatischen stammlande der
Skandinavier sich gründen. indessen scheint es nicht, dasz
selbst nordische gelehrte diese vermuthung sehr wahrscheinlich
finden, wenigstens in der vorrede zu der Kopenhagener aus-
gäbe (p. xxiii) wird auf die möglichkeit eines deutschen
Ursprungs hingedeutet, und Sk. Theod. Thorlacius hatte schon
längst (antiquit. boreal. spec. 1, 37) etwas ähnliches geäuszert,
auch Finn Magnussen ist dieser ansieht zugethan (vgl. dessen
dänische Übersetzung der älteren Edda 3, 237).
Ich denke mir dabei keineswegs Übersetzungen in dem
heutigen sinne; das würde sich leicht widerlegen lassen und
5 an sich unnatürlich sein, der grundstoff kam aus Deutschland,
das wort in dem weitesten sinne genommen, herüber, aber
wahrscheinlich in liedern, die in der darstellungsweise den
eddischen ähnlich waren, es genügt hier, den beweis blosz
8 5
aus den geographischen bestimmungen zu führen, die wir in 5
der £dda finden.
Genannt wird darin: 1) Goppiod. Gudrun hat ihre tochter
Svanhild verheirathet Goppiodar til (Gudr. hv. 15) in das
Gothenreich an den könig Jörmunrek. dort ä Goppiodo (Gudr.
hv. 8) kam Hamdir um, als er für die von den pferden der
Gothen (Gotna hrossom, Gudr. hv. 2. Hamdism. 3) zertretene
Svanhild räche nahm, die helden lagen in dem blut, das aus
der brüst der Gothen (or briosti Gotna. Hamdism. 22) geflossen
war. im Gothenreich (a Goppiodo. Helr. Brynh. 7) bat Brün-
hild den alten Hialmgunnar besiegt, aber auch Grimild, die
mutter der Gudrun, wird eine gothische frau genannt (gotnesk
kona Gudr. q. 2, 16) und Sigurd soll Giukis erbe beherschen
und zahlreiche Gothen (Gota mengi Bryn. 2, 8). — 2) Ilünaland,
nach der Völs. saga c. 2. 19, die hier in soweit berücksichti-
gung verdient, als sie theils verlorene lieder vor sich hatte,
theils andere recensionen der bekannten, waren Sigurds vor-
eitern hunische könige, deshalb wird er hier mehrmals der
hunische genannt (hinn hünski. Sig. q. 4. 8. 18. 61. 62). im
Süden lag das land, denn er heiszt auch der südliche (hinn
supraBui. Sig. q. 3, 4). Herborg, eine der frauen, welche kom-
men, die Gudrun bei Sigurds leiche zu trösten, heiszt königin
von Hünaland (Gudr. q. 1, 5) und in einem andern lied ist
Heidrek könig von Hünaland (Oddr. gr. 4), das auch Morna-
land (Morgenland) genannt wird (Oddr. gr. 1). Gudrun, als
wittwe in der fremde wohnend, zeichnet in ihre Stickereien
hunische helden (Gudr. q. 2, 14), und als sie mit ihren brüdern
sich wegen Sigurds mord versöhnt, werden ihr von der Grimild
hunische Jungfrauen versprochen (Gudr. q. 2, 26). auch die
mit vafurlogi umgebene bürg der Brünhild in Hlymdalir bei
Heimer* wird höll hünskrar piodar genannt (Gudr. q. 1, 24.) —
3) Rtn (fem.) der flusz. darin prüft, nach einem prosaischen
Zwischensatz in der Sig. q. 2, der auf str. 14 folgt und das
alte unverändert erhalten zu haben scheint, Sigurd die gute
des Schwertes Gram, und südlich am Rhein (sunnan Rinar),
als er bei den Giukungen war, wird er hernach umgebracht
(Bryn. q. 2, 11; Gudr. q. 2, 6. 7). — 4) Valland. Vaterland
der Brünhild, nach einem liede (Helr. Brynh. 2). Sigurds
Schwert heiszt völsk (Oddr. gr. 16), und das weib, von welchem 6
Gudrun zu Atli geleitet wird, valnesk (Gudr. q. 2, 36). Vala
mengi scheint am besten erklärt durch eine menge Walhen, so
wie valaript durch walhische decken. — 5) Danmörk. dorthin
zu Hialprek begibt sich Gudrun nach Sigurds mord (Gudr. 2,
3. 19). dieser selbst wird einmal dänischer held genannt
)» <
vielmehr Atlis hof.' Jac. Grimm.
6 2
6(vik!ngr Dana. Helr. Brynli. 10), vielleicht weil er (nach der
Völsunga saga c. 21) bei Hialprek erzogen war.
Aus dieser Zusammenstellung ergibt sich aber folgendes :
1) Goppiod bezeichnet deutlich und bestimmt das gothische
reich, wenn es heiszt, dasz Svanhild dorthin an Jörmunrek sei
vermählt worden, denn auch bei Ammian und Jemandes ist
Ermanarich ein könig der Gothen. merkwürdig scheint die
Übereinstimmung mit Gutpiuda in dem gothischen calender bei
Castiglione; das t für p macht freilich einigen anstosz, auf der
andern seite zweifelt man aber auch nicht mehr, dasz Gotar und
Gotnar, die ebenfalls in der Edda mit der tenuis geschrieben
werden, die Gothen bezeichnen, wie es in den beispielen aus
Hamdism. wirklich Gothen sind, sehr natürlich hat die Edda
hernach gothisch im allgemeinern sinne genommen; so steht es
an andern orten, und wird auch Grimild eine gothische f5pau
genannt, und soll Sigurd über Gothen herschen. — 2) Hünaland
liegt südlich und heiszt deshalb auch Morgenland; genauere
angaben enthalten die lieder nicht. (nach Yöls. saga c. 6
herscht Siggeir in Gothland und zu wasser kommt man c. 8
dahin aus Hunaland, es scheint in einer tagereise.) es war. erbe
der Völsungen, und Sigurd wird deshalb vorzugsweise der
hunische genannt, blosz die neigung in Atli den historischen
Attila als könig der Hunnen zu sehen, hat den irrthum einge-
führt, der den Budlungen dort ihren sitz anweist. Atli wird in
diesen liedern auch nicht ein einzigesmal könig von Hunaland
genannt, dagegen in einigen der angegebenen fälle wird hunisch
sichtbar in allgemeinem sinne für deutsch gebraucht. — 3) die
Giukungen wohnen am Rhein ^ bei ihnen weilt Sigurd und
nach seinem morde entfernt sich Gudrun von dort. — 4) Valland
wird deutlich das Vaterland der Brünhild genannt, und scheint
demnach der Stammsitz der Budlungen gewesen zu sein, es
ist genau das altdeutsche Walhölant (gramm. 2, 480), das heiszt
das fremde, ferne; und so wird es auch in den eddischen
liedern geschildert, um von Dänemark zum Atli zu gelangen,
braucht Gudrun drei wochen: sieben tage durch kaltes land,
sieben tage über das wasser und wieder sieben tage durch
dürres (heiszes?) land (Gudr. q. 2, 36). es musz als küstenland
gedacht sein, denn Oddrun befindet sich auf einer insel, als sie
Gumar in dem schlai^enthurm die harfe spielen hört, und nach
7 AÜis ermordung eilt Grudrun zum Strand, um sich ins meer zu
stürzen. Walhölant hiesz etwas später Italien, das südliche
Frankreich, und die eben angeführten bestimmungen gestatten
wohl zu glauben, dasz die Edda auch Wälschland unter Valland
verstanden habe, dem wäre nicht entgegen, wenn unter Lang-
bardr (Gudr. q. 2, 19), wie doch sehr wahrscheinlich ist, Atli
verstanden wird. Sigurds schwert heiszt ein wälsches, um es
allgemein als ein kostbares, weit hergekommenes zu bezeichnen,
« , 7
und auch in den andern angemerkten stellen hat das wort 7
wahrscheinlich keine genauere bedeutung. — 5) Dänemark
scheint Jütland, und um dahin vom Rhein zu gelangen, ist
Gudrun fiinf tage unterwegs (G. q. 2, 12). die Giukungen
hätten demnach am Niederrhein ihren sitz gehabt, sichtbar
wird Dänemark als ein fremdes land betrachtet.
Zu diesen geographischen bestimmungen, die dem norden
die sage absprechen, liesze sich anderes ftlgen, was ich hier
übergehe; die für die Otur zu leistende mordsühne würde als
ein Hauptmotiv der fabel sehr entscheidend sein, wenn sie im
deutschen rechte allein vorkäme, aber spuren davon zeigen sich
auch im nordischen (rechtsalterth. 670). einzelne ausdrücke der
eddischen lieder mögen deutschen Ursprungs sein und der nor-
dischen spräche nicht eigen, allein da sie gerade aus diesen ge-
dichten in die spätere nordische poesie übergiengen und beide
sprachen in jener zeit noch viel näher sich standen, so ist es
äuszerst schwierig, mit gewisheit etwas zu bestimmen, und, da
diese hier allein werth hat, besser mit der grösten vorsieht
zu verfahren, einiges, namentlich über den hört, wird hernach
angemerkt werden.
Angenommen also diese eddischen lieder gewähren ein ab-
bild der bei uns untergegangenen, so geben sie für unsern
zweck zu* folgenden bemerkungen anlasz:
1) Die sage ist einfacher und reiner als im NibelungeUed.
dies gilt nicht blosz fär die ganze Ökonomie, denn eine all-
mäUche erweiterung durch aufnähme anderer sagen und aus-
breitung im einzelnen, so wie eine gewisse Verwirrung ist etwas
ganz natürliches in dem fortbewegen durch Jahrhunderte, und
ich berühre dies hier nicht; sondern fär die hauptansicht, die
sich im deutschen gedieht gar wohl hätte erhalten können,
die hauptverschiedenheit besteht aber darin, dasz Gudrun nicht
Sigurd, sondern im gegentheil ihre herbeigelockten und von
Atli getödteten brüder an diesem und zwar auf das grausamste
rächt, dies ist der ansieht des alterthums viel angemessener,
als die darsteUung in der Nibelunge noth, denn Gudrun war
wegen Sigurds ermordung mit ihren brüdem versöhnt und hatte
den becher der Vergessenheit getrunken, an räche durfte sie 8
hier nicht weiter denken, dagegen war sie verpflichtet, diese
an Atli zu üben, der ihre familie vernichtet hatte, und dieses
gefühl wird in der Edda so sehr hervorgehoben, dasz sie
Gunnars tod in der schlangenhöhle den grimmsten schmerz
nennt, den sie noch empfunden, und davon angetrieben die
eigenen mit Atli erzeugten kinder nicht verschont, es ist kein
zweifei, die ansieht der Nibelunge noth, wornach die Schwester,
obgleich mit den brüdern versöhnt, durch ihr ganzes leben nur
auf räche für den ermordeten gemahl sinnt, ist später entstan-
8 — «
8 den und in so weit widerwärtiger, als diese räche durch keine
sitte geboten, im gegentheil unrechtlich war.
Auch scheint es in der Edda noch nicht die lust nach
Fafiies gold zu sein, welche den Atli zum verrath an den Giu-
kungen treibt, sondern gleichfalls die pflicht, den tod der
Schwester Brünhild, den er ihnen zur last legt, zu rächen, ich
finde wenigstens die goldgier nicht ausgedrückt, dagegen pro-
phezeit Brünhild vor ihrem tode (Sig. q. 3, 56) Gunnars Schick-
sal und etwas ähnliches der rabe bei Sigurds leiche (Brynh.
q. 2, 11). — Fafnes gold wird hier niemals Nibelungehort ge-
nannt, überhaupt ist der name noch selten; nur einmal (Brynh.
q. 2, 16) heiszen die Giukungen Niflüngar, und Gudrun gibt
einmal ihren mit Atli erzeugten kindern, die doch eigentlich zu
dem geschlecht der Budlungen gehörten, den namen Hniflüngar
(Gudr. hv. 11); wahrscheinlich steht er hier nur allgemein für
königssohn, wie in der Helga q. 1, 44.
2) Die historische anlehnung scheint mir äuszerst unge-
wis; ich würde sie ganz bestimmt ableugnen, wäre nicht die
Übereinstimmung der sage von Jörmunrek und Ermanarich vor-
handen, diesen ganz aus der geschichte zu weisen geht nicht, weil
der ältere Ammianus Marcell. (31, 3) seiner gedenkt, als eines
kriegerischen tapfern königs; aber was Jemandes von ihm be-*
richtet, und den eddischen liedern entspricht, das, glaube ich,
ist ursprünglich aus gothischen gedichten geschöpft, und ent-
hält schwerlich geschichtliche Wahrheit, selbst das einzige, was
Marcellinus von ihm sonst noch anführt, dasz er bei dem ein-
bruch der Hünen sich selbst den tod gegeben, weicht von Jor-
nandes sagenmäsziger erzählung ab. dieser weisz noch nichts
davon, dasz Svanhild eine tochter Sigurds ist; hier sehen wir
die anknüpfung beider sagen vollbracht, denn an sich ist es
wahrscheinlich, dasz mit der ermordung Atlis der kreis von
Sigurd sich schlosz. auch in dem Hyndlalied (str. 22) wird
Jörmunrek schon als Sigurds verwandter (mägr) angeführt.
9 Für Atli leugne ich aber die beziehung auf den histo-
rischen Attila, den könig der Hunnen, hier unbedenklich ab.
der name, althochdeutsch Azilo, Ezilo, ist freilich derselbe, aber
sonst stimmt nichts, ja es bleibt noch ungewis, ob wir Hunni
und Hünar für ein und dasselbe wort zu halten 'haben ; seiner
ursprünglichen bedeutung nach ist es dunkel (vgl. gr. 2, 462).
Hünaland bezeichnet in der Edda, wie vorher bemerkt ist, ein
im Süden von Deutschland gelegenes reich, das dem könig
Atli gar nicht zugeschrieben wird. — indessen sein tod, kann
darin nicht eine Übereinstimmung mit der geschichte geftinden
werden? nach Jemandes (c. 49) wird Attila, der berauscht
eingeschlafen war, durch einen blutflusz erstickt; das gewährt
nicht einmal ähnlichkeit. eine andere nachricht hat Marcellinus
comes, ein Zeitgenosse des Jemandes, in seiner chronik (ed.
S 9
Sirmond. p. 32) : noctu mulieria manu cultroque confoditur^ qui- 9
dam vero sanguinis rejectione necatum perhibent. Agnellus lib.
pontif. 1, 2 (Muratori Script, rer. Ital. 2) sagt: Attila rex a
vilissima muliere cultro defosms mortuus est. und das chron.
Alexandr. p. 28: noctu cum pellice hunnica, quae puella de ejus
nece suspecta habita, dormiens extinctus est. nun stimmte das
zwar insoweit überein, als nach der Edda Gudrun den Atli im
bette ersticht (Sig. q. 3, 57), allein mulier vilissima passt schon
gar nicht, und der poeta Saxo, der am ende des neunten Jahr-
hunderts schrieb (Leibnitz Script, rer. brunsvic. 1. 40) [MG.
SS. 1, 247], gibt genauere umstände an, welche die ähnlichkeit
noch mehr verwischen. er erzählt nämlich [lib. 3, 31. 33],
dasz ein mädchen [conjux regina] den von wein und schlaf
berauschten Attila ermordet habe, setzt aber hinzu: ulta necem
proprii tamen est hoc crimine patris. das chronicon Quedlinb.
aus dem elften Jahrhundert (Leibnitz Script, rer. brunsvic. 2, 274)
[MG. SS. 3, 32], und nach ihm der chronographus Saxo um
1188 (Leibnitz access. histor. 1, 8^; annal. Magdeburg. MG.
SS. 16, 127) folgen dieser angäbe abermals mit einer näheren
bestimmung: Attila, rex Hunnorum ettotius Europae terror, a
puella, quam patre occiso vi rapuit^ cultello perfossus interiit.
das sieht nicht aus wie eigenmächtiger zusatz. wenigstens
scheint mir nicht als könne man auf das übereinstimmende,
was übrig bleibt, die behauptung gründen, dasz zur zeit der
abfassung der eddischen lieder unter Atli der geschichtliche
Hunnenkönig sei verstanden worden. (Haupts zs. 10, 146 ff.)
3) Auch die form der Eddalieder verdient berücksichtigung,
denn auf ähnliche weise mochten die deutschen Vorbilder abge-
fasst sein, kürzere gesänge, die zwar häufig das ganze an-
deuten und voraussetzen, aber doch nur bei einzelnen, beson-
ders hervorgehobenen punkten verweilen, sie lassen sich meist lo
in einer gewissen chronologischen folge zu einem ganzen ord-
nen, überall ein genauer, höchst angemessener ausdruck, zwar
ohne die breite und sinnliche ausfohrlichkeit der Nibelunge
noth, man kann zugeben auch ohne die anmuth derselben, aber
in jener strengen, groszartigen weise, wo kein wort unbedeu-
tend, keins überflüszig, keins lockend oder ableitend, aber eben
deshalb jedes seines eindrucks gewis ist. die manchmal regel-
mäszig durchgeführte dialogische form scheint dieser poesie
zuzusagen.
3.
AtLAMAL in GR(ENLENZK0.
1) Dieses gedieht scheint etwas später aufgefasst, weil die dar-
stellung mehr absieht und kunst durchblicken lässt, und die
spräche schwieriger und dunkler ist. einige Übertreibungen
10 8
IQ widersprechen dem schlichten geist der vorigen lieder, z. b.
dasz bei Gunnars harfenspiel die balken brechen (str. 62). es
ist hier mehr zusammengefasst, und keine aushülfe durch einge-
mischte prosaische erzählung nöthig und gleichwol scheint
manches ausgefallen, denn es fehlt nicht an Sprüngen und
lücken in der geschichte. auch tritt hier, wovon in den übrigen
liedern kein beispiel vorkommt, der dichter mit seiner persön-
lichkeit in einem pä hygg ek (str. 34) und lok mun ek pess
segia (str. 35) hervor, man hat die begräbnisart Atlis, der in
Wachsleinwand eingehüllt in eine Steinkiste soll gelegt werden,
als spätere christliche sitte betrachten wollen (vgl. Kopenh. ausg.
s. 484. anm. 281. P. E. Müllers sagenbibl. 2, 127), und dann
würde die abfassung der Atlamäl in ziemlich späte zeit fallen;
allein sollte auch dagegen kein einwand zu machen sein, so
scheint mir doch die grundlage dieses gedichts nicht viel jün-
ger als bei den übrigen liedern, und die darstellung der sage,
insofern sie abweicht, verdient volle aufiperksamkeit, um so
mehr als einige dieser abweichenden züge, deren anfiihrung
nicht hierher gehört, älter sein könnten.
2) Das geographische stimmt zwar im ganzen, doch ist es
mehr verwischt: Goppiod und Valland werden gar nicht mehr
genannt. Sigurd heiszt der hunische (str. 98), kein wort davon,
dasz Hünaland Atlis reich sei. er ist vielmehr auch hier durch
das meer von den Giukungen getrennt, zu diesen machen also
Atlis boten den weg zur see (str. 3. 4) und umgekehrt auch
die Giukungen dorthin (str. 29. 35).
3) Die Giukungen werden jetzt öfter Niflöngar genannt
11 (str. 44. 49), und Hniflüngr heiszt ein söhn Högnis, dessen die
vorigen lieder nicht gedenken, überhaupt erscheinen mehrere
sonst nicht bekannte personen, und Atlis geschlecht ist zahl-
reicher *.
4) Atli lädt die Giukungen ein, um den tod der Brünhild,
den er ihnen zur last legt, zu rächen, er wirft ihnen ihre
schuld ausdrücklich vor, und sagt, der Schwester tod sei ihm
das herbste (str. 52). ein verlangen nach Sigurds schätzen ist
weder dem Atli noch der Gudrun beigelegt, zwar in der Völ-
sunga saga, die einen auszug aus Atlamäl enthält, geschieht es
(c. 45 nach str. 39), aber nicht im gedichte selbst, so wie jöne
auch nur allein bemerkt (c. 42), dasz Atli die boten des
Schatzes wegen an die Giukungen gesendet habe, eine lücke
^ Vingi, Atlis böte trägt nur hier diesen namen; in der Atlaqnida heiszt
er Knefradr. er droht (str. 36) den Ginkungen mit dem galgen. ist die ver-
mnthung, die Finn Magnussen in der dänischen Übersetzung (4, 167) äuszert,
richtig, dasz Thiodolf von Hvin deshalb (Yngl. S. c. 26) den galgen Vingis bäum
nenne» so ist das eddische lied immer älter als das neunte Jahrhundert, in
welchem der berühmte skalde lebte, [die Strophe gehört dem Eyvindr Skalda*
spillir, also erst der mitte des zehnten Jahrhunderts an.]
4 11
ist im gedieht an diesen stellen nicht, und ich halte jene zu- u
Sätze ftlr später, jedoch goldgier wird in anderer beziehung
dem Atli hier zugeschrieben, er habe nämlich die Grimhild der
schätze wegen ums leben gebracht (str. 53).
5) Atli wird im schlaf, aber von Gudrun und Hniflüngr
gemeinschaftlich, getödtet (str. 87).
4.
Atlaquida in grcenlenzka.
1) In hinsieht auf das geographische ist folgendes zu be-
merken: Hünar werden jetzt häufig und vorzugsweise die unter-
thanen Atlis genannt (str. 2. 4. 7. 15. 29. 36. 40) und sein land
Hünmörk; als im Süden liegend wird es fortwährend bezeich-
net (str. 2. 14). dasz die schildjungfrau Brünhild daher stamme,
zeigen die Hüna skialdmeyiar (str. 17. 44). jedoch völlig ent-
schieden ist diese festsetzung noch nicht, auch der Giukungen
männer heiszen noch einmal Hünar; Gunnar nämlich, als er
die heimat verlässt, zieht or garpi Hüna (str. 12). in AÜis reich
liegt Myrkvidr (str. 8. 5. 13), welches eine Übersetzung von
Schwarzwald sein könnte*, auch Gnitaheipi (str. 5), über deren
läge die früheren gedichte nichts sagen. Goppiöd kommt nicht
vor, und nur in allgemeiner bedeutung heiszt Högni Gotna
piödan (die andern lieder gebrauchen das wort piödan nicht, 12
sondern immer konüngr). auch Yalland findet sich nicht mehr, ^
es müste denn der Kiar, aus dessen halle Högnis seh wert ist*
(str. 17), jener Kiar sein, der in dem liede von Völund könig
von Valland heiszt. — die Giukungen, hier erst entschieden
und fast immer Niflüngar genannt (str. 11. 18. 26. 27), heiszen
einmal und zum ersten mal Burgunden (str. 19), behalten
aber ihren alten sitz am Rhein (str. 18. 28).
2) Sodann, zum erstenmal erseheint der Nibelungehort
in wörtlicher Übersetzung: hodd Niflünga (str. 27). das wort
hodd, genau dem deutschen hört entsprechend, kommt in der
nordischen prosa gar nicht, in der poesie nur noch einmal
dunkel in Grimnismäl vor (vgl. gloss. edd. 1). gleichfalls zum
erstenmal wird erzählt, dasz der hört in den Rhein sei ver-
senkt worden, und dasz nach Högnis tod Gunnar allein noch
weisz, wo er verborgen liegt (str. 27. 28).
3) Die frühere Ursache von Atlis einladung, räche filr
seiner Schwester tod, ist nicht mehr angegeben, vielmehr ver-
langt er deutlich den schätz und will den Niflungen gestatten,
» Dietmar von Merseburg (Leibnitz 1, 388 und Wagner) [MG. SS. 3, 807]
nennt einen zwischen Meissen und Böhmen gelegenen wald Miriquidni.
12 5
ifisich durch gold das leben zu erkaufen, wenn es von ihnen
heiszt, ehe sie von Atlis botschaft etwas wissen (str. 2), sie
fürchteten seinen zorn, so, glaube ich, wird gemeint, wegen des
der Gudrun zurückgehaltenen Schatzes.
4) Gudrun tödtet den Atli im bett und zündet dann das
ganze haus an (str. 44), so dasz alles umkommt und ver-
brennt, [über Erpr und Eitill unten s. 140. 347.]
Diese neuen züge verrathen bekanntschaft mit einer
weiteren fortbildung der deutschen sage, die unserm Nibelunge-
lied offenbar näher stand, zuerst also die historische beziehung
in dem namen Burgunden, die entschiedene benennung Niflün-
gar und hodd Niflünga, die Versenkung des goldes in den
Rhein, die Übertragung von Hünaland an Atli, und dessen
streben nach dem hört, als Ursache seines verraths, endlich der
allgemeine brand am schlusz: lauter abänderungen , denen wir
auch in unserer Nibelunge noth bis auf Etzels goldgier be-
gegnen, welche dagegen in der Vilkina saga als ein grund zur
einladung der Nibelunge ausdrücklich angegeben wird.
5.
Lex Burgündionüm , tit. ni. (Canciani barbarorum leg.
antiq. 4, 15) [MG. LL. 3, 533].
13 Si quos apud regiae memoriae auctores nostros, id est
Gibicam (al. Gebicam)^ Godomarem, Gislaharium, Gundaharium^
patrem quoque nostrum et patruum liberos liberasve fuisse con-
stiterit, in eadem libertate permaneant.
Gundebald, söhn des Gundioch, aus dem westgothischen
geschlecht der Balthen [Haupts zs. 10, 152 f.; Waitz forschungen
zur deutschen gesch. 1, 8 ff.] zum könige der Burgunden berufen,
gab im anfang des sechsten Jahrhunderts das burgundische ge-
setz. er erwähnt seiner Vorgänger im reich, und wir erkennen
darin die Giukungen der sage. Gibica ist Gibich, der zwar
nicht in der Nibelunge noth, aber im Walther von Aquit. (Gibico),
im Biterolf (2620), Rosengarten und hörnen Siegfried vorkommt
und mit dem Giuki der eddischen lieder übereinstimmt [Haupts
zs. 1, 572 — 575; 10, 1541. Gtslahari ist Giselher das kind in
der Nibelunge noth und in der Vilkina saga; die Edda kennt
ihn nicht, auch nicht Walther und der Rosengarten (p. 247).
Gundahari ist Günther, nach der dichtung der älteste bru-
der und eigentliche könig, in der Edda Gunnar. Godomär
ist in der sage unbekannt, und dessen stelle nimmt Gernot
ein, der nach der Edda als Guttormr (s. 351) jedoch kein
rechter bruder Gunnars ist; indessen bleibt der name in der
alliteration. [Haupts zs. 12, 315.]
6 18
Vielleicht haben Godemär, Gislahari und Gundahari, söhne 18
des Gibica, zusammen regiert, wenn auch nicht mit gleicher
macht, doch so dasz die beiden erstem dem letztern unterwor-
fen waren, wie der gesetzgeber Grundebald mit seinen drei
brOdem herschte, selbst aber bei weitem der mächtigste
var. sollte aber in dem gesetz eine folge bezeichnet sein, so
wäre gerade die Ordnung der sage umgekehrt, und Günther
der jüngste und ein söhn Giselhers gewesen.
Ich vermuthe, dasz die in der sage vorkommenden namen
Gibich, Günther und Gernot die ankntipfung an die burgun-
dischen könige, wo man diese namen beinahe wieder fand, ver-
anlasst haben, jetzt wurde der geschichtliche Giselher aufge-
nommen, von. dem die Edda noch nichts weisz, auch nicht
Walther, Dieterichs flucht, und das lied von Siegfried.
Burgunden werden die Giukungen genannt: einmal in
der Atlaquida (str. 19), zweimal in Dieterichs flucht (9091,
9110), mehrmals im Biterolf (2374. 3081. 4703. 7267. 7743.
8918. 10037) und in der Klage, durchaus in der ersten hälfte
der Nibelunge noth, doch in der zweiten dringt wieder der
ältere name Nibelunge hervor, endlich in der Straszburger und
Heidelberger handschrift des Rosengarten d (mithin auch im an-
hang des heldenbuchs) ; nicht aber im Walther von Aquitanien
und in der Vilkina saga.
6.
Beowülf. angelsächsisches gedieht, spätestens aus dem
achten , vielleicht aus dem siebenten Jahrhundert. Thorkelins 14
text ist hier nach Grundtvigs anmerkungen zu dessen Über-
setzung und nach Conybeares mittheilungen aus der hand-
schrift berichtigt.
1) S. 36:
Onsend Higeläce, gif mec hild nime,
beaduscruda best, paet mine breost werep,
hrasgla seiest; past is hraedlan laf,
Welandea geweorc.
Sende dem Higelak, wenn ich im kämpfe falle,
der Streitgewänder bestes, das meine brüst bekleidet,
der rüstungen herlichste; es ist des tapfern nachlasz,
Wielandes arbeit.
Die kunstreiche Schmiedearbeit Wielands ist aus den deut-
schen gedichten, zumeist aus der Vilkina saga bekannt, dasz
der angelsächsische dichter auf die deutsche, nicht auf die
14 6
t
14 nordische sage sich bezieht, beweist die form des namens
Weland (althochd. Wialand, der betrieger?, vgl. gramm. 2, 342),
die in der Edda Völundr lautet.
2) S. 67. 68 (Uhland in Pfeiffers Germania 2, 344 ff.):
— — — hwilum cyninges pegn,
guma gilphlaeden, gidda gemyndig,
se pe eal fela ealdgesegena
worn gemunde, word oper fand
sope gebunden, secg eft ongan
sip Beowulfes snyttrum styrian
and on sped wrecan spelgeräde
wordum wrixlan. wel hwylc gecwaep
paet he fram Sigemunde secgan hyrde
ellendaedum uncupes fela,
Wcehinges gewin wide sipas,
para pe gumena beam gearwe ne wiston,
fsehpe and fyreoe; buton Fitela mid hine
ponne he swulces hwaet secgan wolde
eam his nefan swa hie ä waeron
aßt nipa gehwam nydgesteallan.
haefdon eal fela Eotena cynnes
sweordum gesasged. Sigemunde gesprong
aefler deapdaege dorn unlytil,
sippan wiges heard wyrm acwealde,
hordes hyrde. he under häme stan
aspelinges bearn äna genepde
fraecne daede; ne waes him Fitela mid.
hwaepre him gesaelde paet paßt swurt purh wöd
wraetlicne Wyrm, paet hit on wealle aet stöd
dryhtlic iren; draca morpre swealt,
15 haefde aglasca eine gegongen,
paet he beahhordes brücan moste
selfes dome. saebät gehleod
baer on bearm scipes beorhte frasetwa,
Wcehea eafera. wyrm hat gemealt.
se waes wreccena wide maerost
ofer werpeode, wigendra hleo.
ellendaedum he paes aer onpäh.
— vordem des königs i^ann,
held ruhmbeladen, der lieder eingedenk,
er der alter sagen grosze menge
im gedächtnis bewahrte, auf anderes gerieth
Wahrheit enthaltend, er hub an
Beowulfs fahrt mit verstand zu berichten
6 15
und mit fleisz zu ordnen die erzählungen, i&
mit Worten zu wechseln (zierlich zu reden?), etwas sang er
•was er von Sigemund hatte sagen hören,
viel unbekanntes von dessen heldenthaten,
WoMngs kriege in fernen ländern,
wovon die menschenkinder gar nichts wüsten,
kämpfe und forchtbare thaten. nur Pitela bei ihm.
nun er davon erzählen wollte,
wie oheim und neffe allzeit waren
bei allen menschen nothgestallen.
sie hatten viele aus dem Jotengeschlechte
mit' Schwertern niedergehauen, dem Sigemund entsprang
nach dem todestag daraus nicht geringer rühm,
dasz der streitkühne den wurm getödtet hatte,
den Wächter des horts. unter grauem stein
wagte der edle allein
die tapfere that; nicht war Fitela bei ihm.
doch ihm glückte, dasz das schwert durchbohrte
den furchtbaren wurm, dasz es in der mauer stand,
das herliche eisen; drache an der wunde starb.
der elende war in tod versunken,
so dasz er (Sigemund) des Schatzes sich bemächtigen konnte
nach seiner lust. das seebot er belud,
trug in den schosz des Schiffes die leuchtende zier
der söhn Walaes; der vnirm heisz zerschmolz.
er war der recken weit berühmtester
unter den menschenkindem, der kämpfenden Zuflucht.
durch tapfere thaten früh er sich das (den rühm) erwarb.
•
Sigmund und Sinfiötlis abenteuer werden in der Völsunga
saga (c. 11 — IfS) erzählt, die eddischen lieder davon sind bis 16
auf ein paar (c. 13) erhaltene zeUen verloren gegangen, aber
ohne zweifei vorhanden gewesen. Sigmund zeugt den Sinfiötli
mit seiner Schwester, ohne sie zu kennen, denn sie hatte eine
fremde gestalt angenommen, und da er deshalb nicht nur sein
söhn sondern auch sein schwestersohn ist, so lässt sich der aus-
druck oheim und neffe in dem angelsächsischen gedieht erklären,
gemeinschaftlich ziehen sie umher, sind nothgestallen, und eine
Zeitlang in wölfe verwandelt, begehen sie unthaten, firinwerke,
vne es hier übereinstimmend mit Helgaq. 1 heiszt.
Als eine abweichung von der annähme aller sagen fallt
sogleich auf, dasz in der besiegung des drachen und dem er-
werbe des horts Sigmund die stelle Siegfrieds vertritt, und
dieser gar nicht genannt vnrd. falsche aufFassung oder ent-
stellung des Originals hat nicht stattgefunden, denn es wird aus-
drücklich gesagt, Sigmund habe diese that allein vollbracht
und sein gefährte Fitela sei nicht bei ihm gewesen, auch heiszt
16 S
16 es von ihm, was sonst von Siegfried gesagt wird, diese that
habe ihm den grösten rühm gebracht, und er sei unter den
menschen deshalb der berühmteste held gewesen.
Insoweit folgt also der dichter des Beowulfs weder der
deutschen noch der nordischen sage, denn in beiden ist Sieg-
fried der drachentödter. ich lasse mich auf keine vermuthung
über den grund dieser abweichung ein, die vorerst noch keinen
nutzen hat. da Siegfrieds früheres leben in den deutschen
sagen, die auf uns gekommen sind, nur kurz und dunkel be-
rührt wird, so fällt es schwer, die deutsche abstammung hier
darzuthun, obgleich sie die wahrscheinlichste und natürlichste
ist, weil die Angelsachsen zu dem deutschen stamme gehören,
indessen lässt sich beweisen, dasz der Angelsachse nicht aus
den eddischen liedern schöpfte. schon die namen stimmen
nicht völlig überein. Fitela ist Sinfiötli^ doch ohne zusatz.
[Haupts zs. 1, 5; ZE. 14; ühland in der German. 2, 345.] in den
benennungen Waise und Wahing (denn das angelsächsische ae
entspricht dem deutschen a) zeigt sich nicht blosz eine eigen-
thümlichkeit, sondern auch eine der nordischen sage fremde
richtigkeit. dort nämlich heiszt Sigmunds vater Völaung, da
aber die ableitung -üng, -ing ein verwandtschaftsverhältnis aus-
drückt, so ist es gewis angemessener, dasz hier Sigmund selbst
Walsing heiszt und der Stammvater den eigenen namen Waise
führt, den die nordische sage vergessen hat. die spätem deut-
schen gedichte kennen noch ein schwert Walsung, Weisung
(Bit. 561. 636. 356. 3697; Laurin 2272). [s. nr. 115, Haupts
zs. 1, 3; ZE..10, L]
In der erzählung selbst von der besiegung des drachen
und dem erwerb des horts zeigen sich merkenswerthe ab-
17 weichungen, in der nordischen sage gräbt Sigurd eine grübe
iuFafnes weg und als die schlänge darüber hin kriecht, stöszt
er ihr von unten herauf das schwert in das herz, das passt
nicht zu der erzählung im Beowulf, wornach der held unter
dem grauen felsen den drachen mit dem herlichen schwert
durchsticht, dasz es in der felsen wand (on wealle) stecken
bleibt, dies stimmt eher zu dem deutschen liede, wo Siegfried
das ungeheuer in einer fefsenhöhle tödtet, und auch in den
Nibelungen (842, 2) steht: do er den lintdrachen an dem berge
sluoc. auch dasz der wurm in hitze schmilzt, passt zu dem
liede von Siegfried, wo dieser im kämpfe viel von dem feuer
des drachen leidet, gegen welches sich auch die gefangene
Kriemhild schützen musz. — Aber ein dritter umstand ist wieder
beiden sagen, der deutsehen und nordischen, fremd : der sieger
belädt ein schiflp mit dem gewonnenen hört und dem ge-
tödteten drachen und scheint seine beute fortzufahren. in
der Edda belädt er ein rosz damit, wie in dem deutschen
liede, und nur aus der Nibelunge noth liesze sich dafür
7 17
anfahren, dasz Siegfried zur see nach den Nibelungen fährt, 17
wo der hört liegt.
3) S. 91. 92:
naßnigne ic under swegle selran hyrde
hord mapmum (1. mapum) haelepa, sippan Häma aetwaeg
to herebyrhtan byrig Brosinga mene,
sigle and sine faßt, searo nipas (1. searo nipe)
fealh (1. feoh eal) Eormenrtcea,
Von keinem bessern unter dem himmel ich hörte
horte der beiden, seit Heima forttrug
zu der heerglänzenden bürg der Brosinge schätz,
geschmeid und köstliches gefasz, hinterlistig
alles gut Ermanrichs.
Die stelle ist nicht blosz dem wortverstand nach schwierig,
sondern auch in ihren beziehungen dunkel. Häma (da das
angelsächsische d dem deutschen ei entspricht) ist um so ge-
wisser Heime der deutschen sage, als wir ihn auch darin in
Verbindung mit Ermanrich finden? von dem groszen schätze,
den er diesem heimlich entwendet, weisz sie nichts, dasz Erman-
rich aber einen solchen besessen, sagt ein zeugnis bei Saxo
grammaticus (s. unten nr. 33) und ein anderes im Reinecke
Fuchs deutlich aus. Brosinga mene entspricht dem eddischen
men brisinga in Thrymsq. 13, wo es ein schmuck der Freyja
ist; aber dunkel bleibt, wer die Brosinge sind, wornach der
hört benannt wird (Simrocks Rheinland s. 52, Wackernagel in
Haupts zs. 6, 157 f., 9, 554) [ZE. 13; über fealh s. Dietrich
Blekinger inschrifben s. 10, Grein Sprachschatz 1, 280].
7.
Lied vom Wanderer. angelsächsisch, etwa mit Beowulfis
gleichzeitig, ein von Conybeare zuerst herausgegebenes, dun-
keles, aber filr die geographie jener zeit wichtiges gedieht
[Haupts zs. 11, 275 — 294], welches unter der form eines be-
richts des durch die ganze bekannte weit umhergezogenen Sän-
gers zusammenstellt, was man von den ländern, Völkern und
herschenden stammen damals wissen mochte.
1) V. 14—17:
häm gesöhte eastan of Ongle
Eormanrtces wräpes waerlogan.
Heimat ich besuchte östlich von England
Ermanricha des zornigen, treulosen.
WXLH. GrIHM, DBUT80HB HBLDB1I8A0B. 2
18 7
18 2) V. 35—38:
Atla weold Sunum*^ Eormanrtc Gotum^
Becca Baningum, Burgendum Gifica.
Atla herschte über Hunnen^ Ei^manrich über Gothen^
Becca über Baninge, über Burgunden Gifika.
3) V. 128—132:
(ic waes) med Burgendum] paer ic beah gepeah,
me paere G^phere forgeaf, glaedlicne mappum,
songes to leane.
ich war bei den Burgunden, wo ich einen armring empfieng;
dort gab mir Günther das ergötzliche kleinod
als gesanges lohn.
4) V. 174. 52:
and ic waes wip Eormanrtc ealle präge,
paer me Gotena cyning^ode dohte:
se me beag forgeaf burgwarena fruma.
und ich war bei Ermanrich alle zeit,
wo mir der Gothen könig vortheil brachte:
er gab mir einen armring, der burgbewohner fürst.
5) V. 214—228;
ponan ic ealne geond hwearf aepel Gotena.
söhte ic ä sipa pa selestan:
pet waes in weorud (inveorud) Eormanrtces,
Hepcan sohte ic and Beadecan and Herelingas^
Emercan sohte ic and Fridlan and Ea^tgota
— — — — and Sifecan^
19 dannen ich durchzog alles land der Gothen,
ich suchte immer weit umher die besten:
das war das gesinde Ermanricha.
ich suchte Hethka uiid Badeca und die Harlinge^
Emerka suchte ich und Fridla und Oatgothen
— — — — und Sifeka,
6) V. 246—258:
— — — Wudgan and Hdman (sohte ic),
ne waeron paet gesipa pa saemestan;
* in einem text der Anglo-saxon chronicle, edited b^^ Thorpe (London, 1861)
1, 18 heiszt es znm jähr 443, das die Römer fyrdedon vid Ätlan Hüna cyninge;
ein beweis, dasz man den epischen und geschichtlichen Hunenkönig für dieselbe
person hielt, vgl. ZE. 4, und den ähnlichen fall mit Dietrich 5, 1; 30, l.
T 19
peahte ich y (1. ic hi) ä nihst neman sceolde. 19
ful oft of pam heape hwynende fleag
giellende gär on grome peode.
wraeccan pa weoldan (1. weoldon) wundnan golde
werum and wifum Wudga and Häma.
— Wittich und Heime (besuchte ich).
nicht waren es der gesellen geringste;
dachte, dasz ich sie stets zunächst nennen sollte.
sehr oft aus dem häufen schreiend flog
der gellende spiesz ins grimme volk.
die ausländischen da herschten, die goldbewundenen,
über männer und weiber, Wittich und Reime.
In diesen stellen werden lauter aus den sagen bekannte
namen genannt, und ich zweifle nicht, dasz sie dort ihren
Ursprung haben; die grosze anzahl, die ich als dunkel und ganz
unerklärbar habe zurücklassen müszen, gestattet einen schlusz
auf das untergegangene, wiewohl auch einige aus der geschichte
mögen eingemischt sein, da def Verfasser alles, was er wüste,
scheint zusammen getragen zu haben.
Wenn Gibich und Günther beide als burgundische könige
erscheinen, so wäre das der lex burgund. gemäsz, doch darf
man, falls es hier geschichtliche namen sein sollten, nicht mit
Sicherheit daraus schlieszen, dasz sie zusammen geherscht, da
das angelsächsische lied alle zeiten untereinander wirft. nur
bei Ermanrich dringt etwas von dem Inhalt der sage durch, da
er ein treuloser und zorniger genannt wird, wie sie ihn
schildert, aus dem groszen Verzeichnis seiner mannen erkennt
man die macht des königs der Gothen^ wie sie Jemandes be-
schreibt; ich bemerke auch hier die anomalie in der Schreibart
Getan Ar Gopan, worüber schon vorhin bei der Edda und Beo-
wulf die rede war.
Die Rarlinge heiszen Emerka und Fridla^ das stimmt mit
der angäbe des chron. Quedlinb. (unten s. 31) und des Biterolf,
wo nur, wahrscheinlich richtiger, Embrica, Imbrecke (4597. 20
4767. 5659. 9892) steht, die Vilkina saga hat andere namen:
AJd und Etgard^ aber FritUa hat sich doch noch insoweit er-
halten, als ihr pflegevater so heiszt. — Sifeka entspricht dem
hochdeutschen Sibeche und dem Sifka der Vilkina saga. —
Wittich und Reime kommen im Alphart, in der Rabenschlacht
und in anderen gedichten als gesellen vor [ZE. 15. 27, 3]; erst
stehen sie auf Dieterichs seite, gehen aber zu Ermanrich über,
die stelle hier spricht zu allgemein, als dasz sich eine nähere
hinweisung darin entdecken liesze. ausländer konnten beide
beiden unter den Gothen heiszen, denn nach der Vilkina saga
stammen sie beide aus dem norden.
ao — 8
8.
20 Angelsächsische Handschrift zu exetbr. nachrichten dar-
über und auszüge bei Conybeare. auch das lied vom wanderer
ist daraus genommen.
1) S. 240:
WSland him bewurman"^ wraeces cunnade,
änhydig eorl earfopa dreag.
haßfde him to gesippe sorge and longap,
wintercealde wraece, wean oft onfond
sippan hine Ntphdd on nede legde,
swoncre seonobende, onsyllan mon.
pdßs ofer eode, pisses swa maegl
Beadohüde ne waes hyre bropra deap
on sefan swa sär swa hyre sylfre ping,
paet heo gearolioe ongieten haßfde,
pat heo eacen waes, aefre ne^meahte
prifte gepencan, hu ymb paet sceolde.
paes ofer eode, pisses swa maBg!
Wieland .... Verbannung erfuhr,
der starkmüthige fürst beschwerde ertrug,
hatte zum geehrten schmerz und Sehnsucht,
winterkalte Verbannung, weh oft empfand,
seit ihn Nidhad in fessel legte,
mit schwankem sehnenband, den unglücklichen mann,
es gieng vorüber, dieses kann auch so vorübergehen!
Badohüd war nicht ihrer brüder tod
im herzen so schwer, als ihre eigene sache,
21 da sie völlig erfahren hatte
dasz sie schwanger war. immer sie nicht konnte
das ereignis denken, wie es deshalb sollte (gehen?),
es gieng vorüber, dieses kann auch so vorübergehen!
Ganz der sage gemäsz, wie sie das eddische lied darstellt.
Wieland, von einem fremden könig gefangen gehalten* und an
' ich verstehe bewurman nicht [*bewurman scheint für be wurmum, be
wyrmum, apud vermes zu stehen, oder wurma müste ein ort sein, wo Wieland
gefangen lag.' Jac'. Grimm, so auch Kemble.]
* eine merkwürdige parallele bietet des Eugippius vita S. Severini cap. 3, b
(act. sanctor. BoUand. 1, 488). Gisa, die gemahlin des rugischen königs
Felectheus, eine eifrige Arianerin, bedrückt die römischen provinzialen an der
Donau und weist Severins fürsprache mit schnöden Worten ab. der heilige be-
droht sie dafür mit der strafe gottes. velox itaque secuta correptio animum
S 21
den fiiszaehnen gelähmt, rächt sich indem er dessen beide si
söhne tödtet und der tochter gewalt anthut. nur dasz er kälte
des winters habe dulden müssen, davon ist in der Edda nichts
gesagt, wenn ein solcher zusatz als etwas eigenthümliches
gelten kann, dennoch hat der Angelsachse aus der einheimi-
schen oder der deutschen sage geschöpft, das beweisen die
namen: nicht Völund heiszt der kunstreiche schmied, sondern
Weland, und in der Vilkina saga c. 24 wird ausdrücklich der
nordische name von dem deutschen unterschieden, von welchem
vorhin schon eine erklärung gegeben ist. Niphäd und Bado-
hild sind beide richtig gebildete und von den eddischen Nidudur
und Bödvildr verschiedene namen*. wenigstens in Nip-häd ist
eine Zusammensetzung (gramm. 2, 497), während -udr blosz eine
ableitung enthält. hiezu kommt, dasz in demselben gedieht
andere beziehungen auf unbezweifelt deutsche sagen sich finden,
welche die Edda nicht kennt, wie die zunächst hier folgende
stelle zeigt.
2) S. 241:
We paet msep bilde monge gefrugnon,
wurden grundlease Geatea frige,
pset hi seo sorglufa slsßp ealle binom.
paBS ofer eode, pisses swa maeg!
Theodrtc ähte prittig wintra
Meeringaburg; paet waes monegum cup.
paes ofer eode, pisses swa maeg!
We geäscodon Eormanrices
wylfenne gepoht; ähte wide folc
Gotena rices. paet waes grim cyning.
säet secg monig sergum gebunden
wean on wenan, wigsete geneahhe,
paet paes cyningrices ofercumen waere.
paes ofer eode, pisses swa maegl
prostravit arrogantis. quosdam enim aurifices barbaros pro fabricandis regalibus
ornamentis claaserat arta custodia, ad hos filius memorati regis admodum par-
vulus, nomine Fridericus, eadem die quo regina servum dei contempserat, puerili
motu concitns introivit. tnnc aurifices infantis pectori gladium imposuere dicen-
tes, qaod si quis ad 608 absque jaramenti praefixo ingredi conaretur, parvalum
reginm primitus transfigerent et semet ipsos postea trucidarent; quippe cum sibi
nullam spem vitae promitterent, macerati diutnrnis ergastulis. bis anditis regina
crudelis et impia, vestibus dolore conscissis talia clamabat 'o serve dei Severine'
n. 8. w. — et aurifices protinus accipientes sacramentum ac dimittentes infantnlum
pariter et ipsi dimissi sunt.
* 'Bödvildr steht ofi^enbar für Böduhildr, denn das v gehört zu Böd'.
Jac. Grimm.
22 — 8 —
31 Dieses Schicksal, manchen kämpf wir vernahmen,
wurden landesberaubt die freien Geatea^
dasz sie die sorge und der schlaf alle wegnahm.
es gieng vorüber, dieses kann auch so vorübergehen!
22 Dieterich besasz dreiszig winter
Maringaburg; das war vielen kund.
es gieng vorüber, dieses kann auch so vorübergehen!
Wir vernahmen Ermanricha
wölfischen sinn, er hatte weit verbreitete Völker
des Gothenreicha. es war ein grimmer könig.
sasz mancher held von sorgen gebunden
in Unheils erwartung, dem kampfsitz zunächst,
dasz (er) des königreichs überwältigt wäre.
es gieng vorüber, dieses kann auch so vorübergehen!
Deutliche beziehung auf die aus der Vilkina saga bekannte
und in einem besondem gedieht behandelte sage von Dieterichs
flucht aus seinem väterlichen reich, veranlasst durch Erman-
richs bosheit, der auf des treulosen Sibichs anstiften, gegen
sich selbst wüthet und sein eigenes geschlecht zu gründe rich-
tet. Dieterichs und seiner mannen kummer über diese Verban-
nung wird vielfach auch in andern gedichten ausgedrückt.
Ermanrichs sinn heiszt hier mit recht ein wölfischer, auch pf.
Konrad erwähnt (f 186) des verräthers Ganelon wulvine blicke
(Bit. 3940. Wernh. Maria 3828). Dieterich besasz dreiszig jähre
die Maringaburg, das heiszt: war so lange im elend, bis er
wieder in sein reich zurückkehrte; und diese angäbe stimmt
mit dem Hildebrandslied, wo der alte sagt, er sei sechzig Som-
mer und winter in der fremde umherzogen (ih wallota sumarö
enti wintrö sehstic ur lante) ; die Vilkina saga hat 32 jähre
(c. 369).
Maringaburg lässt sich so wenig erklären, als nachweisen,
wer der Geat oder Göz (denn so müste wol der angelsächsische
name im althochdeutschen lauten) ist, nach welchem Dieterichs
edle Geates frige genannt werden, ich vermuthe jedoch, es heiszt
nichts anderes als Gothe und bezeichnet den Stammvater der
Gothen; und fahre aus der Snorraedda (193. Rask) eine stelle
an, welche zu dieser erklärung passt: Gotnar eru kalladir af
heiti konüngs pess, er Goti er nefndr. Jemandes fangt c. 14
die gothische genealogie an: primus fuit Gapt; und in Alfreds
geschlechtsregister bei Asser steht ein Geata, quem Geatam
jamdudum pagani pro deo venerabantur. — von dem könig
Etzel und dem Hünenland, wohin Dieterich flieht, ist hier
nichts gesagt, auch nichts von seinem sitze zu Bern.
23
9.
Lied von hildebrand. Casseler handschrift. 22
Die Vilkina saga erzählt (c. 376) ein besonderes ereignis,
das sich zutrug , als Dieterich endlich nach langer Verbannung 28
in sein väterliches reich zurückkehrte. Hildebrand reitet vor-
aus, in der absieht, seinem söhn Alebrand zu begegnen, den er
noch nicht gesehen hat, dessen rosz und schildzeichen ihm aber
genau beschrieben sind, wie sie zusammentrefiPen, beginnen sie
auch den kämpf. Alebrand verlangt den namen des fremden
und umgekehrt fordert ihn Hildebrand von seinem söhn; keiner
erfüllt des andern begehren, ja Alebrand leugnet ein Wölfing
zu sein, darüber beginnt der kämpf immer wieder aufs hef-
tigste, Hildebrand behält endlich die oberhand, aber der be-
siegte mag sich nicht das leben durch neunung des namens
retten und der alte musz sich endlich durch die frage, ob er
sein söhn Alebrand sei? selbst zu erkennen geben, fröhlich
reiten sie darauf nach haus. — denselben gegenständ behandelt
ein einzelnes Volkslied. Hildebrand zeigt schon beim ausreiten
grosze lust sich im kämpfe gegen seinen söhn zu versuchen
und beide reizen sich hernach durch spöttische reden noch
weiter dazu auf; die fragen nach dem namen fehlen, und Ale-
brand, als er besiegt ist, nennt sich freiwillig.
Ist die Vilkina saga nicht schon im dreizehnten, erst im
vierzehnten Jahrhundert verfasst, so mag das volkalied noch
immer ein Jahrhundert jünger sein, das alte gedieht von Hilde-
brand, das in die vorcarolingische periode fällt, ist also durch
einen Zeitraum von wenigstens 700 jähren davon getrennt,
gleichwol behandelt es denselben gegenständ. Hildebrand und
Hadubrand treffen sich und kämpfen mit einander; die besie-
gung des sohns fehlt, weil das lied nur ein bruchstück ist.
auch die frage nach geschlecht und namen kommt vor, sonst
aber ist alles ganz anders ausgeführt, beide zwar bereiten sich
gleich, wie sie auf einander stoszen, zum streit, aber als Hilde-
brand zuvor nach dem namen seines gegners fragt und Hadu-
brand bereitwillig sich und seinen vater nennt, so erkennt
dieser jetzt erst seinen söhn, und bietet nun alles auf, den
kämpf abzuwenden, der, wie er sagt, zwischen so nahen ver-
wandten unstatthaft sei. seinen vater nennt er sich nicht ge-
radezu, ich glaube aber, diese natürliche erwiederung fehlt blosz,
weil das gedieht an dieser stelle unvollständig aufgezeichnet ist,
wofür das gestörte metrum und andere gründe sprechen, auch
die antwort des sohns setzt eine solche deutliche äuszerung
voraus, er verschmäht d^e goldnen armnnge, welche Hilde-
brand zur besänftigung als geschenk darbietet, und nennt ihn
selbst einen alten betrüger, denn sein vater sei todt. Hilde-
24 — e —
•
28 brand, wie sehr er auch diesen kämpf beklagt, musz sich doch
24 endlich darauf einlassen, es leidet keinen zweifei, dasz diese
erzählung an natürlichkeit und innerem Zusammenhang die
spätem weit übertriflft.
Das merkwürdige bruchstück enthält zugleich beziehungen
auf andere theile der groszen sage.
1) Hadubrand nennt seinen vater und erzählt von ihm:
forn her ostar gihueit, floh her Otachres nid,
hina miti Theotrthhe ente sinerö degano filu.
her furlsBt in lante luttila sitten
prüt in büre, barn unwahsan,
arbeolaosa heraet ostar hina det.
sid Detrthhe darba gistontum
fater eres mines; dat was so friuntlaos man,
her was Otachre ummetirri,
degano dechisto.
vordem er gen osten zog, er floh Otachers bosbeit,
von hinnen mit Dieterich und vielen seiner beiden,
er liesz im lande sitzen eine schöne
frau im gemach, ein unerwachsenes kind,
darnach Dieterich verlust erlitt
meines vaters . . . war so freundeverlassener mann,
gegen Otacher höchst erbittert,
der weitbekannteste held.
Diese stelle bezieht sich, gleich der vorhin besprochenen
angelsächsischen, auf die flucht Dieterichs vor Ermanrich.
nach dem hochdeutschen gedieht, das ausführlich davon handelt
und etwa im vierzehnten Jahrhundert mag abgefasst sein, führt
Hildebrand seine frau Ute, die hier nicht genannt ist, zwar an
der band mit sich aus Bern fort, übergibt sie aber bald nach-
her dem Amelolt, damit er sie nach Garte bringe (2397. 4471.
4515); von einem zurückgelassenen söhne ist keine rede, in
der Vilkina saga, wo des abschiedes von der frau (c. 264) gar
nicht gedacht wird, äuszert Hildebrand bei einer andern ver-
anlassung (c. 368), Oda sei damals wohl schwanger gewesen
und habe den Alebrand nachher geboren, das weicht ab, oder
es müste sich erweisen lassen, dasz unwahsan barn auch durch
ungebornes kind dürfte erklärt werden, schwierig ist die fol-
gende zeile: arbeolaosa heraet ostar hina det. arbeolaosa for-
dert einen acc. sing. fem. und heraet scheint das dazu gehörige
subst. zu sein, aber das wort bleibt bis jetzt noch unverständ-
lich, wenigstens scheinen mir alle bisherigen Vermutungen un-
25 zulässig; vielleicht steckt auch ein fehler darin, ich glaube der
9 — 25
inhalt der zeile ist dieser: Hildebrand leitete ostwärts die ihres 36
erbes beraubten beiden, and sie scheint mir zum theil jener
angelsächsischen: wurden grundlease Geates frige zu ent- .
sprechen; vielleicht haben sich auch die werte, welche jenes
gedieht ven Dieterichs flucht bei dieser gelegenheit gebraucht:
irs geltes und irs guotes des wart in nie niht mere (4390) aus
der alten grundlage erhalten, dasz Hildebrand ftlhrer der flüch-
tigen gewesen, lässt sich sehen veraussetzen, denn das war sein
amt, aber die Vilkina saga (c. 264) bemerkt hier ausdrücklich,
Hildebrand habe das banner Dieterichs ergriffen.
Ich berühre jetzt erst eine segleich auffallende ab weichung
des alten liedes: der verhaszte niding, vor dem Dieterich und
Hildebrand fliehen, heiszt Otacher und nicht Silnch^ wie in
andern gedichten. wahrscheinlich ein weiterer versuch das ge-
dieht mehr mit der geschichte in einklang zu bringen, der
schon die feste beziehung Dieterichs auf den estgothischen
Theoderich veraussetzt, welchen wir demnach hier bereits als
Dieterich ven Bern betrachten dürfen, obgleich dieser zusatz
selbst nicht vorkommt, auch der Wendelsee (das mitländische
meer) beweist, dasz das nördliche Italien, wie in der Vilkina
saga, als hauptplatz der begebenheit schon gedacht ist. diese
Übertragung auf Odacher ist nicht Vermutung eines einzelnen
gewesen, sondern bereits in die sage übergegangene Verschie-
denheit, welche auch an andern orten wieder erscheint, die
Vilkina saga hat jedoch den altern und richtigem namen be-
wahrt.
2) Hildebrand streift armringe ab, um den Hadubrand
mit einem geschenk zu begütigen:
— so ime se der chuning gap
Hünee truhtin
die ihm der könig gab, der Hünenfürst, ohne zweifei ist der
Hunnenkönig Attila gemeint, obgleich sein name nicht vor-
kommt, also der Azilo der sage schon mit jener historischen
gestalt auf ungelehrte, aber für die poesic nicht unnatürliche
weise verknüpft. Jemandes, der ein Jahrhundert später lebte,
sagt von ihm (c. 54): famosa inter omnes gentes claritate mira-
bilis; kein wunder, dasz die dichtung ihn auftiahm. auch die
armringe dürfen für ein hunnisches geschenk gelten, das be-
weisen die aus Attilas schätz genommenen armUlae pannonicae
im Waltharius (263. 611). das lied lässt demnach, wie die
spätere sage, den Dieterich auf dem weg zu Attila ostwärts
wandern. darum ruft auch Hadubrand seinem von dort
heimkehrenden vater 'alter Hün!' zu (Hun, rex Hunorum bei
Saxe 5).
3) Nach dem angelsächsischen zeugnis blieb Dieterich 26
dreiszig jähre auszer seinem reich, die Vükina saga sagt das-
26 10. 11
36 selbe mit einer unbedeutenden abweichung. ich bin (gegen
P. E. Müller in der sagenbibl. 2, 272) der meinung, dasz die
Worte: ih wallöta sumarö enti wintrö sehstic ur Tante sohon
der Übereinstimmung wegen am natürlichsten durch dreiszig
Sommer und dreiszig winter erklärt werden, sonst auch, wenn
man sechzig jähre verstände, müste ja Hadubrand dem greisen-
alter nah gewesen sein, als er mit seinem vater kämpfte, wäh-
rend er als vollkräfliger, ungestümer held in allen darstellungen
erscheint, in jedem falle erkennt das alte gedieht Dieterichs
langen aufenthalt bei Etzel an, und man darf schlieszen, auch
die abenteuer, die sich in diesem Zeitraum zutrugen, nament-
lich die Rabenschlacht; dasz die furchtbare entwickelung der
Nibelung^e noth schon jetzt mit Dieterichs Schicksal in verbin-
düng steod, würde eine kühnere behauptung sein.
10.
BuRKAMAL. nach P. E. Müller (sagenbibl. 2, 124) aus dem
anfang des neunten Jahrhunderts, die Snorraedda enthält (s. 154.
155) stellen aus diesem alten lied und darin wird das gold ge-
nannt: Rinar raupmälmr des Rheines glanzerz, und rögr
Niflünga, misgunst der Nibelunge.
Beide ausdrücke setzen die in der Atlaquida gefundene,
nach meiner meinung den altern Eddaliedern ^och unbekannte
ansieht voraus, wonach der hört als die Ursache des Verder-
bens der Nibelunge galt, weil Atli ihnen den besitz desselben
misgönnte, und wornach er in den Rhein versenkt wurde, ja
ich glaube, sie sind aus Atlaquida 28 entlehnt, wo steht: Rin
skal räpa rogmdlmi skatna.
Ich merke hier gleich an, dasz Einar Skaleglam aus dem
ende des zehnten Jahrhunderts das gold stein des RheinS',
und Harek, Zeitgenosse Oluf des heiligen, flamme des Rheins
(sagenbibl. 2, 376) nennt, beide ausdrücke setzen gleichfalls die
Versenkung des horts voraus, welche dann noch später die
Snorraedda (s. 141) deutlich erzählt, mit der bemerkung, das
gold sei hernach nicht wieder gefunden worden.
11.
Eginhart, viTA CAROLi MAGNi. aus dem anfang des neunten
Jahrhunderts. von dem kaiser wird erzählt (c. 29 p. 107 ed.
Bredow) [MG. SS. 2, 443].
27 Item barhara et antiquissima carmina^ quibus veterum [vete-
rum regum] actus et bella canebantur, scripsit memoriaeque
mandavit.
12 27
Er liesz die uraiten, deutschen gedickte von den thatensr
und kriegen der vorfahren aufschreiben und fbr die nach-
weit bewahren. dasz barbara carmina deutsche sind, leidet
keinen zweifei und ist in der note p. 179 bei Bredow be-
wiesen; scripsit kann nicht heiszen, er habe sie selbst ge-
schrieben, denn c. 25 wird ausdrücklich gesagt: temptabat et
scribere — sed parum successit labor praeposterus. ich wäre
geneigt, memoriae mandavit in beziehung auf die stelle des
Thegan zu übersetzen: behielt im gedächtnis, wenn mich Lach-
mann nicht erinnerte, dasz Eginhart über die gesetzsammlung
unmittelbar vorher sich ebenso ausdrücke: jura describere ac
litteris mandari fecit.
Jene stelle auf die lieder des deutschen fabelkreises zu
beziehen, ist an sich ein höchst natürlicher gedanke, und ebenso
wahrscheinlich die Vermutung, dasz in dem Hildebrandslied
noch ein bruchstück von der darstellungsweise jener zeit sich
erhalten habe. Eginhart durfte sie schon zu seiner zeit fiig-
lich antiquissima carmina heiszen, da selbst nach den histori-
schen beziehungen auf den Attila und den ostgothischen Theo-
dorich Jahrhunderte verflossen waren.
2) Als gegensatz bestärkt eine andere stelle jene erklärung;
es heiszt c. 24 p. 94: legebantur ei histoHae et antiquorum res
gestae^ es wurden ihm, während er speiste, bücher vorgelesen,
ohne zweifei lateinische, darunter auch libri S. Augustini, die
ausdrücklich genannt sind.
3) Der poeta Saxo aus dem ende des 9. Jahrhunderts (an-
nales Caroli M., bei Leibnitz Script, rer. brunsv. 1, 168, MG.
SS. 1, 276 f.) hat aus dem Eginhart entlehnt (lib. 5, 545 f.):
Nee non quae veterum depromunt praelia regum
barbara mandavit carmina litterulis.
Er kennt auch lieder von fränkischen Theodorichen 5, 117
[MG. 1, 268 f.]:
est quoque jam notum, vulgaria carmina magnis
laudibus ejus avos et proavos celebrant:
Pippinos, Caroles, Hludowicos et Theodricos
et Carlomannos Hlothariosque canunt.
12.
Thegan de gestis lüdovici pii. aus der ersten hälfte des
neunten Jahrhunderts. er erzählt (c. 19 p. 74 bei Schilter 28
Script, rer. germ., MG. SS. 2, 594), Ludwig sei mit der
griechischen und lateinischen spräche wohl bekannt gewesen und
28 13- 14
%habe die letztere wie seine muttersprache geredet; dann fahrt
er fort: poetica carmina gentiUa^ quae in juventute didicerat,
respuit, nee legere nee audire nee docere voluit.
Carmina gentilia sind volksgesänge ; Mieh. Bitius de rebus
Ungar. 1, 383 (bei Sambuc.) sagt ebenso: Attila, quem Hunni
— gentiliter Ethele vocant; der poeta Saxo (p. 161) Carmen
vulgare, wie das chron. ursperg. Ludwig hatte sie in der
Jugend gehört und im gedächtnis behalten, aber er achtete sie
hernach nicht und wollte sie nicht mehr lesen (nachdem sie
durch Karl waren aufgeschrieben worden), den Vortrag der-
selben nicht mehr anhörten und selbst sie nicht hersagen,
die gewöhnliche geringschätzung, welche erworbene fremdartige
bildung an dem einheimischen ausübt.
13.
Asser. starb im jähr 909.
1) Er erzählt aus der Jugendzeit des königs Alfred, dessen
Zeitgenosse er war (p. 5 bei Cambden): — sed proh dolor in-
digna suorum parentum et nutritorum incuria usque ad duode-
cimum aetatis annum aut eo amplius iUiteratus permansit. sed
saxonica poemata die noctuque solers auditor relatu aliorura
saepissime audtens^ docibilis memoriter retinebaU — cum ergo
quodam die mater sua sibi et fratribus suis quendam saxonicum
poematicae artis librum, quem in manu habebat, ostenderet, ait:
quisquis vestrum discere citius istum codicem possit, dabo illi
illum. qua voce immo divina inspiratione instinctus, et pulchri-
tudine principalis litterae illius libri illectus, ita matri respon-
dens et fratres suos aetate, quamvis non gratia, seniores anti-
cipians inquit: verene dabis istum librum uni ex nobis, scilicet
illi qui citissime intelligere et redtare eum ante te possit? ad
haec illa arridens et gaudens atque affirmans dabo, infit, iUi.
tunc ille statim toUens librum de manu sua magistrum adiit et
legit. quo lecto matri retulit et recitavit.
2) p. 13. Alfred' der könig, bei allen geschäften: et saxo-
nicos libros recitare et maxime carinina saxonica memonter
discere — non desinebat.
Diese stellen erläutern sehr wohl jene bei Eginhart und
Thegan.
14.
29 König alfred. ende des neunten Jahrhunderts. angel-
sächsische Übersetzung von Boethius de consolatione philo-
15 29
sophiae, herausgegeben von Rawlinson s. 162. die worte des 29
Originals:
ubi nunc fidelis ossa Fabricii jacent?
lauten:
hwaer sint nu paes wisan Welandea bän,
paßs goldsmipes, pe woea geo mceroatf
wo sind nun des weisen Wielandea gebeine,
des goldschmiedes, der vordem der berühmteste war?
Alfred sah darin schon eine alte sage. [4n Fabricius lag
ihm faber.' Jac. Grimm.]
15.
Waltharius manu fortis. von Eckehard I. zu St. Gallen
(starb 973) in der ersten hälfte des zehnten Jahrhunderts ge-
dichtet.
1) Er gedenkt der Verschiedenheit der sage, indem er von
Kimo (Haupts zs. 9, 161) sagt:
685. quem referunt quidam Scaramundum nomine dictum.
2) Was die historische beziehung betriflft, so ist unter dem
in Pannonien herschenden mächtigen Attila^ der über die Donau
heranzieht, Franken, Burgund und Aquitanien sich unterwirft,
ohne zweifei der historische Hunnenkönig gemeint, aber den
burgundischen GiMcho finden wir hier als könig von Franken^
der zu Worm^a seinen sitz hat. auch Grunthari tritt auf, doch
weiter kein söhn; Hagano^ der es in der nordischen sage ist,
stammt aus trojanischem geschlecht, lebt zwar an Gibichs
hofe, doch seine Verwandtschaft mit dem königlichen hause, die
in der Nibelunge noth noch von bedeutendem einflusse sich
zeigt, ist hier erloschen, dasz nur die beiden, Gunthari und
Hagano, verkommen, ist sonst eine eigenthümlichkeit, die dieses
gedieht mit Atlamäl gemein hat. (also schon eine änderung
. der sage. die flucht ist echt, aber nicht der kämpf mit
Günther und Hagano. es kommt im kämpf kein held um, der
später noch auftritt, wie dies im Biterolf auch der fall ist.
Patavrid ist ein söhn von Haganos Schwester (846), sonst aber
nirgends genannt.)
3) Walther wird angefallen:
961. et nisi duratis Vuelandia fabrica giris
obstaret, spisso penetraverit ilia ligno.
30 -15»». 16
i9 Welandia (cod. paris. Wielandia) fabrica [ags. Vfilandes
geveorc s. 14, Haupts Zeitschrift 12, 278] ist der von Wie-
land geschmiedete panzer. die Vilkina saga erzählt (c. 25),
dasz er in seiner jugend erst von dem schmiede Alime, dann
von zwei zwergen in die lehre genommen, der kunstreichste
Schmied geworden sei.
*15b.
Ebersberger CHRONIK in MG. 20, 10: sicut deus unum
flagelli nervum Ermanrici Egidiique patricii regno, videlicet
Attilam regem Hunorum, induxit, ita praesenti generationi de-
lictis exigentibus secundum flagelli nervum incutiet.
Scherer (leben Willirams s. 208 — 216) setzt die fundationsge-
schichte des klosters noch ins zehnte Jahrhundert, gilt dies auch
für den ausgehobenen satz, so liegt hier eine ähAliche combina-
tion der sage und schriftlicher historischer Überlieferung, der der
patricius Egidius d. i. Aetius angehört, vor wie in der Qued-
linburger Chronik nr. 18; denn nur die sage machte Ermanrich
und Attila zu Zeitgenossen. zwei andere Zeugnisse für die
Ermanrichssage aus dem zehnten Jahrhundert s. ZE. 34, 1. 2.
16.
30 NoTKER. ende des zehnten und anfang des eilften Jahr-
hunderts, ps. 79, 14 sind die worte singularis ferus depastus
est eam übersetzt: der einluzzo uuildeber*, der mit demo suane-
ringe ne gät, habet in sus frezzen^. Notker will den wilden
eber (ferum singularem, sanglier), den in der wildnis einsam
streifenden, gefräszigen, von dem unterscheiden, der den schwan-
ring trägt; das musz also einer sein, der gezähmt ist und seine
natur geändert hat. was heiszt aber suanerinc? [Schmeller baier.
wb. 3, 259; Mpnes heldens. s. 77.] thut er dem thiere zwang
an und zähmt es dadurch, oder wirkt er durch Zauberkräfte,
die in ihm verschlossen sind? man kann nicht umhin zu
glauben, Notker spiele hier auf einen beiden Dieterichs von
Bern an, von welchem die Vilkina saga berichtet, er heiszt
Wildeber und trägt einen goldring um den arm (c. 109), ohne
* ' 80 Steht in der handschrift/ Lachmann. [nach GraiF sprachsch. 3, 202
und Hattemer 2, 288» vielmehr auilde b§r, vgl. MSF. 8, 15 und anmerknng. —
Lachmann hatte sich angemerkt: gl. Keron. 99 capra agrestis, keiz einluzziu;
Jac. Grimm: Härtung Willeber, Urkunde von 1379 in der Zeitschrift fär
thüringische geschichte 4, 265.]
' mitgetheilt von Jac. Grimm.
• 17. 18 31
dasz man jedoch weisz, zu welchem zweck und woher er ihn so
hat. aber nichts ist ansprechender, als die Vermutung, dasz
dies Notkers schwanring sei und die kraft in sich trage, den
menschen zu verwandeln (unten s. 387. 388); denn Wildeber
nimmt hernach die gestalt eines baren an (c. 117; unten s. 340).
frühere lieder hätten dann aller Wahrscheinlichkeit nach erörtert,
wie der held zu diesem ring gekommen sei, der vielleicht ge-
schenk einer elfischen schwanenjungfrau war, und auf welche
weise er übernatürlich wirkte, sie hätten auch wohl erzählt,
dasz er nicht als bar, sondern als gezähmter eher umherge-
zogen sei und seine künste gemacht habe.
17.
Flodoardi HiSTORiA ECGLESi^ REMENSIS. eine chronik, die
bis zu dem jähr 996 geht und um diese zeit abgefasst ist.
darin wird erzählt (4, 5) [MG. SS. 3, 365 in der note], dasz
Fulko, erzbischof von ßheims, den könig Arnulf in einem
schreiben ermahnt habe, redlich gegen Karl den einfältigen,
den letzten aus dem königlichen stamme, zu verfahren: sub-
jicit etiam ex libris teutonicis de rege quodam Hermenrico nomine^
qui omneni progeniem suam morti destdnavent impüs consilüs
cujuaquam consÜiarii suiy supplicatque ne sceleratis hie rex ad- 31
quiescat consiliis, sed misereatur gentis hujus et regio generi
subveniat decidenti.
Die beziehung auf die schon oben beim Jemandes ausge-
führte sage von dem könige Ermanrich und seinem treulosen
raihe Sibich, von dessen anschlagen verleitet er sein eigenes
geschlecht zu gründe richtet, ist hier klar. — die libri teutonici
beweisen die aufzeichnung der gedichte und bestätigen die an-
gäbe Eginharts. merkwürdig ist auch ein solcher von der sage
gemachter gebrauch, und das vertrauen auf die lebendige ein-
wirkung einer erinnerung daran.
18. ^
Chronicon QüEDLiNBüRGENSE. aus dem ende des zehnten und
aufang des elften Jahrhunderts; es schlieszt mit 1025. gedruckt
bei Leibnitz Script, rer. brunsv. 2, 237 und Menken Script, rer.
ger. 3, 170 [MG. SS. 3, 31; vgl. Eckehard chronic. Wirciburg.
MG. SS. 6, 23].
1) Mortuo Bletla [Bleda], Attila ejus frater omnem pene
Galliam devastavit, quo usque deo annuente per Aegidium
[Egidium] (Aetium) patritium et Thurismodum Remensis civi-
32 18
31 tatis principem Gothicum fiigatus est. eo tempore Ermana"
riou8 \Ermanricu8, Ermenrictis] super omnes Qoihoa regnavity astu-
tior [astutior omnibus Eckeh.] in doh, largior in dono. qui post
mortem Friderici, unici filii sui, sua perpetratam voluntate, pa-
trueles suos Embricam et Fritlam patibulo mspendit.
Ermanricb kann schon deshalb der geschichtliche nicht
sein, weil dieser kein Zeitgenosse Attilas war, sondern im vier-
ten Jahrhundert lebte, den tod seines sohnes Friedrich erzählt
die Vilkina saga c. 250— -251. nach Sifkas rathe trägt Ermenrek
ihm auf Schätzung bei dem könig Osantrix einzufordern, aber ein
von dem verräther vorausgeschickter böte bringt den befehl an
einen verwandten Sifkas, den königssohn, wie er anlange, zu
tödten. Ermenrek glaubt, Osantrix habe den mord angestiftet,
und insoweit enthalten die worte: sua voluntate perpetratam
eine abweichung ; aber die angäbe der Vilkina saga mag wol die
spätere milderung sein, wie auch nach der kurzen und unklaren
andeutung in Dieterichs flucht (2455—2461) Ermanrich selbst
den tod seines sohnes Friedrich wollte, in diesem gedieht und
in Heinrichs von München weltchronik ist es auchy wie hier,
ein einziger söhn, während in der Vilkina saga noch zwei
andere söhne ebenfalls durch Sifkas bosheit ermordet werden.
— die beiden neffen sind die Harlunge^ Imbrecke und Fritile^
32 von welchen schon oben die rede war. die Vilkina saga ent-
hält ihre geschichte (c. 255 — 258): sie werden gefangen und
an den galgen gehängt; auch die weltchronik und der anhang
zum heldenbuche erzählen das, wogegen sich das gedieht von
Dietrichs flucht 2546 — 2550 nur allgemein ausdrückt.
2) (Ermanaricus) Theodoricum \Theodericu7)fi\ similiter pa-
truelem snunty instimulante Odoacro, patruele suo, de Verona pul-
sum, apud Attilam earulare coegit.
Stimmt zu den angaben des liedes von Hildebrand, und
diese stelle überzeugt, dasz Otacher dort nicht etwa Erman-
richs stelle vertritt, denn dieser wird hier daneben angefahrt,
hier finden wir auch die namen Attila und Bern ausdrücklich,
neu ist nur der umstand, dasz Odoaker, gleichfalls zu dem ge-
schlecht gehörig, ein vetter von Ermanrich oder Dieterich sein
soll; er ist aus der bekannten sage nicht zu erklären, da etwas
ähnliches von Sibich nirgends behauptet wird.
3) Ermanarici \Ermanrici, Ermenricus] regis Gothorum a
' fratribus Hernido [Hemido, Hamido^ et Serila [Sarilo Eckeh.] et
Adaocaro (sie) [Adaccaro, Odoacro], quorum patrem interfecerat,
amputaiis manibus et pedibus [turpiter]^ ut dignus erat, ocdsio
\occi8U8 est, Eckeh.].
Die schon bei Jemandes (s. 1—4) erläuterte sage von
Hamdir und Sorli, welche beide in Hernidvs (1. Hemidus) und
Serila leicht zu erkennen sind, allein Jemandes kann nicht
quelle sein, denn die stelle hier hat genauere umstände, und
— 18 — aa
eben darin nähert sie sich am meisten der alten sage, wovon 32
sich in den eddischen liedem das abbild erbalten hat. nämlich
sie hauen dem Ermcmrichy wie dort, hände und füeze ab. statt
quorum fairem interfecerat ist, wenn nicht eine unbekannte
. sagenhafte ab weichung im mittel lieg^, zu lesen: qüomm
sororem. auch der dritte hrudeVy den jornandes nicht kennt,
wird genannt; er heiszt in der Edda Erp^ ob Odoaker^ wie hier
steht, der deutschen sage eigenthümlich war oder blosz eine
entstellung ist, lässt sich noch nicht entscheiden, ich erinnere
hier aus gr. 2, 753, dasz Hamdir kein ursprünglich nordischer
name scheint und abermals ein beweis von der abstammung der
eddischen lieder aus deutschen wäre. [Haupts zs. 3, 155.]
4) Amulwinus (al. Amulung) Theodenc [Amulung Theoderic]
dicitur, proavus suus Amul vocabatur, qui Gothorum potentis-
simus [potissimus] censebatur. et ille fuit Thideric de Berne^
de quo cantabant rtistici olim, TheodoricuSy Attüae regia auanlio
in regnum Gothorum reductus, suum patruelem Odoacrum in 33
Ravenna civitate expugnatam, interveniente Attila, ne occide-
retur, exilio deputatum, paucis villis juxta confluentiam Albiae
et Salae fluminum* donavit.
Der bei Menken abgedruckte codex hat die vorangehen-
den drei stellen nicht, nur diese hier, darin aber die richtigere
lesart Amulung; Amul ist der Amal des Jornandes.
Der verfesser der chronik hielt, was er von dem Theodo-
rich von Verona vernahm, für geschlchte, jetzt erinnert er sich
der lieder y die das gemeine voUc (Mändhche sänger,' Lachmann
zum Hildeb. 30) sonst (dieses olim schon in damaliger zeit ist
merkwürdig, Mn meiner jugend', sagt Lachmann, ^als ich noch
nicht im kloster war\ Wackernagel litteraturgesch. s. 75) von
Dieterich von Bern sang und vermutet, dasz beide eine und die-
selbe person sein möchten, hierauf wendet er sich wieder zu^
rück zu dem, was er fär geschichte ansieht, schreibt auch
wieder schriftgemäsz Theodorich; er erzählt die rückkehr des
geflüchteten in sein reich durch den beistand Attilas, nach an-
gäbe der sage, doch nicht ganz genau übereinstimmend, denn
zuletzt zog Dieterich ohne Etzels beistand heim und fand keinen
widerstand mehr, weil seine feinde gestorben waren, ganz fremd
der sage ist aber, was weiter von einer belagerung Odoakers
in Ravenna gesagt wird und von den besitzungen, die er in
Deutschland erhielt; dagegen mag es sich auf die geschicht-
lichen Verhältnisse Theodorichs und Odoakers beziehen, be-
kanntlich wurde letzterer drei jähre zu Ravenna belagert,
erhielt aber dennoch von Theodorich frieden und antheil an
der herschaft; nur ist Attila wieder unhistorisch eingemischt.
* fiernbtttg kommt im zehtiten jahrhnndfert vor als Berneborg, in Raomers
reg. bist Brandenb. nr. 280 a. 980.
WiLH. GbIMM, DMÜTSOHB HILDSlISAeB. ^
34 19
33 5) Der ausirasiche Theodorich wird Hugo Theodoricus
genannt (p. 273) [MG. SS. 3, 31], desgleichen in der Sachsen-
chronik (Leibnitz 3, 281). Lachmann vermutet dabei eine be-
Ziehung auf den Sugdieterich der sage. (Haupts zs. 6, 437.
441 «.) [12, 261.]
19.
Das dritte lied von gudrun. wahrscheinlich aus dem über-
gange des elften in das zwölfte Jahrhundert und nach P. £.
Müllers Vermutung (sagenbibl. 2, 319) von Saemund selbst ge-
dichtet, zwar ist der inhalt der deutschen sage, soweit wir sie
kennen, ft-emd, allein was hier dargestellt wird, das gottes-
urtheil des kesselfangs, davon weisz der norden überhaupt nichts
(vgl. sagenbibl. 2, 318); und da die übrige nordische sage gleich-
falls dieses lied völlig verleugnet, so ist schwer über seinen
Ursprung zu urtheilen.
Ich bemerke hier nur deutliche beziehungen auf deutsche
gedichte:
34 1) Gudrun sagt zu Atli:
Str. 5. her kom ^ioprehr mip prid tigo;
lifa peir ne einir priggia tego manna.
hierher kam Dieterich mit dreiszigen;
nicht einer lebt mehr von diesen dreiszig männem.
Dieterichs flucht von Bern zu dem könig Etzel ist ge-
meint, dasz er mit dreiszig mannen gekommen sei, stimmt j
ziemlich genau mit dem deutschen gedichte: i
4147. wie vil der wären oder sint,
die guot, wip unde kint
liezen durch den von Berne,
daz müget ir hoeren gerne:
der wären dri und vierzic man^
die sach er alle vor im stän.
Dasz keiner mehr davon am leben ist, spielt auf seinen
langen aufenthalt bei Etzel an; sie waren in den kämpfen, die
Dieterich in der zeit bestand, umgekommen, auffallend , dasz
Hildebrands keine erwähnung geschieht.
2) Gudrun ist zwar hier, wie in den andern liedem, Atlis
frau, aber dieser hat ein kebsweib, das Herkia heiszt. es ist
die Erka der Vilkina saga und Helche der Nibelungen noth,
welche der nordische dichter auf diese weise mit Atii in Ver-
bindung gebracht hat. ,
20 35
3) Ich merke gleich hier an, dasz auch der proBaische ein- 34
gang zu dem zweiten Gudrunenlied sagt: pioprekr konüngr var
mep Atla ok hafpi par lätip flest alla mcnn stna. die worte
sind aber wol aus unserm liede genommen.
20.
Prosaische Zwischensätze in samunds edda. sie sind dop-
pelter art: solche, die einleitungen oder bemerkungen liefern,
und andere, welche lücken in den liedern selbst ausfüllen,
diese können aus unvollständiger Überlieferung entstanden und
ihrem Inhalte nach so alt sein, als die lieder selbst, jene rühren
von dem Sammler und aus ihnen bemerke ich folgendes:
1) Eine auffallende abweichung' in den geographischen an-
gaben: das reich der Völsungen heiszt nicht Hünaland, son-
dern FraMand (p. 118); südlich dahin zieht Sigmund (p. 121)
und auch Sigurd (190).
In den liedern selbst nirgends ein Frakland; es scheint
ein Wirkung eines deutschen gedichts, worin Frankenland vor-
kommen mochte, wie im Waltharius.
Die Völsunga saga bringt diese abweichung auch einmal 85
in ihren text. zwar Sigi ist könig von Hünaland (c. 3) und
Sigmund fährt heim nach Hünaland; doch im Widerspruch
damit ist Frakland aus jenen Zwischensätzen aufgenommen,
wenn es (c. 29) heiszt, dasz Sigurd dahin gezogen sei. -;— auch
in die Nomagests saga ist (c. 3. 4) dieses Frakland eingeführt,
dagegen nicht in den auszug der Snorraedda.
2) Das zweite lied von Brünhild erzählt, Sigurd sei am
Rhein unter dem Schwerte Hömis und Guthorms gefallen,
nachdem der letztere durch mordspeise ermutigt worden, am
schlusz folgt ein prosaischer nachsatz:
Her segir sva t pessi quipo frä daupa Sigurpar, ok vikr
her sva til, sem peir drsepi bann üti, en sumir segia sva, at
peir drsepi bann inni i reckio sinni sofanda, En pypverskir
menn segia sva, at peir draepi bann üti t skoai* ok sva segir i
Goprünar quipo inni fomo, at Sigurpr ok Giuka synir hefpi
til pings ripit, pä er bann var drepinn. En pat segia allir ein-
nig, at peir sviko bann i trygp ok vogo at honom liggianda
ok obünom.
Diese Verschiedenheiten lassen sich in den gedichten nach-
weisen, dasz Sigurd im bette neben Gudrun liegend getödtet
wird, erzählen aas dritte Sigurdslied und Hamdismal, jenes
ausföhrlicher: Guthorm kehrt zweimal zurück, bis Sigurd ein-
geschlafen ist, weil er sich vor dessen blitzenden äugen
fllrchtet. den mord auf dem wege nach dem ding berichtet
3*
aft — - 21, ?2 —
36 das zweite Gudrnnenlied (atr. 6); drauszen bei dem Khein
Brynh. 2, 6. endlich nach der Nibelunge noth und der Vilkina
saga (c. 322, 324) wird Siegfried im walde von Hagens speer
durchbohrt, als er, erhitzt von der jagd, sich zu einem brunnen
herabbeugt.
3) Ich füge hier gleich die sehr ähnliche stelle aus der
später abgefassten Nornagests saga hinzu:
c. 8. Gestur svarar : su er flestra manna sögn, at Gupor-
mur Giuka son lagpi bann mep sverpi igegnum aofanda i
8€eng Gudrunar; en pypverskir menn segia Siffurd drepinn hafa
verit üti t akogi, En igpurnar sogpo sva, at Sigurdur ok Giuka
synir höfpo ripit tu pings nockurs oo pä draepi peir hann. Edd
pat er allsagt, at peir vogu at honum liggianda oo uvorum oc
sviku hann i trygd.
21.
VöLSüNGA Saga. sie folgt hier wegen ihres Zusammen-
hangs mit der Edda; über die zeit, in welcher sie wahrschein-
lich abgefasst ist, vgl. sagenbibl. 2, 97 — 103. darin heiszt es
86 (p. 86) von Sigurd : ok bans nafn mun vera aldrei firnast i
pyskri tungu ok ä nordurlöndum, medan heimurin stendur. und
hernach: ok hans na/n geingur t öllum tungum firir nordan
Gricklands haf ok svo mun vera medan veroUdin stendur.
etwas ähnliches wird dem Sigurd (Sig. q. 1, 41) verkündigt:
pvi mun uppi mepan öld lifir,
piopar pengill) pitt nafn vera.
darum wird, so lange die weit steht, J
völkerförst, dein name dauern.
22.
Chronicon novalicense. bei Muratori Script, rer. ital. 2, 2
[MG. SS. 7, 79]. geschrieben um das jähr 1060. — hier wird
(c. 8) die legendenartige sage von einem Walther erzählt, der
aus königlichem blute stammt, als weitberühmter held viel
männliche thaten vollbringt, in seinem alter aber ein mönch
wird, diesen Walther macht nun der Verfasser der chronik mit
dem Waltharius manu fortis zu. einer person und liefert (c. 8.
und 9) [MG. p. 86] einen auszug und einzelne verse aus dem
lateinischen gedichte Eckehards und einer andern lateinischen
bearbeitung. Alphere bei Eckhard ist Alferius [Alferus] ge-
schrieben.
28 8t
23.
EcKEHARD IM GHRONiGON URSPERGENSE. Sein werk geht bisse
zum Jahr 1126. Argent. 1609. [MG. SS. 7, 130.]
1) p. 85^ nach auszügen aus dem Jornandes bemerkt
Eckehard: haec Jordanis quidam grammaticus, ex eorundem
stirpe Gothorum progenitus, de Getarum origine et Amalorum
nobilitate non omnia, quae de eis scribuntur et referuntur, ut
ipse dicit, complexus exaravit, sed brevius pro rerum notitia
huic opusculo inseruimus. his perlectis diligenterque perspec-
tis perpendat, qui discernere noverit, quomodo illud ratum
teneatur, quod non sohim vulgari fahulatione et cantäenarum
modulatione usitatur, verum etiam in quibuadam chronicis anno-
tatur; scilicet quod Hermenricus [Ermenricus] tempore Martiani
[Marciani] principis super omnes Gothos regnaverit, et Theodo-
ricum [Theodericum] Dietmari ßHum, patruelem mum^ ut dicunt,
instimulante Odoacre \Odoacare] item ut ajunt, patruele 8uo de
Verona pulsunty apud AtHlam Hunorum regem exulare coegerit^
cum historiographus narret, Ermenricum regem Gothorum mul-
tis regibus dominantem tempore Valentiniani et Valentis fratrum
regnasse et a duobua fratribtis Saro et AmmiOy quos conjicimus
eo8 fuisse, qui vulgariter Sarelo et Hamidtecus [Hamidiech] dicun-
tur, vulneratum in primordio egressionis Hunorum per Meotidem 87
paludem, quibus rex fuit Valamber, tam vulneris quam Hunorum
irruptionis dolore defunctum fuisse, Attilam vero postea ultra
Lxx annos sub Martiano et Valentiniano cum Romanis et Wisi-
gothis Aecioque duce Romanorum pugnasse et sub eisdem prin-
cipibus regno vitaque decessisse. — — hinc rerum diligens in-
spector perpendat, quomodo Ermenrictia Theodoricum [Theode-
ricum] Dietmari filium apud Attilam exulare coegerit^ cum juxta
hunc historiographum contemporalis ejus non fuit. igitur aut
hie falsa conscripsit, aut vulgaris opinio faUitur et faUit^ aut
alius Ermenricus et alius Theodoricus [Theodericus] dandi sunt
Attilae contemporanei, in quibus hujua modi rerum convenientia
rata possit haben, hie enim Ermenricus longe ante Attilam
legitur defunctus.
a) Eckehard bemerkt den chronologischen Widerspruch
zwischen Jornandes, der den Ermanrich längst vor Attila ster-
ben läszt, und der volkssage, die ihn zugleich mit dem Dieferichy
dem söhne Dietmars^ zu einem Zeitgenossen desselben macht auch
dem Otto von Freisingen und Gottfried von Viterbo ist er auf-
gefallen, er ist den dichtungen gemäsz.
b) Er erwähnt die ßucht Dieterichs zu den Hunnen fast mit
denselben werten, wie das chronicon Quedlinb.; man düi^e
88 23
87 ableitung von dort oder gemeinsame quelle voraussetzen. Otaker
steht auch' hier für Sibeche.
c) Ganz richtig werden die beiden brüder des Jemandes
Sarus und Ammius fbr Sarelo und Hamideo (so ist zu lesen,
vgl. gramm. 2, 753) der volkssage erklärt, darin weicht Ecke-
hard von dem chronicon Quedlinb. ab, welches auch den
dritten bruder anflihrt, dasz er nur zwei nennt; aber das stimmt
mit Jornandes.
d) Die verbreitete y gemeine volkssage und der gesang der
lieder wird bemerkt, was hier um so wichtiger ist, als wir zu-
gleich den epischen inhalt derselben erfahren, der gegensatz,
aufzeichnung der sage in Chroniken^ ist eben durch das chronicon
Quedlinb. schon auszer zweifei gesetzt.
2) p. 159. [MG. SS. 6, 185.] Est autem in confinio
Alsatiae castellum vocabulo JBrisach [Brisahc]^ de quo omnia
adjacens pagus appellatur Brisachgowe [Brisahcgowe]^ quod
fertur olim fuisse illorum, qui Harlungi \Harelungi] dicebantur.
Anspielung auf die sage von den Härtungen^ die als eine
alte bezeichnet wird. den Breisgau [ZE. 13, vgl. 26, 11]
schreibt ihnen der anhang des heldenbuchs zu, auch die Yilkina
sssaga lässt sie am Rhein wohnen, der annalista Saxo, der
etwas später, um das jähr 1139 schrieb, hat dieselbe stelle
(Bouquet 8, 227)« [MG. SS. 6, 603].
^ auch in Oestreich kommt eine Harlnngebarch und ein Harlungevelt, und
zwar im neunten Jahrhundert vor; die bürg findet man in der karte des chro-
nicon Gottwic. verzeichnet, sie lag in der nähe von Medilike, an dem flosz
!?leiches namens, die diplome, "worin Ludwig der fromme den bischof Baturich
von Regensburg damit beschenkte, stehen bei Pez thes. l, 3, 16 u. 22. es
heiszt schon darin: locus ubi antiquitus castrum fuit, qui dicitur Harlunge-
burch. [Haupts zs. 10, 163. Dümmler, Piligrim von Passau s. 192, 17. —
'mons qui dicitur Harluncsberch. Notizenbl. 6, 239.' Jac. Grimm.] — Thedel
ünuerferd, bog. f:
vnd ins stifft nach Hildesheim zu
trieben sie pferdt vnd küh mit ruh.
zum Harlingsberg vnter dem haus
thielten (so!) sie denn die beute aus.
[ — Die stelle, wo in Brandenburg an der Havel ante veterem civitatem in
monte nach der Urkunde nr. 954 von c. 1139 (1136 — 1141) in v. Raumers
regest. Brandenb. (vgl. Heffter geschichte von Brandenburg s. 67 f.) der heid-
nisch-slavische götze Triglaf stand und eine Marienkirche erbaut wurde, heiszt
im jähre 1166 bei Raumer nr. 1336 Harlungberg, in der kaiserlichen confir-
mation von 1179 (Raum er nr. 1456) Harlungeberg. auch Harlungate kommt
in Brandenburg 1195 und 1197 vor, Heffter a. a. o. s. 25, vgl. Raamer nr.
1619« siehe unten nr. 35 b*]
24 89
24.
Otto von freisingen, erste hälfte des zwölften jahrhun-38
derts. er erzählt (chronicon 5, 3), der ostgothische Theodorich
habe den Symmachus und Boethius getödtet, und föhrt fort:
ob ea non multis post diebus, xxx imperii sui anno, subitanea
morte rapitur ac juxta beati Gregorii dialogum (4, 30) a Joanne
et Symmacho in Aetnam praecipitatus, a quodam bomine Dei
cernitur. hinc puto fabulam illam traduetam, qua vulgo dicitur:
Theodoricus vivvs equo sedena ad inferos descendit. quod autem
rursum narrant, eum Hermanarico Ättilaeque contemporaneum
fuisse^ omnino stare non potest, dum Attilam longe post
Hermanaricum constat exercuisse tyrannidem istumque post
mortem Attilae octennem a patre obsidem Leoni Augusto
traditnm.
1) Otto gedenkt der (wahrscheinlich in Baiern) gangbaren
volhsage^ von dem ende Dietericha von Bern^ den er fiir eine
person mit dem ostgothischen Theodorich hält. ob seine Ver-
mutung über ihren Ursprung richtig sei, mag dahingestellt
bleiben; man könnte auch das umgekehrte wahrscheinlich
finden, die Eaiserchronik ftlhrt übrigens die legende etwas
verschieden an:
vil manige daz sähen,
daz in (den Dieterich) die tievel ndmen:
sie fuorten in in den berc ze Vulkan;
daz gebot in sent Johannes der heilige man.
da brinnet er unz an den jungisten tac,
daz im nieman gehelfen ne mac.
Eine mit Ottos erzählung verwandte volkssage kommt her-
nach bei dem mönch Gottfried vor. unter den deutschen ge-
dichten nähert sich Etzels hofhaltung am meisten (str. 131. 132):
Dieterich vdrd sündlicher reden wegen von einem gespenstigen
pferdy das der teufel selber ist, in die wUste Rumenei geführt, da 39
mit dem gewürme bis an den jüngsten tag zu streiten, auch
in Sachsenheims Mohrin (bl. 41) wird gesagt, er müsse dort
alle tage mit drei drachen fechten, in Verona selbst gab es
eine volkssage, wornach höllische geister ihm p/erde und hunde
brachten."^ nach dem anhange des heldenbuchs holt ihn ein
zwerg ab mit den werten: 'du sollst mit mir gehen, dein reich
^ Maffei Verona illnstr. 3, 120 erzählt das bei beschreibung eines rohen
basreliefs in der alten kirche St. Zeno, das man auf Dieterich, wie er auf die
jagd zieht, deutet. [ZE. 21, 7. über andere bilder von Dieterich das. 3 — 6,
8. 386; 50.]
40 S4
89 ist nicht mehr in dieser weit' ; er fthrt ihn weg, niemand weisz,
wohin er gekommen und ob er noch lebe oder todt sei. noch
milder drückt sich die Vilkina paga in dem Peringskjöldischen
text aus, scheint aber doch etwas unheimliches anzudeuten, sie
schweigt ganz Ober sein ende, bemerkt aber am schlusze (c. 382),
er sei oft auf einem guten rosse einsam durch dichte wälder und
Wüsteneien geritten, ohne furcht vor menschen oder thieren. — eine
ganz andere, ausführliche erzählung steht in den handschnften der
Yilkina saga, aus welchen die sagenbibliothek ergänzungen mit-
theilt (2, 289—291) und wornach Rafn übersetzt hat (c.393). Thi-
drek jagt thiere, an welche andere sich nicht wagen, und reitet oft
aus, nur von wenigen dienern begleitet, schon altersschwach scheut
er doch keinen kämpf, als er sich eines tages an der statte, die jetzt
Thidreksbad heiszt, badete^ sagt ein diener: ^dort läuft ein schwar-
zes pferd (in andern handschriften ein hirsch), so stark und schön,
wie ich noch keins gesehen habel' der könig springt auf und
wirft sein badegewand um sich, und wie er das thier erblickt,
ruft er nach rosz und hunden. die diener eilen fort, aber es
dauert ihm zu lange, und da er neben sich ein rabenschwarzes
rosz gesattelt stehen siebt, schwingt er sich darauf, die hunde
können dem rosz, das schneller läuft, als ein vogel fliegt, nicht
folgen, der beste reitknecht jagt auf dem pferd Blanke nach
und alle hunde hinter ihm her. Thidrek merkt bald, dasz es
kein pferd ist, worauf er reitet, will abspringen, fUhlt aber, dasz
er sich nicht bewegen kann, der reitknecht ruft: *herr, wann
willst du zurückkommen und warum reitest du so schnell?'
Thidrek antwortet: 'ich thue einen bösen ritt, es ist der teufel
selbst f auf dem ich reite; ich komme zurück, wenn gott und
die Jungfrau Maria es wollen.' der reitknecht verliert den
könig aus dem gesiebt, man hört nichts von ihm und weisz
nicht, wo er hingekommen ist.*
40 Dieser sage gibt aber die altschwedische Übersetzung durch
einen zusatz eine andere wendung. darnach hatte Didrik diese
geheimnisvolle entfemung aus seinem reiche selbst veranstaltet,
sieben jähre lang war ein pferd heimlich unter der erde grosz
g'ezogen und dann, als er in dem bade sasz [recbtsalterth. 87.
88] losgelassen worden, er setzt ihm nach, und man weisz
nicht, wohin er den weg einschlägt, seine absieht aber war,
den Wideke zu überfallen und an ihm den mord seines bruders
und Attilas beider söhne zu rächen, er tödtet ihn auch im
kämpfe, stirbt aber bald darauf selbst an den empfangenen
wunden, ohne sein reich wieder zu sehen.
Ich glaube, Dieterichs seltsames ende hängt zusammen mit
* T«tricu9 italicäfi q«ondam vegnator in oris,
moUis ax opibas tantum aibi servat avants,
at secttni infelix piceo spaciator averno.
Walafried p. 228. Jac. Grimm. — ZE. 21, 6. 7; 24; 30, 1»>; 52, 2.
95, »«>• 41
seiner übernatürlichen geburt, wovon der anhang des beiden- 40
buches erzählt, darnach war er der söhn eines geistes, wahr-
scheinlich eines nachtelfen, der ihn jetzt auf einem schwarzen,
gespenstigen pferd wieder zu sich und der wilden jagd zurück-
holt, es passt vollkommen zu dieser ansieht » dasz noch heut
zu tag in der Lausitz der knecht Ruprecht, der nichts anders
als ein schwarzer elfe ist, Dieterich von Bern heiszt (v. d. Hagen
in der Sammlung fbr altd. lit. 141).
3) Otto bemerkt noch gleich dem Eckehard, dasz Theodo-
rich nichty vde man sage^ Zeitgenosse des Ermanarich und Attila
könne gewesen sein.
25.
D£ FUNDATIONE MONASTERII GOZECENSIS (VOU 1135); bei Hoff-
mann script. rer. Lusatic. 4, 112'^* [nach 1157 geschrieben,
MG. SS. 10, 149.]
Verona a Teutonicis Bema \Beme\ nuncupatur. hanc civi-
tatem transmontanam Theodoricus ITheodericus] quondam rex
Hunnorum, ut ab indigenü accepimus^ primum condidit et a situ
et natura loci Veronam, scilicet a vere, vemali vocabulo nun-
cupavit [iocundavit]. in eadem civitate domum praegrandem
exstruxit, quod (sie) [quae] Romuleo theatro mire assimulavit
assimulatur]. — Neve [Ne] quisquam conditoris hujus incertus
labeatur, usque hodie Theodorici [Theoderici] äomt^ appellatur. "
Sehr begreiflich verwechselt die italienische volkssage
Gothen und Hünen, [über Dietrichs bauten und denkmäler in
Rom*, Verona und andern orten von Italien ZE. 21, 1 — 5
52, 2.]
♦25 b-
Dietrich von deutz. verfasste als küster der Benedictiner;
abtei daselbst zwischen 1155r-1165 eine kurze weltchronik.
Lacomblets archiv für die geschichte des Niederrheins 5 (1866),
s. 322:
Hie est Attila rex Hunorum^ et Emmericus atque Theode-
rieus reges Gothorum, quoru/m actus vel preconia veterum narra-
tionibuB tragicorumque decantationibtis orbe toto declamantm\
#«
^ mitgetheilt von Lachmann.
* das gesiebt, das nach der legende ron Gregor dem groflzen zur anfstel-
lung des 'engeis' anf der Engelsbnrg anlasz gegeben haben soll (Haupts zs. 12,
321), gleicht dem des DaWds, 1 Paralipom. 21, 16. 27.
** mitgetheilt von W. Crecelios in Pfeiffers Germania 11, 310.
42 «6. 27
26.
^ Gottfried von monmodth. lateinisches gedieht bei Ellis
metrical romances I. aus der mitte des zwölften Jahrhunderts.
(Gfrörer prophetae veteres pseudepigraphi p. 372: die stelle
fehlt in' einigen handschriften. San-Marte Arthursage,
8. 91.)
^1 Merlin ist wahnsinnig, ihn zu besänftigen bietet könig
Rhydderich von Cumberland alles auf:
afferrique jubet vestes, volucresque canesque
quadrupedesque citos, aurum gemmasque micantes,
poculuy quae sculpsit Guielandt^ in urbe Sigeni.
Becher, die Wieland kunstreich gebildet hat. auch in dem
eddischen liede weisz er aus hirnschädeln , die er mit silber
überzieht, becher zu machen.
27.
Abt nicolaus, itinerarium aus der mitte des zwölften Jahr-
hunderts herausgegeben von Werlauff in den symb. ad geogra-
phiam medii aevi. Kopenh. 1821. darin folgende stelle:
par imilli (zwischen Paderborn und Mainz, die vier tage-
reisen von einander entfernt liegen) er porp er Horus heitir,
annat heitir Kiliandr, oc par er Gnitaheidr (1. Gnitaheidi), er
Sigurdur vä at Fafni.
Was für dörfer unter Horus und Kiliandur gemeint sind,
ist schwer zu sagen, wahrscheinlich jedoch wird unter dem
erstem Horohüs am ftisze der Eresburg (Stadtbergen)* gemeint
(Wigand gesch. von Corvei 2, 221). [Mone heldens.*45.J aber
merkwürdig bleibt dasz ein Nordländer die Gnitaheide, wo
Sigurd den Fafne erschlug, nach Deutschland verlegt und zwar
in eine so bestimmte gegend. an sich mag der alten sage
nach diese stelle noch richtiger sein, als bei der Stadt Luna in
Italien (s. 20) die bemerkung: i Lunu söndum kalla sumir
menn ormgard er Gxinnar var i settr, wornach in den sandgegen-
den bei dieser Stadt, wie einige behaupten, die schlangenhöhle
soll gewesen sein, in die Grmnar gesetzt wurde. (Haupts zs.
1, 397) [vgl. noch das. 12, 324 f.]
28. 29. 30 43
28.
HiSTORIA PONTIFICÜM ET C0M1TÜM ENGOLfSMENSIUM. lim AbS 41
Jahr 1159 von einem unbekannten Verfasser geschrieben; steht
abgedruckt bei Labb^ bibl. mss. nova, 2. darin c< 19 p. 253
folgende stelle:
Gillermus Sectorferri hoc nomen sortitus est, quia cum
Normannis confligens, venire solito conflictu deluctans, ense
corto vel scorto durissimo, quem Walandus faber condideratj per
medium corptis loricatum secavit una percuasione.
Dieser herzog Wilhelm von Angouleme lebte in der zweiten
hälfte des zehnten Jahrhunderts, sein schwert hielt man fbr
eine arbeit des kunstreichen schmieds Waland. auch die yil-42
kina saga (c. 25) erzählt von einem Schwerte Velints, das wie
ein blitz durch den feind fährt und ihn mit einem hiebe
spaltet, möglich, dasz eben des ähnlichen hiebes wegen das
schwert des herzogs als eine arbeit Wielands betrachtet wurde,
ensis curtus ist wohl mit semispatha in Eckehards Waltharius
(1386) einerlei, der beiname des herzogs Sectorferri entspricht
dem auch sonst vorkommenden Taillefer.
29.
Johannes monachus. aus der mitte des zwölften Jahrhunderts,
von ihm rührt Gaufredi ducis Normannorum historia und darin
(lib. 1 p. 19 Paris 1610) wird die rüstung des herzogs beschrieben:
ad ultimum allatus est ensis de thesauro regis ab anüquo ibi-
dem signatus, in quo fabricando fabrorum superlativus Galannus
multa opera et studio desudavit. . ohne zweifei ist Wialant ge-
meint; das romanische g, gu für v, w macht gar keine Schwie-
rigkeit (vgl. gramm. 2, 342. anm.).
30.
Altfranzösische Gedichte. Zeugnisse daraus erhalten hier
einen platz, weil sie sich an die vorhergehenden durch ihren
inhalt genau anschlieszen, ohne dasz ich behaupten könnte, sie
müsten ihn der zeit nach einnehmen, doch auch ohne es
leugnen zu wollen.^ ^
' mitgetheilt sind sämmtliche steUen von Jacob Grimm, der sie selbst aus
den Pariser handschriften gezogen hat — [V^and le forgeron, diss. par Dep-
ping et Fr. Michel Paris 1833, vgl. altdeutsche blätter 1, 34—47]
44 90
42 1) Ogier (cod. 2729, bibl. reg. Paris):
et chaint (gürtet) lespee de la forge (arbeit) galant.
Femer:
puis chainst lespee au senestre giron;
ele fu prise en tresor pharaon.
galana la fist en liUe (l'isle, landschaft) demascon.
Und mit andern werten:
puis cbaint lespee a son flanc senestrois.
galana la fist en lille de persois.
Da eine orientalische und damascierte klinge für die beste
43 und bärteste galt (in der innern Indiä da ist einer slabte stal^
daz hat von golde rötiu mal und ist so herte, daz ez den stein
rehte suidet als ein zein. Wigal. 4754—4759, vgl. anm.), so
lässt sich leicht erklären, warum der dichter den Wieland, von
dem er weiter nichts wissen mochte, in Damascus und Persien
das Schwert verfertigen lässt, und es als einen theil von Pha-
raons schätze betrachtet.
2) Chevalier au dane (cod. 7192. 2).
Als das schi£Pchen anlangt, kommen die leute:
il ont veut le cisne le batiel trainant,
au col une caainne toute blance dargent,
et virent en la nef un Chevalier gisant,
de les lui son escut son espee trencant
et un mout bien espiel par le mien ensiant.
jou cui que son espee que la foriast galans.
nvs hone de car ne vit plus rice brant (schwert).
3) Ich führe hier gleich eine stelle aus einer prosaischen,
auflösung des altfranzösischen romans von Fierabras (Lyon
1597, in 4.) an, deren quelle ohnehin mit den obengenannten
gedichten gleichzeitig sein wird. es heiszt darin (c. 9 p. 35.
36; Bekker Fierabras p. 178) j
Fierabras — ceignit son espee nommee Plorence, et en
Farpon de la seile en auoit deux autres bonnes-, dont Tune
estoit nommee Graban, lesquelles estoient faites tellement, qu'il
n'estoit hamois, qui les peust rompre ne gaster. et qui de-
manderoit la maniere, comme elles furent faites, ne par qui,
Selon que ie trouue par escrit: trois freres furent d'un pere en-
gendrez^ desquels Tun auoit nom Galand, le second Magni-
ncans et le tie^s Ainsiax. ces trois freres firent neuf espees
(unten s. 254), c^est ä s^auoir chacun trois. Ainsiax tiers fit
l^espee nommee Baptesme, laquelle auoit le pommeau d'or bien
i
81 45
peinct, et aussi fit Plorence et Fraban, lesqiielles Fierabrasis
auoit. Magnificans ^*^ Fautre frere fit Tespee nommee Durandal,
laquelle Roland eut, Fautre estoit nommee Sauuagine, et la
tierce Courtin, que Ogier le Dannois eut. Ödland Pautre frere
fit Flamherge et Hauteolere et Joyeuse, laquelle espee Charle-
maigne auoit par grand specialit^. et ces trois freres nommez
furent les ouuriers des dites espees.
Die günstige gelegenheit das provenzalische gedieht selbst
in der genauen abschrifl eines alten, in Deutschland befindlichen
codex nachzusehen, gewährte keinen weitern aufschlusz; zwar
werden die drei Schwerter des Ferabras genannt (statt Plorence
heiszt es richtig Florensa), allein gerade die stelle von den drei **
schmieden fehlt darin, dagegen kommt sie in der deutschen
Übersetzung von 1533 (nach dem abdruck in Büschings und
V. d. Hagens buch der liebe s. 158) vor und Wielands name
ist darin GcUams geschrieben, ich erinnere, dasz in dem eddi-
schen liede Völund gleichfalls zwei brüder hat, die ohne zweifei,
wie er, mit kunstfertigkeiten begabt waren; Galand scheint
aber auch hier der erste ssu sein, weil Karl der grosze seine
Schwerter erhielt.
31.
Metellus von tegernsee. um das jähr 1160. (Canisius
setzt ihn in das jähr 1060 (vgl. Rudlieb s. 223), Basnage hundert
jähr später, diesz ist das richtige wegen der zweisilbigen reime
im leoninischen hexameter.) in den lobliedem auf den heiligen
Quirin (Canisä lect. antiq. ed. Basnage 3, 2, 154) folgende
stellen:
1) De eo, qni terminos possessionis invaserat:
miles avarior absque modo
proxima rura sibi solitus
subdere quaeque potente manu,
saevus agros violenter agens,
alme Quirine, tuos rapuit,
quos orientis habet regio,
flumine nobilis Erlafia,
carminok TeutonibtM celebn,
'^ Mnnificans hat das Altekler geschmiedet. Uhlatid Viane s. 1B6, bei
Bekker 2695.
46 82. 83
44 inclita Rogerii comitis
robore seu Tetrici veterü.
gedichte von Rüdiger von Becfielaren und Dieterich von Bern.
2) Anderwärts p. 134 sagt er: gens illa canena prisca.
32.
Gottfried von viterbo. zweite hälfte des zwölften Jahr-
hunderts (1186). [ZE. 37, 2.]
Chronicon 16, 481: quod autem quidam dicunt, ipsum
Theodorieum fuisse Hermenrico Veronensi et Attüae contempo-
raneum, non est verum, constat enim Attilam longe post Her-
menricuui fuisse, Theodorieum etiam longe post mortem Attilae,
quum esset puer octennis, Leoni imperatori in obsidem datum
fuisse.'»^
45 Gottfiried macht dieselbe bemerkung, die vor ihm schon
Otto von Freisingen (s. 38) gemacht hatte. doch behält er
einen irrthum der sage bei, indem er den Ermenrich Veronen-
sis nennt, was nur den gedichten nach richtig sein kann, und
zwar nur in so weit, als Ermenrich nach Dieterichs Vertrei-
bung Bern in seine gewalt bekommt.
33.
Saxo 6RAMMAT1CUS. zweite hälfte des zwölften Jahrhunderts
(ed. Stephan.).
1) L. 8. p. 154—157 [Müller p. 408 f.]. Jarmerich, der
sich aus der gefangenschaft des slavischen königs Ismarus be-
freit und seinem oheim Budli das väterliche reich wieder ab-
genommen hat, lässt auf einem hohen felsen eine feste bürg
mit vier thoren (vgl. ZE. 34, 1) nach den vier weltgegenden
prächtig und wunderbar erbauen und bringt dort seine reich-
thümer in Sicherheit, hierauf geht er in die see. es begegnen
ihm vier brüder^ von geburt Hellespontier, die seeräuberei
treiben, nach dreitägigem kämpfe zwingt er sie, ihm ihre
Schwester und die hälfte ihrer beute zu überlassen. Bicco^ ein
königssohn, wird jetzt aus der Hellespontier gefangenschaft be-
freit und begibt sich zum Jarmerich^ hat es aber nicht ver-
gessen, dasz dieser vordem ihn seiner brüder beraubt hatte.
' ^ b ich verdanke diese stelle herrn A. W. v. Schlegel.
88 47
um dafür räche nehmen zu können , erwirbt er das vertrauen 45
Jarmerichs und verleitet ihn dann zu jeglichem verbrechen, vor
allem aber zur Vertilgung seines eigenen geschlechts.
Jarmerichs schwestersöhne werden in Deutschland erzogen,
aber Jarmerich nimmt sie gefangen und lässt sie nach semer
hochzeit mit der Schwester der jQellespoutier erdrosseln. —
Broder, söhn Jarmerichs aus einer früheren ehe, wird von Bicco
eines verbrecherischen Umganges mit seiner Stiefmutter beschul-
digt, er soll aufgehängt werden, Swavräda aber von pf erden
zertreten, doch die thiere wollen ihre glänzende Schönheit nicht
anrühren, bis Bicco sie umkehren lässt. Broders hund kommt
wie weinend zum Jarmerich, sein habicht zieht sich die federn
aus. daran merkt er, dasz Broders tod ihn kinderlos machen
würde, und befreit ihn noch zu rechter zeit, die diener näm-
lich hatten auf Biocos anordnung ein brett unter den galgen
halten müssen, auf dem Broder stand, so dasz er dann erst
den tod empfieng, wenn jene müde die bände wegzogen; der
mord sollte auf diese weise ihnen, nicht dem vater zur last ge-
legt werden.
Bicco, strafe für seinen betrug fürchtend, reizt jetzt die 46
Hellespontier, ihre Schwester Swawild zu rächen und verkün-
digt dem Jarmerich, dasz sie sich zum kriege gegen ihn rüsten,
die Hellespontier aber, bei gelegenheit einer raubvertheilung
todten selbst, eines angeschuldigten diebstahls wegen, einen
groszen theü ihrer leute. sie halten sich nun für zu schwach
gegen Jarmerichs feste bürg und fragen deshalb eine zauberin
Gudrun um rath. sie macht durch ihre künste, dasz die
kämpfer Jarmerichs erblinden und gegen sich selbst die waffen
kehren, jetzt dringen die Hellespontier ein, aber Othin, kommt
und vernichtet den zauber, und weil sie von waffen nicht
können verletzt werden, räth er den Dänen, sie mit steinen
todt zu werfen, die männer fallen nun auf beiden Seiten und
Jarmerich wälzt sich mit abgehauenen händen und füszen unter
den todten.
a) unbekannt ist in der sage, der deutschen sowohl als
nordischen, was Saxo von Jarmerichs, d. h, Ermanrichs früherm
leben, seiner gefangenschaft und befreiung daraus erzählt, nur
seiner schätze geschieht auch sonst (oben s. 17) erwähnung.
b) Die Hellespontier sind Dänen von Hven. ^^ ihrer sollten
nach der schon theilweise (oben s. 3) beim Jemandes erörterten
sage nur drei sein statt vier: Sorli, Hamdir und Erpur; ihre
Stiefschwester Schwanhild ist noch deutlich in Saxos Swawilda.
in der Edda ist sie die tochter der Gudrun mit Sigurd, hier
aber erscheint Gudrun nur als zauberin, nicht als mutter. der
^' nach Lachmanns richtiger bemerkung. der Öresand heiszC hellespontas
danicQB; vgl. Saxo gr. 9 p. 172, 50; 175, 39. 44.
48 ^ » —
46 name des, hier wie dort, unschuldig angeklagten sohnes Broder
stimmt weder zu dem nordischen Randver^ noch zu dem deut*
sehen Friedrich (oben s. 31); aber der des trügerischen rath-
gebers Bicco liegt dem nordischen Bicci näher, wovon jedoch
Sibihho die unentstellte form ist [Haupts zs. 11, 292; 6, 458]«
ßandver schickt seinem Tater vor seinem ende noch einen
federlosen habieht, dieser versteht, wie bei Saxo, die andeutung;
aber der befehl ihn vom gcClgen wegzunehmen^ kommt zu [q[>at;
er ist schon todt. Saxo also, wenn er ihn noch zu rechter zeit
retten lässt und in der art, wie das geschieht, erzählt eigen*
thümlich; echt ist aber dieser zug kaum, da die sage überall
darauf hinweist, Ermanrich habe sein eigenes geschlecht zu
grund gerichtet. Schwanhild wird von pferden zertreten und
47 Bicci lässt decken über sie legen, damit die thiere nicht den
glänz ihrer äugen scheuen; Saxos ab weichung ist weniger gut.
von den anreizungen des Bicco nichts in der nordischen sage,
Gudrun allein treibt die brüder durch zaubertränke zur räche
und gibt ihnen rüstungen, die keine waffe verletzt die tödtung
eines theils ihrer des diebstahls verdächtigen leute bei Saxo ist
ohne zweifei entstellung der sage^ wornach die brüder den Erp
tödten, weil sie den argwöhn hegen, er werde ihnen keinen
rechten beistand leisten, blindheit der feinde kennt die Edda
nicht, aber sie drückt dasselbe natürlicher aus, wenn Gudrun
den rächern anräth, in der nackt den Jörmunrek zu überfalleD
und zu tödten. sie befolgen den rath und hauen dem konige
hände und fvsze ab, wie bei Saxo, aber der grund \&\> auch an*
gegeben, warum sie ihm nicht den köpf abhauen: weil nämlicb
Erp fehlt, dessen beistand sie sich sdbvt geraubt hatten, der
einäugige y das ist Othin (Saxo nennt ihn), räth die feinde mit
ateinwürfm zu tödten.
c) Man sieht, die Übereinstimmung mit der nordischen sage
ist nicht gering und erstreckt sich auch auf kleine umstände;
man könnte also wohl schlieszen, Saxo habe sie gekannt und
benutzt, aber die deutschen lieder mochten leicht ein gleiches
enthalten haben; was wir davon wissen (im chron. Qoedlinb.
und ürsperg.), erlaubt diese vermuthung.^* viel bedenklicher ist,
dasz wir bei Saxo den Dieterich von Bern nicht in die be-
gebenheit verflochten sehen; Saxo müste eine dem Jornandes,
der auch nichts von dem Dieterich von Bern weisz, noch näher
stehende Überlieferung vernommen, und der name der Gudrun
*^ P. E. Müller glanbt (flagenbibl. 2, 24$), dasz in der eriählung der
Vilkina saga von den beiden söhnen der Erka, Ortvin iwd Erp, die in ge-
Seilschaft mit dem jungen Theter gegen den Ermenrek aasziehen, eine
dunkle erinnerung an den zug von Sörli, Hamdir und Erp liege, die vermntang
ist scharfsinnig, doch di« äberein»timiMuig wäre gering; auch kommen die
knaben in keine berührung mit Ermenrek.
— da — 49
aus dem nordischen sich eingeschlichen haben, för das umge-47
kehrte, ich meine die deutsche abstammung, spricht ebenso
nachdrücklich der umstand, dasz wir bei dem Saxo sonst nir-
gends kenntnis dieses nordischen sagenkreiszes finden, welcher
ohne zweifei in seiner geschichte von Dänemark einen grorzen
platz hätte einnehmen müssen, das ist auch der grund, warum
P. E. Müller in seinen Untersuchungen über Saxo (p. 127 ff.)
glaubt, er habe hier aus deutschen gedichten geschöpft, mir
ist nicht unwahrscheinlich, dasz eine mischung der deutschen
und nordischen sage stattfand. 48
d) Wie man sich aber entscheiden mag, die stelle des
Saxo müste doch hier angefahrt werden, denn lediglich aus
der deutschen sage geflossen ist die erwähnung der schwester-
söhne Jarmerichs, die in Deutschland lebten und erdrosselt
werden, es sind nämlich die beiden Harlunge^ Imhrecke und
FntUe gemeint, die Ermanrich gefangen nimmt und an den
galgen hängen lässt (oben s. 19. 31. 32).
2) L. 13 p. 239 [Müller p. 638]. Magnus in der ab-
sieht den herzog Canut hinterlistig zu ermorden, sendet einen
Sachsen j sänger von gewerbe (quendam genere Saxonem^ arte
cantorem), der ihm jedoch zuvor hat schwören müssen, ab und
lässt ihn zu einer zusafnmenkunft einladen. Canut ohne mis-
trauen reitet, nur von zwei kriegern begleitet, fort, hat sich
nicht einmal gewaffnet und selbst das schwert erst auf anmah-
nung genommen, tunc cantor, quod Canutum saaonici et ritus
et nominis amantissimum scisset, cautela sensim instruere
cupiens, cum jurisjurandi religio, quo minus id ageret, obstare
videretur, quia liquido nefas ducebat, sub involucro rem prodere
conabatur. — igitur speciosismni carminis contextu noümmam
Grimüdae erga fratres perßdtam de industria memorare ador-
8US, famosae fraudis eaemplo similium ei metum ingenerare
tentabat.
Die geschichte mag sich im jähr 1132 [am 7. jan. 1131;
ZE. 32, dazu Haupts zs. 12, 386] zugetragen haben, und man
darf die warnung des sängers nicht bezweifeln, da Saxo
selbst nicht viel später lebte, es ergibt sich aus dieser stelle
folgendes:
a) Es ist hier von der sächsischen, d. h. der deutschen sage
die rede, das lässt schon die abkunft des Sängers vermuten,
aber in der sage selbst liegt auch noch ein beweis, die
Schwester heiszt in der nordischen sage nicht Grimild, sondern
Grudrimf und auszerdem kommt eine räche an ihren brüdem gar
nicht vor; sie steht ihnen vielmehr bei und rächt sich nur
an Atli.
b) Die sage erscheint hier in ein kurzes lied gefasst, da
unter diesen umständen eine ausführliche darstellung unmöglich
WiLH. GBIMM, DBUT8CUB HBLDBtISAOB. 4
50 34. 35. 35^-
48 war; dergleichen haben sich in den dänischen kämpeviser
erhalten.
c) Die dichtung von der Grimild war allbekannt (notissima),
denn der sächsische Sänger durfte ein augenblickliches Verständ-
nis der anspielung bei Canut voraussetzen.
34.
Arnoldus lubec. schrieb zwischen 1171 — 1209.
L. 7 c. 18: quo (Tridento) relicto venit ad transitum
49 arduum inontibus praeclusum, qui Veronensium clusa dicitur,
ubi castrum est firmissimum, quod ex longa antiquitate wrbs
Hüdebrandi dicitur. ^^ [vgl. p. 232; DHB. 1, Lii.]
35.
GoDEFRiDüs MONACHüS COLON. Seine annalen gehen von 1162
bis 1237. bei Freher 1. Francof. 1624. [annales maxim. Colon.
MG. SS. 17, 804.]
p. 262. eodem etiam anno (1197) quibusdam juxta Mo-
sellam ambulantibus apparuit, phantasma mirae magnitudinis in
humana forma equo nigro insidens, quibus timore perculsis id,
quod videbatur, ad eosdem audacter accedens ne pertimescaBt
hortatur, Theodoricum quondam Veronae regem [Theodericum
qtiondam regem Veronae , al. Theodericum Bernensem] se nomi-
nat et diversas calamitates et miserias superventuras Bomano
imperio denuntiat. haec et alia plura cum eisdem contulit et
ab eis recedens equo, quo sedebat, Mosellam transivit et ab
oculis evanuit.
Hierzu gehört die sage von Theodorichs ende, die Otto von
Freisingen anführt (oben s. 38) [Haupts zs. 12, 334]; er zeigt
sich als wilder Jäger, dessen erscheinung krieg und nnglück
ankündigt.
35b-
Genealogia viPERTi, coMiTis GRoiGENSis (ed. R. Reineccios
1580). von einem mönch aus dem kloster Pegau, wahrschein-
lich noch im zwölften Jahrhundert [1155. 1156] aufgezeichnet,
[annales Pegaviens. MG. SS. 16, 234.]
13
dies, wie das folgende, mitgetheilt von Lachmann.
35»>- 51
EmelriiMSy rex Teutoniae, comitem Ditmm^um [Theutoniaey
Dietmarum]^ Verdunemem et Herlibonem Brandenburgenaem
[Brandeburffenaem] fratres habuit. Herlibo tres filios, scilicet
Emelricum, Vridelonem et Herlibonem, qui Harlungi [Harlongi]
sunt nuncupati, genuit.
Der mönch setzt berühmte beiden aus unserm sagenkreisze
an die spitze der genealogie Wiprechts von Groitsch. Erman-
rieh, den er Emelrich schreibt, ist hier deutscher könig, eine
Veränderung, die nicht nothwendig von ihm herzurühren braucht.
Ermanrich hat ganz richtig zwei brüder; der eine heiszt Diet-
mar Verdunensis, ohne zweifei entstellung aus Veronensis; der
andre, der vater der Rarlunge y dessen name immer wechselt
(vgl. 8. 186. 264), abermals abweichend, Herleip, denn so er-
kläre ich Herlibo; Brandenburg wird ihm zugeschrieben statt
des sagenmäszigen Breisach, seiner söhne sind, merkwürdiger
weise, wie in der Flucht drei (s. 185. 186. 204), nicht wie sonst
zwei, in Emelricus und Vridelo ist offenbar Imbrecke und Fri-
tue (s. 148) enthalten; der dritte unbekannte aber fuhrt wieder
des Vaters ungewönlichen namen Herleip. [der Harlungeberg
bei Brandenburg (s. 38. anm. 6) zeigt dieselbe anknüpfung der
sage; das süddeutsche Breisach lag der norddeutschen sage zu
fern, auch ist Ermenrich später nur römischer kaiser als rex
Theutoniae.]
ZWEITE ABTHEILÜNG.
VON DEM ZWÖLFTEN BIS ZUM SECHSZEHNTEN
JAHRHUNDERT.
36.
Loblied auf den heiligen anno.
Wir horten ie dicke singen
von alten dingen :
wie snelle helide vähten,
wie 81 veste bürge brechen (1. brächen),
wie sich liebin winiscefte schieden,
wie riche künige al zegiengen;
50 nü ist cit daz wir denken,
wie wir selve salin enden.
Der dichter wendet sich ab von den alten sagen und dem
oft vernommenen geaange derselben zu ernsten, geistlichen
betrachtungen. er scheint auf die Nibelunge noth anzu-
spielen, und den inhalt des liedes im allgemeinen anzugeben:
kämpfe, trennung von freunden, Untergang mächtiger könige.
[ZE. 37, 1.]
37.
KÖNIG RUTHER. (Heidelberger handschrift). [Haupts zs. 6,
446 ff.; 7, 262.]
1) Schauplatz der sage ist Italien und Griechenland, die
begebenheiten sind roh an die geschichte geknüpft: der römische
könig Ruther (kuninc van Rome 3905) entführt von Kou-
stantinopel die tochter Konstantins des groszen und der söhn
beider ist Pippin, der vater von Karl dem groszen. man würde
37 53
schon deshalb eine ungeschickte fortbildung voraussetzen können, 50
wenn auch nicht die Vilkina saga eine zwar später aufgefasste,
aber einfachere darstellung erhalten hätte, welche sich von
jenen historischen beziehungen völlig frei zeigt. wer sie hier
zugefügt habe, ist schwer zu sagen, und nur so viel gewis:
nicht der Verfasser des Werkes, das -wir besitzen, es bezieht
sich auf gleich näher zu berührende begebenheiten, welche nur
zu dieser gestaltung passen, deren sonstige Verbreitung in der
folgenden zeit anderweitige Zeugnisse beweisen. allein unser
dichter nennt auch deutlich seine quelle : ein lied (uns sagit daz
liet 27*; in, den freigebigen beiden, lobit daz liet28*), oder,
womit er ohne zweifei dasselbe meint: ein buch (als uns daz
buoch gezalt hat 49^; der pl. in den übrigen stellen: iz ne
haben diu buoch gelogen 1. 6**, des beherdint diu buoch die
wärheit 67, der sich ursprünglich vielleicht auf die verschiede-
nen exemplare eines werks bezog, scheint blosze redensart,
deren sich z. b. auch der Überarbeiter der Klage 35. 67 Lassb.
bedient).
üeber den Verfasser dieses buchs besitzen wir freilich
keine nachricht. indessen die erwähnung der örtlichkeiten von
Konstantinopel, der poderamushof (hippodromus 13*^, 23^, 65**),
führt darauf, dasz er diese Stadt mit eigenen äugen könne ge-
sehen haben. und hält man die vergleichung , die Wilken
(kreuzzüge 2. anhang) zwischen dem Konstantin des gedichts
und dem griechischen kaiser Alexius angestellt, im ganzen für
nicht ungegründet; wobei besonders der umstand, dasz diesem
ein gezähmter lieblingslöwe von einem kreuzfahrer, wie im ge-6l
dichte jenem von dem riesen Asprian (unten s. 248), getödtet
wurde, in betracht kommt ; so ist die Vermutung wohl zuläszig,
dasz der dichter jenes untergegangenen, früheren liedes selbst
ein kreuzfahrer war. er mochte, da Rother von Bare nach
Konstantinopel sechs wochen zur überfahrt nöthig hat (52*),
was wol die entfernung für die damalige schifffahrt ganz rich-
tig angibt, über Italien zur see den weg gemacht haben. (Otnits
gesandten kommen in sechszehn tagen nach Konstantinopel,
Wolfdietr. f. 61**; auch zurück 62*; andre in zwölf ia^en 64**; in
zwanzig tagen von Ga.rten nach Konstantinopell78**.) man dürfte
annehmen, dasz er im anfange des zwölften Jahrhunderts die ein-
heimische sage umbildete und dasz etwa nach fünfzig jähren
sein, schon durch Zusätze erweitertes werk von unserm dichter
neu bearbeitet wurde, eine lateinische abfassung jenes buchs
vorauszusetzen, sehe ich aber keinen grund: es kommen keine
lateinischen Wörter vor; ein gedieht (liet) war es in jedem falle,
wer aber lateinische verse " zu machen verstand , hätte etwas
besser in der geschichte bescheid gewust und Konstantin und
Karl den groszen nicht so nahe zusammengerückt.
2) Ruther hat einen meister: Berthe?', herzog von Heran.
54 37
51 er erklärt selbst sein näheres Verhältnis zu dem könige in fol-
gender stelle (bl. 73):
'der minir genoze
quamen sechscene
vf ir alemene
vnd clagitin trat herre min
deme liebin vater din
der lac in sinin ende
vnd beualch dich mir bi der hende
sit han ich dir bigestan
daz dir nichte in (1. nicht ein) man
argis nicht ne bot
her hette uns beide gedrot.'
Den rath des alten (üf den gürtel ginc ime der hart 40**,
vgl. 36. 57) fordert Ruther in jeder schwierigen angelegenheit
*(7). sieben söhne Berthers, nur die beiden ältesten, Leupold
und Erwin^ sind genannt, waren als boten Ruthers nach Kon-
stantinopel geschickt und dort ins geföngnis geworfen worden,
der könig, darüber in sorge, rathschlagt mit dem vater über
ihre befreiung. hier erfahren wir mehr von ihm (bl. 7):
'also redete do Berter der alte man
er was ein graue von Heran
ich hete eilif svne herlih
der zvelte (1. zvelfte) hiez Helfrich
den aantes du über ehe [1. Elve. Lachmann.]
mit vil grozer menige
52 da vor er hereverte
und manige stvrme herte
da er die heidinen quelete
die sunder ewe leueten
an godes dienste wart er iralagen
den ne muge wer nummer verclagen
nu sin ir sibene an desse vart
7* owi daz ich ie gebom wart
ich uil weuieger (1. weineger) man
* waz ich lieber kinder virlorin han
Lupolt ende Erevin
waren die eldesten sune min
sowanne ich der vunuer verdage
diese zvene ne mach ich nimmir virclagen.'
Von jenem Helferich, der, wie es scheint, auf einen kreuz-
zug ausgesendet, in Syrien, [vielmehr jenseit der Elbe^ im
Slavenlande, Haupts zs. 6, 450] fiel, kommt sonst nirgends
etwas vor; auch von den fänfen, die mit den beiden genannten
37 55
söhnen zu Konstantinopel gefangen liegen, ist nicht weiter die 53
rede, überhaupt musz sich hier die sage verwirrt haben, denn
war nur der eine Helferich umgekommen, so müsten, wenn
auch sieben gefangen lagen, noch viere bei dem vater zurück-
j^eblieben sein, und diese sind völlig vergessen. Erwin und
Leupold werden noch einmal ausdrücklich gerühmt (bl. 62):
' — Erwin der sich ie uorenam
sva man uromicheide began
uro unde spade
he konde wol geraden
eime gotin knechte
daz ime sin dinc recte
beleif unz an sin alder
den mochte man wole behaldin
nach den ginc ein wis man
Luppolt von Meylan
62^ der hatte in sime lande
gewonit ane scande
vnde was durchnechte
bit züchten an ouerbrechte
he wiste wol ze rechte
en betten gode knechte
geuort biz he suert nam.'
Als Pippin, Ruthers söhn, zu Achen das schwert empföngt,
erscheint der steinalte Berther und räth dem Ruther der weit
zu entsagen.
Die Vilkina saga erzählt, dasz die zwölf ritter, welche die
Werbung überbrachten, ins gefangnis geworfen wurden, aber
von Berther, herzog zu Meran, und .dem, was unser deutsches 53
gedieht von ihm und seinen söhnen berichtet, ist dort keine
spur, der Untersuchung wegen und ohne etwas zu behaupten,
will ich einen zusatz darin sehen, und als solcher wird er uns
merkwürdig, weil wir diesen Berther mit dem Bechtung Wolf-
dieterichs in einem zwar dunkeln, aber unbezweifelten Zusam-
menhang erblicken und beide ein und dieselbe person zu sein
scheinen, welcher der älteste und ob einer original ist, getraue
ich nicht zu entscheiden. Bechtung steht zu Wolfdieterich ^p
demselben Verhältnis wie Berther zu Ruther, wozu noch kommt,
dasz der könig auf der fahrt sich den falschen namen Dieterich
gibt, und zwar ebenso in dem deutschen gedichte, wie in der
Vilkina saga. Bechtung heiszt gleichfalls herr von Meran ^ ist
meister des ihm von dem sterbenden vater empfohlenen Wolf-
dieterich und wird als ein alter mann mit grauem harte be-
schrieben, er hat nicht zwölf, sondern sechszehn söhne, viel-
leicht war aber auch hierin sonst völlige Übereinstimmung, da
wir im Ruther bei diesem umstand Verwirrung der sage ver-
56 37
ft3 muteten und Berther einmal in der vorhin angefEÜirten stelle
(bl. 73) dunkel von sechszehen genossen spricht, dieser söl^ne
Bechtungs werden sechs erschlagen im kämpfe gegen Wolf-
dieterichs brüder, die andern zehne gerathen in Konstantinopel,
gleich Berthers söhnen, in gefangenschaft und ihr herr ist, wie
Ruther, beständig auf ihre befreiung bedacht, spricht sie ein-
mal wie jener, in einer Verkleidung, und die sorge und trauer
über ihre läge kommt zwischen allen abenteuern immer wieder
zum Vorschein, auch dem Wolfdieterich gelingt es endlich, sie
zu befreien, und nur darin zeigt sich ein hauptunterschied, dasz
der alte Bechtung bei seinen söhnen in der gefangenschaft sich
befindet und darin vor ihrer erlösung stirbt.**
3) Als Ruther sich auf die fahrt nach Konstantinopel be-
gibt, wird könig Amalger von Tengelingen zum reichsverweser
bestellt (bl. 1 1). bei seiner rückkehr findet Ruther den zustand
verändert (bl. 42):
'do was emeger (1. Emelger) dot
die lant alle uerstorot
van 868 marcgravin
die woldin Uademaren
54 zo eime koninge han genomin und gehuet
de was ein riche herzöge
geboren uon Diezen
die Rother gehiezen
trowen biz he queme
die werthin die crone
deme riehen eruelosan man'*
unze lofhart (1. Wolfra£) daz swert genau
aenim schonim ringe
der was von Thendelinge
des koningis Amelgeres sune
iz ne quam van eineme sinin kunne
also manich ture wigant
beide liude unde lant
die beherte der ture man
biz Rother wiederquam.'
Der krieg nach Amalgers tod zu gunsten Hademars von
Üiezen und dessen Unterdrückung durch die treu gebliebenen
'* eine beziehnng auf den schon 1140 in nrknnden genannten grafen zu
Andechs Berthold III. scheint gewis. den titel eines herzogs Yon Meran
(d. h. Dalmatien) erhielt er nach Hormayr (werke 3, 167. 177) erst 1181.
warde er nicht schon vor kaiserlicher bestätigudg geführt, so müste das ge-
dieht in noch spätere zeit fallen, während doch die spräche älter scheint, [vgl.
zu Athis B. 51.]
'^ erbelös heiszt hier Rüther, weil er noch keinen erben hat; vgl. Eneit
8102; Klage 897 (so auch Athis F 128, Erad. 70).
37 57
Vasallen muste anderwärts näher beschrieben sein. frohere 54
Schicksale Amalgers, die ebenso unbekannt sind, erwähnt Wolf-
rat gelegentlich (bl. 49):
'Berker der riche
der tede uromeliche
do min uatir was uertriuen
he gewan ime sin lant imder,
he ersluch Eluewine
einen herzogen uan Rine
der was ein ureisclicher man
her hatte uns niichil leith getan.^
Wolfrat von Tengelingen war mit Berther von Meran ver-
wandt, denn er nennt den Leupold trüt neve min (49^. 60),
und das erwriedert jener; aber auch mit dem könige Ruther
(zu dessen geschlecht mithin auch der alte Berther gehörte),
wie Wolfrat selbst sagt (bl. 49): 'der herre ist min konlink'. ***
überall zeichnet er sich durch seine tapferkeit aus und erhält 66
zur belohnung Oestreich, Böhmen und Pohlen (96**). er und
sein forstliches geschlecht werden noch in einer stelle ausdrück-
lich gepriesen (bl. 62):
'er was von Tengelingen
der duresten diete
riche an ouermude
mit wisdumis sine (1. sinne)
der liez ouch sime kunne
daz to imer uorsten namen hat
die wile daz dise werelt stat.'
Von allem diesem in der Vilkina saga auch nicht eine
andeutung.
4) Ein graf Ai^nold fahrt ein schwert Mal (4153); vgl.
Wolfharts schwert Male im Rosengarten bruchst. 371.
*^ seinen sitz hatte er in Baiern [Fridericus comes de T englingen et filii
ejus Sige\rardas et Fridericus a. 1072; Huber Austria Melicens., Haupts zs. 6, 450},
denn von da fuhrt er dem könige beistand zu, bl. 51 b:
Sn pellinen rockin
quam die berische (1. beierische) diet
iz ne belochte nie chein lith
^ also manichen heim guth
mit golde wol gezierot
dan der hclet Wolfrat
sinme neuen hette bracht
iz scienet den Beyeren imer mer an
da ist noch manich watziere man.'
58 38. 89
55 38.
Pfaffe konrad. dichtete zwischen 1173—1177 das lied von
Roland, darin sagt der kaiser Karl zu dem könige Oigir von
Dänemark (bl. 107»):
unt du, belt Oigir,
vil wol getriuwe ich dir.
du bist des Wätens kunnes,
dune weist niht übeles,
du hast rehte eines lewen muot
Ich glaube, man musz lesen Waten; leider ist der cod.
Pal. an dieser stelle der einzige, Stricker hat sie ganz über-
gangen, ich sehe darin eine beziehung auf Wate in Dieterichs
flucht ['vielmehr in Gudrun.' Jac. Grimm, vgl. s. 331.] er
dient mit Wittich bei Ermenrich und beide werden als die
tapfersten zu anführern seines heers ernannt (6199. 6209. 6270).
mit Dietleib war er in streit gerathen (3907 — 3951) und wird
von ihm hernach im kämpfe getödtet (6690—6759). vielleicht
ist es nicht zufallig, wenn die worte Konrads mit Dietleibs aus-
ruft nü lät den lewen ab der ketten (3940) übereinstimmen, es
scheint eine hindeutung auf die riesennatur Wates, die in dem
altern gedieht von Dieterichs flucht deutlicher konnte ausge-
drückt sein, und erinnert an den in ketten gelegten riesen
Widolt im könig Ruther. möglich, dasz zwischen diesem Wate
und dem riesen Wade, den wir aus der Vilkina saga kennen
und dessen enkel Wittich ist, ein Zusammenhang besteht.
[Haupts zs. 6, 62 ff*.]
66 39.
Heinrich von veldeke. [ZE. 27, 1.]
Nach der Eneit sendete Vulkan dem Aeneas ein gutes
Schwert:
5692. daz scharfer und harter was
den der guote vke sahs (1. Eckesahs).
noch der maere Mtminc^
noch der gute Nagelrinc, ' "^
*^ den cod. Berolin. zu vergleichen ist herr W. Wackernagel so gütig
gewesen :
78» *daz /charf im herter wa/
danne d^ chune ecch^ab/
. . n der mare minminch
noch d^ gute nagelrinch.'
[vgl. Mone heldens. s. 90].
39 59
Ueber Eckesafas* gibt die Vilkina saga (c. 40) genaue aus- 56
kunft. zwerg Alfrik, der berüchtigte dieb, schmiedete dieses
Schwert unter der erde, doch bevor es vollendet war, suchte er
in neun königreichen nach dem wass^, worin er es härten
konnte, bis er es in dem flusse Trey ('Treya' und in einer
ändern handschrift 'Troia') fand, der griff daran ist golden,
der knöpf glänzend wie glas, die scheide mit gold ausgelegt
und das ganze gehenk überdies mit edelsteinen besetzt, wenn
man die spitze seiner leuchtenden und mit gold ausgelegten
klinge auf die erde setzt, so scheint eine goldene schlänge zum
griff hinauf zu laufen, vor seiner schärfe besteht kein stahl,
das Schwert war gestohlen und lange verborgen. Alfrik, der
grosze dieb, schlich sich in den berg, den heimlichen aufent-
haltsort seines vaters, entwendete es ihm und gab es dem könig
Roseleif, (nach andern handschrifben Rozeleif, Rutseleif), wo es
wohl verwahrt wurde, bis es der junge Roseleif trug, der man-
chen mann damit tödtete (s. Rudlieb, lateinische gedichte des
zehnten und elften Jahrhunderts s. 220). seitdem erhielten es
viele königssöhne. das erzählt Ecki, der es jetzt besitzt und
damit gegen Thidrik kämpft; nach Eckis tod fö^llt es dem
sieger zu, er gebraucht es späterhin den Niflungen gegenüber
(c. 363) und tödtet einen riesen damit (c. 392 Rafn).
Auf eine seltsame und dunkle weise erscheint in diesem
berichte der verfertiger des Schwerts zugleich als dieb dessel-
ben, er muste das schwert im dienste seines vaters gearbeitet
haben, dem er hernach den besitz davon misgönnte. wahrschein-
lich gab es eine besondere, jetzt verlorene sage, worin das alles
erzählt wurde, in dem gedichte von Ecken ausfahrt hat sich
dieselbe hindeutung ziemlich übereinstimmend erhalten, nur
Albrich wird nicht genannt und die übrigen namen sind theils
andere, theils völlig entstellt und unerklärlich. eine merkens-
werthe abweichung scheint mir jedoch darin zu liegen, dasz
drei zwerge Eckesachs schmiedeten, ist das der echten sage
gemäsz, so dürfte man wol die Vermutung wagen, in jenem ver-
lorenen gedieht sei Alberich ein bruder Wielands gewesen und 67
auch der dritte bruder, den die älteste darstellung in der Edda
kennt, habe nicht gefehlt, ich habe dabei die oben (s. 43) an-
geführte stelle aus dem altfranzösischen Fierabras im sinn, weil
auch sie von drei brüdern redet, welche Schwerter schmiedeten,
und Galand unbezweifelt Wieland ist, in Ainsiax aber eine,
freilich arge, entstellung von Alberich liegen könnte, ja viel-
leicht lässt sich Übereinstimmung in einem einzelnen zug nach-
weisen: Ainsiax fit l'espee, laquelle avoit le pommeau dÜor Jnen
peinct^ von Eckesachs wird aber der glänzende knöpf nicht blosz
in der Vilkina saga, sondern auch in dem deutschen gedieht
«
* vielleicht schon den Angelsachsen bekannt, Haupts zs. 12, 262.
60 39
57 als ein edelstein gerühmt, ich lasse jetzt die ganze stelle aus
der Dresdener handschrift folgen:
74. (85. Hagen.) 'Ach h#ld nun ker her an mich
vnd ein vil gut swert das hab ich
das machten draw gezwerge
für war daB Sachen vns die pucher
sie wurckten do wunders genuchr
in eynem hellen perge
zu taUentz antrob beschlagen
gehert wol in zwelf jaren
du machst das swert mit eren tragen
das sag ich dir für waren
vnd der des swertez maister was
der macht im paidt gehiltz vnd knöpf
gar lauter als ein spigel glaz
75. Mit goldt vmbwunden pey der haut
sein knöpf der ist ein iochant
sie machten im ein schaiden
vnd rot gülden sein im sein schal
vnd bey den reiffen hin zu tal
der langt seyn enckel peyden
es wart gepogen vnd beschlagen
geziret mit den henden
zun kollen wart es hingetragen
sint hotz zu mangen enden
mit grossem wunder ye gemacht
zu tragant in dem lande
vnd do ward es erst gar volpracht
76. Vnd also lang was es verholn
vnd das vil gut swert wart gestoln
von zweyen argen dibenn
das waren zwey wilde gezwerck
mit listenn kamez in den perck
^^ dem konig weigant von yban
dem prochten siz zu eyner gab
der kundes wol behalten
das es von gute nit nam ab
mit streit mer wart verschalten
piz das sein sun war zu eim man
ach got was kuner helde
do yren tot namen dovon
77. Greim leibe es zum erst versert
den helt gabein es streiten lert
39 61
do er erst streitenn wolde 58
do er den rissen groz erschlug
er thet jm laides gar genug
als er von rechte solte
er gab es do gen Gochereim
durch seynen vber mute
do den vil edeln konigein.'
Schon vorher (50) ist es 'sachs' genannt worden. Ecke
kommt noch einmal darauf zurück:
83. 'Nun loz dir von dem swerte sagn
das ist so maysterlich beschlagn
vnd auch gar wol zum pesten
mit namen ist es sdchs genant
in allen landen gar wol derkant.'
Späterhin heiszt es her Ecken sachs (187). in dem alten
druck ist die ganze herkunft des Schwertes ausgelassen und nur
kurz gesagt:
66. 'Nun kere held her an mich
ein gutes schwert das trage ich
das worchten die gezwerge
das sag ich dir du koner man
sy worchten wüders gnug daran
jn einem holen berge
vor langer zeite zu tierol
wardz gemacht on alle scharten.'
Dagegen wird hier allein erzählt, dasz Dieterich vergeblich
versucht habe, das schwert zu zerbrechen; der stärkste hieb
schadete ihm nicht, im Biterolf erscheint Dieterich im besitze
des Schwertes:
9268. vil krefticlich an siner haut
huop Dieterich daz alte sahs.
12267. da was ouch dozes genuoc,
da daz alte sahs erschal,
daz dicke üf und ze tal 59
gie an Dieteriches haut.
Wahrscheinlich ist jedesmal Eckesahs zu lesen, sehr
zweifelhaft aber, ob dennoch hier, so wie bei Heinrich von
Veldeke die beziehung auf den riesen der sage stattfand, da
in dieser Zusammensetzung ecke nicht mehr bedeuten könnte.
62 40. 41
59 als in dem eigennamen Eckenöt. erst da, wo man, wie wir
vorhin gesehen haben, her Ecken sahs erklärte^ konnte man
auch darauf verfallen, die allgemeine benennung sahs als eigen-
namen gelten zu lassen.
Das andere seh wert Nagelrinc hat nach der Vilkina saga
gleichfalls der zwerg Alfrik geschmiedet. Thidrik erbeutet es
von dem riesen Grim (c. 16) und schenkt es hernach dem
Heime (c. 88). [Haupts zs. 12, 386. 279.] der dichter des
Biterolf lässt es oft in der band des beiden erklingen (1O550.
10920. 10942. 12274. 12869. 12974); auch im Alphart (450)
und im Rosengarten wird es gepriesen. (Nägling im Beo-
wulf?)
Miminc, nach der Vilkina saga (c. 23) und dem Biterolf
(157) Velints arbeit (als solche wird es auch im gedieht von
Hörn childe s. 278 anerkannt), scheint das berühmteste aller
Schwerter [Haupts zs. 12, 277. 365 f.]. Vidga leiht es dem
Thidrik, weil dieser sonst den Sigurd nicht überwinden kann,
als nach der altschwedischen Vilkina saga Didrik zuletzt an
Wideke sich rächen will, bringt er zuvor Miming bei seite, ge-
stattet seinem gegner aber sonst das beste schwert im Zwei-
kampfe gegen ihn zu brauchen, nach Widekes fall behält
Didrich den Miming und wirft ihn weit in einen see, so dasz
er nie wieder in eines menschen band kam. Wittich führt ihn
auch in dem Biterolf (178. 8558. 11089. 12272), Rosengarten,
Alphart (450) und der Rabenschlacht (102. 411. 901). [Laurin 1577 ^
40.
EiLHARD VON HOBERGEN im Tristraud (cod. Dresd. und
Pal.):
Man seit von Dietertche (her Dietrich P.)
da vaht so gar vreisliche (so genendenclich P.)
Kehenis und Tristant,
daz Dietertch noch Hüdebrant (her Dietrich P.)
nie so vile mohte getuon.
41.
Walther von der vogelweide, den wahren namen der ge-
liebten in einem liede zu nennen galt für unschicklich (Prauend.
21^' Nith. Ben. 318. 5, 7). der dichter beantwortet zudring-
60 liehe und unbescheidene fragen nach verdienst, indem er, der
42 63
Wakher heiszt, seiner geliebten den namen Südegunt beilegt 60
(74, 19), mit anspielung auf die sage von beiden. Uhland 17.
Lachmann 189.
42.
Wolfram von eschenbach.
1) ParcivcU. landgraf Kingrimursel wirft in einem wort-
streit dem herzöge Liddamus vor, man habe ihn noch nicht
voran im kämpfe gesehen, der herzog erwidert unter anderm:
12544. (420, 20. 1'»») Ich wil durch niemen minen Up
verleiten in ze scharpfen pin.
waz Wolf hartes solt ich sin?
mirst in den strit der wec vergrabet,
gein vehten diu gir verhabet,
wurdet ir mirs nimmer holt,
ich taste e als Rüinolt^
der künec Gunthere riet,
do er von Wormz gein Hinnen sohlet:
er bat in lange sniten bcen
und inme^^ kezzel umbe drcen.
(421.) Der lantgräve ellens riche
sprach: ir reit dem geliche,
als manger weiz an iu für war
iwer zit unt iwer jär.
ir rät mir dar ich wolt idoch,
und sprecht, ir tast als riet ein koch
den küenen Nibelungen^^^
die sich unbetwungen
üz huoben, da man an in räch,
daz Stfride da vor geschach.
Wolfharfs nicht zu ersättigende Streitlust ist bekannt, in
der Nibelungen noth will er (2239, 3) nicht beklagt sein, weil
er von königshänden niedergeschlagen worden; die Klage er-
zählt (844), man habe ihm noch im tode das schwert nicht
aus den bänden brechen können, und nach dem Biterolf (11415)
ermüdet zwar seine band, aber er selbst wird des kampfes
nicht satt.
'^^ in den sämmtlichen stellen Wolframs der text nach Lachmann, auf
dessen abtheilung sich die eingeschlossenen zahlen beziehen.
'® in einem die älteste Münch., in sime StGall., in sinem oder in sinen
die übrigen.
'° Niblungen StGall., nebulungen Heidelb. 364.
64 42
61 Die beziehung auf den küchenmeister RumoU in der Nibe-
lunge noth ist deutlich; koch nennt ihn wohl nur der land-
graf, um den gegner herabzuwürdigen. ob aber die worte:
er bat in lange sniten bsen und inme kezzel umbe draeü
ironische erweiterung Wolframs sind, oder in der darstelluag
des gedichts, die er kannte, wirklich vorkamen, ist jetzt un-
möglich auszumachen; in unserer Nibelunge noth (vgl. 1408)
findet man sie freilich nicht, und die Klage lässt sich bei
ihren andeutungen nicht auf solche einzelheiten ein. übrigens
scheint Wolfram räche für Siegfrieds mord als den eigentlichen
Inhalt anzusehen, und das ist unserm gedichte angemessen.
2) Parcival 12577 (421, 23—28):
Sibeke nie swert erzoch,
er was ie [bi den] da man floch:
doch muose man in flehen:
groz gäbe und starkiu lehen
enphie er von Ermenrtche'^^ genuoc:
nie swert er doch durch heim gesluoc.
Sibich flieht mit Ermenrich in der Schlacht bei Bolonje
(Flucht 9787) und bei Raben (863), wo ihn Eckhard gefangen
nimmt und quer aufs rosz bindet (362), im Alphart bricht
Sibich sein zeichen vom heim, um von Eckehard, der ihn auf-
sucht, nicht erkannt zu werden (446) und flieht dann mit seinem
herm (353). Heime in der Vilkina saga (c. 265) behandelt ihn
als einen feigen und schlägt ihn ins gesiebt, und ich weisz
nicht, ob es echte sage enthält^ wenn am ende (c. 279) gegen
Alebrand er sich tapfer wehrt, bis er getödtet wird, denn
früherhin (c. 308) flieht er zuerst in der schlacht. nirgends
sonst erscheint er wirklich im kämpf. Wolfram, indem er die
bemerkung macht, zeigt doch genaue kenntnis der sage.
3) Wilhelm S. 179» (384, 20):
swaz man von Ezzelen ie gesprach
und ouch von Ermenriche^'^^
ir strit wac ungeliche.
ich hoer von Witegen dicke sagn,
daz er eins tages habe durchslagn
ahtzehen tüsent, als ein swamp
heim: der also manec lamp
gebunden fiir in trüege,
obers eines tages erslüege
62 so wser sin strit harte snel,
ob halt** bescheren waern ir vel.
«° Ermnriche StGall.
*» halp StQaU.
42 65
(385.) Man sol dem strite tuon sin reht, 62
da von diu maere werdent sieht.
Ob Wolfram wirklich in einem volksliede so ungeheure
thaten Wittichs vernahm, oder ob er, damit seine lehre, bei der
erzählung der sage nicht zu übertreiben, recht anschaulich
werde, auch hier sich ironisch ausdrückt, könnte man für un-
gewisz halten, ich würde das erstere zu glauben geneigt sein,
wenn ich auch nicht wüste, dasz der dichter des Biterolfs sich
auf ähnliche art äuszert:
10589. swie dicke Witege Met getan,
daz man vür vmnder hat geseit,
si muosten mit ir schare breit
wider wichen hinder sich
die recken also lobelich.
. Und die hierauf bezüglichen worte (Hildebrands , wie ich
glaube) scheinen überhaupt Wittichs und seines gesellen Über-
mut zu strafen:
10625. mir liebent vast disiu dina,
daz daz hiute ist geschehen,
daz ich wichen hän gesehen
Witegen unde Heimen die degen.
ich hört (si) ie sich selben wegen
wider ein breitez her;
nü sint si küme mit ir wer
von dem küchenmeister komen,
daz sie nicht schaden hänt genomen.
Zwar in den erhaltenen gedichten kann ich kein beispiel
von einer so übernatürlichen tapferkeit finden, dagegen das an-
gewandte gleichnis, den heim wie einen schwamm durchhauen
das vielleicht höfischen dichtem nicht gefallen hätte, in Ecken
Ausfahrt (83 Dresd. hs. =94 Hagen) nachweisen: 'kein heim
wart so vesten man schrit in do mit (mit dem Schwerte Sachs)
als ein swan\ und im Siegenot (43 H.) zerhaut Dieterich den
wilden mann 'als ob er wer ein weicher 8wam\ ('Kose er
(Otnit) erborte, ein bein er im (dem riesen Welle) abe schriet,
Ueht als es wer ein weicher 8wam\ Wolfd. f. 96*^. er zerhiu
sie als ein swam. Daniel von Blumenth. 70*^.)
4) Wilhelm s. 197» (439, 10—19):
Rennewart kom durch den pfasch
ze fuoz geheistiert her nach,
da er mit manger rotte sach
sinen vater den alten,
WiLH. Grimm, duutsohb hbldbksagb. *'
66 43
der jngent geliche halten
mit unverzagetem mnote.
meister Hüdebrands vrou Uote^
mit tritcen nie gebeite baz,
denn er tet** maneger stoije naz
mit blaote begozzen.
Rennewarts vater, der unverzagte Terramer, wartete treu-
lich seiner blntenden, znrfickgetriebenen sehaaren; frau Ute
konnte mit nicht gröszerer treue auf meister Hildebrand war-
ten, zwar kennen die gedichte die anhänglichkeit der frau Ute,
und sie wird im Siegenot (126. 128. Hagen) schön ausgedrückt,
als Hildebrand sich rüstet seinen herm aufzusuchen; aber ich
glaube, Wolfram meint hier die treue, womit die zurückgeblie-
bene des mit Dieterich zu den Hünen geflüchteten Hildebrands
während der langen abwesenheit wartet, und bezieht sich ganz
eigentlich auf ihr wiedersehen, das höchst wahrscheinlich am
verlorenen Schlüsse des alten bruchstücks näher beschrieben
wurde, den wir nur aus dem spätem volksliede kennen, da die
Vilkina saga sich zu allgemein ausdrückt.
43.
NiBELUNGE NOTH.
1) Die innere beschaffenheit des g^dichtes legt zeugnis ab
von dem früheren zustande desselben, noch erfiillt von dem
ersten eindrucke und dem lebendigen geiste, der hier zu uns
redet, bewundern wir ein vollkommenes, ganzes werk, das von
einem mittelpunct aus in stätigem fortschreiten zu einer grosz-
artigen und furchtbaren lösung der verschlungenen Verhältnisse
gelangt. Siegfrieds aufenthalt bei den burgundischen königen,
seine Werbung bei Brünhild und die Vermählung mit Kriemhild
gelten als einleitung, bis mit ermordung des grösten und edel-
sten beiden die eigentliche handlung beginnt und die räche für
diesen mord jener mittelpunct aller übrigen ereignisse wird.
das gold, so bedeutend in der nordischen sage, erscheint im
Nihelunge hört als dunkle und räthselhafte nebensache, wenig-
stens seine einwirkung gering, und wenn anderwärts Siegfried
selbst, erschreckt durch die prophezeiung eines geisterhaften
Wesens, und die verschlossene, böse gewalt ahnend, den schätz
64 in den Rhein versenkt, so thun dies hier mit einer ohne zweifei
spätem Wendung seine Schwäger, die einem gemeinen, halb-
V o o e
•• vro Wte StGall., frate Heidelb. 404, vro Vete Wolfenb.
'* d. h. beite.
43 67
neidischen geftihle folgen, in der äuszem form, in stil, färbe 64
und ton der erzählung bemerken wir gleichfalls keine störende
Verschiedenheiten; derselbe geist waltet überall, den dichter
selbst verläszt nicht das gefilhl von dieser einheit des ganzen,
es bricht an mehr als einer stelle durch, ja er liebt vorausver-
kündigungen des nahenden oder zukünftigen geschicks, und
jeder theil, scheint es, finde seinen grund in dem andern und
könne ohne ihn nicht bestehen.
2) Entziehen wir die betrachtung dem einflusz, den die
ungemeine poetische krafb des werks ausübt, so gelangen wir
zu einer andern, fast entgegengesetzten Wahrnehmung, wir ent-
decken einen bereits gestörten Organismus und eine hier und
da verletzte, nur flüchtig wieder vereinigte Oberfläche, einge-
schobene pcrsonen, zugefügte einzelne Strophen und gröszere
stücke, unnöthige Wiederholungen, unverständliches, selbst baare,
durch keine erklärung zu beseitigende, Widersprüche lassen
sich nachweisen, dies zuerst mit Scharfsinn und bestimmtheit
gethan zu haben, gebührt Lachmann das verdienst^*, das ge-
dieht ist nicht das werk eines einzigen, ich will hier nicht wie-
derholen, was bereits ausgeführt ist, und nur einiges andere,
zuerst aber einen punct berühren, der wenn er auch nicht so
so schlagend beweist, wie ein offenbarer Widerspruch, doch
hinlänglich darthut, dasz ein einziger dichter nicht das ganze
unabhängig anordnete^ weil er ohne mühe eine solche Unge-
schicklichkeit vermieden hätte. Kriemhild nämlich gebiert im
fünfzigsten jähre dem Etzel einen söhn, wobei man noch vor-
aussetzen musz, dasz sie bei ihrer verheirathung mit Siegfried
nicht über 20 jähre alt war; die übrigen zahlen enthält das
gedieht und alle handschriften stimmen darin Qberein^^. die
räche, die noch sechs jähre später fallt, vollbringt sie also in
ziemlich vorgerücktem alter, während sie doch dabei im feuer
und in aller stärke jugendlicher leideuschafblichkeit geschildert
und in der Klage (388) ihre grosze Schönheit ausdrücklich ge-
rühmt wird, sodann befindet sich eine lücke in allen band- 65
Schriften: die strophe 2160 musz Günther nothwendig sprechen,
der darin seinen bruder Gernot und den markgrafen Rüdiger
beklagt, die sich gegenseitig tödteten; aber sie ist der rede
Hagens angehängt, der spätere Überarbeiter mag das unpas-
sende gefühlt haben, doch seine ergänzung (1845 — 58 Lassb.)
ist nicht glücklich, endlich den gebrauch von ihr und du, der
in den gedichten aus der mitte des zwölften Jahrhunderts fest-
'^ über die ursprüngliche gestalt des gedichts von der Nibelunge noth.
Berlin 1816. vgl. meine recension in der Leipz. lit. zeitung 1817 nr. 94. 95
und Laebmanns reo. von der 3ten aufl. der Hagenschen ausg. der Nibelunge
noth in den Ergänz, bl. der Jena. lit. ztg. 1820. nr. 70—76.
^' zehn jähre lebt Kriemhild mit Siegfried (659, 2), dreizehn nach Reinem
tode (1082, 2), sieben jähre mit Etzel vor der geburt des sohns (1327, 2).
5*
68 48
66 gestellt ist, finden wir hier verwirrt, weil der genaue unter-
schied nicht mehr gefühlt ward, eine frühere grurtdlage des
gedichts ist also unbezweifelt; auch über ihre beschaffenheit er-
giebt sich einiges mit Sicherheit, neue anfange, kürzere stücke,
Verschiedenheit im stil und in herberer oder anmutigerer aus-
führung lassen deutlich einzelne lieder erkennen, die eingerückt
wurden, ob wir aber unsere Nibelunge noth als eine Samm-
lung und Verbindung lauter solcher lieder betrachten müszen,
oder ob ein daneben längst bestehendes, das ganze, oder einen
groszen theil des ganzen, befassendes gedieht sich durch solche
einzelne lieder vergröszerte und ergänzte, mag hier ohne nach-
theil unentschieden bleiben, kurze lieder sind überall, aber
auch epische erzählungen von gröszerem umfange bei vielen
Völkern beobachtet worden.
3) Niedergeschrieben ist die Nibelunge noth nach Lach-
manns bemerkung später als der Parcival gedichtet wurde, der
in die jähre 1195 — 1205 fällt, weil daraus Azagouc und Zaza-
manc, pfellel von Arabi und Ninive und französische Wörter
wie: kovertiure, garzün, genommen seien, indessen scheint mir
in Zazamanc allein beweiskraft zu liegen, denn Azagouc findet
sich, wie wir jetzt wissen, nicht in dem ältesten text, und die
übrigen fremden Wörter für bekannte dinge konnten längst her-
über gekommen sein, da man schon in der zweiten hälfte des
zwölften Jahrhunderts gedichte aus dem romanischen übersetzte,
auch in der Klage steht kovertiure (1453), im Biterolf garzün
(9569); sollten diese ausdrücke auch den letzten bearbeitem
zufallen, so kannte doch der erste dichter des Biterolfs schon
Arabi als Rüdigers heimat und ebensowenig war ihm Ninive
(7465) fremd. — welchen antheil der ordner, oder wie man ihn
nennen will (denn es ist schwer einen passenden namen zu
finden), an dem gedieht habe, wird nicht leicht auszumitteln
sein, eingrifie in die sage selbst hat er sich nicht erlaubt, son-
dern das überlieferte mit scheu und achtung behandelt, das
zeigt die beibehaltung alles dessen, was die geringste regiing
eines critischen gefühls würde entfernt haben, und was eben
die annähme eines einzigen dichters nicht gestattet, wir könn-
66 ten bestimmter reden, wenn ausgemacht wäre, wieweit die ein-
fiihrung der reinen reime von ihm herrührt, welche abänderun-
gen in vielen zeilen, wenn auch oft nur geringe, veranlassen
muste. habe ich in der Vermutung nicht geirrt, die das gedieht
vom grafen Kudolf bald nach 1170 entstehen lässt, so wäre ein
grad von reinheit der reime schon beträchtliche zeit vorher vor-
handen gewesen, welcher von jenem der Nibelunge noth nicht
allzuweit abstand und nur geringe nachhülfe forderte.
4) Wichtig für unsern zweck ist eine andere Wahrnehmung,
wornach das gedieht in zwei, ziemlich gleiche theile zerfallt.
der erste schlieszt mit Strophe 1229 und begreift Siegfrieds
L
43 69
Schicksal ; der zweite , mit der fahrt der neuverlobten zu Etzel ee
beginnend, enthält die räche der Eriemhild von ihrem ersten
anfange, in diesem zweiten theile ist die Überlieferung voll-
ständiger, die darstell ung reicher und ebenmäsziger, die spräche
wärmer, wie schön auch einzelne stücke des ersten theils aus-
geführt sind. Verschiedenheiten beider in beziehung auf spräche
und reim hat Lachmann (Ä.uswahl xvii. xviii, berichtigt in der
recension von Hagens Nibel. s. 174. 175) auseinander gesetzt,
ein geographischer irrthum des ersten theils, der den Oden-
und Wasichenwald miteinander verwechselt (und den sich weder
Biterolf noch das Siegfriedslied, noch der Überarbeiter der
Nibelunge noth zu schulden kommen lässt), deutet auf die un-
kunde eines Süddeutschen^ welcher demnach ordner der Nibe-
lunge noth mag gewesen sein und die örtlichkeiten in dem
zweiten theile auf dem zuge durch Baiern, Oestreich bis nach
Ungarn richtiger anzugeben verstand, nicht weniger bestimmt
erscheint die Verschiedenheit in einer historischen anlehnung.
die könige zu Worms werden in dem ersten theile Burgunden
genannt, geschichtlich ist das fiir die ältere zeit ebenso rich-
tig, als für die folgende der name Franken, den Eckehard
ihnen beilegt, denn die Burgunden hatten vor ihrer ausbreitung
in den Süden enge Wohnsitze bei Worms (Job. Müller Schweiz,
gesch. 1, 87 — 89); ich finde in einer Urkunde von 773 einen
jetzt verschwundenen ort Burgunthart in der gemarkung von
Hephenheim nahe bei Worms (cod. diplom. Lauresh. p. 16),
aber auch ein Frankonodal (p. 16. 17. 35). wie der name in
die sage möge eingetreten sein, darüber habe ich s. 12. eine
Vermutung geäuszert. veranlassung, den rheinischen königen
den namen Nibelunge zu entziehen, hatte allerdings der erste
theil, weil die früheren besitzer des horts und ihre mannen
ebenso hieszen und sonst nicht leicht zu unterscheiden waren,
dagegen in dem zweiten theil dringt der poetische name Nibe- 67
lunge wieder durch ^^, der den söhnen Gibichs (er heiszt hier
Dankrat) schon in einigen eddischen liedern beigelegt wird,
dessen sich Wolfram bedient und der sich in der Vilkina saga
als der einzige noch erhalten hat; vielleicht auch nicht der ur-
sprüngliche, scheint er doch älter als die geschichtlichen zu
sein, ich weisz zwar, dasz man die Vermutung aufgestellt hat,
der name sei mit dem besitze von Nibel ungs gold übergegan-
gen, aber ich halte sie ftir falsch: eine solche beziehun«^ hätte
das gedieht, wenn es sich deren bewust war, nothwendig ein-
mal andeuten müszen, und dann behalten auch in dem ersten
^^ den poetischen nenne ich ihn blosz, weil ich nicht glaube, dasz er aus
der geschichte herüber genommen ist. dasz er an sich gar nicht selten war,
kann man aus dem Verzeichnis in Leichtlens forschungen (2, 2, 38 — 40) sehen.
[Z£L 10, 2.]
70 43
67theile die Bnrganden, selbst nachdem sie den hört versenkt
haben, noch diesen geschichtlichen namen, und in dem zweiten
erscheint eben derselbe vermischt mit dem angeblich überge-
gangenen; er ist nach meiner meinung aus dem ersten dahin
eingefilhrt worden, um den gar zu grellen Widerspruch zu ver-
stecken, übrigens haben wir gesehen, dasz die geschichtlichen
namen schon früher angewendet sind: die Edda, freilich nur
in ihren jüngsten bestandtheilen, kennt beide (oben s. 8. 12.
34. 35); dasz Eckehard den namen Nibelunge unterdrückte,
weil er nicht historisch lautete, könnte freilich nur eine ver-
muthung sein, aber auch die klage bringt beide vor; denn
obgleich die rheinischen könige regelmäszig Burgunden heiszen,
so bricht doch einmal die heneummg Rhein/ranken durch (152)'^,
und immer nur als ausnähme finden wir im Biterolf Franken
(5965. 9310. 9733. 12123) und Rheinfranken (9729). der poe-
tische name gut in eben diesem gedichte nur (7850) für den
stamm des alten Nibelungs (25f?6. 7229. 7821. 8155), wie in
dem Siegfried sliede die Nibelunge zwerge sind, und so hält es
auch die Klage (1713) bis auf eine einzige stelle (771), in wel-
cher sie mit unserer Nibelunge noth übereinstimmend sagt:
Giselher der junge der vogt der Nibelunge^ so dasz sie alle
drei namen nebeneinander braucht.
5) Die historische beziehung Etzels auf den Attila ist voll-
kommen deutlich, sie ist hier verstärkt durch den bruder Blöd-
68 Zin, der dem Bleda bei Priscus und Jemandes entspricht (unten
8. 345) und sich auch in der Klage, Bitrolf und Vilk. s. und
den andern spätem gedichten findet; Eckehard wüste noch
nichts davon, so wenig als von den namen der hünischen köni-
gin Helche, sie heiszt ebenso im Biterolf, in der Klage und
Ecken ausf 174. alt. dr.; dagegen Erka in der Vilk. s. Herche
im Roseng. C ('Herche' und 'Herriche', anhang des heldenb.
'Hariche', Roseng. D cod. Arg. 'Herke, Herch', cod. Pal.);
und erinnert an die Kerka des Priscus (unten s. 345). Ecke-
hard nennt sie Ospim (gramm. 2, 171. 447.), wahrscheinlich
der sage seiner zeit gemäsz [Haupts zs. 10, 171 f.]. indessen
haben wir die Herkia schon früher in dem dritten Gudrunen-
lied geftinden. Etzels vater hat den namen Botelung^ der mit
dem eddischen Budli übereinkommt, aus der sage beibehalten;
der geschichtliche lautet bei Priscus Mundloch, bei Jemandes
Mundzuck (in dem cod. Paris. 1809 Manzuchius). [Haupts zs.
10, 160 f.] in der ViUdna s. heiszt er OM. ebenso gehört
das kind Ortlieb (Aldrian Vilk. s.) blosz in die dichtung.
•^ die leseart der Überarbeitung: die küenen Rinvranken (281. Lassb.) statt
stolzen verdient einige rücksicht, da anch Wolfram sagt: die küenen Nibelunge
und Pf. Konrad ebenfalls: die küenen Rinfranken. (bl. 107^.) unsere Nibelunge
noth (88, 2) und Biterolf (7850) gebrauchen Wolframs ansdruck von Schilbung
und Nibelung.
48 71
Aber in der weise, wie Etzels reich und gewalt beschrie- 68
ben wird, glaube ich den einflusz der geschichte zu bemerken.
er ist der gröze voget (1133, 2), und: von Roten zuo dem
Eine, von der Elbe unz an daz mer, so ist künec deheiner so
gewaltic niht (1184, 2. 3). Rüdiger sagt zur Kriemhild:
1175. Und geruochet ir ze minnen den edelen herren min,
zwelf vil rtcher kröne sult ir gewaltic sin.
dar zuo git iu min herre wol drtzec füraten lant,
diu elliu hat betwungen sin vil ellenthaftiu hant.
Kriemhild macht ihm hernach einen einwurf :
1201. Si sprach ze Rüedigere: het ich daz vernomgn,
daz er niht waere ein heiden, so waer ich gerne komen
swar er hete willen und naeme in zeinem man.
dö sprach der markgräve: die rede sult ir vrouwe län.
1202. Er hat so vil der recken in kristenltcher e,
daz iu bi dem künege nimmer wirdet we.
waz ob ir daz verdienet daz er toufet sinen lip?
des müget ir gerne werden des küneges Etzelen wip.
Bei dem empfange der Kriemhild zeigt er sich in vollem
glänz :
1278. Von vil maneger spräche sach man üf den wegen
vor Etzelen riten manegen küenen degen,
von kriaten und von heiden manege wite schare,
da si die frouwen funden, si komen herlichen dare.
1279. Von Riuzen und von Kriechen reit da manic man,
den Pcelän und den Vldchen sach man swinde gan;
ros diu vil guoten si mit krefte riten. 69
swaz si site haeten, der wart vil wenic vermiten.
1280. Von dem lande ze Kiewen reit da manic degen,
unt die wilden Peschencere, da wart vil gepflegen
mit bogen schiezen zuo voglen da si flugen.
die phile sie sere zuo den wenden vaste zugen.
1282. Vor Etzelen dem künege ein ingesinde reit,
vro unde vil riebe, hübsch und gemeit,
wol vier und zweinzek fürsten rieh unde her.
daz si ir vro wen sähen, da von engerten si niht mer.
Unter diesen befindet sich Häwart von Tenemarke und
Irnvrit von Dürengen (1285). — auch in der Vilkina saga ist
sein reich von ähnlichem umfang: Vilkinaland (Scandinavien)
mit Holmgard (Russland) hat Attila erobert, Brandenburg, also
das land bis zur Elbe theilt er als leben aus, wie Baiern
unter Rüdiger ihm eigen ist. Susa (Susan, Susak d. h. Budva)
72 48
«
69 ist seine hauptstadt in Hunaland. Biterolfs Beschreibung von
Etzels macht folgt unten.
Damit stelle ich die äuszerungen der geschichte zusam-
men. Priscus sagt: nie hat ein könig, der in Scythien oder
sonst herschte, in so kurzer zeit solche dinge vollbracht, ganz
Scythien unterwarf er sich und dehnte bis zu den inseln des
Oceans sein reich aus, so dasz die Römer selbst ihm tribut
entrichten musten; sie gehorchten seinen befehlen, als sei er
ihr herr. — bei Jemandes heiszt er: solus in mundo regnator
(c. 34), könig aller könige (38), so vieler Völker herr; und
Attila selbst sagt (39): post victorias tantarum gentium, post
orbem edomitum. mit unerhörter macht besasz er allein ganz
Scythien und Germanien und erschreckte das römische reich
im Orient. und occident (49). den ostgothischen Walamir, der
ihm besonders zugethan war, setzte er als könig über kleinere
fürsten (regem super ceteros regulos diligebat). Christen waren
darunter, eben die arianischen Gothen. — Sidonius Apollin.
(7, 319) nennt auch die Thüringer unter den ihm unterworfenen
Völkern.
Trug die sage Attilas äuszere Verhältnisse auf Etzel über,
so liesz sie doch seinen in die dichterische darstellung verfloch-
tenen Charakter unverändert und im grellsten Widerspruch mit
der geschichte bestehen. Etzel zeigt den burgundischen köni-
gen gegenüber ein gewisses unritterliches betragen. Dieterich
führt ihn aus dem haus (1932, 3), wo der streit schon tobt,
und als er hernach ermutigt den schild faszt und gegen
70 Hagen kämpfen will, wird er von den seinen am fessel zurück-
gezogen (1959, 3). auch in Atlamäl (99) und der Vilkina
saga c. 286 wird ihm feigheit vorgeworfen, in der Vilkina saga
von Hildebrand.
Sollte die dichtung, welche früher vielleicht nur die an
wenigen gliedern eines berühmten geschlechts vollbrachte räche
besang und erst allmälich ausdehnung erhielt, in darstellung
des groszen kampfes nicht ein historisches ereignis aufgenom-
men haben? die geschichtschreiber gedenken eines burgundi-
schen konigs Gundichari, der von den Hunnen zu Attilas zeit
mit seinem ganzen geschlechte vernichtet wurde, wüsten wir
etwas näheres über dieses ereignis, so würde sich vielleicht
eine noch deutlichere beziehung ergeben. Prosper Aquitan.
sagt bei dem j. 435 (Duchesne I, 205): Eodem tempore Gun-
dicarium Burgundionum regem inter Gallias habitantem Aetius
hello obtrivit pacemque ei supplicanti dedit, qua uon diu po-
titus est, siquidem illum Chunni cum populo suo ac stirpe dek-
verunt, Cassiodor folgt: Cundicharium^ Burgundionum regem
Aetius hello subegit, pacemque ei reddidit supplicanti, quem non
multo post Hunni peremerunt. Paulus Diac. in der bist. misc. :
Attila itaque primo impetu, mox ut Gallias introgressus est,
48 73
Gundicarium Burgundionum regem sibi occnrrentem protrivit; 70
und wiederholt in dem buche de episc. Metens. dasselbe, ich
lasse die frage unberührt, weil hier nichts darauf ankommt, ob
diese niederlage der Burgunder vor Attilas einfall in Gallien
statt fand, in einem besondern kriege, von dem wir weiter
nichts wissen, oder erst im jähr 450, nach Unterjochung der
Franken. Paulus diacon. behauptet das letztere, aber, dem
widerstreitet, dasz Sidonius Apollin. (7, 32) die Bnrgunden zu
den Völkern zählt, die dem Attila damals folgten, die er also
schon früher muste unterjocht haben. Jornandes lässt (c. 36)
dagegen die Burgunden sich dem Attila entgegenstellen.
Es ist mir nicht unwahrscheinlich, dasz selbst die be-
rühmte Schlacht in den catalaunischen feldern der dichtung
einzelne züge verliehen habe; dasz sie an einem andern orte
und unter andern Verhältnissen stattfand, macht dabei gar
nichts aus. sagen von ihr mochten lange herumgehen, nach
Jornandes (c. 40) war es ein wüthender, unermesslicher, hart-
näckiger kämpf, wie das alterthum von keinem ähnlichen zu
sagen weisz. solche dinge wurden davon erzählt, dasz gegen
diese wunder alles andere für nichts zu achten war. ähnlich
stellt die dichtung die noth der Nibelunge dar. die Ostgothen
waren dort durch das gebot des herrn genöthigt, gegen die be- 71
freundeten Westgothen zu kämpfen, wie im gedieht Dieterich
gegen die Burgunden. ich erwähne einen besondern zug. Jor-
nandes, ganz in dem ton der sage, erzählt, ein bach auf dem
Schlachtfeld sei von dem blut der getödteten zu einem reiszen-
den ström herangeschwellt und, die der heisze wundendurst
dahingeleitet , seien von den fluten weggetragen worden, und
die unglücklichen hätten das blut getrunken , das sie vergossen,
die dichtung drückt sich auf ähnliche weise aus : das blut flieszt
allenthalben aus dem saal (2015, 2) und die durstigen trinken
auf Hagens rath davon (2051, 2. 2054, 2). (Färöische lieder
8. 264.) auch in Dieterichs flucht ist das nachgeahmt (6550)
und in Atlamäl heiszt es (50): flopi völlr blopi.
5. Verschieden von diesen geschichtlichen, wie schon be-
merkt, dem geiste der dichtung nicht unnatürlichen anknüpfun-
gen und assimilationen ist die rohere, die nahe liegende Zeit-
rechnung grell verletzende einführung des erst im zehnten
Jahrhundert gestorbenen bischofs Pilgrim von Pmsau^ als eines
bruders der königin Ute. das werk, woraus die Klage schöpfte,
hat diese Ungereimtheit zuerst veranlasst, und daher ist ohne
zweifei Pilgrim, der sonst in keinem gedichte, auch nicht im
Biterolf, vorkommt, herüber genommen, mit recht hat Lach-
mann alle darauf bezüglichen stellen in klammern gesetzt
6) Die hinweisungen in unserer Nibelunge Noth auf andere
sagen müssen wir genau betrachten.
74 43
71 a) Siegfrieds jngend.
22, 2. er versuchte vil der riche durch ellenthaften muot;
durch sinea Itbea sterke reit er in menegiu laut.
23, 1. in sinen besten ziten bi sinen jungen tagen
man möhte michel wunder vcn Sifride sagen,
waz eren an im wüchse und wie schcene was sin lip.
Blosze Wiederholung :
102, 3. sin lip der ist so schoene, man sol in holden hän.
er hat mit stner krefte so manegiu wunder getan.
Auch die Überarbeitung sagt in einer ihr eigenen Strophe
eigentlich nichts neues:
161. 'E daz der degen chvne. vol whse ze man.
do het er solhiv wnder. mit siner haut getan,
da von man immer mere. mac singen vnt sagen,
des wir in disen stunden. mvzen vil von im gedagen.'
Was hier von der groszen stärke Siegfrieds, die er mithin
schon vor dem erwerb der tamkappe besasz, gerühmt wird,
72 scheint sich auf die erzählung des liedes von ihm zu beziehen:
2. 'Der knab was so mutwillig Darzü starck vnd auch grosz
Das sein vatter vnd muter Der ding gar seer verdrosz
Er wolt nie keynem menschen Sein tag sein vnderthon
Im stund seyn synn vnd mute Das er nur zug daruon.
3. Do sprachen des kunigs räthe Nun last in ziehen hyn
So er nicht bleyben wille Das ist der beste syn
Vnd last jn etwas nieten So wirdt er bendig zwar
Er wirdt ein held vil kune Vnd lebt er etlich jar.
4. Also schied er von dannen Der junge kune man
Do lag er vor eynem walde Ein dorff das lieff er an
Do kam er zu eym schmide Dem wolt er dienen recht
Im schlahen auff das eysen Als ein ander schmidtknecht.
5. Das eysen schlug er entzweye Den amposs inn die erdt
Wenn mann jn darumb straffet So nam er auff keyn leer
Er schlug den knecht vnd meyster Vnd trib sie wider vnd ffir
Nun dacht der meyster offte Wie er seyn ledig wür.
Hierzu eine andere stelle mit neuem anfange:
33. 'Do was zu den gezeyten Ein stoltzer jungeling
Der was Seyfrid geheyssen Eyns reychen kunigs kind
Der pflag so grosser sterke Das er die lowen fieng
Vnd sie dann zu gespötte Hoch an die bäumen hieng.^
43 75
Noch eine dritte stelle abermals mit einem neuen anfang: 72
47. 'Nun was der held Seyfride Gewesen seyne jar
Das er vmb vatter vnd muter Nicht west als vmb ein har
lEr ward wol ferr versendet Inn einen finstern than
Darinn zoch jn ein meyster Biss er ward zu eym man.
48. Er gwan vier vnd zwentzig stercke Vnd yegklich sterck
ein man.'
Die Vilkina saga (c. 140 — 142) enthält eine eigene erzäh-
lung von Siegfrieds geburt und kindheit. seine mutter bringt
ihn im augenblicke der höchsten noth zur weit, als sie der un-
treue fälschlich angeklagt, in einem walde soll getödtet werden.
sie verschlieszt das neugeborne kind in ein gläsernes gefasz
und als dieses einen stosz erhält und ins wasser rollt, stirbt
sie vor schmerz. das glasgefasz geräth bei der ebbe auf den
Strand und zerspringt beim anstoszen. das geschrei des knaben
lockt eine hindin herbei, die ihn in ihr lager trägt und mit
ihren jungen aufsäugt, nach zwölf monaten ist er schon so
stark, wie ein kind von vier jähren.
Von allem diesem weisz kein anderes gedieht das ge-
ringste, und P. E. Müller hat (sagenbibl. 2, 210. 211) schon
bemerkt, dasz diese erzählung der Vilkina saga, in einem ganz 73
andern geiste abgefasst, etwa romanischen Ursprung verrathe.
das liesze sich auch wol auf den fremdartigen namen der aus
Spanien stammenden mutter Sidlia (Sisibe hat ein anderer
codex) anwenden, wenn ich ihn richtig durch Cäcilia erkläre*;
nur der vater heiszt wie sonst Siegemund. auch zeigt sich
keine ähnlichkeit mit dem, was die Völsunga saga (c. 22) von
Sigurds geburt berichtet. dagegen brauche ich kaum an die
Übereinstimmung mit der geschichte der heiligen Genoveva zu
erinnern. sie fällt in die äugen. dasz man die lücke in der
sage mit einem solchen fremdartigen stück ausfüllte, begreift
man wol, aber auffallend ist, dasz der richtige name von Sieg-
frieds mutter Siegelind ^ den unser Nibelungelied , die Klage,
Biterolf (9832), das gedieht von der Flucht (2040) und von
Siegfried kennen, der Vilkina saga so ganz verborgen geblieben
scheint.
Doch flieszt gleich wieder (c. 144. 145^ vgl. 19) die echte
quelle. sie stimmt in dem folgenden ziemlich mit dem liede
von Siegfried, nur dasz ihre erzählung genauer und zusammen-
hängender ist. der von der hindin aufgesäugte knabe findet
den Schmied Mime im walde, der ihn zu sich nimmt und ihm
den namen Sigfrod (nach einer handschrift c. 145. 367) gibt,
im neunten jähre übertrifft er schon alle männer an stärke (vgl.
* 8. von der Hagen Gesammtaben teuer I, s. CV ff.
76 48
n Eckerich im Rosengarten, Weigel 1392), und Mimes gesellen
können es nicht bei ihm aushalten, einen davon, den Eckihard^
der ihm mit der zange einen schlag gegeben, schleift er an
den haaren zu dem meister hin. Mime führt ihn zur arbeit in
die schmiede. [ZE. 27, 4.] er macht einen starken eisenstab
glühend und heiszt den Siegfried mit dem schwersten hammer
zuschlagen, dieser thut aber gleich den ersten schlag so ge-
waltig, dasz der amboszstein zerspringt, der ambosz in den Unter-
satz hineinsinkt (das lied allgemein: in die erde) und eisen,
zerbrochene stange, und hammerstiel umherfliegen. (dies ent-
spricht wohl dem schlag, womit nach der nordischen sage
(Völsunga c. 24) Sigurd das schwert Gram probiert: er sfpaltct
den ambosz.)
b) Siegfrieds anfenthalt bei Etzel. -
Rüdiger weisz davon, denn als von Kriemhild die rede ist,
sagt er zu dem hünischen könige:
1097, 2. si was dem besten manne Sifride undertän
dem Sigmundes kiride: den hästu hie gesellen;
man moht im grozer eren mit warheite jehen.
Hierüber gibt eine erzählung im Biterolf einigen auf-
schlusz: Siegfried wurde von Dieterich in seiner jugend mit
gewalt in das Hünenreich geführt.
74 9471. — — — dö sprach Sifrit der maere:
der uns den schaden hat getan, und sol ich minen lip
hän,
ich sol im itewizen daz, daz ich vor Etzeln saz
und rette in miner kintheit. do im daz wart geseit,
ze haut do suocht er mich, ja haete der helt sich
9480. ze strite also wol bewart, ich en künde nie machen
schart
sinen heim noch die ringe, nu vröut mich der gedinge.
ich bin gewahsen zeinem man, ich versuoch, ob ich
genidern kan
den sinen hochvertigen muot, darumbe daz der heltguot
mich vuort in Hiunen riebe vil gewaltecliche
9490. und wolt mit mir gedinget hän, darumb daz er hste
getan
dem künige üz Hiunen landen, ich wil minen anden
morn rechen ob ich kan. also sprach der KriemhiWe
man.
Der eigentliche hergang bleibt doch noch dunkel, vielleicht
ist auch einige Verderbnis des textes schuld daran; schwerlicli
48 77
kann der Zweikampf Dieterichs und Sigurds gemeint sein, u
welchen die Vilkina saga (c. 200) erzählt, worauf dieser mit
Dieterich freiwillig fortzieht. indessen scheint der Verfasser
des Biterolf genau gewust zu haben, drückt sich aber nicht
klar darüber aus.
c) Siegfried tSdtet den draehen.
Hagen erzählt :
101. Noch weiz ich von im mere, daz mir ist bekant.
einen lintrachen sluoc des beides haut,
er badet sich in dem bluote: sin hüt wart hurnin.
des snidet in kein wäfen; daz ist dicke worden schin.
Dasz er dennoch verwundbar war, wüste Hagen nicht,
denn er fragt vor der jagd deshalb die Kriemhild, und sie ver-
räth ihm das geheimnis:
842. Si sprach: min man ist küene, dar zuo starc genuoc.
dö er den lintdrachen an deme berge sluoc,
ja badet sich in dem bluote der reke vil gemeit,
da von in sit in stürmen dehein wäfen nie versneit.
Allein während des bades:
845, 3. do viel im zwischen der herte (1. do vielt im zwischen
herten).ein lindenblat vil breit,
da mac man in versniden.
75
Oben ist schon bemerkt (s. 17), dasz die angäbe, Siegfried
habe den drachen an dem berge erschlagen, mit dem angel-
sächsischen gedichte am meisten übereinkomme. das lied von
Siegfried erzählt (str. 7 — 11) die begebenheit in seiner unbe-
hülflichen art, gibt aber doch einige nähere umstände an:
Siegfried tödtet, von dem schmied aufgereizt, den drachen bei
einer linde ; nichts von einem berge oder einer steinwand, dann
verbrennt er ihn mit andern unthieren auf einem holzstosz ; das
hörn wird weich und entflieszt in einem kleinen bach, er rührt
mit dem finger daran und als das erkaltet, zeigt sich der finger
mit hörn überzogen, jetzt bestreicht er den ganzen leib mit
dem flüssigen hörn, nur zwischen den schultern nicht (weil er
nicht dahin reichen kann, setzt das Volksbuch hinzu), an dieser
verwundbaren stelle empfing er hernach den tod.
Dazu stimmt im ganzen die Vilkina saga (c. 146), nur dasz
sie wieder besser und ausfürlicher erzählt, schon wegen dieser
Übereinstimmung kann ich das urtheil der Sagenbibliothek
78 43
75 (2, 201) , womach wir hier nur eine entstellte nordische dich-
tung vor uns haben, unmöglich gelten lassen, sollten auch ein
paar züge, deren Ursprung schwer auszumitteln ist, von dorther
eingeflossen sein. ich glaube im gegentheil, diese darstellung
ist eigenthümlich deutsch: Mime der schmied, den wir ja auch
im Biterolf (139. 171) finden, wünscht sich von dem lästigen
gesellen zu befreien, geht deshalb in den wald zu seinem als
drachen verwandelten bruder und bittet ihn, den knaben, den
er ihm hinausschicken werde, zu tödten. Siegfried ist bereit,
in jenem walde kohlen zu brennen und empfängt von Mime
speisen und wein auf neun tage, dabei eine holzaxt. drauszen
macht er von gefällten bäumen ein groszes feuer, setzt sich
dann nieder und verzehrt den ganzen mitgebrachten vorrath
auf einmal. so gestärkt, erwartet er ohne furcht den heran-
nahenden drachen, schläojt ihn mit dem grösten der brennenden
bäume nieder und haut ihm mit der axt den köpf ab. hierauf
füllt er Wasser in seinen kessel, hängt ihn über das feuer und
wirft grosze stücke von dem drachenfleisch hinein. als er
seine band eintaucht, zu versuchen, ob das fleisch weich sei,
verbrennt er sich die finger und steckt sie in den mund, um
sie zu kühlen, wie aber die brühe auf seine zunge und in den
hals kommt, versteht er, was zwei vögel sagen, die auf einem
bäume sitzen, sie geben ihm den rath, den Mime zu tödten,
wenn ihm sein eigenes leben lieb sei. Siegfried bestreicht sich
76 erst mit dem blute des drachen die bände und , nachdem er
sich entkleidet hat, den ganzen leib; nur zwischen die schul-
tern kann er nicht reichen. der erlangten unverwundbarkeit
wird einigemal (c. 166. 3 19) erwähnung gethan.
Die altschwedische Übersetzung der Vilkina saga nähert
sich merkwürdiger weise in einem umstand wieder unserer
Nibelunge noth. es liegt nämlich, als sich Siegfried mit dem
drachenblut bestreicht, ein ahornblatt (lounloff") zwischen seinen
schultern, so dasz an dieser stelle keine hornhaut enir
steht. von dieser hornhaut und überhaupt von Sigurds
Unverletzbarkeit weisz die nordische sage durchaus nichts;
aber auch nicht, wie wir hernach sehen werden, die Klage
und Biterolf.
d) flort und erwerb desselben.
88, 2. Die küenen Niblunge sluoc des beides haut
Schübunc'^'^^ und Niblungen^ des riehen küneges kint.
er frumte starkiu wunder mit siner krefte sint.
'^ b vgl. die Scilfingas im Beowulf, altn. Skilfingar. myth. 343. [ZE. 10, 3'
DHB. 1, LIV; 308.]
43 79
89. T>k der belt aleine an alle helfe reit, 76
er vant vor einem berge, als mir ist geseit,
bi Niblunges horde vil manegen küenen man.
die warn im e vil vrömde, unz er ir künde da gewan.
90. Der hört Niblunges der was gar getragen
üz eime holn berge, nu hoeret wunder sagen,
wie in wolden teilen der Niblunge man.
daz sach der degen Sifrit: den helt es wundern began.
91. Er kom zuo zin so nähen^ daz er die helde sach
und ouch in die degne. ir einer drunder sprach:
hie kumet der starke Sifrit, der helt von Niderlant.
vil seltsaeniu maere er an den Niblungen vant.
92. Den recken wol enphiengen Schilbunc und Niblunc.
mit gemeinem rate die edelen forsten junc
den schätz in baten teilen den waetlichen man,
unde gerten des mit flize. der herre loben inz began.
93. Er sach so vil gesteines, so wir hoeren sagen,
hundert kanzwagene ez heten niht getragen;
noch me des roten goldes von Niblunge laut:
daz solt in allez teilen des küenen Sifrides haut.
94. Do gäben si im ze miete daz Niblunges swert.
sie wären mit dem dienste vil übele gewert,
den in da leisten solde Sifrit der helt guot.
er enkundez niht verenden; si wären zornic gemuot.
95. Si heten da ir friunde zwelf küener man,
daz starke risen wären: waz kundez si vervän?
die sluoc sit mit zorne diu Sifrides haut, 77
und reken siben hundert twang er von Niblungelant
96. Mit dem guoten swerte; daz hiez Balmunc.
durch die starken vorhte vil manic recke junc,
die si ze dem swerte haßten und an den küenen man,
daz laut zuo den bürgen si im täten undertän.
97. Dar zuo di riehen künege die sluog er beide tot.
er kom von Albrtche sit in groze not.
der wände sine herren rechen da zehant,
ünz er die grözen sterke sid an Sifride vant.
98. Don kund im niht gestriten daz starke getwerc.
alsam die lewen wilde si liefen an den perc,
da er die tamkappe Sit Albrtche an gewan.
dö was des hordes herre Sifrit der vreisliche man.
99. Die da torsten vehten, die lägen alle erslagen.
den schätz den hiez er balde füeren unde tragen,
da in da vor nämen die Niblunges man.
Albrtch der vil starke dö die kämmen gewan.
80 48
77 100. Er muos im sweren eide, er diente im so sin kneht:
aller bände dinge was er im gereht
(so sprach von Tronje Hagne.) daz hat er getan.
also grozer krefte nie mer recke gewan.
Siegfried erscheint hierauf im besitze des groszen Schatzes
(453, 4). von seiner unermesslichkeit sagt Hagen:
717. Er mac — — von im sampfte geben:
ern kundez niht verswenden, sold er immer leben,
hört der Niblunge beslozzen hat sin hant.
An einer andern stelle wird er noch näher beschrieben:
1062. Ir muget von dem horte wunder beeren sagen,
swaz zwelf kanzwegene meist mohten tragen
in vier tagen und nahten von dem berge dan.
ouch muos ir islicher des tages dristunde gän.
1063. Ez was ouch niht anders wan gesteine unde golt.
unde ob man al die weite haete versolt,
sm waere minner niht einer marke wert.
1064. Der wünsch lac dar under von golde ein rüetelin.
der daz het erkunnet, der möhte meister sin
wol in al der werlde über islichen man.
Auch jener elfischen tarnkappe geschieht noch erwähnung:
336. Also der starke Sifrit die tarnkappe truoc,
so het er dar inne krefte genuoc,
78 zwelf manne sterke zuo sin selbes lip.
337. Ouch was diu tarnhüt also getan,
daz dar inne worhte ein islich man
swaz er selbe wolde, daz in nieman sach.
Die Überarbeitung führt das noch weiter aus:
2734. 'Von wilden getwergen. han ich gehöret sagen.
si sin in holn bergen, vnt daz si zescherme tragen.
einez heizet tarnkappen. von wnderlicher art.
swerz hat an sime libe. der sol vil gar wol sin bewart.
2742. Vor siegen vnt vor stieben, in mvge ovch niemen sehen.
swenner si dar inne. beide hörn vnt spehen
mag er nach sinem willen. daz in doch niemen siht.
er si ovcli verre stercher. als uns div auenture gibt.
43 81
Siegfried gebraucht sie , als er allein in dem schiffe nach 78
den Nibelungen fahrt (451, 2) und bei besiegung der Brünhild
(442, 2. 602, 2); auch Alberich hat gelegenheit, ihren verlust
zu bedauern (1059, 2. 1060, 2).
Wir erfahren nicht, wer die Nibelunge sind, warum der
aus den berghöhlen hervorgetragene schätz soll getheilt werden
und gerade Siegfried dies geschäft vollbringen; auch begreift
man nicht, warum sie ihm das schwert Balmung voraus zum
lohne geben, ehe noch die theilung geschehen ist. (Haupts zs.
2, 544.) erschlagen zu haben scheint er die, welche eben noch
sein vertrauen suchten, erst dann, als sie im zorne (über seine
theilung, die ihnen nicht zu gefallen schien) zwölf riesen gegen
ihn schickten, die ganze dunkle und verwirrte stelle (die str.
96 scheint mir verdächtig und könnte wegfallen) mag aus einem
einzelnen liede dem Hagen, nicht sehr geschickt (denn in seiner
rede zu Günther passen ausdrücke wie: nu hoeret wunder
sagen 93, 1 gar nicht), in den mund gelegt sein, der erwerb
des hortes steht nach dieser erzählung im geringsten nicht in
Verbindung mit dem durch den schmied veranlassten drachen-
kampf, und doch gehören ursprünglich beide gewis zusammen,
wie die reinere eddische dichtung zeigt: Sigurd nimmt, nach-
dem er auf Reigins antrieb den Fofne getödtet, auch das gold,
worauf er sein lager" hatte.
In der Vilkina saga scheint die Überlieferung noch mehr
zu verstummen ; sie erzählt in dem leben Siegfrieds nichts vom
erwerbe des horts, gleich wol ist er nach seinem tode vorhanden.
Attila (c. 334) weisz, dasz der Kriemhild brüder den Nibelun-79
genschatz besitzen und dasz Siegfried ihn gewonnen, als er
den drachen erschlagen hatte, und insofern ist die annähme
der Vilkina saga richtiger als jene unserer Nibelunge noth.
auch erfahren wir nachher (c. 367), dasz der schätz in Sieg-
frieds keller liegt (also nicht in den Rhein versenkt ist) und
Hagen dazu den Schlüssel besitzt. von dem Verhältnisse
Albrichs zu Siegfried, dem Schwerte Balmung, der unsichtbar
machenden tarnkappe und der wünschelruthe weisz die Vilkina
saga wieder nichts.
Indessen hat sie doch auch kenntnis gehabt von jenem
erwerbe des horts, wie ihn unsere Nibelunge noth erzählt, nur
aber ist die that (vielleicht weil die vorhin berührten Voraus-
setzungen damit im Widerspruche standen) auf einen andern
beiden übergetragen, wenigstens hat folgendes, was von Dieterich
(c. 16) erzählt wird, allzu grosze ähnlichkeit, als dasz man nicht
zu einer solchen Vermutung berechtigt wäre, er trifft auf der jagd
den zwerg Alprü und nimmt ihn gefangen, der kleine löst sich,
indem er dem Dieterich treue schwört und ihm das schwert
Nagelrinc herbei holt, das er selbst geschmiedet hat, und zugleich
einen mächtigen schätz von gold, silber und kleinodien nach-
WlLH. GrtMM, deutsche HELDENSAGE. 6
82 43
79 weist, den zwei böszartige, aber riesenhafte höhlenbewohner
besitzen, welche allein durch dieses seh wert können besiegt
werden. Dieterich tritt mit Hildebrand in die höhle und tödtet
den riesen, der sich mit einem brennenden baumstamme wehrt
und zwölf männer kraft hat, und haut das noch stärkere weib,
das den Hildebrand fast schon überwältigt hatte, in stücke, er
findet grosze schätze, womit beide ihre pferde beladen, auszer-
dem den kostbaren heim Hildegrim, gleichfalls zwergenarbeit.
— die erzählung ist verständiger, als in der Nibelunge noth
und das Verhältnis zu Albrich (der nicht wieder in der ganzen
Vilkina saga auftritt) natürlich eingeleitet ; man begreift, warum
der held zuvor das wunderbare seh wert haben musz, eh er
den kämpf wagen darf, der riese, der zwölf männer kraft hat,
mag sich auf die zwölf riesen der Niblunge beziehen, denn die
700 recken, die Siegfried hernach noch (95, 4) besiegt, scheinen
mir ein ziemlich ungeschickter zusatz und diese zeile nicht
viel besser, als die folgende Strophe, die ich schon vorhin für
verdächtig erklärt habe, dasz Dieterich den heim Hildegrim
findet, scheint ein alter zug, denn auch Sigurd findet nach der
nordischen sage in Fafnes schätz den wunderbaren Aegishelm:
ein abermaliger beweis, dasz hier von Siegfried die rede ist.
nur musz ich hier bemerken, dasz auch Ecken ausfahrt und
Siegenot dem Dieterich diese that zuschreiben.
80 Das lied von Siegfried hellt noch am ersten die erzählung
der Nibelunge noth auf, weil es eine eigenthümliche darstellung
liefert, doch die einleitung irrt auch, wenn sie den beiden
zwei drachenkämpfe bestehen lässt: den einen, worin er den
hornleib erhält, den andern, worin er den schätz erwirbt; beides
gehört, wie schon oben bemerkt ist, zusammen, 'der Nyblin-
ger hört' liegt in einem felsen, wo ihn der zwerg Nibling ver-
schlossen hat. Nibling war vor leid gestorben (156, 4); näheres
ist nicht gesagt, nach seinem tode hüten ihn seine drei söhne,
wovon hernach nur einer, könig Euglin (42, 3. 159, 3) genannt
wird, ein als drache verwandelter jüngling hat die Kriemhild
ihrem vater aus dem fenster weggeholt und bewacht sie auf
demselben felsen, unter welchem der bort liegt. Siegfiied
allein in einem walde jagend folgt der spur eines drachen und
kommt zu dem drachenstein. er begegnet dem zwergkönig
Euglin, faszt ihn bei den haaren und schlägt ihn an einen
felsen, worauf dieser sich unterwirft und ihm entdeckt, dasz
der riese Kuperan {Wulfgrambär im volksbuche) den Schlüssel
zu dem stein habe, im streit mit diesem riesen würde Sieg-
fried einem schlag unterlegen haben, wo ihn nicht Euglin mit
der unsichtbar machenden nebelkappe bedeckt hätte. hierauf
mit frischer kraft kämpfend überwindet er den riesen und wird
von ihm in den felsen geführt, dort nach abermaligem kämpf
wirft er ihn wegen oft erneuter treulosigkeit herab. in dem
43 83
felsen hat Siegfried die Kriemhild gefunden und das schwert, 80
womit allein der drache kann getödtet werden, entdeckt, es
folgt nun ein furchtbarer kämpf mit dem feuerathmenden un-
thier, währenddessen die zwerge in dem berg ängstlich werden,
die beiden söhne Niblings den hört heraustragen und in eine
höhle unter den felsen bringen lassen (134. 135). Siegfried
bezwingt endlich den drachen, Euglin erquickt den streitmüden,
die zwerge danken ihm für die befreiung von des riesen her-
schaft und wollen ihm nun dienstbar sein, ohne dasz es die
zwerge wissen, nimmt er den hört, den er von dem riesen oder
drachen gesammelt glaubt, als beute aus dem felsen weg und
lädt ihn auf sein rosz (166). [Germania 3, 187.]
Die Übereinstimmung im ganzen und den einzelnen nur
versetzten zügen ist deutlich. Siegfried ist allein ausgeritten
wie io der Nibelunge noth (89, 1); sein kämpf mit den Nibe-
lungen ist der auf dem drachenstein und Balmung das Schwert,
welches Kuperan selber anzeigt, und womit der drache allein
kann getödtet werden. Euglin mit der nebelkappe und seinen 81
Zwergen nimmt die stelle Alberichs und der Nibelungshelden
ein, und zeigt sich wie jener, nachdem er die höhere gewalt
gefunden, treu und unterthänig. der kämpf mit Kuperan ent-
spricht dem mit den zwölf riesen, und Schilbung und Nibelung
werden durch die zwei ungenannten söhne Nibelings vertreten,
von einer theilung des horts, allerdings ein merklicher unter-
schied, ist freilich nicht die rede, dagegen erfahren wir einen
andern grund, warum er hervorgetragen wird, dasz Siegfried
das gold auf sein pferd lädt, ist der nordischen dichtung (Völ-
sunga saga c. 28) gemäsz und gewis ein ebenso alter zug, als
die ursprünglich menschliche natur des drachen, die uns deut-
lich den Fofne erkennen lässt.
Aus gründen folgt die hieher gehörige erzählung aus Bite-
rolf zuletzt:
7813. — man — saget diu maere, daz der recke waere
komen in ein rieh laut, da er zwSn edel künige vant
bi inanigem stolzen ritter guot, als man noch vil dicke
tuot;
die weiten da geteilet hän, daz in ir vater haete
gelän.
einer hiez Nibelunc, und sin bruoder Schilbunc
was bi namen genant, diz maere was Dietriche bekant,
7825. daz er die künige bede sluoc. si haßten doch bi in
genuoc,
die ez gewert selten hän: bSde ir mäge und ouch ir
man,
fünf hundert ritter oder baz. man saget im (d. h. Die-
triche) sicherlichen daz,
6*
84 43
81 die sluoc er, unz an drizec man, die entrunnen von
dem helde dan,
dan noch wären zwelfe da, die den hunigen anderswo
7835. eratriten hosten füraten lant von den tet man uns be-
kant,
si wären wol risenmsezic, der weite widersoezic,
der eine bräht in in den zorn, da von die andern wur-
den verlorn,
er twanc ouch Alberichen den vil lobelichen
mit sterk und ouch mit meisterschaft ; der (haßt) wol
zweinzic manne kraft;
7845. von grozem eilen im daz kam. ein tarnkappen er dem
nam;
82
daz waz im gar ein kindes spil. wie ungern manz
glouben wil,
da nam der degen hoch gemuot der küenen Nibelunge
guot.
Dieffe erzählung stimmt ziemlich mit der Nibelunge noth,
klärt aber eben deshalb die dortigen dunkelheiten nicht viel
auf. doch bleibt gewis, sie hat dabei nicht unser gedieht, son-
dern ein anderes zur grundlage, denn in nebendingen weicht
sie wieder ab. Siegfried schlägt auszer den zwölf riesen, von
welchen wir hier zuerst erfahren, dasz sie ihren herren ander-
wärts länder erkämpft hatten, nicht siebenhundert, sondern
ftinfhundert oder mehr, und, was etwas ganz neues ist, dreiszig
entrinnen davon; weshalb wird nicht gesagt. statt 'der eine
bräht in in den zorn', glaube ich, ist 'der einer' zu lesen, und
auf die feindlich gesinnten riesen (si wären der weite wider-
saezic) zu beziehen, wovon einer den Siegfried, etwa wie Kupe-
ran durch treulosigkeit, mochte in zorn gebracht haben. Albe-
richs kräfte, dem die tarnkappe in unserer Nibelunge noth
(336, 3) nur zwölf männer stärke verleihen konnte, finden wir
gesteigert. — hernach wird noch einmal kurz auf die ganze be-
gebenheit angespielt; Dietrich sagt:
8152. — — — min muot was so zagelich,
do ich gedähte an den man, waz er wunders haete
begän,
do er die Nibelunge sluoc und ouch ander degen
* genuoc,
da er den grozen hört gewan.
Und ein paarmal ist die unermesslichkeit von Nibelunges
(8566) oder der Nibelunge (12043) golt berührt. von dem
erwerbe des Schwertes Balmung kommt zwar nichts vor, aber
nach andern stellen besitzt es doch Siegfried:
43 85
7228. — der treit Balmungen 82
des alten Nibelunges swert.
Vgl. 11052. der alte Nibelung ist merkenswerth ; so wird
er in imserm gedieht keinmal genannt, aus dem liede von
Siegfried wissen wir, dasz er vor leid starb.
e) Siegfirieds erster besnch bei Brfinlüld.
Als Günther die absieht verräth, um Brünhild zu werben:
329. Daz wil ich widerraten, sprach do Sifrit.'
j4 hat diu küniginne so vreislichen sit,
swer ir minne wirbet, daz ez in hohe stät.
Die Überarbeitung spricht noch deutlicher: 88
2686. 'Vht warn iwer viere, dine künden niht genesn.
von ir vil grimmen zorne. ir lat den willen wesn.
daz rat ich iv mit triwen. weit ir niht ligen tot.
sone lat ivch nach ir minne. niht zesere wesn not.'
Günther wünscht zu wissen, was für kleider sie auf die
fahrt mitnehmen müsten; Siegfried weisz bescheid:
341. Kleit daz aller beste, daz ie man bevant,
treit man zallen ziten in Prünhilde lant.
des sulen wir richiu kleider vor der frouwen tragen.
Er weisz auch den weg:
366, 3. die stolzen hergesellen säzen an den Rin.
do sprach der künic Günther: wer sol schifmeister sin?
367. Daz wil ich, sprach Sifrit, ich kan iuch üf der fluot
hinnen wol gefiiereu; daz wizet, beide guot.
die rechten wazzersträze sint mir wol bekant.
Hernach wird ihre ankunft beschrieben:
371. An dem zwelften morgen, so wir hoeren sagen,
heten si die winde verre dan getragen
gegen Isensteine in Prünhilde lant:
daz was niemen mei*e wan Stfride bekant.
Siegfried kennt dort die gebrauche:
390, 4. do begunde Sifrit den hovesite sagen.
391. In dirre burc phliget man, daz wil ich iu sagen
daz neheine geste sulen wäfen tragen.
lat sie tragen hinnen; daz ist wol getan.
86 ^43
88 Und als sie in der borg anlangen, erkennt ihn eine von
ihren dienerinnen:
'394. Do sprach ein ir gesinde: frouwe, ich mac wol jehen,
daz ich ir deheinen mere habe gesehen:
wan Sifiride geliche einer drunder stat.
So gewis nun aus diesen stellen hervorgeht, dasz Siegfiied
schon einmal bei Brünhild war, so erfahren wir doch aus den
übrigen deutschen gedichten nicht das geringste von diesem
früheren aufenthalt (vgl. unten s. 320. 321). dagegen die Vil-
kina saga berichtet (c. 148) folgendes: nachdem Siegfried den
drachen und den verrätherischen Mime getödtet hat, begibt er
sich auf den weg zur Brünhild. wer ihn dahin weist, wird
84 nicht gesagt, als er bei ihrer bürg angekommen ist, sprengt
er die verriegelte eisenthüre und haut sieben Wächter nieder,
die ihn wegen der verübten gewalt erschlagen wollten (vgl.
Färöer lieder s. 161. 121.). sodann kämpft er gegen die ritter
der bürg; doch Brünhild, die sogleich den fremdling erkannt
hat, tritt hervor und thut dem streite einhält, sie fragt ihn
nach seinen voreitern; er weisz nichts davon. da nennt sie
ihm vater und mutter und heiszt ihn willkommen, er verlangt,
wie Mime ihm gerathen hatte, das rosz Grane; sie gewährt es
und gibt ihm, um es abzuholen, zwölf männer als beistand,
doch er nur allein vermag das thier zu fangen und zu zäumen,
hierauf verlässt er sie. — das ist nicht aus der Edda entlehnt
(doch vgl. unten s. 352 anm.), wo Sigurd durch flammen in
die bürg reitet, der in schlaf versenkten Brünhild die rüstung
abzieht, sie aufweckt, grusz und lehre empfangt und ihr eide
schwört, dennoch scheint es, als ob das gewaltsame sprengen
des thors aus jenem kühnen flammenritt entstanden sei, auch
wird das rosz Grane sonst in keinem deutschen gedieht ge-
nannt (Siegfrieds rosz im Kosengarten a); aber in der Edda
hat er es schon erhalten, ehe er die Brünhild sieht, ja, es
trägt ihn gerade auf dem weg zu ihr und durch das feuer.
bei diesen entgegengesetzten hinweisungen bleibt doch das ein-
fachste, die erzählung der Vilkina saga als deutsche dichtung
zu betrachten, sollte auch der name des rosses aus der nordi-
schen entlehnt sein. nordisches könnte man noch in dem
finden, was eine andere stelle (c. 205) enthält und, insoweit es
in der obigen darstellung nicht begründet ist, als ein Wider-
spruch erscheint: Siegfried und Brünhild nämlich hätten, als
sie das erstemal zusammen gekommen wären, eidlich gelobt,
sich zu vermählen, sie hält ihm das vor und er leugnet nicht,
späterhin (c. 321) bezieht sie sich wieder auf das gleich anfangs
berichtete, dasz er zu ihr gekommen sei, ohne von vater und
mutter etwas zu wissen, was gar nicht zu der nordischen sage
43 87
passt, wo er recht gut weis;?, wer er ist; der deutschen aber 84
ist es eigenthümlich, denn auch in dem Hede von Siegfried wird
es ausdrücklich (47, 2) angemerkt, und statt der Brünhild nennt
ihm der zwerg Euglin sein geschlecht. auffallend scheint es
auch in der Vilkina saga, dasz, obgleich wir von Siegemunds
tode nichts hören, doch nicht weiter von ihm die rede ist,
und Siegfried seinen vater niemals wieder sieht; allein es mag
dies im gründe richtiger sein, als sein (des vaters) ganzes, un-
bedeutendes auftreten in dem ersten theile der Nibelunge noth;
denn auch in dem liede von Siegfried sind die eitern vergessen,
die ohnehin den unbändigen söhn los zu sein wünschten und
in die weit laufen lieszen. in der nordischen sage scheint das
wahre Verhältnis dargestellt: der vater nämlich ist schon vor
Sigurds geburt im kämpfe geblieben.
Hier ist der ort, noch einen einzelnen zug hervorzuheben. 86
Brünhild sagt in der Vilkina saga (c. 321), der jetzt über-
müthige und mächtige Siegfried sei doch als waller nach
Worms gekommen; wie es scheint, will sie damit sagen: ein-
sam und in armseligem aufzuge. fiir die nordische sage passt
das nicht, er wird am hofe seines Stiefvaters anständig erzogen,
führt, als er zur Brünhild reitet, das gold Fofnes mit sich, und
als er bei den Giukungen prächtig geschmückt einzieht, glauben
die leute, es komme einer von den göttern (Völsunga saga c.
35). (doch sagt Sigurd (Fafnism. 2) zu Fafiie, als dieser ster-
bend nach seinem namen fragt, er habe nicht vater noch mutter
gehabt: geng ek einn saman.) dagegen deutet doch wol unsere
Nibelunge noth jenen zustand an, aufweichen die Vilkina saga
hinweist, wenn vor dem erwerbe des horts gesagt wird:
89, 1. da der helt aleine an alle helfe reit.
f) Hagen von Tronje und Walther von Spanien. [ZE. 7.]
Von Hagen heiszt es:
83, 1. dem sint kunt diu riche und elliu vremdiu laut.
Er räth ab, die Kriemhild mit Etzel zu vermählen:
1145, 2. het ir Ezelen künde, als ich sin künde hän.
Er kennt schon Rüdeger, denn als die boten kommen,
sagt er:
1120. — — als ich mich kan verstau,
wand ich den herren lange niht gesehen hau,
si varent wol dem geliche sam ez si Rüedeger.
von Hiunischen lanaen der degen küene unde her.
88 — 43
86 Und der markgraf, als die Burgunden bei ihm aidangen:
1597, 2. besunder gruozter Hagenen; den het er e bekant.
Rüdiger hatte ihm vordem dienste geleistet:
1141. Die wile man den gesten hiez schaffen guot gemach,
in wart da so gedienet, daz Rüediger des jach,
daz er da hete vriunde under Günthers man.
Hagne im diente gerne; er het im e alsam getan.
darauf bezieht sich auch wol 1129, 3.
Als Kriemhild den boten an den Rhein auftrage ertheilt,
sagt sie:
1359, 2. unde ob von Tronje Hagne dort welle bestän,
wer si danne wisen solde durch diu, laut:
dem sin die wege von kinde her zen Hinnen wol
bekant.
Und wirklich weist er den weg:
1464, 3. dar leitete sie Hagne; dem was ez wol bekant,
86 Und als hernach Etzel fragt, wer der held sei, den Diete-
rich so freundlich empfange, und ein Hüne antwortet:
1691, 2. er ist geborn von Troneje; sin vater hiez Aldriän.
swie bilde er hie gebäre, er ist ein grimmic man.
so erzählt Etzel:
1693. Wol erkand ich Aldriänen; wan er was min man.
lop und michel ere er hie bi mir gewan.
ich machte in ze ritter unde gap im min golt
durh daz er getriu was; des muos ich im wesen holt.
1694. Da von ich wol erkenne allez Hagnen sint.
ez warn wol (mine gisel bc) zwei waßtlichiu kint,
er und von Späne Walther; die wuchsen hie ze man.
Hagen sand ich wider heim: Walther mit Hiltegunde
entran.
1695. Er gedähte lieber maere, diu warn e geschehen,
sinen vriunt von Troneje hete er reht ersehen,
der im in siner jugende vil starkiu dienst bot.
sid frumter im in alter vil manegen lieben vriunt tot.
Dann äuszert sich ein Hüne über ihn:
1734. Och erkenne ich Hagnen von sinen jungen tagen;
des mac man von dem recken lihte mir gesagen.
43 89
in zwein und zweinzik stürmen hau ich in gesehen, 86
da vil maneger vrouwen ist herzeleit von im ge-
schehen.
1735. Er und der von Späne träten manegen stic,
dö si hie bi Etzel vähten manegen wie
ze eren dem künige. des ist vil geschehen.
dar umbe sol man Hagnen der eren billichen jehen.
1736. Dannoch was der recke siner järe ein kint.
daz dö die tumben wären, wie grise di nu sint.
nu ist er komen ze witzen und ist ein grimmic man.
Er ist ein verwandter der burgundischen könige. (er
selbst nennt sie seine herren 1726, 3.) Kriemhild und Giselher
nennen ihn mäc (841. 1073, 8) und (118, 2), ebenso Günther
Hagens schwestersohn , den Ortwein von Metz, neve (593).
Dankwart ist sein bruder (912). (unwahr sagt er zu Blödel:
1861, 3. ich was ein wenic kindel, dö Sifrit vlos den lip.
er war mit im Sachsenkrieg gewesen und auf der fahrt zu
Brünhild.)
Was hier von Hagens frühem aufenthalte bei dem hüni-
schen könig von Walther von Spanien und Hildegunde gesagt
wird , erklärt sich sehr wol aus Eckehards lateinischem ge- 87
dicht, darin empfängt Attila den Hagano von dem fränkischen
könige Gibicho als geisel; zwar ist er nicht ein verwandter,
oder gar, wie in andern gedichten, ein söhn des königs, dient
aber an dessen hofe und stammt aus trojanischem geschlecht
(veniens de germine Trojae. 28); und da die andern könige in
diesem gedieht ihre eigenen kinder als geisel geben, so folgt
schon daraus sein vornehmer und ebenbürtiger stand, auch in
der Vilkina saga, wo er ein bruder Günthers ist (vgl. unten
s. 258), wird er einigemal (c. 363. 381) Högni af Troja ge-
nannt*; 'Hagen von TroyerC (Weltchronik) und ^von Tro\)
(mehrmals im anhange des heldenbuchs) scheint dasselbe, wo
nicht die Stadt Troyes gemeint ist. dagegen steht Hagen von
Tronje in der Nibelunge noth, Klage, Biterolf, Flncht (2050)
und Rosengarten c und d, endlich noch in der altschwedischen
Übersetzung der Vilkina saga Hagen äff Tronia [c. 365, sonst
af Troya ZE. 31]. ich weisz nicht, welcher ausdruck der ältere
ist; jeder könnte eine entstellung des andern sein. zu der
trojanischen gehört nothwendig auch die fränkische abkunft des
beiden, wie sie ja auch bei Eckehard angenommen wird, denn
sie beruht gewislich auf der alten sage von der trojanischen ab-
* Haegeo van Troien im Bischof srecht von Xanten von 1463 in ZE. 52, 1.
90 43
87 stammung der Franken, deren Eckehard noch an einer andern
stelle (724. 725) gedenkt, und die schon Fredegar in der mitte
des siebenten Jahrhunderts und nach ihm viele erzählen, den
andern namen erläutert eine stelle im Biterolf (2393), wo einer
bürg in Burgunden (Lachmann zu den Nibel. 9, 1) gedacht
wird: diu Tronje was genant; daz hüs und ouch daz guote
lant was allez Hagene undert&n. — wie Gibicho, so überliefert
Herrich von Burgund seine tochter Hildegund und Alphere von
Aquitanien seinen söhn Walihari dem Attila als geisel. Aqui-
tanien ist wol nur eine gelehrte Übersetzung von Wascono laut,
wie der name in der deutschen quelle Eckehards lauten mochte,
das zeigen schon die Wessobrunner glossen (bei Wackemagel
74). Attila führt die drei geisein mit sich ins Hunnenland, wo
sie wie eigene kinder sollen gehalten werden, die beiden Jüng-
linge zeichnen sich bald durch heldenthaten aus (107). doch
als Gibicho stirbt und Gunthari, der bei Attilas einfall ein neu
gebornes kind war, die kröne trägt, so verweigert er den tribut,
und Hagano entflieht zu ihm (119). jetzt sind Walthari und
Hildegimd die hauptpersonen des gedichts. er soll durch die
heirat mit der tochter eines pannonischen Satrapen auf immer
an Attila gefesselt werden, weicht aber dem antrag aus, zieht
in den krieg und zeigt die höchste tapferkeit in besiegung der
feinde (169 — 212). nach seiner rückkehr stellt er ein fest an,
88 um bei dieser gelegenheit mit der geliebten, schon in der kind-
heit ihm bestimmten Hildegund zu entfliehen. sie war über
die kammem der königin gesetzt und nahm zwei Schreine voll
armringe mit.
Die andeutungen der Nibelunge noth weichen nur darin
ab, dasz Etzel den Hagen freiwillig und in freundschaft nach
hause sendet. Hildegund wird nicht ausdrücklich als geisel
bezeichnet, noch ihr vater Herrick genannt; in keinem falle
hätte er jedoch könig von Burgund sein können, weil andere
könige von Burgund angenommen werden, dagegen erfahren
wir etwas näheres über Hagens vater: als Etzels mann hatte
er sich ehre erworben und hiesz Äldrian. diesen namen kennt
sonst noch die Heidelberger handschrift des Kosengarten d
(bl. 6), zwar auch die Vilkina saga (nach c. 150, im folgenden
cap. steht Irung)^ aber in einem anderen Verhältnis, indem
Högni ein bruder Gunnars ist. in dem lateinischen gedieht
wird Haganos vater Agacien genannt (627), ein name, den die
lesart Hagathien in dem Karlsruher codex nicht aufklärt.
[Haupts zs. 12, 297. 13, 182.]
In der Vilkina saga ist Högni kein geisel Attilas, eigent-
lich weisz sie auch nichts von einem früheren auf enthalte an
dem hunnischen hofe. zwar wird hernach in der Niflunga saga
(c. 348 Rafn) erzählt, Attila habe den Högni wieder erkannt,
denn er und Erka hätten ihn zum ritter gemacht, er sei eine
43 91
Zeitlang bei ihnen und damals ihr freund gewesen, gerade wie 88
in der Nibelunge noth (1603, 3. 4); allein in der that kommt
davon in der Vilkina saga nichts vor. Attila lässt durch Högni
dem fliehenden Walthari nachsetzen, aber das ist auch das
einzige mal, wo er vor seinem eigentlichen auftreten und gar
flieht in seinem Charakter erscheint; erst später (c. 150) be-
ginnt seine geschichte mit der erzählung der wunderbaren ge-
hurt, jene zu voreilige erwähnung ist um so ungeschickter,
als Hagen der alten sage nach eher als Walther Etzels hof
verlassen hatte, und sie ist blosz dadurch entstanden, dasz Val-
taris flucht an diesem orte eingerückt wurde.
Das gedieht von Biterolf kennt sehr wol Hagens früheren
aufenthalt bei Etzel imd mehr als eine stelle redet davon, die
fremden, die nach Worms kamen:
4797. die truogen in der mäze kleit, als Hagen, do er von
Hiunen reit.
und er sagt:
4808. — — — ich waen, ez hab nach mir gesant
der küenc (Etzel) und ouch sin werdez wip ; si wellent
daz ich minen lip
aber zen Hiunen läze sehen.
Unfriedlich scheint indessen auch hier sein abschied nicht 89
gewesen zu sein, denn ein Hüne, von Etzel und Kriemhild
redend, spricht zu ihm:
4832. si beide hat des wunder,
waz iu bi in si geschehen, daz ir iuch so selten läzet
sehen
in Hiunischem lande; nach iu ist in vi! ande.
Auch erwartet Etzel freundliche gesinnung des Hagen
(5162) und dieser rühmt sich bei Rüdiger der tapfern thaten,
die er in Hünenland vollbracht habe (13141). der näheren be-
kanntschaft mit dem markgraf (von welcher natürlich Eckehard
nichts weisz) geschieht gleichfalls erwähnung. Hagen sagt:
6073. willekomen ir wigande ze miner herren lande
und der marcgräve ze vordrost; ich hän des ie gehabt
trost,
wenn daz geschsehe, daz ich den helt hie ssehe.
nü ist ez also bekomen. des ist mir trüeber muot be-
nomen,
daz er ist komen an den Bin. nü sol ich im sinen
wm
wol gelten und die spise, die er mich in friundes wise
vil dicke an geboten h&t. gelOcke daz ist der gotes rät,
des mag ich dar wol jehen, daz ich in hie h4n ge-
sehen,
zen Hiunen was ich ofte tot, da mirs nieman wol
enböt,
wan des fttrsten G^ren kint, diu marcgrävin Gotelint,
und ouch.ßOedeggr der degen. min (wart) da vil wol
Der Nibelunge noth scheint zu widersprechen, was hier
Hagen von drangsalen erzählt, die er bei den Hünen ausge-
standen, und worin er nur von ßfldiger und Gotelind beistand
empfangen habe, völlig entgegen ist dies dem gedichte Ecke-
hards, wonach Attila die geisel wie eigene kinder behandeh
liesz und sie wegen ihrer tapferkeit sehr liebte (108).
Hier will ich eine dunkle, Hagen betreffende stelle aus der
Nibelunge noth anführen, als nämlich Gemot wegen der flber-
&hrt ober die Donau besorgt ist,
1510. Löte rief dö Hagne: leget nider üf daz gras,
ir knehte, daz gereite, ich gedenke daz ich was
der aller beste verge, den man bi Rine vant.
ja trouwe ich iuch wol bringen über in Gelfrätes lant.
Liegt darin nicht eine beziehuug auf eine frühere begeben-
heit und ein nicht gewöhnliches ereignis? hat vielleicht Hagen,
indem er ein schiff über den Khein führte, einmal einen be-
deutenden dienst dem könige oder sonst jemand geleistet? die
bisher bekannten sagen geben keine antwort auf diese frage.
Deutlich jedoch spielt die Nibelunge noth auf ein anderes,
beide freunde betreffendes ereignis an. Hagen macht dem Hil-
debrand den Vorwurf, er sei £
2281. Des antwnrte Hildebrant: zwiu verwizet ir mir daz?
nu wer was der flfem Schilde vor dem Waagenateine
dö im von Spanje Walther so vil der mäge sluoc?
och hapt ir noch ze zeigen an iu selben genuoc.
Hierüber in Eekehards gedieht folgendes: Walthari mit
Hildegund fliehend kommt in den Vogesenwald (Vosagus 488)
und findet dort eine felsenschtucht, wo er auszuruhen beschlieszt;
ohne zweifei der Wasgeustein der Nibelunge noth, wiewo!
nicht ausdrücklich genannt, der fahrmann, der ihn über den
Rhein gesetzt hatte, bringt dem könige Gunthari zu Worms
nachricht von den beiden äüchtlingen, dieser glaubt den schatu,
den Gibicho einst dem Attila gesendet, wieder zu erhaschen,
und heiszt zwölf recken mit ihm ausziehen; darunter befindet
43 93
sich auch Hagano, der in der beschreibung des fthrmanns seinen 90
ehemaligen gesellen erkannt und vergeblich sich bemüht hatte,
den könig zurückzuhalten, als sie herankommen, erkennt Wal-
thari den Hagano an seinem heim und ruft:
556. et mens hie socius Hagano collega veternus.
Dieser, eingedenk der oft gelobten treue, weigert sich
gegen Walthari zu kämpfen:
635. eventum videam nee consors sim spoliorum.
dixerat, et coUem petiit mox ipse propinquum,
descendensque ab equo consent, et aspicit illos.
Er sieht mit an, wie Walthari alle elfe (es kann sich in
der Schlucht nur einer nach dem andern nähern, 935), nieder-
schlägt, es sind nicht blosz verwandte (1075), auch ein ge-
liebter söhn seiner Schwester ist darunter, dessen tod ihm thrä-
nen kostet (874 — 76). hierauf bezieht sich der Vorwurf Hilde-
brands in der Nibelunge noth, dasz er sich vor dem Wasgen-
steine auf seinen schild hingesetzt d. h. keinen antheil an dem
kämpf genommen und den tod seiner verwandten mit angesehen
habe, zuletzt, als der könig zu ihm flieht und um seinen bei- 91
stand bittet, gestattet ihm die ehre seines herm nicht, länger
unthätig zu bleiben, doch verabredet er eine list, den Walthari
aus seiner sichern Stellung wegzulocken, da es nacht gewor-
den ist, entfernen sich beide, legen sich in einen Unterhalt,
und als am morgen Walthari mit Hildegund die höhle verlassen
hat und weiter zieht, verfolgen sie ihn und fallen ihn in offenem
felde an. er mahnt den Hagano vom kämpfe ab und erinnert
ihn an ihre jugendliche spiele, dieser wirft ihm aber die ge-
tödteten freunde vor (1264). alle drei kämpfen mit einander
und nachdem sie sich gegenseitig verwundet haben, machen sie
frieden.
Auch der gemeinschaftlichen kriegsthaten während des auf-
enthalts bei Etzel, wovon die Nibelunge noth (1735*^) spricht,
geschieht erwähnung:
105. militiae priraos tunc Attila fecerat illos,
sed haud immerito; quoniam, si quando moveret
bella, per insignes isti micuere triumphos.
Und Hagano erzählt selbst:
^^) si träten manegen stic bezieht sich auf das niedertreten des bodens
während des kampfes. gerade so heiszt es im Biterolf (11341): vil enge pfat
sie träten, und in Ecken ausfahrt (113. Caspar): si träten dö vil mangen pfat.
(anm. zu Nib. 1735, 1. Rab. 443. 766. altd. bl. 1, 339. Lohengr. 89, 353.
Wüh. von Östr. 18«>0
94
91 521.
43
vidi Pannonias acies, cum bella cierent,
contra Aquilonares sive Australes regiones.
illic Waltharius, propria virtute coruscans,
hostibus invisus, sociis mirandus obibat:
quisquis ei congressus erat, mox tartara vidit.
In der Vilkina saga (c. 85 — 87) erscheint Valtari af Vaska-
steini^ dessen vater nicht genannt wird, als schwestersohn Er-
menreks in einem andern kreisz. Ermenrek hat mit Attila
ein bündnis geschlossen, geisel gesendet und empfangeu. bei
dieser gelegenheit kommt Valtari als vierjähriges kind zu Attila
und weilt sieben jähre bei ihm. also selbst noch ein knabe,
verabredet er während eines gelages mit der siebenjährigen
Hildegund, tochter des Hias von Griechenland [zs. 12, 274.
349 f. 353 f.], die flucht. sie nimmt viel gold aus Erkas
schätzen mit. zwölf ritter müssen den beiden nachsetzen, dar-
unter auch Högni, Aldrians söhn; dasz er freund und geselle
Valtaris gewesen, davon hören wir nichts. Valtari tödtet elfe
von jenen, nur der einzige Högni entkommt in den wald. der
Wasgenstein ist ganz vergessen, obgleich der held davon den
namen trägt. Valtari zündet ein feuer an und brät den rücken
92 eines wilden ebers, aber während er und Hildegund davon ge-
nieszen, überfällt sie Högni. doch Valtari schleudert den ab-
gegessenen knochen so gewaltig gegen ihn, dasz er niederfallt,
ein äuge verliert und sich nur aufrafft, um zu fliehen. Valtari
langt glücklich bei Ermenrek an. — neben den bedeutenden
abweichungen von dem lateinischen gedichte, ist die zahl der
kämpfer übereinstimmend geblieben und ein einzelner zug: Val-
tari stöszt auch dort dem Hagano, freilich mit einer waffe, das
rechte äuge aus (1389); die Vilkina saga hat auch späterhin
(c. 166. 348) die einäugigkeit Högnis nicht vergessen, von wel-
cher jedoch kein anderes gedieht etwas weisz. dagegen bleibt
dem Eckehard allein der gewis unechte zusätz, dasz Gunthari
in diesem kämpf ein bein, Walthari eine band verliert, die
auffallende und unnatürliche Jugend beider flüchtlinge in der
Vilkina saga beruht gewis auf einem misverständnisse in den
zahlen oder sonst einem zufälligen irrthume ; Walther hatte, wie
die Nibelunge noth richtig sagt, schon das schwert genommen.
Im Biterolf heiszt mit geringer abweichung Walthers vater
nicht Alphere (Alphari; im chron. Novalic. Alferius) sondern
Alpker (9903. 10111); aber auch seine mutter, von welcher die
übrigen gedichte nichts wissen, eine Schwester Biterolfs von
Toledo (671. 722. 9918. 9957), kommt vor, wird aber nicht mit
namen genannt. (Haupts zs. 5, 2 — 5. 12, 275.) Walther selbst,
künic von Spänilant (576. 3042. 5085. 6293. 6428. 9946), ge-
denkt seines aufenthalts bei Etzel und erzählt mit der Nibelunge
noth übereinstimmend, dasz er und Hagen von Etzel das schwert,
^
43 95
von Helche manche gunst empfangen hätten ; das anerbieten 92
der konigin ihm kröne und reich zu verleihen, scheint blosze
ausschmückung, so wie die namhafte summe, die Etzel ftbr beide
verwendete, wiewohl Eckehards worte (97)
exulibus pueris magnam exhibuit pietatem
ac veluti proprios nutrire jubet haeredes.
dahin zu deuten wären, die stelle im Biterolf ist diese:
755. daz Etzele golt rot
mac er (Rüdiger) geben, swem er wil, er haete mir ouch
[wol] als vil
gegeben unde mere. Helche diu here
diu bot mir tugentliche kröne unt laut riche;
so bedäht ich mich baz. ich (1. ir) wizzet äne zwfvel daz,
765. daz ich selber haete lant. Etzele und Heichen haut
hieten mir und Hildegunde verlihen in der stunde
wes wir bieten da begert. von Etzele wir nämen swert
bdde ich und Hagen^. umh uns eilende degenö 93
liez sichs der künic here kosten michels mere:
775. ze drizec tüsent marc oder baz; und tet mir willecliche
daz.
Seine flucht und die entfbhrungTder Hildegund wird mehr-
mals erwähnt:
575. Walther so was er genant; ez (1. er) was der künic von
Spänilant.
der was von Hiunen 6 bekomen.
616. da sach ouch Bitrolf der degen
an dem Schilde guot genuoc, bi dem wäfen daz er truoc,
daz er was von Spänilant. do gedäht er [ie] sä ze haut,
daz wider komen waere Walther der degen maere
üz Hiunischen riehen.
6275. her Walther lachende gie d& er den marcman emphie.
er gedäht an diu maere, wie er gescheiden waere
von Hiunischem riche. sie redeten schimpfliche. •
er fraget an der stunde nach der schoenen Hildegunde.
7647. — von Spänilant den künic her
sol er (Rüdiger) mit siner haut bestän, daz er frowen
Hildegunde dan
emphuorte Heichen der riehen.
9586. Walther rette mere sider: e si mich zen Hiunen wider
fuorten an minen danc, ich liez si zehen lande lanc
noch herferten vürbaz.
Hildegund gedenkt des gelags, welches vorangieng, wo sie
ihren wein schenkte, und auch Rüdiger zugegen war, denn
dieser ist gemeint, wenn sie sagt:
96
43
93 12631. der helt gedäht niender min, wie ich im schanete
minen win,
do ich von den Hiunen reit, den ich vil ellendiu meit
Etzelen und sinen recken truoc. des wart gelachet
ouch genuoc
vor der küniginne. ir saz darinne
vierzehen unde mere die bi Etzele dem künic here
lägen in der trunkenheit.
Bei Eckehard (276. 286) veranstaltet Walthari das fest
selbst; Rüdigers geschieht dort überhaupt keine erwähnung, da
ihn die sage noch nicht an sich gezogen hatte, auch schenkt
94 nicht Hüdegund den wein, sondern es ist Walthari, der die
gaste damit einzuschläfern sucht (278) und es an aufinunterung
zum trinken nicht fehlen lässt (305). dagegen kann, was Hü-
degund hier von den in trunkenheit niedergesunkenen sagt, sehr
wohl aus Eckehard bestätigt werden:
317. — vi potus pressi somnoque gravati
passim porticibus sternuntur humotenus omnes.
Indessen wird nicht blosz in jener und einer andern stelle
(6779) auf die bekanntschaft Rüdigers mit Hildegund ange-
spielt, der dichter* weisz noch genauer zu erzählen. Rüdiger
sagt :
7406. ouch hat durch alten dienest min
mir ere erboten Hildegunt.
Und als Hildebrand den Rüdiger zum gegner Walthers
bestimmt, weil dieser der Helche seine Hildegund entführt habe:
7653. vor zorn roten dö began des riehen künic Etzels man.
Rüedeger der vil riche; der sprach do schimpfliche:
• waz wizet ir mir, Hildebrant? waere iu Walther so wol
bekant,
als mir ist der küene degen, ir biet mich niemer im
gewegen
zeinem widerstriten. ja liez ich in noch riten;
und naeme er mir die tohter min, so solt er ungevan-
gen sin
7665. immer von miner haut, er rümte mines herren lant
gar an alle schände, daz ich so rehte erkande
sine;3ite, des jungen man, des muost ich in do riten
län.
Und Walther, als er hernach mit Rüdiger kämpfen soll:
i
i
— - 43 97
11922. der sach Rüedegeren an. dö sprach der Hildegunde 94
man:
des weiz got wol die wärheit, mir ist innecUchen leit,
daz ich dem helt gewegen bin. füert er nü den pris hin,
des hän ich lützel ere; slah aber ich Ruedegöre,
11930. s6 hat der alte friunt min übel bestatet den sinen win,
den ich ze Bechelären tranc.
Man darf vermuten, Walther habe auf seiner flucht zu
Bechelären ausgeruht, schon vorher hat er ähnliche klagen
geführt und die bei Rüdiger genossene freundschaft gerühmt:
10439. Hildebrant der habe undanc, 95
der mich zuo im gemezzen hat; wir hietens bede gerne
rät.
ich schiet also von Hiunen laut, daz mir der maere
wigant
nie beswärte minen muot. nü muoz ich den helt guot
10446. under minen danc bestän. swaz er mir liebes hat getan,
des wolt ich im nu Ionen, und künd er min geschönen,
so würde schaden deste min.
Man wird die abweichende benennung von Walthers hei-
math in den verschiedenen quellen bemerkt haben; dieser um-
stand verdient eine nähere erörterung. Aquitanien^ wonach er
in Eckehards gedieht benannt ist, begriff das südwestliche Frank-
reich und dieses In Vereinigung mit den nordwestlichen provin-
zen Spaniens mag gemeint sein, wenn er in der Nibelunge noth
und im Biterolf Walther von Spanien heiszt. Ja, in dem letzt-
genannten gedieht wird dies genau bestimmt, da es ihn als
oberhern von drei königreichen schildert (6225): von Karlingen
(einigemal steht Frankreich 6640. 8793. 9133. 10779), Arrago-
nien und Navarra (6225. 6636. 8473. 8780. 10782). jetzt be-
greift man, warum er an andern orten als Walther von Ker-
lingen auftritt (Dieterichs flucht, Alphart, Rosengarten d, an-
hang des heldenbuchs) , und dieser name scheint auch einmal
im Biterolf (2106) neben dem andern durchzubrechen, denn
schwerlich ist sein vasall in dieser stelle gemeint, endlich
Walther von Wdsgenstein^ doch nur in der Vilkina saga, in dem
Rosengarten c und dem alten drucke des heldenbuchs. dieser
name passt offenbar nicht recht, denn der Wasgenstein lag im
Wasgenwald, wo Walther gar nicht zu hause war, sondern nur
auf seiner flucht verweilte, auch wird im Biterolf 'Waschen
walt' (2677) als in Lothringen liegend und auszer aller bezie-
bung auf Walther erwähnt, dennoch könnte er blosz durch
eine leichte Verwechselung entstanden sein, hatte nämlich Ecke-
hard in seiner quelle, wie oben schon vermutet wurde, statt
WxLH. Qbikii, dbutschb heldbnsaob. 7
98
43
95 Aquitanien Wascun oder Wascono lant vor sich, so würde das
in späterer zeit Waskenlant gelautet haben, und dies in Was-
genstein zu verändern gab die sage durch die erzählung von
dem kämpf an diesem orte veranlassung. — sollte durch einen
ähnlichen irrthum das schwert 'Waschen' dem Walther im Bi-
terolf (12285) zugetheilt worden sein, da in unserer Nibelunge
noth (1988, 4) Iring es ist, der Wasken besitzt? oder ist jenes
das richtigere? — [Haupts zs. 12, 257. 276.]
96 Der held Biterolf findet, als er auf seinem zuge nach Pa-
ris kommt, dort den jugendlichen Walther; der dichter sagt
selbst, er wisse nicht, wie er dahin gekommen sei (568). sie
kämpfen mit einander, schlieszen aber hernach frieden. Walther
musz auch einmal Biterolfs gastfreundschaft genossen haben,
(vgl. 9969 — 72), doch diese ereignisse sind so unbedeutend
und vielleicht in der echten sage so wenig begründet, als was
wir im Alphart von ihm vernehmen, wo er, aus Deutschland
gebürtig (468), es mit Dieterich hält und zu Breisach bei dem
treuen Eckehard sich befindet (77). nicht wichtiger ist, wenn
er im Widerspruch damit in Dieterichs flucht (8612) auf Er-
menrichs seite erscheint, oder im Rosengarten für Gibich strei-
tet. — merkenswerther scheint mir, dasz von seinen kämpfen
mit den rheinischen beiden im Wasgenwald, dem eigentlichen
hauptinhalte des lateinischen gedichts, in dem Biterolf nur eine
einzige, leise andeutung vorkommt. Walther erzählt nämlich
von dem Hünenreiche:
716. und wie sich des beides haut
hast ervohten an dem Kin.
g) Amelricli.
Das meerweib sagt dem Hagen, wie er den fährmann be-
wegen könne, ihn über die Donau zu setzen:
1488. Unde komet er niht bezite, so rüefet über fluot,
unde jehet ir heizet Amelrich, der was ein helt guot,
der durch vintschefte rümte dize lant.
so komet iu der verge, swenne im der name wirt erkant.
Hagen befolgt diesen rath:
1492, 3. nu hol mich Amelrichen, ich bin der Elsen man,
der durch starke vintschafb von disem lande entran.
Und der fahrmann, als er sich getäuscht sieht, spricht:
1496. Ir mugt wol sin geheizen bi namen Amelrich:
des ich mich hie verwarne, dem sit ir ungelich.
von vater und von muoter was er der bruoder min.
48 99
Ich finde sonst nirgends eine spur von diesem Amelrich ; ^
auch die Vilkina sage weisz nichts von ihm, denn dasz sich
Thetleif (c, 100) diesen namen gibt, kann damit keinen Zusam-
menhang haben.
h) Mdiger von Beehelaren.
a) er ist aus seiner heimat vertrieben und hat
lehen von Etzel empfangen.
Rüdiger sagt zu dem hünischen könige, der ihm geschenke 97
machen Tnll:
1093, 3. ich wil din böte gerne wesen an den Rfn
mit min selbes guote, daz ich hän von den henden dtn.
Hernach, als der saal schon verbrannt ist:
2075. Do sach ein EQunen recke ßüedeg^ren stän
mit weinunden ougen unt hetes vil getan.
der sprach zer küniginne: nu seht ir wie er stät,
der doch gewalt den meisten hie bt Etzelen hdtj
2076. Unt dem ez aUez dienet^ Imt unde lant
wie ist 80 vü der bürge an Rüedeger gewant^
der er von dem künege vil manege haben mac.
Der markgraf will nicht mit den Burgunden streiten:
2081, 3. ja was ich ir geleite in mines herren lant:
des ensol mit in niht striten min vil eilendes haut.
Und zu Etzel sagt er:
2094, 2. her künec, nu nemt hin widere swaz ich von iu hdn,
daz lant mit den bürgen; der sol mir niht besten,
ich wil üf minen filezen in daz eilende gen.
Und zur Kriemhild:
2100, 2. ez muoz hiute gelten der Rüedegeres lip
swaz ir und ouch min herre mir liebes hapt getdni
2101. Ich weiz wol daz noch hiute min bürge und och min
lant
iu müezen ledec werden von ir etesltches haut,
ich bevilhe iu üf genäde min wip und miniu kint
unde ouch die vil eilenden die ze Beehelaren sint.
Volker, als er Rüdigers entschlusz bemerkt :
2110, 4, an uns wil dienen Rüedeger stn bürge und stniu lant.
Hildebrand, als er des markgrafen leiche fordert:
7*
100
43
Büdiger hat den Biterolf
97 2200. Wir sin ouch eilende also Rüedeger der degen.
Die Klage beröhrt dieses Verhältnis Büdigers, das in der
. Vilkina saga, wie in den andern gedichten, ganz unbekannt ist,
wol nur aus zufall nicht; bestätigung und weitere aufschlüsse
gewährt Biterolf:
4098. der ouch von fremden landen dar
was mit arbeiten komen,
98 Aber wir erfahren seine heimath.
gesehen:
4105. — vor den ztten
dicke in herten striten
ze Ardbi in dem lande.
Und hätte in einem kämpfe mit ihm beinahe unterlegen:
4162. louget ir mirs immer mer,
ir sitz der vor dem ich ze Arjas
in strite noßtecliche genas.
Ob ein ort in Arabien und welcher gemeint sei, weisz ich
nicht*; sollte Arraz in der Nibelunge noth (1763) dasselbe
sein? Biterolf hatte schon früher, als er mit Walther bei Paris
zusammentraf, erkundigungen eingezogen:
749. wie stüende RüedegSrs leben,
oder was im biet der künic gegeben
wider Ardbt daz laut?
Rüdigers beiden zeigen besondere geschicklichkeit im tumier:
8956. daz was von ir kunst geschehen,
daz siez 6 beten gesehen
ze Aräbt in dem lande.
ß) heerfahrten bei Etzel.
Bei dem anblick des todten Rüdigers spricht Wolfhart:
2197, 2. wer wiset nu die recken so manege hervart,
also der marcffrdve vü dicke hat getan?
Auch die Klage weisz davon: fiinf hundert ritter Rüdigers
kamen um,
230. svrie dicke in was gelungen
bt Etzeln dem riehen.
* es iflt das arabische Spanien gemeint; in Spanien herschte Biterolf.
.
43 101
Und der hünische könig sagt selbst: 98
1022. j& solt ich Rüedegöre
mit iu vil pilliche klagen, s^tn triwe hat mich enbor ge-
tragen
alsam die veder tuot der wint. ez enwart nie muoterkint
so rehte gar untriwelos. ich wsene och ie kOnk verlos
deheinen küeneren man.
Abenteuer, die Rüdiger für Etzel bestand, führen die übrigen
quellen noch zwei an. seine listige Werbung um Erka bei dem
könige Osantrix (Vilkina saga c. 65 — 83) und eine heerfahrt99
nach der preuszischen stadt Gamali (im Biterolf 1390 ff. be-
schrieben).
7) Rüdiger kennt seit seiner kindheit die könige
zu Worms.
Etzel fragt:
1087. wem ist nu bekant
under iu bt Rine die liute und ouch daz laut?
dö sprach von Bechlären der guote Rüediger:
ich hdn erkant von kinde die vü edele kunege h4r.
Er scheint auch Kriemhild gekannt zu haben, denn als
Etzel nach ihrer Schönheit fragt, antwortet er:
1090. Si gelfchet sich mit schoene wol der vrouwen min.
Heichen der vil riehen, jane künde niht gesln
in diser werlde schoener deheines küneges wip.
Kein anderes gedieht erklärt diese frühe bekanntschafl, ja
ihr widerspricht in der Nibelunge noth selbst, dasz, als Rüdiger
hernach in Worms anlangt, ihn dort Hagen allein kennt und
der könig Günther, fragte wer er sei (1117—1120)".
°' es gibt keinen historisch erweisbaren Rüdiger von Bechelaren nnd alle
kenntnis von ihm scheint ans der sage nnd dichtung geflossen zn sein. *blosz
noch einen mythischen Rüdiger erkennen die Chroniken, zuerst eine yon 1343:
Lipoldus primus marchio in Aostria post Rageram de Praeclara (b. Petz Script.
Anstr. 1. p. XCVn). damit soll nicht gesagt werden, Rüdiger habe anmittelbar vor
935 gelebt. — zwei historische Rutgeros de Pachlam hat zwar der sogenannte
Aloldns de Peklam (Hanthalers fasti Campilienses 1, 2, p. 1277), der 1044 —
1063 soll geschrieben haben, mir ist aber sogar unwahrscheinlich, dasz der in
seiner zeit glaubwürdige Ortilo (schrieb bis 1230) alle die unglaublichen dinge
und nicht zeitgemäszen bezeichnungen, wie Imperator Henricus auceps, aus einem
buche unter des Aloldus namen excerpiert habe, soll auch Hanthalers schlechte
vertheidigung ganz gelten, kein echtes werk bedarf so vieler entschuldigungen'.
Laehmam. — [ZE. 42.]
102
43
99
i) Nndnn^.
Rüdiger theilt an die Burgunden, beim abschiede von Be-
chelaren, gastgeschenke aus:
1635. Gotlint bot Hagnen, als ir wol ^ezam,
ir minnecliche f?äbe, Sit si der künic nam,
daz er äne ir stiure zuo der höchgezit
von ir niht varen solde; doch widerreite er ez sit.
1636. Alles des ich ie gesach, sprach dö Hagene,
so engerte ich hinnen mSre niht ze tragene,
niwan jenes Schildes dort an jener want:
den wolde ich gerne föern in Etzelen lant.
100 1637. Dö diu marcgrävinne Hagnen rede vemam,
ez mande si ir leide; weinens si gezam.
do dähte si vll tiure an Nuodunges tot:
den het erslagen Witege; da von het si jamers not.
1638. Si sprach zuo dem degne: den schilt wil ich iu geben,
daz wolde got von himele, daz er noch solde leben,
der in da truoc enhende. der lac in stürme tot:
den muoz ich immer weinen; des gät mir armer n6t.
Kriemhild sucht den Blödelin zum kämpfe durch Verspre-
chungen aufzureitzen :
1840, 2. dö lobete si also balde in Blosdelines hant
eine wite marke, die Nuodunc e besaz.
1843, 3. unde eine maget schoene, daz Nuodunges wtp:
so mäht du gerne triuten ir vil minneclichen lip.
1844. Daz lant zuo den bürgen wil ich dir allez geben,
so mahtu, ritter edele, mit vröuden immer leben,
gewinnestu die marke da Nuodunc inne saz.
Dankwart tödtet ihn:
1864. Dö sluog er Bloedeline einen swinden swertes slac,
daz im daz houbet schiere vor- den füezen lac.
daz si dm morgengäbe, sprach Dancwart der degen,
zuo Nuodunges bi'iute^ der du mit minne woldest phlegen.
Auch die Vilkina saga kennt (c. 343) die austheilung der
gastgeschenke zu Bechelaren. Rodingeir bittet den Högni sich
etwas auszusuchen, und dieser wünscht einen seeblauen schild
zu besitzen, den er aufgehängt sieht, der markgraf findet den
wünsch sehr ziemlich: herzog Naudung habe diesen schild im
kämpfe gegen Vidga getragen und die schlage des scharfen
Mimmung damit aufgefangen, bevor er gefallen sei.
Die erzählung von jenem kämpfe ist in der Vilkina saga
schon (c. 309) vorangegangen. Naudung af Valkaborg (in an-
43 103
dem handschr. ^Valkunborg' und 'Völsliiborg') zieht im gefolge loo
von Attilas söhnen zur Unterstützung Thidreks ge^en Ermen-
rek und führt dessen banner (c. 299). aber in der Schlacht
8itcht Vid^a ihn auf, und nach einem harten kämpfe haut er
ihm mit Mimmung die bannerstange entzwei und das haupt ab.
In der Nibelunge noth wird kein verwandtschaftsverhält-
nis der Gotelind zu Nudung angegeben, die Klage schweigt von
ihm ganz, dagegen heiszt es im ßiterolf deutlich: Nuodunc der
edel marcgräve /M/ic; der schoenen Gotlinden kint (3337; vgl. loi
5578. 5588. 5765. 13258); und er befindet sich ebenfalls in der
gesellschaft von Etzels söhnen, in der Vilkina saga wird nach
Rafn (c. 343) nichts von der Verwandtschaft des herzogs Nö-
dung gesagt, dagegen setzt der Peringskjöldische text hinzu.» Go-
delinda habe heftig geweint bei der erinnerUng an Mödungs
tod, der ihr bruder gewesen sei. der Rosengarten c und d
stimmt vneder mit Biterolf überein: Wittich will nicht eher
streiten, bis sich Rüdiger mit ihm versöhnt habe, und da heiszt
es in C (21*):
der marcgräve gab im hulde und wäfent in ze haut
umbe einen suon Duodongen (1. Nuodungen)^ den ersluoc sin
hant.
In n (cod. Pal. 33):
umb Rüedegeres suon wart ein staeter (vride) gegeben.
(Auch in Meusebachs Roseng. ^Rüdigers son Nodog' 796;
Roseng. F brachst. 121: *sin vater der milde', also Rüdiger. —
Nib. 2101, 3 sagt Rüdiger miniu kint (s. 97), er hat also mehr
kinder als die tochter (s. 118); aber auf jeden fall war Nudung,
wenn er ein söhn war, todt und von andern kindern sagt keine
sage. vgl. Lachmann und Nib. 2251, 4.)
k) Dieterich ans seinem reicbe vertrieben.
2196. Der herzöge üzer Berne Sigestap dö sprach:
nu hat gar ein ende ^enomen der gemach,
den uns hie fuogte Rüedeger näh unsern leiden tagen,
froude eilender diete 11t von iu beiden hie erslagen.
Wolf hart äuszert sich auf ähnliche weise:
2183, 4. ja hat uns vil gedienet des guoten Rüedegeres hant.
2202, 2. — unser trost der beste von iu ist tot gelegen.
Hildebrand :
2199. Gebt uns Rüedegeren also toten üz dem sal,
an dem gar mit j&mer lit unser fröuden val
104
43
101 unde lat uns an im dienen daz er ie hat getan
an tms vil groze triuwe unde an ander manegen man.
2200. Wir stn ouch eilende^ also Rüedeger der degen.
2259, 4. Wer sol mir denne helfen in der Amelunge lant?
Dieterich :
2252, 3. owe getriwer helfe, die ich verlorn hän:
Jane überwinde ich nimmer mere des künic Ezehi man.
2266, 2. wie habt ir so geworben, Günther künic rieh,
wider mich eilenden?
1) Dietericbs beiden.
Degne von Amelungelant (1659, 2. 2216, 2. auch einmal
102 von Amelunge der degen 2196, 1), die Bemcere (2210, 1). fol-
gende werden erwähnt, die ich in zufälliger Ordnung aufzähle:
1) Eildebrjant, 2) Wolfhart, 3) Wolfbrant, 4) Wolfwtn, 5) Sige-
stapy 6) Helfertchy 7) Gerbart , 8) Wtchart j 9) Ritschart ^ 10)
Helmnot. es sind nur zehen und doch darf man mit Wahr-
scheinlichkeit annehmen, es sollen zwölfe sein, wie in allen an-
dern heldenkreisen. {neun beiden an Thidreks hof, Vilkina s.
c. 107, nach c. 170 sind es dreizehn^ Thidrek mitgezählt.) ich
erkläre mir diesen umstand durch die Vermutung, dasz die bei
Ermenrich zurückgebliebenen beiden gesellen Heime und Wi-
tege fehlen; des letztern abfall wenigstens wird hier durch die
erwähnung von Nudungs tod vorausgesetzt.
Auch die Klage nennt die Berncere (1930), von Amelunge-
lant (1586) und zwar 1 — 8 übereinstimmend, nur den Ritschart
und Helmnot nicht, dagegen aber einen der Nibelunge noth
fremden Wtcnant (778); hat sie jene beiden nur übergangen,
so setzt sie elf beiden voraus, was an sich schon unpassend
scheint.
Nach Biterolf sollen der Amelunge (7879. 11083) zwölfe
sein, das wird ausdrücklich gesagt (5242), aber in der that
werden unmittelbar darauf nur zehne aufgeführt, und nicht mehr
nennt eine andere stelle (6350) als hauptleute der schaaren.
neune sind wieder dieselben, aber der zehnte ist nicht Helmnöt,
sondern ein Sigeher, er kommt mehrmals vor (6355. 10377.
10648), und ist mit einem vasallen Etzels, Sigeher von Türkie,
nicht zu verwechseln. — aber Helmnöt wird bei einer andern
gelegenheit (10652) angeführt, und da auch anderwärts (6357.
7588. 7798. 9249. 9293. 10650. 11563) und als ein bruder des
Wolfbrant (10365) jener Wtcnant der Klage, der dann der elfte
wäre, auftritt; so gebe ich dem Sigeher den zwölfl;en platz,
demnach ist die zahl vollständig, aber die wegen jener seltsamen
ausfüllung schon wahr^cheiuliche Verwirrung der sage ergibt
43 105
sich deutiich, da noch weiter ein dreizehnter, Adelkart (10379. 102
10649), ja ein vierzehnter, Wtcher (71dl. 10376. 10650. 11562.
12220), genannt werden, sie sind um so verdächtiger, als ich
sonst nur einen 'Weicher von Constantinopel' unter Etzels Va-
sallen, der freilich dem Dieterich beistand verspricht, in der
Kabenschl. (72) unddaselbst (708) einen 'Wiker' finde, der aber
zu Ermenrichs parthei gehört.
Das gedieht von der Flucht lässt dem Dieterich 43 männer
in die Verbannung folgen, einige davon werden genannt, aber
bis auf Hildebrand und Wolfhart sind es ganz andere namen.
Die Vilkina saga enthält (c, 152 — 63) einen eigenen ab-
schnitt, worin Thidreks beiden aufgezählt und beschrieben wer-
den, aber freilich vor seiner flucht: 1) Hildehrandy 2) jarl Hom-
hoge^ 3) Omlung dessen söhn, 4) Vidga VelenU söhn, 5) TheÜefi^
Biterulfs söhn, 6) Fasoldy 1) Sintram von Venedig, 8) Vüdifer^
9) Herbrand der weise und weitgewanderte, 10) Heime der
grimme. Hildebrand ist der einzige, den dieses Verzeichnis mit
den vorigen gemein hat; zwar fehlen auch hier zwei, um die
zahl vollständig zu machen, dagegen finden wir Vidga und
Heime, die dort vermisst wurden, befremdend ist, dasz von
den übrigen in den andern sagen, wenn gleich ihre namen vor-
kommen und auch einigemal dieselben personen gemeint sind,
wie z. b. Dietleib Biterolfs söhn, doch kein einziger mit Diete-
rich in einer solchen Verbindung steht oder als sein mann gel-
ten kann, überhaupt scheint die quelle, woraus dieses stück
der Vilkina saga geschöpft ist, weniger echt gewesen zu sein;
wie könnte Wolfhart, Dieterichs treuster vasall, sonst fehlen,
der, ebenso wie Helfrich, späterhin {ülfard c. 270 bei Rafn,
ülfrad b. Peringsk. Htalprik c. 299) als sein verwandter sich
zeigt, beide fallen schon in der groszen schlacht gegen Er-
menrek (c, 310. 311), konnten also nicht mehr mit den Niflun-
gen kämpfen.
m) Dieterich mit Herrad vermäMt.
1321. Diu juncvrouwe Herrät noch des gesindes pflac,
diu Heichen swester tohter, an der vil tugende lac,
diu gemahele Dietriches, eins edelen küneges kint,
diu tohter Nentwines: diu hete vil der eren sint.
Sie war aus der heimat vertrieben, denn sie heiszt gleich
hernach (1329, 3) diu eilende meit. dasz ihr vater ein könig
gewesen und Nentwtn geheiszen, steht hier allein, kein anderes
gedieht weisz etwas davon; denn ein Nantwin von Regenspurc
im Biterolf, herzog von Baiern und ein mann der rheinischen
könige, kann nichts mit ihm gemein haben.
Auch in der Klage erscheint Herrad, der Helche schwester-
kind (1099), als Dieterichs gemahlin; diu triutinne min wird
106
43
lossie selbst von ihm genannt (2064. vgl. Rabensehl. 1103). wie
in der Nibelunge noth heiszt sie anch einmal meit (1146) und
jnncfrouwe (2115), ich glaube in beziehung auf ihren dienst bei
der hünischen königin; auch wird ausdrücklich dessen erwäh-
nung gethan (1200). sie zieht mit Dieterich heim und nimmt
die schätze mit, die sie von Helche empfangen hatte (2070).
in dem Biterolf kann sie, diu schoene HerrÄt (4367. 87), der
Helche niftel (4425), noch nicht Dieterichs frau sein.
Ip der Rabenschlacht wird die grosze Schönheit der Herrad
(106. 107), der nahen verwandtin von Helche (74), gerühmt,
104 und, ohne etwas vom vater und ihrer herkunft zu sagen, ein
bruder Tibalt von Stbenbürff&n (66) und ein anderer verwandter
'margraf Perchtung* (73. 74) angefährt. die veranlassung ihrer
Verbindung mit Dieterich durch Helche (36), so wie die präch-
tige feier derselben, wobei die königin selbst den segen über
die neuvermählten spricht, ist der gegenständ einer ausführlichen
erzählung. das fest findet vor dfem groszen kämpfe zu Ra-
ben statt.
Auch im gedichte von der Flucht ist dieser heirat gedacht.
Herrad wird von der Helche deren schwesterkind sie ist (7420.
7531), dem Dieterich, während seines aufenthalts bei Etzel, als
gemahlin vorgeschlagen, er bespricht sich mit seinen mannen
und Rüdiger kündigt der Helche seine einwilligung an (7633):
7649. dö swuor man dem hem Dietertche
vrou Herrät die riebe
zeinem wibe al zehant.
Helche verleiht ihm x bei dieser veranlassung Siebenbürgen»
In der Vilkina saga (c. 317) übergibt die sterbende Erka
dem Thidrek die Jungfrau Herrad, ihre verwandte, das ge-
schieht aber nach jener schlacht, worin Erkas söhne umkamen.
Herrad erscheint hernach als Thidriks frau (c. 367. Rafn; fraend-
kona bei Peringsk. ist falsche lesart) und kehrt mit ihm in sein
reich als königin (c. 382) zurück.
n) Dieterichs gescUecht.
So häufig der Bemaere (2249, 1), der helt von Beme,
künec, vogt der Amelunge (1918, 3. 2184, 1) in der Nibelunge
noth vorkommt, so wird doch niemals sein vater und, unge-
achtet der nicht seltenen beziehungen auf den verlust seines
reichs, ebenso wenig der, welcher ihn vertrieb, sein oheim
Ermenrtchy genannt, während der letztere wenigstens aus altem
Zeugnissen (oben s. 2. 17. 18. 21) längst bekannt ist. auch
seines jungem bruders geschieht keine erwähnung. wir erfahren
blosz Dieterichs Verwandtschaft mit der markgräfin:
43 IW
2251, 3. GaUlint diu edele ist mtner basen kint,
und mit Sigestap, herzöge von Beme; er ist nämlich seiner
Schwester söhn (2220, 3. überarb. 18949). [ZE. 26, 4.] von
dieser Schwester ist in keinem gedichte die rede, denn Isolde,
welche in der Vilkina saga (c. 209) erscheint, niusz eine andere
sein, der Kosengarten und anhang des heldenbuchs, wie wir
unten sehen werden, stellen den Siixestap in ein ganz anderes
Verhältnis: er ist dort ein bruder Wolfharts, und nur in den
Dracbenkämpfen Caspars von der Köhn ist wieder das alte an- 105
gegeben.
Die Klage geht nicht weiter, und es befremdet noch mehr,
dasz in der ausführlichen stelle (987 — 1012), welche sich auf
das Unglück in der groszen Schlacht ge^en Ermenrich bezieht,
nicht ein einziger name vorkommt und kein einziges verwandt-
schaftliches Verhältnis erwähnt wird; blosz allgemein: der Ber-
nxre (1055. 1949. 2133) habe vor seinen feinden fliehen müssen.
— Dieterich bemerkt jedoch auch hier ausdrücklich:
913. diu marcrsßvinne Goämt diu ist mtner basen kint.
Er heiszt ihr neve (1 588), wie sie und ihre töchter häufig seine
niflel (1039. 1342. 1350. 2126); ebenso im Biterolf (11550).
doch aber bemerke ich eine abweicbung der Klage von der
Nibelunge noth: die mutter von Sigestap ist darnach (747)
eine Schwester von Dieterichs vater^ so dasz dieser erwähnt,
wenn auch nicht genannt wird, ich erlaube mir dabei eine
Vermutung, sollte die seltsame Zurückhaltung beider gedichte,
an* Dieterichs vater zu erinnern, oder nur von seinem geschlechte
zu reden, in der Nibelunge noth um so deutlicher, als deshalb
absichtlich das Verhältnis Siegestabs geändert scheint, denn die
angäbe der Klage, wronach beiden beiden ein gleiches alter zu-
käme, ist doch die natürlichere; sollte diese Zurückhaltung nicht
eine folge der schon (oben s. 40) erwähnten, in der Vilkina
sage auf den bösartigen Högni und im heldenbuch auf den Ot-
nit angewendeten sage von Dietericha übernatürlicher erzeugung
durch einen nachtelfen sein, welcher der christlichen gesinnung
nicht anders als ein schwarzer, böser geist erscheinen muste?
[Haupts zs. 12, 335.] man scheute bei einem beiden, der sonst
als inbegriff aller tugenden leuchtet — sein name. ist auf immer
berühmt (Vilkina saga c. 108) — die erinnernng an diesen
nachtheiligen umstand, die Niflunga saga jedoch setzt diese
rücksicht bei seite (c. 365), denn Högni, durch die benennung
elfensohn gereizt, erwidert dem Thidrek, noch schlimmer sei
ein teufelssohn ; ohne zweifei eine anspielung auf die sonst ver-
schwiegene abstammung. auch sein furchtbares und entsetz-
liches antlitz, das Herburt (c. 215) an die wand zeichnet, er-
kläre ich daher [Haupts zs. 12, 330]. aus gleichem gründe
108
43
ia5 geschieht auch hier und in der Klage seines zornigen feueraihema
keine erwähnung; er würde an die höllische abkunft gemahnt
haben, die Niflunga saga (c. 365. vgl. 313) beschreibt ihn
deutlich mit dem zusatze, dasz der glühend gewordene panzer
seines gegners keinen langem widerstand gestattet habe ; ebenso
wird in dem Rosengarten (339. 340 b, 30** c) Siegfrieds horn-
leib davon weich und verwundbar, und im Siegenot klagt der
riese: der tiuvel üz im gluote (174, 8) (Ecke 123 Lassb.); in
106 Etzels hofhaltung erkennt ihn sein gegner an dem feuer, das
aus seinem munde geht (182. 187), und im Laurin a löst er
damit seine gefesselte hand^ indem er die bände verbrennt (2049),
ja in der Rabenschlacht (973. 974) erglüht von seinem heftigen
zom die rüstung an seinem eigenen leibe und schützt nicht
mehr, auch der dichter des Biterolfs weisz davon:
11123. Dietrich rouch aam en kol,
dö ditz Wolfhart gesprach.
11129. wie grimme zürnen began
des künic Dietmäres kint!
den heiz fiuwerroten wint
sach (man) erlougen sä zehant.
In der Nibelunge noth und Klage ist Sigestap der einzige
von Dieterichs beiden, der als sein verwandter ausdrücklich
angefahrt wird, zwar in beiden gedichten (2314, 4 und 874.
1941), sagt der könig: mtne mdge unde mine man, aber das ist
ein allgemeiner, häufig vorkommender ausdruck (Klage 1121.
Biterolf 6268. Rabenschlacht 535. 583. 991. Gudrun 15. 2409),
bestimmter wäre: min allerbestez künne (Klage 390); aber da-
mit meint Dieterich wohl, wie an einem andern orte (990), den
markgraf Rüdiger.
Die Überarbeitung der Klage bricht das stillschweigen über
den vater des Berners und heiszt ihn, doch nur einmal (2631.
Lassb.) Dietmäres suon, im Biterolf aber ist dieser name ohne
bedenken (8041. 8077. 9298. 10642. 11130. 11260) wiederholt,
es könnte sein, dasz er jetzt erst aus der geschichte eingetre-
ten wäre, denn der vater des ostgothischen Theodorichs hiesz,
wie wir aus dem Jemandes (c. 52) wissen Theodomir; allein
schon früher in Eckehards antheil an den chron. ürsperg. (oben
s. 36. 37) steht Dietmari filius (in dem chron. Quedlinburg,
noch nicht), und ich glaube Eckehard hat den ausdruck aus
der sage genommen, nicht aus dem Jemandes, weil er sonst
wie dieser Theodomir würde geschrieben haben. Dieterichs Ver-
wandtschaft erscheint überhaupt im Biterolf zahlreicher: Ermen-
rieh (in dieser handschrift steht fälschlich Erenreich) wird oft
angeführt, ohne selbst aufzutreten, heiszt aber nur allgemein
Dietericbs vetter (12914); thätigen antheil an den begebenheiten
j
43 109
nehmen die uns schon bekannten Havlungey FVitele und Imbrecke 106
(oben 8. 19. 20. 31. 32. 37); aber dasz ihr vater genannt würde,
erinnere ich mich nicht. Sigestap von Berne heiszt Dieterichs
neve (5254), so wie Gotelint seine niftel (11550). endlich darf
ich nicht vergessen anzumerken, dasz der könig einmal (11755)
sagt: mtn vriunt Helfrich. der ausdruck ist freilich unbestimmt^ 107
könnte aber auch so viel als blutsfreund heiszen und dann wäre
eine gemeinschaftliche abstammung Dietenchs und der Wölfinge
anzunehmen, denn zu diesen gehört Helferich, wie wir sogleich
sehen werden, in der Vilkina saga werden, wie vorhin (103)
angemerkt ist, ülfard und Hialprik Thidreks verwandte aus-
drücklich genannt.
«
0) Hildebrands gescUecht.
Nur ein einziges verwandtschaftsverhältnis wird berührt:
Wolf hart ist Hildebrands schwestersohn (2185, 4); Hildebrand
sein Geheim (2208, 2). die Klage (879. neve 827) und Biterolf
(8995. neve 9254. 11314. vgl. 12091) stimmen damit überein.
den namen von Wolfharts vater, mutter und brüdern erfahren
wir erst im Alphart und Wolfdieterich.
Die Klage nennt weiter den Wolfwin neve des Hilde-
brand (765).
Im Biterolf lernen wir den Wolfwin, der öfter erscheint
(6359. 7793. 10387), nicht blosz als verwandten Wolfharts
(oßheim 9354) und Hildebrands (veter 12931) kennen, wir hören
auch etwas ganz neues: RiUchart ist sein bruder (11567). auch
vernehmen wir hier zuerst (6359), dasz Wolfbrant ebenfalls zu
Hildebrands geschlecht gehört, und zwar durch Wtcnant^ der
sein bruder ist (10365 vgl. 10323) und der dann den Helfertch
wieder seinen oeheim nennt (10333). endlich kommt hier zum
erstenmale und zwar, wenn ich nichts übersehen habe, nur ein-
mal (6361) der familienname die Wülfinge [ags. Vylfingas im
Beowulf, altn. Ylfingar] vor; allein merkwürdigerweise wird
auch einmal Hildebrand selbst (so verstehe ich wenigstens die
stelle, indem ich ergänze: der) Wülfinc genannt (10624).
Uote^ die wir schon durch Wolfram als Hildebrands frau
kennen, wird weder in der Nibelunge noth, noch in der Klasse,
aber auch nicht im Biterolf erwähnt, sie kommt noch vor im
Rosengarten c und d, Alphart, Hildebrandslied, anhang des
heldenbuchs, Laurin a, Siegenot. Hadebrant der söhn (oben
8. 23) erst wieder im volksliede.
In dem alten bnichstücke (oben nr. 9) steht einigemal Hil-
tibrant Heribrantea sunii^ dieser vater ist späterhin und nament-
lich hier, wie in der Klage und dem Biterolf, ganz vergessen,
und erst im Wolfdieterich und im anhange des heldenbuchs
kommt er wieder zum Vorschein, in der Flucht findet sich viel-
110
44
gleicht eine erinnerung daran, indem Hildebrant und Herelbrant
(1. Herebrant) nebeneinander (5849) genannt werden ; doch fehlt
die bezeichnung eines verwandtschaftlichen Verhältnisses, ein
einzigesmal geschieht in Dieterichs drachenkämpfen (200^) eines
Herebrant^ ritters zu Bern, erwähnung. [vgl. auszerdem s. 261.
. ZE. 5, 2. 15.] auch die Vilkina saga (c. 110. 163) kennt unter
Thidreks beiden einen Herbrand^ aber keineswegs als Hilde-
108 brands vater, der vielmehr (c. 15) eines herzogs Reginbald söhn
und eines herzog Erich von Venedig enkel sein soll ; eine genea-
logie, die wahrscheinlich erfunden ist, um die lücke in der
echten sage auszufiülen.
44.
Die Klage.
1) Am schlusz nennt die dichtung ihre letzte quelle:
2145. Von Pazowe der bischof Pilger tn durch liebe der neven
sin
hiez schrtben disiu mcere, wie ez ergangen waere,
mit Latinischen buochstaben, daz manz ftbr wäre solde
haben,'
swer ez dar n&ch erfunde von der alleresten stunde,
wie ez sich huob und och began unde wie ez ende
gewan,
2150. von der guoten recken not und wie si alle gelägen tot
daz hiez er allez schrtben, ern liez sin niht beliben.
wan im seit der videlcere diu küntlichiu maere,
wie ez ergienk unde geschach, wan er ez horte unde
sach,
er unde manic ander man. daz mcere dd briefen began
2155. ein schrtber^ meister Kuonrdt.
Pilgrim sagt auch selbst im gedieht zu dem boten:
1728. Swemmel, lobt an mine haut, so ir wider ritet durch
diu laut,
des bite ich, friunt, daz ir danne kert her ze mir.
1730. ez ensol niht so beliben; ich teil heizen schrien
die stürme unt die grözen not oder wie si sin gelegen
tot,
wie ez sich huob und wie ez kam und wie ez allez
ende nam.
swaz ir des wären habt gesehen, des sult ir danne mir
verjehen.
dar zuo wil ich vrägen von isliches mägen.
44 111
1735. ez st wib oder man, 9wer iht da von gesogen kan. 108
dar umbe sende ich nu zehant mioe boten in Hiunen-
lant:
da vinde ich wol diu msere; wan ez vil übel waere,
ob ez behalden würde niht. ez ist diu groBziste ge-
schiht
diu zer werlde ie geschach.
Also hätte bischof Pilgrim nach dem berichte Swemmels, 109
des augenzeugen, die begebenheiten niederschreiben lassen durch
meister Konrad, und zwar in lateinischer spräche.
Diese angäbe ist insoweit unbedenklich iiir eine erdichtung
zu halten, als Pilgrim, der am ende de@ zehnten Jahrhunderts
(991) starb, nicht die erzählung des fidelers kann vernommen
haben; aber ein lateinisches buch mit einer geordneten erzäh-
lung der begebenheiten möchte doch wol bestanden haben und
sein dasein nicht durchaus abzuleugnen sein.
2) Nachdem der dichter jener grundlage erwähnung gethan
hat, fährt er fort:
2155. getihtet man ez sit hat
dicke in TiiLScher Zungen; die alten unt die jungen
erkennent wol diu mcere.
Ofl also wurde daz maere in deutscher spräche gesungen
und jedermann war es wohl bekannt, dieses zeugnis geht ebenso
wol auf die Nibelunge noth als die Klage, denn das lateinische
buch umfasste beides, darauf beziehen sich auch die ausdrücke
iu ist wol geseit (36) , iu ist dicke wol gesagt (80). der münd-
lichen sage gedenkt der dichter auch bei Hagens tod:
368. — — — des hat man immer genuoc
da von noch ze aagene, wie daz kaem daz Hagene
stürbe von einem wibe, wan er mit sinem libe
so vil Wunders het getan, die Hute redent sunder wan
noch daz ez ein lüge si: so ist daz der wärheit bt,
daz in des twanc her Dietriche daz der degen loblich
in sinen banden gelac.
Zunächst sind die gemeint, welche zweifei an der Wahr-
heit der sage hegen, auf diese scheint nach Lachmanns bemer-
kung (note 29) noch eine andere stelle anzuspielen:
6. — — — ez ist von alten stunden
her vil wcerltch gesagt^ ob ez iemen missehagt,
der sol ez lazen äne haz unde hoer die rede färebaz.
3) Die Klage gedenkt nun aber auch eines bestimmten
deutschen gedichtes, als der nächsten quelle:
112
109 10.
110 2172.
44
Ditze alte maere bat ein tihtoere
an ein buoch schrtben, desen kundez niht beliben,
ez ensi och da von bekant, wie die von Burgondelant
bi ir ziten unde bi ir tagen mit eren beten sich be-
tragen.
uns seit der tihtcere^ der uns tihte diz maßre.
Dieser dichter ist der meister^ auf den mehrmals berufungen
vorkommen :
22. — der rede meister hiez daz
tihten an dem maere,
285. des buoches meister sprach daz L^^
800. — — — der meister seit, daz ungelogen
sin disiu maere.
An diese quelle hält sich der dichter der Klage:
1098. Ein teil ich iu der nenne, die ich von sage erkenne,
wan si an geschriben sint
4) Sollte unser gedieht selbst durch seinen inhalt nicht
näheren aufschlusz über die beschaffenheit seiner quelle geben?
es beschreibt ereignisse, welche nach vollbrachter räche und
dem allgemeinen untergange der beiden sich zutrugen, der
eigentliche gegenständ ist der in den drei übriggebliebenen
beiden, Etzel, Dieterich und Hildebrand, während der todten-
beschauung immer neu angeregte schmerz, sodann botschaft
an die wittwen Godelind und Brünhild, empfang der nachricht,
endlich Dieterichs entschlusz mit Herrad und Hildebrand heim-
zuziehen, allein bei erzählung dieser nicht sehr wichtigen, auf
die sage selbst wenig oder gar nicht einwirkenden begeben-
heiten nimmt der dichter anlasz, sich auf das vorangegangene
zu beziehen; ja er scheint eine neigung zu verrathen, den gan-
zen inhalt des gröszern gedichts, wenn auch nur in kurzen an-
deutungen, nachzuholen, unsere Nibelunge noth hat er nicht vor
sich gehabt, auszer zweifei gestellt ist dieser satz durch eine
genaue vergleichung in der obengenannten schrift Lachmanns,
auf die ich mich berufe und deren resultate ich hier benutze,
jedoch mit einschränkung, da nach bekanntmachung des reinen
textes der Klage einiges theils ganz wegfällt, theils anders zu
fassen ist. das gedieht von den Burgunden (wie schon bemerkt,
kommt der andere name in dieser bedeutung hier nur einmal
vor), das die Klage kannte, enthielt manches nicht blosz in ab-
weichender darstellung, sondern auch sonsther nicht bekannte,
'• buochmeister Schriftsteller, Weltchron. cod. Casseli. bl. 27*»' 38»
— u — 113
dagegen fehlte ihm, wie es scheint , ein nicht unbeträchtliches iio
stück. [Sommer in Haupts zs. 3, 193 ff. Rieger das. 10, 241 ff.]
5) Die abweichungen betreffen zum theil einzelheiten und
nebendinge; nach der Nibelunge noth z. b. erhält Gernot von
Rüdiger einen schlag durch den heim (2156, 3), nach der Klage
aber (927) hat er eine wunde in die brüst empfangen, edler
ist die erzählung der Klage, dasz Hildebrand der Kriemhild
das haupt abgeschlagen habe (398), während sie in der Nibe- lU
lange noth (1314, 2) in stücke gehauen wird, und bedeutender,
dasz Dieterich nicht zuerst mit Hagen, sondern mit Günther
kämpft, der ihn dreimal niederschlägt, bevor er besiegt wird
(598). auch kleine züge kommen vor, die mir nicht zusätze
scheinen, sondern aus der manchmal genauer beschreibenden
quelle möge herübergenommen sein, wie z. b. Wolfharts röth-
licher hart (835). doch ich verweile hier blosz bei einer Ver-
schiedenheit, welche die grundansicht betriffi und ein eigenes
schwanken verräth. der räche für Siegfrieds mord wird, wie
in der Nibelunge noth, allerdings mehr als einmal (50. 634.
1890) gedacht, und Brünhild namentlich erkennt die rückkehr
des Verbrechens in das eigene haus (1989). allein der dichter
mahnt auch an den längst verdienten zorn gottes, der endlich
zum ausbruch gekommen sei (636), und was er darunter meint
ist deutlich, wenn er bei der ankunft der Burgunden in Hünen-
land sagt:
95. Krtmhilte golt rot
heten si ze Rine läzen. diu zit si verwäzen,
daz sis ie gwunnen künde, ich waene si alter aünde
engulten und niht mSre.
Also das verhängnisvolle gold war der grund ihres Unter-
gangs, ungewis ist, ob folgende stelle sich auf Siegfrieds mord
oder den raub des goldes bezieht: wie gerne sich Etzel den
Burgunden geneigt bezeigt hatte,
112. — dem och si billiche
dienst solden bringen, do muose in misselingen
von einen alten schulden, ez het wider ir hulden
geworben also sere Hagen der üherhere^
daz siz läzen niht enkunde sine müese bi der stunde
rechen allez daz ir was.
Dagegen in einer andern stelle wird deutlich alles unglück.
von dem Nibelunge gold und dem übermuth bei dem raube
desselben abgeleitet:
1713. — der Nibelunge golt rot
heten si daz vermiten, so möhten si wol sin geriten
zuo ir swester mit ir hulden. von ir selber schulden
WiLH. Gbxmk, dbutschb hbldbmsaob. 8
114
44
111
unde von ir starken übermuot so hän wir die recken guot
verlorn alle geliche in Etzeln küncrtche.
Endlich erscheint noch eine neue^ dem meister des buchs
ausdrücklich zugeschriebene, die that der Eriemhild entschul-
digende ansieht:
112 285. Des buoches meister sprach daz fe, dem getriwen tuet
untriwe wo.
Sit si in triwe tot gelac, an gotes hulden manegen tac
sol si ze himel noch geleben» got hat uns allen daz ge-
geben,
swes Itp mit triwen ende nimt, daz der dem Jiimelrtche
gezimt.
Schon früher (70 — 79) wird darauf hingedeutet.
6) Schwieriger zu beurtheilen sind die lücken^ welche sich
in kenntnis der sage zeigen, fehlte das, was die Klage nicht
sagt, auch in ihrer quelle? man sollte meinen, ein dichter, der
blosz andeuten, nicht darstellen will, muste mit dem besten
willen genau zu sein doch manches vorbei gehen lassen.' ist
z. b. die Verbrennung des saals durch die worte: daz hüs lac
gevallen (608) und durch die asche, in der Wolf hart liegt (854),
hinlänglich angedeutet, oder erzählte die quelle selbst nur un-
vollständig? gleichwol scheint mir Lachmann bewiesen zu haben,
dasz die Klage von dem ersten theil der Nibelunge noth nur
einen auszug und den allgemeinen Zusammenhang kannte, von
Siegfrieds Jugend und unverwundbarkeit, dinge, die auch dort
dunkel und lückenhaft erzählt werden, von dem besitz der tam-
kappe, von Brünhildens überwältiguiig wüste sie durchaus
nichts, aber auch aus dem zweiten theile fehlte offenbar man-
ches, wie z. b. der nächtliche, von der Kriemhild den Burgun-
den bereitete Überfall.
7) Die stellen, in welchen die kenntnis der Klage über dm
inhaU unserer Nibelunge noth hinaus geht^ müssen hier sämmt-
lich aufgezählt werden:
. a) Nach der Nibelunge noth (1320) findet Kriemhild an
Etzels hof sieben königstöchter, die sonst der Helche dienten,
die Klage weisz ihre namen und noch mehr:
1093. — daz riebe hofgesinde
der kom dar mit leide wol sehse unde ahzec meide,
1095. die frowe Helche het gezogen, den e üfen regenbogen
mit fröuden was gebouwen. wer mehte des getrouwen,
daz si so nider selten komen? in was ir tröst gar be-
* nomen.
1^
44 116
ein teil ich iu der nenne, die ich von si^e erkenne, 112
wan si an geschriben sint. dar gie froun Heichen
swester kint,
1100. frou Herrät diu riebe: do mert sich Dietriche
sin ungefiiegiu herzen ser. noch kom der hochgebor-
ner mSr:
des künc Nttigers kint diu minnecliche Sigelint: isi
dar kom durch leide schouwe Goldrun diu frouwe,
eines künges tohter her; der was geheizen lAudiger
1105. unde saz ze Frankrtche; dem het minnecliche
Helche erzogen sin kint. mit der juncfrowen sint
kömen Hildeburc und Herlint^ zweier riehen fursten kint:
Hüdeburc diu schänden vri was geborn von Normandi^
Herlint was von Kirchen, von klage man vil der
siechen
1110. unter den schoenen vrowen vant. nach den kom dö 8&
zehant
diu herzoginne Adelint, des küenen Sintrama kint.
den helt man wol bekande; er het bi Osterlande
ein hüs an Ungermarke stät (Puten noch den namen
hat):
da wuchs von kinde diu magt, von der ich hie hän
gesagt.
1115. sine sint uns alle niht erkant, die Helche z6ch in
Hiunenlant
unde Krimhilde kömen an. Ezeln man si sande d^n
unde Heichen ze eren.
Schon vorher ist erzählt, dasz Nitiger von Giselher ge-
tödtet wurde (772), und im Biterolf wird seine tochter als zum
gesinde der Helche gehörig zwar nicht mit namen genannt,
aber doch als Nitikers kint (13191) deutlich bezeichnet. —
Goldrun kommt sonst nirgends vor [Haupts zs. 12, 316], und
warum der Überarbeiter den namen mit einem andern, in dem
Sagenkreis ebenso unbekannten : Winelint (2320 Lassb.) vertauscht
hat, errathe ich nicht; auch ihr vater Lüdeger von Trankreich
erscheint anderwärts nicht wieder, selbst im Biterolf nicht. —
Hildburg von Normandie finden wir dagegen in dem letztgenann-
ten gedieht als tochter Ludwigs von Ormanie und frau des Her-
bort (6465. 6505), nicht aber ihre gefährtin Herlind von Grie-
chen. — Sintram wird in der Flucht (5134. 9839) und Kaben-
schlaeht (58. 579. 994. 1037) angeführt, ohne irgend eine be-
stimmung seiner heimat; näheres erfahren wir aus dem Biterolf
(1107), wo er Sintram von Griechenland heiszt, obwol er auch
im Osterland seinen sitz hat (1100), mit dem Sintram der Vil-
kina saga scheint er nichts gemein zu haben.
8*
llß
44
113 b) Etzel ist fünf jähre lang ein christ gewesen, er erzählt
selbst:
114 491. — — — miniu apgot schuofen, daz ich louc
siner starken gotheit, daz ich lie die kristenheit.
daz ist äne zwifel war, ich was kristen fümf jdr:
doch geschuofen si daz sider, daz ich mich vernoijierte
wider
495. und wart in als e lüidertän. ob ich nu gerne wolt
enpfän
kristenleben und die rehten e, daz enwirt mir wider
nimmer me:
wan ich hän mich unervorht so sere wider in yerworht,
daz er min leider niht enwil.
Es sieht wie ein absichtlicher zusatz aus, um die ehe der
Kriemhild mit einem beiden zu rechtfertigen, wenigstens zu ent-
schuldigen, der Überarbeiter hat ihn in die Nibelunge noth
aufgenommen.
c) Frau Ute, die mutter der Burgundischen könige wohnt
in der abtei zu Lorse^ ihr leben in geistlichen Übungen zubrin-
gend (1840), und wird dort begraben, als kummer sie tödtet
(1990. 91).
Diese angäbe ist in der Überarbeitung der Nibelunge noth
noch erweitert worden (9562 — 9625). Ute stiftet nach Dank-
rats tod das kloster zu Lorse: des dinc vil hohe an eren stat.
auch Kriemhild hat reichlich dazu beigesteuert. Ute zieht sich
auf den sedelhof bei Lorse zurück und lädt ihre tochter, die
gerne Worms verlassen hätte, zu sich ein. Kriemhild lässt erst
die gebeine Siegfrieds wieder erheben und zum zweitenmale bei
das kloster zu Lorse begraben: da der helt vil küene in eime
langen sarke lit. darüber kommt die Werbung Etzels. — der
geschichte nach ist Lorsch schon 764 unter Pipin gestiftet,
seine blütenzeit, wovon die dichtung redet, fallt in das ende
des zwölften Jahrhunderts als Heinrich (st. 1167) abt war. der
letzte abt Konrad, der im anfang des dreizehnten Jahrhunderts
zu dieser würde mochte gelangt sein und 1216 zuerst genannt
wird, richtete das kloster durch üppige Verschwendung zu grund
und wurde von seinen mönchen beim pabst verklagt, der ihn
1229 entsetzte und die abtei dem erzstift Mainz übergab, wel-
chem sie kaiser Friedrich 11 förmlich schenkte (Dahl gesch. von
Lorsch s. 88). [Lachmann zu der Nib. 353, 2.]
d) Für Kriemhild treten noch andere kämpfer auf:
173. Der herzöge Herman^ ein fiirste üzer Poelän,
unde Sigeher von Waldchen vil fiizeclichen rächen
der edeln Kriemhilde leit. zwei tüsent riter gemeit
44 117
si brähten zuo der Wirtschaft, die von der edeln gesteu4
kraft
Sit alle wurden verswant. dar het durh Kriechischiu m
lant
braht üz Türkte Walber der edelfrte
zwelf hundert siner man: die muosen alle da bestän
180. swaz ir von Kriechen was bekomen, unde swaz die da
heten genomen
des Kriemhilde goldes unde Etzeln soldes,
den dienten si vil swinde.
Herzog Herman von Pohlen erscheint im Biterolf, wo er
besiegt und dem könige Etzel dienstbar wird (3585. 3750. 3805.
3999); auch Sigeher, von welchem hier noch (781) erwähnt wird,
dasz ihn Günther getödtet habe, ist dort Etzels mann (3456.
4947. 5418. 10730. 11656), heiszt aber etwas abweichend: Si-
geher von Türkte. ein SigehSr auch in der Flucht (5841. 8594)
und im Alphart (80); ich glaube derselbe.* nur Walber finde
ich sonst nirgends.
e) Verschieden geordnete kämpfe und genauere angaben
des einzelnen dabei hat Lachmann s. 55. 56. bemerkt, unter
Dieterichs mannen wird aber auch einer noch genannt, der in
der Nibelunge noth fremd ist: Wicnant^ den Günther erschlägt
(vgl. oben s. 102).
f) Nähere Verhältnisse von Irnfrit^ Hawart und Iring.
185. die üf gnade wären komen
Etzeln dem riehen, die dienten ängestlichen.
der wil ich iu nennen drt, daz elliu lant des wären vri,
daz iht küeners drinne waere, danne Irnfrit der maere
unde Hawart unde Irinc. den rekhen warn iriu dinc
190. von grözen sculden, hän ich vemomen, daz si ine rtchee
cehte wären komen:
doch wart des dicke sit gedäht, daz man si gerne hete
hräht
zuo des keieers hulden. doch belibens in den schulden
unzen ir Itbes ende, si hset mit gebender hende
Etzel bräht dar zuo, daz si nu spät unde fruo
195. täten swaz er wolde. dö man rechen solde
der schoenen Krimhilde leit, des warn si willic unde
bereit.
Man sagt, als ichz hän vernomen, von wanne si dar
wären komen.
* gewis nicht, g. unten e. 190. PUB. 1, XXllI,
118
44
ÜB Irnfrit der helt üz erkant der het gerümet Dürengelant,
da er e lantgrdve hiez. e man in da verstieZy
200. Häwart der degen starke was vogt in Tenemarke.
Irink der degen üz erkorn was ze Lütringe geborn
unde was ein starc küener man : mit grözer gäbe im an
gewan
Hdwart daz er wart sin man. sus ist uns daz msere
komen an.
Die Nibelunge noth weisz nichts davon, dasz diese drei
beiden in des reiches acht standen und ihre länder hatten ver-
lassen müssen, noch weniger, dasz vergebliche versuche ge-
macht waren, ihnen die gnade des kaisers wieder zu erwerben,
wir finden sie dort zwar bei Etzel, aber es ist nicht gesagt,
dasz sie Zuflucht bei ihm gesucht hätten. Iring tritt auch dort
als Hawarts von Dänemark mann auf, dasz dieser ihn aber
durch grosze geschenke gewonnen habe, erfahren wir hier zu-
erst und ein besonderer unterschied liegt in seiner abstammung
aus Lothringen, die wenigstens natürlicher ist, als wenn er in
der Nibelunge noth markgraf ebenfalls von Dänemark heiszt
(1965, 1), ein irrthum, der wahrscheinlich * durch seine eigen-
scbaft als vasall Hawarts ist veranlasst worden, die sage mochte
hier nichts mehr von seiner heimat wissen, wie in der Raben-
schlacht (709) und Dieterichs flucht; so oft er in letzterm ge-
dichte genannt wird, heiszt er nur Iring ohne einen zusatz
(5126. 5375. 5893. 7335. 8567), dagegen in dem Biterolf wieder
Lothringen als sein Vaterland anerkannt (1589. 3435. 5289.
11616), ja bei der anordnung des kampfes gesagt wird:
7725. — — — — den herzogen üz Lütringen
den sol her Iring bestan, von dem in ahte wart getan
der Etzelen recke üz Hiunenlant.
Von Hawart und Irnfried heiszt es im Biterolf gleichfalls:
'dife tnubsen doch ir selber laut rümen durch ir viende haz (5296),
und letzterm weist Hildebrand in beziehung darauf den gegner
im katilpfe an:
7726* -^ — — Irnfride den wigant
den schafie ich billichen dem lantgräven riehen,
von dem der helt wart doch vertriben und eilende ist
ouch beliben
in Hiuüischen landen bi Etzelen wiganden'
31
'* sollte irgend ein Zusammenhang zwischen Irnfrit und Hawart and
Tdein feckievrid und Hadawart sein, die im Waltharius nebeneinander genannt
werden, und, freilich als Vasallen des rheinischen königs, kämpfen? aber es ist
nicht blosz die ähnlichkeit der namen, welche auf die Vermutung leitet, sondern
auch der umstand, daszEckevrid von geburt ein Sachse ist (753), der, weil
er einen fürsten getödtet hatte, sein Vaterland verlassen muste.
44 119
Hier, wo wir etwas näheres über Imfrit und Inno ver- U7
nommen haben und wissen, dasz jener vordem landgraf von
Thüringen war, beide aber in der reichsacht und in der Un-
gnade des kaisers lebten, hier ist zu einer allgemeinen bemer-
kung gelegenheit. beide beiden sind keine anderen, als Irmen-
fried und Iring der thüringischen sage, die wir bei Wituchind
aus dem zehnten Jahrhundert (deutsche sagen 2, 322) in ziem-
licher abweichung von der geschichte kennen lernen. Imfrit
ist zugleich eine historische person, jener könig Irmenfried von
Thüringen^ der mit Amalaberg, Schwestertochter des ostgothi-
schen Theodorichs vermählt war; dagegen Irinc blosz der dich-
tung anheimfallen mag. nach Wituchind floh Irmenfried mit
weib und kindem bei dem nächtlichen überfalle der Sachsen,
die im bündnis mit dem fränkischen könige Theodorich, der
hier sein schwager ist, ihn eingeschlossen hatten. Theodorich
liesz den Irmenfried zurückrufen und bewog durch falsche Ver-
sprechungen den Iring, des unglücklichen königs rath, seinen
eigenen herm zu tödten. als aber Iring, statt der erwarteten
belohnung, den befehl erhielt, das reich zu verlassen, rächte er
sich sogleich, indem er auch den Theodorich erstach, diese
erzählung gewährt auszer der flucht Irmenfrieds und der Ver-
bannung, in die Iring gehen sollte, keine Übereinstimmung mit
den angaben des gedichts; allein anders und mit sagenhaften
abweichungen kommt sie in der schrift eines ungenannten de
Suevorum origine (Goldast Script, rer. Suev.) vor. wir haben
kein zeugnis über das alter dieses Stücks von ganz geringem
umfang, aber die formen der darin gebrauchten eigennamen:
Wito, Alpkerus, Gozholdus, Swabowa (Schwabenau), lassen
kaum einen zweifei, dasz es noch in die althochdeutsche periode
gehöre. Wituchind ist nicht etwa zu grund gelegt und abge-
ändert, obgleich es so scheinen möchte, weil die Schwaben die
stelle der Sachsen einnehmen, sondern es ist eigenthümliche
und lebendige Verschiedenheit der sage, und etwas davon (ich
übergehe natürlich hier alles andere) werden wir sogleich durch
die gedichte bestätigt sehen.
Die erzählung nimmt nämlich einen ganz andern ausgang:
Irminfried bleibt am leben und Iring ermordet weder seinen iis
herrn, noch rächt er sich an Theodorich, sondern als die Schwa-
ben nachts das lager der Thüringer überfallen, heiszt es blosz:
quo peracto tantam stragem de hostibus dederunt, ut vix quin-
genti cum Irminfrido evaderenty qui etiam commigraverunt ad
Hunnorum regem Attilam. wir sehen jetzt deutlich, warum Irn-
frit bei Etzel sich aufhält; der fränkische könig Theodorich
wird in der lOage durch den kaiser dargestellt, seine feind-
Schaft durch die reichsacht und der held nicht könig von Thü-
ringen, sondern, dem Zeitalter des gedichts gemäsz, landgraf
genannt.
120
44
118 g) Als die übrig gebliebenen den Wolfmtn in seinem blute
liegend finden:
764. — — — do sprach meister Hildebrant
Herre, deist der nem min unde der burcgrdve din^
suon des küenen Neren,
Kein anderes gedieht enthält diese näheren umstände von
Wolfwin (oben s. 107) oder weisz, dasz sein vater N^re hiesz.
derselbe Nere, der im Alphart vorkommt (44 — 77) und in Die-
terichs flucht (3003. 4136. 4423. 5845. 8289. 9922), wo er im
kämpfe fällt?
h) Die boten,
1375. — von Hiunischen landen
si ze Wiene kömen in die stat. mit zühten si ze hüse
bat
ein frowe saz darinne, diu riebe herzoginne
Isolde, ein vil schoeniu magt*.
i) Rüdigers tochter Dietelint v^rird genannt (1349. 2111.
2126) und einmal sein pferd Poimunt (1426) [ZE. 26, 1],
beider name in keinem andern gedichte.
8) Wir haben die quelle der Klage in ihrer eigenthümlich-
keit kennen gelernt, es fragt sich nun : ist diese quelle eins mit
jenem deutschen gedichte, auf dessen meister, v^ie auf eine
autorität, sich die Klage mehrmals beruft? mir scheint eine
bejahende antwort, welche uns der Voraussetzung verwickelter
Verhältnisse überhebt, die natürlichste, dieser meister des buchs
hat sich schon auf das angeblich von Pilgrim veranstaltete latei-
nische werk Konrads bezogen, und es existierte wirklich, oder
er hat es, um mehr eindruck zu machen, selbst fingiert; den
dichter unserer Klage, der sich überall gewissenhaft zeigt, glaube
ich in jedem falle von diesem betrug freisprechen zu müssen,
er nahm sich das ende jenes gedichts, eben die wenigen in der
Klage enthaltenen begebenheiten, zu einer besondern, redseligen,
etwas ängstlichen bearbeitung heraus, unsere Nibelunge noth,
119 falls sie schon vorhanden war, wofür eben nichts spricht, braucht
er nicht gekannt zu haben, am wenigsten hat er daran gedacht,
sie fortzusetzen; er wollte ein selbstständiges gedieht liefern,
in welcher form jenes werk des meisters abgefasst war, ob und
inwieweit die Klage sich abänderungen erlaubte, lässt sich
freilich nicht mit gewisheit bestimmen; am wahrscheinlich-
sten ist jedoch, dasz sie in ton und weise, namentlich im ge-
brauch der epischen Strophe, unserer Nibelunge noth glich,
darauf leitet die Übereinstimmung in einzelnen volksmäszigen
ausdrücken, die Lachmann (s. 38 — 41) nachgewiesen hat, wie-
wol einiges davon, als der überarbeiteten Klage zugehörig, jetzt
wegfallt, hätte der dichter unserer Klage zwei (juellen gekannt
44 121
und benutzt, die eine möchte noch so kurz, eine blosze angäbe 119
des inhalts, gewesen sein, in den thatsachen würden sie sich
gewis einigemal widersprochen und der behutsame dichter, der
öfter vorbringt, die sage sei ihm auf diese art überliefert, würde
gewis nicht versäumt haben, diesen widerstreit ausdrücklich an-
zumerken, ich weisz nur zweierlei was man für den gebrauch
einer doppelten quelle anführen könnte, erstlich das schwan-
ken in der grundansicht, welche bald Siegfrieds mord, bald den
raub des hoües, bald die treue der Eriemhild, die den ersten
gemahl nicht vergasz, als Ursache des Verderbens angibt, allein
dieses schwanken, an sich so begreiflich, konnte schon in der
dichtung des meisters begründet sein, das zweite ist ein Wider-
spruch, der in dem ältesten text der Klage bereits sich vorfin-
det: nach einer und zumal weitläuftigen stelle (368 — 75) tödtet
Kriemhüd den Hagen selbst (wie in der Nibelunge noth 2310,
3), nach einer andern heiszt sie ihn zugleich mit Günther er-
schlagen (1967). sollte dies etwas anderes sein, als ein bloszes
versehen und ein ungenauer ausdruck, wofür ich es zu halten
geneigt bin, so könnte es ja ebenfalls sich in der grundlage
geradeso vorgefunden haben, und blosz deshalb die benutzung
zweier quellen anzunehmen, scheint mir höchst gewagt.
9) Die Klage enthält aber auch beziehungen auf die sage
von Dieterich und diese müszen hier genau angeführt werden,
da sie sich weiter erstrecken, als jene in der Nibelunge noth.
a) Flucht ans seinem reich.
Dieterich klagt:
523. — — — si sint mir alle erslagen tot,
die mir helfen selten unde gerne bringen walten
wider an min Sre. ja riwent si mich sere
die nötgestallen mine.
872. — — — min langez eilende 120
hat vaste sich gemeret. der tac si geuneret
daz ich ie schiet von Beme.
911. — — — ich solt vil unvertriben sin
von küngen immer mfere, ob lebt der degen h^re.
Der Dietelind verspricht er beim abschiede:
2129. — — — überwinde ich aber mtne not
unde kum ich immer in mm lant, daz lob ich an dine
haut,
daz ich dich gerne scheide von jämer und von leide,
so ich aller verriste kan.
in
u
vm
\%\
Aas der fiberarbeitmig:
1072, ^alrest mr bin ich vertrihen.
v&n avot tnt von lande,
Uli dute wigande
mir nit langer solden leben."
b) KriegSKÜge bei EtzeL
Dieterich sagt zu dem todten Wolfhart:
865. Etzel der ktink here
b4t manegen sie von dir genomen.
c) Falirt gegen Ermenricli.
Der markgraf Rüdiger liegt todt in seinem Schilde:
987. Dö sprach der von Berne: nu meht ich als gerne
stn vor zwelf jären tot. du hast mich lazen in der not,
daz mir bezzer waere begraben, zuo wem sol ich du
trost haben?
990. min aller beste künne, min fröude und min wünne
ist an dir einem gelegen, ez wart nie getriwer degen
und waöne och üf der erde ni mer deheiner werde,
daz taßte du mir vil wol schin. dö ich den viänden min
muose rümen miniu laut, die triwe ich ninder do vant
996. wan an dir einem, Rüedeger. Etzel der künek hör
was mir so vtentlichen gram, daz ez nieman enzam,
der mir daz gehieze, daz er mich leben lieze.
dö reit ich üf den tröst din zuo den widerwinnen min.
dö lobtes du daz, Rüedeger, daz Etzel der künec her
1000. dich ö müese hähen, e du mich liezest vähen.
do erwürbe du mir hulde, daz Etzel miner schulde
also grözer vergaz, mit triwen taste duo daz:
du hset min och lougen den die mich mit ir ougen
bt dir vil dicke sähen, ich was Etzeln nähen,
1005. helt, in dtner huote, unz frowe Helche diu guote,
diu edel küniginne^ an dir wart des inne,
das du enthielte mich in not. der vrowen ir tugent
daz gebot,
dai si sich imer mere begunde flizen sere,
wie si dai bedachte, daz si mich ze holden brachte
1010« mit dir> vil tugenthafter man. allez trüege du daz an
hin le Etael dem riehen, daz er gewalticlichen
in sine hulde mich enphie^ dar luo verlieze da mich nie
mit triwen üx den gnaden diki: swes mir nnt den man-
uell mili
gelwasl m eUende, ^ mitte und dite li^ide
U 123
1015. täten mir sin alles buoz. owe der mir dinen gruoz ^^
BÖ verre nu gefrumt hat, der bat mir allen mtnen rät
üz miner kamere genomen. din sterben ist vil übel
komen
mir vil eUendem man.
Den Zusammenhang der in dieser stelle angedeuteten er-
eignisse gewährt die Vilkina saga (c. 293 — 316). Attila rüstet
dem Thidrek auf bitten der Erka zur Wiedereroberung seines
väterlichen reiches ein groszes heer aus. Attilas beide söhne,
noch in zartem alter, machen diesen zug mit. es kommt zu
einer groszen schlacht, in welcher Ermenrek zuletzt die flucht
ergreift, worin aber die beiden königskinder unter den Schwer-
tern Vidgas und Rungas fallen. Thidrek scheut sich zu Attila
zurückzukehren, doch Rodingeir beredet ihn dazu und Thidrek
versteckt sich dort in eine küche, bis der markgraf dem Attila
den hergang erzählt und ihn von Thidreks Unschuld tiberzeugt
hat. Attila zürnt nicht, sondern er und Erka empfangen ihn
mit voller huld und verzeihen alles.
Man sieht doch durch, dasz die Überlieferung, wie die
Klage sie kannte, in vielen stücken anders lautete. Dieterich
trug in der schlacht nicht den sieg davon (und das ist auch
viel wahrscheinlicher, weil er, statt in dem wieder eroberten
reiche zu bleiben, ins Hunnenland zurückkehrt, und wie es in
der Vilkina saga c. 316 ausdrücklich heiszt, hernach lange zeit
dort blieb) ^ sondern muste vor den feinden fliehend, sein erbe
verlassen. Etzel ist gegen ihn so aufgebracht, wahrscheinlich
wegen des Verlustes seiner beiden söhne, denn ausgesprochen
ist dieser grund nicht, dasz der Bemer für sein leben fürchtet
und nur auf Rüdigers Vertröstung, der ihm mit dem eigenen
haupt für seine Sicherheit bürgt, begibt er sich zurück, dort 122
hält ihn der markgraf verborgen, bis er ihm des zürnenden
Etzels huld wieder erwirbt, wobei sich Helche vorzüglich thätig
erweist.
In der erzählung der Rabenschlacht (1015 — 1138) ist diese
feindliche gesinnung Etzels noch etwas mehr angedeutet, als in
der Vilkina saga, sonst aber manches verwischt. Dieterich
nach gewonnener schlacht wagt nicht, da Etzels beide söhne
geblieben sind, zurückzukehren (wovon die nothw^idigkeit ohne
einen grund vorausgesetzt wird), sondern will in Bern bleiben,
bis Rüdiger ihn dort entschuldigt und ihm einen boten geschickt
hat. Rüdiger redet ihm also nicht zu, mitzuziehen und Diete-
rich braucht sich weiter nicht verborgen zu halten. Helche
verwünscht bei der nachricht von dem unglück im ersten schmerze
den Dieterich, doch als der markgraf den wahren verlauf mel-
det und seine Unschuld darthut, so zeigt sie sich bereit, ihm
hidd und gnade wieder zu schenken; ein gleiches verspricht
124
44
122 Etzel. Rüdiger ist selbst der böte, der dem Dieterich die gute
nachricht nach Bern bringt, jetzt erst kommt dieser zu Etzel
zurück und erhält Verzeihung.
Die Vilkina saga (c. 293) bemerkt, der zug gegen Ermen-
rek sei unternommen worden nach einem zwanzigjährigen auf-
enthalte Thidreks bei Attila; die Klage gibt die zeit an die
seitdem verflossen ist, nämlich zwölf jähre, das sind genau die
32 jähre, die nach der Vilkina saga (oben s. 22) Thidrek in
der Verbannung zubrachte, beide gedichte stimmen in dieser
angäbe gegen das angelsächsische zeugnis und das Hildebrands-
lied, die nur 30 jähre annehmen.
10) Zwei handschriften der Klage, aber nicht die älteste,
haben am schlusz noch folgendes über Etzels ende:
2159. Wie ez Eceln sit ergienge und wi er sin dinc ane
vienge,
do her Dietrich von im reit, des enkan ich der wärheit
iu noch nieman gesagen. sümeltche jehent, er würd er-
slagen;
80 aprechent sümeltche nein, under disen dingen zwein
kan ich der lüge niht gedagen noh di wärheit gesagen;
want da hanget zwifel bi.
2172. uns seit der tihtaere, der uns tihte diz maere,
ez en waere von im sus niht beliben, er het iz gerne
geschriben,
daz man wiste diu msere^ wie ez im ergangen wasre,
128 waere iz im inder zuo komen oder het erz sus ver-
nomen
in der werlde von iemen. da von weiz noch niemen
war der künec Ezel ie bequam. [ZE. 28, 6.]
Der dichter des Bitefolfs sagt nichts darüber, ich glaube
auch nicht, dasz er etwas verschweigt, sonst würde er nicht
ruhig erzählen : sin wirde nie gelac unz an sines libes tot (4055).
Die Vilkina saga allein, auszer den erwähnten eddischen
lledem, weisz von Attilas tod. bei ihm wächst Aldrian auf^
ein söhn Högnis, den dieser, obgleich unheilbar verwundet, vor
seinem ende mit einer hunnischen frau erzeugt hatte. Aldrian
besitzt den Schlüssel zu Siegfrieds keller, worin der Niflunge-
schatz liegt, zwölf jähre alt, lockt er den Attila, der schon
früher (c. 334) als geldgierig und lüstern nach dem horte ge-
schildert ist, durch die erzählung von Siegfrieds gold zu einem
berge, öffnet mit jenem Schlüssel drei thüren und fährt ihn hin-
ein, während sich Attila über die reichthümer jfreut, eilt Al-
drian, der endlich den augenblick herbei gekommen sieht, wo
er den tod seines vaters und seiner verwandten rächen kann,
hinaus und verschlieszt die thüren; nach drei tagen erscheint
— 45 125
er noch einmal, verkündigt dem Attila, dasz er bei dem golde 128
sterben müsse, bedeckt die thüre mit steinen und rasen und
reitet darauf fort in seine heimath. seitdem ist der Niflunge-
hort verloren (c. 386 Rafn). sÄgen von Etzels verschwinden
werden noch unten vorkommen.
45.
BiTEROLF.
1) Aehnliches Verhältnis, wie bei der Klage: wir besitzen
die Überarbeitung eines älteren werkes. der Verfasser beruft sich
mehrmals und deutlich auf seine quelle:
19. von sinen (Biterolfs) alten mägen darf mich niemant
fragen,
wie die schuofen ir leben, des kan ich iu niht ende
geben;
der dise rede tihte, der liez uns unberihte.
2005. der ditz meiere anschreip.
10663. — — — der ditz mcere von erste schreipj
dem muoz ez wesen wol bekant.
Mehr als dieser weisz er nicht:
107. ich enwciz [nit] von wanne er was komen.
833. uns ist der mcere niht geseit, wie der küene helt reit, 124
oder wä er nahtselde nam.
1121. des enhän ich niht vornomen, ist er äne strtt komen
hinz Etzelburc der riehen.
1726. toir wizzen niht der wärheit,
2440. der rede ich so beichtet bin.
13040. also endet sich der schäch. wes sie pflägen sit hie
nach,
des ist mir lützel iht bekant.
Der dichter, ich meine hier natürlich den* ersten, zeigt
geographische kenntnisse. Biterolf berührt bei seiner reise von
ToUt in Spanien in das hünische reich Baris (566) und Bur-
gonie (811); Dietleibs fahrt enthält genauere angaben: in Bur-
gundilant (2374 — 80) angelangt, zieht er von der bürg Tronje
nach Hetzen (2489. 2690), dann nach Lütringe in den ' Waschen--
walf (2676), dessen läge also hier richtig angegeben ist, bei
Oppenheim (2730) über den Ehein, so dasz Worms rechter band
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126 45
194 liegen bleibt, weiter nacli Österfranken, wo der Moun flieszt
(3116—18), durch Beirlant (3179) bis nach Etzelhurc (3212).
am sorgfaltigsten wird die fahrt von Etzelburg nach Worms
beschrieben: die boten gebrauchen dazu sechszehn tage (4790),
(nach den Nibelungen 1115, 1. 1370, 1. 2 zwölf isLge vonBeche-
laren nach Worms; Dieterichs reise in der Klage geht lang-
samer, denn er trifft erst am siebenden morgen zu Bechelaren
ein 2109); als das grosze beer aufbricht, werden die Stationen
angegeben. Etzel geleitet es unz an der Lite stat (5371). dann
geht der zug gegen Wiene {5HS\ der herzogin Isalde geschieht
keine erwähnung) zuo der Treisem (Trasen, 5431) und ze Mü-
taren (Mautern, 5433) in Osterlant (1035. 7686; den ausdruck
Osterrtche^ der neben jenem in der Nibelunge noth und Klage
vorkommt, habe ich im Biterolf nicht gefunden); von da gegen
Medelicke (Molk, 5540), die rechte landstrasze üf vür Bechelaren
(5548); weiter ze Blodelingen (Plädling an der Isar), das zum
Sammelplatz bestimmt war (5555. vgl. 5355), üf durch daz Beir-
lant (5631) zu dem Lechvelt (5636. 5654). bi dem Günzenle
(5747), dem heutigen Günzburg, wie es scheint, [Lachmann zu
Nib. 1531, 1. Pfeiffer German. 1, 81] erfolgte wohl der Über-
gang über die Donau: hin ze Swdben in daz laut (5750). dar-
nach ze Elsdzen über Rin (5775) und ze tal den Rtn (5789)
hin vür Hagenouwe in dem Rtngotme (5792). hier lagert sich
126 das beer. — welche Stadt unter Gamalt in Prinzen (1391. 1451.
1825) gemeint sei, ist schwer zu sagen; von da kehrt Rüdiger
durch Beheim (1722) nach Bechelaren zurück; bis zur Tuonouwe
beträgt der weg vierzig tagreisen (1740). ein wasser, das noch
der Priuzenwdo hei&zt {ß552)^ bezeichnet die preuszische gränze.
Der dichter weisz aber auch gelegentlich von der natür-
lichen beschaffenheit und den sitten mehr als eines landes zu
erzählen, er bemerkt die raublust der Baiem (3146) und ihren
kriegerischen sinn: von strite ret da m^r ein kneht, dan drizec
anderswä (6628; vgl. rechtsalterth. 948). er besehreibt den
überflusz von Steiermark^ wie ein augenzeuge; da ist weide und
wald, fischreiches wasser, süber in allen bergen, sieben gold-
minen, wildpret, vögel, zahmes vieh. aber auch von Hünenland
scheint er grund und boden zu kennen; darin sümpfe und moor-
gegenden, gute wachteljagd in dem Hirsen (7005) [ein bou ist
Hyrse da genant, da sint wahtel inne. 7072]. wir hören von
der sitte der Böhmen reden, welche keine Speere gebrauchen,
doch mit fletschen wol snidunden (6535. 8449. 10186) ihre feinde
besiegen, ebenso werden bogen und pfeil als waffe der Vldchen
erwähnt (i0187. 10388). endlich bemerke ich noch, dasz der
dichter lorbeerbaum (31^5. 9982) und palme (224) kennt.
Ich würde dies alles hier nicht berührt haben, w^in wir
nicht dadurch auf die heimat des dichters köimten geleitet wer-
den, über welche etwas zu erfahrBn gerade hiev wichtig wäre.
I . •
46 127
(die genaue -kenntnis geht im Biterolf nur bis Bechlaren, Lach- 195
mann zu den Nib. 1244, 1.)
2) Der Überarbeiter beruft sich auf ein luch [DHB. 1, xviii],
als seine quelle und hörte es, wie es scheint, vorlesen: daz
huoch hceren wir sagen (178); an einem huoche Kort ich lesen ze
einem wären maere (1675); daz huoch hat uns verholn daz (1964);
als wir diu maere hceren sagen (4789. 6702. 9338); man tuot
uns an dem maere Izunt (9156).
3) Wie mühsam der inhalt des gedichts maff ausgedacht
sein, das ganze ist doch von geringer Wirkung und der mangel
an innerer Wahrheit und natürlichkeit gestattet nicht, den grund
einer echten sage anzunehmen, wenn Biterolf, selbst als mäch-
tiger könig geschildert, ohne Ursache land, leute, frau und kind
verlässt, aus bloszer lust einem fremden beiden, der überdies
noch beide ist, zu dienen, und Dietleib, noch ein bloszes kind,
— denn dritthalb jähr war er alt, als Biterolf ihn verliesz (4208).
und zehn jähre hernach (2059) unternahm er selbst den zug
nach dem könige Etzel •— ihn aufsucht und mit einer unnatür-
lichen und deshalb abgeschmackten tapferkeit die bewährtesten
beiden, alle ohne ausnähme niederwirft; so ist das von dem ge- 136
Sunden sinne und lebendigen geist der deutschen heldensage
allzusehr entfernt, man sollte denken, romanische oder gälische
dichtung, etwa Parcivals kindheit, habe zu einer unglücklichen
nachahmung anlasz gegeben, verstand und Sorgfalt im aus-
drucke und der darstellung des einzelnen will ich damit nicht
absprechen.
Ein eigenes gedieht von Dietleib bewahrt die Vilkina saga
(c. 91 — 106) in einer ausführlichen und hier vorzüglich schönen
erzählung, die gar nichts mit unserer composition gemein hat.
den mangel eines frühern Zeugnisses will ich übergehen, aber
seltsam bleibt, dasz späterhin, nachdem diese arbeit doch ein-
mal vorhanden war, nicht eine einzige hindeutung darauf vor-
kommt und kein anderes gedieht davon berührt worden ist.
man müste denn die einmischuijig Etzels und Rüdigers in dem
Rosengarten c und d, die ohnehin nicht ursprünglich darin
mag gewesen sein, als eine einwirkung oder vielmehr nach-
ahmung des Biterolf betrachten; in der that spielt Rüdiger
durch seine botschaft nach Worms und die freigebigkeit, womit
er die kostbarsten geschenke ordentlich vergeudet, eine ähn-
liche rolle, und um nichts zu verschweigen, so hat Dieterichs
Widerwillen mit Siegfried in einen kämpf sich einzulassen und
die gewaltsame art, womit ihn Hildebrand zu seiner pflicht zu-
rückführt, selbst die einmischung Wolfarts in diese angelegen-
heit (7802 — 8163), in beiden gedichten eine unleugbare Über-
einstimmung; allein diese möchte hier folge eines eingerückten
Stückes lebendiger sage sein, zumal das einzelne iviedßr so sehr
128
45
126 abweicht, dasz von einem eigentlichen abborgen nicht die rede
sein kann.
A.uch die hier behaupteten verwandtschaftlichen Verhältnisse
Dietleibs fügen sich durchaus nicht den in den übrigen sagen
durchgeführten, seine mutter Dietlint (4147. 4239. 4267. 12528)
kennt kein anderes gedieht, ebenso wenig seine Verwandtschaft
mit Dieterich von Bern (4586. 12527. 12840) und mit Gote-
lind (5576. 6660), wovon freilich nur eine brauchte erwiesen
zu werden, sie wird zwar von Biterolf selbst gewissermaszen
erläutert, da er von Ermenrich sagt: sin vater und frou Diet-
lint wären zweier bruoder kint {i5dS)] demnach aber wären der
Dietlind vater und Ermenrichs groszvater geschwister gewesen
und das ist eine ganz neue, um so auffallendere angäbe, als
wir überhaupt keine echte, so weit zurückgehende genealogie
von Dieterichs stamme besitzen, denn die in der Flucht enthal-
tene darf man nicht in anschlag bringen, weiter: der vater
127 der Dietlind heiszt Diether der alte (4148. 4238. 4268), aber
die sage kennt nur zwei dieses namens: einen Jüngern bruder
und einen vaterbruder Dieterichs (und den letztem auch nur
das gedieht von der Flucht), von dem die Harlunge stammen;
durchaus aber keinen urgroszvatersbruder, wie jener Diether
der alte doch sein müste.
Biterolf* hat ein einhorn (10813. 10830), Dietleib einen
goldnen adler (10071) auf dem schild [Haupts zs. 12, 386];
auch diese angaben stehen hier allein, nach der Vilkina saga
(c. 161) ist Thetleifs zeichen ein goldener elephant (s. 179).
Dietleibs rosz Belche (2275. 2687. 11971) wird sonst nicht
genannt.
Beide, vater und söhn, erscheinen anderwärts in einfachem
und unbedeutendem Verhältnissen, wovon zu reden unten bei
dem gedichte von der Flucht gelegenheit sein wird, und an
welche sich die hier dargestellten nur durch die unpassende
und kleinliche Verleihung von Steiermark (13276), die sich der
mächtige, länderreiche könig von Etzel gefallen und weshalb er
sich den Sttrcere nennen lässt (13348), anknüpfen.
Das Nibelungelied widerstrebt dem ganzen werke und hat
fttr die neuen begebenheiten keinen räum. Siegfried, schon mit
Kriemhild vermählt (6212), lebte damals in seiner heimat. noch
schlagender ist ein anderer Widerspruch, wir finden hier Diete-
rich in gutem vernehmen mit Ermenrich; ob dies der echten
sage gemäsz ist, mag dahin gestellt sein, aber ausgemacht bleibt
durch alte Zeugnisse (oben s. 22. 26), dasz Dieterichs aufent-
halt bei Etzel 30 oder 32 jähre dauerte, und ohne zweifei ist
die angäbe der Vilkina saga (c. 293. 294) richtig, womach die
grosze Schlacht gegen Ermenrich im zwanzigsten jähre seiner
* über den namen ZE. 23; 1. 35, 1.
45 129
terbannimg statt fand, denn die Klage bestätigt, wie wir (oben 127
8. 122) gesehen haben, jene angäbe, indem sie von da an bis
zu dem untergange der Nibelunge bei Etzel noch zwölf jähre
folgen lässt. in der Rabenschlacht aber versuchten sich die
söhne der Helche zuerst als zarte Jünglinge: wie können sie im
Biterolf knaben von zehn oder zwölf jähren sein? denn in
gleichem alter mit dem Dietleib werden sie geschildert (3334 —
59). dann wären sie längst vor Dieterichs Verbannung und an-
kunft bei Etzel schon geboren. Diether, der mit den beiden
fiel, war etwas älter (Rabenschlacht 298. 299), die Vilkina saga
bemerkt aber ausdrücklich (c. 293), bei Thidreks anknnfl im
Hunnenland sei Thettlr erst ein jähr alt gewesen.
(Kein namhafter held, der in den andern gedichten später-
hin auftritt, bleibt hier im kämpf, was ganz unnatürlich ist. es
wird nur gesagt, dasz mehr als tausend getödtet wurden (11446.
vgl. 12102. Rosengarten lxx); nur verwundet werden die nam-
haften 12114. 12206. 12225. 12246.)
Nöthigen die angeföhrten gründe das gedieht im ganzen
und mit ausnähme von einzelheiten als eine erfindung, nicht als 128
eine echte sage zu betrachten, so dürfen wir auch nicht wohl
einzelne lieder fiir die grundlage desselben halten, wo Verwir-
rungen (wie in aufzählung von Dieterichs mannen (oben s. 102;
bei Hornboge), Widersprüche (bei dem Schwerte Weisung, Ber-
thold und Lüdeger), neue anfange (mit der dritten avent. 1989 •
hebt der dichter wieder von vornen an und nennt Dietleibs
mutter, als hätten wir ihren namen noch nicht gehört) zum Vor-
schein kommen, da möchten am ersten, wo nicht Verderbnis
einer spätem handschrift darf in anschlag gebracht werden, ge-
dächtnisfehler die schuld tragen, sie sind in dem gedieht, das
wir besitzen, erklärlich, weil eine so grosze menge von perso-
nen dem gedächtnis beschwerlich fallen inuste^ der Verfasser
aber seine quelle nur lesen hörte und wahrscheinlich der Unter-
stützung der Schrift entbehrte.
4) Der inhalt des werks, wie man ihn nun beurtheilen
mag, wird in einer andern hinsieht sehr wichtig, dem dichter
hat es nämlich gefallen, die begebenheiten , die er darstellen
will, mitten in den kreisz der groszen sage zu schieben und
von den namhaften beiden derselben traoren zu lassen, er zeigt
dabei eine ziemlich ausgebreitete kenntnis und lässt glücklicher-
weise und, wie es scheint, aus einer besonderen liebhaberei keine
gelegenheit vorbei, an frühere thaten und Verhältnisse zu er-
innern, vertheilt also ist durch das ganze gedieht ein umfassen-
des Zeugnis über den zustand der sage, wie sie dem dichter
bekannt war, und da dieser wahrscheinlich noch im zwölften
Jahrhundert lebte, so gehört dieses zeugnis zu den wichtigsten.
nur ein umstand beschränkt ihn: die Versetzung der begeben-
heiten in die zeit vor Dieterichs Verbannung und Siegfrieda
WibB' Qrihh, dbutschb heldembaoi* 9
130
45
12S mord; dies hindert von dem späteren, so reichen inhalte der
sage gebrauch zu machen, und ihm waren z. b. nur auf einen
kleinen, freilich auch den dunkelsten, theil des Nibelungeliedes
beziehungen erlaubt, unsere aufgäbe besteht darin, die einzel-
nen, eingewebten Stückchen oder faden der sage herauszuziehen
und nach ihrem natürlichen zusammenhange zu ordnen.
a) Die kSnige am Rhein.
Sie herschen zu Worms über die Burgundcere (die ältere
form, zweimal im reim 4705. 7745, wie in der Klage 2049;
sonst auch Burgunden 3083; vgl. gr. 2, 343) einigemal Frari'
ken, einmal Rtnf ranken genannt (oben s. 67). ihr reich das
Burgundilant (2374. 7269. 8919. 9839 'Burgonidanf 2380).
129 Über sie selbst eine merkenswerthe stelle:
2614. — — — junger forsten der sint dri
vogte über disiu laut. Wormez ist ein stat genant,
da diu Dankrdtes kint mit grözer ritterschefte sint.
ouch liez ein gesinde da Gibche^ daz man anderswa
bezzer ritter selten vant. sie bede hceten disiu laut
Der dichter folgt erst der sage worin, wie in der Nibe-
lunge noth und Klage, der vater Dankrdt heiszt, er musz aber
"' auch den namen Gibiche^, der schon im Waltharius steht und
später im Rosengarten wieder erscheint, vernommen haben und
lässt, um diesen Widerspruch zu heben, beide gemeinschaftlich
oder nach einander herschen. seltsam, dasz, der Nibelunge
noth und Klage entgegen, die mutter, frau üote, völlig unbe-
kannt ist; eher zu erklären und ein Vorzug, dasz ihr angeb-
licher bruder, der bischof Pilgrim, fehlt ; selbst sein sitz Passau
und der In'i werden nicht ein einzigesmal genannt, wozu doch
mehrmals veranlassung war. — Günther und Gernöt sind haupt-
personen des gedichts; jener hat einen silbernen eber als zeichen
in der fahne (9845); die Nibelunge noth spricht gar nicht da-
von, die Vilkina saga (c. 164. 337) ertheilt ihm, wohl richtiger,
einen adler mit rother kröne, der Rosengarten D blosz eine gol-
dene kröne, Gtselher der guote (6210), daz kindeltn (6788), wird
nur an diesen stellen angeführt.
B7*ünhilt erscheint als Günthers gemahlin. von ihren frü-
heren Verhältnissen zu Siegfried ist nichts gesagt, doch eine
anspielung auf ihre vorige lebensweise finde ich in Rüdigers
Worten :
12617. ir wärt in iuwer alte site
komen, der ir pfldget e,
des tuot vil mangem der rücke we,
daz ir so gerne sehet strtt.
45 131
Ich will hier .anmerken, dasz der dichter des Biterolfs nicht, 129
wie andere gerne thun und in der Nibelunge noth öfter ge-
schieht, auf zukünftige ereignisse im voraus hinzudeuten pflegt,
nur eine einzige stelle scheint mir ausnähme zu machen. Rüdi-
ger berichtet bei seiner rückkehr von Worms der Helche:
13157. vrou, ich sol iuch hoeren län,
waz iu vro Brünhilt enbot.
sie wünschet, daz iuwer tot
ir nimmer würde vür geseit
13165. solt sie iu wünschen zuo den tagen,
vrie lang iu werte daz leben:
iu würden tüsent jdr gegeben.
Das ist gesagt wie im Vorgefühle des Unglücks, das aus iso
Etzels zweiter Vermählung entstand.
Unter den Burgundischen mannen nimmt Hagene von Tronje
(2393) wieder die ernste stelle ein; er ist auch hier neve des
Günther (2763), dieser sein herr (2843). in seiner fahne eine
burgzinne (9817); wogegen er in der Vilkina saga (c. 265. 337)
ebenfalls einen adler hat, doch ohne kröne, alles übrige, was
sonst von ihm berichtet wird, ist schon oben (s. 88. 89), zu-
sammengestellt.
Der in der Nibelunge noth von Hagen unzertrennliche
Volker von Alzeije fehlt durchaus, ebenso dessen bruder Danc-
wart ;o\iHQ zweifei, weil hier die sage ohne sie bestand.
Über Ortwtn von Metzen etwas ganz neues: es sind ihrer
zwei, als Günther von niemand auskunft über die fremde gaste
bekommen kann :
6002. — — — dö begund er tougen clagen
von Metzen Ortwinen, den lieben neven sinen
der atarp ze fruo in amen tagen.
Und schon vorher, als Dietleib nach Metz kam, war be-
merkt :
2482. Ortwtnes witewe haßte hie
wol hundert ritter oder baz.
Allein gleich nach jener stelle wird hinzugefügt:
6009. da was ein ander Ortwtn,
der was der vetern suon atn,
der was zen Sahaen
von kintheit gewahaen.
Ferner:
8679. der was von Burgundilant
imd was geheizen Ortwtn;
132
45
mo
ez erbet in von den mdgen sm,
daz er ouch von Hetzen hiez.
Er wird ausdrücklich (9175) Hagens verwandter genannt,
dieser Ortwtn der junge (7703. 8482. 8522. 8666. 8692—8723.
87G2) erscheint mehrmals und musz der sein, welchen die Ni-
belunge noth kennt und zum truchsesz macht.
Dieses amt ist dem Sindolt zugetheilt (10357. 11902), dem
schenken der Nibelunge noth und der Klage (1870), der zu-
gleich, statt des fehlenden Volkers, das zeichen der Burgun-
den trägt.
Dagegen Hünolt, kämmerer in der Kibelunge noth, ist
hier schenke (7754. 12014. 12709); er heiszt der junge (7749.
131 10582) und steht in Verwandtschaft mit Sindold (10356) und
Hagen [oder Ortwin?] (10579).
Nur Rümolt besorgt als küchenmeister, wie dort, die braten
(10561. 10623. 12076. 12698), heiszt aber auch der kühne
(10597), geht mit in den kämpf (7698. 12245) und schlägt tiefe
wunden (10560. 12016. 12698), so dasz Wolfram diesen nicht
als bei spiel eines friedfertigen hätte gebrauchen können.
Gere (7781. 9883. 10148) nicht markgraf, sondern herzog
(9647), und kein verwandter der könige ; wenigstens wird nichts
gesagt.
Eckewart^ der andere markgraf der Nibelunge noth, fehlt
gänzlich.
Ich führe hier eine beziehung auf .eine frühere begebenheit
an. als nämlich Dietleib auf seiner fahrt durch den Wasgen-
wald gekommen ist und sich Worms nähert, fragt er leute, die
ihm begegnen:
2704. — — — ob der künic und sine man
da ze Wormze waeren. dö hört er an den maßren,
daz sie waeren üz geriten und bieten einen strit gestriten
in der Sahsen landen und daz sie wider sanden
ir volc nuo allez an den Rin.
Dietleib begegnet jenseits des Rheins dem mit Gernot und
Hagen heimkehrenden könige Günther.
2748. des fürsten vröude diu was gröz;
daz er mit sige von Sahsen reit,
des was er stolz und ouch gemeit.
Hierunter, glaube ich, ist der Sachsenkrieg gemeint, den
die Nibelunge noth beschreibt und worin Lüdegast und Lüde-
ger besiegt werden; eine grosze Verschiedenheit, die eine ganz
andere darstellung dieser episode bedingt, besteht darin, däsz
es dort Siegfried ist, der den krieg führt und beendigt, und
45 133
Günther zu haus bleibt, während er hier gar nicht bei seinen isi
Schwägern sich befindet*.
V) Bandesgenossen deri könige zu Worms.
Der junge Dietleib, seinen vater suchend, kommt durch
das gebiet der burgundischen könige und wird von Günther,
Gernot und Hagen, die ihn nicht kennen, angerannt, die be-
leidigung bleibt unvergessen und nachdem Dietleib durch grosze
tapferkeit sich bei Etzel in gunst gesetzt und seinen vater
wieder gefunden hat, wünscht und erhält er beistand, um an 1V2
den königen zu Worms räche zu nehmen, dieser kriegszug
nach dem Rhein ist der hauptinhalt des gedichts. jede partei
hat ihre ganze macht und alle verbündeten forsten aufgeboten.
Dieterich mit den Amelungen kämpft für Etzel; Günther hat
sieben könige (5858. 6297. 6814. 7387. 8653. 11840), vierzehen,
die königeskinder heiszen (^295. 11022. 11218), zu sich berufen,
der dichter, scheint es, hat alle aus dem ganzen sagenkreisz
ihm bekannten beiden auf beide selten vertheilt, insoweit er in
den echten dichtungen dazu anlasz fand, auf eine leichte und
natürliche, sonst aber eigenmächtige weise, dagegen glaube ich
nicht, dasz er neue personen eingeschoben hat, bei einigen un-
bedeutenden namen könnte man es höchstens vermuten, der
vortheil, welcher der geschichte der sage aus diesem Verzeich-
nis erwächst, springt in die äugen: wir erhalten hinweisungen
auf unbekannte gedichte und lernen schon bekannte in eigen-
thümlicher Verschiedenheit kennen.
a) Stfrit üz Niderlant (9608), söhn des Sigemunt (7859.
10800. 10848) und der Sigelint (6405. 9832. 10098. 10107),
der küene und der milde (6214) hat, wie nach der Nibelunge
noth (214, 2) im schild, hier auf der fahne eine kröne als zeichen
(9827. 10836. [Haupts zs. 12, 386]; nach der Vilkina saga
c. 166 besteht es aus einem halbbraunen halbrothen drachen);
dasz er drei königreiche besitzt (11699), davon ist dort nichts
gesagt, wie schon bemerkt, befindet er sich nach der Nibe-
lunge noth zu dieser zeit in seiner heimat; er ist hier zu Worms
als eingeladener gast und Günther sein wirth (9617). Kriem-
hild erscheint im besten einverständnis mit Brünhild, und zwi-
schen beiden ist der ehrensitz (6865).
Auf Siegfrieds kindheit und erste Jugend keine hindeutung,
dagegen eine dunkle stelle über seinen aufenthalt bei Etzel und
eine andere zum theil abweichende über den erwerb des hortes ;
beide sind schon (oben s. 74 und 81) angefahrt, von dem
kämpfe mit dem drachen nicht das geringste, ebenso nichts von
* er wird übergangen, weil der dichter den Dietlieb nicht mit ihm wollte
znsammentrefTen lassen, übrigens ygl s. 135. 183. Nordalbing. Stadien (1844)
1, 191 ff.
134
45
I ; Hoiner hornhaut; in der kurz gefassten Erläge, wo es nicht an-
ders sich verhält (oben s. 112), könnte das zufällig scheinen,
hier nicht, wo häufig z. b. bei Dieterichs Widerwillen gegen ihn
zu kämpfen (7223) veranlassung, fast nöthigung war, dieses
wunderbaren umstandes zu gedenken, wir müssen also schlieszen,
dasz die sage, die der dichter vor sich hatte, so wenig etwas
davon wüste, als die nordische.
ß) Walther von Spante, was von ihm hier vorkommt, ist
schon oben (s. 88. 89) zusammengestellt.
m i) Herbort künic von Tenelant (8462. 10210). [ZE. 19, 4.]
ein hirsch mit goldnem geweih ist sein zeichen (9860). ihn dünkt
unrecht, dasz Dieterich mit den Amelungen widersagt habe:
6461.
6465.
6475.
6485.
6495.
nu ist im doch wol gewezzen, sprach der helt ver-
mesizen,
wie ich von Orniante reit und wie min eilen da erstreit
des künic Ludwlges kint; ja vuort ich die maget sint
üz Ormanie dem riebe vil gewaltecliche ;
da mich haßte bestän IJartmuot und sine man
unde Ludewig der vater sin. ich und ouch daz ma-
gedin
wir haßten nioman mere, die Ludewic der here
nie künde betwingen; dem muose misselingen
von min einiges haut, also reit ich über laut
und haßt wunden doch min lip. da (bort) ich man
unde wip
iehen dieser maere, daz ein rise waßre
hagel al der lande, in muote was mir ande,
unz ich den välant ersach. daz lantvolc ich an im
gerach :
ich sluoc in wärlichen tot. swie doch haßten von im
not
Ludwtc und alle sine man, die getorsten in doch nie
bestan.
an dem gerümt ich in daz lant. da haßt ich, sprach
der wigant,
Golhrart und Seirart erslagen. daz solt ir Dieteriche
sagen,
6505.
ob er da« ha^re gerne, sit kam ich hin ze Berne:
mit welcher arbeit daz gei?chach, daz mich her Diete-
nch da gesach
und ouch sin alter Hildebrant do ich min frouwen
über lant
fViort und einiger man, ze stete ranten sie michi an.
w^^r ex in also da kernen, sie bieten gerne mir benomen
HihM^iy^H die vil riehen: sit liezens in entwichen
45 135
der (!• ^^^) ^^ vil grozen übermuot. ich bräht sie 13S
(sprach der helt giiot)
ungefangen durch daz lant; daz weiz wol meister Hil- 184
debrant.
des ist diu vrouwe mtne noch hie bi mir ze^Rtne.
Diese erzählung berührt ein verlorenes gedieht, über wel-
ches die Vilkina saga (c. 209 — 18) nähere auskunft gibt, dem
könige Thidrek ist die Schönheit der Hilde, tochter des Artus
von Bertangaland^ gerühmt worden; das ist jene Hildburg toch-
ter Ludwigs von Normandie, wie die namen wohl richtiger
lauten. Thidrek ertheilt dem Herburt, söhne seiner Schwester
Isolde, der an seinem hofe lebt, einem gewandten und tapfern
ritter, den auftrag, bei dem könige Artus um die Hilde för ihn
zu werben, von diesem verwandtschaftsverhältnis zu Dieterich
sagt das deutsche gedieht nichts, und es ist, da er künic von
Tenelant heiszt, auch nicht wahrscheinlich, doch mochte sich
Herbort an Dieterichs hofe befunden und den auftrag erhalten
haben. Artus antwortet nicht sehr günstig: Thidrek hätte in
person erscheinen sollen, der abgesandte werde nicht einmal der
Hilde angesicht schauen, da sie nach landessitte kein mann,
geschweige ein fremder, sehen dürfe, indessen versteht es Her-
burt, sich bei Artus in gunst zu setzen, und bei gelegenheit
eines groszen festes, wo die Jungfrau in die kirche gehen musz,
lenkt er durch eine goldne und eine silberne maus, die er nach-
einander zu ihrem sitze hinlaufen lässt, ihre äugen auf sich hin.
sie unterredet sich, hinter der kirchthüre stehend, einige augen-
blicke mit ihm und verlangt ihn dann, um ihn in ihrer nähe
zu haben, von ihrem vater als diener. sie hat jetzt oft gele-
genheit mit ihm zu reden und als er Dieterichs auftrag vor-
bringt, bittet sie ihn, sein angesicht au die stein wand zu zeich-
nen- es ist so entsetzlich, dasz sie 'davor erschrickt und ihm
erklärt, sie wolle den furchtbaren mann nicht; lieber möge er
selbst um ihre band werben, da sie sich so bestimmt äuszert,
so willigt er ohne bedenken ein. bald darauf entfliehen beide,
ritter Hermann und dreiszig andere müssen ihm, auf Artus ge-
heisz, nachsetzen^ während im Biterolf der vater selbst, könig
Ludwig, und sein söhn Hartmut die flüchtlinge verfolgen, da-
rin ist aber wieder Übereinstimmung, dasz alle zusammen gegen
den einzigen nichts ausrichten: Herburt allein tödtet den Her-
mann una den grösten theil seiner begleitung, die übrigen ent-
fliehen, doch elf schwere wunden hat er empfangen, und schild
und rüstung sind ihm zerhauen, sie verbindet ihn und dann
reiten sie weiter zu einem könige, dessen namen nicht genannt
wird, lind bei welchem er lange zeit verweilt. . es wird noch isö
angemerkt, dasz viel von seinen tapfern thaten zu berichten wäre.
136
45
135 Der schlusz in der Yilkina saga ist offenbar lückenhaft^
nicht blosz fehlt der kämpf mit dem riesen, den Herbort tödtet
ehe er das land verlässt, sondern Thidrek ist ga.iz vergessen,
dagegen wissen wir durch die Vilkina saga, warum Herbort
von Dieterich und Hildebrand angerannt wird, weil er nämlich
die gewonnene braut für sich behalten will, und es bleibt nur
dunkel, wer die beiden beiden Goltwart und Sewart sind, die
Herbort tödtete und deren verlust den Dieterich betrübte ; end-
lich bei welcher veranlassung es zum kämpf mit ihnen kam.
ich finde nur noch im Alphart einen Sewart; er heiszt der alte
und wird von Wolfhart erschlagen (412. 438; einmal steht
Sewald 200). — unter einem Herbort im Rosengarten d, gleich-
falls auf Gibichs Seite, scheint dieser hier gemeint.
In der Klage (1108, vgl. oben s. 113) wird Hüdebure von
Normandt als königstochter an Etzels hofe genannt, aber ander-
weitiger Verhältnisse nicht gedacht.
S) Boppe üz Tenelan% Herborts schwesterkind (6514. 9456.
12062), noch in der ersten jugend (7711); er kommt in kmem
andern gedichte vor.
s) Liudegast und Liudegei\ der schon (s. 131) erwähnte,
früher vorgefallene Sachsenkrieg bezog sich, wie vermutet wurde,
auf die Unterwerfung der beiden fürsten, die in der ISibelunge
noth weitläuftig beschrieben ist. jetzt erscheinen sie an Gün-
thers hof als verbündete, brüder finde ich sie nicht, wie in
der Nibelunge noth (208, 2), genannt [doch 10761], vielleicht
wird es vorausgesetzt; sonst aber eine kleine Verwirrung: in
einer stelle ist Liudeger künic von Tenemarke (5047) wie in der
Nibelunge noth Liudegast; von diesem ^heiszt es nur, er komme
mit dem nächgebüren sin da her von Osterlande (5055); seltsam
ist dieser ausdruck hier, wo er doch nicht, wie gewis an an-
dern orten (1035. 7686), Ostreich bedeuten kann*, dagegen
übereinstimmend mit der JNibelunge noth folgende stellen: Liu-
deger — der zuo den Sahsen herre hiez und Liudegast der
herre guot (6563 — 65. 13008 — 11); sie beide sagen zu Gün-
ther: wir haben her von Sahsen (6567). in der Babenschlacht
ebenfalls: von Sahsen der künic Liudegast (734), jedoch: von
Mtsen her Liudeger (735). in der Flucht werden beide zwar
nebeneinander angeführt (5881. 8603), aber nicht ihre reiche
('von Sahsen min her Leidegast' Frauend. 104^)**.
* der vers ist umzustellen (s. DHB. 1, 750 und gemeint ist hier das thü*
ringiscbsorbische Osterland.
** in den Nordalbingischen Studien (1844) 1, 196 ward schon darauf auf-
merksam gemacht, dasz die friesische sage einen herzog Liudingerus von Sach-
sen als Zeitgenossen Karls des groszen kennt. Richthofen fries. rechtsquelleo
8. 351:
Thit was to there stunde,
tha thi kening Kerl riuchta bigunde,
_ 45 — 187
'Stätfuch8\ vogt von Palei^ (5038. 6219. 6489. 8868), is«
üz Puüelant (8731. 9197. 9267) der Pulloere (7642) 'PoUoyewre'
(8840. 9243). sein zeichen eia rad von gold (9876). es gab
sagen von seiner stärke:
9156. man tuot uns an dem ma^rQ kunt
und hcert ez noch von im sagen,
' daz ^Stutfuchs^ niht moht getragen
nie kein ros einer mtle breit
[vgl. Orendel 1212. Haupts zs. 12, 287.] und als beweis wird
erzählt, dasz er den Wolf hart gepackt und zu sich aufs pferd
gezogen habe (8872 vgl. 8852 ff. 8889).
Die abkunft des beiden aus dem südlichen Italien, die ihm
gleichwohl gestattet ein bundesgenosz der könige von Worms
zu sein, ist auffallend und nur diesem gedichte eigen, in allen
andern wird der Rhein als seine heimat angegeben, aber nur
in dem Rosengarten a (^Staudenfusz der geborn ist an dem
Rin') und B (^Stundenweisz' str. 9 im reim)^ denn c und D
wissen nichts von ihm und ein anderer held nimmt seine stelle
ein, erscheint er als kämpfer für den rheinischen könig. in
in der Flucht (Stantfusz 1. Stautfusz von Ryne' 5835. 8592;
'Stutfulch' 3009), in der Eabenschlacht ('Her Stautfusz von
Rine' 727) und in den Drachenkämpfen ('Stutfus' bl. 279. 280)
ist er ein mann Dieterichs von Bern, dagegen im Alphart
('Studenfusz von dem Rheine' 352 — 86) kämpft er flir Ermen-
rich heftig und anhaltend mit Hildebrand, er hat in diesem
gedieht noch einen bruder Gere, der getödtet wird (358. 375).
in der Vilkina saga (c. 35) heiszt einer der zwölf räuber von
dem schlosz Briktan StudfuSy und wird von einem hiebe Mi-
mungs gespalten. [ZE. 44.]
Offenbar schwankt die sage über diesen beiden; wie kommt
er hier zu der fernen heimat? ich habe darüber folgende Ver-
mutung, indem der dichter Biterolfs dem sagenkreisz personen
abborgte, welche in andern, von ihm später gesetzten begeben-
heiten thätig sich zeigten, durfte er des heftigsten kampfes un-
geachtet, worin das blut bis über die sporn geht (11439), zwar
ungenannte in menge (11444), aber keinen namhaften beiden
umkommen lassen, das unnatürliche mochte er geftlhlt und
deshalb einen zum opfer ausgewählt haben: ^Stutfuchs' wird
erschlagen und zwar von Dieterichs bänden selbst (9283). die
tha waster ande there Sax'inna merik
Lindingerus en hera feie steric usw.
der lateinische text nennt ihn Leodingarus dux Saxoniae, der niederdeutsche die
bertöge Luidger. das gedieht kommt in hss. vor, die frühestens dein ende des
14. Jahrhunderts arigehÖren, Ricfathofen s. X^Ul f. 328. es gibt davon abwei-
chende fassungen (Münchner gel. anz. 1860 ni. 45. 46). seinem Ursprünge nacl\
wird es etwa dem 13. Jahrhundert angehören.
las 45
} ungewisheit der sage lieez hier am ersteo eine solche ausnähme
zu, und wahrscheinlich in der absieht, deu beiden noch mehr
zu entfremden, ward seiue heimat auf eine freilich nicht sehr
geschickte art verändert und in ein fernes land versetzt.
7 >]) Wit:ldn, kOnic üz Bekeim (5061. 6526. 8372. 8443.
7637. 9998. 10705. 12:23, einmal: Wineslan 6239) und sein
bruder Poifän con Wmcherdt (5063. 6240. 7638. 9999. 11724),
d, i. Wissehrad, schlosz bei Prag. Witzlän ist entstellung von
Witxlav. er erinnert an frohere kriege mit Etzel:
6538. jÄ gestreit ich willeolicher nie
beide, ich und ouch die raine.
Etzel und al die sfne
die habent vteut under uns hie:
er Kolt mich des betwingen ie,
daz wir im 'waren underUin,
ich unde min bntod^r Poitdn.
Rüdiger dagegen:
6550. wir läzen, sprach der bell halt,
an iu noch unversuochet niht.
daz man iuck so ledecltchen siht,
daz su-cFret dicke mir den muot,
ah hart als ez dem künege tuot.
Witzlan aber weiter: genuogiu swaere, die ich hän, diu i»t
iwu-er schult, her Rüedeger. und ein Hüne sagt von beideD:
daz sie übel ndchgebüren sint, daz hän ick oft wol gesehen
(10007).
Noch werden die landesberren genannt, die Witzlan mit-
gebracht hat: '■Ladislaw, Ratebor, Schirn, Sytomer, Stoyne'
(11719—23).
Ich finde nur in der Flucht (477) einen '■Wislan von Krie-
cbeolant' als vater des Berchtung.*
») Nantwtn von Regempurc (5071. 6243. 8802. 8963.
10742), herzöge von Beirtant (6241. 6579. 12228) ist der
echwestersohn von WittJch (6586. 12236), lebt aber mit ihm
in Unfrieden imd sagt, er wolle gerne mit den AmelungeD
kämpfen :
6586. wan Witege der äheim min
mit mir dock atrttet umb daz laut;
kieme ich in sin wicgewant,
ich vflere immer de st er baz.
Dem Rüdiger geteilt das nicht: friuut sol friunde bigestän
(6593), und Hildebrand bestimmt mit rGcksicht darauf den gegner:
* Tgl, das bracbstücb von Dietrich und Wenezlftn in den nltd. bL 1, 329f.
45 189
7718. so sol Sigestap der degen 137
besten Nantwtne^
den (1. der) Witegen und ouch die sine
künde nie eHwingen»
Es ist schon (obon s. 103) bemerkt, dasz jener Nentwin iss
in der Nibelunge noth, der Herrad vater, dieser nicht sein
könne, ob man das auch von dem (N)entwin in der Flucht
(7053), einem manne Ermenrichs, behaupten müsse, lässt sich
nicht entscheiden; offenbar setzen jene anspielungen auf sein
feindliches Verhältnis zu Wittich ein verlorenes gedieht voraus.
Nantwin heiszt ein einzigesmal: der bruoder Volcwtnes (10276).
im Alphart wird (73) unter Dieterichs beiden ein Volcwtn ge-
nannt; etwas näheres weisz ich aber nicht anzuführen.
i) Gelfrdt und Ehe der marcman an der Donau in Baiern
(840. 5067. 7692. 10286. 10736. 12221-25), brtider (6617)
[ZE. 35, 3], nachbarn des herzog Nantwin (6245), sind aus
der Nibelunge noth (vgl. Klage 1751) bekannt, auch ihres
vaters geschieht hier erwähnung: die jungen beiden (865)
heiszen einmal (862) des alten Ehen kint. — ein Ehe unter
Dieterichs beiden kommt in der Flucht (8291) vor.
%J Genannt werden drei herm aus Schwaben: der Swäbe
herzöge Ilennan (6253), Fndleip üz Swdben (5075), beide nur
ein einziges mal, und (Haupts zs. 6, 159) der Swdbe herre Berh-
tolt (10770), vürste von der Swdbe lande (7738 10306). allein
auch: von Ehdzen grave Bertholt {60S1. 6253); ist derselbe ge-
meint, so wäre das ein Widerspruch oder eine Verwirrung, die
indessen einem abschreiber zur last fallen könnte ; von der Swäbe
lande steht einmal (7738) im reim und wäre insoweit sicher.
etwas näheres erfährt man von diesen drei oder vier genannten
nicht, ebenso verhält es sich mit dem nur einmal (5078) er-
wähnten ' Herleip von Westodle. ich bemerke noch folgende
namen: die Düringe (5058. 6575. 8967. 10771), die fürsten von
Düringelant (6256), von Mtsen (6256), die Mtsencere (10774),
Würben (5058. 10775), Hessen (10771), von Lütnnge und von
Brdbant die ze herren wären da genant (6259), die von Sande
(8781. 8J101. 8949; zweimal im reim); wer unter diesen gemeint
sei, weisz ich nicht; an Santen Siegfrieds bürg in der Nibe-
lunge noth (in der Klage wird sie nicht genannt) ist schon des
Zusammenhangs wegen nicht zu denken, in welchem die stellen
vorkommen. [Schmeller wb. 3, 264. Haupt zu Neidhart xL,
3. anm. zs. 13, 175. Megenberg buch der natur 75, 35.]
e) Etzel.
Botelunges kint (366. 1194. 1947. 6143), künic von Hiu"
nenlant, hat zu Etzelburc seinen sitz (1123. 1135. 1747, 3212.
140
45
138 1 3098) ; mit seiner macht ist keine andere vergleichbar (285 -
94) und:
189 4052. man sagt vil wtten maere
von im unz an den lesten tac,
daz sin wirde nie gelac
Wm an sfnes l|b?8 tot,
Kemeü andern könig umgeben so vil beiden (3311). selbst
Pohlen, Preuszen (3999), Pommern (4024) ist ihm unterworfen,
zwischen der Elbe und dem meer (13329) scheint ihm alles
land zu gehorchen, wie nach der Nibelunge noth (1184, 3. 4);
ebenso wird auch hier (4636) der Roten als gränze angegeben.
und wie bei der fahrt der boten in der Nibelunge noth (1434,
2; vgl. Klage 1744) gesagt wird: diu Etzelen herschaft si vridete
üf allen wegen, so heiszt es hier:
4787. ir vride muoste guot sin,
8wä sie ritten durch diu laut:
des Etzelen herschaft was erkant,
darumbe man in ere bot.
geleites was in nindert not.
Swenne er ze tische gät, so tragent im ir crone bi zehen
künige unde dri (326^ — 28), wo vielleicht nur des reims wegen
einer zugesetzt ist, denn zwölf krönen ertheilt ihm die Nibe-
lunge noth (1175, 2) und die Klage (25). nichts von Etzels
übertritt zum christenthum, und abermaligem abfall, wovon die
Klage weisz (oben s. 113. 114); er ist ein beide und spricht
von seinen göttern (4458. 13380. 13397), und seine Hünen sind
es auch (708); aber gerade, wie in der Nibelunge noth (oben
8. 68) das Verhältnis geschildert wird, es befinden sich auch
viele Christen bei der Helche (360. 380), die ihrem glauben trea
geblieben ist, und diesen wird messe gesungen (3283).
Wir erfahren den namen ihres vaters, indem sie einmal
(1962) Osertches kint heiszt, es ist der Osantrix der Vilkinasaga
[Haupts zß. 10, 171 f. 12, 348 ff], auch hindeutungen auf ihr
Verhältnis zu Etzel:
342. an cristenliche schäme
solte noch diu vrouwe leben;
do wolt ez Etzel nie begeben
unz daz man ims (1. unze maus im) ze wib erwarp.
374. kam iht mer cristen dar,
dö sie die beiden mit ir schar
von ir vater vuorten dan?
In der Vilkina saga (c. 73 — 80) lesen T^ir, wie Küdiger
jdie Erka Ihr^m vater entfahrt und dem Attüa bringt. — ▼<»
45 141
Herrdt ihrer niftel 8. oben (s. 103). sie baut (13368) die bürg uo
Treüenmüre, die in der Nibelunge noth (1272, 3. 1276, 1) Zei-
zenmüre heiszt und in der Klage (1396) wieder Treüenmüre.
Etzels kinder werden zum erstenmal (3334) genannt: ez
giengen küniges kindelin zwei dar, — Ort und JErpse (1. Erpfe^
bei Neidhart cod. 133) wären die. in der Vilkina saga (c. 295)
Ortvin Und Erp^ in der Rabensehlacht Ort und Scharpfe^ in der
Edda (doch nur in Atlaq. 39, Hamdism. 8 und der prosa von
dräp Niflünga s. 286) Erpr (nordisch wäre Jarpr, vgl. Ham-
dism. 13 note 37) und EMI [Haupts zs. 10, 175.]
Bladel^ Blcedelvn^ wie in der Nibelunge noth und Klage,
bruder des Etzel (4938. 5391. 6343), erscheint hier als fürst
der Wäldchen (13057), wovon jene gedichte nichts sagen.
d) Etzels beiden.
a) Rüedeger von BecheMren. die aufklärungen , die wir
über seine früheren Schicksale erhalten, sind schon oben (s. 97 —
99) mitgetheilt. ich habe hier nur zuzufügen, dasz die mark*
gräfin Gotelind (6091) genannt wird: des flirsten Qem kint.
kein anderes gedieht weisz davon.
Was über Nuodunc vorkommt s. oben (s. 100. 101).
ß) Irnfrity Irinc und Hdwart. s. oben (s. 116).
. T) Wolf rät und Ä8tolt, brüder (1077. 10282), beide üz
Osterlande (7686), die da ze Mütdren gewaltic wirte wären
(5433. 12081. 13066). in der Nibelunge noth wohnt Astolt zu
Medilike (1269, 1), von da geht der weg die Donau hinab nach
Mütdren; dagegen in der Rabenschlacht (59) heiszt er wie hier
Astolt von Mütdren. seinen bruder Wolfrät kennt aber sonst
kein gedieht, einmal (5502) äuszert dieser: swaz Astolt und
^Ame^ hat, daz sol mit iu geteilet sin. diesen zweiten, seltsam
klingenden namen, der nicht wieder vorkommt, weisz ich nicht
anders zu erklären, als dasz damit Astolts frau gemeint sei.
8) Hornboge und Rämunc [Haupts zs. 6, 167], vürsten von
Vldchenlande (9721 — 24, vgl. 10187. 10387) werden gewöhnlich
zusammen genannt (3454. 3725. 3790. 4941. 11612. 12085).
einigemal: der herzöge Rämunc (7756. 10188), einmal: üz der
Walken laut (1218). Hornboge ist ein junger held (4942,
11612). in der Nibelunge noth beide: der herzöge Rdmunc
üzer Vldchenlant und Hornboge der snelle (1283, 1. 1284, 1.
1818, 2). jenen finde ich in keinem andern gedichte, denn
Rdmunc von hlande unter Ermenrichs mannen in der Flucht
(8621) (Rämunc von Sweden j. Titur. 19'5) erwähnt, kann doch ui
nicht derselbe sein, dagegen kennt dieses gedieht (5888. 8569)
und die Rabenschlacht (46. 616) den hünischen Hornboge mit
dem Zusätze von Poldn. hierdurch wird eine stelle im Biterolf
(1232) verständlich, wo unmittelbar auf Hornboge die wort«
142
45
141 folgen : von Poldn der herzöge, der was in vancnüsse da. mit
V. d. Hagen so zu interpungieren , dasz die worte von dem
eigennamen getrennt einen ungenannten herzog von Pohlen be-
zeichnen, scheint mir unzulässig: es wäre sonst nie wieder die
rede von ihm und dann folgt der krieg mit den Pohlen, an
welchem eben Hornboge theil nimmt (3454), erst späterhin, ja
es wird ausdrücklich gemeldet (3750. 3847), wie nach erfoch-
tenem siege ihr herzog Hermann als gefangener sei zu Etzel
gebracht worden, ich glaube vielmehr, der dichter nannte erst,
der sage gemäsz, den beiden von Pölän und liesz ihn als einen
gefangenen, das heiszt unterworfenen, an Etzels hofe leben, her-
nach aber als ein krieg mit den Pohlen erzählt und ein zweiter
herzog von Pohlen als gefangener aufgeführt wurde, liesz er
jene benennung fallen und machte den Hornboge zu einem
fürsten üz Vlächenlande , weil sein gefahrte Ramung es war;
das thut aber kein anderes gedieht^*.
s) Ich erwähne hier gleich den eben genannten herzöge
Herman (3585) üz Poldn, er ist aus der Klage bekannt (oben
s. 114. 115) und ist dort schon angemerkt, dasz er, vom Etzel
mit krieg überzogen (3719. 3425), besiegt wird (3750) und als
gefangener mit nach Etzelburg folgen musz (3805. 3847. 3880).
Helche verwendet sich für ihn und den gefangenen könig von
Preuszen :
3994. — — — do half der küniginne bete
dem herzogen von Pölän, daz er und ouch sine man
mit gedinge riten in ir laut, sit do muos ir beider
haut
Etzeln dienen m anigen strit.
doch befindet er sich nicht bei der fahrt nach Worms.
C) Schrütdn und Gibeche [Haupts zs. 6, 154. 166 f.], werden
immer, wie in der Nibelunge noth (1818, 1), zusammen genannt
142(1230. 3848. 4943. 9711). dasz jener herzöge von Merdni^i
(1235. 3719. 4944) erfahren wir hier zuerst; er kommt sonst
nirgends vor, denn ein riese Gibichs im Rosengarten hat nur
den namen mit ihm gemein, ebenso kann ein Gibeche von
Galaber bei Ermenrich (Flucht 7196) nicht wohl dieser mann
Etzels sein.
Yj) Sintram von Kriechenlant oben s. 113.
^' deshalb hätte man Ursache, die ganze stelle von vier zeilen, schon weil
sie immer etwas ungehöriges enthält, für unecht und eingeschoben zu betrach-
ten, noch mehr aber aus folgendem gründe : unmittelbar vorher wird Gibeche
genannt und der erscheint in diesem gedieht immer mit Schrütän verbunden und
ist hier gerade durch diesen Hornboge von Pdlän getrennt, fällt die verdächtige
stelle weg und liest man: Gibeche und Schrütän der herzöge von Mer&n, so ist
alles in Ordnung, [s. jetzt DlIB. 1, XVII.]
45 143
&) Sigeher von Turkte. oben s. 102. 142
i) Gotele (1223. 4949. 7758. 10730. 11656) Wolfhart gibt
sich für ihn aus (8923). in der Flucht (531. 5892. 7339. 8573)
und Rabenschlacht (44. 544. 581. 708. 885. 983) fast jedesmal
mit dem zusatz: der marcman.
x) Hadebrant von Sttrmarke (8784. 10753. 13332. 13344.
13431).
X) OUe^ nur ein einzigesmal (1239) und auch sonst in keinem
andern gedichte genannt ^^.
e) Dieterich von Bern.
Geschlecht und Verwandtschaft s. oben (s. 104); Dietleib
gehört hier dazu (s. 126).
Dieterichs feuerathem ist gleichfalls schon (oben s. 106)
erwähnt,, auch zusammengestellt (s. 102), was über seine beiden,
die Berncere (5235. 9784. 12194) und die Wülfinge vorkommt.
er selbst heiszt der Berncere (8361):
Sein Schwert, das alte sahs (vielleicht Eckesahs)^ finden wir
hier (oben s. 58), und den heim Hiltgrtm (unten nr. 63), wie-
wohl letztern nur ein einzigesmal (9237), genannt, auch sein
zeichen lernen wir kennen:
9791. in eime vanen blävar
sach man einen lewen wagen,
uz golde von stden wol getragen;
dem volgten die wigande
von der Amelunge lande.
Die Vilkina saga gibt ihm (c. 17) einen goldenen lowen
auf rothem (nach c. 38. 39. und 307 auf weiszem) Schilde, da-
mit stimmt Ecken ausfahrt : der vuort an sinem Schilde ein 143
lewen^ was von golde rot (53 Caspar v. d. Röhn und 47 alt. dr.,
vgl. 115 Caspar v. d. Röbn und 86 alt. dr.). auch der Rosenr
garten d (cod. Arg. und Pal. 10) erwähnt den löwen auf dem
Schild. [Walberan 982, Haupts zs. 6, 160.] nur im Alphart
(193. vgl. 94), scheint die echte sage verwirrt, wo dem Diete-
rich ein adler zugeschrieben* wird, und der löwe dem Alphart ;
doch auch im Siegenot (Nürnberger dr. str. 64 und zwei band-
Schriften) heiszt es: du vüerst den lewen und den am gemalt
an dinem Schilde, dasselbe in den Drachenkämpfen (93^. 103**.
139*^). wahrscheinlich setzten spätere gedichte weil man Diete-
rich für den römischen könig ansah, noch den reichsadler hinzu.
^ ^ die zwei zeilen über ihn trennen Imfrit von Irinc und Häwart, die sonst
immer neben einander stehen; sie könnten leicht unecht und ein späterer zusatz
sein, zumal sie sich in der nachbarschaft des Hornbogc von Folän befinden, wo
zu einer gleichen Vermutung anlasz war.
U4
45
143 Über das Verhältnis zu Hildebrand einiges unbekannte.
als Dieterich gegen Siegfried zu kämpfen sich weigert, so sagt
der meister:
7990. iuwer vater gap iur hant
durch triuwe in die mine,
deich iuch und alle die sine
in miner pflege solte hän.
da bi stuont vil manic man,
bede Diutsch und ouch Walch,
dö er mir allez daz bevalch,
daz er nach töde hie verlie.
Und vorher:
7996. diu zuht die ich an iu hän getan.
In dem gedichte von der Flucht werden wir eine ähnliche
angäbe finden; zu vergleichen ist, was von Rüther und Berther
(oben s. 51) erzählt wird. — Hildebrand heiszt üzer Berne 5759.
f ) Die Harlange.
Fntile und Imbrecke^ die küenen Harlunge (4597. 4765—
67. 5657. 9805. 9892. 10672. 11206), die zw6n künige junge
(5216. 5722. 6382. 7633. 10164. 11198. 12856) aus Harlunge-
lant (4596); s. oben s. 19. 20. 31. 32. 37.
Zu ihnen gehören folgende beiden:
a) WahsmuoU er bringt die jungen könige zu Dieterich
(5720. 6387. 10199), dutzt Eckeharten (10207), trägt der Har-
lunge fahne von kleegrünem sammt (9801), und leitet ihre
schaar (5662. 9799. vgl. 5229. 7708. 10230-48. 10676).
ß) Hache (5727. 10172), vetter des Wachsmut (12207),
144 leitet mit ihm die Harlunge (6388) und fahrt Eckehards schwert
(12209). ein junger Hache im Alphart (73. 433) und in Die-
terichs Drachenkämpfen (189**).
7) Eckehart (4733. 5230. 6389. 7710. 9888. 10204^25)
söhn des Hache (10244). sein rosz heiszt Rusche (10227). —
im Alphart, wo er zu Breüach (s. 37) seinen sitz hat (308),
streitet er gegen Ermenrich, und der muth seines pferdes Rosck-
lin wird gerühmt (445). — in der Flucht Eckewart^ Harlunge
man (4140. 4433. 4666. 7671. 8591), er fällt im kämpfe (9669).
dagegen in der Rabenschlacht erscheint er wieder (723. 868).
— in dem Rosengarten c (IP) heiszt er Eckehart der vil ge-
triuwe man*, und als er gesiegt hat, verschmäht er den kusz
der Kriemhild mit den werten (19*): ich läze mich niht küssen
« {
der fromme* ZE. 26, U.
45 145
ein ungetfriuwe meit, und in dem alten druck (371, 377) steht im
etwas ähnliches, dagegen im Rosengarten d zieht er nicht mit
nach Worms (cod. Pal. 8**):
Do sprach Eckehart der getriuwe: ich waere gerne da
hin,
wenne daz ich mit den Harlungen so gar bekumbert
bin.
west ich wem ich die lieze^ ich rümte mit iu diu laut.
8) Der alte Regentac (4772. 5727, 9892):
10238. der manigen herlichen slac
bi »tner bruoder kinder sluoc.
Ausdrücklich ist nicht gesagt, wer darunter verstanden
wird, aber dem zusammenhange nach können nur Eckehard
und Wachsmut gemeint sein; des letztern vater lernen wir
nicht kennen, aber Hache heiszt sein vetter und müste nur
auch Regentags bruder genannt sein, von diesem ganzen ge-
schlechte wird keiner in andern gedichten angeführt, als Ecke-
hard; auch Hache nicht, denn der junge Hache im Alphart
musz doch ein anderer sein.
e) Rabestein wird nur einmal (10676) erwähnt, wahrschein-
lich Ribestein^ der bösartige geselle Sibichs in dem gedieht von
der Flucht (s. unten).
C) Rimstein^ kommt gleichfalls nur einmal (4773) vor.
wahrscheinlich jener dem Ermenrich widerspenstige Rirmtein^
von dem die Vilkina saga (c. 126. 127) erzählt. [Rimstein,
Schannat nr. 241. Rumstän Trav. song 245. Jac. Grr. Lach-
mann.]
Tj) Herdegen (5231. 6389. 10172). ein Herthem in der
Vilkina saga (c. 209), Schwager Thidreks, kann doch nicht
wohl gemeint sein, denn er ist der vater jenes Herburt, der
fOir die rheinischen könige kämpft.
g) Ermenrieli.
Schon oben (s. 106) wurde bemerkt, dasz er selbst nicht 145
auftritt; wie Etzel sendet er nur sein beer, zieht aber nicht
mit in den krieg, der dichter scheint in ihm den höchsten
herrn, den könig von Rom und Lateran (als inbegriff der
grösten macht ^*, doch nicht gerade sein reich einmal genannt
11109) zu sehen. Lampartenlant (10521. 10993. 11636. 12182.
^* der Lateran war sitz der päbste bis zam jähre 1305. Bunsens Rom
3», 505 f. 546. [Haupts zs. 12, 327.] auch bei pf. Konrad 71 »> Laträn, Anti-
christ, fundgr. 2, 111, 14. Eracl. 4422 Röme und Lateran.
WiLH. GbIMM, DBUT6CUB HBLDENSAOS. IQ
146
45
145 12955), obgleich Dieterichs Wolf hart dort wohnt (8210), die
Rabencere (5190. 5699. 8814. 9555), namen, die man in der
Nibelunge noth und Klage vergeblich sucht, sind ihm unter-
worfen, und da dies auch von den Amelungen gilt (6377), so
scheint Dieterich doch nur ein unterkönig gewesen zu sein.
von Ermenrichs vasallen lernen wir folgende kennen:
a) Uutwar^ junger held (11093), einmal könig [1. der küene]
genannt (7761), trägt Ermenrichs zeichen (10990) und leitet,
immer zugleich mit Sabene, das heer. (5198. 5679. 6375. 9778.
10990. 11093). kein anderes gedieht kennt ihn.
P) Sabene, Sibechen sun (10996), der junge (5679. 12047):
6377. der der Amelunge
bediet hat vü manige craft,
daz sie im nü sint zinshaft.
In der Flucht wird er (8343. 8368) erwähnt und von einem
andern gleiches namens unterschieden; vgl. unten Wolfd. von
Caspar v. d. Röhn.
Y) BerhtunCy ein junger Amelung (5191), ist herzog (8190)
zu Raben (5669. 8814) in Lamparten (10992. 11635); führt eine
grosze schaar (6173). kommt sonst nirgends vor.
8) Rienolt und Randolt^ forsten aus Mailand (4602. 4754.
5207. 5683. 5725. 6393. 7451. 9879. 12042), Berkers kint (4603),
also brüder. Wolf hart ist Rienolds neve (8827). — im Alphart
werden beide ausdrücklich brüder genannt (199) und 'Reinhold'
erhält Mailand (424. 454), aber ihres vaters gedenkt sonst kein
gedieht. — in der Flucht (2669—2809. 5840) ein Randolt von
Ankonay dem Dieterich treu, auszer Verbindung mit Rienold von
Mailandy der zwar erscheint, aber als gegner Dieterichs im
kämpfe von Wolfhart getödtet wird (3321 — 67); von ihrer Ver-
wandtschaft ist keine rede, dagegen in der Rabenschlacht, die
doch später fallt, lebt er noch, ist Wittichs schwestefsohn (222.
146 931—948) und wird von Dieterich getödtet (953); Randold
kommt nicht vor. im Rosengarten c und d finden wir ihn unter
Gibichs beiden, im kämpfe gegen Sigestap; 'Reinolt von Mei-
gelant' aber für Dieterich streitend, auch in den Drachenkäm-
pfen (277*. 334*), und einen Reinald, ebenfalls Thidreks mann,
einmal in der Vilkina saga (c. 38). (der ungestalte Rienolt,
Liaders. 2, 646. Lachmann zur Klage s. 308.)
e) Witege und Heime, werden zusammen genannt (5196.
5675. 7666. 7695. 11151. 11899) als des königs faner (6374.
9770). Wittich, ein junger held (6372), von dem man Wunder-
dinge erzählt (10589; vergl. oben s. 62); seines Schwertes Ml-
minc ist schon (oben s. 59) gedacht, von seinem heim Zi/ww«'
wird hernach die rede sein. Nantwin von Regenspurc ist mit
ihm verwandt, aber sie leben in feindschaft (oben s. 137). —
45 147
Heime aus Lamparten (12955) ist ein söhn des Madelger {6373. I4ß
10900. 10976 ; 'Madelungera kint' 12962) und trägt das schwert
Nagelrinc (oben s. 59). im Alphart (260) und zweimal im an-
hange des heldenbuchs heiszt Heimes vater Ädelger^ doch ist
jener name (vgl. gr. 2, 494) wol der richtigere, auch wird in
der Flucht einmal (8637) ein Madelger genannt unter Ermen-
richs kämpfem. in der Vilkina saga (c. 17) ist er des Studas
Sühn. — vgl. oben s. 17. 19. 20. 102. (Madelger ein schmid in
Kegensburg beim pf. Konrad 21* (Rol. 58, 17); ein zwerg im
Morolt 3921. 3926.)
h) Mime, Hertrich und Wieland, die drei schmiede.
115. er (Biterolf) hast ein swert^ daz was guot. daz im den
sin und den muot
vil dicke tiuret sere, sin lop und ouch sin Sre,
des half daz wäfen alle zit. er kam nie in deheinen
strit,
ez gestuont im also, daz sin der recke wsere frö.
Schrit was daz swert genant, diu maBre tuon ich iu
bekant.
125. an einem buoche hört ich sagen, der swerte wurden driu
geslagen
von einem smittemeister guot, der beide sin unde muot
dar an wände sere, daz man in den landen mere
so staetes niht enfunde; wan er den list wol künde
baz dan anders ieman da. er saz in Azzarid
135. von Tolet zweinzec mile. er haet ouch e der wile
der swerte mere geslagen. einen namen wil ich iu
sagen:
er hiez Mime der alte, sin kunst vil manigen valte,
der lenger waere wol genesen und des todes muostel47
wesen
von der swerte krefte. zuo siner meisterschefte
145. ich nieman kan geliehen in allen fiirsten riehen
an einen, den ich iu nenne, daz man in dar bi erkenne:
der was Hertrich genant und saz in WasconUant.
durch ir sinne craft so haßten sie geselleschaft
an werke und an allen dingen; sie mohten wol vol-
bringen ^
155. swaz in ze tuone geschach. swie vil man starker liste
jach
Wielande, der da worhte ein swert, daz unervorhte
Witege der helt truoc, und einen heim guot genuoc
der da himme was genant; ouch worht er allez daz
gewant
10*
148
45
147 daz zuo dem'swerte wol gezam; Witege truoc ez äne
schäm,
165. der eren ingesinde. er haet ez sinem kinde
geworht so er beste mohte; dan noch im niht tohte
daz er an disem maere so wol gelobt waere
als Mime und Hertrtch. ir kunst was vil ungelich.
die rede bescheid ich iu: der s werte wären zwelfiu,
175. diu sluogen dise zwene man, als ich iu kunt hän getan:
daz drizehend sluoc Wielant, daz was Mtminc genant.
daz buoch hoeren wir sagen ^ diu swert torste nieman
tragen,
er waer fürst oder fürsten kint.
Das buch, woraus der bearbeiter diese merkwürdige nach-
richt schöpfte, musz ein anderes gewesen sein, als jenes, wel-
ches das gedieht von Biterolf selbst enthielt, hier heiszt Bi-
terolfs Schwert Schrit und Wittichs heim Ldmme und beide,
zumal aus keinem andern gedichte bekannt (wenn nicht, wie
ich doch glaube, 'Lonen\ Wittichs heim im Alphart 449, der-
selbe, nur entstellte name ist, vgl. Blank s. 308), werden nur
dieses einzigemal angeführt, so oft auch sonst dazu gele-
genheit wäre; angespielt vielleicht wird auf den heim doch
noch einmal (8528). (Mtminc dagegen ist häufig genannt
und gilt auch in andern quellen schon als Wittichs schwert;
148 vgl. oben s. 59). noch deutlicher wird die einmischung durch
ein anderes schwert Biterolfs, das Welsunc heiszt (561) und
womit er gegen Walther kämpft (636); einmal steht dieser
name durch den reim (679) gesichert, freilich findet spä-
terhin eine Verwirrung oder Vergessenheit statt, denn der
dichter lässt den Dietleib (dem das schwert auch im Laurin
zukommt) Weisung tragen, ja nach einer ausdrücklichen an-
gäbe hat es Biterolf, im Widerspruch mit der früheren erzäh-
lung, daheim gelassen (3697) und der söhn gebraucht es gegen
seinen eigenen vater (3660). — Mime ist aus der Vilkina saga
als lehrmeister des Sigurd bekannt (oben s. 73), aber was wir
von ihm, den sonst kein dieutsches gedieht nennt, vernehmen,
stimmt nicht zu jenen Verhältnissen. dasz der kunstreiche
Schmied dort in Hunaland, hier im südlichen Spanien wohnt,
zwanzig meilen von Biterolfs sitze Toledo, an dem unbekann-
ten orte Azzartd^ wahrscheinlich südwärts in Sierra Morena,
das wäre vielleicht nur ein geringfügiger unterschied; allein in
der Vilkina saga ist Mime lehrer Velints, der hier auszer Ver-
bindung mit ihm, als ein untergeordneter künstler erwähnt wird,
während das schwert Miminc, Wielands arbeit, sein Verhältnis
zu Mime durch den namen anzudeuten scheint, doch etwas
übereinstimmendes findet sich: nach der Vilkina saga (c. 33.
156) gibt ebenfalls Velint seinem söhne Vidga den selbstge-
i
- 45 149
schmiedeten Mimung und die ganze rüstung, ja auch einen 148
heim, dessen zeichen ein goldener, giftspeiender lindwurm ist,
sä er ßlangi heitir; und das erklärt hinlänglich den ausdruck
im Titurel (s. unten): Witege mit dem slangen. dürfte man
sich aber in beziehung darauf nicht die Vermutung erlauben,
der sonst unverständliche name Limme sei nichts als eine ent-
stellung von dem verlorenen deutschen lindo (gr. 2, 491), alt-
nord. linni, schlänge? [Haupts zs. 2, 248—252. ZE. 26, 7.]
Hertrtch^ in der deutschen, wie in der nordischen sage,
sonst unerhört, ist hier der eigentliche genosz Mimes, und ihrer
geschicklichkeit scheint nichts unmöglich gewesen zu sein.
Einigermaszen erinnert die ganze stelle an die drei schmiede
in dem altfiranzösischen gedieht (oben s. 43. 44), und an ihre
neun Schwerter, die nur fürstliche beiden besaszen.
5) Merzian von Babilon und Baligan von lAbya. (Morolt
3007. 71. 4016. 25. 88. Orendel 407. 927 flf. 2025.)
a) 306. — — — wie hohes namen was genant
von Babilon Merctdn^ er künde nimmer widerstan
dem von Hiunen riehen noch sich im geliehen.
•
b) 311. sol er (Etzel) des haben ere, so nennich ir iu mere, 149
die im genözsam selten sin: Antfuhs von Gabelin
und Baligan von Ldbtd^ der hset üz Perstd
wol ahtzec tüsent beiden, wie der unbescheiden
ie taete swaz er wolte, ob er nü striten solte
mit Etzeln dem riehen, er taet ez angestltchen.
Und Etzel vergleicht ihn mit sich selbst:
1371. Baligan der vil rtche, der vil gewaltecliche
ist ob den beiden, als ich bin.
Ich vermute, dasz hier Merztdn gemeint ist, der als mäch-
tiger heidnischer könig im Wolfdieterich vorkommt und sammt
seinem groszen beere nahe bei Jerusalem in die flucht geschla-
gen wird (bl. 114 — 119). Baligan könnte der beide Beltan sein,
in dessen zauberburg Wolfdieterich geräth und den er im Zwei-
kampf tödtet. über Antfuhs von Gabeltn habe ich keine nach-
weisung.
6) Endlich noch einige beziehungen, an sich merkwürdig
und dunkel, und bis jetzt unerklärbar, die aber doch nicht
dürfen übergangen werden, weil vielleicht späterhin darüber
sich licht verbreitet,
a) 295. man sagt von NibelSte daz, wie er ze Barise saz
in eime riehen lande, den ich (Walther spricht) vil
wol erkande;
150 — 45
der machet himele guldtn; selber wolt er got ^."
mit krafl er töte tüsent her; ez mohte Dieman keine
wer
wider in gefiieren; ez getoret ouch gerfieren
mit strite nieman ainiu l^it.
b) Die bewohner von Metz, die den jungen Dietleib reiteo
sehen, kennen ihn nicht; einer spricht:
2556. — — — wfer er indert im geliche,
s6 solteD wir in da vür hän, der valsche site nie
gewan,
Paltram 4z Alexandrin. nö daz der lip sin
küme halb als er gewahsen ist, darzno hän ich dehei-
nen list,
wer der vil guote ritter si.
2670. noch wart allez hie gestriten
mit red ez waere Paltram, von dem man manigen pris
vemam,
der aider künic ze Fülle wart.
7) Rühren beide werke, Klage und Biterolf, in der bear-
beitung nämlich, in welcher wir sie besitzen, von einem und
demselben dichter? [DHB. 1. einl.] die frage gehört, streng
genommen, nicht hierher, darf aber nicht übergangen werden,
da die bejahung derselben zugleich ein zeugnis enthält, auf
welche weise verschiedene darstellungen der sage neben einander
in den bearbeitnngen desselben dichters bestehen konnten, ver-
anlasst dazu wird sich jeder ftlhlen, der die reime beider ge-
dichte mit einiger aufmerksamkeit vergleicht, und ich weisz in
der that nicht, ob meine Vermutung älter ist oder LachmaniiE,
wenn ich mich recht besinne, schon längst öffentlich ausge-
sprochene entscheidung daflir. eine vergleichung der angaben
beider gedichte über die ihrer so wenig sagenmäszigen erzäh-
lung verliehene grandlage fordert die beantwort:ung unserer
frage gar nicht, und ich kann mich deshalb auf die vorange-
gangenen Untersuchungen berufen, zeigt sich auch in manchen,
selbst wichtigen stücken, z. b. der nnbekanntschaft mit Sieg-
frieds drachenkampf und unverwundbarkeit, übereinstimmuDg
zwischen der Klage und Biterolf, so steht in anderen dingeo.
worin Klage und Nibelunge noth zusammen kommen, Biterolf
wieder allein; er kennt z. b. so bedeutende personen, wie Dank-
wart und Folker nicht, es scheint, der reinem sage gemäez,
und ebenso verhält es sich mit geringfügigen nebendingen z. b.
Sindolds amte. die reime dagegen in beiden werken zeigen
" 8. lum Eraclius s. 497. 502 f.
45 151
eine übereinstimmuDg, die sich kaum anders, als durch die an- 150
nähme eines einzigen dichters erklären lässt. dieser punct musz
also näher erörtert werden.
Beide reimen a : ä (man : getan, här ; dar häufig, mäht : bräht
Klage 1154), e:e (pflegen : legen , siegen : degen) , i:i (Diete-
rich : dich, mich, sich. Bloedelin : in Kl. 1893. sin: in Biterolf
3163. 5165. 8264.' 9448. 11856), 6:uo (dorzuo. Gernot :guot
Bit. 13134. Gernoten : guoten Bit. 6209), c : ch (marschalc : be-
valch Kl. 719. Bit. 3231. widerwac : sach Bit. 7361), g:b
(ougen : gelouben Kl. 555 b c d. tage : habe Bit. 8568. Pergen :
werben Bit. 1629), m:n (inne : grimme Kl. 709. Heime : eine
Bit. 5675. 12994. kleine 5195. stein : oheim Bit. 10332. tuon:
ruom Bit. 8109). — beide bedienen sich der endigungen -ünt,
-ünde (gr. 1, 367): suochünde : stunde Kl. 1126. snidünden :
wunden Bit. 6535. wunt:abünt Bit. 3611. 9241. sie reimen
Hagene : degene Kl. 544, im Bit. häufig, und auch Hagenän :
degenen 2741. 6019, Hagene : gademe Kl. 589. Hagen^ : sagend
Kl. 371. 1707. Rabene : degene Bit. 4751. sie gebrauchen den
reim auf -6t (gr. 1, 369. 951): gebärot : tot Kl. 566. gesenftöt: 151
not Bit. 12374, entwäfenot Bit. 8910, verserot Bit. 9536, und
auf -ist: minnist:ist Kl. 759. Bit. 8454. ferner das verkürzte
part. praet. gekleit (Kl. 311. 981. 1556. 1709. Bit. 7219. 4711.
6187), die formen banden und henden neben einander (Kl. 220.
240 u. s. w. Bit. 526. 6887 u. s. w.), und ausnahmsweise hat
die Klage einmal (483) gesten und Biterolf (4131) stet statt
des gewöhnlichen stän, stät. die Klage zeigt neben dem übli-
chem mohte einmal (1021) mähte, ebenso Biterolf (9636) mähten.
' beide süene statt suone (Kl. 583. Bit. 11412. 12370. 12402.
12534, doch hat Bit. auch einmal 12524 daneben suone). bei
beiden im reim die seltenen ausdrücke vreide (Kl. 1867. Bit.
11376), bediet (Kl. 485. Bit. 6379. vergl. gr. 1, 405), auch
das adj. schart (Kl. 1615. Bit. 3731. 6389. 9480. 10680. 11314)
ist nicht sehr häufig, beide gebrauchen rührende reime; in der
Klage : houptlos : verlos 433, untriwelos : verlos 1025, haben :
erhaben 2040, enhat:hät 1891; im Biterolf : hin : hin 1569, da:
da 11190, hän : hän 8087. 12736, ich : ich 12450, komen : komen
1607, getan: getan 10866, Dieterich : rieh 5257. 7545. 7921.
12510, Liudegaste : gaste 5051, hiez : gehiez 13368. endlich,
und das ist nicht der geringste beweis, beide erlauben sich
eigenthümliche freiheiten bei der starken declination der eigen-
namen. erstlich, auszer dem bekannten adjectivischen acc. wen-
den sie daneben, und, wie es scheint, blosz nach bedarf des
reims, noch einen auf e ausgehenden an, als gehöre das wort
zu der zweiten declination, ohne dasz jedoch ein solcher nom.
auf e angenommen würde und zwar, wie die beispiele gleich
zeigen werden, auch bei namen, die niemals auf die zweite (wie
ich aus gr. 1, 770 erinnere, um diese zeit fast verwischte)
152
45
151 declination anspruch machen durften, es versteht sich dabei
von selbst, dasz noch der flexionslose, mit dem nom. gleich-
lautende, regelmäszige acc. mithin eine dritte form, statt finden
kann. also: Dieterichen (2059 Kl. 11176. 12204 Bit.) und
Dieteriche (514. 2051 Kl. 11176 Bit), Rüedegeren (224 Kl.)
und Rüedegere (980. 1021. 1175. 1926 Kl., die dritte form Küe-
deger 226 Kl.), Gernoten (242. 926. 961 Kl. 3036 Bit.) und
Gernote (227 Kl. auszer dem reim). Hildebranden (1044 Kl.
auszer dem reim) und Hildebrande (1226 Kl. 7740 Bit.), Wolf-
harten (826 Kl. auszer dem reim) und Wolfharte (835 KL),
Weisungen (636 Bit.) und Welsunge (3660 Bit.), Balmungen
(7228. 11052. 12278 Bit.) und Balmunge (10845 Bit.), Nanir
winen (6003. 6243. 8703 Bit.) und Nantwine (7719 Bit.), Ort-
i62wine (7703 Bit.) und Bloedeline (5392 Bit). sodann, noch
weiter gehend, gebrauchen beide gedichte auch einen doppelten
dativ der starken eigennamen, den regelmäszigen auf e (das
natürlich auch wegfallen kann) und einen andern auf -en,
gleicherweise dem anscheine nach der schwachen declination
entlehnt, der fall ist jedoch seltner, in der Klage finde ich
nur Gerbarten (774), dagegen im Biterolf Dieteriche (8884.
10512. 11256. 12422) und Dieterichen (11282. 12878), Hilde-
brande (9279. 13344. Hildebrant 12960) und Hildebranden
(12970), Gernöte (6695) und Gernoten (12350. 10950), Wolf-
harten (8724. 8766. 11314), Wolfräten (5465), Gelfraten (6245.
7691. 10286), Herborten (11336), Nantwinen (10264); beispiele
genug um die sache auszer zweifei zu setzen, endlich scheint
auch im Biterolf neben dem richtigen nom. pl. Amelunge (7879.
9350. 10361) einmal (6457) Amelungen gesetzt zu sein; gewis
aber zeigt Imbrecke auszer dem regelmäszigen acc. Imbrecken
(4597) auch den ungewöhnlichen Imbrecke (7635), also umge-
kehrt die schwache declination einen starken casus; die Klage
hat dazu keine gelegenheit gehabt.
Was sich gegen die annähme eines dichters beider werke
sagen lässt, besteht in folgendem, es ist auffallend, dasz nie-
mals des Widerspruchs erwähnung geschieht, der in so manchen
und wichtigen stücken der sage zwischen beiden gedichten
herscht. sehr natürlich wäre in dem spätem, welches man nun
dafür halten will, eine anmerkung oder entschuldigung gewesen,
man sollte meinen, fast noth wendig bei einem dichter, der es
sich sonst angelegen sein lässt, die Wahrheit seiner erzählung
zu versichern; gerade bei einem vom Biterolf abweichenden
punct sagt er in der Klage (25): von der wärheit ich daz nim.
freilich folgte er jedesmal einer ganz andern quelle und hielt
sich gewis streng daran, aber befremdlich ist dieses stillschwei-
gen immer, hernach bleiben für jedes gedieht noch eigenthüm-
lichkeiten im gebrauche des reims und in der spräche zurück,
die es mit dem andern nicht theilt. die Klage bindet allein
L
46. 47 . 153
(474) a : e in swester : lasier, was ich nur noch in Eilharts Tri- 162
stan (5241 cod. Dresd.) wiederfinde; sie hat einmal Burgenden
(774) neben Burgondaere. sie gebraucht (1432) der gebar, Bi-
terolf (601) diu gebasre; den conjunct. haete (111), Biterolf
(1677. 3439. 7569) biete, hingegen zeigt Biterolf allein die
form krefte und zwar nicht selten (143. 10140. 10168. 11818.
12294), femer das unverkürzte part. praet. verklaget (9388)
neben verkleit. er hat allein das part. praet. gewezzen (6461.
10880) und den inf. itewezzen (12504) [4. itewizen : verwizzen',
Jac. Grimm], öfter das seltene adv. darwert (10722), hinwert iö3
(9275), hinnewerte (8049), engegenwerte (10958) und das von
höfischen dichtem im reim gemiedene magedin (6469); auch
gezemen : nemen (3. 2241. 2819. 4525. 4646. 6749. 8698. 12012)
fehlt gänzlich in der Klage.
Indessen musz man gestehen, dies sind nur einzelheiten,
gegen das gewicht, das in der sonstigen groszen Übereinstim-
mung liegt, von geringer kraft; einiges mag zufällig sein, auszer-
dem aber ist es weder nothwendig noch natürlich zu glauben,
der dichter habe zu allen zeiten genau dieselben regeln befolgt
und seiner spräche keine Veränderung gestattet.
46.
Snorra Edda.
Unter den dichterischen benennungen für schwert kommt
auch Mtmüngr vor (214 Rask), und P. E. Müller merkt (sagen-
bibl. 2, 177) dazu an, dasz wahrscheinlich auch der name von Ho-
thers schwert bei Saxo (3, 40), Mimring^ derselbe sei.
Dieses zeugnis ist um so wichtiger, als sonst Wittich und
sein schwert in der nordischen sage völlig unbekannt und erst
späterhin durch die Vilkina saga eingeführt sind.
47.
Überarbeitung der Nibelunge noth. (Liedersaal des frei-
herrn v. Lassberg. bd. 4.)
Die Zusätze berühren nur in wenigen fällen den eigent-
lichen inhalt der sage.
1) Die jagd der könige findet zwar auf der andern seite
des Rheins statt, aber hier soll nicht irrigerweise der Wasken-
wald liegen, sondern Günther sagt:
7650. 'Nv wir der hereverte. ledic worden sin.
so wil ich iagen riten. von Wormez vber den Ria.
154
47
163 vnt wil kurcewile. zem Otenwalde han.
lagen mit den banden . als ich vil dicke han getan.'
Bei einem brunnen wurde Siegfried ermordet (Nibelunge
noth 260, 3), hier ist der ort namentlich bezeichnet:
8403. 'Von demselben brunnen. da Sivrit wart erslagen.
sult ir div rehten märe, von mir hörn sagn.
vor devi Otenwalde. ein dorf lit Otenhaim.
da vliuzet noch der brunne, des ist zwifel dehein.'
154 Das ist kein willkürlicher zusatz, wie aus der Übereinstim-
mung mit dem liede von Siegfried folgt:
177, 3. — — — 'ob eynem prunnen kalt
Erstach jn der grymmig Hagen Dort auf dem Otten-
waldt,^
Ein Odenheim in dem Wormser gau kommt in einer Ur-
kunde von 786, die Odenheimer mark in andern, etwas spätem
vor (cod. dipl. Lauresham. nr. 12. 1286. 2557). dasz der über-
arbeiter diesen ort meine, ist darum wahrscheinlich, weil nach
einer Urkunde (nr. 33, p. 86) ein wald in dieser mark lag, den
man als zum Odenwald gehörig betrachten mochte, in einer
andern Urkunde (nr. 19) finde ich einen Cuningesbrunno in dem
Odenwalde liegend, und dieser name wäre nicht unpassend für
die quelle, aus welcher Siegfried sollte getrunken haben, da-
gegen nimmt man keine rücksicht auf die Überarbeitung, und
weisz man daher nichts von einem Odenheim, so werden wir
auf eine andere Vermutung geleitet. Siegfried, von durst ge-
quält, wolde für die berge zuo dem brunnen gän (911, 3); nach-
dem das erlegte wild fortgeschaft ist, wird der vorsatz ausge-
führt, und nun wiederholt sich jene zeile, aber mit andern Wor-
ten (913, 1): do si wolden dannen zuo der linden breit, von
dieser linde ist vorher nichts gesagt, aber unter ihr lag die
quelle, wo Siegfried trinken wollte, das zeigt 918, 3. 4. auch
kann ich aus einem andern gedieht folgende stelle anführen;
sie kämen zuo einer linden groz^ dar üz ein küeler hrunne vlo:
(Ecken ausf. Lassb. 151. alt. dr. str. 232; ein brunnen mit
einer linde auch im Iwein 569 -80, Lanzel. 3888 f., Wolfr. Wh.
60, 15, Walther 94, 20—26, Otnit 90—97 Mone, Strickers
Daniel 391 — 398, Lieders. 3, 5, 24. 25; vgl. unten s. 311).
nun nennt aber eine Urkunde aus Carl des groszen zeit mehr-
mals einen Lintbrunno (cod. Lauresh. I, p. 16. 17) in der mark
Hephenheim, wo schon der Odenwald (wie sich aus cod. Lau-
resh. nr. 19 ergibt) anfieng, und es wäre möglich, dasz die Ni-
belunge noth diesen im sinne gehabt hätte.
L
48 155
Einen StfriUbrunne^ nicht weit von Freiburg im Breisgau, 164
hat Leichtlen (Forschungen 1, 2, 51) in einer Urkunde von
1330, einen andern bei Villingen in einer Urkunde von 1418
nachgewiesen, beide also von Worms weit genug, aber auch
von einander ziemlich entfernt gelegen, ob hierbei eine bezie-
hiing auf die sage statt findet, bleibt ungewis, da die brunnen
in jener zeit häutig einen besondern namen führten (blosz im
cod. Lauresh. I, p. 16. 49 findet man einen Hildegeres brunno,
ülisbrunno, Geroldesbrunno), also auch nach irgend einem Si-
frit konnten benannt sein^®. indessen ist auch möglich, dasz 155
die erinnerung an die sage, durch die einsame und schauerliche
läge eines waldbrunnen angeregt, ihm einen solchen namen er-
theilte, der etwa so viel als mordbrunnen aussagte.
2) Schon oben ft. 114) ist angeführt, was die Überarbei-
tung von dem sitze der frau Ute zu Lorse und der beisetzung
von Siegfrieds gebeinen neben das kloster weiter berichtet, es
mochte volkssage sein, der held liege dort in einem langen
sarge.
3) Etzel freut sich seines sohnes Ortliebs.
15944. 4eb ich deheine wile
ich gib im drizzech lant^
In der Nibelunge noth (1852, 3) nur zwelf laut, womit
Etzels hofhaltung (1, 7. 2, 1) stimmt; aber mit unserm gedichte
hier kommt der Rosengarten c (12*') überein:
— — — der künec (Etzel) sich des fröuwet,
daz ime diente drtzec lant.
48.
Überarbeitung der Klage. (In der Müllerschen Sammlung
und im Liedersaal 4.) — [vgl. zu Freidank xxxvii f.]
^^ ans gleichem gründe bemerke ich folgendes nur in einer note. nach
einer urkande von 1141 ' (Schannat hist. Worm. 2, 73) befand sich in Worms
eine platea Hauenonis. einen weinbcrg Hagenbrunno nennt der Cod. Lau-
resh. in einer Urkunde von 1 156 (n. 157). auf der mitte des Feldbergs bei Frank-
furt ein Brnne bilde stein in einer Urkunde von 1221 (Gndeni cod. dipl. 1,
479) und in piner früheren von 1043 (Johannis res Mogunt. 2, 514): lapis, qui
vulgo dicitur lectulns Brnnnihilde. in einer Urkunde von 1354 (Kremer
diplom. domus Ardcnnens. p. 484): *hin gein Sarbrucken bifs an deu Stein den
man spricht C riemildespil' (heutzutage Spilstein; vgl. mdm. de l'acad.
celtiq. 5, 34fi). zeugnis über einen Kriemhilten stein bei Kehl in der Or-
tenau vom jähr 1476, jetzt Grimhildensteg, liefert Leichtlen (2, 54). Dra-
chcnfcU, mons Draconis, am Rhein in urkiuidc von 1149. 1162. 1167. 1188
(Günther cod. dipl. Rheno-Mosell. 1). (einen Brunhildenstcin , Rückert Oberon
8. 20; Kriemhiltengraben Weisthümer 1, 48 — 51.) — Sigefrldesmor im
Bremer gebiet, in einer nrkunde von 788 (Adam Brcm, c. 10),
156
48*. 48«
166 1) Indem sie die Verhältnisse von Irnfrit^ Hcmart und
Iring (oben s. 115) erwähnt, ftigt sie eine Zeitbestimmung hinzu:
356. 'den waren chomen iriv dinch.
wol vor zweinzech iaren,
daz si vertriben waren.'
166 Sie unterdrückt den vers, welcher die abkunft Irings aus
Lothringen enthält, und gibt, wahrscheinlich um ihn nach der
angäbe der Nibelunge noth (1965, 1) als marcgräve von Tene-
lant zu erhalten, folgende erläuterung:
377. 'Hawart der helt starche.
was voget in Tenemarche.
do was ein marche in Tenelant, ♦
da von Irinc was grave genant,^
2) Schon oben (s. 106) ist bemerkt, dasz Dieterich einmal
(2631) Dietmarea suon heiszt.
3) Genauere nachricht von dem begräbnis der frau Ute.
die Worte: diu edel Uote wart begraben ze Lorse bi ir aptei
(1990), lauten hier:
4046. 'div edel Vte wart begraben,
ze Lorse in dem mvnater wit,
da div frowe noch hivte lit
div guot vnt div vil reine.
in eime sarch steinet
»48 b.
Die sogenannte repgo wische oder Sachsenchronik herausge-
geben von Maszmann 1857 s. 250 f., von Schöne 1859 s. 20*
(Lüneburger chronik in Eckards corp. bist. 1, 1317):
In deme selven lande (Ungarn) vant de koninc Karl groten
schacz van golde ind van silvere, den de koninc Eczelin (al.
Ezzele) inde sine nakomelinge lange (van manegeme lande,
Eckard) gesament hadden.
Daraus schöpfte der Karlmeinet 315, 54 ff. Haupts zs.
12, 363. — eine zweite beziehung derselben chronik auf die
heldensage ist mit andern ähnlichen ZE. 30, 1. 46 zusammen-
gestellt.
Albert ton Stade, begann seine chronik 1240, darin ein
itinerar von Rom nach Stade, ed, Rejneccius s. 184*, MG.
SS. 16, 339:
i
49. 50 157
Ensprue. Prope locum illum est claustrum, ubi iuxta altare
ad laevam sepultus est Heymo. cujus sepulcrum habet longitu-
dinem xiii pedum, quorum duo porrigunt subtus murum: xi sunt
extra murum.
[Diese schon von Wilhelm Grimm zum Rosengarten s. Lxxiv
angeführte, in den ZE. 30, 10 (Haupts zs. 12, 378 f.) über-
sehene stelle ist das älteste zeugnis für das grab des riesen
Heime im kloster Wilten bei Insbruck, dessen länge nach den
deutschen reimen von 1571 (Mones heldens. s. 291) 'zwölf
werckschuji, vier zoll thut% nach den deutschen sagen nr. 139
(140) 'vierzehen schuh, drei zwergfinger', nach Putschius (Mone
heldens. s. 289):
corpore quod cuhitoa aequat atroce novem.
Die drachenzunge, die man nach den übrigen angeführten
Zeugnissen später im kloster als Siegeszeichen von Heimes
drachenkampf (vgl. s. 178) zeigte, erwähnt Albert von Stade
noch nicht, ebenso wenig das bild des beiden; zu den in den
ZE. und deutschen sagen gegebenen nachweisungen fügt noch
einige v. d. Hagen in der vorrede zum heldenbuch (1855) s. xv.
Uhland in der Germania 6, 344 anm.]
49. iw
Der tugendhafte Schreiber (M.S. 2, 105»).
Noh weiz ich wol wä triuwe lebet
mit wärheit und mit allem ir gesinde,
darnach min gemüete strebet.
da wil ich hin, da ich den hof so wünneklichen finde.
her Gäwein, niht enlät iu dise rede wesen zorn;
der hof, Etzel der JBiunen künec
und iuwer muoter magtuom ist verla^n.
Vielleicht mit beziehung auf die sage von Etzels verschwinden
(oben s. 123).
50.
Reinmar von Zweter.
1) M. S. 2, 130^ (c, 122. D. f. 20»>).
Swind ist ein lop, swer daz nü kan
bi der weite verdienen, derst ein gar nächraetic man.
M. 5«
waz gar uächrsetic st, daz wirt in Sibchen ahtc dicke
8 ehm.
Dö Sibche starp, dö liez er kint,
diu nö lii disen ziten also swinde worden sint,
daz man si liden muoz da man ir wol enbsere, möht
2) M.S. 2, 147' (fehlt in d).
Untriuwe und schände singent da vor ze prlse:
roup, mort, brant, ntdunc in Sibcken wiae.
Vgl. nr, 68 und ältere belege für die sprich wörÜichkeit von
5ibicha untreue ZE. 16. 33. 25.]
51.
Wernher der garteNjGRB. hat den meier Helmbreht gedieh-
et in dem theile von Niederöatreich, der Manhardsberg heiszt,
iwischen 1239—46; handschriftlich zu Wien von den bildera
kuf der haube des jungen bauern :
72. weit ir nü beeren waz hie etfi
von jener nestel her an dise
(ez ist war, daz ich iu lise)
zwischen den ören binden?
von frowen Heichen Jänden,
•wie die vnlen vor Raben
den Itp in stürme nerloren haben,
dö si sluoc her Witege,
der küene und der undtege
und Diethern von Beme^''.
Hier finden wir zum erstenmal Dietker von Berne, Diete-
:ich8 jungen bruder, genannt.
52.
Von einem übelen wIbe. erzählung in demselben Wiener
jodex, welcher den meier Helmbreht enthält (Primisser in Hor-
nayrs taschenbuch für östreichische gescbichte 1822, 8. 373).
ZE. 28.]
Darin vergleicht ein von seinem weihe mishandelter mann
lie schlage, die er erdulden musz, mit den kämpfen des rieseu
" mitgetheilt von Lacbmann,
53. 54. 55 1)3.9
/
Aspriafiy Wittichs und Dieterichs und meint, Walther und Hil- iö7
degund hätten sich besser vertragen.
53. [fällt weg.]
Ulrich von Lichtenstein, dichtete um das jähr 1246 den
Frauendienst (herausgegeben von Tieck).
S. 242 ' — bindet den heim auf, herr Tristan, herr Par-
cival und herr Ruther\ [Lachmann 488, 21: her Ither,]
54.
Otto von Botenlaübe. (mitte [erste hälfte] des 13ten Jahr-
hunderts [gest. 1244].) M. S. 1, 15*.
Karfunkel ist ein« stein genant,
von dem sagt man, wie lichte er schine;
der ist min und ist daz wol bewant:
zoche (1. ze Loche) Itt er in dem Rtne.
der künic also den weisen hat,
daz ime den nieman schinen lät.
mir schinet dirre als ime tuot der,
behalten ist min frowe als er.
Obgleich die Weingartener handschrift ebenfalls zoche liest, so
leidet doch die Verbesserung keinen zweifei; der dichter will
sagen: mein köstlicher schätz ist verloren wie der Nibelunge-
hort, von welchem es in dem Hede heiszt:
1077, 3. er (Hagen) sancte in da ze Loche allen in den Rtn.
Eine ähnliche redensart gebraucht Sebastian Frank (s. unten),
der könig, der den weisen ebenso besitzt, wie der dichter den
karfunkel, ist Wilhelm von Holland [vielmehr Otto IV], der
1247 [1198] gewählt war, aber die reichskleinodien nicht hatte.
55.
Bogüphälüs (starb 1253). Chronicon Poloniae (Sommers-
berg Script, rer. Siles. 2, 37 — 39)*. er erzählt folgende sage,
die er in die zeit des heidenthums setzt.
* Wilh. und Jac. Grimm verweisen beide auch auf Procosii chronicon slavo-
sarmaticum s. 109. 12S f., das aber als eine fälschung anerkannt ist. Watten-
bach geschichtsqu. (1858) s. 448,
158
160 66
168 Walther der starke (robustus), dessen schlosz Tyniez bei
Krakau lag, entführte die tochter eines Fränkischen königs
namens Heldegund, sie war anfangs dem söhne eines Alema-
nischen königs, der an dem hofe ihres vaters lebte, geneigt,
doch Walther gewann durch nächtlichen gesang ihre liebe, der
königssohn über diese hintansetzung aufgebracht, eilt heim,
nimmt alle Rheinzölle in besitz, und befiehlt, dasz niemand mit
einer Jungfrau übergesetzt werde, der nicht eine mark goldes
erlegt habe. Walther auf der flucht mit Heldegund fügt sich
dem gesetz, doch als der fahrmann ihn bis zur ankunfb seines
herrn aufzuhalten sucht, nimmt er die Jungfrau hinter sich aufs
rosz und setzt über, der königssohn ruft ihm jetzt zu, er möge
mit ihm um Heldegund, waffen und rüstung kämpfen. Walther
erwidert, er habe die mark goldes erlegt, und die Jungfrau nicht
geraubt, da sie ihm freiwillig gefolgt sei. doch kommt es zum
kämpf und der Alemanne, der die Heldegund dabei ansehen
und sich durch den anblick ermuthigen kann, bringt den Wal-
I69ther zum weichen, bis auch dieser* zurückschreitend seine ge-
liebte erschaut und mit frischer kraft auf seinen gegner ein-
dringt, er tödtet ihn, nimmt pferd und rüstung und führt Hel-
degund nach der bürg Tyniez heim, hier ist nun eine ganz
andere geschichte angeknüpft; an dem Schlüsse sagt Bogupha-
lus: man zeigt bis auf den heutigen tag noch das grab der
Heldegund in stein gehauen auf dem schlösse zu Wislicz.
Nicht blosz die namen, auch die begebenheiten selbst, las-
sen, aller abänderungen ungeachtet, die schon oben (s. 91. 94)
besprochene sage erkennen.
56.
Der Tanhüser. (M. S. 2, 63^)
Salatin twanc mit siner milten hant ein wunder,
sam tet der künic Ermenrtch daz lant ze Belagunder.
Der name dieses landes kommt sonst in keinem gedichte
vor (ein land Belachun, im Wigalois 9096. 10099), auch lesen
wir nicht, dasz Ermenrich durch ungewöhnliche freigebigkeit,
jener des Saladin, von welcher auch Walther singt (19, 23),
vergleichbar, sich ausgezeichnet habe, indessen musz die sage
verloren gegangen sein, vorhanden war sie wohl, denn ich
glaube darauf ist auch die sonst unverständliche äuszerung des
chron. Quedlinb. über ihn: astutior in dolo, largior in dono
(oben 8. 31) zu beziehen.
57. 58. 59 161
57. IW
KuDOLF VON Ems. Alexander (cod. Monac, Heidelberger
Jahrb. 1826 s. 1209):
f. 185^ nuo scheident aber die liute sich,
ir site sint vil mislich:
einer beeret gerne,
wie Dietertch von Berne
mit craft in frömden landen streit^^.
58.
Der Weinschwelg. (Altd. wälder 3, 16.)
98. — der herzöge Ytam (1. Iran)
der was gar äne wisheit,
daz er einen vment nachreite
er unt atn jeger Nordidn,
si solden den win gejaget hän, 160
so waern si wise als ich bin;
mir ist vil samfter, denne in. *
Erklärt sich aus der Vilkina saga, welche ein eigenes ge-
dieht von dem Jarl Iron enthält, (der name in einer Urkunde
von 848 bei Fumagalli nr. 63: Iron ex genere Alamannorum.)
unter andern wird (c. 235) erzählt, wie er mit seinem besten
Jäger Nordian^ um Vergeltung auszuüben, in dem walde eines
mächtigen königs jagt und einen von diesem gehegten vrisend
tödtet, dies aber Ursache seiner nachherigen gefangenschaft
wird. [ZE. 23, 3 s. 342. 4.]
59.
Enenkel. mitte des 13ten Jahrhunderts.
]) Chronik von Ostreich (Rauch Script, rer. Austr. 1, 355):
Man seit von [dem] herzogen wan (1. Tran)
und von Bern kern Dietertche^
dem vehten was niht geliche,
daz dise zwen küene man
bieten üf dem velae getan.
wir habn dicke vernomen,
wie der prenner (1. Berner) waer komen,
^^ mitgetheilt von hn. dr. Mass mann.
WiLH. GbIHM, DUUT8GHB HBLDBKSAOB. 11
162 — -59
MO da €7' kern Ekken vant^
und wie er in sluoff ze hant
Von dem herzöge /ran, dessen Jäger Nordian hier nur
fehlt, ein abermaliges zeugnis. Enenkel wiederholt dieselben
Worte in einem andern werk.
2) Weltchronik (cod. Monac.):^^
f. 92*^. Man seit von herzogen Iran (Iwan cod. Pürstenb.)
und von kern Dietertche^ (von Pern her F.)
der vehten was dem niht geliche,
daz dise zw^n man (chune man F.)
vor Troje heten getan, (hieten auf dem velde F.)
f. 142*. Nero lagert den empörten Römern gegenüber an
der Tiber:
er bräht si zesamen gar
mit fanen und mit breiter schar^
da si vahten einen strit.
da huob sich Krimhiltz*® (1. Krimhüde) hochztt
si verlurn beidenthalben
161 üf velde und in alben
beidenthalben Ainf hundert man.
3) Östreichische genealogie (b. Rauch 1, 379). ungewis,
ob sie von Enenkel rührt, ['sicher nicht', Jac. Gr.]
'Des künigs sun aus Peheimlant
Otacher ist er genant
der nam kunigin Margret
Die der Romisch künig weilent het
Mit ir petwang er Osterreich
Daz si im warn vndertan alle geleich
Die ersten tochter Margret
Die selb kunigin Kunrat het
Der romischer vogt waz
Dapey si eines suns genas
Den hiezzen die lewte alle geleich
Wolf Dietreich
Der lebt ritterleich
Der edel here tugentleich.'
41
^^ die beiden Zeugnisse ans der Weltchronik verdanke ich hn. dr. Mass-
mann.
*' Cod. Ratisb. Ereimhilcz. drei andere codd. Chreimhilden.
^' Lachmann hält die letzte zeile für versetzt:
da bi si eines suns genas,
der edel herre tugentlich,
den hiezn die liute alle geltch
Wolfdieteriche:
der lebte ritterliche.
60 — 163
Der text scheint verderbt und enthält offenbare unrichtig- i«i
keiten. Margret war nicht mit Konrad, sondern Heinrich, dem
ältesten söhne des kaisers Friedrich II, verheiratet, welcher
1234 starb, sie hatte mit diesem ersten gemahl zwei söhne,
Friedrich und Heinrich, die 1236 auf gewaltsame art umkamen,
obgleich man 1248 ihren tod noch nicht gewis wüste (Pernoldi
ehren., fasti Campililiens. 1, 2, 1316. 1320). warum heiszt hier
nun ein söhn Wolf dieterich und was soll der ausdruck die ersten
tohter?* indessen scheint doch eine anspielung auf die sage
von Otnit und Wolfdieterich vorhanden, oder soll vielleicht
mit dem namen des letztem angedeutet worden, dasz der älteste
söhn heimlich oder vor der feierlichen Verbindung erzeugt war,
wie Wolfdieterich?
60.
Marner, aus der zweiten hälfte des 13ten Jahrhunderts.
(M. S. 2.) [Bartsch meisterlieder aus der Kolmarer hs. s. 426,
94. ZE. 47, 4.]
1) 176. Singe ich den liuten rainiu liet,
so wil der erste daz, 162
wie Dietrich von Berne achiet,
der ander, w& künig Rüther saz,
der dritte wil der Riuzen sturn,
so wil der vierde Eggehartes not,
der fünfte, wen Kriemhilt oetTiet^
dem sehsten tete baz,
war komen et der Wilzen diet,
der sibende wolde eteswaz
Heimen ald heren Witchen sturn,
Sigfrides ald heren. Eggen tot,
so wil der ahtode Ak bi niht wan hübschen minnesang,
dem niunden ist diu wile bi den allen lang,
der zehende enweiz wie,
nu sust, nu sd, nu dan, nu dar;
nu hin, nu her, nu dort, nu hie.
da bi hete manger gerne der ' Ymlunge hort\
2) 169, Wie höfsche liute habe der Rin,
daz ist mir wol mit schaden kunt.
in dienet ouch des Rines grünt.
* (
die älteste tochter Leopolds VII.' Lachmann.
11
164 , 60 — -
162 ich wil üf sie gar verkiesen.
der 'Ymelunge hört' lit in dem Burlenbe9*ffe in bi.
Unerklärt musz ich lassen den, auch freilich allgemeinen,
ausdruck: der Riuzen atut^m, auf den treuen Eckhard, dessen
pflegekinder, die Harlunge, verfolgt werden, bezieht sich Ech-
hardes not. merkenswerth, dasz der Krieinhild verrath getrennt
ist von Siegfrieds tod^ der dichter also, wie es scheint, zwei
abgesonderte gedichte annahm, die übrigen anspielungen sind
deutlich. — die hindeutung auf eine sage von der ankunft der
Wüzen [vielmehr von ihrem verschwinden, Haupts zs. 12, 343]
gehört wohl nicht in diesen kreisz; ich benutze aber die gele-
genheit, eine stelle aus Saxo grammaticus (6, p. 105, 40) an-
zuführen: Starcatherus — Poloniae partes aggressus athletam,
quem nostri Wasce, Teutones vero diverso litterarum schemate
Wüze [Wüzce, Müller p. 281. ZE. 33, 3] nominant, duelli cer-
tamine superavit. Starkodder war auch in Sachsen berühmt
(p. 103, 2 [Müller p. 274. ZE. a. a. o.]). fiir Wasce steht
p. 152, 40 [Müller p. 404] Wazam. — Imelunge für Nibelunge
hört könnte eine absichtliche oder volksmäszige entstellung sein
und ähnlicher weise ist wohl Burlenberc ein erfundener, nicht
ernstlich gemeinter name. * — die ganze stelle werden wir
unten (s. 171) im Renner benutzt finden.
"* dasz Ymelunge ans Nibelunge (wie Imelot aus Nibelöt, myth. 358.
933) eDtstellt ist, ist für den ersten spruch jetzt durch die Kolmarer handscfarift
(s. Bartsch a. a. o.) erwiesen und darf für den zweiten gleichfalls angenommen
werden, auch darum ist mit Wackernagel in Haupts zs. 6, 157 nicht an Ame-
lunge zu denken, weil niemals weder Ermenrichs schätz noch der Harlunge gold
schlechthin der Amelunge hört geheiszen haben kann, und da den Harlungen in
Breisach der schätz von Eimenrich geraubt wurde, kann auch die sage im 13ten
Jahrhundert nicht angenommen haben, dasz er in einem berge des Breisgaus ver-
senkt liege, auszerdem ist es sprachlich ganz unmöglich, dasz der berg, der
heute dort Bürglenberg heiszt (im ahd. nach myth. 933 Burgilünberg), mhd.
Burlenberc genannt wurde, wie Jac. Grimm^ und Wackemagel meinen, der Mar-
ner sagt von den Bheinländern ^stat üf, stat abe in wehset win, in dienet ouch
des Rines grünt' und spielt damit offenbar auf die rheinischen goldwäschereien
an; was hätte aber damit der vom flusse abliegende Bürglenberg zu thun? der
Marner kann nur einen berg in unmittelbarer nähe des flusses gemeint haben,
in der Pariser handschrift, die allein den Spruch überliefert, steht Ivrlenb'ge
(v. d. Hagen anm. zu den Nib. s. 317, M. S. 4, 529 anm. 3), und Simrock
(Rheinland 1865 s. 51. 274) hätte sich nicht durch die eine der beiden durch-
zeichnungen, die er sich neulich davon aus Paris verschafft hat und die mir
beide vorgelegen haben, irre machen lassen sollen, da sich nur daraus ergibt,
dasz das 1 mit dem v verbunden leicht als b verlesen werden kann, ohnehin
ist das Zeugnis unbefangner ungelehrten mehr werth als das verkehrter gelehr-
ten. Mone im anzeiger 5 (1836), 142 wies in Speier im 14ten Jahrhundert eine
domus dicta Lurlenberg und 1339 einen Gotzo dictus Lorlenberg nach, der
name war also mittelrheinisch und so wird Matthias Merian wohl recht behalten,
wenn er in der Topographia Palatinatus Rheni (1645) s. 11. 62 den Lurlen-
berg des Marners für die Lurlei hielt, auf keinen fall ist dabei an den Bürg-
lenberg zu denken.
61. 62. 63 165
61. 1«
Ulrich vom Törlein. Wilhelm von Oranse (gedichtet 1252
78), ältere und echtere recension im cod. Pal. 395. (Casp. 50**.)
alhie wil minn zwei herze laden
ze Kriemhüde kockffeztt*'^
vil herzen da von tot geltU
62.
Spervogel (M.S. 2, 227). (gehört ins 12te Jahrhundert).
D6 der guote Wernhart
an dise werlt gebom wart,
do begunde er teilen al sin guot,
do gewan er Rüedegeres muot
der saz ze Bechelcere
und pflog der marke mangen tag;
der wart von dner frümekeit so mcere.
63.
Simon Eeza. schrieb in der zweiten hälfle des 13ten Jahr-
hunderts die chronica Hungarorum, wiederum, wie es ausdrück-
lich heiszt: ex antiquü libris de gestis Hungarorum, geschöpft,
die handschriften sind abweichend und fast jede hat eigenthüm-
lichkeiten und zusätze, deren werth sich erst beurtheilen lässt,
wenn aus einer vergleichung der reine text wird festgestellt
sein (vgl. Engel einleitung zur geschichte von Ungarn s. 36.
Wiener Jahrbücher der litteratur bd. 23. anzeigeblatt nr. 33).
ich benutze hier den codex, welchen Thwrocz in seine chronik
aufnahm, und führe Varianten an: aus dem cod. Vind. (in der
ausgäbe des Thwrocz bei Schwandtner), aus jenen, wovon das
chronicon Budense (Ofen 1473) und Horanyi (Wien 1781) einen
abdruck liefern, endlich aus der handschrift, die sich zu Dub-
*^ 'Tersohieden davon der sprichwörtliche ansdmck Nibel. 2173, 4 ich wene
der künic selbe ist zuo der höhgezite komen d. h. ist an den tanz gekommen.
80 2056, 2 ez ist ein übel höchzit, die uns diu küneginne tuot und 2059, 4
uns h&t min swester Kriemhilt ein arge höhgezit gegeben, wenigstens mit an-
spielung auf das Sprichwort, desgleichen 1032, 1. 1938, 1. ach we der höh-
zite! welch ein schlimmer tanzi Müller 3, XXIJc ich hän ein marterlichez
leben und jsemerliche hdchgezit gehabt von mincr muoter sit. Freidank 2569:
diu müs hat boese höhgezit die wile sie in der vallen lit.' Lachmann [zu Nib.
2173, 4]. (Strickers Carl 81 b: ow6 der hdchgezfte, ruft Roland dem sterben-
den Olivier ni.)
166 . — 68
IM nitz in Ungarn befindet und in den Wiener Jahrbüchern (1826
b. 33) von Endlicher ist bekannt gemacht worden, [die kür-
zere filtere ßtaeung bei Endlicher monum. Arpadian. s. 90 ff.]
1) 1, 10. im jähr 373 zogen die Hunnen aus Scythien in
östliche gegenden. unter ihren anftlhrem war Attüa {Ethele
Vind. und Dubn.) Kewe und Buda^ brüder und söhne des Ben-
deguck (Bendekus V. Benguz Hör.). — c. 13. Attila, qui Hun-
garico idiomate Ethele dictus est^^.
2) 1, 11. Eadem tempestate Detricus de Verona y natione
Alemanus, Romanorum principum de voluntate, omni Germaniae
praeaidebat
3) 1, 11. 12. Dieterich wird von den Römern zum kämpfe
gegen die Hunnen aufgerufen, quamobrem Detricue^ congre-
gato ingenti Germanico Italicoque ac aliarum permixtarum gen-
tium eaercitu descendit in Pannoniam. dreimal wird gefochten,
in der dritten Schlacht siegen die Hunnen, der römische feld-
herr bleibt und Dietericb wird mit einem pfeil an der stime
verwundet, cujus tandem sagittae truncum ipse Detricus ur-
bem ad Romanam dignitatis imperatoriae in curiam pro docn-
mento certaniinis per ipsum cum Hunis commissi in fronte de-
tulisse et propter hoc immortalitatis nomen usurpasse narratur,
Hungarorumque in idiomate halhatalan (1. halhataüan d. h. der
unsterbliche, vgl. s. 304) Detreh dici meruit, praesentem usque^
in diem. hunc Detricum galeam quandam habuisse, et {Uam
qt^anto magis deferebat, tanto majori claritate refuhiaae fabulantur.
Die sage von dem pfeil kennen wir nicht, aber Dieterichs
heim ist der schon aus dem Biterolf (oben s. 142) bekannte
Hildegrtn^ den er nach der Vilkina saga (c. 16) fand, als er
den riesen Grim und dessen weib Hilde getödtet hatte; in den
deutschen gedieh ten (Siegenot c. Dresd. 26. 64. Alph. 42. 194.
431) ist öfter von ihm und seinem weithin schimmernden glänze
die rede; nach Ecken ausfahrt, wo er mehrmals erwähnt wird
(57. 91. 269 alter druck), war ein in der nacht leuchtender
karfunkel die Ursache davon (183. 184 cod. Dresd.), und Die-
terich sagt (str. 69 c. Dresd. alter dr. 59) dasselbe von ihm,
was hier Keza erzählt:
wie gar bistu geschoenet!
saelic' des hant doch müeze sin,
166 diu dich so hat gekroBuet!
des wünschet im diu zunge min.
ie elter du wilt werden
ie Uehter du wilt geben schin,
4) 1, 15. Rex Attila — cunctis sui dominii principibus
salennem curiam ^se celebraturum promulgare praecepit. edicto
** Bognphalns (starb 1353) sagt (chron. Folon. Sommersberg soripl rer.
Silesiac, 2, 18): rex Thila, qui in scriptaris Attila nominatar.
63 - 167
igitur regio magnas drcumstantium regionum per partes divul^ 105
gato, et ipsa curia advenarum nobilium adventu tumeseente, tan"
dem Dßtriem de Verona^ qui prius hostis erat, regia benevolen-
tia pariter et liberalitate auditis, cum multia Germaniae princv-
pibus tanti regia venu in curiam et non minus caeteris ae Uli ea*-
hihidt gratum et familiärem, rex vero Attüa multa liberalitate
iUi caeteriaque principibua cum illo easiatentibus reapondit
Didtericbs aufenthalt bei Etzel und genaue Verbindung mit
ihm, der deutschen sage gemäsz, nur hier ohne flucht aus dem
väterlichen reiche.
5) Nadi Attilas tod, der, wie zum theil die vorangehen-
den ereignisse, nach Jemandes (oben s. 9), wenn auch mit ab-
weichungen, erzählt wird, herscht bestürzung und ungewisheit
über die nachfolge. 1, 23. Erant tunc Sicambriae (zu Etzel-
burg) principes Germaniae multi regi Attilae ob metum illius,
coacta Servitute allegati, inter quos Detricua de Verona excellen-
tiam habebat non ultimam. et cum inter filios Attilae duo es-
sent in locum patris, tum animi virtute tum vero aetatis matu-
ritate, succedere caeteris praestantiores , alter Chaba denomina-
tus, ex Honorii Graecorum imperatoris filia progenitus, alter
verö Aladarius, de illustri prosapia Ge7'maniae ducum orta, Do-
mina Kremheyich (Grumheldina V. Crimiheldina ß. ex Crimildi
Germaniae principissa H. ex Germaniae principissa domina
Crimicheldina D.) vodtata^ susceptus: hos, tum Huni tum na-
tiones extraneae, unusquisque suum juxta libitum sequebantur
quilibet illorum suam partem praeponere satagens.
Auf diese weise ist Kriemhild aus deutschem füratenatamme
in die ungarische sage verflochten; von ihr und ihrer Verbin-
dung mit Ethele ist vorher nicht die rede, sie wird an dieser
stelle zuerst genannt.
6) Die Deutschen hängen dem söhne der Kriemhild an
und es gelingt ihnen Zwiespalt zu erregen, nam utrisque filiis
regis in discordia regnantibus, Detrico suggerente, ambos inter 166
fratres ingens exorta est dissensio. quapropter horrendum in-
stauratur praelium, magna tantarum agmina gentium, Sicambriae
civitatis stricta inter moenia nee non adjacenti illi in agro prae-
liantur. ingens caedes committitur. Huni quoque, qui extranea-
rum nationum de ruina gaudebant, ad instar armatorum, qui
olim draconis ex dentibus per Jasonem, dum aurei velleris pro
obtentu laborasset^ seminatis exorti, fraterna caede consumti
fuisse dicuntur, peremta prius omni Germanica ceteraque ex-
tranea natione, mutuo se hello delevere. scribitur enim in anti-
quia Hungarorum chronicis, quod hoc fraternum certamen, haec
intestina tanti populi clades, vix dies per quindecim consum-
mata fuisset tantusque ibidem maxime extranearum nationum
sanguis effusus extitisset, quod si id Theutuni Hungarorum ob
odium non celarent, dicere possent, ut Danubius secus Sioftm-
1
168 64. 65
166 briam defluens ex Germanica caeterarumque nationum caede in
ipsnm decurrenti sanguine in tantum permixtus fuisset, quod
neque homines neque animalia, a Sicambria deinceps usque ad
Potentianam, aquam illius puram sine sanguine polare valuis-
sent: in hoc etiam praelio semper Chabae partem superiorem
fuisse tradunt; tandem ad ultimum Chaba cum suis per artem
Detrici demctus fuisse dicitur. H. hat noch den merkwürdigen
Zusatz: istud enim est praelium, quod Huni praeliwm CrumheU
usque adhuc nominantes vocaverunt**.
Man sieht deutlich, wie sich die sage von dem kämpfe der
Nibelunge noth in die erzählung von dieser brüderschlacht ein-
mischt; auch dort trägt Dieterich zuletzt den sieg über die
noch unbezwungenen beiden davon, und das praelium CrumheÜ
drückt aus, was Ulrich von Türlein Kriemhüde hdhgezit^ andere
Zeugnisse Kriemhüde not nennen.
64.
Fabel vom wolf und der geisz (cod. Vindob. 428), bl. 170*.
[Keinhart F. 302. 303.]
Die geisz will nicht vom bäum herab, der wolf spricht:
25. ir sult her abe vallen,
dem guoten Sant Gallen
167 bevalh ich hiute minen munt,
daz er mich beriete hie ze stunt.
dö sprach diu geiz durch ir zuhte:
30. ich leit mich 6 in die suhte
sicherlichen daz ist war,
S ich iu arges umbe ein här
immer iht gespraeche.
ir redet als der da gerne rceche
35. diu Heichen chint^ wesser wd.
waz hilfet daz ir stt so gra!
ir taetet billich baz dan ein ander man.
65.
Conrad von Würzbitrg (M. S. 2, 207»).
alsus kan ich Itren
sprach einer, der von Eggen sang,
** in der deatschen Übersetzung von Keza aus dem 14ten Jahrhundert (hand-
schriftlich zu Breslau, Büsching nachr. 3, 169) findet sich diese stelle auch:
*fraw crymhelten streit*, auszerdem wird Kriemhild *des herczogen tachtir von
burgundia' genannt, vgl. unten Nie. Olahns, s. 304. [Kowachich s. 16. J«c
Grimm.]
66. 67. 68. 69 169
66. *"
Feldbauer (cod. Pal. 341):
340. äne mezzer und äne schser
schar er mir vil schöne:
daz im vro Kriemhüt lone!
67.
Alexander der grosze, altholländisches gedieht. (Docen misc.
2, 136). (von Jacob van Maerlant vor 1270, Hoffmann Horae
Belgicae 1, 29.. 48.)
Alexanders thaten waren so grosz:
^Etteh orloge van den Hünen
enmochte hier iegen neit gestanen.'
[Andere beziehungen auf die heldensage bei Maerlant ZE. 27, 5.] '
68.
Räthsellied (fragmente bei Müller 3, XV*>). [Denkmäler
48, 10, 6. 8. 431.]
unnützen Sübichen ist manig ffuot geselle entwichen.
Deutet zugleich auf Dieterichs flucht vor Ermenrich.
69.
Zornbraten (Liedersaal 2, 5.03 — 531; cod. Regiom. f. 1,
gesammtabenteuer 1, 487).
Die tochter spricht zum vater:
172. des wil ich iu die warheit sagen,
daz min herz ist gemuot also,
daz ir sin nimmer werdent frö,
und iu volg als umb ein här;
daz sült ir wizzen wol vür w&r. 168
Er sprach: du übliu Chriemhüt^
sit du mir nit volgen wilt,
komstu an diner muoter stat,
din rücke wirt dir siege sat.
[Vgl. ZE. 26, 6. 45.]
^' ia sprach er du crimilt. R.
46
166
170 70, 71
70.
LüGENMÄRCH£N (herausgegeben von W. Wackernagel 1828).
1) 113. Si gewunnen ze kinde
ein lieplich gesinde:
si betten mit anander
den wunderlicben Alexander
und den keüer Ermenrtch
und daz getwerc Eiberich,
Ermenricb beiszt hier kaüer, wie im Alphart, die Vilkina
saga nennt ihn einmal oherkönig zu Rom (jrfirkdngur i Roma-
borg c. 250); ich habe deshalb (oben s. 2) kaiser übersetzt,
merke aber hier an, dasz es besser gewesen wäre, jenen aus-
druck beizubehalten, da bald hernach der griechische kaiser
erwähnt wird.
2) 202. her Dieterich von Berne schöz
durch einen alten niuwen wagen,
her Hütebrande durch den kragen
her Ecken durch den schüzzelkreben.
Kriemhüt vlös do ir leben;
daz bluot gegen Meinze ran.
her Va8olt küm entran;
des libes er sich verwac.
71.
Der Wiener meerfahrt (cod. Pal. 341. f. 94*^. Kolocz.
71. 72),
614. Do sie da gelägen
und der ruowe phlägen
wol biz an den dritten tac,
daz der sturmwint gelac
und des süezen wines kraft,
169 620. da mite sie wären behaft,
dö stuonden sie mit sorgen ^
üf gegen dem morgen,
alrest wart in dö bekant
daz sie wären gepbant
^25. von trunkenheit der sinne;
Sant Gerdrüden minne
wart in sider harte süre.
der burger ir nächgebüre
der was der reise niht ze yrd.
72. 72»». 72^ 73 171
630. der beklaget sie alle do. 160
dö huob sich Krimhilden not^
sie wurden schemeltchen rot,
dö sie die wärheit ges&n,
daz sie beten getan
635. den scbaden an dem guoten man;
d& gewannen sie nibt an.
72.
Fragmentum HiSTORiCüM (vor M. Alberti Argentinensis cbro-
nicon), gebt bi& 1268.
Bei dem jabr 964: iste ent Tbeodoricus, de quo Teutonica
eatant carmina^ filius Dietmari*''.
*72b.
Im jabr 1283 bezeugt ein Thidericus Bemeri eine Urkunde
in Hildesbeim, zeitscbrift des bistoriscben Vereins für Nieder-
sacbsen 1861 (1862) s. 128 f.
Andre Dietricbe von Berne oder Berner sind aus verscbie-
denen gegenden Deutscblands vom zwölften bis zum vierzebn-
ten (und siebzebnten) jabrhundert nacbgewiesen in den ZE.
20. 38.
Beziebungen auf die beldensage aus norddeutschen und
niederländiscben quellen wurden Z£. 27. 48. zusammengestellt.
♦72«.
Albertus Argentinensis. bei Urstisius 2, 106.
De animoso et probo coniite Alberto de Haigerlocb et Ho-
henberg (-j- 1298), qui dicebatur esse unus de XII pugüihus.
Dies beziebt Ubland (Germania 1, 312 vgl. 6, 308 anm.)
auf den Rosengarten, vgl. unten zu s. 249. aucb ein meister-
gesang des 15ten jabrbunderts (HMS. 4, 887 f. Germania 5,
217 f.) lässt den Rosengarten der kunst von zwölf meistern be-
hütet sein.
73.
OttokaIi von Horneck schrieb um das jabr 1295 (Petz
Script, rer. Austr. 3).
48
mitgetheUt von LacbmAnD.
172 74
169 1) 8. 82*. — herre, ir sült sparn
vür baz iuwer ezzen:
disiu vriuntschafl ist gemezzen
ah Chriemhilden hochztt,
%
r
2) 8. 96. Die herren von Steier werden der verrätherei
gegen Ottokar von Böhmen von Friedrich Pettauer in gegen-
wart de8 königs selbst beschuldigt, alle erklären es fbr lüge
und 'Lichtenstein sagt unter andern:
96^. herre, ir sült iuz niht enblanden,
daz irz iemer habt angehört,
daz ein man solhiu wort
gegen uns allen reden sol.
er vermöht sin also wol,
170 daz er uns ^ig al gelich,
wir bieten dem kunig Emrtch
uf den Berner geladen.
Es könnte uns ebenso wohl anklagen, wir hätten, treulos
wie Sibich, Ermenrich und Dieterich gegeneinander aufgebracht.
3) 8. 153*». 154» (c. 161). doch wizzet sicherliche,
daz von Bern her Dietertche
sollich eilen nie wart schin
gegen Stfrit dem hürntn*
in dem rosengarten.
4) 8. 269^ (c. 311). mich dunkt in minem sinne,
daz in die drt küniginne,
die den grozen recken
Vasoldes bruoder Ecken
nach dem Berner sanden,
liezen(z) [in] niht enblanden,
daz sie uf stn wdfenkleit
hceten solhen ßtz geleit,
als dise pfaffen zwen.
5) 8. 493 (c. 510). waer er gewesen iur gelich,
von Bern her Dietrich
an sterk und manheit,
er müest haben verzeit.
74.
LiVLÄNDISCHE CHRONIK.
8. 14P. wen die Semegallen dar
quämen kein der briieder schar,
* gleichzeitig mit Ottokar in Steier personenname ZE. 26, 9.
— 75. 76 173
sie liefen so ein ander an, 170
hetez er Ecke hie vor getan
und von Berne er Dietertchy
sie waern von rehte lobes rieh.
75.
Meister Alexander (hinter dem Tristan bei Müller 144*).
unde täten alle dem gelich,
als ez waere kuninc Ermenrtch
unde ich der zornic Eckehart, [HMS. 3, 30.]
Nämlich der über den mord der Harlunge zornige Eckehard.
76.
Hugo von Trimberg. dichtete am ende des 13ten Jahrhun-
derts den Renner, (ich bediene mich der FrankAirter hand-
schrift und benutze, was Docen misc. 2, 293. 294 aus der
Panzer, mittheilt.)
1) bl. 20^ (1253 Bamb.). Irich, Iwan (1. Erec, Iwein) unde
Tristrant,
künic Rücker und Parziväl.
2) bl. 157. (10307.) Der von hern Dietrich von Berne
gesagen kan und von hern Ecken
unde von den alten sturmrecken^
vür den gildet man den win.
3) bl. 238. (16154.) — sprichet jener: ich hoere gerne
von her Dietrich von Berne
vnd ouch von den alten recken,
der ander wil von hern Ecken^
der dritte wil der Riuzen aturmy
der vierde wil Stfridea wurm^
171
der niunde Kriemilde (Krimhilden P)mor^,
der zehende der Nebulunge (Nibelungen V)hort,
dem einleften gent tn miniu wort,
als der mit blte in mermel bort.
der zweifle wil Rückern besunder.
Hugo hatte ohne zweifei die oben (s. 162) angefi&hrte stelle
Marners im sinn.
174 77
m 4) bl. 316. (21539.) Wie her Dietrich faht mü kern Ecken
• und wie hie vor die alten recken
durch frouwen sint verhouwen,
daz hceret man noch manige frouwen
m^ klagen und weinen ze maniger stunden,
wan unsers herren heiligen wunden.
77.
Wartburger krieg.
1) M. S. 2, 4*. (Biterolf :) ez waere dem Berner gnuoc ge-
wesen,
dö in herre Egge vant.
2) M. S. 2, 15. (Klingsor): Palackers hin gegen Endid zwelf
tüsent raste stat,
nie vogel truogen veder dar zuo also verrem zil,
172 da von er die grifen h&t;
ez ist ein wunderliche sache, als ich inch bescheideu
kan (1. wil).
Palakers houbtet hin gegen Endtän,
der hat getwerc,
gar sunder wan
von golde wirkent si diu spashen werc.
SinneU heizet ein getwerg,
Palackers ist sin eigen und lit bi dem lebermer;
künig ist ez über den selben berg.
getwerge ein michel her
pfliget er, so hat der bruoder sin
gebirge in Tiutschen landen und in der Walhen laut
der seihe künic der heizet Laurin.
im ist vil tugende bekant.
Sinneis het in dem lande kleiner fröiden zer,
die würme giengen im an den berg, des gewan er sor-
gen pin.
kokodrillen nämen im sin her;
des sant er boten manigen zuo dem kÜnig Laurin.
des getwerc im da zwei grifen eier gewan,
diu ein struz besaz. —
Die zwergsage, von der wir hier etwas erfahren, ist zwar
nicht weiter bekannt, wohl aber der zwergkönig Laurin aus
dem kleinen Rosengarten, den wir nur noch nicht im streite
mit Dieterich von Bern finden, unter dem gebirge, das zu-
gleich in Deutschland und Wälschland liegt, ist ohne zweifei
Tirol gemeint, welches auch mit dem gedichte von LauriB
78. 79 175
\
stimmt, jene sage aber kannte wol schon Wolfram, denn eriTa
gedenkt (Wilh. 2, 64**) der insel in dem lebermeer, die 'Pcdaker'
genannt wird. [vorr. zum DHB. 1, Lvi ff.]
78.
LOHENGRIN (Cod. Pal.).
1) (Görres s. 15.) Jorant sich düht ein Dieterich von
Berne.
2) (s. 105.) die waren also muotes rieh,
daz iegelichen dühte, [er] Wasr her Dietrich
von Bern im komen, im wurde sin verch entrennet.
79. . "8
TiTüREL (text nach Lachmann. [vgl. zu den Nibelungen
s. 339 f.]).
1) 13, 81. [1710, 4.] Grosz ist der kampfplatz:
so daz die Amelunge
al mit den Kinnen kaemen da ze strite. ^'
2) 24, 255. [3312.] So singent uns die blinden^
daz &ifrit hürnin waere
durch daz er überwinden
kund ouch einen tracken freisebsere;
von des bluote würd sin vel verwandelt
in hörne starc für wäpen.
die habent sich an wärheit missehandelt.
Der Verfasser des Titurels glaubt nicht, dasz drachenblut
die verwandelung der haut in hörn bewirken könne und straft
die Sänger der Siegfriedssage, die das behaupten, lügen. den
glauben an eine homhaut selbst will er damit keineswegs
tadeln, er hegt nur eine ganz andere ansieht von ihrer ent-
atehung, bei deren entwickelung eben diese Strophe vorkommt,
und von welcher noch unten die rede sein wird, unter den
^^ nach dem druck, die andere recension bat:
s6 daz die Amelnnge
und die Hiunen qusemen da zno strite.
/
das kasariscfae fragment:
vn honne hette do geraum czu strite.
176 80
178 Minden sind straszensänger gemeint. Herman von Fritschelar
sagt in dem Leben der Heiligen (cod. Pal. 113. 114), gedichtet
in den jähren 1343 — 49, bei S. Nicolaus (bl. 17): 'von sinen
zeichen wil ich nicht me sagen wan iz sin di wende vol gemalt
vnd die blinden singens vf der atrazzen.^^
3) 24, 299. [3355.] unt daz Demetrius noch lac gevan-
der gein .ch^fe. S.
noch strenger was dann Witege mit dem »langen/^
Er trug nämlich nach der Yilkina saga eine goldene, gift-
speiende schlänge auf dem heim (oben s. 148).
m 80.
Reinfried von braunschweig (cod. Hannov.).
f. 194*- Witolt und rise Asprtdn^
ris Orte unde Velle^
Grimme sin geselle,
Cüpriän und Ülsenbrantj
der gröze stet und bürge slant,
waren nit so griuwelich
sam dise. in mohte (1. mohten) sicherlich
niht geliehen sunder vär
die risen, mit den Goldmdr^
daz rieh keiserlich getwerg,
den walt vervalte und den berg
hie vor den Wülßngen,
(ja) möhte mit keinen dingen
sich disen hie geliehen,
swaz man hie vor den riehen
hoch erbornen Ruother
sach risen flieren über mer;
daz was ein ungelichez mez.
1) Witoldj Asprian und Grimme sind riesen, die der auch
hier genannte könig Ruther über das meer mit nach Constan-
tinopel ftlhrt.
^' ich verdanke diese stelle Lachmann, der sie von herm W. Wacker-
nag el erhalten hat.
*' so liest die Wiener handschrift. die Dietrichst 'mit der slangen', di«
Heidelb. 383 Wt den slangen', lässt sich vertheidigen, da nach einer stelle der
Vilkina saga c. 156 auch auf sattel und wappenrock Wittichs schlangen gemalt
waren, der druck liest: mit der Stangen, gewis falsch.
— at — m
2) VeÜ0 ist der Jäger, der sammt seinem weibe lliu^e die IT4
jungen drachen in Otnits land bringt und hernach getödtet
wird (Otnit 540, 4. Wolfd. c Fr. 94—96*). den rieseu Ort^
kann ich nicht nachweisen.
3) Cüprtan scheint kein anderer als riese Kuperan im liede
von Siegfried, ich will hier anmerken, dasz auch Ulrich ^QH
Türheim im Wilhelm (cod. Cassell. 290\ Pal 212») eiaen
riesen CWpjpirow nennt.
4) Kiese Ülsenbrant erscheint in Dieterichs drachQnkäm-
pfen (bl. 232*) mit Reinold streitend.
5) Der zwerg Goldemar gehört in ein verlorenes gedieht
(bruchstücke in Haupts zs. 6, 520 ff.), über dessen inhalt eine
stelle im anhange des heldenbuchs auskunft gibt: ^Des bemers
erst weib hyesz hertlin^ was eins frumen künigs von B&rtigal
tochter. der ward von den beiden erschlagen, do kam künig
Goldemar. und stal jm die tochter. do starb die alte künigin
vor leide, do nam sy der bemer dem Goldemar wider mit gros-
zer arbeit, dannoch belyb sy vor Goldemar maget. do sy nun
gestarbe. do nam er Herrot künig Etzel schwestertochter.* — 176
Über den hausgeist Goldemar s. Elfenmärchen lxxxiii.
LXIIV. XCVIII.
81.
ViLKiNA SAGA., [Haupts zs. 12, 340.] zu dem peringskjöl-
dischen text liefert die sagenbibliothek ergänzungen aus zwei
handschriflen (nr. 177. 178) der Arnamagnäan. Sammlung, die
man noch vollständiger durch die Übersetzung von Rafn, wobei
nr. 178 zu gründe liegt, kennen lernt, von einer altschwedi-
schen Vilkina saga sind zwei handschriften aus dem scblusz
des 14ten und löten Jahrhunderts aufgefunden, wovon die
Idunna (bd. 10. s. 243—287. Stockh. 1824. vgl. E. G. Geijer
Svea rikes häfder 1, 118. 119) beschreibung und auszug ent-
hält, sie weicht nicht blosz öfter in der folge der einzelnen
theile ab, sondern unterscheidet sich auch durch eigenthüpiliche
stellen, (eine davon schlieszt sich näher an unsere Nibelunge
noth, siehe oben s. 76, eine andere an den Rosengarten D,
s. unten.) erst genauere bekanntschaft wird es möglich machen,
über das Verhältnis zu dem nordischen text zu urtheilen.'® —
•• Velle heiszt der riese nur im jungem text des Wolfdieterichs D, im
altern B Helle (s. 223). jener war also um 1300, zur zeit der abfassnng de»
Reinfried schon vorhanden,
^^ ich habe mich oben des ausdrucke Übersetzung zu voreilig b^dientr
[vgl. ZE. 31, wo s. 381. 384 zu berichtigen ist, da Hylt^n-Cavallius s. XL sagt,
dasz die namen beweisen att den svenske sagobearbetaren medelbarli^fen
WiLH. Grimm, dbutschb hbldsmbaob. 12
178 81
176 P. E. Müller setzt die entstehung der Vilkina saga in das ende
des 14ten Jahrhunderts (sagenbibl. 2, 311. 312); ich bin ge-
neigt sie wenigstens für hundert jähre älter zu halten und zwar
hauptsächlich wegen des grades von reinheit, welchen im ganzen
der inhalt der gedichte zeigt; es findet sich darin noch nichts
von Laurin, Siegenot, den Drachenkämpfen und andern erwei-
terungen der sagen, die am ende des 14ten Jahrhunderts doch
gewis schon allgemein verbreitet waren. (vgl. zur gesch. der
Nibelunge not s. 10 anm.)
1) Eine doppelte quelle gibt dieses werk an: alte deutsche
gedichte und erzählungen deutsche?' männer^ namentlich aus
Bremen und Münster, daraus ist das ganze zusammengesetzt.
a) pessi saga er ein af hinum stoerstum sögum^ er giördar
hafa verid i pyskri tungu (vorr. P.).
b) pessi saga er samansett eptir sögu pydskra manna, enn
sumt af peirra qucedum, er skemta skal rikum mönnum ok for-
nost vorn pegar eptir tidindum, sem seigir i pessari sögu. ok
p6 at pü takir ein man ür hverri borg um allt Saaaland, pd
176 munu piersa sögu allir ä eina leid seigia, enn pvi vallda peirra
hinni (?1. hin) fornu qvcedi. enn peirra qvaedskapur er settir
eptir pvi, sem ver megum vidkennast, at qvaedahättur er i von
tungu, at sumum ordum verdur ofqvedit sakir skaldskapar hät-
tar, ok er sä mestur kalladur, er pä er frä seigir ä honum ok
aßttum (vorr. cod. Ar. 176. sagenbibl. 2, 297. 298).
Es scheint der nordische Verfasser habe auf mehreren bür-
gen in Niedersachsen wiederholentlich und übereinstimmend
diese lieder gehört.
c) Villigoltur pat er ä pydesku Villdifer (Wildeber c. 162).
d) pat er nü aftekid i sögum p'ßdeskra manna^ at eiginn
skal bera ä holm silfurlagdan skiöUd eda buklara (c. 165).
e) Iron jarl ridur nü üt af Brandinaborg med sina hunda,
oc pat er maelt i sögum, at eigi mun getit vera betri veidi
hunda enn hann ätti, tolf vorn enir bestu hundar, peir er allir
ero nefndir i pydskum qvcedum (c. 231).
f) — ok svä er sagt i fornom sögom (c. 298).
g) svä seigir i qvcedum pydverskum^ at hennar her vasri
likur fiöndum sialfom (c. 328).
h) — ok svä er sagt i pydeskum qvcedum (c. 363).
i) svä seigia pydeskir menn, at eingin orrusta hefur verit
fraßgri i fornsögum helldur enn pessi (c. 367).
k) her mä nü heyra frdsögn pydeskra manna hversu farit
eller omedelbarligen kännt sina hjeltar äfven ifran nedertyska sägner,
visor eller dikter; ferner att den svenske sagoskrifvaren äfven kännt och be-
gagnat de gängse folkvisorna om Didrik af Bern och hans kampar, sadana
dessa visor pä 1400-talet och ännn längst sednare Ijüdo i Sverige och
Danmark.
81 179
hafa pessi tidendi peirra nockorra er faeddir hafa verit i Susat, i76
par er pessir atburdir bafa ordit, oc margan dag hafa sed sta-
dina enn obrugdna, pä somu er tidindin urdu, hvar Högni fiell
eda Irüngur var veginn eda ormaturnin, er sem Gunnar kon-
gur föck bana, oc gardin er enn er kalladur Niflünga gardur,
oc stendur nü allt ä sömu leid, sem pa var er Niflüngar voro
drepnir; forna hlidit pat eystra, er fyrst hofz orrustan, oc hit
vestra hlidit, er kallat er Högna hlid, er Niflüngar bruto ä
gardinum, pat er enn kallat ä sömu leid sem pä var. peir
menn hafa oss oc sagt frä pessu, er fasddir hafa verit i Brimum
eda Mcenaierborgy oc einginn ^eirra vissi deili d ödrum oc aagdu
allir d eina leid frd^ oc er pat mest eptir pvi sem seigia forn-
qvcedi i pydverskri tungu^ er giort hafa frodir menn um pau
stortidendi er i pessu landi hafa ordit (c. 367, cod. Ar. 177, 177
sagenbibl. 2, 303). — in der altschwedischen Vilkina saga steht
blosz: 'Här äro flere boker äff scripne ok holla allth ihet sama!*
Susat heiszt auch sonst in der Vilkina saga der sitz Attilas
und der zug der Niflunge dahin geht über den. Rhein und die
Donau, obgleich beide, wahrscheinlich aus Unwissenheit des
nordischen Verfassers, als in einander flieszend (c. 337) darge-
stellt werden, dennoch könnte hier Soest gemeint und von der
sage die begebenheit dorthin verpflanzt sein, in einer Urkunde
von 1068 (Würdtw. nova subs. dipl. 4, 38) lautet der name
Sosaz, in einer altern von 962 (Falke trad. corb. p. 514) rich-
tiger Suosaz.
1) pat seigia pydsker menn^ at hann (Ilildebrand) var einn
sä trüfastasti madur sem vera kunni (c. 382).
m) drottning Herrad — Erka oc Gudelinda — pessar
priar kvinnur hafa prisadar oc lofadar verit fyrir allar paar
konur, sem i pyskn tungo voro (c. 382).
n) og tydske mcend fortoelle^ at han (Hildebrand) havde
fyldt sine halvandet hundrede vintre, da han döde, men i tydske
kvad siges at han havde seet sine to hundrede vintre (c. 381,
Rafn).
2) Der in den eben angeführten stellen häufig ausgedrückte
gegensatz von 'alten gedichten' und 'erzählungen deutscher
männer' bezeichnet wol zugleich den unterschied zwischen
schriftlicher und mündlicher Überlieferung^ der jedoch auch ein-
mal besonders angemerkt wird:
oc vid pat sama er hans getit, hvar sem hans (Hildebrands)
nafn er rttat eda frä hönum sagt (c. 168).
3) Der Verfasser nennt, wie wir vorhin gesehen haben (1 a),
diese saga von Dieterich von Bern (dies ist der richtige name,
den sie sich selbst gibt, sagenbibl. 2, 316) eine der grösten in
deutscher spräche, bemerkt aber gelegentlich da^ dasein anderer^
hier übergangener:
12»
180 81 —
177 H^rtnid kdngur vard enn heill siima säafa oc stTrif sinu
riki Vilkinalandi, svä sem heyrir enn i söffu häns^ oc bann vin-
ii\kt inörg stÖFvirki medan bann var kongur i Vilkinalandi, oc
af könum er allmikil saga^ po at peaa verdi nu ei her geiü i
peasari frdsöffn (c. 33 J). diese stelle fehlt in der altschwedi-
sehen Yilkina saga. (Haupt zu Engelhard s. ix.) [Haupts zs.
12, 348 flf.]
4) Über die grosze Verbreitung der sage verschiedene
stellen:
178 a) pidrikur-köngur i Bern-er binn mesti bofdingi sem kun-
dugt er vida umm beimin oc hans namn man uppi vera og
eigi verda tapat ndlega umm allt sudur riki medan veroUdin
stendur (c. 108).
b) oc fyrir pvi eru öU bans väpn gullbuin^ at bann (Sigurd)
er umframm alla menn at drambi oc kurteisi oc allri baeversku
nälefga i öUum fornsöngum — oc hans nafn geingur t öüum
tüngum fyrir nordann Gricklands haf, oc sva man vera medan
verolld stendur (c. 166). unter dem griechischen wird das mit-
ländische meer verstanden.
5) Es wird behauptet, dasz der 7iorden einen theil dieser
sage eigenthümlich besitze, und der gegensatz zwischen der
deutschen und nordischen spräche öfter erwähnt.
a) Danir oc Svtar kunnu at segia heraf margar sögur enn
sumt hafa peir foert t qvcedi stn^ er peir skemta rikum mönnum.
mörg eru pau qvasdi qvedin nü, er fyri löngu voru ort eptir
pessari sögu (vorr. cod. Ar. 178; sagenbibl. 2, 296).
b) Norraenir menn hafa samansett nockurn part sÖgunar
enn sumt med qvcedskap. pat er first frd Sigurdi at seigia Faß-
nisbana, Völsungum oc Nißüngum oc Velint smid oc hans bro-
dur Egli oc frd Nidüngi kongi. oc p6 at nockut bregdist »at
qvaedi um mannabeiti eda atburda, pä er ei undarligt svo mar-
gar sögur sem pessir hafa sagt; enn po rts hun ncer af einum
efn (vorr. cod. Ar. 176, sagenbibl. 2, 296. 297).
Dieterich von Bern wird, und mit recht, nicht unter den
gegenständen der eigenthümlibb nofdiscben sage angeführt.
c) oc borg pä er het Fertilia, er Vceringiar^* kalla Frid-
scelu (c. 13). Fertilia deutet auf das niederdentsche verde ftr
vrede, friede.
d) Brynbilldur er fSgurst er kvenna hvorutveggia sudur
i löndum oc nordur t löndum (c. 17).
e) Studas söhn, der wie sein vater hiesz, tödlet einen
drachen namens Heime: oc pess vegna feck Studas hans heiti,
at bönum var jafnat vid orm pennan oc nü kaÜa Vceringiar
* über die Väringer s. sagenbibl. d, 149. 150.
8i ---- 181
imir (ß, 17). weil nämlich in der Völaunga saga, "wie 001178
der sagenbibl. (2, 153) richtig bemerkt wird, ein Heimir yoüv
kommt. (über den drachenkampf s. Deutsche sag. nr. 139.
[oben s. 156.])
f) Nidüngur köngur situr nü i riki sinu oc med hönum 179
Velint hinn agaetasti smidur, er Vceringiar kalla Völund (c. 24).
— Vidga var sun Velints, pess er Vceringiar kalla Völund
(c. 175).
g) 4 hans (Thettleifs) vöpnum er markat päd sem ppdeakir
menn kalla Elfendyr* enn Vceringiar Fil, af gulli lagt' (c. 161).
h) oc sva er hann drap pan mikla dreka, er Vceringiar
kalla Fafni (c. 166).
i) oc hans (Sigurds) nafn mun aldrig tynaz i pydverakri
tüngu oc flikt sama med Nordmönnum (c. 324).
6) Noch sichtbare, auf die sage hinweisende denkmäler:
a) Vidga kommt an die Weser und findet die bxjftcke alb-
gebrochen, welche diesseits und jenseits auf felsen lag. er gibt
seinem pferde die sporn und fliegt pfeilschnell hinüber : oc enn
t dag mä sia stadin i berginu sküanna oc naglanna, baedi par
sem hann hliop af oc svä par sem hann kom nidur (c. 37).
b) die Hünen erobern und zerstören die Stadt Pultusk in
Russland: oc pau verk voro pä unnin, er enn mego sia peir,
er par koma i pann sama stad (c. 290). [ZE. 24.]
c) Thidrek verfolgt den Vidga längs der Mosel, und als
dieser in das wasser springt, wirft ihm der könig den spiesz
nach und der fährt bei der mündung des flusses in die erde:
oc par stendur pat spiotskapt enn i dag^ oc pat mä par sia
hver er par kemur (c. 313).
d) nü verdur snörp orrusta pennan dag, er Hünir Saskia
gardin enn Niflüngar veria, oc, heitir Holmgardur er orrustann
stendur i, oc svd heitir hann enn t dag Nzßünga Holmgardar,
enn steinveggur var gerr um pennan gard — oc sami
steinveggur er um hann enn nü i dag (c. 355).
e) ormaturn stendr mitt 1 Susa (c. 356).
f) Högne sticht dem Irung den speer in die brüst: pa
laetur Irüngur sigaz vid stein veggin oc pessi steinveggur heitir
Irüngs veggur enn i dag (c. 360).
Irüngs veggur (d. i. Irungs wand)** ist hier verwechselt
* * offenbar mhd. olbende, kameel/ bemerkte Wilh. Grimm, obgleich altn.
fill der elephant ist, doch richtig: alpandyr (so haben die handschriften bei
Unger c. 1 80) weist anf das mittelniederdeutsche olbender, elpender, auch elpen-
deer kommt vor und wird ausnahmsweise auch vom elephanten gesagt (Schiller,
beitrage zu einem mnd. glossar. Schwerin 1867. s. 12).
** han störte dödh op til mwren ok kallas thz i dagh Irons vagh (d.i.
'^ägg)? so gibt der altschwedische Übersetzer c. 332 den angeführten satz wieder
and darnach edierte Peringskiöld vid steinveggin — steinveggur — Irungs veggur.
4ie alte h^nd&chr. bei Unger c. 387 aber hat viö steinveginn — steinvegr — Irungs
▼egr — oc spiotit Hogna nemr stadar i »t^ini^i^ginum. ics .ist also von .leinem st^inw.eg;
182 81
178 mit Irüngs vegr und bedeutet die Iringsstrasze, d. h. die 'milch-
strasze. **
179 7) Der inhalt der Vilkina saga selbst bestätigt ihre an-
gaben über die entstehung des ganzen und zeigt den verschie-
denen Ursprung der einzelnen theile,
a) Rüdiger von Bechelaren erscheint in zweifacher gestalt,
einmal als Rodolf (c. 64 — 83), der mit Berta^ einer Schwester
der Erka, die sonst kein gedieht kennt, verheiratet wird, und
dessen thaten die Vilkina saga allein beschreibt; sodann (c. 267 ff.)
als Rodingeir^ und hier ist, den übrigen sagen gemäsz, Gud^-
linde ^ seine frau (vgl. sagenbibl. 2, 189).
b) Thidrek heiratet könig Drusians tochter GudUinda
(219), von ihrem tode ist nichts gesagt, aber hernach (c. 317)
wird ihm von Erka die bekannte Herrad als gemahlin ge-
geben.
c) Über den tod des königs Osantrix lauter Widersprüche
oder vielmehr drei verschiedene erzählungen. er wird von Yil-
difer erschlagen (c. 123), späterhin (c. 270) heiszt es, er sei im
kämpfe gegen Ulfrad und dessen schaar gefallen, endlich (c. 326)
wird behauptet, haupturheber seines todes sei Isung von Ber-
tangaland gewesen, wovon aber nicht das geringste in der er-
zählung selbst vorkommt (vgl. sagenbibl. 2, 255).
d) Högnis zu frühe und unpassende erscheinung ist schon
(oben s. 88) bemerkt.
e) Högnis abstammung von einem elfen wird zweimal hin-
tereinander und mit auffallenden abweichungen erzählt, einmal
(150) heiszt der gemahl seiner mutter könig Aldrian und seiner
brüder sind drei: Gunnar, Gernoz und Gisler. in der zweiten
darstellung (c. 151) finden wir statt Aldrian den namen Irung
und der brüder vier, nämlich der nordische Gudzorm ist neben
Gernoz noch hinzugefügt, doch in der altschwedischen Vilkina
saga steht blosz die erste erzählung (vgl. sagenbibl. 2, 217).
f) Högni führt den beinamen af Troja blosz in der Ni-
flunge saga (oben s. 87), nicht vorher, und Folkher tritt hier
allein auf (vgl. sagenbibl. 2, 264).
g) Sigurd der Grieche steigt mit Thettleif zu pferde (c. 97),
an einem andern orte (c. 161) ist das vergessen und es wird
wegen Thettleifs schildzeichen und an sich sehr unpassend be-
hauptet, Sigurd sei auf einem elefant geritten.
h) Sintram flieht zu dem herzöge Iron von Brandenburg
(c. 209); späterhin wird Herburt, Sintrams brüder, an den hof
einer gepflasterten strasze die rede, was allein auch zu den omständen des kam-
pfes passt, und eine verwecbselong von veggr mit vegr, diö auch s. 395 and in
der mythol. 333 angenommen wird, findet nicht statt.
'^ zu der sagenbibliotliek 2, 265 erinnere ich^ dasz schon in den Altd.
Wäldern 1, 243 diese bemerkung vorkommt.
81 183
des königs Artus gesendet (c. 211) und gleich wol bald darauf isi
(c. 220) erzählt, dasz Iron erst nach dem tode des Artus,
seines vaters, von Isung aus seinem väterlichen reiche vertrie-
ben, durch Attilas wohlwollen Brandenburg erhalten habe (vgl.
sagenbibl. 2, 230).
8) Schon unter 3) ist angeführt, dasz einer anderen, nicht
aufgenommenen sage gedacht werde. sonstige hindeutungen
auf unbekannte gedichte sind selten und ich kenne nur zwei:
a) Was von Alfrik, der Verfertigung des Schwertes Ecke-
sachs und dem vorigen besitzer, dem könige Roseleif, gesagt
ist (oben s. 56).
b) Thidrek erinnert den Heime daran, dasz ihre pferde in
Friesland so gewaltig getrunken (unten nr. 90).
y) Endlich hebe ich aus dem ganzen noch . einzelne be-
ziehungen.
a) Eckehard erzählt von dem beiden seines gedichtes:
342. namque Vualtarius erat vir maximus undique telia
suspectamque habuit cuncto sibi tempore pugnam.
Er liebte den kämpf mit dem spiesz, nicht aber mit dem
Schwert; so verstehe ich wenigstens die (metrisch verderbte)
stelle, vielleicht hat Walthari den gebrauch der wafien bei
den Hunnen gelernt, welche lieber mit dem wurfspiesz käm-
pfen (Jemandes c. 50). aber ich zweifle nicht, es soll eine
eigenthümlichkeit und besondere geschicklichkeit des beiden
angedeutet werden, welche die sage ihm zuschrieb, ihm ist
unter seinen gegnem Hagano allein gefahrlich:
366. namque ille meos per proelia mores
jam didicit, tenet hie etiam sat callidus artem.
Walthari entscheidet auch Isonst durch den speerwurf (670.
713. 742. 773). bei dem kämpfe mit Hadewart wird die Ver-
schiedenheit der Waffen ausgedrückt:
822. hie gladio fidens, hie acer et arduus hcLSta,
Und im letzten streit behält er allein den speer, wendet
damit die Schwerter ab (1298) und verletzt den könig mit der
spitze desselben (1822).
Merkwürdigerweise kennt die Vilkina saga noch diese ge-
schicklichkeit Valtaris (c. 104. 105), denn er schlägt dem Thett-
leif einen wettkampf iw^ Speerwerfen vor und setzt dabei sein
baupt aufs spiel. [Haupts zs. 12, 273. 276.] wir wissen aus
den wettkämpfen der Brünhild, dasz zum schieszen des Speers i82
eine grosze kraft nöthig war.
b) Nach dem träum der Kriemhild wird Siegfried, der falke,
iM S2 -
183 von 2wei adlem, Günther und Hagen, erjagt; hier erinnert
Lachmann (ursprüngliche gestalt 105), dasz beide nach der Vil-
kina saga (c. 164. 165) adler als schildzeichen fuhren.
c) Der fährmann, dem Högni einen goldring bietet, hatte
eben erst eine schöne frau geheiratet, die er mit dem ge-
schenk erfreuen will (c. 339); durch diese erklärung bestätigt
die Vilkina saga eine leseart des ältesten textes der Nibelunge
noth (1494, 1): ouch was der selbe schifmann evBt niultch gehtt.
eins von den dänischen Volksliedern (Kjämpeviser 1, 111) hat
diesen zug eigenthümlich verändert: Hagen selbst schenkt,
nachdem er den fahrmann getödtet hat, dessen weib den gold-
ring £^leichsam als eine mordbusze.
d) Grimhild sagt (c. 345) : oc nü minnumst ec hversu mig
harmar in storu aar Sigurdar Sveins; und abermals (c. 346):
mig ftai*mär pat mest, nü sem jafnan, pö storu sdr^ er hafdi
Sigurdur Svein sier midli herda. dies erinnert sehr an die
Worte Nibelunge noth 1463, 4: Stfrides vmnde täten Kriem-
hilde we. seltsam genug befinden sie sich gerade in einer
Strophe, die wegen des ausdruckes ^die Kibelunges helde^ im
sinne des ersten theils (für die rocken aus Nibelungeland),
sonst in dem zweiten theil ohne beispiel, verdächtig scheint,
sollten sie aus einer andern recension übergegangen sein,
welche der in der Vilkina saga benutzten näher stand?
e) Es befremdet, dasz die Vilkina saga dem Schwerte
Sigurds nicht den in deutschen gedichten so bekannten namen
Balmung, sondern den nordischen Gram beilegt, ['auch die
schwertprobe mit der wolle scheint blosz nordisch.' Jac. Gr.]
f) Höchst auffallend gibt sich Sigurd (c. 180. 181) fiir
einen verwandten (fraendi) des jarl Hornboge^ eines beiden Thi-
dreks, aus. ich halte diese behauptung nicht blosz für falsch
und der dort erzählten geschichte mit Omlung zu gefallen
eingerückt, sondern den ganzen aufenthalt Sigurds bei Isung
für verdächtig und in der reinen sage unbegründet.
10) Aus der schwedischen Vilkina saga ist geflossen, was
man in schwedischen Chroniken (Fant Script, rer. Suecicar. 1,
250. 251. 268), sodann bei Ericus Olahus (bist. Sveon. p. 11.
12) und Jo. Olaus (5, 13 — 15) übereinstimmendes findet, nur
einiB einzige abweichung in der kleinen reimchronik: Hertnid
1B8 stirbt an -seinen wunden, während ihn die Vilkina saga (c. 331)
genesen lässt.
82. '
"NoRNAGESTs SAGA. Wahrscheinlich im anfange des vier-
zehnten Jahrhunderts, aber aus älteren bestandtfaeiten Kusam-
paengesetzt (vgl. oben s. 35).
— S2 185
Nomagest erzählt (c. 6) eine begebenheit, die sich nachiss
Sigurds Verheiratung mit Gudrun und während seines aufent-
halts bei den Giukungen zutrug: ek var oc mep Sigurpi nor-
dur % Danmörky pä er Sigurpr kong Hringur senpi Gandalfs-
sunum (Gaudzsyni) mäga sina tu mots vip Giükünga Gunnar oc
Eögna oc beiddif at peir munpu lüka honom skatt^ epur pola
her, ella ef peir vüpu veria land sit. pä hasla Gandalfssynir
voll vip landamaeri, enn Giüküngar bidia Sigurpi Fafnübana
fara til bardaga mep sier. Hann sagpi svd vera skylpi; ek var
pä enn mep öigurpi. siglpum vier pä enn nordur til Hohe-
tulanda oc lendtum par sem Jamamodir heitir, enn skamt frä
höfüinni varo settir üp heslitsteingur , par sem orrostan skylpi
vera. säum vier pä mörg skip sigla nordann, varo Gandalfs-
synir fyrir peim, saBkia pä at hvarottveggio. Sigurpur Hrin-
gur var ei par, pviat hann vard at veria land sitt Svipiod —
oipann listur saman lidinu oc verdur par mikil orrosta oc
mannaskiaßd. Gandulfssynir geingu fast frami^, pviat peir
vorn baedi meiri oc sterkari enn aprir menn. i peirri lidi säst
einn mapur mikill oc sterkur, drap pessi mapur menn oc hesta,
svä at ecki stod vip, pviat hann var likari jötnum enn mönnum.
Gunnarr bad Sigurp saßkia imoti mannskelmir pessum, pviat
hann kvad ei svä duga munpi. es ist Starkadr aus Norwegen,
auf den Sigurd mit dem Schwerte Gram losgeht, er flieht, doch
haut ihm Sigurd zwei zahne aus dem backen. [Nordalbing.
Studien 1, 200 flf.]
In der Völsunga saga fahrt Sigurd (c. 38) in einer Unter-
redung mit Brynhild zum rühme der Giukunge an: peir drdpu
Dana kong oc mickinn hofdingia bropur Budia kongs. näher
drückt er sich nicht aus (auch c. 35 wird der tapfern thaten,
die Sigurd nach seiner Verheiratung mit Gudrun in gemein-
schaft mit den Giukungen vollbrachte, nur im allgemeinen ge-
dacht; die Saemundar Edda Sig. 3, 2 sagt blosz: drucke ok
daempo daegr mart saman), aber ich glaube dieser kriegszug
nach Dänemark, den die Nornag. saga erzählt, ist gemeint. 184
von ihm hätte wahrscheinlich dort eine ältere und bessere dar-
stellung können mitgetheilt werden , denn hier bleibt dunkel,
wer der in keiner sage sonst auftretende bruder Budlis war,
auch wird der dänische könig nicht getödtet, ja er konnte nicht
einmal bei dem kämpfe zugegen sein.
Dagegen erhalten wir in unserer Nibelunge noth eine
sehr ausführliche Schilderung jener heerfahrt, denn ich zweifle
nicht, dasz der krieg Günthers gegen den dänischen könig
Lüdgast und den sächsischen Lüdeger dasselbe ereignis in sich
fasst. auch dort wird zuvor der krieg angekündigt und die
wähl gelassen (145, 1) durch Unterhandlungen ihn abzuwenden.
Siegfried sagt gleichfalls seinen beistand zu und führt durch
seine tapfeiSaek ^und den «isüeikampf mit Lüdgaat .den sieg
186 — 88 —
184 herbei, freilich bleibt in den nebendingen mancher nnterschied:
Günther zieht gar nicht persönlich mit in den krieg, aber wir
wurden schon beim Biterolf (oben s. 131) zu der bemerkung
veranlasst, dasz gerade in diesem umstände die sage abwich. —
sollte der könig Frut von Dänemark^ der im Rosengarten d
(s. 256) auf einmal als ein feind Günthers erscheint, weil
er von ihm seines reiches beraubt worden, hierher ge-
hören? — die Vilkina saga weisz überhaupt nichts von diesem
ereignis.
83.
Dieterichs flucht.
1) Zu if elcher zeit der Verfasser, der sich doch selbst
wol unter Heinnch dem Vogeler (7978) meint, gelebt hat, wis-
sen wir nicht; darstellungsweise, spräche und reim verrathen
das vierzehnte Jahrhundert; das werk könnte in eine bessere
zeit gehören, und doch aus Hartmanns armem Heinrich einige
Zeilen (2331 — 35. 9962) geborgt haben, der Verfasser beruft
sich auf eine ältere quelle (1838): der uns daz maere zesamene
slöz (ordnete, aus einzelnen bestandtheilen zusammensetzte? auf
verschiedene sagen deutet unter andern, wie wir unten sehen
werden, die darstellung der Verhältnisse Dietleibs von Steier).
der tuot uns an dem buoche kunt. auf dieses buch bezieht er
sich nicht selten (2020. 2026. 2268. 3674. 6192. 8324) und
am schlusze heiszt es: nü ist ez komen an daz drum des
buoches von Berne» es wurde ihm, wie es scheint vorgelesen,
denn häufig ist die redensart: als wir daz buoch hoeren sagen
185(3527. 3674. 6613. 8221. 9282), zellen (8324), oder auch: als
uns daz buoch las (6626. 6307), und: nu hoeret, waz uns sagt
daz liet (3671), wie man mir gesaget hat (8254. 9790). — eine
andere und, so viel sich urtheilen lässt, ältere darstellung der
sage liegt dem auszug zu grund, welchen der anhang des bel-
denbuchs liefert (s. unten).
2) Dem hauptgedicht vorangeschickt ist eine kurze ge-
schichte von Dieterichs ahnen, die Vollständigkeit der genea-
logie, das übernatürliche alter von 305 — 45U jähren, wahr-
scheinlich um einen langen Zeitraum auszufällen, den voreltem
des beiden beigelegt; die grosze anzahl von kindem, die doch
bis auf die Stammhalter wieder sterben müssen, eine Seltsam-
keit, die sich wahrscheinlich aus jener annähme einer überna-
türlichen lebenszeit erklärt; das alles scheint absichtlich erfan-
den und lässt sehr an einer wahrhaften grundlage zweifeb.
83 187
Zusätze und starke abänderuDgen dürfen wir hier in jedem falle 186
annehmen, zum erstenmal hören wir von dem ahnherm Dielr-
warty dem römischen könige und seiner frau Minne ^ tochter
eines königs Lademer ['Vladimir'? Jac. Grimm.]. ihm folgt
Sigeher^ mit Amelgart aus der Normandie, tochter des Ballus^
verheirathet. jetzt erst gelangen wir auf bekannten boden:
Otntt wird als der söhn jenes Sigeher dargestellt und erhält
allein kein hohes alter, aber der grund ist klar: weil die
wittwe wieder heiratet. nach ihm herscht Wolfdietertch^
dann Hugdietertch; zugleich wird Siegfrieds geschichte ange-
knüpft, denn seine mutter Sigelint ist hier zu einer Schwester
Otnits gemacht, ungeschickt ist diese Verknüpfung in jedem
falle, denn Siegfried kann darnach unmöglich Zeitgenosse des
Dieterich von Bern sein. Hugdieterich , mit Sigeminne von
Franhnche verheiratet, hat einen söhn Amelunc^ dieser name
wäre der echten sage wol angemessen (s. oben s. 2), nur
müsten wir ihn durch andere gedichte bestätigt finden, ihm
wird eine aus Kerlingen stammende frau zugeschrieben (2399),
mit welcher er drei söhne zeugt: Diethery Ermrtch und Dietmar^
und damit nähern wir uns der bewährten sage, die beziehun-
gen darauf erörtern wir einzeln.
3) Diether^ der älteste . der drei brüder (2407), erhält bei
der theilung des reichs Breisach und Baiern (2434).
2465. Diether der riebe
gewan sicherliche
drt 8Üne wol getan,
den Ermrtche stt benam
daz leben, dö er si vienc
und sie dne schulde hienc.
Die Harlunge, die zu Breisach ihren sitz hatten , sind ge- 186
meint (oben s. 19. 31. 32); drei söhne statt zwei, wie in allen
sagen, ist auffallend, aber kein Schreibfehler, da bei Heinrich
von München dieselbe zahl vorkommt. wir hören hier den
namen ihres vaters ; dasz AJd drlungatrausti^ wie er in der Vil-
kina saga lautet, nicht richtig sein kann, wird sich bei der
Blomsturvalla saga zeigen, dagegen möchte Harling^ wie der
anhang des heldenbiichs ihn nennt, leicht angemessener sein,
weil Dieterichs jüngerer bruder Diether heiszt. über das Schick-
sal der Harlunge in einer anderen stelle etwas näheres:
2546. Ermrich die Harlunge vie.
wie er des gedahte,
daz er sie zuo im brähte?
do er in tac het gegeben,
dö schiet er sie von irm Üben,
und zöch sich zuo ir lande.
1«8 «8
effiß Der andeuitung nach musz man irermiitliien, Ermenrich
•habe durch das versprechen, ihre angelegenheit an eiaem fae-
fitimmten tage beizulegen, seine nefFen listig herbeigelockt uxbd
dann getödtet. davon weisz die Yilkina saga (c. 257) nichts,
wo Ermenrek ihre bürg erstürmt, sie gefangen nimmt und auf-
hängen lässt. — hernach, um den Dieterich zu berücken, räitli
Sibioh dem Ermenrich zu einer heuchelei:
2604. den ir dar sendet, den heizet sagen,
und ir wellet varn über mer,
gote dienen mit einem her,
dem heiligen grab helfen üz der not,
umbe der Harlunge t6%
den ir schaden habt getan
und ir leben umbe sust gewunnen an.
Und zuletzt in der Schlacht :
9788. nu hoeret waz ich vernomen h&n.
an dem graben vor der stat,
als man mir gesaget hat,
da erreit Eckehart Ribsteinen.
nü han ich der rehten einen,
sprach der recke Eckehart,
nü wirstu lenger nit gespart^
du vil ungetriuwer man.
du gewunnd (1. gevmnne) mtnem herren an
die getriuwen Härtungen;
nü wil ich mit dir tungen
einen galgen, ob ich mac.
187 4) Ermrtch heiszt der hinterlistige (karge 2489). das ver-
brechen an den Harlungen ist eben erwähnt; ein anderes wird
kurz angedeutet:
2455. ez gewan künic Ermrich
einen sun, der hiez FVidrtch^
den er stt versande
hin ze der Wilze lande;
daran man stn untriuwe sach.
Doch redet der dichter davon, als von einem zukünftigen
ereignis, da in diesem gedichte Friedrich öfter im kämpfe
erscheint (3563. 3824. 3898. 8212). gemeint ist die schon oben
(s. 31) berührte geschichte, aber in eine andere zeit ver-
schoben, denn dort kommt er früher als die Harlunge um.
merkenswerth ist das land der Wäzen^ wofür die Vilkina
saga VilkinaJand [Haupts «s. 12, -340 f.] «etzt. der dichter
fahrt fort:
SM
2460. na seht, wie er sim triuw« brach 18?
an stiiein lieben kinde.
an mamgem Tncere ich daz vtnde,
daz nie hi iemans tagen
ungetriuwer lip wart getragen.
Ich habe schon (oben s. 2. 3) bemerkt, dasz die nordische
sage und das chronicon Qaedlinb. (oben s. 32) allein von Er-
manarichs traurigem ende erzählen, die deutschen gedichte aber
nichts mehr davon wissen, mit dem Verfasser unseres werkes
scheint es sich anders zu verhalten, nur begnügt er sich mit
bloszen andeutungen. indem er nämlich noch weiter von dem
morde der Harlunge spricht, sagt er:
2554. ez was diu gröste missetät,
diu üf erden ie geschach.
got ez Sit aUez roch
an stnem Übe und an einem leben,
er nam im ewaz er im het gegeben
und räch den meinrceten zorn.
der Itp der wart hie vei'lom
und ist diu sele geselle
des tiuvels in der helle.
Er kommt mehrmals darauf zurück, als Ermenrlch gegen
Dieterich und dessen volk wüthet, sagt er:
2862. daz gei^ach got allez an im eint.
Und:
3496. iet er zuo der helle gebom,
daz endunk nieman unbiUtche.
untriuwe ist von im in diu riebe 188
leider aller Srst bekomen.
4270. dise gröze herzen riuwe,
die räch stt an im sere got
4275. daz wart im sit angeleit^
daz er des kam in arbeit
Helche sagt von ihm:
4956. swer im den lip benaeme,
der gewunne des sünde kleine,
wan er ist unreine.
Und am ende, als er aus der Schlacht geflohen ist, heiszt
es, wie es scheint, mit berufung auf die sage:
190 83
188 9819. wie ez Ermriche ist gedigen,
daz habt ir wol vernomen:
er hat den schaden genomen,
der im immer nach gdt.
Alle äuszerungen zusammengefasst, sollte man meinen,
Ermenrich sei wegen seiner Sünden durch eine unheilbare
krankheit gestraft worden und habe in diesem zustande jenen
elenden tod erlitten, den das chron. Quedlinb. beschreibt, auch
die Yilkina saga (c. 374) schlieszt seine laufbahn mit einer
furchtbaren krankheit, in welcher er halb todt schmachtet,
nachdem man . zu seiner heilung vergeblich den leib aufge-
schnitten hatte. das stände überdies in einigem zusammen-
klang mit Jemandes worten (oben s. 2): aegram vitam corpo-
ris imbecillitate contraxit. die ßabenschlacht gibt keine auf-
klärung, darin wird er nur wegen seiner treulosigkeit ver-
wünscht (558, der unreine 599) und (79, 3) der ausdruck ge-
braucht: sin sele si ungeheilet worauf sich die äuszerung im
anhange des heldenbuchs bezieht, der treue Eckhart habe den
Ermenrich erschlagen, weisz ich nicht; das gedieht, worin das
vorkam^ .st entweder verloren, oder es Mündet hier ein irr-
thum statt
•
Ermenrichs schätz ist schon früher (s. 17. 46) erwähnt
worden, auch hier eine hindeutung darauf. Dieterich erzählt:
7832. swaz hordes heten zw^n künige rtch
von golde und gesteine,
daz hat er allez alleine,
er hat daz Harlunge golt,
da von git er noch lange solt;
s6 hat ouch er vür war
allen den hört gar,
189 den Dietmar der vater mtn
ie gewan bi den tagen.
5) Dietmar^ der dritte bruder, ist uns als vater Dieterichs
schon bekannt (oben s. 106). in der Vilkina sage ist er,
ebenso wie der dritte söhn, der vater der Harlunge, ein un-
eheliches kind und Ermenrek allein in rechtmäsziger ehe er-
zeugt, hier wird von ihm erzählt:
2471. Dietmar der tugenthaft
lebt in reine blüender kraft
funfzic jär vollecKch
und nam ein künigin rieh
des künig Desen tohter.
83 191
Diesen namen kennt kein anderes gedieht, in der Vilkina 189
saga (c. 13) heiratet er Odilia^ tochter der jarls Eisung.
2487. Dietmar und Ermrfch
die zugen beide ungelich.
Ermrtch der was karc,
Dietmar vor ^ren niht enbarc;
er was milt unt tugenthaft.
got vuogt im guotes riche kraft.
doch saget uns daz mcere,
vrie mute Dietmar woere^
iedoch büwet er Berne
und was da alle ztt gerne
unz an sin endes zil.
er gewan höher ^ren vil,
er was ein vorhtsamer man,
« des was im sieht undertän
Römisch lant und Römisch marc.
Dietmar der was so starc,
daz im bi stnen ztten
nie künic torste wider riten.
in den eren lebt Dietmar
vierzic und driu hundert jär,
dö het er nü zwei kint
diu liten arbeit sint.
daz was Diether und Dietrich^
die Sit verdarp künic Ermrtch.
2525. Dö Dietmar den tot dolte,
als er doch sterben solte,
do bevalch er Ermrtche
atniu kint aetrültche. 190
awö, daz uaz ie geschach,
wan er stn triwe sit an in brach.
6) Dieterich heiszt einigemal (5637. 8054) der junge Ame^
lunc (ygl. oben s. 2). gleich nach dem untergange seiner vet-
tern, der Harlunge, sinnt Ermenrich, angereizt von Sibich und
Ribestein, auf sein verderben, eine friedliche zeit und ein
freundschaftliches Verhältnis zwischen beiden scheint dieses ge-
dieht nicht vorauszusetzen, und als Ermenrichs Verfolgungen
anheben, ist Dieterich noch in der ersten Jugend; mehrmals
wird ausdrücklich gesagt, er sei noch nicht zu einem manne
herangewachsen (2824. 4168, vgl. 4234. 5234). die Verbreitung
seines ruhms durch die sage wird gleich, wo sein name zuerst
vorkommt, erwähnt:
192 8a — -
00 2483. — — der Bemsere,
der mit maniger manbeit
allin diu wunder hat bejeit,
dd von man singet und seit.
Und Wolf hart spielt darauf an, indem er den Dieterich
zum kämpfe ermuntert:
3228. von sprunge vert cUrSst din nam^
den soltu machen bekennelich.
Diethei\ Dieterichs bruder (oben s. 157), wird gelegentlich
erwähnt, er heiszt der junge künic von Roemisch lant (2535.
7420, vgl. s. 208) und zieht noch nicht mit in den krieg.
7) Hildebrands Verhältnis zu den söhnen Dietmars (oben
s. 143) wird angeführt:
2535. Diethem und Dietrich
die zdch ein herzöge rieh
Hüdebrant der alte^
der küene und der balde.
Dasz frau Uote [herzoginne 4504] hier und sogar thätig
erscheint, ist schon (oben s. 24) bemerkt.
8) Dieterichs zwölf helden (oben s. 102) finden wir sehr
unvollständig, als hätte die sage sie vergessen, und eigentlich
nur den Hildebrand und Wolfhart, den letzteren jedoch ganz
in seinem eigenthümlichen Charakter (vgl. 6405 — 6555. 8552.
9052. 9368); ein paar mal wird Sigeh^r (5841. 8594) nur ge-
nannt, die übrigen fehlen ganz. auch die Wölfinge werden
nicht erwähnt und von Hildebrands Verwandtschaft mit diesem
191 geschlechte nichts gesagt. — dasz Eckewarty der Harlunge man^
für Dieterich kämpft und getödtet wird, ist schon (oben s. 144)
bemerkt.
9) Dagegen eine bedeutende erweiterung der sage zeigt
sich in beziehung auf Dieterichs mannen überhaupt, indem wir
eine anzahl bisher unbekannter namen erblicken, sie sind zm
theil hier in die begebenheiten verflochten, zum theil erscheinen
sie in andern gedichten dieser periode, so dasz wir durchaus
nicht berechtigt sind, sie als eigenmächtige zusätze blosz dieses
Werkes zu betrachten; im gegentheil, der fall wäre denkbar,
dasz sich einige darunter befänden, die der ältesten zeit mi
verlorenen sagen schon zugehörig, hier zuerst wieder zum vo^
schein kämen, wir dürfen uns daher der mühe sie aufzuzählen
nicht entziehen.
— 83 — 198
a) Herehrant (oben s. 107). 191
b) Hehmchart^ ein verwandter von Wolfhart (2992. 3149.
3396. 3746. 4424. 4682. 5844. 8288. 8592), fällt im kämpfe
(9870. 9913). auch in der Rabenschlacht wird (10) sein tod
beklagt, ich glaube, dasz Helmachrot im Alphart (74) und im
Rosengarten a (132. 133. 193. 381) und b derselbe ist.
c) Amelolt von Garte (3751. 4433—4469. 5847. 7198. 8591).
Dieterich findet ihn todt auf dem Schlachtfeld (9870). irgend
ein Verwandtschaftsverhältnis Amelolts wird nicht erwähnt, im
A.lphart dagegen (wo er allzeit mit Nere zusammengestellt
ist 44 — 77) nennt sich dieser junge held selbst einmal (97)
Amelolts kint. Alphart und Wolf hart sind brüder (89. 90. 179.
427) und Hildebrand heiszt jenen neflPe (101. 121. 131. 179);
dasz dieser sein schwestersohn ist, wissen wir längst (oben
s. 107). bestätigung und weitere angaben im Rosengarten:
Amelolt ist ein Schwager Hildebrands, dessen Schwester er
zur frau hat (c 11*-, wo AmeroU geschrieben ist, und d cod.
Arg.), weshalb ihn Hildebrand auch öfter bruder nennt (c 11*-,
D cod. Arg. alter druck 134. Caspar v. d. R. 112) und Amelolts
söhne sind nach c Wolfhart und &ige8tapy nach d cod. Arg. und
Pal. kommt noch Alphart hinzu, der zwar nicht mitkämpft, aber
doch auftritt.
Der anhang des heldenbuchs enthält verschiedene an-
gaben, da, wo er von Hildebrands vater spricht, heiszt es:
^Amelolt von garten der hat syn tochter.' hernach: 'Amelot
von garten het hiltbrant — Schwester mit d* het er drey sün
Wolfharty Alphart vnd sygeatab.^ und damit übereinstimmend
schon vorher von dem letztern: 'aygeatab was auch hiltbrands 192
swester sun. vnd was Amelung (1. Ameht) von garten seyn
vatter.' dagegen in einer andern stelle, die mit dem gedieht von
Alphart stimmt, fehlt der dritte bruder: 'Amelot von garten
was alphart vnd wolffhart vatter.' Siegenot nennt wieder nur
die beiden Wolfhart und Sigeatap (s. unten). den letztern
sahen wir früher in andern, diesen hier widersprechenden Ver-
hältnissen (oben s. 104).
d) Alphart (3004. 5564. 6305-6321. 8287. 8590) kämpft
mit Bitterunc von Engellant und besiegt ihn (9493 — 9533)*,
wird aber selbst von Reinher erschlagen (9674) und sein tod
von Dieterich sehr beklagt (9893 — 9916); wie schon bemerkt,
hier keine andeutung, dasz Amelolt sein vater oder Wolfhart
sein bruder sei. warum er in dem anhange des heldenbuchs
'alphart von acK heiszt, weisz ich nicht.**
e) Nere. oben s. 118. in der Rabenschlaoht unbekannt,
näheres im Alphart.
* Alphart wird vielmehr von Bitterunc and dann nochmals von Reinh^r
erschlagen.
** Von ach' fehlt in der handschrift.
WXLH. QbXMM, OBUTBOHB BBLDKIISXOI. 13
i9'4 83
192 f) Fridertch von Raben (2706—2720. 2878. 2888. 3005.
5711. 5831, 9846). in der Rabenschlacht nur einmal (261).
ich glaube, er ist unter Friedrich dem jungen im Alphart (76)
gemeint.
g) Sigebant (3001. 3620. 3746. 4105. 4683. 5280. 5604.
5839. 8571. 9843), auch in der Rabenschlacht (729) und im
Alphart (76. 419). ein anderer Sigebant von Merän wird von
könig Sigeh^r als böte in die Normandie geschickt (1963).
[über den namen Haupts zs. 12, 317. 416.]
h) Walther (7340. 8573. 9842), auch in der Rabenschlacht
(551).
i) Herman von Oaterfranken (5714. 5834. 8574). in der
Rabenschlacht (63) ein herzog und, was auch richtiger scheint,
ein mann £<tzels.
k) Berhtram von Pole (3011. 3599. 5837), wird getödtet
(9682); erscheint aber wieder in der Rabenschlacht, wo er
herzog heiszt (114. 205. 732).
1) Ehdn (3008. 5838. 6004. 9846), erhält einen sitz zu
Bern (7192). der alte EUdn^ dem in der Rabenschlacht der
Helche kinder und Diether anvertraut werden?
m) Ihunc (8293). ich finde noch einen beiden Dieterichs
unter diesem namen in der Fortsetzung des Laurin (b. Nyemp
s. 45. 58. 67). in der Rabenschlacht tritt er nicht auf.
n) Ehe. oben s. 138.
193 o) 'Stutfulch von Rine.^ oben s. 136.
p) Randolt von Ankone, oben s. 145.
q) Berhter (9844), auch im Alphart (73).
r) Ich fasse die namen zusammen, die diesem gedichte
allein eigen sind. Sabene^ herzog zu Raben, mit land und leiiten
von Dieterich belehnt (2706—2720. 2872. 2888. 3005. 4046.
5711. 5831. 7326), bleibt in der schlacht (7148). er wird mit
Friedrich von Raben zusammen genannt und ausdrücklich von
Sabene, Sibechen sun, unterschieden (8344). — Jubart von
Lateran (3007. 4021. 4425. 5959. 8593) fällt im kämpfe und
wird sehr von Dieterich beklagt (9680. 9871). * seine frau
Binose wird (9956) erwähnt, und die sage scheint demnach
mehr von ihm gewust zu haben, als wir hier von ihm erfahren.
— 'Tydaa' herzöge von Meilän (5702—5721. 5818. 6590. 7190.
9300—9320). — Eckenot (4141. 5842) wird getödtet (9689). -
Volcnant (2899. 2917. 2956. 3002. 5767—5821. 8292). — Strtiher
(5713. 5833). — Starkdn (5713. 5833. 8594. 9845). — SchOt-
rant (5840), vielleicht Schiltbrant^ der im Alphart (80) vor-
kommt. — 'Starcher' (3907. 6004) bleibt in der schlacht (9691).
ein held gleiches namens unter Dietwart (957). — 'Wichmann
(5605). — 'Kewarf (3003) für Gerbart?
10) in beziehung auf die oben (s. 126) gemachte bemer-
kung, dasz die in dem gedichte von Biterolf angenommenen
83 195
Verhältnisse Dietleibs und seines vaters anderwärts fremd seien, 198
stelle ich hier zusammen, was sonst darüber sich findet, von
Stire her Dieüeip (3953) wird mitten unter Dieterichs mannen
erwähnt (3625), entkommt bei einem Überfall von Ermenrichs
Seite (3770), und wird als böte an diesen gesendet (3625. 3770.
3878), wo er in streit mit Wate geräth (oben s. 55); er bringt
die entscheidung Ermenrichs zurück (3981), allzeit aber nennt er
den Dieterich seinen herrn. dasz er den ins Hünenland fliehen-
den begleitet habe, wird nicht gesagt, vielmehr erscheint er
plötzlich, als Dieterich dort angelangt ist, im gefolge der heim-
kehrenden königin Helche (4664) und, was ebenso befremdet,
mit ihm Ecke wart, von dem man. auch nicht weisz, wie er
dorthin gekommen, und der von Dieterich wie ein lange nicht
gesehener empfangen wird (4705), obgleich er kurz vorher
(4433) ihm eine meidung gethan hatte. dies lässt sich nur
durch Zusammensetzung verschiedenartiger theile des gedichts
(oben 8. 184) erklären. Dietleib erzählt der Helche Dieterichs
Schicksale, ehe sie diesen noch selbst hat vor sich erscheinen
lassen (4815), ja er vnrd jetzt (5896) sogar unter den beiden 194
genannt^ die Helche dem Dieterich zu hülfe sendet, hernach
zeichnet er sich im kämpfe gegen Ermenrich aus, besiegt den
Wate (6670 — 6774), erhält von Dieterich gefangene zum ge-
schenk (7024) und wird zu einem anführer ernannt (8561).
Biterolf der Sttrcere wird nur unter den beiden Etzels und
der Helche aufgezählt (5132. 5895); nichts verlautet davon,
dasz er Dietleibs vater sei.*
In der Kabenschlacht befinden sich beide, Biterolf {marc-
grdve 735) und Dietleib, an Etzels hofe und sichern dem
Dieterich beistand zu (42. 43); sie folgen hier auf einander,
nicht aber ist gesagt, als vater und söhn. Dietleib wird öfter
genannt und sein muth gerühmt (323. 527. 537. 560. 702. 976.
994. 1029). in den Drachenkämpfen streiten sie zwar für
Dieterich, erscheinen aber im gefolge des königs von Ungarn
und werden von diesem entboten (168^- 315*»). es gab also
eine doppelte ansieht, nach der einen gehörte Dietleib zu
Dieterichs, nach der andern zu Etzels kreis; ob letztere eine
folge des groszen gedichtes von Biterolf war, oder umgekehrt
dieses sich schon darauf stützte, ist nicht zu entscheiden, doch
scheint die andere richtiger, da auch die übrigen gedichte ihr
beistimmen. In der Vilkina saga ist Biturulf der vater des
Thettleif , dieser sucht den könig Thidrek auf und wird end-
lich dessen mann. die schöne dazwischenliegende sage von
ihm hat kein deutsches gedieht bewahrt.** Dietleib erscheint
im Laurin verbunden mit Dieterich, und heiszt Biterolf es kint
* doch beiszt Dietleib 6714 des käenen Biterolfes kint, 6732 Biterolfes zni t.
•♦ vgl. ZE. 23, 1 ; 28, 5.
13 •
196 83
194(2322 altes heldenbuch); der vater empfängt ihn bei der rück-
kehr (2731). im Rosengarten a (lU. 145) und c (7*»), als er
zur theilnahme an Dieterichs zug soll aufgefordert werden, fin-
det der böte nicht ihn, wohl aber den alten Biterolf in Steier-
mark zu haus, dieser verweist ihn (a 147 — 158, C hat hier
eine lücke) nach Bechelaren, wo Dietleib bei Rüdiger verweile,
aber dort ist er auch nicht, sondern nach des markgrafen aus-
sage in Siebenbürgen^ wo ein meerwuuder ihn hat erwürgen
wollen, der böte macht sich nun dahin auf den weg, findet
aber den jungen beiden zu Wien vor dem münster stehen, sein
gegner im Rosengarten sagt zu ihm (a 347 und G 22^) : du bist
niht gewahren noch zuo einem man; jedoch in c wird ausdrück-
lich bemerkt, als Hildebrand ihn zum kämpfe aufruft: er hielt
bt künec Etzel under einer banier rot. dunkel ist im Rosen-
garten c von einem früherhin nicht ganz guten vernehmen
zwischen Dieterich und Dietleib die rede (s. unten s. 255). end-
196 lieh im anhange des heldenbuchs : 'Dietlieb von Steyre auss
Steyrmarck, was Bitterolfs sun der was an der Thünaw ge-
sessen'.
11) Ermenricha helden. das sonsther bekannte berühre ich
natürlich nicht; personen, die dieses gedieht blosz mit Biterolf
gemein hat, sind dort schon angeführt.
a) Wittich y hier in keiner näheren Verbindung mit Heime
(3385. 3412. 3730. 6507. 8633. 9225), zeigt sich reuig; Diete-
rich wendet ihm seine gnade wieder zu (obgleich wir von seinem
abfall hier nichts erfahren haben), verleiht ihm Raben und das
ross Scheminc (7115 — 7175). hier also der name von Wittichs
pferd [vgl. ZE. 27, 6. 38 s. 416]; in der Rabenschlacht reitet
er es im kämpfe gegen Diether und der H eiche söhne, und
entflieht darauf vor dem zornigen Dieterich (394. 410. 463.
958. 960). das alles stimmt nicht mit der Vilkina saga. dar-
nach erhält Vidga gleich bei seiner ausrüstung den Skemming
von seinem vater (c. 33. vgl. 25), eh er zu Thidrek kommt;
zwar leiht er in der folge einmal dem ömlung das pferd, er-
hält es aber zurück und verliert es erst durch den jungen Thet-
ter, der es ihm niederhaut (c. 310); vor dem zornigen Thidrek
entflieht er dann auf dem rosse des getödteten Thettrs (c. 313).
noch verwickelter wird die sache durch die erzählung des
Rosengarten a, b und c. Wittich weigert sich hier in den
kämpf zu gehen, bis der Berner auf Hildebrands anrathen einen
tausch bewilligt, wonach der könig von Wittich das ross FaJke
nimmt, ihm dagegen Scheming gibt, das ist aber ganz unpas-
send, denn beide sind von anfange her und der echten sage
gemäsz eigenthümer der pferde, welche sie durch diesen tausch
erst empfangen sollen, wie wir eben gehört haben, bekam
Vidga den Skemming von seinem vater und gleichfalls durch
die Vilkina saga (c. 38. 169) wissen wir, auf welche weise und
83 197
•
von wem Thidrek den Falke erbielt, den bruder des Skemming 195
und ihm an werthe gleich, allein auch in dem gedichte von
den Drachenkämpfen (56*) reitet Dieterich den Scheming. wie
gelangt er dazu? einen irrthum dürfen wir bei der Überein-
stimmung dreier verschiedener gedichte in diesem umstand nicht
wohl annehmen, das räthsel löst allein der Rosengarten D durch
eine anspielung auf ein unbekanntes gedieht. Dieterich besitzt
allerdings Scheming, aber nur, weil Wittich das pferd in einem
kämpfe gegen Amilolt verloren hatte, jetzt im Rosengarten,
seine Streitlust anzuregen, verspricht der könig ihm das pferd
zurückzugeben; aber an einen tausch wird nicht gedacht und
nur A, B und c, indem sie ganz unpassend den Falke hinein-
mischen, nehmen ihn an. Dietrichs worte in dem Rosengar- 196
ten D nach cod. Pal. (denn c. Arg. ist hier lückenhaft) sind
diese (33):
Schemig daz guot ros wil ich dir wider Idn^
daz du brceht von dem berge von dem vater dtn,
erslest du den risen, ez (sol) din eigen sin.
ez wart mir in dem garten (ze Garten?)^ dS du atrite
mit Amilolt.
ich wil ez dir wider läzen^ verdienestu den solt.
Nun liesze sich auch die angäbe in der Flucht rechtferti-
gen, als ob sie, freilich immer im Widerspruch mit dem Rosen-
garten, die rückgabe Schemings bei einer andern veranlassung
behaupte, die Bemerkung jener stelle, Wittich habe das pferd
von seinem vater mitgebracht, zeigt die Übereinstimmung des
verlorenen gedichtes mit der Vilkina saga; und die weitere
nachricht: von dem berge^ erklärt sich durch eine äuszerung im
anhange des heldenbuchs über Wittichs vater: 'Wielant — war
auch ein schmid in dem berg zu gloggensachsen^ womit wohl
der Koukesas gemeint ist. im Alphart reitet Wittich den
^Schimming' (235).
b) Witigouwe, wird nur einmal (8633) genannt^', ohne
zweifei gehört hierher aus dem anhange des heldenbuchs: 'Wyt-
tich ein held. Wittich Owe syn bruder. Wielant was d' zweyer
Wittich vatter'.
c) Witigtaen gleichfalls nur einmal (8635) neben Heime
erwähnt, mehrmals in der Rabenschlacht, meist in derselben
gemeinschaft (732. 837. 838). ursprünglich wohl Witigis.
d) Ribestein scheint der im Biterolf (oben s. 144) genannte
Rabeatein. er wird mit Sibich (von dem die ungetriuwen raBte
^' dieser name bei Jomandes Vuidigoia (oben s. 1), althochd. Witigawo,
Witngowo (tr. fuld. 1, 68. 148; vgl. gr. 2, 494), kommt überhaupt selten vor,
[ZE. 3. 14.]
19$ »3
196 in die weit sint komen 9716) zusammen genannt und zeichnet
sieb, wie dieser, durch treulose rathschläge aus (2565. 6835.
9615). ihm wird schuld an dem mord der Harlunge beige-
messen (s. oben s. 186).
e) Wate, oben s. 55.
f) Madelger. oben s. 146.
197 g) Marolt von Arie und sin bruoder Karle (8622), sonst
nirgends; aber dem dichter fallt dabei eine andere sage ein,
denn er fügt hinzu:
den guoten Karle mein ich niht,
von dem man sagt vü manic geachiht.
h) Ermenrich erhält einen redlichen rath:
7193. der Ermenrichen gab den rät,
des namen man mir gesaget hat,
daz was qiht Sibeche,
dirre der hiez Gibeche
und was ein recke üz erkorn,
von Galaber was er geborn.
i) Folgende namen stelle ich zusammen, weil sie nur hier
und fast .alle nur ein oder zweimal vorkommen; ihr Ursprung
aus der echten saoje ist freilich sehr bedenklich.
Bitrunc von Engellant (9405. 9486) wird getödtet (9533)
— Reinher von Partse (9535) erschlägt acht beiden Dieterichs,
und wird von Wolf hart getödtet (9664). — Diezolt von Tene-
marke (8608). — Hüzolt von Norwcege (8609), wenn nicht Eu-
zolt von Gruonlanden in der Rabenschlacht (709) derselbe ist,
denn Grünland hiesz eine Norwegische landschaft (Parz. 48,
29. 87, 20. Wh. 848, 25); die Rabenschlacht kennt aber auch
(718) einen ^Pauzolf von Norwcege und der könnte ebenfalls
gemeint sein. — Dietpolt von Gruonlant (8610. 9259). — Frir
dune von Zeringen (8611). — Madelolt (9>&H). — Sturinger von
Mant (8674. 9274; einmal, 8613, wahrscheinlich durch einen
Schreibfehler, steht Engellant). — Sigemdr von Brdbant (8614).
— Tusunt von Normandie mit drei brüdern (8615). — Mar-
hunc von Hessen (8617). — Ladmer von den bergen (8619. 9217).
— Rdmunc von Islande (8621). — Strtther von Tuskdn (6467.
6505). — Marholt von Gurnewale (8928). — Tiwalt von West-
vdle (8630). — Meizunc [Morunc] von 'Ditmars' (8631).
12) Etzels helden.
a) Von den drei sonst verbündeten, Irnfrit, Häwart und
Inno (oben s. 115. 116), erscheint blosz der letztere (5126.
5892. 7335. 8567. 9841).
b) Bei Rüedeger bemerke ich nur, dasz er den Dieterich
198 auf seiner flucht als einen alten freund und bekannten empfangt
(4711), Gotelind und Bechelaren aber niemals genannt werden.
88 rl99
c) Nuodunc komxnt vor (5135. 5899. 8566. 9839), aber 198
keine spur, dasz er ein söhn oder verwandter Rüdigers sei
(oben s. 100. 101).
d) Blcedelin (5217. 5893. 7335. 8567. 9441) niemals als
bruder Etzels angeführt, ich merke hier an^ dasz die Vilkina
saga (c. 349. 359) auch nur einen herzog Bhdlin kennt und
nichts von einer Verwandtschaft mit Attila sagt, dessen nur ein«
mal im vorbeigehen (c. 63) erwähnter bruder Ortnit heiszt.
e) Dietertch von Kriechen (5140. 5901), auch in der Raben-
schlacht (53. 539. 563. 580. 713). in dem Rosengarten n, unte^
des Berners kämpfem; er heiszt da der scheine Dietertch von
Kriechen, ich weisz nicht, ob auf die sage von dem schönen
und häsziichen Dieterich, die schon in der kaiserchronik vor*
kommt, dabei eine beziehung waltet.
f) Hartnit von Riuzen (5890), im Rosengarten auf Diete-
richs Seite; in c (bl. 22) Hertnit von Riuzen, in d aber sowohl
in c. Arg. als Pal. beständig Härtung, in der Vilkina saga
zwar ein Hertnit könig von Kuszland, doch unter anderen Ver-
hältnissen.
g) Imidn von Antioch (5132. 5891. 8570), auch in der Ra-
benschlacht (545. 721). ist ein kunic Imtdn, häufig erwähnt in
Dieterichs Drachenkämpfen (166»>. 178. 213*. 23P. 264»>), wo
er aber könig von Ungarn (165*) zu sein scheint, derselbe?
h) Baltram (5136. 5865—68. 5925. 7337. 9838), zugleich
in der Rabenschlacht (57. 325. 327. 579. 705).
i) Erwtn von Ehen Troie (5128. 5376. 5894), auch in der
Rabenschlacht (56).
k) holt (5129. 5900. 8570), erhält von Etzel als botenlohn
die mark von Rodenäch unz ze Budine (7280—7364). in der
Rabenschlacht holt von grozen Ungern (49. 548. 578. 715)
[Haupts zs. 10, 167] und: üz Hiuniacher marke (235).
1) Norpreht von 'Pruwinge' (5137); in der Rabenschlacht
K von ^Profinge^ (55, 546; wahrscheinlich ist auch 233 Nor-
preht zu lesen statt Nuodunc und 737 statt 'HortprecM),
m) Helfertch von Lütringe, nur einmal (5138); kommt auch
nicht in der Rabenschlacht vor. ein ritter dieses namens in
Ecken ausfahrt, aber ganz auszer Verhältnis mit Etzel.
n) Helfertch von Lunders (5139. 5902. 9216) xmd Helferich m
ohne Zusatz (7339. 8568). in der Rabenschlacht (Helfertch
allein 51. 220. 225. 566 — 76. 589 — 94. 877. 992. 1037. 1044
von Lunders 248. 541. 801. 896. 1059, und 535 verlangt der
reim Lunder) ist er sehr thätig.
o) Walther von Lenges (5884), in der Rabenschlacht Wal-
ther der Lengescere (47. 712). [Haupts zs. 5, 4.]
p) In diesem gedichte allein und nur einmal werden ge-
nannt: Balther (5136), Wigolt (5141), Sturinger (5142, verschie-
200 83
199 den von Sturlnger von Islant unter Ermenrich), Huzoh von
Prinzen (5889).
13) Wie schon vorhin bemerkt, Otntt und Wolfdieterich
werden hier unter die ahnherren Dieterichs von Bern gerech-
net, und die sage von ihnen ist kurz angedeutet (2093 — 2366).
als Otnit, könig von Rom, vierzig jähre alt ist, rathen ihm die
landesherrn eine frau zu nehmen und empfehlen ihm Ldebgart,
tochter des königs Godidn^ dessen land ^Galame* (Galänie?)
jenseits des meeres liegt, die Werbung ist gefahrlich, denn der
vater nimmt jedem freier das leben. Otnit fährt mit einem
heer hinüber, verwüstet und verbrennt dao land, bis Godian
seinen sinn beugend mit dem frieden die tochter ihm anbietet
Otnit nimmt also die Liebgart mit sich heim, doch Godian
bleibt im herzen unversöhnt und sendet durch einen wilden
mann heimlich vier drachen in Otnits reich, die bei Garte in
einen tiefen wald gethan werden, der dichter beruft sich auf
die sage:
2233. nü ist iu wol kunt getäuj
wie Otnit der küene man
nach dem wurm in den walt reit.
daz hat man iu ouch geaeit,
wie in der wurm släfende vant
vor einer wilden steinwant,
er truoc in hin in den berc;
die würme sugen in durch daz werc.
Die wittwe gelobt den zum manne zu nehmen, der sie an
dem drachen rächt, um diese zeit kommt aus Griechenland in
das römische reich Wolfdieterich, tödtet den drachen, wird
könig von Rom und heiratet die Liebgart.
2289. 80 üt daz genuogen wol bekant,
mit wie manlicher haut
er manige fere ervaht.
200 Er lebt 503 jähre, von 56 kindem bleibt nur Hugdieterich
übrig, der das römische reich erhält, er heiratet Sigemtnne
: von fVankrtche.
2353. daz ich iu solt nu wizzen lan
daz ist iu e wol kunt getan:
wie der here Hugdieterich
die künigin von Francrich
mit üzerwelter manheit
in ir vater lande erstreit;
waz arbeit er umb sie gewan,
6 er siQ ze wibe nam.
-—88 201
Er lebt mit ihr filnfthalbhundert jähr und hat nur einen 200
einzigen söhn, jenen Amelunc^ von welchem schon (s. 185) die
rede war.
So kurz diese andeutungen sind, so beziehen sie sich doch
sichtbar auf eine von den bisher bekannten abweichende dar-
stellung der sage. Godidn (in dem Gothaischen codex der
Weltchronik, wo dieses stück aus unserm gedichte wörtlich auf-
genommen ist, abgedruckt in den altd. wäldern 2, 121 — 127,
steht Ortntt und Gordidn), könig in 'Galame' {Solan c. Goth.),
heiszt hier der vater von Otnits frau, dagegen in den codd.
Pal. und im cod. Francof 'Nachaol (Achehel b, Nachehol c)
ze Muntahur\ dessen hauptstadt, 'zu Sunders (Suders d), in
Surgen liegt, in dem alten druck steht 'Machahol zu Munte-
bure' und 'Suders in Syrren \ bei Caspar (44): 'Zacherel zu
Mantamür\ die erkämpfte königstochter erhält nach der taufe
den namen Sidrdt (505, 2 Mone, 493 alter druck), dagegen der
ihr hier beigelegte Ldebgart dort, auszer dasz ihn Wolfdiete-
richs groszmutter fährt, fremd ist ; merkwürdigerweise gebraucht
ihn Caspar von der Röhn, der sonst Otnits wittwe gar nicht
nennt, einmal ganz zu ende; in der nacht nämlich, wo teufel
den Wolfdieterich mit erscheinungen quälen, heiszt es (329),
auch sein weib 'Liehgartcb sei gekommen und habe ihn ver-
sucht, der vater der Sidrat sendet nicht vier^ sondern zwei
drachen (538 Mone), oder nach Caspar zwei dracheneier (239.
243), und auch nicht heimlich, vielmehr als eine köstliche gabe^
an Otnit ab. endlich ist auffallend, dasz hier durchaus nicht
Alberichs erwähnung geschieht, durch dessen beistand Otnit
die Sidrat gewinnt.
Auch die erzählung von Otnits tod weicht ab. nicht an
einer felsenwand, sondern unter einer betäubenden zauberlinde
(Wolfd. cod. Fr. 98*) findet der drache den schlafenden kaiser, 201
verschlingt ihn und trägt ihn fort, dagegen die worte: die
würme sugen in durch daz werc finden sich gleichlautend dem
groszen gedichte (c. Fr. 99*). auch dort tödtet Wolfdieterich
späterhin den drachen, aber sein übernatürlich hohes alter und
die grosze anzahl kinder, die bis auf eins wieder sterben, ge-
hören unserm werke allein an. dort hat Wolfdieterich (214**)
eine tochter, die gleichfalls Sidrdt genannt wird, und den söhn
Hugdietertch, was aber hier von des letzgenannten abenteuern
und kämpfen um Sigeminne von Frankrtche folgt, davon wissen
die anderen gedichte nichts, und klärt sich vielleicht bei näherer
bekanntschaft mit der Wiener handschrift auf.
14) Beziehung auf Siegfried und seinen mord,
2040. Sigehers kint,
diu hiez diu schoene Sigelint^
die nam sit der künic Sigemunt;
202 88
201 (daz ist uns allen wol kunt)
der fiiort sie gen Niderlande,
Sigemunden man wol erkande,
der gewan bi Sigelinden sint
ein lobsamez kint,
Stfriden den höchgemuoten,
den starken und den guoten,
an dem sit grozer mort geschacb,
den Hagen von Tronge stach
ob einem brunnen morüich.
vil sere riuwet er mich.
15) Günther von Rine und Gernot sein bruder kämpfen auf
Ermenrichs seite (8627. 9737): do reit der künic Günther zuo,
dem volgten zweinzic tüsent man (9084); vast zugen dort her
die starken 'Burgonis man' (9091). abermals heiszen sie 'die
Burgonie'* (9119), aber niemals Nibelunge (vgl. oben s. 13).
Giselher erscheint wohl nicht wegen seiner vorausgesetzten kind-
heit. von allen Burgundischen mannen wird keiner genannt,
als einmal 'von Alzan her Volker' (9209); er kämpft mit Wolf-
hart; dabei berufung auf die sage:
nü habt ir e wol vernomen^
si wären küene beide.
Aber was sehr aufiallt und die ganze anordnung der sage
in diesem gedichte verdächtig macht: die übrigen helden der
rheinischen könige kommen allerdings vor, jedoch auf der ent-
202 gegengesetzten seite für Dieterich kämpfend, ohne dasz im
geringsten ihres Verhältnisses zu Günther gedacht oder diese
unnatürliche trennung erklärt wäre, erscheinen sie unter den
andern helden des Bemers, als hätten sie immer dazu gehört,
also Hagene und Dancwart neben einander (8575); die voran-
gegangene erwähnung des Hagene von Troneje als Siegfrieds
mörder steht ganz abgesondert, und musz auch, da, wie oben
(s. 185) angemerkt ist, nach der genealogie dieses gedichtes
Siegfried und Dieterich nicht Zeitgenossen sein können, sodann:
Ortwtn von Hetzen (3009), Sindolt (3002. 3624. 3725), HunoU
(3001. 3270. 4424. 5280. 8571. 9843). Gere (8290) ausdrück-
lich marcgräve genannt, (unter den mannen der ahnherrn kommt
noch ein anderer Hünolt, 530, und Sindolt 1965, vor), und
um die Verwirrung vollständig zu machen, so wird wiederum
Rümolt als zur partei Ermenrichs gehörig angeführt, aber mitten
»unter dessen kämpfern (8607), nicht, wo er hingehört, unter
Günthers Burgunden. — marcgräve Eckewart, den ja auch
Biterolf nicht kennt, ist allein übergangen.
16) Ldudger und Liudegast, in der Nibelunge noth feinde,
im Biterolf bundesgenossen der rheinischen könige (oben s. 135),
84 203
sind hier (5881. 8603), mit vollkommenem widersprach, erst 203
beiden Etzels hernach Ermenrichs. erklärt sich das aus ver-
schiedenen bestandtheilen des werks, wovon bei Dietleib bereits
die rede war, oder ist es nachlässigkeit des Überarbeiters? in
der Rabenschlacht dagegen (731. 735) stehen sie auf Ermen-
richs Seite.
17) Waliher von Kerlingen ^ bei Ermenrich (oben s. 96).
in der Rabenschlacht ist er uiibekannt,
84.
' HEfNRiCH VON München, setzte im anfange des 14ten Jahr-
hunderts Eudolfs weltchronik fort, (die hierher gehörige stelle
aus dem cod. Dresd. verglichen mit dem cod. Gothan. in den
altd. Wäldern 2, 115—133).
1) Eingetragen ist die geschichte von Dieterichs ahnen,
nur sehr viel kürzer als in dem gedichte von der Flucht; der
inhalt stimmt im ganzen, der ausdruck oft wörtlich überein.
Heinrich beruft sich auf ein buch (138. 144. 168. 232. 235.
312), dasz er jenes gedieht meine, könnte man umsomehr ver-
muten, als in dem cod. Goth. das stück, was Otnit betriflPt, 203
ohne frage wörtlich daraus entlehnt ist; aber ich glaube den-
noch, er meint ein anderes, etwa die quelle jenes gedichts, weil,
wie sich zeigen wird, er ungeachtet der auszugsmäszigen, vieles
ganz übergehenden darstellung, doch einiges genauer und rich-
tiger hat, ja dies ist gerade auch in jener erzählung von Otnit
nach dem cod. Dresd. der fall, wo der cod. Goth. abweicht
und das ausführlichere gedieht abschreibt. [DHB. 2, XLVi ff.]
2) Die angaben von dem übernatürlichen alter fler ahn-
herren Dieterichs fallen weg, wie die grosze anzahl von kindern.
nicht von königen in Rom ist die rede, Dietwarts land heiszt
Meran (70) d. i. Dalmatien (vgl. oben s. 53). frau Minne ist
tochter des königs 'Ladinorea aus Westerland (93). Sigeher
sein söhn:
123. er twanc bi siner zit
Lamparten under sich vil wtt.
Auf diese weise kommt der Schauplatz doch wieder nach
Italien, auch Ortnit herscht nun in Lamparten (193. 218) in
Übereinstimmung mit dem gedichte des heldenbuchs^*). in der
^^ die Eaiserchronik in einer wunderlichen mischung von sage und ge> *
schichte (altd. wälder 3, 278 — 83), die ich hier übergehe, weil kein gedieht
etwas entsprechendes darbietet, zeigt bei gänzlicher abweichung des Inhalts, doch
dieselben geographischen Verhältnisse, denn auch Dieterichs von Bern ahnherr,
der alt Dieterich, ist ein vürst ze Merän und flieht, von Ktzel seines lande^i
•beraubt, nach Lamparten.
204 «4
203 Flucht wird bei der geschichte der ahnen Lamparten gar nicht
genannt.
3) Ortnit will die drachen tödten:
200. do wart er von ir eim getragen,
der in släfent ligen vant,
in ein hol und in ein steines want^
den jungen würm ze spise.
Dies widerstrebt nicht dem gedieht von Wolfdieterich, wor- j
nach der kaiser unter einer zauberlinde eingeschlafen war, aber (
der Verfasser von Dieterichs flucht hat durch eine geringe um- j
Stellung der worte (oben s. 199) den sinn verändert. I
236. do Wolfdieterich der küene man j
wart alt zwei und sehszic jär, j
do lac er tot ze Bar j
in der atat und in dem lant I
• daz noch PüUe ist genant i
204 Im Widerspruch mit dem gedichte von ihm, wonach (216')
der lebenssatte held in das kloster von 'TischgaF (Tustkal alt.
dr.) geht und darin stirbt, ich erinnere daran, dasz Bari in
Apulien auch Ruthers sitz war (oben s. 51).
4) Ermenrichy hier 'Erntreich', heiszt der ungetriuweat, der
ie von muoter wart geborn (285). die stelle über seinen söhn
lautet:
295. ez gewan der künic Emtrich
einen sun, hiez Fndertch
den er sit versant
hin in ein wildez lant
daran man sin untriuwe sach.
5) Über die Harlunge:
305. ouch gewan Diether der riebe
drt süne vil herliche,
die wären hübsch und wol getan,
die jungen Harlunge was ir nam.
die selben Emtrich vie,
an einen galgen er si hie
ze Raven in der staty
als ez an atnem buoche stät
* von dem ungetriuwen man.
Das gedieht von der Flucht sagt nicht, dasz zu Raben die
Harlunge seien aufgehängt worden, und doch beruft sich der
Verfasser gerade hier auf das buch.
84 205
6) Nichts davon, dasz Dietmars frau des könig Desen ao4
tochter gewesen, doch von ihm etwas näheres:
324. Dietmar büwet ze Berne
daz wunderhüs, da was er gerne
unz an sin endes zil.
Ohne zweifei Theodorici dornte ^ von dem schon die sage
des 12ten Jahrhunderts spricht (oben s. 40), nur dasz hier Diet-
mar es gebaut haben soll.
7) Dieterich aus seinem reich vertrieben: '
331. Der ungetriuwe Erntrich
der vertreip sin vetern Dietrich
sit von Berne üz dem lant.
Dietrich von Berne kam zehant
zuo Etzel dem künige rieh,
dem dient er sit vil vlizeclich
unde was bi im vil jär.
8) Eine beziehung auf die Nibelunge noth. 305
366. nach der zit wurden erslagen
die Hiunen mit grözer not.
ditz geschach durch Sifriden t6t
den Hagen erslagen het
(als von im geschrieen stet)
ze Wurmz an dem Ein.
Chreimhilt was ein magedin,
diu sit nach der vart
künic Etzel ze wibe wart,
dö im frou Helch erstarp.
Chreimhilt al da gewarp,
daz beidiu recken und zagen
ze Oven wurden erslagen.
sie selb ouch den tot nam
von Hilprant des Berners man,
der bi dem strite was.
Der cod. Goth. mit andern werten und ausführlicher:
künic Etzel mit siner hant
Francrich daz lant
und diu diutschen lant betwanc.
nach dem selben sider niht lanc
starp im Helch sin wip.
dö nam er sinem lip
ein wip üz Burgunderlant;
Chreimhilt was diu genant.
der het Sifrit der degen
206 84
205 vor zuo wfb gepflegen,
den Hagen ob einem brun erstach,
daz Chreimhilt ser sider räch,
wan do si het die böchzit
mit Etzel dem künic rieh,
dö luod si dk bi
ir brüeder alle drt,
Günther, Giselher und Gernot,
und Hagen, die alle den tot
namen und manec küener man.
ze Ofen wart daz mort getan,
daz klagten sit arm und rieh,
vil manic helt zierlich
muost da sin leben Verliesen.
Chreimhilt begund ouch kiesen
darumb die selben not:
206 Hilprant der alt sluoc si ze tot,
der ouch bi dem strite was.
Auflallend, dasz Dieterich bei dieser erzählung nicht ge-
nannt wird, obgleich Hildebrand erscheint, man sollte meinen,
der chronologische Widerspruch habe den Heinrich von Mün-
chen dazu bewogen, denn er trägt hierauf die gewöhnliche ge-
schichte von Theodorich vor und knüpft sie durch folgende
noch hierher gehörige äuszerung an:
416. wan dö künic Etzel tot gelag
und daz ze Ungern al sin mag
in dem aal wurden erslagen,
dö kom Dietrich in den tagen
gen Constantinopel dö
zuo dem keiser Zenö
und was bi im al da.
Allein aus der dichtung ist doch, wie wir vorhin gesehen
haben, Dieterichs aufenthalt bei Etzel angenommen, den namen
Nibelunge scheint Heinrich von München nicht zu kennen.
8) Dieterichs tod wird übereinstimmend mit der Kaiserchro-
nik erzählt (oben s. 38).
9) Allgemeine hindeutung auf die sagen von Dieterich:
456. nu hän ich iu gesagt gar,
wie ez Dieterichen ergie,
daz habt ir vernomen hie,
den man von Bern nant.
von dem selben wtgant
wirt manic gehgenez mcer geseit^
des mich vil oft hat betreit
85 207
von im manigiu zil. 206
swer ditz von im lesen wil,
der les 'historia katholicum\
da vint er an ein drum
die wärheit von im geschriben,
als si bis her ist beliben.
Statt Katolicum ist zu lesen Gothorum, und Jornandes
wird gemeint, dies zeigt eine stelle aus einer bis zum jähr
1452 reichenden chronik (cod. Pal. 525 f. 38*): 'Dicz was diete-
rich von pern dietmairs sun von des geslächte die amelunge
chomen. wer nü von seinem leben und von seinem geslächt207
und von seinem vrluige wissen welle, der lese hiatoriam gotho-
mm, es wird doch von ihm manig gelogen mär gesaitJ^^
10) Etzels vater heiszt ' Vallerades* (53) ; in der eben ange-
führten chronik des cod. Pal. 525 steht (35*) ^sallade8\ ent-
stellung von Valeravans in der gothischen geschlechtstafel bei
Jemandes ?
85.
Rabenschlacht, (zu Athis s. 62, c 74.)
1) Häufige berufung auf eine ältere, schriftlich vorhandene
darstellung: als wir daz btioch hoeren sagen (112. 154), als mir
daz buoch ist kunt (196. 677), wie uns daz buoch las (447),
uns welle dan daz buoch liegen (782), als uns daz buoch verjach
(801). der dichter hat vorlesen hören: ich gehört bi minen
ziten an buochen nie gelesen (779), aber auch selbst lesen kön-
nen: an den buochen ich nie gela^ (79)-
2) Er gedenkt zugleich mündlicher Überlieferung:
98. ditz ist ein altez mcere^
ir habt ez oft hoeren sagen.
101. an mmem alten mcere
hebe ich wider an.
Das älteste bis jetzt bekannte Zeugnis geht in die erste
hälfte des dreizehnten Jahrhunderts zurück (oben s. 157), unser
gedieht möchte etwa hundert jähre jünger sein.
3) Das gedieht von der Flucht wird vorausgesetzt, es
heiszt von Dieterich:
'^ aus einer andern handschrift mitgetheilt von Docen im neuen Ht. anz.
1807, 8. 660.
208 86
207 6. der künic von Römisch liche
bestuont nur ein einigez jär,
daz wizzet sicherliche,
nach dirre herverte^ daz ist war,
in Hiunischen landen.
in rouwen atn mom^ die da wären bestanden,
10, 4. dem was getrülichen leit
umb den küenen Alpharten;
er beweinet ouch dicke den starken Helmscharten.
208 Beide sind in jenem gedichte gefallen und von Dieterich
beklagt worden (oben s. 191. 192).
4) Jedoch das gedieht von der Flucht, in der gestalt, in
der wir es besitzen, kann nicht gemeint sein, hier kämpfen
beiden, die dort schon getödtet sind : Bertram von Pole (er be-
findet sich nach str. 114 in Dieterichs gefolge, dagegen nach
str,. 205 kommt er ihm in Lamparten entgegen geritten, als
wäre er noch nicht bei ihm), Rienolt von Meildn und JEckehart
sogar Stfrit von Niderlanden^ dessen mord durch Hagen als ein
längst geschehenes ereignis dort erwähnt ist, erscheint hier als
mitstreiter. das sind offenbare Widersprüche, anderweitige ab-
weichungen in darstellung der Verhältnisse werden hernach
noch zur spräche kommen.
5) Dieterich heiszt Dietmäres kint (52), könig von Römisch
land oder reich (6. 956. 968. 1021; vgl. s. 190); die seinen empfan-
gen ihn in Lamparten (204). Dieterichs Vermählung mit Herrat ist
schon (oben s. 103) bemerkt, von Diether wird gesagt, er sei ein
wenig älter^ als die beiden söhne der Helche (298. 299 ; vgl. oben
s. 127); er heiszt der junge künec von Berne (1079); vgl. s. 190.
Warum des Berners ross Falke (oben s. 195) erst hier
und nicht in der Flucht genannt wird, erklärt sich freilich aus
der erzählung von dem erwerbe desselben. Starker^ Ermen-
richs mann, den Dieterich im kämpfe tödtet, war im besitze
(626).
634. Ditz edel kasteldn
gewan her Dietertch^
als ich vür war vernomen hän,
alrest des tages sicherlich
Er besteigt es nachher, um Wittich zu verfolgen (915.
961). — so spät jedoch gelangt in der Vilkina saga Thidrek
nicht zu seinem berühmten pferd. schon im Zweikampfe mit
Vidga (c. 28) und hernach (c, 41. 43) hat es ihm dienste ge-
leistet, zwar scheint damit in Widerspruch zu stehen, dasz erst
lange hernach (c. 169) Heime den Falke aus seiner heimat
holt und dem könige schenkt, aber die altschwedische Vilkina
saga überliefert hier das richtige : Heime gab es ihm gleich bei
85 209
ihrem ersten zusammentreffen (c, 18). noch verdächtiger wird 208
die erzählung unseres gedichtes dadurch, dasz jener Starker
sonst nirgends vorkommt; in der Flucht gehört sogar ein held
dieses namens zu Dieterichs partei und fallt im kämpfe (oben
s. 193). Falke ist auch im (Ecke 152. 218 Lassb. und im)
Siegenot (58 alt. dr.) des Berners ross, dagegen wird es dem
Wolfdieterich in Caspars gedieht (158) zugeschrieben.
Ein seidenes hemd, das Dieterich unter der rüstung trägt 209
und an dem sich des feindes speereisen umbiegt, weil vier
heiligthümer (reliquien) darin befestigt sind, kennt blosz unser
gedieht, aber schwerlich aus der altern sage; oder es ist eine
nachahmung von Wolfdieterichs St. Jörgenhemd.
6) Von Dieterichs helden finden wir nur Hildebrant und
Wolfhart^ selbst den in der Flucht noch bekannten SigehSr
nicht, dagegen die meisten, doch nicht alle, der in jenem ge-
dieht genannten kämpfer, erscheinen auch hier wieder, wie das
dort angestellte Verzeichnis darthut. umgekehrt stoszen wir
nur auf ein paar dort fremde namen: Alpher ^ ein böte, den
Friedrich (von Raben) an den Berner sendet (265 — 267); Rein-
her von Meildn^ der ihm bei seiner ankunft in Lamparten ent-
gegenreitet (205. 206); endlich Alebrant (736), von dem wir
blosz den namen erfahren, von zwei andern ist etwas eigen-
thümliches anzumerken:
a) Der aus der Flucht (oben s. 192) schon bekannte Ihän
heiszt hier der alte (283. 1119) und hat bedeutenden antheil
an den begebenheiten. ihm werden die kinder der Helche und
Diether anvertraut (114. 281—297. 304. 340—362. 869—873)
und da er an ihrem tod insoweit schuld ist, als er ihnen fort-
zureiten gestattete, so haut ihm der zornige Berner das haupt
ab (1120). — Ilsan besitzt hier ein ross Blanke (362), in der
Vilkina saga wird das auch genannt (c. 382), aber es gehört
dem könige Thidrek, der es von Alibrand geschenkt erhalten;
oder nach Rafn (c. 393) jagt ihm darauf ein diener bei seinem
letzten ritte nach.
b) Eckehart (oben s. 144). genannt werden hier die Har-
lunge zwar nicht, aber es fehlt doch nicht an einer deutlichen
beziehung auf ihren mord. Eckehard spricht zu dem gefan-
genen Sibich:
864, 3. — nü muostu hangen.
nü wol mir dirre reisevart.
nü 8int gerochen mtne herren,
nü kan mir nimmer mer leides gewerren.
7) Ermenrichs helden.
a) Als Wittich^ verfolgt von dem könige Dieterich, sich
nicht mehr retten kann, erscheint ein merminne^ diu was Witi--
WiLH. GbIMM, DKUT8CHB HBLDBKSAOB. 14
210 85
^9 gen an^ und birgt ihn in meeres grond; sie heiszt frou Wdchät
(964 — 974). die Vilkina saga bei Peringskjöld und Rafii, ob-
gleich sie erzählt, Vidga sei vor dem feuerathmenden Thidrek
210 in die see gesprengt und darin versunken (c. 313), weisz doch
nichts von jener wunderbaren rettung. dagegen die altschwe-
dische spricht davon: als Widecke auf der flucht vor Didrik
in die see gesprungen und untergegangen war, 'tho kern til
honom en kafru, hans fadher fadher modher ok togh honom ok
forde honom tu Sälandh ok war ther longa stundh.' dort er-
eilte ihn noch Dfdreks räche.
Durch diese Zeugnisse wird zugleich eine andere begeben-
heit und die herkunft Wittichs bestätigt, die wir nur noch aus
der Vilkina saga (c. 18) kennen, der könig Vilkinus [ZE. 23, 3]
erzeugte mit einer meerfrau den riesen Vade, den vater Velints,
der Vidgas vater ist, so dasz in obiger stelle das verwandt-
schaftsverhältnis richtig und genau angegeben ist. die meer-
frau, deren wahrscheinlich alten namen Wdchilt das deutsche
gedieht allein erhalten hat, war die mutter von Wittichs grosz-
vater.
b) Rienolt von Meüdn^ in der Flucht getödtet, lebt hier
noch und ist Wittichs schwestersohu (oben s. 145). bei Diete-
richs ankunft ertheilt er vor Padua dem Helferich schnöde ant-
wort (222). hernach erscheint er erst wieder neben Wittich,
als dieser vor Dieterich flieht, er selbst erwartet den könig
und wird von ihm niedergehauen, sein Zusammensein mit Wit-
tich ist auf einmal ohne irgend eine erklärung angenommen
und auch früher nicht ein wort gesagt, dasz er bei dem kämpfe
mit den jungen königen zugegen gewesen, späterhin erz^t
Büdiger dem Etzel:
1123. Witige und Rienolt
wären üf die wart geriten,
gein in kömen diu kint^
diu Sit leider mit in striten.
owe! da nämen sie daz ende
alliu drin von dn eines hende.
In dem gedichte selbst, wie gesagt, steht das nicht, Wit-
tich allein begegnet den knaben (376); aber es müste darin
stehen, dann wäre Kienolds plötzliches erscheinen an Wittichs
Seite erklärt und wir würden einsehen, warum Dieterich, nach-
dem er Kienold getödtet hat, ausruft: ja h&n ich gerochen ein
wenic miner swasre (956), welches voraussetzt, dasz Rienold
einigen antheil an dem mord gehabt, von Wittichs band allein
sind jedoch die jungen beiden gefallen, das sagt auch jene
stelle, diese lücke in der erzählung erklärt sich nur durch
unvollständige auffassung der sage, wem sie nun zur last fallt,
unserm Überarbeiter, oder seiner quell«.
85 211
c) In einer groszen anzaM neuer namen, die hier Ermen-211
nchs Streitern beigelegt werden, kann ich nur einen einzigen,
auch anderwärts vorkommenden auszeichnen: Fruot von Tene-
lanty Tenemarken (478. 684—686. 786—796); er hat einen gol-
denen löwen in der fahne. wir werden ihn im Rosengarten d,
doch auf der seite Dieterichs und in besonderen beziehungen
zu Günther von Worms finden.
d) Die lediglich hier und fast alle nur einmal vorkommen-
den namen stelle ich wieder zusammen. Sigebant von ^Jerlant
(248) zu unterscheiden von einem Sigebant bei Dieterich (oben
8. 192). — Herman künic von Normandie (482). — WcUkei* von
'Marssey' (486. 487). — ^von Westenlande Enenunt (491). ein
an sich merkwürdiger und ohne zweifei sehr alter name, der schon
in dem angelsächsischen liede vom Wanderer (Conyb. p. 15) vor-
kommt; vgl. Rechtsalterth. 270 [Haupts zs. 11.286]. — marcman von
Westodle^ sein zeich^ ein schwarzer strausz auf weiszem schild
(491. 492). — 'Sturtnger' von Hessen (494. 832). — Norunc von
EngeUande^ in seiner fahne ein silberner panther auf schwarzem
felde (496. 497). — herzöge StrttgSr von Gruonlande (498). —
Baldunc von Partse (707). — 'Wiker (708). — SturmhoU von
SwangSu (710. 711). — Bitrunc von Morlande. (714). — Gerolt
von Sahsen (715). — *Sigeher von Zeringen (716). — marcgräve
Baltker von Etzelingen (719). — 'Tywan von Gurdenwale' (720).
Rentivin von Elsentroie (724). — Frideger von Selande (726). —
Sigemär von EngeUande (727. 728). — Turolt von Brunswtc
(729). — landgraf 'Markeiz von Duringen' (730. 731). — Uol-
rieh von ^ Tegelingen' (736), vielleicht Tengelingen (oben s. 53).
— Wemher von Wernhersmarke (848. 850. 861). — ^Morolt von
Eierlande' (806). — Gerbart (739). — Morunc (738. 802), wird
getödtet (806); hierauf erscheint noch ein Morunc von Tuskän
(1008).
8) J^zeU helden.
a) Irinc^ hier allein (54. 542. 709), aber ihm ist ein sonst
völlig unbekannter bruder Erwin gegeben (543).
b) RHedegSr heiszt einigemal von Becfielceren (233. 719),
doch Gotelind wird nicht erwähnt.
c) NuodunCy der junge degen (41); ebenfalls nichts von
einer Verwandtschaft mit Rüdiger, höchstens könnte darauf hin-
deuten, dasz er da, wo Etzels helden dem Dieterich hülfe zu-
sagen, unmittelbar nach ihm genannt wird, aber viel auffallen- 212
der ist ein anderer umstand, bekanntlich tödtete Wittich den
Nudung (oben s. 100. 101) und dies ereignis muste nothwen-
dig in diesem gedichte, welches bis zu Wittichs ende geht, vor-
kommen und ganz passend berichtet es auch die Vilkina saga
(309) vor dem kämpfe Vidgas mit der Erka söhnen, aber in
unserer Rabenschlacht ist es völlig vergessen, zum beweis, wie
lückenhaft die Überlieferung darin geworden ist. überhaupt
14*
212 85
212 unbedeutend , tritt Nudung hier nur im kämpfe mit Frut von
Dänemark auf (685—702).
d) Blcedeltn (45. 562. 580. 710). zwar auch hier nicht
ausdrücklich Etzels bruder, aber, was doch wol dahin deutet,
einmal könig (324) genannt; er selbst heiszt Etzels kinder die
vil lieben herren sin.
e) Folgende namen nur hier: Dietmar von Wienen (62). —
Diepolt von Beiern (65). — Wolger von Grane (66. 724). —
Tibalt von Sibenbürgen (67) und Berhtunc (73) sind als ver-
wandte der Herrad schon oben (s. 104) angeführt. — Rtcholt
von 'Ormeie^ (Ormanie? 69). — Berhtram von Salnicke (71. 716).
— ^Weicher von ConatantinopeV (72). — Walther (551). —
^ Marcholt von Sibenbürgen^ (739). — Ruodwin von Treisen-
mure (725).
9) Grunther von Rtne (811), von Wurmz (722), auf Ermen-
richs Seite; seine fahne ist grün. Gernot (723). der name
Nibelunge kommt so wenig, als in der Flucht vor, aber auch
nicht Burgunden, auszer bei Rumolt ^von Burgonye lani (224).
er ist hauptmann von Padua und auf dieselbe weise, wie in
der Flucht, unter Ermenrichs mannen aufgestellt; durchaus
nichts von seinem küchenmeisteramt bei Günther. Rüdiger
kämpft mit ihm (237 — 245), und sehr befremdlich und bis jetzt
unerklärbar sagt Helferich von Lunders:
225. mir ist wol kunt sin eilen:
ich und er warn gesellen.
Auch Volker von Alzeije wird einmal (705) auf Ermenrichs
Seite angeführt.
Was die übrigen rheinischen beiden betrifft, so fehlen zwar
Hagen und Dank wart, aber sonst werden genannt, und zwar
ganz wie in der Flucht, in derselben ungeschickten trennung,
auf Dieterichs seite: Ortwin von Hetzen (517. 730), Ämrfofe (578.
732), Eünolt (114); nur kein Gere.
10) Eine überraschende erscheinung ist Sifrit von Ntder-
lande, die Flucht setzt seinen tod voraus, hier finden wir
213 ihn als Ermenrichs beistand (495). wie unglücklich diese ein-
ftgung ist, zeigt sich in allem, was von ihm gesagt wird, er
kämpft mit Dieterich (646 — 654) und den werten nach sollte
man meinen, dieser habe ihn getödtet, denn die erzählung schlieszt
hier mit den werten : den heim durch bede wende stach er daz
sper unz an daz ende. (vgl. Frauend. 46°- 49^). allein bald
nachher beginnen sie abermals einen kämpf. Dieterich über-
windet den Siegfried und dieser, um sein leben zu erhalten,
reicht dem Berner sein schwert Balmung (682-— 684). nicht
blosz ist dies dem geiste der echten sage von Siegfried unan-
86 213
gemessen, es widerspricht ihr auch geradezu, da in der Nibe-ais
lunge noth (896, 1) Siegfried auf der jagd vor seinem morde
Balmung fuhrt und hernach das schwert in Hagens hände
kommt. seine fahne ist hier roth. von der homhaut wird
nichts gesagt (vgl. s. 132).
11) Endlich noch ein zeugnis von dem dasein unserer
Nibelunge noth, wenigstens ihres einganges, denn dasz in
einer nachahmung derselben ein paar Zeilen daraus wiederholt
werden, hat schon Lachmann (urspr. gestalt 85. 86) gezeigt.
86.
Ecken ausfahrt, zwei darstellungen sind zu unterscheiden,
die eine enthält der alte druck in 284 Strophen; ich bediene
mich dafiir des Augsburger aus dem ftinfzehnten Jahrhundert,
vorzugsweise aber eines bisher unbekannten, welcher zu Strasz-
burg 1559 erschienen, die andere von 311 Strophen findet sich
in dem heldenbuche des Caspar von der Röhn. ich kann mich
auf den abdruck der letztern in der Hagen, und Büsching.
Sammlung nicht beziehen, weil Strophen aus dem alten drucke
eingerückt sind, da dies gleichwol nur so weit geschehen, als
beide darstellungen zusammen stimmen, (denn in dem letzten
theile weichen sie auch dem Inhalte nach ab, obgleich eine ge-
wisse Verwandtschaft sichtbar bleibt), so lernt man den alten
druck dort nicht kennen, selbst wenn man davon absehen
wollte, dasz auch die gemeinsamen Strophen nicht selten den
Worten nach sehr verschieden sind.
1) Berufungen auf daz Itet (33 alter dr. fehlt bei Caspar
V. d. R.) und auf die geschriebene quelle: wir finden hie ge-
schriben stän (1 bei beiden; 63 alter dr. fehlt bei Caspar), zahl-
reicher sind sie bei Caspar allein: als uns flir war diu lieder
sagen (49), diu biioch (76), daz buoch (155). und auf die münd-3i4
liehe sage: wir haben daz wol hcsren sagen (191. 291). bruch-
stück einer älteren darstellung aus dem dreizehnten Jahrhun-
dert in Docens Mise. (2, 194), und eine reinere dichtung in
der Vilkina saga (c. 40 — 43). die Zeugnisse fangen schon bei
Enenkel (oben s. 160) in der mitte des dreizehnten Jahrhun-
derts an.
2) Dietericha feueraihem (oben s. 105) ist nicht ausdrück-
lich erwähnt, aber die Wirkung davon in der übernatürlichen
kraft, die ihm sein zorn gibt. im kämpfe ruft er gott um
hülfe an:
214 86
2U 101, 11 (Str. dr.). 'Da gewan er eines ISwen kraft
Von herczenlichen zoren
Da wart er sigenhaffi;.'
204, 5 (Str. dr.) 'Wenn er in n6ten was behafffc
So halff jm gott der gäte
Vnd sandt im zweyer ISwen hrafft
Helt jn in seiner nute.'
Und sein gegner sagt:
175, 7 (Str. dr.). 'Vnd wer da recht erzürnet dich
Der sol dein nit erbeyten.'
3) Dieterich todtet die Hilde und den Grtm.
2 (Str. dr.). 'Drey beiden sassen in einem sal
Sye redten von wunder one zal
Die auszerwolten recke
Das ein das was sich herr Fasolt
Dem waren die schonen frawen hold
Das ander sein brfider Ecke
Der dritt der wild her Eberrot
Sye redtend all geleiche
Kein kuner were in der not
Wann von Bern herr Dieteriche
Der wer ein held in alle land
Mit listen lebt kein weiser
Dann der meyster Hiltebrand.
3. Da sprach es sich herr Eberrot
Nun schlug er lästerlich zu todt
Hilden vnd auch den Greymen
Vmb ein brinne die er jm nam
Die tregt er lästerlichen an
Sein lob sol nyemand riimen
Vnd was auch mir darumb geschieht
Ich h6r sein lob nit gerne
Nun ist er doch so kune nicht
215 Herr Dieterich von Beme
Als jr habt von jm vernommen
Wer sich der Greym erwachet
Er wer von jm nit kommen.'
Fasold erwiedert:
5. 'la wer das auff den Bemer seytt
Vnd das er Greymen vnd die meydt
Schlaffend schlug der vil kune
Der thet vnrecht manigfalt
86 — - 215
Vor Thirol ein schöner wald 210
Darinn ein anger grüne
Da spürt er ausz die selben meydt
Des morgens in dem tcme
Sye het jn nach in todt geleydt
Die vngeföge frawe
Von jren schlegen wachet Greym
Herr Dieterich erschlug sye beyde
Ynd fristet das leben sein.'
Bei Caspar von der Röhn entspricht str. 5 und 8, doch
die letztere ist theils abweichend, theils vollständiger:
8, 5. 4n am/pprian do lait ein walt
dor in ein anger cluge
do spurt er ausz her greimen drot
und dy magt in dem tauen
do led er angst und grosse not
wol von der starken frawen
von peren der fürst lobesam
er schlug sie pet zu tode
sein heim sein prun er nam/
Folgende Strophe nur allein bei Caspar: v
12, 4. Wnd so sprich ich zu diser zait
das er her greymen vQd die mait
der edel pemere
als lesterlich nit slug sein haut
sie truck hüprant gar sei^e
do half er mayster hiUeprant
der edel degen here
vnd shig zu tot man vnd das weib
auf einen grünen anger
do er der nert den seynen leib.'
Die begebenheit, auf die hier angespielt wird, erzählt die
Yilkina saga (c. 16) doch nicht in völliger Übereinstimmung,
in einer felsenhöhle, nicht in Tirol und nicht auf einem grünen 216
platze, findet Thidrek den riesen Grim und dessen weib Hilde,
nichts davon, dasz Grim schläft und erst von den schlagen er-
wacht, die sein weib empföngt ; Thidrek kämpft gleich mit ihm,
aber es wird allerdings gesagt, dasz Hildebrand nahe daran ist,
von Hilde erdrückt zu werden un^ Thidrek ihm zu hülfe
eilen musz. einen panzer nimmt Thidrek nicht, aber den heim
Hildegrim, eigentlich auch das schwert Nagelring, das ihm
Alfirik vorher schon bringt, das hier aber nicht erwähnt wird«
216 86
216 4) Alberich,
Es wird ohne weitere einleitung der zwerg Albrian (Elbrian
Augsb. dr. Albrianus Strassb. dr. 187) genannt und gesagt,
Dieterich sei dem rathe des treuen mannes gefolgt, der zwerg
erwähnt aber auch seines vaters^ der gleichfalls Albrian heiszt
(188), ich zweifle nicht, dasz der bekannte Alberich darunter
verstanden wird, der dem Dieterich, wie dem kaiser Otnit,
beistand leistet, und der nur in dieser späteren, wahrscheinlich
auszugsmäszigen bearbeitung nicht an der rechten stelle ist ein-
geführt worden, bei Caspar von der Röhn fehlen zwar diese
Strophen und der name kommt überhaupt nicht vor (oder ist
das unverständliche 'ampprian^ für Tirol eine entstellung davon
und auf das land übergetragen?), dagegen tritt hier ein zwerg
auf, welcher den wunden Helferich durch eine wurzel heilt
(65 — 67) und wahrscheinlich derselbe ist, der, während Diete-
rich und Ecke kämpfen (142), auf einmal von einem bäume
herab jenen ermuthigt und ihm gottes hülfe ankündigt, ihm
auch hernach (184) guten rath gibt, indem sich beide darstel-
lungen ergänzen, erhalten wir licht über den inhalt der altem
und reinern, beiden gemeinschaftlichen quelle.
5) Rabenschlacht. *
Dieterich sagt zu seinem gegner, er kämpfe, als habe er
zwei herzen im leib; jener antwortet:
175, 3. (Str. dr.) 'Du sagst von zweyen hertzen mir
Nun ist Dietmars hertz in dir
Den man vor Rdb erschlüge
Man sagt von herr Wittich das
Do er deiner sterk wurd innen
Wie so freudig all sein mannheyt was
So müst er dir entrinnen
Vor Raba an dem wilden see
2^- Fürwar von keynem beiden
Geschach jm nye so wee
176. Herr Wittich was fraw Helden kint.
Der Berner grosz zürnen begund
Das er verlor die sinne
Do dacht er an das werde weib
Ein kraft kam jm in seinen leib
Die wont mit zorn darinne.'
Statt Dietmars, obgleich in dem Augsb. druck ebenso
steht, ist zu lesen Diethevs, auch 176, 1 ist ganz enstellt; der
Augsb. druck hat zwar richtig Heichen kint , aber noch das
fehlerhafte was^ wofür ohne zweifei sluoc musz gesetzt werden.
die erinnerung an den tod seines bruders und der Helche kin-
86 ^ äi7
der bringt den Dieterich in zom und dieser steigert seine 217
kraft. — bei Caspar fehlt die ganze anspielung und gewis mit
recht, denn sie setzt unser gedieht in viel zu späte zeit, ganz
der Vilkina saga entgegen, die den kämpf mit Ecke unter
Dieterichs erste abenteuer stellt. der alte druck fuhrt den
fehler weiter, indem darnach bei seiner rückkehr der Bemer
von frau Herrad empfangen wird (28 P*), wovon aber richtiger
Caspar auch nichts weisz.
6) Otnit und Wolfdieterich,
Ecke wird von drei königinnen zum kämpfe gegen Diete-
rich gerüstet, die schönste darunter Seburg {' zu Jochgrim* sye
die krön aufftrug^) sagt zu ihm:
16. (Str. dr.) 'Seid du dann in dem willen bist
So gib ich dir in'diser frist
Die aller beste Brinne
Vnd die kein aug nye übersach
Darinn ein grosser streit geschach
Von eines künigs kinde
Er was von Lamparten Otnit
Der nam darinn sein ende
Ein wurm fand jn in schlaffens zeit
Vor einer steynes wende
Er trug jn in ein holen berg
Und legt jn für die jungen
Die sugen durch das werck,
17. Herr Eck die brinn ^st lobelich
Vnd die erstreyt Wolff Dieterich
So gar on alle schände
Des lebens het er sich verwegen
Zun Teütschen gsellen {gsoUet A. dr.) sich der degen 2I8
Zu Bürgern {bürgen A. dr.) in dem land
Er gab sich in die brüderschafft
Vnd macht den bruder weyche {die brüder wei-
chen A. dr.)
Er buszt sein sund in einer nacht
Der not mag nyemand gleyche
Solt ichs zu recht vergolten han
Ja alles mein künigreiche
Muste mir zu pfände stan.'
'• der Angsbiirger drnck 281, 1: *zÄ hand do gieng die fraw heraf, der
Straszburger aber: Mie fraw herabe'; doch der reim drat zeigt, welche lesart
die richtige ist.
* vgl. s. 58. *die heimat der Eckensage' in Pfeiffers Germania 1, 120 ff.j
ZE. 26, 2.
218 86
218 . Caspar hat diese beiden Strophen mit abweichendem text
und noch zwei andere mehr:
17. ^So du den jn dem willen pist
so gib ich dir zu diser £rist
die aller pesten prune
die manes aug ye gesach
dar jn eim kaysser lait geschach
des höchsten adel kune
der kaysser her dor jn entsliff
vnd nam dor jn sein ende
ein wurem jn jm schlof begreif
pey eyner steynenn wende
er trug jn jn den hollen perck
vnd lait jn seinen jungen für
die Zungen (1. sugen) zu tot durch das werk.
18. Die selbe prune lobelich
erstreit von krychen wolff diterich
so gar on alle schände
des leibes het er sich verwegn
ein closters prüder sich der degn
zu purgis jn dem lande
die golden prun er do rein pracht
das closter macht er reiche
sein sunt pust er in eyner nacht
der pus nie wardt geleiche
er vber kam die pus so starck
do loaset ich die prune
zu mir vmb funftzig tausset marck,
19. Ich sag dir ecke wie er facht
mit grosser not die gantzen nacht
do er sich munchen wolte
do kam aus seines hertzen krafflb
219 der apt vnd auch sein pruderschaffk
jn nit entlossen solde
er pust sein sunt do mit der degn
er stunt auf eyner bare
sie theten im manck starchn segen
das sag ich euch für wäre
al die er von kint auf erslug
mit den so mtcst er vme gan
dar nxich Ud er areibeit gnug.
20. Die prun die ist von stahel plos
die ring sein glid vinger gros
gehert mit tracken plute
86 219
was ich dir sag vnd das ist war 219
sie wart von siegen nye misvar
st wu/rchen helde gute
sie wart gewirckt von arabysz
wol aus dem pesten golde
dar an .so lait der peste pryss
der sie vergelten solde.'
Es wird angenommen, Otnit sei bei einer felsenwand ein-
geschlafen und von dem drachen geraubt worden; das stimmt
mit der angäbe des gedichtes von der Flucht (oben s. 199.
200), nicht aber mit der groszen dichtung von Wolfdieterich,
wonach der kaiser unter einer zauberlinde entschläft (cod. Fr.
162* ^vnder einem bäum' anhang des heldenb.), aus welcher quelle
jedoch die übrigen andeutungen der mitgetheilten stellen zu er-
klären sind. Wolfdieterich hat Otnits gebein in der drachen-
höhle gefunden und da ein geist aus dem todten zu ihm redet
und es gestattet, so nimmt er dessen goldnen panzer und legt
ihn an (c. Fr. 177). der held wird am ende seines lebens ein
mönch, aber wir finden dort andere namen, er geht in ein
kloster 'zu tischgaV (cod. Fr. 816") 'tustkaV (alter dr.) in den
orden des heiligen Georg, er hängt die mönche mit zusam-
mengeknüpften härten an eine stange auf, bis sie versprechen,
die speise gerecht auszutheilen: sollten sich die worte ^er macht
die brüeder wichen' (17, 8 dr.) darauf oder auf eine ähnliche
zurecbtwdsung beziehen? oder soll gesagt werden, wie auch
wol bei Caspar (19, 6) die meinung ist, er habe die anwesen-
heit des abts und der brüder bei seiner busze und erlösung
von den schrecken derselben nicht geduldet? das gedieht
selbst enthält nichts darüber, die busze wird mit den andeu-
tungen übereinstimmend erzählt : Wolfdieterich kämpft auf einer
bahre sitzend die ganze nacht mit den geistern derer, welche 220
er erschlagen hat.
Wir müssen noch einmal zu Otnits panzer zurückkehren,
nachdem der Bemer den Ecke getodtet hat, heiszt es (die
stellen fehlen bei Caspar) von ihm:
118, 6 (Str. dr.). 'Do blickt er an die Brinne
Keyn schöner Brinn gesach ich nicht
Von gold warend die ringe.
124. Die Brinne nam er in die band
Er sprach sye giltet wol ein land
Ir hett ein Keyser ehre
Ich meint sye trüg kunig Otnit
Keyn besser was zu seiner zeit
Er was ein keyser herre
220 86
220 Es mag vil wol die selbig sein
Wo sye (sy ye A. dr.) ward gehalten.'
Der panzer war derselbe, den Otnit vom zwerge Elberich
empfangen hatte, und der weitläuftig in dem gedichte von Otnit
(188—191 Mone, 181—186 alt. dr.) beschrieben wird. auf
diese stelle bezieht sich atrophe 20 bei Caspar, der sogar einige
ausdrücke von dorther beibehalten hat und darunter die rich-
tige lesart von stahel bloz^ wonach 'stahel losz' (191, 1 M.) zu
verbessern ist. die härtung mit drachenblut ist wol ein zusatz,
wiewol wir im liede von Siegfried (70, 3) dasselbe an einem
mit Otnits ausdrücklich verglichenen goldpanzer gerühmt finden,
die zeile 'sie wurken beide gute' scheint verderbt, denn wir
wissen aus Otnit (124 M.) bestimmt, dasz die goldenen ringe
£lberichs arbeit waren; vermutlich sollte sie truogen da stehen.
die nachricht, dasz die königin Seburg den panzer dem kloster,
worin Wolfdieterich gestorben .war, för funfzigtausend mark ab-
gekauft, finden wir nur bei Caspar (18, 12), sie steht aber
auch in dessen Wolfdieterich und Sahen:
331, 1, 'drey kunigin ton lochryme
kauften sein prün guldin'.
Otnit selbst schätzte ihn höher zu achtzigtausend mark
^^21' 1)-.
übrigens halte ich die einmischung von diesem panzer und
die ganze beziehung auf Otnit und Wolfdieterich ftir einen
spätem zusatz. in dem altern gedichte stand wol nicht mehr,
als in der Vilkina saga (c. 40), wo Ecke sagt: min brynia er
öll gulli buinn. dies mochte anlasz geben, Otnits berühmten
331 golanen panzer darin zu erblicken, in dem deutschen gedichte
zumal ist diese annähme unpassend, da Ecke wie ein gewalti-
ger riese dargestellt wird und ihm doch das panzerhemd passte.
der eine zusatz machte also einen andern nötig, denn nun
wird ausdrücklich gesagt, dem Dieterich sei der panzer zu
lang gewesen und er habe, um ihn anlegen zu können, ein
stück davon abgeschlagen (223. 128 alt. dr. mit ganz andern
Worten str. 184 bei Caspar), auszerdem wird noch (125 Str.
dr., fehlt bei Caspar) behauptet:
^künig Otnit grosser lenae fflag
Im was gerecht sein Brmne.'
7) Ecke, indem er den Dieterich aufsucht, findet einen
todtwunden litter, der ihm erzählt:
47, 3 (Str. dr.). 'Selb viert ich von dem Bhein her reyt
Da schaff ich mir dise arbeyt
86 - 221
I
Durch willen schöner weibe 22X
Ich wolle preisz haben erjagt
Des ich vil schier entgilte
Mich widerstritt ein held gemeyd
Der fürt in seinem schilte
Ein low der was von golt so rot
Der held bstund mich selb vierdte
Die drey schlug er zu todt.
48. Die drey hat er bey mir erschlagen
Die kan ich nymmermeer verklagen
Ich weert mich selb nit lange
Er schuf das ich der vierdte bin
Mein leben das gabt auch dahin
Es ist vmb mich ergangen.
56. Do fraget herr Eck jn zu band
Wie sein euwer vier namen gnandt
Das het ich gern empfunden
Des antwort jm da der weygant
Es wirt euch herr vil schier bekandt
Von mir an disen stunden
Ich hiesz von Lutring Helfferich
Mein brüder Ludgast starke
Vnd von Mentz Ortwein der reich
Vnd auch Haug von Denmarcke
Die drey hat er bey mir erschlagen
Die kann ich bisz an mein ende
Doch nimmer mer verklagen/
Dieterich sagt selbst:
79, 6 (Str. dr.). 'Ich stand in grosser schwere 222
Vier haben mich gar seer verwundt
Ich mag dir nit gestreiten.'
Bei Caspar entsprechen die dort auf einander folgenden
Strophen 53. 54 und 55 jenen Strophen 47. 48. 56, nur zum
theil im ausdruck, nicht in der Sache abweichend: doch die
namen in 55, wo die beiden alten drucke übereinstimmen,
lauten einigermaszen anders:
55, 7. ich haysz von lone her kelffrich
mein prüder do lent garta
von meintz ein degn tuguntleich
vnd hug von denmarck zarte.'
Hierzu gehören zwei stellen aus dem anhange des helden-
buchs, die nicht übereinkommen, wovon aber letztere die
222 86
222 richtigere scheint: ^das landt tzu Köln vnd Ach hiesz etwen
grippigen land. In dem wonten vil helde. einer genandt luge-
ffost (so) einer hug von mentz auch orimjn von bunn\ — 'ein
held hyesz ludegaat der ist von dem berner erschlagen, httg 'con
Mentz ward auch von dem bemer erschlagen, ortwijn ward
auch von dem von bem erschlagen, helffrich von bunri. käme
nicht auch in den Drachenkämpfen (s. unten) H. von Lune vor,
so sollte man denken bei Caspar sei statt von hne zu lesen
von Bonne und diese lesart richtiger, als die in dem alten
druck durchgeführte von Lütringe^ da Helfrich selbst erzählt,
er sei vom Rhein hergekommen, und in einer Strophe (63), die
Caspar allein hat, von seinem rosse sagt: 'es hot mich manig
reste getragen also kreftiglaich zvmchen koUen und speyen^,
dann wäre auch jener in der Flucht (oben s. 198) genannte
Helfertch von Lütringe ein anderer. — die werte 'do lent garta'
(55, 8) sind völlig unverständlich, und es bleibt wohl dabei^
dasz Helferichs bruder Liudegast heiszt. ob mit dem gedickte
Ortwtn von Menz und Hug von Tenemarke oder mit dem an-
hange des heldenbuchs Hug von Meinz und Ortwtn zu lesen,
ist, will ich nicht entscheiden, doch scheint jenes den Vorzug
zu verdienen, da beide recensionen in Hug von Tenemarke
übereinstimmen und dieser name auch im Alphart vorkommt.
Die eigentliche veranlassung des kampfes der vier genann-
ten beiden mit Dieterich erfahren wir nicht, auch nicht den
hergang dabei; die Vilkina saga weisz überhaupt nichts davon.
Helferich bleibt nach uuserm gedieht am leben und nach Caspar
heilt ein zwerg seine wunden.
223 8) Die genealogie des Ecke wird mitgetheilt und darin fin-
den sich hinweisungen auf andere sagen, doch dies alles nur
in der darstellung des alten drucks. Ecke und Fasold [ZE.
26, 2] sind brüder, und dieser ist^ wie es scheint, der ältere;
er sagt:
166, 4. (Str. dr.) 'Ich theylte von meim bruder nie
Was vna mein vatter hie verlie
Der Stett vnd auch der Lande
Herr Dieterich jr solt wissen das
Es ist noch aUes gmeyne
Schlacht ir mein bruder one hasz
Das laut dient euch alleyne
Er heiszet Eck der jar ein kindJ
Als Dieterich den Fasold besiegt und dieser ihm treue ge-
schworen hat, gelangen sie zu einer bürg.
185, 4. (Str. dr.) 'Herr Dieterich wolt schlaffen gohn
In einer kammer gar wol gethon
Herr Fasolt der sandt drate
$6 228
Gar schon er sein da hdten liesz ^8
Mit also g&ter warte (g&ten eren A.)
Sein Base, die da Rütze^'^ hiesz
Vnd Ecken Mum auch wäre (were A.)
Keyn weib ward nie von leng so hoch
Wann sye zwen starken Rysen
In einem walde erzoch.
186. Der Fasolt da von dannen reyt
Herr Dieterich zu Metze beyt
Nach Zwerg Albrianus rhate
Do rhiet jm der getreuwe man
An Fasolt jr euch nit solt lan
Er ist geritten drate
Na^h seiner Basen in den than
Da ist er hin gerante
Das sag ich dir du käner man
Sye ist Gott vnbekandte
Ee das er jn die frag erliesz
Do sagt er jm gar rechte
Vnd wie das sye Rutze {Ruczel A.) hiesz.
187. Er sprach, min vatter Albrian
Der hat mir es wol kundt gethan
Von wem sye habend (hab A.) den namen
Ein Ritter hiesz der {herr A.) Nettinger
Vnd er kam in den wald daher
Verflachet sei sein stammen (samen A.) 324
Von wannen er ye käme her
Das ist noch nit gar langen
Das Rützen {ruczen A.) Bruder Nettinger
Kam in den wald gegangen
Vnd der (den A.) beschlieff ein wilde meyd
Die trug Fasolt vnd Ecken
Hat mir mein vatter geseydt.
188. Von der geburt seind (so sind A.) sye hoch
Ir vatter sye mit treuwen zoch
Ecken gab er die kröne
Herr Fasolt zürnen da began
Damit da schiedend sye hindan
Es was also gethane
Ja allenthalben mit gewcUt
Hand sye die land bezwungen
Als auch ihr mannheyt darnach stalt
Dardurch ist jn gelungen
Seid das euch der syg ist beschert
^' Zingerle in Pfeiffers germania 2, 213. Heile (stott Velle s. 174} und
Rnntze im Wolfdietrich 479 ff. bei Haupt 4» 457.
224 86, -. — •
224 So seind jr billich Herre
Ir habt euch jr erwert.'
Die beiden söhne der Rütze kommen vor, werden aber
nicht genannt, es sind junge riesen mit eisernen Stangen be-
waffnet (189), die noch keinen kämpf erlebt haben (190). der
gewaltsame erwerb ihrer rüstung war wohl in einer andern
sage erzählt, hier deutet eine Strophe darauf hin:
193. (Str. dr.) 'Die Rysen warend beide wol
Gewapnet, als man Recken sol
Da in zwo Brinne feste
Ich sag euch warumb das geschach
Fraw Rutz ein Burg darum zerbrach
Darinn &ye die Brinn weete
Den Wirt {den A.) fieng sy one wehr
Müst mir geben die Brinne
Die du behalten hast biazher
Die wil ich meinen kinde (kinne A.)
So seind sye gar wol angelegt
Der Wirt sprach, gar gerne
Sye seind euch da vnuerseyt'.
Als Dieterich die beiden jungen riesen, die den tod des
nahverwandten Ecke rächen wollten, hernach auch ihre mutter
Rütze erschlagen hat, kündigt das Fasold dem blinden ^Eckenot
an, seinem 'vetter' (220). dieser erwiedert:
225 221. (Str. dr.) — — 'er ist der kunest man
Der Mutzen San ye dorfft bestan
Der lebt bisz an sein ende
Ecken den wil ich beklagen
Rut& hat auch manch man erschlagen
Ein Burg brach sy mit der hende
Dann sye was kuner dann ich bin
Mit allem meinem leibe'.
Eine stelle im anhange des heldenbuchs gewährt weitere
aufschlüsse, indem sie die hier verschwiegenen namen nennt
und die verwandtschaftlichen Verhältnisse theils genauer be-
stimmt, theils fort fuhrt: 'Ecke vnd Vasat (1. Vasolt) vnd abent-
rot die warent Mentigera sün ausz Cecüienland, vnd Mentigers
weib hiesz Gudengart die was der dryer sün müter. — Rüntzf
die was Ecken vatters Schwester, vnd mentiger was jr bruder,
die selbe Rüntze het zwen sün, d® eine hiesz Zorre^ der ander
hiesz Weiderich. Runtzen bruder Mentiger hett auch zwen süne
der ein hiesz Eckwit d^ ander Ecknad\
Äbentrot kommt in keinem bekannten gedieht vor, nur die
Yilkina saga nennt (c. 50) einen riesen Aventrod^ doch unter
— 86 — a25
ganz andern Verhältnissen, als bruder von Etgeir, Aspilian [ZE. 225
26, 8] und Vidolf. welcher name richtiger ist, Nettinger oder
Mentiger^ steht auszumachen, doch scheint Rütze den Vorzug
vor Rünze zu verdienen, da wir ein riesenweib dieses namens
aus Otnit und Wolfdieterich kennen. Gudengart finde ich sonst
nirgends, die worte 'Runtzen brüder Mentiger' enthalten offen-
bar eine Unrichtigkeit; wahrscheinlich musz stehen Räntzen
vater N. N. den namen des einen sohns Eckwit^ verdanken
wir dieser stelle allein: der zweite söhn Ecknad aber ist ohne
zweifei der blinde Eckenod des gedichts, den Fasold vetter
nennt.
Wie schon bemerkt, nimmt die darstellung Caspars v. d. R.
von da, wo Fasold besiegt ist, einen andern gang; sie ist dürf-
tiger, ergänzt aber dennoch unsere kenntnis der sage, denn wir
linden darin die namen der beiden söhne der Rütze : Zen^e (247
im reim auf herre, mithin sicherer als vorhin Zorre; 249) und
Weiderich (258. 267. 268. 269). der vater wird auch hier nicht
genannt, der name der mutter aber weicht ab, oder ist vielmehr
in ^Rachivl entstellt (249. 264); mit ihr werden noch zwei riesen-
weiber ^KaReicK und ^RitzscK (250) angeführt, die vielleicht
auch zu dem geschlecht gehören, wovon wir aber nichts näheres
erfahren. Rachin nennt den Ecke ihrer Schwester söhn (262) 226
das wäre abweichend, wo es nicht ein bloszer Schreibfehler ist.
Eckenot (282. 283 im reim auf rot und gebot, doch steht ein-
mal Eckenat geschrieben), sagt ausdrücklich (286), Ecke sei
seines bruders kind gewesen; blind ist er hier nicht, sein pferd
heiszt ^haidangernoas^ ,
9) Bei Caspar eine beziehung auf den schmied Wieland^
die in dem alten drucke fehlt. Ecke rühmt dem Dietrich über-
haupt seine rüstung, um ihn zum kämpfe zu reizen :
80. ^Er sprach helt wiltu mich bestan
den heim vh den ich auf han
den wirck WiUant mit sitten
in sant ein konick her vber mer
erfacht ein konickreich mit der wer
guidein ist er an mitten
nun loss dir von dem heim sagn
ob dich darnach belange
er ist so maisterlich beslagn
guidein sint jm sein spange
dar jn verwurckt ein wunfnejs schal
wie vil man swert drauf schlechte
da von gewint er doch kein mal.
81. Er ist als ein adamant
in wurck ,ein Krych mit seyner hant
maysterlich als er wolte
WiLH. ObIMM, DBOTSOHB HBLDaHSAOB, 15
?8S 87
326 er ist on alle missetat
ein Krich in vmb fangen hot
das er laucht jn dem golde
das ich dir sag vnd das ist er (1. war)
er ist gar schon on massen
zwelff mayeter wol ein gantzee ja/r
do ob dem heim aasaen
ir Ion der was so wol gethan
Yonn keiner hande wofFen
wirst nit wunt kuner man\
Zur erklärung des einzelnen fehlt die sage, vielleicht ist
von dem heim Limme die rede; vgl. oben s. 147. 148.
87.
Otnit. (nach Mone und dem cod. Francof.) (unten s. 371.)
1) Nur einmal eine hinweisung auf die quelle: ditz buoch
227 seit uns daz (339, 1. cod. F. 25^). allein gleich im anfang ist
damit noch eine, in dieser weise nothwendig fabelhafte, erzäh-
lung verbunden, wonach das von den beiden in die erde ver-
grabene buch zu ^Sudera^ oder nach andern hss. 'Sundera^ (bei
Ottokar ein ^Sutters', in dem bruchstück bei Docen ^St. Sunders')
in Syrien sei gefunden worden.
Caapar von der Rohn in seinem aus 297 Strophen beste-
henden auszuge hat diese nachricht auch, an dem Schlüsse der
handschrifb steht: 'der neu 297 der alt 587 lied'; mithin be-
säszen wir in unserm werke das alte dem umfange nach ziem-
lich vollständig, da die Monesche ausgäbe 569 Strophen zählt
allein Caspars quelle war eine andere, denn obgleich der in-
halt im ganzen übereinstimmt, zeigt er doch kleine abweichon-
gen, wie z. b. die schon (oben s. 200) berührten dracheneier;
selbst die form des namens 'Ortnei (in der fortsetzung Laurins
^•Ortneid^) ist nicht dieselbe, sondern eine dem Hertnid der Vil-
kina saga (s. 236) näher stehende, abermals ein anderes und
vollständigeres gedieht scheint der Verfasser von dem anhange
des heldenbuchs vor sich gehabt zu haben (s. unten nr. 134).
2) Otnit hat wie Dieterich einen goldenen löwen in der
fahne (312, 3. c. Fr. 23. Casp. 155); wahrscheinlich weü er,
wie jener, in Lamparten herscht.
3) Elberick nennt sich einen mächtigen könig, dessen mit
edelsteinen besetzte kröne mehr werth sei, als Otnits reich, er
wird als ein achonea kind dargestellt, im gegensatze zu der Ni-
belunge noth, wo er als ein alter, graub^rtiger zwerg erscheint
(vgl. Elfenmärchen lxx).
8a 227
4) Eiberich gibt dem Otnit das schwert Böse und sagt 227
dabei:
122. ich wsen daz in der weite kein bezzer swert nu si;
ich brähte ez üz einem herge^ der heizet Almart.
daz ist gezieret mit golde lüter als ein glas.
ich wirketez in eim berge der heizet Göikelsaa.
Der berg Almart (in allen handschriften wie in dem alten
druck Str. 118) ist sonst nicht genannt ^^, wohl aber der Kau-
kasus, der unter Goikelsaa (Göckelsass b, Gerkelsass c, Gerikel-
sass D, geikeisas cod. Fr. 106. geigelsas dr. v. 1509) verstan-
den wird; vgl. s. 196. (Mones anz. 1836 s. 352.) — der Rosen-
garten c legt dem Dieterich das schwert RSse bei (s. unten).
5) Der zwergkönig gibt dem Otnit auch einen heim:
125, 3. vil saelic ist der man, der den heim treit:
ja kiuset m^n ein houbet einer müen breit.
Nämlich: so weit glänzt er; und damit wird HUdegrtn be-
schrieben, obgleich nicht genannt.
b) 'Heinot von TuBcharC (10, 1. 38, usw. auch im cod. Fr. 228
^Helnof) scheint im Alphart als Dieterichs mann (unten s. 239)
vorzukommen.
88.
Wolfdieterich (nach dem cod. Francof.). (s. unten s. 371.)
1) Häufige berufung auf ein buch: ditz buoch seit uns (41\
50»». 77b. 86^ 116^ l29^ 185». 215»), tuotun8behant{lQ^. 118*),
dU wir ez lesen (105»). aber auch, und am häufigsten: als wir
noch hoeren sagen (80*. 97». 103^ 105*». 116^ 125». 138». 149^
151^ 157^ 159^ 178». 190». 214»>). endHch: als irz noch Mute
hoeret singen oder lesen (70^); also wir ez hoeren lesen (208»).
Neben diesen, mitunter wohl als blosze füllung gebrauch-
ten, ausdrücken finden wir gleich eingangs eine besondere, um-
ständliche erzählung von den Schicksalen des buchs. es ward
in dem kloster zu 'Tagemunt^ (ebenso im c. Pal.; ^zu Tage-
munden' in den alten gedruckten ausgaben Dageminde im cod.
Arg.) aufgefunden* und dem bischof von ^'Einstet^ (ebenso im
' "^ in almariske sidea, Roland 260, 25; pfellel von Almarie, altd. bl. 1, 256.
** 'Tagemonden könnte aas einer niederdeutschen bearbeitang, wo Tegmon-
den d. i. t'Egmonden gestanden hätte, herrühren, die abtei Egmond ist alt nnd
berühmt nnd hatte eine grosze büchersammlung.' Jac. Grimm. — 'der feurige
-berg Tahenmunt in Wolframs Wilh. 439.' Lachmann. — statt Admont, Admuiid
findet man auch im dreizehnten Jahrhundert Agmunden, Agmuenden geschrieben.
: beitrage zu steiermärkischen geschichtsqn. 1866 s. 85 ff.
16*
228 88 — -
228 cod. Pal. und Arg.; eystet alter druck) nach Baiem geschickt,
der sich bis zu seinem tode, siebenzehn jähre lang, daran er*
geizte, hierauf brachte es sein capellan den klosterfrauen ^zu
sante wcdpurg zä einstat^ (waltburg zu einsteten c. Pal.), deren
abtissin wiederum grosze freude daran fand, die jetzt folgende
stelle lautet in drei handschriften, die ich vergleichen konnte
(Grundrisz 8. Adelungs nachrichten 1, 224), verschieden:
c. Fr. 40**. 'Sy satte fir sich zwene meister die Urtent «y e%
durch ein hebescheit
Die funden dia dar zä sy brohten es an die kristenheit
Nohe vnd ferre für sy in die kristen laut
Sy sungent vnd seitend do von wart dis bAch bekant\
0. Arg. ^Sü sattz fir sich zwen meister do Urtt su ez durch
ein hubschheit
Die fundent düen don darzd su brohtten ez in die kri-
stenheit
Nohe und ferne füren sü in die land
Su sungenz vnd seitenz da von wart ez bekant'.
c. Pal. ^Sie satzte für sich zwen meyster die lertens durch jr
hupscheit
Daz sie daran fundent geachriben daz brachten sie in
die cristenheit
229 Nahe vnd ferre f&ren sie in die laut
Sie sungen vnd Seiten do von ward ez bekant.'
In Fr. ist wohl mit Arg. zu lesen: die lert aie ez, und es
soll gesagt werden die abtissin machte die beiden wandernden
Sänger mit dem gedieht bekannt, indem sie ihnen das buch za
lesen gab, oder es ihnen vorlesen liesz. hieran schlieszt sich
das folgende in Pal. an: was sie dort fanden, verbreiteten sie
nachher, indessen könnte die lesart in Arg. die offenbar in
Fr. auch soll ausgedrückt werden, mit der genauem angäbe,
dasz die beiden meister den ton dazu gefunden, leicht den Vor-
zug verdienen, die meinung wäre also: sie hätten das gedieht
vor der Verbreitung erst, so wie wir es besitzen, zugerichtet.
Der alte druck, ungeachtet er abkürzt, hat durch einen
Zusatz, der ein lateinisches original vermuten lässt, alles entstellt:
'Zween meister bey in (den klosterfrauen) beleyben
Die bat sy vil gereyt
Das sy das buch abschreiben
Zu teutsch der cristenhyt
Wer es dan wolte leren
Der mocht darnach fragen'.
Allein die erzählung selbst, die immer wegen der darin
enthaltenen ansieht von der Verbreitung des gedichts aufnerk-
88 229
samkeit verdient, ist sie nicht ganz oder wenigstens zum theil299
erdichtet? ich getraue nicht darQber zu entscheiden; die sache
selbst, ich meine die entdeckung einer alten handschrift (nur
erinnere ich, dasz noch kein altes zeugnis über das gedieht
gefunden ist, das älteste und noch ungewisse bei Enenkel und
Reinfried; dagegen scheint Ruther bereits sagen von dem
meister Berchtung zu kennen) könnte immer wahr sein, wenn
auch die näheren umstände hinzugedichtet wären, bedenklich
ist schon der mir unverständliche name des ortes, wo das buch
zuerst soll zum Vorschein gekommen sein, und dann werden
wir mistrauisch gemacht durch eine auffallende, ojSenbar er-
dichtete annähme, die uns auf einmal mitten in dem gedieht
selbst überrascht, nämlich ein dichter tritt hervor:
1 42*. daz sage ich Wolferam der werde meister von Esche-
back.
Und doch wäre überflüssig, ein wort über die Unwahrheit
dieser behauptung zu verlieren. (Wolfram wird auch Verfasser
einer erzählung genannt, aus dem 14ten Jahrhundert, die Keller
herausgegeben hat s. 19.)
2) Berhtunc von Merän (Bertung von Meiran c. Fr. Perch-
tung von Meran cod. Vindob. 299, nach der abschrift eines 280
Stückes daraus ; Bechtung im alten dr.) scheint mit dem Berther
von Merän im Ruther in Zusammenhang zu stehen, und eine
weiter als auf die bloszen namen sich erstreckende ähnlichkeit
ist schon oben (s. 53) angedeutet, hier ist nun veranlassung,
auszer seinen familienverhältnissen , hinweisungen auf frühere,
wie wohl, möglich, in anderen sagen näher beschriebene, er-
eignisse aus unserm gedieht zusammen zu stellen, ich bemerke
nur vorher, dasz die Vilkina saga durchaus nichts von ihm weisz.
Von dem vater des Hugdieterich , der im cod. Vindob.
Antzeva (gereimt auf alsus) im c. Fr. Antis^ im dr. ebenfalls
gereimt auf alsus, Attemts^ in einer überschriil Anzius heiszt,
wird erzählt:
41*. 'Der hette vf sime hofe erzogen dz ist wor
Ein hertzogen riche der lebet wol dirthalp hundert (vil
manig c. V.) jor
Es waz der hertzoge bertung gebom von merian.
Den hies der kung antis balae vir sich gan
Ich habe dich erzogen setzig ior (fehlt in V.) noch
wirdekeit'. —
^Ich lerte dich werfen mit dem messer daz dich nieman
tar bestan
Do gab ich dir zu wibe die edel hertzogin\
*j. »
41*^. B. spricht: Hch habe er/aren heiden und die hristenheit^
230 88 -—
MO Wälgunt zuo Scdnecke, zu dem sich Hugdieterich, als Jung-
frau verkleidet, begibt,* äuszert:
44^. 'Bertung ich wol erkenne^ daz sag ich vch fir wor
Er het mir vor gedienet me den zwelf ior\
(Der hat mir gedienet hinz in daz dritte jor V.) ^^
Berchtung hat den Wolfdieterich in der kunst mit dem
messer zu werfen unterrichtet, und als dieser eine probe abge-
legt, erzählt der alte aus seinem früheren leben:
63**. 'Ich sihe es am ersten wrfe vnd an den spring din
Du detz so behendekliche du bist der meister min
Daz lert mich uwer enlin der küng antis
Ich erachal vom mim zorne von Meinen dingen kus
(1. alsus)
Daz ich für zun vyilden rissen zum künge grippian
281 Dem diende ich mit flisse also ich ich han getan
Wol noch grossen eren waz im recht kon
Der küng by sinem wibe hete einen sun
Der iunge ist geheissen zum namen pelian (belligan
alt. dr.)
Den ich die hinst Seh vor gelert han
Daz werfen mit dem messer vnd schiessen zu dem zil
Zwen springe han ich gehalten also ich dir sagen wil
Ein wrf mit dem messer och ich im entsaget han
Dz bistu alles wol geleret usserwelter man
Grippian der riche wz mir dar vmb holt
Er gah mir ros vnd kleider silber vnd golt
Ich bleib do siben ior sprach der grise man
Untz daz mir gute botschaft von kriechem riche kam\
Es scheint sich nämlich mit Wolfdieterichs groszvater aus-
gesöhnt und ihn nachher nicht wieder veriassen zu haben.
3) Wichtiger ist Berchtungs genealogie, welche ihn als
ahnherm des alten Hildebrand darstellt und die noch unbe-
kannten glieder des ganzen Stammbaums angibt (Haupts zs. 6,
447 f.). eine solche ausföllung aus späterer zeit, während eine
so grosze anzahl älterer und gleichzeitiger denkmäler die lacken
bestehen lässt, erregt freilich zweifei an der echtheit, doch in
* ähnlich wie das holländische lied von dem Jäger von Griechen (Z£. 27,
7) zum Wolfdietrich, scheint sich das schwedische lied von Vallevan bei Geijer
und Afzelius (2, 173) nr. 52 (Arwidsson 1, 183 nr. 26) zum Hugdietrich za
verhalten.
*^ weiter kann ich den wahrscheinlich wichtigen, mit absieht mildernden
cod. Vindob. nicht vergleichen, auf die abweichungen des alten drucks lasse
ich mich, bei der groszen entstellung des textes, ohne besondere Veranlassung,
nicht ein.
88 281
der art und weise der ergänzung liegt nichts unpassendes oder 381
ungeschicktes, und dafür spricht der wichtige, schon oben
(s. 107) bemerkte umstand, dasz hier zuerst wieder der wahre,
seit dem alten liede verschwundene, name von Hildebrands
vater zum Vorschein kommt. — Berchtun^s frau, eine herzogin,
die ihm von seinem herm gegeben wurde, bleibt ungenannt;
er hat sechszehn söhne (66*), von denen jedoch nur zehne in
Betracht kommen, da sechs gleich anfangs in dem kämpfe Wolf-
dieterichs mit seinen brüdern erschlagen werden (74*). zwei,
Hache und Herbrant^ werden vorzugsweise (64*^. 65*». 74*». 144*.
200*. 204*. 205^) und an&nglich allein genannt, und ihre nach-
kommenschaft ist fiir die sage von bedeutung. von vier andern
erfahren wir kaum etwas mehr als die namen und von den vier
übrigen diese nicht einmal; vielleicht also wollte man blosz der
sage genug thun, die von sechszehn redete (vgl. oben s. 53).
a) Hache der junge (65^. 144*). Wolfdieterich belohnt ihn:
214*. ^Do satzete er hachen zä landes herren an den Rin
Er gab ym zä wibe ein edele hertzogin
Z& brüach vf der festen het er die firöwe zart 388
Mit ir het er ein sun der hies eckeharf.
Das stimmt mit dem, was wir schon wissen (oben s. 144).
b) Herbrant^ der die sturmfahne führt und den vorstreit
hat (205^ 22 P). als alles glücklich beendigt ist:^
213*. Hin z& der schonen amigen reit do herbrant
Do sties er ir ein fingerlin an die hant
Do gab sy dem tegen och eins von golde klag
Also es die maget edele an der hende tr&g\
Wolfdieterich:
213^. '— gab die bürg zu garten dem kiemen (1. küenen) her-
brant
Wen es im wz gelegen by sinens (so) swehers laut
Der pflag der edele tegen wol mit siner hant
Also lebet herbrant mit der frowen mit eren manig ior
Er gewan mit ir drige sine dz ist endelichen war
Den ersten sicherliche den hies er hütebrant*
Der half her dietrich erfehten manig lant
Der ander hies nere vnd wart ein keiner (1. küener) man
Der dirte ein tegen here vnd heis ylsan
Do zwischent ein dohter also wir es hant vemumen
Von dem selben gesiebte sint vns die vnlßnge kumen'.
* daher von Garten, DHB. 1, LH; ygl. oben 8. 49.
282 — SS
S82 und nochmals:
214**. *Die wile hette öch zfi garten der kAne herbrant
Mit amye ein sun gewnnen dz ist vns wol bekant
Der wart so wol versunnen man hies in hütehr ani, —
215*. 'Die wile hette amyge by herbrande getragen
Zwen sine herre (süne here) der eine hies elsan *
Der ander der hies nere also wirs vernumen han
Die öch helde worent in strite kiene vnd halt
Die in iren ioren wrdent mit eren alt
Die hette ein swester zart also wir es hant vernumen
Die hies mergart von der wolf hart ist kumen\
Der name dieser (mit Amelolt verheirateten) Schwester wird
hier zum erstenmale genannt.
Hildebrand, dessen späteres Verhältnis zu Dieterich schon
vorhin erwähnt ist, führt den beinamen Herbrandes suan aus-
288 (Irücklich , wie in dem alten liede (oben s. 107). bereits aus-
gezeichnet im kämpfe ('Er begunde sich faste rieren dz sin lob
wart wit erkant' 222"), wendet er sich an den Wolfdietrich:
225^. 'Do bat den försten milte der iunge hiltebrant
Herre gent mir ein schilt dz ich mich durch die lant
Dz woffen nit dirfe schämen drige wol/e von golde rot
Die wil ich durch uwem namen fieren vntz an min tot
In eime felde griene dar vmb ein ring blo
226*. Der ^del fiirste kiene hies in ym bereiten do
Mit also spehen dingen man brohte in ym zA der hant
Von den wolfen und von dem ringe wrdent die wü-
ßnge genat
Waz von dem geflehte koment die färtent öch den
schilt'.
Die drei wölfe geben auch andere gedichte an (unten nr.
99), aber das grüne feld nicht, wir werden es in dem volks-
liede von Hildebrand wiederfinden, obgleich dort (sowie in den
Drachenkämpfen) das zeichen selbst ein anderes ist. ich merke
bei dieser gelegenheit an, dasz die Vilkina saga dem EGlde-
brand wiederum abweichend einen rothen schild ertheilt, darin
eine weisze bürg (Bern) mit goldenen thürmen (c. 154), seinem
söhne aber einen weiszen schild mit der bürg Bern (c. 375)
[Haupts zs. 12, 228. 330], — die zugäbe des blatten ringe»
scheint durch eine falsche etymologie veranlasst, soviel sehen
wir, dasz Hildebrand durch die wölfe im schild als gründer
und Stammvater des geschlechts der Wölfinge soll bezeichnet
werden (vgl. oben s. 107).
c) Berhter (203**) 'Hachen bruder berhther dem gab er
(Wolfdieterich) meton (1. Merdn)' (214»).
88 283
d) B&rhtunc (214*). kernde dz lant 988
Daz gab er bechtunge« (so) sine eime der öch berhtung
genant'.
e) Berhtmn (220*. 224*).
f) Albrant mit dem vorigen zusammen genannt.
214'. 'Der furste (1. fünfte) der hies berhtvrin der feste albrant
Den tet er (Wolfdieterich) truwe schire sasaen vnd bro-
brant (1. Brdbant),
Von den übrigen beiszt es:
2]4'. 'Dennoch warent ir^^^ die er balde aant
Der edel förste ziere in der kriechen lant
Do worent si gewaltig bitz an iren tot ' M4
Er londe in tusent faltig ire grossen not.'
Die Vilkina saga weisz von diesem geschlechte Hildebrands
nichts (oben s. 107. 108), blosz Sintram nennt sich (c. 44)
seinen verwandten, und wäre, da er sich für einen söhn Rei-
ginbalds von Venedig erklärt, eigentlich sein bruder. die ein-
zige spur liegt darin, dasz Hildebrand bei einer andern gele-
genheit (c. 34 Rafn), wo er dem Heime einen falschen namen
gibt, diesen Sintram Herbrands söhn nennt, sollte nämlich Sin-
tram wirklich ftir einen bruder Hildebrands gelten, so bräche
hier Herbrand der richtige, uralte name ihres vaters durch,
oben ist schon bemerkt, dasz unter Thidreks beiden ein Her-
brand vorkommt, ohne dasz von einer Verwandtschaft mit Hil-
debrand das geringste gesagt wäre, dennoch berührt er sich in
einem stücke mit dem Herbrand unseres gedichtes; er trägt
nämlich wie dieser (c. 110. 115. 176) seines herren /aAn^, er-
scheint aber nur in einigen theilen der Vilkina sage, in andern
verwaltet Hildebrand dies amt.
4) Vorhin ist die stelle angeftlhrt, worin Hildebrand als
zukünftiger kampfgenosz Dieterichs bezeichnet wird; es findet
sich noch eine beziehung auf diesen, nachdem erzählt worden,
Wolfdieterich habe in der höhle zwölf drachen erschlagen,
heiszt es:
177*. Im entran die alte ein iunge volget ir mitte
Sy gingent bede mit iungen dz ist endelichen war
Den iungen slug der von bern vber me den ahtzig jar\
Diese behauptung ist in den anhang desf heldenbuchs über-
gegangen (s. unten).
5) Dagegen finde ich keine spur eines Versuches Wolfdie-
terichs geschlecht durch seinen söhn Hugdieterich, wie in der
Flucht geschieht (s. 185), an Dieterich von Bern zu knüpfen;
wohl aber einiges, was er mit ihm gemein bat. von dem schwert
234 «9
584 Rose ist schon (s. 227) die rede gewesen; (Über Wolfdieterichs
Schwert Qualle ? Ziemann wb. 175*», mhd. wb. 1, 891 ;) sodann
hat Wolfdieterich mit dem Berner dasselbe zeichen: er vüert
an sime schilte ein lewen von golde rot (171*); auch der adler
(vgl. oben 143) wäre dabei, insofern ihn nach einer stelle (199*)
die leüte Wolfdieterichs auf der fahne führen, endlich scheinen
mir auch die worte: von zorne begunde er inwn^n (136*) etwas
ähnliches, wie Dieterichs feuerathem anzudeuten.
235
89.
WoLFDiETEWCH UND Saben. (zur gcschichtc der Nib. not
s. 23.) ein von dem vorigen in wesentlichen stücken verschie-
denes gedieht, ich kenne es nur nach der Umarbeitung des
Caspar von der Röhn.
1) Das original ist der schluszstrophe zufolge über die
hälfte abgekürzt :
334. 'Wolfdietrich in altem dichte
hat siebenn hundert lied
manck vnnütz wort vernihte
oft gmelt man als aus schid
drew hundert drei vnd dreiaaigk
liet hat er hie behent
da« man auf einem sitzen dick
müg hörn anfanck vnd ent'.
Handschriftlich befindet sich das gröszere gedieht, wenn
auch nicht die unmittelbare quelle Caspars, zu Wien; so viel
lässt sich aus einer kurzen inhaltsanzeige bei Hormayr (werke 2,
256. 57) schon schlieszen. eine nähere bekanntschaft mit die-
ser vollständigen und reinem darstellung wird erst ein gründ-
liches urtheil über dieses gedieht möglich machen.
2) Wolfdieterichs meister heiszt ^Puntung* ein paar mal
(2. 72) 'Potelung'; in dem älteren gedichte steht aber 'Berch-
tung auf Lilienporte\ er ist gleichfalls herzog (276. 325) und
fürst von Merdn (24. 26. 52. 67. 94), auch hat er sechszehen
kinder (24. 86. 112. 130, einmal siebenzehn 87) wovon sechs
im kämpfe gegen Wolfdieterichs brüder bleiben (131), aber von
den übrigen zehen wird kein einziger genannt, und der ganze
dort bis auf Hildebrand herabgeftmrte Stammbaum fehlt, neu
dagegen sind andere Verhältnisse: Wolfdieterichs mutter, Hug-
dieterichs frau, ist Puntungs Schwester (2. 56. 66. 76) und ein
könig ^Paltrian^ PaldrarrC sein 'swager' (61. 73).
3) Sabene^ in dem vorigen gedichte völlig unbekannt, hier
gleichwohl eine so wichtige person, dasz sich ein groszer theil
90 235
der sage daran entwickelt, erscheint ganz in dem Charakter 286
Sibichs. er heiszt der ungetreue (74. 93. 99. 172) und lenkt
durch hinterlistige rathschläge (107) alles zum bösen, zwar ist
seiner abstammung nicht gedacht, höchst wahrscheinlich aber
wird Sabene Sibechen stion^ den wir aus dem Biterolf schon
kennen (oben s. 145), gemeint.
4) Befremdend ist eine beziehung auf das vorige gedieht,
oder vielmehr eine einmischung desselben. Wolfdieterich heiszt
einmal (205) von Salneckey das passt nur dorthin, wo er, der 236
älteste, von seinem verkleideten vater in der mutter heimat zu
Salnecke erzeugt und geboren ist, nicht aber hier, wo er, der
jüngste, in Constantinopel auf die weit kommt und niemals (es
müßte denn in der Wiener handschrift sich anders verhalten)
jenes reich genannt wird.
5) Was die Übereinstimmung Wolfdieterichs mit Dieterich
von Bern betriflft, so ftthrt er auch hier den löwen im schild
(232) und auszerdem heiszt sein pferd, wie das des Berners,
Falke (158. vgl. oben s. 208). sodann wird er beschuldigt ein
söhn des teufeis zu sein (19. 50), wie die sage von Dieterich
wirklich behauptet (oben s. 40). endlich merke ich an, dasz
ein nicht unbedeutendes stück der sage, welches gerade beiden
gedichten gemeinschaftlich ist: die räche fiir Otnits (Ortneis)
mord an dem drachen, die auf&ndung seiner rüstung in der
drachenhöhle und die Vermählung mit seiner wittwe, in der
Vilkina saga (c. 382 — 85 Rafn), die überhaupt von keinem Wolf-
dieterich weisz und den Otnit Hertnid nennt, dem Thidrek an-
heim fällt.
6) Wolfdieterichs brüder, in dem vorigen gedichte Wahs-
mtbot und Boge^ fuhren mit ihm einen gemeinschaftlichen namen,
der jedoch nur einmal vorkommt:
2, 5. 'die fraw gewan drei süne
wol pei dem kunig reich
drüm das sie warn so schüne
his maus al dietereicK.
Er selbst aber heiszt einmal: der junge Weife (287, 3).
7) Zwerg Albertch leistet hier dem Wolfdieterich beistand,
damit er seine frau wieder finde (317). sie war seine Schwie-
gertochter und ausdrücklich wird angeführt: 'sein lieber sun
Ortnet (318, 2).
90.
Alpharts TOD. (unten s. 371.)
1) Als grundlage wird ein deutsches buch^ ein altes lied
angegeben (45. 55. 56. 467), dessen spräche wahrscheinlich nur
23ß 90 —-
386 verändert, dessen Inhalt wohl ohne wesentliche abändemng er-
halten, vielleicht nicht einmal abgekürzt ist^*^.
287 2) Die sage von Alpharts tod, wie sie in unserm gedichte
erzählt wird, passt nicht in den gang der begebenheiten , wie
wir sie aus der Flucht und Rabenschlacht kennen, sie wider-
spricht sogar geradezu jener darstellung. auch die Vilkina
saga weisz nichts davon und dort wäre sie nicht einzufiigen.
sie fällt in die zeit, wo die feindschaft zwischen Dieterich und
Ermenrich anhebt; vorangegangen müste sein der mord der
Harlunge, ihrer geschieht aber keine er wähnung, ja nicht die
geringste •hindeutung kann ich finden, man müste denn daftr
288 annehmen wollen, dasz Eckehart (der Harlunge pfleger), der
sage gemäsz (oben s. 37) zu Breisack einheimisch, fürchtet von
Ermenrich vertrieben zu werden (314, 3) und Dieterich (401, 2)
zu ihm sagt: ^du trägst ein getreues herze\ nach unserm liede
hatte der vogt von Bern noch nicht hilfe bei Etzel gesucht,
und weder der hünische könig, noch von seinen, in den andern
" ^ der ohnehin lückenhafte text ist in der einzigen handschrift, die wir lye-
sitzen, sehr zerrüttet, str. 13 steht abgesondert und lantet wie eine anfangs*
Strophe mit allgemeiner einleitung. str. 14 scheint abermals neu anzuheben,
wenn auch nur zu einem abschnitt; 15 und 16 folgen im zusammenbang, aber
Str. 17 nicht, die sich wieder an 12 schlieszt. — str. 49 gem'äsz sind Amelolt
and Nere von dem geleit zurückgekehrt und 56 mit einem neuen anfang wird
dasselbe berichtet, als geschehe es jetzt erst. — str. 58 thut der kaiser eine
frage, die er schon 50 mit wenig verschiedenen Worten gethan hat. — nach 113,
4 findet Alphart achtzig feinde auf der warte, dagegen nach 116 besteigt er eist
sein pferd, um hinznreiten und jene achtzig erscheinen 144 erst wirklich, der
ausdruck in 112 und 113 ist so verderbt, dasz darin dreimal dasselbe gesagt
wird. — Str. 187 bricht ab, es erfolgt keine rechte antwort und erst 192, 3, als
Ermenrich die frage wiederholt, erhält er auskunft, aber diese steht nun in
widersprach mit 94. 95. darnach nämlich wurde Alpharts schild, anf dem sich
Dieterichs zeichen, leu und adler, befand, weil der junge held unbekannt bleiben
wollte, verdeckt (und deshalb bleibt es auch späterhin str. 260. 263 dem Heime
verborgen); dagegen nach str. 193 hatte es der gegner doch gesehen, beschreibt
es aber jetzt anders: ein goldener leu mit einer kröne, ohne Dieterichs adler.
dazu kommt nun noch, dasz der echten sage nach (oben s. 143) der goldene
leu allein Dieterichs zeichen ist. — Sewald ^200) heiszt späterhin (438. 442]
Sewart; ein herzog von Tuskan (200), graf (428); und herzog Bertram (200),
Bertram von dem berge (438. 442). Lachmann (rec. von Mones Otnit, Jenaer
lit. z. 1822 nr. 14. s. 107) glaubt, es sei ein zu der sage, nicht aber zu den
buche gehöriges, lied eingerückt und aus dieser zweiten quelle stamme 1—13-
17 — 44. 56, 3 — 67. besäszen wir einen einigermaszen zuverlässigen text, so
könnte man dieser annähme wohl geneigt sein, weil sie allerdings erklärt, wie
sich der inhalt von 49 und 50 in 56 und 58 wiederholen kann, indessen blei-
ben die übrigen verwirrangen noch zurück, wie wenn nun zwei abweichende
handschriften des gedichts, jede vielleicht unvollständig, nach der weise des Bni-
zehnten Jahrhunderts d. h. nachlässig und ungeschickt, zusammengefügt wären?
und was können die abschreiber nicht verschuldet haben! die handschrift des
Alphart gehört den proben nach zu urtheilen, die in Hagens und Büsching?
grundrisz stehen, zu den schlechtesten jener zeit; wie weit das Verderbnis dorcli
elende abschreiber gehen kann, lernt man am besten durch cod. Arg. und Pae-
des Rosengarten d.
90 237
gedichten so thätigen beiden (Nudung macht, wie sich zeigen 388
wird, keine ausnähme) wird nur ein einziger genannt, aber
noch mehr:, die Flucht erzählt den tod Alpharts (oben s. 192)
unter völlig verschiedenen umständen, und ohne Wittich im ge-
ringsten hineinzumischen, auf eben diese erzählung bezieht sich
dann das gedieht von der Rabenschlacht.
3) Ermenrich herscht als römischer kaiser (64 vgl. oben
8. 168) in Lamparten (53). in seinem Verhältnis zu Dieterich
von Bern, seines bruders söhn (62), erscheint er in einem mil-
dern lichte, er betrachtet sich als oberherrn und kündigt dem
Dieterich den krieg an, weil er den verdacht hegt, dieser wolle
sich gegen das reich setzen (52); auch seine bedingungen sind
dieser ansieht gemäsz nicht ganz ungerecht: Dieterich soll das
land räumen, oder Bern als leben von ihm nehmen (59). das
stimmt am meisten mit der Vilkina saga (c. 259) wo Sifka dem
Ermenrek Thidreks Übermut verdächtig macht und anräth,
Schätzung von ihm zu fordern, in der Flucht und Rabenschlacht
erscheint Ermenrich viel bösartiger: er strebt den Dieterich,
den er durch hinterlist in seine gewalt locken möchte, zu
tödten oder zu verjagen, blosz imi sich seiner lande zu bemäch-
tigen (3565—89).
4) Auch dieses gedieht fiihrt einige sonsther nicht bekannte
helden Ermenrichs an, die sämmtlich im kämpfe gegen Diete-
rich getödtet werden, also auch weiter nicht vorkommen kön-
nen, der bedeutendste darunter scheint herzog Wolfing^ dessen
banner grün ist (53. 54. 144—149. 152.157 — 160. 183 — 184).
- &iegewein''^ (157. 158). — Gerhart (159. 160). — 8ewaU
(200) oder Sewart der alte (438. 442). — ein herzog von Tusch^
kan (200), graf von TuBchkan (428). — herzog Bertram (200),
Bertram von dem berge (438. 442). — Gere^ bruder des Studen-
fusz (357. 375. 376).
5) Dieterichs zwölf helden (oben s. 102) in der Flucht und 289
Rabenschlacht fast vergessen, sind hier vollzählig: 1) Hüdebrant.
2) Wolfhart {Ib. 383—398. 441). 3) Wolfbrant (76). 4) Wolf-
win (80). 5) Sigestap (76. 451). 6) Helfrich (73). 7) Gerbart
(73), nicht zu verwechseln mit einem helden gleiches namens
bei Ermenrich. 8) Wichart (76). 9) Ritschart ^ ich glaube
nämlich, dasz dieser name unter Richard (73) gemeint ist.
10) Helmnot (73). ferner der in der Nibelunge not fehlende
11) Wicnant (76), und der aus dem Biterolf allein bekannte
12) &igeher (80).
**' ich kenne das gedieht nnr aus v. d. Hagens erneuemng nnd behalte
daher bei den namen, die allein darin vorkommen, seine Orthographie, er schreibt
Siegewein, dagegen Volkwin, Ortwin (73); bekanntlich ist der verlängerte vocal
hier unorganisch (gr. 2. 537).
238 90
289 6) Einige mannen Dieterichs hat unser gedieht mit Bite-
rolf und der Flucht gemein (Hacke^ Berkter^ Fridertch, Nere,
Sigebant)<f die dort angeführt sind, dagegen werden hier allein
genannt: Bange (73), Volkvnn (73 vgl. oben s. 138), Wytzschack
(73, wie es scheint, ein slavischer name), Bottel (Gottel?), Eun-
brecht (74), Branker^ Wolfinge (74, wo hier nicht der bekannte
familienname gemeint ist, sonst müste er auch Wolfing lauten),
Amelger von Brysen (74), Walderich (76. 419), Wolfhelm (76).
— abgesondert von diesen anzuführen ist Hug von Ddnnemark^
der nicht nur häufiger erscheint (307. 320. 334. 356. 374. 400),
sondern auch durch Ecken ausfahrt bekannt ist (56 Str. dr.),
wo ihn aber Dieterich als seinen feind getödtet hat (oben s. 221.
222). — Helmschrot (73) kommt auch im Rosengarten^ doch
nur in a und b, vor und scheint der Helmschart in der Flucht
(oben s. 191). Helmnot von Tu8chkan (77) im Otnit und Wolf-
dieterich (oben 228).
Endlich habe ich zwei namen von den obigen geschieden:
Ortwin (73) und Hannold (74 1. Haunolt)^ weil ich eine frage
anfügen will: ist hier Ortwin von Metzen gemeint und der
rheinische Sünolt? dann würde unser gedieht mit der Flucht
und Rabenschlacht in jener seltsamen Versetzung (oben s. 202.
212) übereinstimmen; oder im gegentheil: kommen wir hier
auf die spur, wie sie mag entstanden sein? gab die an sich
unschuldige und zufallige Wiederkehr einiger namen veranlas-
sung, die rheinischen beiden überhaupt auf Dieterichs Seite
ziehen und nun auch f)ir Ortwin den zusatz von Metzen zu
borgen?
7) Hildebrand führt das schwert Brinnig (350), nur aus
dieser einzigen stelle bekannt; in den Drachenkämpfen und dem
Siegenot (s. unten) wird ihm ein anderes beigelegt, vdederum
ein anderes, Lagulf genannt, in der Vilkina saga (c. 363). des
alten meisters Verwandtschaft ist zahlreicher geworden.
240 a) Alpharts Verhältnis zu ihm ist schon bei der Flucht
(oben s. 191. 192) erörtert, noch in der ersten jugend (97) ist
er schon mit Amelgart verlobt, sie selbst erzählt, Hildebrand
habe sie aus Schweden^ ihres vaters reich 'mit wehrlicher band'
geführt und dem Alphart zum weibe gegeben (108. 109); ein
ereignis, das sonst völlig unbekannt ist. frau Ute hatte den
Alphart von kindheit an auferzogen (106), so dasz man glauben
sollte, er sei frühe elternlos geworden, indessen nennt er sich
selbst hier Amelolts söhn und dieses Verhältnis bestätigen, vne
wir gesehen haben, andere gedichte, allein seltsamer weise er-
scheint Amelolt eben hier in beziehung auf Alphart als ein
ganz fremder, wie er es in der Flucht wirklich ist: beide neh-
men keine rücksicht auf einander^ von Amelolt ist nicht die
rede, als sich Alphart in die gefahr begibt, und dieser, in be-
drängnis, wünscht sich den beistand seines oheims Hildebrand
90 239
und seines bruders Wolfhart, gedenkt aber Amelolts nicht. 240
auch Siegestab ist hier nicht, wie im Rosengarten und anhang
des heldenbuchs, sein bruder.
b) Die Wölfinge überhaupt heiszen ein weitverbreitetes ge-
schlecht und sind natürlich Dieterichs mannen (39, 4. 75 , 2. 88,
4. 262, 2), allein auch bei Ermenrich scheinen glieder davon
gewesen zu sein (163, 3). selbst jener herzog Wolfing gehört
dazu, denn Alphaxt macht ihm (146) vorwürfe, dasz er gegen
Dieterich, der doch seines geschlechtes sei, ausziehe, vielmehr
solle er leib und leben in dessen dienste wagen, jener schützt
lehen und sold vor, den er von Ermenricb empfangen (149).
das deutet zugleich auf die Verwandtschaft Dieterichs mit den
Wölfingen (oben s. 107).
c) Hildebrand nennt den Nere seinen bruder (417), doch
wol denselben, der vorher in gemeinschaft mit Amelolt er-
scheint (44. 47. 49. 56. 77). Wolfdieterich (214»- cod. Fr.)
stimmt mit dieser angäbe (oben s. 232). nach der Klage (oben
s. 118) ist Nere der vater des Wolfwin und dieser heiszt Hilde-
brands neve; das könnte also damit bestehen, in der Flucht
wird kein verwandtschaftliches Verhältnis des Nere berührt.
d) Zum erstenmal dagegen ^'^ hier ein anderer bruder Hilde-
brands: mönch Esan (403, 3). wir werden ihn im Rosengarten
wiederfinden; der anhang des heldenbuchs sagt kurz: ^munich
ylsan hiltbrant bruder.' hier hören wir, dasz er in Dieterichs
Ungnade steht (319. 403. 404), und zwar weü er ihm vor Gar-
ten seinen vetter (öheim) erschlagen, nur mit mühe lässt sich
der Berner bewegen, ihm die schuld zu vergeben (404 — 408).
— diese erzählung wird durch kein anderes gedieht aufgeklärt 241
und man erräth nicht, was für ein verwandter Dieterichs das
könnte gewesen sein, sollte der bei einer andern veranlassung
(oben s, 196) erwähnte streit Wittichs mit Amelolt damit in
Zusammenhang stehen? die Vilkina saga weisz nichts von
diesem Usan, aber die dänischen heldenlieder (udvalgte Danske
viser 1, 6. 19) kennen einen munk broder Aising; doch als
Hildebrands bruder wird er nicht aufgeführt, obgleich einmal
(19, 27) unmittelbar nach ihm genannt.
7) WiUich und Heime (oben s. 19. 20. 146. 195. 209).
a) im Verhältnis zu Dieterich. Heime hatte den Bemer in
der Jugend aus Übermut bestanden, Dieterich ihn aber mit ge-
walt bezwungen. Heime wurde hierauf sein mann und schild-
geselle, leistete ihm den eid und erhielt land und gut (7).
Dieterich erinnert ihn, der jetzt dem Ermenrich unterthänig ist,
selbst daran und ermahnt ihn, nicht seine treue zu brechen (12).
Heime erwiedert, er habe ihm in seiner Jugend grosze dienste
'^ nsan tritt hier znm ersten mal als mönch auf, angefahrt ist er schon
im Wolfdieterich (s. 232).
240 «0
241 geleistet (11), Ermenrich ihn aber genöthigt, den krieg anzu-
kündigen, auch wolle ihn der kaiser nicht aus seinem dienste
los lassen (18); er erinnert den Dieterich, dasz er ihm damals
freiwillig Urlaub gegeben, als er von ihm weggegangen sei
(25 — 26). der Berner leugnet das nicht, sagt aber, damals
habe er ihm treue gelobt und versprochen, niemals als feind
gegen ihn zu reiten (27. 33). Heime entschuldigt sich: sein
Herr, der kaiser, bestehe auf dem kämpf gegen ihn, er müsse,
da er gold und groszen lohn genommen habe, auch (Üenste thun
(28—32). Heime, der zu der rückkehr friede von Dieterich
erhält, sagt zu sich selbst, er sei nach Bern zu den Wölfingen
wie zu feinden geritten, aber freundlich behandelt worden.
Wittich erhält ähnliche vorwürfe von Alphart, er handle
treulos an Dieterich, dem er eide geschworen und der ihm
nichts zu leid, aber viel gutes erzeigt habe, gold, bürgen und
land gegeben (215 — 220). aber auch Wittich glaubt sich durch
empfangene gaben dem Ermenrich verpflichtet (206. 207).
Beide, Heime und Wittich, haben bei ihrem übertritt in
des kaisers dienst ihr früheres Verhältnis nicht vergessen, da
sie, wie jener versichert (42), eidlich gelobten, niemanden gegen
Hildegrin d. h. Dieterich selbst hülfe zu leisten.
Was andere gedichte von den begebenheiten wissen, auf
welche wir diese beziehungen hier finden, ist folgendes, der
dichter der Flucht spricht nur ganz allgemein von Wittichs
treulosigkeit (oben s. 195) und lässt ihn auf kurze zeit in
Dieterichs dienste zurückkehren, von Heimes früherem verhält-
242 nisse aber nicht das geringste. auch die Kabenschlacht sagt
nichts, als dasz Heime Ermenrichs fahnenträger gewesen (712.
833—838. 844 — 847); untreue wird dem Wittich vorgeworfen
(380. 388. 460) und Diether, Dieterichs bruder, ruft ihm zu
(387) : ow^ wa tat ir iuwer sinne, do ir verkauft unser lant und
meint damit die in der Flucht (7692—7695) erzählte, abe^
malige verrätherei, womit er Kaben, bei seiner rückkehr von
Dieterich ihm verliehen, dem Ermenrich überlieferte. der
Rosengarten d allein erklärt, warum Wittich den Dieterich ver-
liesz und in Ermenrichs dienste trat, und um so mehr, glaube
ich, bezieht sich unser gedieht auf diese erklär ung, als wir dort
wiederum eine hinweisung auf Alpharts tod finden, und dadurch
erst verstehen, warum Wittich hier* (39) die Wölfinge flr seine
feinde hält, ich theile die stelle aus cod. Arg. mit, dessen text
vollständiger ist, und die bessern lesarten aus Pal.:
Wolfhart übel muote und was im also leit,
daz Witige der küene Scheming daz guot res reit,
* nicht Wittich, sondern Heime ist Alphart 39 der redende.
90 8«
daz im in dem garten zuo solde was gegeben: 9tii
daz begunde müegen Wolf hart den degen,
Daz er die gab het enpfangen vür in s6 minnedtch (wün*
nencltoh P).
Witege der küene gienc vür her Dietertoh,
er sprach gezogenltche: lieber herre min,
ich kan nit wizzen, wie im mac stn.
(swie gerne ich iu nu diente, so enmag ez nit gestn. P)
Daz mich so s6re hazzet der Wölfinge übermuot,
ich weisz nit warumbe, ez danket mich nit guot.
swie stille ich darzuo swige, got weiz min herze wol;
zuo solichen dingen man nit vü reden sol.
Do sprach gezogenliche von Beme er Dietrich:
wellent ir danne heim (den hinnen P) riten zuo künig
Erentrich (dem keiser Ermentrich P),
so gedenkent an die eide, die ir mir hänt geswom,
dar an sült ir nit wenken, ir flirste (recke P) hoch
gebom.
Ja wolt ich wenken, iürste hoch gemeit;
min lip si verwäzen, brich ich den eit.
dannen vuoren die herren üf der selben vart;
do (1. daz) kam eider ztw leide dem jungen AI/hart*
Über Heime gewährt die Yilkina saga einige aufklärung.
er ist erst sechszehn jähre alt, als er zu dem noch nicht zwölf-
jährigem Thidrek nach Bern auf dem rosse Riapa reitet und 243
ihn übermüthig zum Zweikampf heraus fordert, da ihm zuletzt
das Schwert Blodgang (nur bei Bafn s. 51 und in der alt-
schwedischen Yilkina saga) zerspringt, musz er sich dem
Thidrek ergeben, der ihm das leben schenkt und ihn unter
seine mannen au&immt (c. 17). darauf beziehen sich Diete-
richs Worte in unserm gedieht. Heime holt und schenkt dem
Thidrek das pferd Falke und befindet sich noch lange bei ihm
(c. 169. 245). während dieser zeit musz sich eine begeben-
heit zugetragen haben, auf welche Thidrek späterhin anspielt,
und welche nicht näher bekannt ist er sagt zu ihm: erinnerst
du dich, wie unsere pferde in Friesland so gewaltig tranken,
dasz das wasser verschwand (c. 390 Bafn)? hernach scheint
er zugleich mit seinem gesellen Vidga in Ermenreks dienste
übergegangen zu sein; gesagt wird nichts davon, aber wir
finden ihn mit jenem an dessen hof, wo er sich zu gunsten
Thidreks und heilig gegen Sifkas ratschlage äuszert (c. 261);
ja er reitet hin und warnt den Thidrek (c. 264), gibt dann dem
Sifka einen schlag in das gesicht und entfernt sich zornig, es
wird noch gesagt, er habe Ermenreks und Sifkas land ver-
wüstet und verbrennt, aber weiter hören wir in dem Pering«*
skjöldischen text nichts von ihm, und er verschwindet aus dei:
WiLH. ObIMM, DHUTSGHB BBLDB1I8A0B. 16
i4S «=— ÖO —
Siir sage, nafiientlich ist er nicht in der grossen schlacht gegenwär-
tig, dagegen in den handsohriften^ welchen Ra& folgt, werden
seine spätem sdndcsale erzählt (c. 887—892). während Thidreks
abwesenheit lebt er in einem wald. als er des königs rückkehr
vernimmt, geht er in ein kloster ['Wilten', Jac. Grimm, vgl.
s. 156] und besiegt den riesln Aspilian, folgt dann dem Thidrek
nach Rom, der ihn ehrt, and wird endlich im kämpfe mit einem
tiesen getödtet.
Über Vidga berichtet die Vilkina saga ziemlich vollstän-
dig, aber abweichend von dem Rosengarten, mit einwilligung,
sogar auf betrieb Thidreks, geht er in Ermenreks dienste über,
damit er die wittwe eines seiner grafen heiraten und zugleich
dessen land erhalten kann (c. 247). er zeigt hernach noch bei
jeder gelegenbeit anhänglicbkeit an Thidrek, tadelt Ermenreks
betragen (o. 261), warnt ebenfalls seinen vorigen herm (c. 263)
und hilft dem Heime bei seiner Flucht (c. 266). als es zur
Schlacht kommt, erklärt er dem Ermenreks dasz er nur ungern
und gezwungen gegen Thidrek kämpfe und ihm keinen schaden
zufügen wolle (c. 300. 801. 305). den Thether erschlägt er,
um sich selbst das leben zu erhalten (c. 310). was hernach
folgt, ist schon (oben s. 209. 210) bei einer andern gelegenheit
berührt. Tidga erscheint überhaupt in einer edlem gesinnung,
244 als in den deutschen gedichten. vorzüglich gilt dies in be-
ziehung auf unser werk, als Heime dem Wittich vorstellt, es
werde ihnen schlechten rühm bringen^ erschlügen sie zwei den
jüngeling, und, wol in beziehung auf die lebendige sage, hinzu-
fbgt, von ihrer untretce werde man immer singen und sagen; so
erwidert jener unritterlich, lieber wolle er sich schelten lassen,
als das leben verlieren (254 — 256).
b) im Verhältnis zu einander.
Wittich verlangt dringend Heimes beistand gegen Alphart
und sagt: ich mahne dich deiner eide und der treue, die du
mir geschworen, du verhieszest mir, bis an den tod sollte
deine band mich in keiner gefahr verlassen, du solltest daran
gedenken, dasz ich dir zu hülfe kam und dir das Üben fristete;
es geschah zu Muta/ren^ du und der von Bem^ ihr beide hätUi
sonst den grimmen tod dort erlitten (251 — 253). dies ereignis
musz in einer verlorenen sage erzählt worden sein, denn kein
bekanntes gedieht redet davon.
Hernach, als Heime auf Alpharts (verdecktem) Schilde
Dieterichs zeichen vermutet, will er nicht gerne gegen ihn,
überhaupt nicht gegen die Wölfinge, kämpfen. Wittich macht
ihm vorwürfe : das nast du mir mehr gethan, du brachst inuner
deine treue, wenn ich in hartem kämpfe stand y wolltest du diek
mit dem feinde versöhnen (260. 261). auch davon wissen die
erhaltenen gedichte nichts, nur aus der Vilkina saga (c. 37)
Uesze sich anfahren, dasz Heime dem Vidga gegen Sigstaf an*
91 248
fanglich nicht beistehen will. das wirft ihm Vidga hernach 244
auch vor (c. 88), sowie bei einer andern gelegenheit (c. 129)
seine treulosigkeit«
8) Es musz noch besonders erwähnt werden^ dasz, als
Wittich ge^en Alphart reitet, der dichter sagt: er habe sich
rächen wollen an. dem jungen beiden (212, 3). der grund
scheint aber auch ihm unbekannt geblieben zu sein, denn, als
Wittich dem Alphart das schwert in den leib sticht, fügt er
hinzu: nun weiaz ich. doch nicht, was Wittich an dem edlen
jungen roch (304, 3).
9) WaÜiher.von Kerlmgen (oben s. 96).
10) Nudung, ein herzog aus Deutschland, dem Schwan-
felden und Nürnberg dient (78. 79. 418. 436) [d. i. ein mark-
graf von Ostfranken.] Jceine spur, dasz er als ein söhn Rüdi-
gers und mann £tzels betrachtet werde.
11) Eckehart zu Breisach (oben s. 144). sein schwert
Gleate (186) wird .sonst nicht genannt.
91.
Rosengarten a. darstellung der sage in dem alten helden-
buch (492 Strophen); ich bediene mich der Hagenauer ausgäbe
1509, von welcher die andern drucke (vom jähr 1545, 1560
und 1590) nur in der Orthographie abweichen, von einer hand-
schrift mit älterm und besserm text gibt es bruchstücke, die
Docen in den Aretin. beitragen angezeigt hat; die Münchner
und Dresdner ist zu schlecht, als dasz eine vergleichung damit
hier yortheil hätte bringen können.
1) Siegfrieds Jugendzeit.
418, 5. *Der bemer zu hiltbrant sprach
Bestand ich den hürnen man
Das wer min grost vngemach
Ich müszt den leib verloren hau.
419. Er erschlug vor einem steine
Ein trachen was freyssan
Dem mochten alle förste gemeine
Doch nit gesigen an
Seyfrit der hürnen künge
Hat gar vü recken erscUagen
Noch weys ich dreü dinge
Dauon wü ich nit sagen (1. dagen'%
I '^ obgleich in allen mir bekannten drucken sagen steht
16»
245
244 91
346 420; Er treit ein schwert so hert
Das schneydet alle bandt
Kein hamasch sich davor emert
Es ist menung genant
Das ander ist ein bringe
Do merk da mich gar recht
Die macht von stahel ringe
Der meyster eckenbrecht.
421. Er wirket sy nach küneten
Vnd nach meisterechaft
Er wüste das der held in brClnsten
Gewunne grosse krafflb
Ooldee vnd edel geeteine
Des läge gar vil daran
Es wart nye schwert so reine
Das jn gewinnen kan.
422. Das drit went mir myn mftt
Er ist ein hürnen man.
346 Vnd het er fleisch vnd blät
Ich wölt jn gern bestan
Das ich mit jm solt fechten
Ich were ein tumer man.'
Des drachenkampfes wird nur in dieser darstellnng des
Rosengarten gedacht. — Menunc soll heiszen Miminc; nämlich
die Schwerter Wittichs und Siegfrieds sind hier verwechselt
(vgl. s. 320) und jenem ist (313) Balmunc zugeschrieben; c und
D meiden diesen irrthum und legen Balmunc dem Siegfried
ausdrücklich bei. — merkwürdiger und a allein eigen ist die
erwähnpng des kostbaren, goldverzierten panzere^ den Siegfried
trägt und dessen meister sogar genannt ist. sollte mit diesem
Eckenbreht (Eckerich im Kosengarten Weigels 1392) Mimes
geselle Eckehard in der Yilkina saga (c. 145) gemeint sein?
von einem goldpanzer sagen die deutschen gedichte nichts,
aber nach der Edda (Sigurdarq. p. 188) fand Sigurd eines
solchen in Fafnes schätz.
Siegfrieds stärke wird fast mit denselben werten, wie in
dem liede von ihm (33, 3, 4; oben s. 72j beschrieben:
3, 5. 'So grosz was die sterke syn
Das er die leo fieng
Ynnd sy mit den schwentzen sein
Vber die mauren hieng.'
2) Kriemhild sagt zu Dieterich i
247. ^Ich hör von dyner künheit
So vil singen vnd auch sagend
»1 245
Oder, wie die worte in c laaten (l?**); 34«
Ich hcere aint dtner kinthett vä singen und soffen^
Du habest bi dtnen ziten der recken vil erslagen.
3) Dieterich, als er mit Siegfried nicht kämpfen will, sagt
zu Hiltebrand und Wolfhart:
417. *Ir brechtent mich vmb dö leyb
Ir sind zwen falsche wicht
Myn brüder vnd myn weyb
Lassent euch myn erbteU nicht/
Bei Dieterichs Verheiratung mit Herrad war sein bruder
Diether schon in der Rabenschlacht geblieben, die erwähnung
jener (es müste dann hier eine andere frau Dieterichs gemeint
sein), ist also gewis unrichtig und findet sich auch nur in a,
in B lautet die entsprechende strophe:
318. Wan ich von im must sterben
was wer geholfen dir,
ich het wol neher erben 347
ein jungen prüder schir.
In c und d fehlt sie ganz, dort (11* c und in beiden hand-
schriften von d) werden bei einer andern Veranlassung, bei dem
anszuge aus Bern, Diether und die jungen Harlunge genannt.
der Rosengarten flllt demnach in die erste zeit Dieterichs, vor
dem kriege mit' Ermenrich.
4) Von den Wolßngen {269 k; 174b; 2% 19^ 2P, 30^ c; 28 d)
finden wir nur drei: Hüdebrant^ Wolfhart und Sigeetab^ dasz
aber auch Heime und Wittich sich hier unter Dieterichs käm-
pfem zeigen, ist der oben (s. 102) geäuszerten Vermutung gün-
stig, was die übrigen betrifft, welche die zwölfe voll machen,
so sind auszerdem noch Dieüeib von Steier und mönch Ilsan,
also sieben namen, sämmtlichen darstellungen des Rosengarten
gemein, dagegen Eckehart findet sich als mitstreiter nur in a,
B und c; in n wird seine abwesenheit sogar fiir nothwendig
erklärt, lediglich in a und b drei: Amelolt (d. h. als kämpfer,
er erscheint auch in c und d, zieht aber nicht mit aus), Helm-
ach/rot (auch im gedieht von Alphart; vgl. Helmschart oben
8. 191) und ein Ortwein; der letztere sehr unpassend, da auch
iinter den rheinischen beiden einer dieses namens vorkommt.
c und D haben dafQr Rüdiger von Bechelaren und Hertnit
(Hartumg) von Russen gemeinschaftlich; den dritten ersetzt c
durch einen herzog Amelung^ d den dritten und den vierten
(den als wirklichen Streiter fehlenden Eckehart) durch Frut
246 W
^T von Dänemark und Dieterich von Grrieehew. die* itämpfe sind
verschieden geordnet; nur a und b stimmen überein.
5) Ein ähnliches Verhältnis in beziehung auf die heJden
am Rhein. Gibich herscht zu Worms und seine söhne Günther
und Gernot; alle drei zählen so gut mit als dort Dieterich, um
die zwölfzahl voll zu machen, unerwähnt bleiben Giselher,
(was auch schon oben s. 13 hätte angemerkt werden sollen),
Dankwart, Sindold, Hunold, Rumold, öere und. Eckewart, und
von den bekannten namen finden wir nur Hagen von Tronje
und Volker von Älzeie; Ortwein kann kaum für den Ortwin von
Hetzen gelten, da er als ein riese und bruder des Pusold er-
scheint, allen darstellungen sind femer gemein Asprian und
Schrutan; von beiden wird sogleich näher geredet werden,
ebenso von Ptcsold^ der jedoch blosz, wie Ortwein^ in a, b und
c erscheint, d hat für diese beiden den schon aus dem Bite-
248 rolf (oben s. 145) bekannten Rienold von Mailand und einen
herzog Herhort, endlich nur in a und b Staudenftisz (oben
s. 136); statt dessen in c und d Stuffing (von Irland c, aus
Ungerland d cod. Pal.). — ein herzog Sabin aus Brabant (in a,
B und c) kämpft^ nicht mit, sondern ist blosz böte der Kriem-
hild nach Bern.
6) Asprtdn^ aus dem Ruther, der Vilkina saga und Diete-
richs drachenkämpfen (229^), auch durch das zeugnis im Rein-
Med von Braunschweig (oben s. 174) [und s. 279] als ein riese
bekannt*, erscheint hier als ein kämpfer Gibichs im rosen-
garten. er wird gleichfalls als ein groszer riese dargestellt
'(296. 301. 312. 313 a; 20»> c) und d im cod. Pal. fügt hinzu:
oberhalp des gürteis aht klafler lanc). zwei Schwerter trägt er
(297 a; 20^ c); nach d in einer scheide; b legt ihm auch (55)
vier bände bei. er wird des tiuvels genoz 301 a, tiuvelsoldan
20^ c, tiuvels man d, genannt, im anhange des heldenbuchs:
^Asperian ein ryss, der fört zwey schwert in einer scheiden,
damit kund er fechten/
7) Schrutan [ZE. 26, 8], jener Etzels mann in der Nibe-
lunge noth und im Biterolf (oben s. 141) kann nicht gemeint
sein, er ist ein riese (123. 280. 288 a, 19^ c) and hat nachi
(125; vgl. B 104) vier arme; es heiszt von ihm:
123, 7. A. 'Dem die recken gryse
Bis an das mör sint vndertän.'
7*- c. dem sint die risen alle durch vorhte undertan.
* vgl. ZE. 28. 1 und den coninc Espriaen mit seinen riesen in den
fragmenten des alten niederländischen gedichts vom bar Wisselau in Sermres
vaderlandsch museum (Gent 1858) 2, 265—284.
91 . 24T
Doch das richtigere enthält d in einer zeile, die zweimal M8
(Arg. und Pal. 6. 28) vorkommt:
dem sint die (ßiu laut von Arg.) Prinzen biz 4/ daz
mer von vorhte undertdn.
Und Gibich setzt hinzu:
Ich h&n in üf mtnem hofe vierzec j4r erzogen.
Auch der anhang des heldenbuchs: 'Schräthan ein ryss,
dem waren die preüaeen biez an das mor underthon/
c (auch a) gibt noch ein verwandtschaftsverh<nis an.
Schrutan sagt (19^):
mich riuwent also sSre diu mtnee bruoder kint
diu mir in dem garten zuo töde geslagen sint.
Und (19^): er klaget also s6re diu stnes bruoder kint.
Er meint damit den Ortwein und Pusold.
8) Pusold scheint mit jenem 'PauzoW von Norwegen in der 249
Rabenschlacht oben (s. 197) nichts gemein zu haben, als ein
riese (268 a, 197 b, 19* c) heiszt er ein ungetaufter (122 a;
100 b), und in a und c wird ihm (19*) vorgeworfen: du würde
nie kristen holt, nach a und c (19*) ist er ein bruder von
Ortwein.
9) Wittich weigert sich mit dem riesen Asprian zu
kämpfen:
299. A. 'Ich bin in frembdem lande
Des mos ich hie entgelten.
225. B. 'Ja wen ich wer ewr freunde
so hiest ir michsz sein nit
dar vmb ich hie pin fremde
so sol ich Streites sit
mit im sein vberladen.'
Bezieht sich auf seine schon vorhin (s. 210, vgl. 20. 196)
besprochene herkunft aus der ferne, er gehört nicht zu den
Wölfingen.
248 92. 98
M9
92.
Rosengarten b. Überarbeitung des Caspar von der BSkn.
stimmt im ganzen mit a, weicht jedoch in der erzählung des
einzelnen, namentlich bei der beschreibung der kämpfe, nicht
selten ab; manchmal ist sie sogar ausführlicher, hier geht uns
nur eine einzige Verschiedenheit etwas an: Volker der spielmann
wird von Ortwein nicht blosz verwundet, sondern todt ge-
schlagen (271), während er in a, sowie in € und d (wo ILsan
sein gegner ist) am leben bleibt; natürlich weil er noch in der
Nibelunge noth eine so bedeutende stelle ausföllen musz. kannte
nun der Urheber von b das Nibelunge lied gar nicht, oder trat
in dem, welches er kannte^ Volker gar nicht auf (vgl. oben
s. 130)?
93.
BosENGARTEN G. die Sage nach einer Frankßirter hand-
Schrift, worin der text ohne vergleich reiner und vollständiger
ist, als in allen andern, mir bekannten, durch die einmischung
eines zugs, den Dieterich zu Etzel und Herche unternimmt,
ihren beistand zu erbitten, unterscheidet sich diese darsteUong
wesentlich von den vorigen.
1) Berufung auf eine handschriftliche quelle; tuot uns da:
buoch bekant (13**. 15*. 26^). das älteste zeugnis, das wir bis
jetzt kennen, findet sich bei Ottokar von Horneck (oben s. 170).
[vgl. oben zu nr. 12^ s. 169, ZE. 26, 8; 40. 44. und unten
s. 283.]
360 2) Hildebrand spricht zu Dieterich (27«>):
— sft ir ez, her Dieterich
deme der vogt Dietmar liez stn erbe vnd stn rtchf
Ich bin dem sin vater Dietmar allez sin erbe lie,
3) Der alte meister mahnt^'den Berner an seine helden-
thaten (27*):
— rttet doch vil dicke striten in den walt,
da bestet ir mit strtte würme, risen unde man*
Auch in d diese und noch eine andere (unten s. 255) er-
wähnung von Dieterichs kämpfen mit drachen: etwas ähn-
liches im Wolfdieterich (oben s. 234). es ist wol das besondere
98 249
gedieht (unten nr. 99) gemeint, doch tödtet auch schon in der 360
ViUdna saga (c. 44) Thidrek gemeinschaftlich mit Fasold einen
drachen und befreit den Sintram. (Haupts zs. 6, 159. 160.)
4) Stfnt üz Niderlant (26»>), der hürntn (26 S 27% vgl. oben
s. 105). Gibich sagt ihm die Kriemhild zu, wenn er gegen
Dieterich kämpfe (26»), aber hernach heiszt es (31*): aö sie
sach in noeten Sifrit ir lieben man. seltsam lautet: swie daz
Sifrit hümin waere, drt hakberge leit er an (26**); auch in d
wird das erzählt (cod. Arg. und Pal. 49), doch sind es da nur
zwei. liegt darin eine beziehung auf den panzer des Ecken-
brecht, wovon blosz a redet? die drei panzer, die ohne bei-
spiel wären, vermute ich, sind aus einem misverständnis des
Wortes drilich (triplex; pf. Konrad gebraucht es) hervorgegan-
gen, was in der altem quelle vorkommen mochte und sich auf
das dreifache geflecht der panzerringe bezieht. (haet er zehen
halsberge an. Stricker 79**.)
5) Als Siegfried dem Dieterich einen grusz mit Balmung
verspricht, antwortet dieser (29**): den gruoz vergelt ich dir
mit mime Schwerte RSaen. die stelle des Eckesahs vertritt also
Otnits von Alberich geschmiedetes schwert, denn dieses heiszt
Rose (123. 199. 202. 321 Otnit s. oben s. 227; und Wolfdiete-
rich 95^ und **), oder vielmehr, da es wahrscheinlich (nach
Wolfdieterich und Sahen 244 ausdrücklich) dieses schwert war,
welches Wolfdieterich mit des kaisers goldpanzer in der
drachenhöhle fand und hernach führte, es sind beide Dieteriche
verwechselt, in d ebenfalls die obige stelle, nur mit verderbtem
text, aUein bald nachher heiszt es noch einmal in beiden hand-
schriften :
Rose wart erswungen in des Bemers haut,
6) Herzog Amelunc wird nur in diesem Rosengarten c
(7% 11**, 13*) und im Volkslied von Hildebrand (2, 2) genannt,
zwar steht in einer von Docen (bair. intelligenzbl. 1812 s. 59)261
angezeigten, zu dem Rosengarten a gehörigen handschrift gleich-
falls dieser name, ist aber dort, wie in einer vorhin (s. 191) an-
geföhrten stelle aus dem anhange des heldenbuchs und vielleicht
im Siegenot (s. unten) für Amelolt gesetzt, was hier unmöglich
der fall sein kann, da dieser Amelot mit auftritt, wir erfahren
nichts näheres von ihm, will man nicht in der antwort, die er
dem Hildebrand bei dem aufruf zum kämpfe mit Gibich gibt,
eine beziehung auf frühere Verhältnisse sehen (25**):
Ich besten in wiUeclfche, sprach herzog Amelunc
dem gedehte wirde ich nimmer holt^ sie sin alt oder junc.
kein helt wart nie so küene, sie habent in vür niht.
2M 93
261 7) Dasz Wittieh nicht eher kämpfen wffl, als bis sich
Rüdiger wegen Nudungs tod mit ihm versöhnt hat, ist schon
oben (s. 101) bemerkt, wer in das gedieht diese beziehmig ein«
rückte^ bedachte nicht, dasz die, Schlacht, worin Nudung blieb,
noch gar nicht konnte vorgefallen sein.
*
8) Als för den Walther von Waskenstein ein gegner aus-
findig zu machen ist, sagt Hildebrand (7^):
dem ich sinen kempfen, weiz got, niht finden kan,
ez st dan Dietleip von Sttre^ der ist ein starker man.
hülf uns der herzöge, vil lieber herre min,
so möhten wir mit vröuden wol rtten an den Rin.
Do sprach der wol gezogen von Berne her Dietertch:
ich hdn im gedienet Ideine, daz riuwet ietzunt mich.
Worauf sich das bezieht^ weisz ich nicht zu erklären (vgl.
oben s. 194).
Dietleib kämpft mit Walther (in d mit Stuffing) und beiden
wird der sieg zugesprochen (23*);
Sie bunden abe die helme und nigen der künegbi.
üf saste sie (Kriemhild) ir ieclichem ein r6sen kren-
zeltn,
ein helen und ein küssen gab sie da ie dem man.
dd wurden eitgeseUen die stolzen recken wol getan.
Von dieser Verbindung beider beiden weisz sonst kein
gedieht.
9) Norpreht [ZE. 40.]. als der zug an dem Rhein an-
langt (13»»):
dö sprach der künec Etzel: wol lieben herren min,
nuo ratet alle geliche, wie komen wir über Rin.
do sprach der alte Hildebrant vil gezogentüch:
niht mit gewalte, vil edeler künec rieh,
daz läze ich iu wizzen, sprach her Hiltebrant,
Norpreht heizet der ferge (tuot uns daz buoch bekant),
252 er weis min hergeseüe hie vor vü m>anegen tac,
in reisen, in hernoßten, mit triuwe er min pflac.
der degen ist vü küene,
auch redet einer den andern (14*) trüt geselle im ge-
spräche an.
Der fahrmann kommt zwar auch in d vor, aber er ist
dort ein riese mit zwölf söhnen, imd auch sonst weicht die er-
Zählung ab ; von einer bekanntschaft mit Hildebrand wird nicht
das geringste gesagt. er heiszt im cod. Pal., wie hier, Nor-
brecht, im cod. Arg. Ruprecht^ und damit stimmt demnach
93 251
vdUig der anhang des beldenbuchs: ^ Gibich un Crimbilt betten 35t
ein fergen zu wurms an dem rin. der was ein starker grosser
held genant Rüprekt vnd het zwölf süne.'
10) Von einer ungenade, in welcber nach Alpbart (oben
8. 240) Bsan bei, Dieterich stand, weisz unser gedieht nichts,
aber es berührt andere umstände aus dem früheren leben des
mönchs. Dieterich und Hildebrand ordnen die kämpfe, jener
fragt (7*):
Wer best^t nuo Volkeren den ftzerwelten degen?
der ist in herten stürmen gßn hunderten verwegen.
Dem ich nuo sinen geliehen nirgent finden kan,
in bestüende dan min bruoder, der starke münch Ilsan,
der ist uns leider vremde, so sprach er Hiltebrant,
ie doch wil ich in suochen da ich in bi wüen vant.
Do sprach der Bemaere: wie mac daz werden war?
er ist in siner kutte gewesen me den zwenzec jär.
Wizzet ir nit^ herre, waz iu der münich swtior,
do ir im erlouptet daz er in daz Jdoster vuorf
er geloht iu eine reise und swuor iu einen eit,
swan iu sin aller notest wcere^ so wolt er iu sin' bereit.
Und hernach erinnert Hildebrand seinen bruder daran (9**):
dich bitet min herre von Beme, sprach meister Hilde-
brant,
daz du gedenkest an den eit^ den du ime tcete in die
hant
du gelobtest im ein reise unt swüere im einen eit,
swanne uns dm aller notest wcere^ du woldest sin bereit.
Auch b enthält beide stellen und zwar cod. Arg* am
besten, c. Pal. hat von der erstem nur einige zeilen, jedoch
stimmen beide handschriften in der abweichung von c überein,
dasz der mönch zwei und dreiszig jähre, nicht zwanzig, im
kloster gewesen sei. eine lange abwesenheit wird übrigens vor-
ausgesetzt, da Ilsan seines bruders söhn, den Wolfhart, nicht 253
kennt (11'). d lässt ihn sagen: er lag in der wagen do ich
in ze naehsten sach. als Ilsan sich zum kämpfe rüstete (lO*'):
do hiez er ime bringen ein sper und einen schilt,
da mit er bt sinen ziten vil dicke hdte gespüt
11) Hertnit künec von Riuzen. wir erfahren blosz den
namen. in d, wo aber beide handschriften Hartunc lesen, wird
noch gesagt, sein zeichen sei ein rad gewesen, auch itn an-
hange des beldenbuchs: ^ künec Härtung ausz reüszen]ant\ in
der Vilkina saga ein könig Hertnid von Russland (oben 8. 177,
252 — 94
253 183. 198); wird dieser gemeint, so ist seine erscheiniing im
Rosengarten neben Etzel unpassend, indem er dort der grosz-
vater der Herche ist.
12) ^ Stuffing von Irland (7*, 22*), der gegner Hertnids,
dem er unterliegt, n nennt ihn im c. j?al. ^&tueffing vz Unger-
lant^ im cod. Arg. 'Stiffing^ und 'Schiffing uz Igerlanf. ob der
anhang des heldenbuchs, von beiden angaben abweichend oder
sie vereinigend, wirklich das richtigere enthält, ist noch die
frage: 'Stiefung ein kunig von ypperland^ das leyt in vnger-
land\
13) Von Hagen etwas noch nicht gehörtes (18*):
einen süberwtzen vanen vuort er in der hant,
oben üf slnem houpte zwei güldtn vnaanta hörn.
Auch in d beide zeilen, aber abweichend: ^Ein silber wisz
Stange färtt er in der hand Da fürt er uff dem heim zwey
silber wisz hom' cod. Arg. — ^ Einen silber wissen schik fort
er in der hant Do fürt er vf dem helme zwei guldin horn^
cod. Pal.
14) Volker (23*>):
den schilt begund er fazzen, do wolt er in die n6t,
dar ane stuont ein fidele^ diu was von golde rSt,
Und (24»):
er truoc an sime schUde ein gtge vil gemeit.
Dasselbe wird in b und d gesagt, ich hole hier nach,
dasz er in A (361) eine goldene fidel auf dem rücken trägt.
94.
Rosengarten d. die sage ist bedeutend erweitert, am auf-
fallendsten in der einleitung durch eine fahrt Etzels nadi
Bern; der text stimmt sonst häufig mehr oder weniger mit c,
254 weicht aber manchmal ganz ab. es ist in den beiden bekann-
ten handschriften, der Straszburger und Heidelberger*, in
einem grade verderbt, von dem man sich keinen begriff macht;
die erstere ist wenigstens vollständiger, in der Sammlung von
Hagen und Büsching sind sie in einander gemischt, um einen
'* ich besitze abschriften; von der letztern durch Caroves gute, nur bei
dieser sorgfaltigsten bin ich im stände, die Seitenzahlen des Originals axuugebeo.
94 268
etwas lesbarem text zu erhalten; f&r Untersuchungen dieser art 264
musten sie geschieden bleiben, da auf jenem wege jede von dem
eigenthümlichen, das sie enthält, eingebüszt hat.
1) Mehrmals in c. Arg. der ausdruck: tuot uns daz buoch
bekant, dafür in Pal. daz liet (47. 49. 64). doch auch in Arg.
also wir ez hceren sagen.
2} Wir finden hier die ausdrücke Burgundcere^ Burgunih
rtche wieder (oben s. 13), dagegen in c Rtneache man (25^) und
Rtnherren (31*). den hütern des rosengartens wird (nur in
Arg.) eine besondere fahne beigelegt:
ein baniere die sie vuorten diu was schöne bereit:
ein strich von rotem golde was dar in geleit^
anderhalp dar gegene ein strich von sitter wiz.
3) Sifrit der hüminy künic üz Niderlanty Sigemundes trut
(c: Arg. und Pal. 49). er ist noch nicht mit Kriemhild ver-
heiratet, aber sie kündigt dem Dieterich, mit dem er zuvor
sich messen soll, das fest an. es heiszt von ihm: der vüeret
zwelf swertj einez ist Balmunc genant; das steht in diesem
Rosengarten allein, doch in beiden handschrifben (c. Pal. 6) und
mag auf irgend einem misverständnis beruhen, (über die zwölf
Schwerter vgl. s. 43. 147. 280, Biterolf 174, Ecke 209 Lassb.,
Haupts zs. 2, 540.) •
4) Brünhüt erscheint zwar, und in leiser andeutung ihres
gegensatzes zu Kriemhild, der sie Übermut mehrmals vorwirft
(Arg. und Pal. 43. 55. 56. 59), aber, befremdend genug, nicht
als Günthers gemahlin; oder sollte beider Vermählung zugleich
gefeiert werden? doch heiszt sie auch nicht königin, sondern
blosz ein frouwe wol getan. auf ihr vorhergegangenes leben
nicht die geringste hinweisung.
5) Von Volker von Alzeije wird etwas auffallendes zweimal
behauptet (Arg. und Pal. 6. 28): er sei der Kriemhild Schwester^
söhn, kein gedieht kennt eine Schwester der Kriemhild. der
anhang des heldenbuchs, der offenbar den Rosengarten d vor
sich hatte, sagt ebenfalls: ^Fölcker von altzen genandt eyn
fideler, wann er f&rt ein fydelen in synem schilte. der was 255
frau crirnhüt Schwester sun\
6) WaWier von Kerlingen (oben s. 85 — 96). seine zeichen:
ein lewe von lasiere (glasure Pal.) an sime schilte was.
7) Herborty ein herzog auf Gibichs seite (Arg. schreibt
allzeit Herbort und Pal. Herbot, aber der reim auf dort setzt
die richtige lesart auszer zweifei), obgleich er hier getödtet
wird, glaube ich doch, ist der Herbort von Tenelant gemeint^
^ den wir schon aus dem Biterolf (oben s. 133) kenüen. im an-
hange des heldenbuches 'Herbot ein hertzog vnd held'.
8) Beziehung auf Dieterichs kämpfe mit drachen (Arg. und
Pal. 8. 9. vgl. oben s. 250) :
D6 sprach der schribaere: herre, her Dietertch,
und lazet ir die rösen, ez stät iu lesterlich.
Ir türret ouch nit striten, daz ez iemcm fromez sikt,
wanne mit den wurmen im wcdde^ diu scheine Kriem*
hild spricht,
sie müge dem von Beme des prtses nit jehen,
sie hab danne von sinen banden ein starken strit ge-
sehen.
9) Rüedeger der milde hat hier einen, sonst nicht genannten
kneht Herman bei sich (Arg. und Pal. 22).
10) Dieterich lässt entbieten (Arg. und Pal. 10):
— der milden marcgrävinne, der riehen Gotelmt
daz sie mir her sende ir lieben swester kint.
Wer das ist, darüber gibt kein gedieht auskauft, denn
keins weisz von einer Schwester der Gotelind. auch schickt
sie in der that niemand dem Dieterich zu hülfe.
11) Eckehart (s. oben 144). als Hildebrand dem Amelolt
beim abschiede die zurückbleibenden empfiehlt, nennt er auch
die Harlunge und sagt (nur in Arg.):
wir nemen in im herren^ Eckehart muoz ouch mite»
Allein es ist von ihm nicht wieder die rede und er er-
scheint auch nicht beim kämpfe.
12) Hildebrant der alte (Arg. und Pal. 10):
— — — vüert der weife drt
und vüert uf dem helme ein güldtn aarhant
il. h« eine goldne schlänge (serpent). davon ist auch im Siege-
not die rede, die drei wölfe auf dem schild aber sind bei dem
- Wolfdieterich (s. 233) abgehandelt.
256 13) Wolf hart (Pal. 30):
— vüert an dem Schilde ein wolf was rot güUMn;
dö vüert er üf dem helme, der degen vil gemeit,
ein silberwize stange^ von dem (1. der) man wunder seit;
daran goltscheUen^ daz rede ich äne wanc,
swenne er den heim erschutte, daz ez vil lüt erklanc.
Arg. ist an dieser stelle verderbt und wiederholt die zeile,
welche das zeichen Fruts beschreibt.
— Ö4 — ^56
14) Ih<m. sein ross (Ars. und Pal. 10): was Scheminges 2^
hruoder michel unde starc. m Pal. weiter auch der name:
'Benig* daz guot ros wart von im überschritten.
15) Fruot küniö von Tenemarc, sein schildzeichen nach
cod. Arg.: driu mardera houbet^ dagegen nach Pal. (37): vüert
er daz ^marmeV an dem Schilde sin, und in der Rabenschlacht,
wo er auf Ermenrichs seite kämpft, wieder etwas anderes (oben
8. 211). er wird hier zum gegner Günthers bestimmt, weil er
räche an ihm zu nehmen hat. Hildebrand ruft ihm zu (Arg.
und Pal. 37):
W& bistu nü von Teneima/rke der junge künic Fruot f
ez hebet in dem garten CKinther der degen guot.
mit dem soltu striten, du junger helt starc.
Gerne, sprach künic Fruot, er treip mich üz Tenemarc,
er nam mir ouch min erbe^ daz mir min vater lie.
Ferner:
er sprach: mich hat übergangen eines sseligen tages
schtn,
daz ich gen minem vtnde ein kempfe hiute sol sin.
ich wil im wünschen glückes, der mich gen im hat
gestalt.
mit im wil ich gerne strtten, sprach der degen halt.
Und nochmals:
aCh, Günther, dich wil triegen din grözer übermuot
du nceme mir min erbe und minea vater lant,
daz wil ich dir gelten, als ich dirz schuldic bin.
Im anhange des heldenbuches ^Frut auss thenmarck ein
junger künig\ wahrscheinlich aus unserm gedieht hier genomr
men. (über Frute s. Jac. Grimm kleine Schriften bd. 4, Haupt zu
Engelhard s. x— xu [MSF. 25, 174 mit anm. Biter. 1910 anm.
Aiöbras. Wolfdietr. a. 6. ZE. 23, 2. 28, 6.]).
16) Dieterich von Kriechen (oben s. 198).
17) Gibich fragt:
Wer bestät mir mtnen risen, der heizet Schrütan?
dem sint die Priuzen biz an daz mer undertän.
ich hän in üf mfnem hofe wol vierzec jar erzogen.
Hildebrand antwortet (auch in a 125): 257
den bestät Seimcy der hat vier eUenbogen,
in dem anhange des heldenbuches dieselbe bemerkung:
^Heime ein held was Adelgers sun eyn hertzog hett vier elbogen\
aber auch die altschwedische Vilkma sag» sagt übereinstiaiK
256 95 — .
357mend: ^Heim hin grymmai — — han haffdhe langa arma oc
//// alioga oc tiwkka hander oc fagra finger\ in dem nordi-
schen text fehlt diese stelle. (Haupts zs. 2, 541.)
95.
Volkslied von Hildebrand, (nach unserer ausgäbe.) [ältere
drucke s. Uhland Volkslieder s. 1013. v. d. Hagens heldenb.
1, LXXXYi. .niederdeutsch, Germania 7, 284.]
1) Hildebrand hatte nach c. Dresd. frau Ute in 30 jähren
nicht gesehen, übereinstimmend mit dem alten liede und dem
angels. Zeugnisse (oben s. 22. 26); nach dem alten drucke in
32 Jahren, der Vilkina saga gemäsz; 33 jähre in der dänischen
Übersetzung mögen blosz zufallige ändenmg sein, nach c. Dresd.
(7, 3) scheint Hildebrand, wie in dem alten liede, aus Wölken
und Ungern zu kommen.
2) Hildebrands schäd ist grün, wie im Wolfdieterich (oben
s. 233); c. Dresd. sagt dasselbe, gibt aber hernach doch eine
andere färbe sammt einem zeichen an, das von den bisher be-
kannten wieder abweicht:
21, 4. 'der alt het vm gekert
sein schilt mit seinem wapen
die zwen schilt waren gleich
an idem zwen guidein krapen
auf plaber feldung reicK.
3) Der söhn , nach dem c. Dresd. der junge Hildebrani^
erhält in dem Veesenm. bruchstück und dem alten drucke den
namen Älebrand^ übereinstimmend mit der Vilkina saga. [ZE.
26, 3.] seit dem alten liede, wo Hadubrant steht, wird dieser
söhn in keinem andern gedichte (oben s. 107), und nur in der
Rabenschlacht (s. 209) ein held dieses namens angeführt, der
vater fragt, ob er ein Wulfinc {Ylfing Vilkina saga c. 376) sei,
und will damit sein eigenes geschlecht bezeichnen, [ein gedieht
vom ritter Alebrand s. Hagen jahrb. 2, 94.]
4) Alebrand sagt, er stamme aus Griechenland^ und im
c. Dresd. (15, 3) noch genauer: aus der Stadt ^Pertolfe\ ist
Unteritalien, Graecia magna und Parthenope gemeint? (Per-
tolfe hängt gewis zusammen mit Partholaphe (unten s. 269.
270) und dazu vergleiche saga von Partalopa, einem fdrsten
aus Franken, Peringskiöld bei Hickes 3, 314* Einari Scia-
graphia 104.)
258 5) Seltsam, dasz der roaengarten (cod. D. 6. alt. ct. 5)
als in des Berners mark liegend gedacht wird, falls der name
hier nicht in allgemeiner bedeutung genommen ist.
96 257
6) Herzog Amelunc (entstellt: Abelan im c. Dresd. und 258
Abelon in der dänischen Übersetzung), vgl. oben s. 250. 251.
96.
Lied von Siegfried, [vgl. nr. 123*».] auszer den beiden in
dem grundrisse von Hagen und Büsching beschriebenen und
in dem abdrucke der Sammlung benutzten ausgaben gibt es
noch zwei eben so seltene, das heiszt, bis jetzt nur in einem
einzigen exemplar vorhandene: eine zu Frankfurt a. M. wahr-
scheinlich 1538 oder 1539 gedruckt in 8. mit holzschnitten;
und eine wohl ziemlich gleichzeitige plattdeutsche Übersetzung,
ohne jahrzahl in 8. einen dem Inhalte nach, wenigstens in
einem punct, abweichenden text (ungewis, ob er gedruckt war)
hat Hans Sachs (s. unten nr. 149) vor sich gehabt.
1) Gleich 11, 4 ein Übergang in ein anderes lied; wie von
vomen hebt 16 an und 33; jedesmal werden zu der neuen ein-
leitung schon aus dem vorhergehenden bekannte dinge gesagt,
nirgends ist zusammenfiigung einzelner lieder so wahrscheinlich
als hier.
2) König Gibich zu Worms hat drei söhne (16), die drei
jungen könige genannt (102, 3. 177, 1); Giselher ist nicht dar-
unter, sie heiszen: Günther (173, 4), Girnot (176, 1; so steht
in allen vier ausgaben) und Hagen (175, 1. 177, 4). der letztere
als bruder der Kriemhild kommt nur noch in der Yilkina saga,
in dänischen liedern und der nordischen dichtung vor.
3) Siegfried muste die Kriemhild schon, ehe sie von dem
drachen geraubt wurde, an ihres vaters hof gesehen haben; in
unserm gedieht wird das zwar nicht erzählt, aber Siegfried
selbst sagt, als zwerg Euglin ihres Schicksals gedenkt:
51, 3. *Die ist mir wol bekandt
Wir warn eynander holde In jres vatters land£.
4) Siegfried fragt den zwerg Eki^el nach der zukunft und
dieser verkündigt ihm sein trauriges ende:
160. Lasz mich deyner kunst gemessen Astronomey genant
Dort auf dem Trachenstayne Heut fru du hast erkant
Die Stern vnd jr anzeygen Wie es mir sol ergan
Mir vnd meym schönen weybe Wie lang sol ich sie han.
161. Do sprach das Zwerge Eugel Das will jch dir veriehen269
Du hast sie nur acht Jare Das hab ich wol gesehen
So wirdt dir dann dein leybe So mörderlich genummen
So gar on alle schulde Da umb dein leben kummen\
Die drei schwäger, eifersüchtig über Siegfrieds ansehen (173—
76; Brünhild kommt nicht vor), beschlieszen seinen tod.
WiLHt OeIXM, DBUnOHB HBLOBMSAQB. 17
258 — 96 —
269 177. *Also die drey®^ jung Künge Seyfriden trugen hasz
Bisz daz die zwar geschwigen VoUendten beide das
Das Seyfrid todt gelage Ob eynem prunnen kalt
Erstach jn der grymmig Hagen Dort auff dem Otten
waldt«^
178. Zwischen den seynen schultern Vnd da er fleyschend"
was
Do er eich kült im prunen Mit mund vnd auch mit nasz
Sie warn der Kitterschafte ^® Geloffen in ein gsprech
Do wurd es Hagen befolhen Das er Seyfrid erstech.
179. Die drey bruder Krimhilde Wer weyter hören woU
So wil jch jm hie weysen Wo er das finden sol
Der lesz Seyfrides hochzeyt So wirt er des bericht
Wie es die acht jar gienge Hie hat ein end das dicht'.
Unter den beiden, welche die that heimlich (geschwigen)
aussannen und anordneten, werden wahrscheinlich Günther und
Girnot gemeint; Hagen erhielt, nach 178, 4, den befehl zur
ausführung, wie in der Edda Guttorm, als der jüngere, im
Odenwalde wird der mord vollbracht (oben s. 154), von einer
jagd ist nicht ausdrücklich die rede, auch nicht von Siegfiieds
durstigem trinken, vielmehr will er blosz von dem lauf erhitzt
sich das gesicht in dem frischen brunnen abkühlen (vgl. unten
Hans Sachs).
Stfrides hochzit musz ein theil unseres Nibelungeliedes ge-
wesen seyn, welches etwa mit der einladung zu dem fest am
Rhein (693, 3j begann und des beiden tod erzählte, der inhalt
wird ja hier allgemein angegeben, nach unserer Nibelunge
noth (oben s. 64) lebte Siegfried nicht acht (zweimal, auch
schon 12, 3 bemerkt), sondern zehn jähre mit Kriemhild zu-
sammen.
260 Noch eine andere stelle deutet auf dieses oder ein ähnliches
gedieht:
11. — 'er ward aller hürnen Dann zwischen den schul-
tern nit
Vnd an der selben statte Er seynen tode lidt
Als jr inn andern dichten Hernach werdt hören wot,
5) Euglin verkündigt auch die räche der Kriemhild ihren
eigenen und aller helden Untergang:
162. 'So wirdt deyn todt dann rechen Deyn wunder schönes
weib
• ' drei fehlt in der plattd. Übersetzung, [t. 2 lies 'zwei geswien*. L ac hmannj
'• Odenwaldt Frankf. dr.
*' fleischen Fr. dr.
'^ Da war die Ritterschafte Fr. df<
97 259
Darumb so wirdt verlieren Manch held den seynen leib 260
Das nyndert mer keyn beide Auff,erden lebendig bleybt
Wo lebt ye Held auff erden Der also ist beweybt'.
163, 4. 'la auch deyn schönes weybe Leyt auch des krieges
tod'«^
Eine andere stelle dagegen findet den grund alles Unheils in
dem verhängnisvollen golde (vgl. oben s. 111):
14. 3. — — Nyblingeshort
Darumb dch von den Hewnen Hüb jämmerlicher mordt,
15. An manchem Held vil küne Die da wurden erschlagen
Wol in den herten streyten. Als jr noch hörend sagen
Das niemand kam daruone Das thü jch euch bekandt
Wann Dieterich von Berne Vnd meyster Hiltebrant'.
6) Engels Weissagung überhaupt entspricht der Unterredung
Sigurds mit Griper, s.einer mutter bruder, ja dasz sie hier in
den mund eines zwergs gelegt ist, scheint sogar bedeutender
und angemessener, als das Verhältnis, das die Edda annimmt;
zumal dieser oheim Sigurds eine ganz überflüssige person ist
und weiter nicht den geringsten einflusz auf die sage ausübt.
Gripers vater heiszt Eylimi^ sollte dieser name mit dem ohne-
hin ^befremdlichen und schwer zu erklärenden des zwerges in
zusammenhange stehen?
7) Otnits panzer,
70. 'Der Rysz verband die wunden Vnd wapnet balde sich
Inn ein vil gute Brinne Die was gar kostenlich
Von eytel klarem golde Gehart mit Trachen blüt 261
On Kaysers Ornif^^ Brinne So ward nie Brinn so gut'.
97.
FüNDiN NoREGüR (Skalholter ausg. der Oluf Trygvason saga
s. 333 und Nordiska kämpa dater).
Hildir var fapir Hildibrands^ fapir Hildis ok Herbrands . . .
pessi aett heitir Hildingar.
In der Snorraedda (Skaldskaparmäl 192 Rask) finden wir
blosz: Hilldir er Hilldingar eru frä komnir; hier also ist das
geschlecht erweitert und höchst wahrscheinlich aus der deut^
sehen sage Hildebrand und Herbrand hineingeschoben, freilich
®*^ Leid auch des Krieges noth Fr. dr.
' ** ebenso die plattd. Übersetzung. On Eeiser Otnits Fr. dr. — Otnit ausg.
von 1585.
17*
260 98
261 ist das Verhältnis umgekehrt, indem letzterer als enkel erscheint,
während er der vater sein sollte (oben s. 107). es mögen also
nur die beiden namen herübergekommen sein, wie wir sie ohne
alle beziehung auf die sage selbst, in dem altfranzösischen,
jedoch angelsächsischen Ursprung verrathenden gedichte von
könig Hom (Ritson 3, 274) lesen, wo ihnen überdies noch ein
bruder Godebrand beigegeben ist [ZE. 5, 2]. in Sögubrot
(sagenbibl. 2, 487. 489) kommt wieder ein konig Hildebrand vor
und Hilde und Hildur sind seine kinder, und in Asmund Kappa-
banes saga (sagenbibl. 2, 569) die namen abermals unter andern
Verhältnissen, ein Helge Hildebrandaen aus Hunaland heiratet
Budlis tochter Hilde und erzeugt mit ihr einen söhn Hildebrand^
der nach Hunaland gesendet und dort aufgezogen wird, man
erkennt die anknüpfung an unsern sagenkreisz, die der umstand
noch wahrscheinlicher macht, dasz Saxo bei erzählung dersel-
ben begebenheiten ganz andere namen gebraucht (sagenbibl.
2, 599).
Die zeit der herübemahme zu wissen, wäre gerade nicht
gleichgültig, da, wie wir oben (s. 107) gesehen, der name Her-
brands in einer gewissen periode nicht zum Vorschein kommt,
indessen Fundin Noregur, Sögubrot und Asmund Kappabanes
sage sind dem inhalte nach sämmtlich älter, als der abfassong,
welche bei den zwei erstem in das 14te Jahrhundert fallt.
262 98^
Blömsturvalla SAGA (cod. Hafii.). (ed. Möbius 1855.)
pä er Häkon, kalladur hinn riki, hafdi rädid fyrir Norege
tuttugu vetur, pä kömu ütann af Spania sendimenn Fridrichs
köngs af Spania med briefum og vinättumälum og saßmilegum
praesentum, er keisaren sendi Häkoni köngi, enn päd fylgdi
peim bodum, ad keisaren bad Häkon köng, ad senda sier dottur
sina, er Kristin biet, og vilde bann siä henni fyrir saBmilegri
gifbing; en köngurenn med rädi vina sinna og sampycki sinnar
dottur giörir eftir keisarans bön, og var hennar ferd saemilega
giörd med miklum kostnadi og foruneiti. formadur pessrar
ferdar var meistarin Biarni ür Nidarösi, er bestur madur (er
biskup cod. Holm.) hefur verid f Norvegi. Christine wird
ehrenvoll in Spanien empfangen : enn pvtnaest var saemileg veit-
sla 1 köngshöllinni og var jomfrüin pangad leidd: sidan sendi
keisarenn jomfrünni priä (?tvä) broedur sina, Wilihiälm ogHeio*
rieh, vom peir allir ägiaBtir. keisarenn bad hana kiösa hvöni
hun vildi eiga, enn med rädi keisarans kiöri hun sier Heinrich
og fastnadi sier hana, og vöru pug püsud samann ad lögom*
enn ad keisarans veitslu yfirstadinni heirdi Biarni meistari lesid
% ppsku mdli päd afintyri^ hvort kann fcerdi tu Noreffs.
98 261
Es ist möglich, aber, wie wir nachher sehen werden, un*262
wahrscheinlich, dasz der Verfasser dieses gedichts in deutscher
spräche hörte und in die nordische übersetzte'*, alle übrigen
angaben jedoch, wenigstens wie sie hier lauten, sind entschie-
den falsch, denn kaiser Friedrich, der hier auch zu einem
könige von Spanien gemacht wird, war schon todt bei der Ver-
mählung der norwegischen prinzessin Christine (1256 — 57),
welche auch nicht mit einem bruder des kaisers namens Hein-
rich, sondern mit Philipp, bruder des Kastilischen königs Si-
phons X, statt fand, und wobei gewis kein gedieht in deutscher
spräche vorgelesen wurde; endlich war es nicht der bischof, 263
sondern ein anderer Biöm, der die braut begleitete, das werk
mag in einer spätem zeit entstanden und jene nicht glücklich
ausgefallene, historische beglaubigung daran gefügt sein, wie
denn auch die spräche durchaus nicht die büdung des ISten
Jahrhunderts verräth.
Der inhalt der sage scheint gleicherweise jener zeit nicht
würdig, wiewohl freilich nach einer solchen flüchtigen auffas-
sung das original nicht kann beurtheilt werden, sie berührt
an sich nicht unsern kreisz, sondern ihr Schauplatz ist in Afrika,
wo ein könig Arius herscht, durch seine dem könig Assverus
vermählte mutter ein enkel von Alexander dem groszen. nur
zwei personen aus unserer sage, die beiden Harlunge^ sind ein-
gemischt, durch einen drachen nämlich aus ihrer heimat ent-
führt, gerathen sie nach Afrika und nehmen theil an den ziem-
lich unbedeutenden begebenheiten der sage, folgende stellen
gehören hierher:
1) I pann tima er Ermenrekur rtki riedi fyrir Römaborg
og öllum rikium fyrir sunnan Mundynfiöll og Flaemingialand,
bann var fadir (fodurbrodir?) j&tdrefo af Bem^ peir v6ru synir Sam-
80718 svarta riddara^ sä er drap Rodgeir jarl af Salemborg og
JBrunstein riddara. Samson ätti sier frillu son, er Akt biet, hann
var seldstur sona hans : hann var mesti hermadur oc meiri kappi
ödrum honum samtida. Samson -gaf honum hertoga nafh og
hafdi hann adsetur i peirri borg, er Fritula heitir. petta riki
liggur austur med Mundinfiöllum. Aki sieck sier drottntngar,
er Odalia biet, vid henni ätti hau tvö sonu og eina döttur, er
Isodd biet; hun var qvenna vasnst og velmentud. pessi Aki
var kalladur AJd Ölldungatrattsti^ pvi hann var baedi rikur og
•
'^ aach Peringskjöld in der vorrede zur Vilkina saga hat gelesen i l^yskn
mäli und P. E. Müller in der sagenbibl. (2, 398); v. d. Hagen dagegen liest so-
wohl in der samml. für altd. lit. (81), als in seiner ausgäbe altnord. sagen !
J'essn mäli. dies ist offenbar unrichtig, da das pronom. demonstr. hier gar
nicht stehen kann und der sinn nur höchst gezwungen herauskommt, daher fällt
die dort gemachte behauptni^g: 'ohne zweifei habe Biöm die sage spanisch
gehört', von selbst, zudem ist kenntnis der spanischen spräche bei eineni norci-
länder für die damalige zeit ziemlich unwahrscheinlich*
262 — 98 — •
263Y]nsselI og veitti mikit traust mönnum sinum, ef peir kunni
nokurs vid ad purfa. son bans asldri hiet Aki sem fadir hans,
en hinn yngri Otgardur. peir voru miklir menn ad iprottum
og Mdir Synum, peim hielst um afikyn sitt sosem var Samson
8varti riddari og pidrekur, die angaben werden späterhin in
einem gespräcbe groszentbeils wiederbolt, obne dasz etwas neues
dabei vorkäme.
Die ganze einleitung lautet wie eine verwirrte und flüch-
tige auifassung der Vilkina saga. diese fangt gerade mit der
geschichte Samsons an, der hier der schwarze heiszt, wie dort
(c. 1) gesagt wird, haar und hart sei an ihm pechschwarz ge-
wesen, gleicherweise tödtet er dort den jarl Rodgeir von Sa-
lemi und (dessen bruder, den könig) Brunstein [ZE. 35, 2].
264 femer ist er der vater von Ermenrek, Thittmar (dem vater
Thidreks), und von Aki örlungetrausti, wofür hier, wie auch
in einigen handschriften der Vilkina saga (c. 1 3), Öldungatrausti
steht, wie dieser hier der söhn eines kebsweibes ist, so wird
dort (c. 13) ausdrücklich gesagt, seine mutter sei von geringer
herkunfb gewesen und sein vater habe ihm den^ herzogs namen
und zum sitz die bürg Fritile gegeben. Odilia, in der Vilkina
saga frau des Thittmar, wird hier dem Aki zugeschrieben,
ebenso findet bei ihrer tochter Isold eine vertauschung statt,
indem wir sie aus der Vilkina saga als Thidreks Schwester
(c. 209) kennen, dagegen wieder tibereinstimmend hat Aki
zwei söhne, wovon der eine ebenfalls, wie der vater Aki, der
andere Etgard heiszt. auch MundinfiöU begegnet in der Vil-
kina saga (c. 264).
Diese Übereinstimmung, die natur der abweichungen , die
sichtlich blosze entstellungen sind, dieselbe begränzung, ich
meine den mangel an jeder weitergehenden nachricht, machen
die annähme einer andern, zumal früheren quelle, im höchsten
grade unwahrscheinlich, dazu kommt folgendes: auszer der
Vilkina saga kennt kein gedieht diese abstammung der Ame-
lungekönige von dem schwarzen ritter Samson^ und sie sieht
ganz so aus, als sei sie erfunden, um beide sagen zu verknüpfen.
viel natürlicher scheint die angäbe (vgl. oben s. 2 und 185),
wonach einer ihrer ahnherrn Amelung hiesz, wenn auch die
ältesten quellen über diesen punkt nichts enthalten, ich will
damit nicht den deutschen Ursprung der Samsonsage an sich
bezweifeln und mir ist unwahrscheinlich, dasz die erwähnung
von Samsons gold in der aus dem französischen stammenden
Flovent Frakakongs saga, wie P. E. Müller (sagenbibl. 2, 148)
meint, damit in Verbindung stehe, denn ich finde auch Samsons
schätz in dem altfranzösischen gedieht von Viane (Uhland
s. 126). ferner kommen Odilia und Isod auch nur in der Vil-
kina sage vor und scheinen eingeführt, nicht ursprünglich da
gewesen zu sein, endlich gehört Aki Orlungatrausti als vater
98 268
von Aki und Etgard ausschlieszlich der Yilkina saga an, ander- 264
wärts (oben s. 185) wird er Diether^ im anhange des helden-
huchs Hmiung^ in früheren quellen gar nicht genannt, dieser
umstand gestattet mit noch gröszerer Sicherheit zu urtheilen.
wir wissen aus sehr alten Zeugnissen (oben s. 19) die echten
namen von Ermenrichs bruderssöhnen : Imbrecke und Fritile^
und ihren geschlechtsnamen : Uarlunge; Eckehart der getreue,
ist uns wenigstens schon aus dem Biterolf (oben s. 144) be-
kannt, der Vilkinä saga sind diese namen ohne zweifei nur
unvollständig überliefert worden und sie wendet was sie weisz
unrichtig an und ergänzt das fehlende, so gut es geht, schon 265
habe ich (oben s. 20) bemerkt, dasz sie den namen Fritile auf
den pflegevater der beiden brüder überträgt; hier lässt sich
noch weitere Verwirrung nachweisen, in dem namen des vaters
Aki Örlungatrausti [vgl. rechtsalterth. 943] ist offenbar der des
pflegers jEcA^hart, des treuen Harlungemannes enthalten, und
weil der name Imbrecke für den einen söhn fehlte, so ist Aki
verdoppelt, auch ihr sitz, der Breisach heiszen sollte (oben
8. 37) wiederum Fritilaborg (c. 13 Rafn, c. 100) genannt, dem
andern bruder ist der unverbürgte name Etgard beigelegt, in
der Vilkina saga ist mithin jeder dieser namen entweder un-
echt oder er ist unrichtig angewandt, wer möchte nun be-
haupten oder wahrscheinlich finden, dasz diese Verwirrungen
gerade ebenso, und zwar schon früher, nämlich in der mitte
des 13ten Jahrhunderts in einem andern deutschen gedieht vor-
gekommen und daraus in die Blomsturvalla saga übergegangen
seien? es fallt in die äugen, wie verdächtig die angäbe von
dem unmittelbar deutschen Ursprünge wird.
2) Sä madur var feinginn ad kenna peim iprottir, hvöred
biet Vidilon hinn fraekni, bann var godur riddari og svo mikill
kempa, at fair voru bans jafningar hvar sem leitad var. — —
eru hertoga synir svo gamlir, at peir meiga bera vopn, pa byr
hertogen ferd peirra til Römaborgar til Ermenreka kongs hans,
ad hann skyldi dubba pä til riddara. — peim skyldi fylgia
Vidilon fostri peirra. — rida peir nü sem leid peirra liggur
sudur ad MundinfiöUom, ei er getid umm ferd peirra, fyrrenn
peir komu i skog pann er Lativald heitir, praut pä dagur og
stigu peir pa af hestum og slou upp landtialdi sinu.
ümm pann tima riedi fyrir Fraklandi Salomon köngur
hinn riki, er pä var mestur köngur fyrir nordan fiöU ; hann ätti
pessa mörk, er peir voru äkomnir. vid Mundin ütarlega stod
einn kastali, er Fra^askdli heitir, pann skäla ätti Fracha kön-
gur, par riede fyrir sä hertogi, er Lupus biet. Hann var grim-*
mur eg ovinsaell, hann ätti XII sonu, peir voru miklir kappar
og miög likir födur sinum at skaplindi. Bramaleifr var peirra
eldstur, hann ätti ad vardveita penna skog, er fyrr var nefndur;
sä skogur var fullur med allskyns vUludyr oo fiska og fugla.
264 99
265Etgard erlegt einen hirscb. Lupus mit seinen zwölf söhnen
kommt und stellt ihn zur rede ; alle diese werden in dem kämpfe
getödtet, wogegen auch der pfleger der beiden brüder fallt.
266 Diese stelle schlieszt sich unmittelbar an die vorhergehende
und macht die einleitung zu der geschi<;hte. neu ist der name
des pflegers Yidilon, wo nicht entstellung von Fritila; dagegen
aus der Yilkina saga genommen: könig Salomon von FrcMand^
der Lativald (nämlich statt des gewöhnlichen Luruwald steht
in einer hs. Lutuwald c. 35 Rafn), die zwölf räuber darin han-
send, nur dasz der vater Lupus zugedichtet und der name
Gramaleifur^ wahrscheinlich durch einen bloszen Schreibfehler,
in Bramalei/ur verändert ist. und abermals, wie nach einer
unvollständigen erinnerung, ist alles nachlässig durch einander
geworfen, denn obgleich könig Salomon einen groszen wald
besitzt, auf dessen jagd er eifersüchtig ist, so heiszt dieser wald
doch Valslönguvald und der Lutuvald ist ein ganz anderer. da8z
diese namen, welche überdies lediglich in der Yilkina saga, in
keinem deutschen gedichte sich finden, anderswoher, als eben
aus jener genommen sein sollten, ist nicht glaublich.
Bei dieser gelegenheit merke ich an, dasz alles, was die
Jarl Magus Saga aus unserm kreisze, zu dem sie an sich nicht
gehört, nebenbei anfuhrt, aus der Yilkina saga, die von ihr
als Thidreks sage ausdrücklich citiert wird, geflossen, mithin
für uns unwichtig ist. vgl. sagenbibl. 2, 399.
99.
Dieterichs drachenkämpfe (cod. Pal. 324).
1) Beziehungen auf ein älteres, schriftliches werk oder auf
mündliche sage finde ich nicht, und doch scheint der dichter
des ReinfHed von Braunschweig (vgl. oben s. 174) dieses ge-
dieht schon gekannt zu haben, (auch der Rosengarten c und d
(s. 250) scheint es vorauszusetzen.) wie wir es hier besitzen,
unbeholfen und schwerfallig, ist es ohne zweifei ein erzengnis
der spätesten zeit, die erwähnung des Donnersbergea in einem
gleichnisse (262**) lässt vermuten, dasz der Verfasser in der
Rheinpfalz zu hause war (doch vgl. rechtsalterth. 801).
2) Dieterich noch in der ersten Jugend.
3**. 'Do sprach der junge dietherrich
Her hiltebrant min vatter mich
Vch his also ziehen
Bitze daz ich wirde ein kreftig man\
Auch sagt Hildebrand: 'min here ist (der jore) gar ein
Uni (22».^ 48»>).
267 3) Dieterich wirft seinem meister vor:
— 99 266
23*. 'Wie hastu mich verderbet 267
Nun wurt dir doch mins erbes niht
Wie man mich hie verderben sieht
Mir bruder vur dich erbet
Diether der iore gar ein kint
Wrt noch zu berne here
Des die riche noch mir sint
Die breite vnd och die verre
Die vnser vatter dietmor lie
Der wrt dir niht wie vil din lip
Vntruwen erzoiget hie'.
Eine ähnliche äuszerung im Rosengarten a (oben s. 246).
,4) JSildebrand heiszt in allen gedichten (nur nicht im Wolf-
dieterich, wo von seiner Jugend berichtet wird), der alte^ und
die Yilkina saga (c. 381 ßafn) erzählt nach dem deutschen
liede sei er bei seinem tode 200 jähre alt gewesen, nach ande-
ren sagen jedoch nur 150 (oder 170 oder 180) jähre, er selbst
nennt sich einmal (c. 276) einen hundertjährigen (siebzigjährigen
bei Kafh); Thidrek ist nach einer andern stelle (c. 15) nur 13
(25 bei Kafn) jähre jünger, aber diese angäbe rührt schwerlich
aus der sage selbst, auch in unserm gedichte finden wir eine
bestimmung. Hildebrand sagt:
198. 'Wolffhart das sage ich dir viir war
Do ich stritte von erste ane ving
Das (1. dds£) voUeclichen wol ahtzig jor\
5) JSHdebrands scwert führt einen andern namen, als im
Alphart (oben s. 239):
45^. Er züchte ein swer das /reise hies
Das in in neten nie gelies'.
Es wird noch mehrmals gerühmt (87*. 161*). diesen namen
hat jedoch auch der dichter des Siegenot gekannt (s. unten);
vgl. darüber rechtsalterth. 872.
6) Hildebrands p/erd Lewe (34*. 56*) nennt kein anderes
gedieht, er sagt von ihm: 'Was ros vff erde (ich) ie gesach
Der vant ich keines nie so guot (49^)'.
7) Sein zeichen^ drei wölfe nach Wolfdieterich und Rosen-
garten D (oben s. 233. 235), besteht hier aus einem rad auf
einer filhne von weiszem hermelin (93*»). öfter wird wiederholt:
daz rat vuert her Hildebrant (103\ 206*. 218^).
8) Von den Wölfingen (156*. 180\ 205*. 216*. 217^ 326^
336*. Dieterich heiszt einmal der Wölfinge trost 41* und Lam- 268
parten lant 115** einmal der Wölfinge lant 315*». es wird auszer den
bekannten Wolfhart^ &igestap und Gerwart {Gerbart) auch ein
'Strutmn' genannt (144*»). da er nicht weiter vorkommt, so ist
266 99
268 es vielleicht Schreibfehler für Schiltwtn^ der auch zum ersten-
mal, aber unter den kämpfern, auftritt (189**. 278**. 334^). Eache,
der järe ein kint (198**), ist schon beim Biterolf (oben s. 144)
bemerkt.
9) Ein Gernot unter Dieterichs beiden (231. 232) ist auf-
fallend, erklärt sich aber vielleicht aus der einmischung der
rheinischen beiden in das gedieht von der Flucht und Raben-
schlacht.
10) Blcedeltn (200». 276^ 334»' häufig der starke 189». 212».
236^), dessen Verwandtschaft mit Etzel schon in der Flucht
und Eabenschlacht (oben s. 198. 212) vergessen schien, ist hier
nichts als ein held aus Bern.
11) Wittich und Heime haben ihren sitz zu Rahen und
zeigen sich auf Wolfharts aufforderung bereit, dem Dieterieh
beistand zu leisten (187). Wittich trägt das schwert Miminc
(225^. 276»). eine merkwürdige stelle belehrt uns auch über
sein zeichen, die fahne ist grün:
199''. 'Dar jnne ein zeichen wuneclich
Das fürt der tegen kuene
Ein hamber vnd ein zange von golde rot
Ein nate (1. nater) die ist von golde (silberf) wis
Als jm sin vatter wielant gebot\
Die goldene schlänge auf seinem heim und seiner rüstung
kennen wir schon (oben s. 147. 148. 173), und die Verbesse-
rung nater unterliegt keinem zweifei; aber dasz Wittich in be-
ziehung auf seinen vater Wieland, der ein Schmidt war, in der
fahne hammer und zange geführt, wissen wir sonst nur noch
aus der Vilkina saga (c. 33. 307) [und s. 322].
Auch das zeichen von Wittichs gesellen wird beschrieben:
200». 'Heime fürt su (1. zu) der stunt
Ein banier gut das ist kint (1. kunt)
Von wisseme hermine
Dar jnne der löwe vnd ouch der ar
Die worent zabel (1. zobel) swartz gevar
In lihten glantzen schine
Die gap im der kunig ermentrick
Do er streit von (1. vor) rafen^
Bis auf die verschiedene färbe Dieterichs zeichen und
schwerlich der echten sage gemäsz. es ist kaum nöthig, aus-
drücklich anzumerken, wie unpassend diese hinweisung auf die
269 Eabenschlacht in einem gedichte erscheint, welches Dieterichs
erste thaten beschreiben soll.
99 267
12) Die Verhältnisse, in welchen 'Helferich von Lune^ ge- 269
schildert wird, sind mit denen, welche Ecken ausfahrt (oben
s. 221. 222) voraussetzt, ganz unvereinbar (Haupts zs. 6, 438 f.).
er ist ein alter mann und sagt zu dem Berner:
55^. 'Got wilkume her dietherich
Die selde ich an ime prise
Das ich uch han zu einem mole gesehen
Vor mines lebendes ende^
Er gedenkt auch seiner früheren thaten:
14:5**. Ich han gevohten manigen strit
Zu duscan in dem lande
Mit herren gros vnd witen
Do voht ich an schände.'
Er hat einen söhn Rentwtn^ den Hildebrant aus dem
rächen eines unthiers befreit. aber Hildebrant steht auch in
naher Verwandtschaft mit ihm: 'Partholaphe^ eine markgräfin
von Tuskan (vgl. s. 270), Rentweins mutter, ist die tochter
von einem bruder Hildebrands (48*. 85*. 107**), der jedoch
niclit genannt wird, sie äuszert selbst:
59*. ^Ist min^ vatter hrüder hie
Den gesach ich in XX Joren nie'
Und Hildebrand:
48*. 'Es ist lang das ich sii nie gesach^
Aus dieser auf Helferich übergegangenen Verwandtschaft
erkläre ich auch, dasz jener zu Wolf hart, dem Schwestersohne
Hildebrands (auch hier ausdrücklich dessen neve genannt
144^), sagt:
205*. ' — du bist min sippe blut'
'Du bist der Wülfinge man.'
13) Eine anspielung auf Ecke gehört nicht in ein gedieht,
das frühere ereignisse darstellt:
^ 231 ^. ' Clagestu — Ecken not
Der hat gevohten manigen strit
Vnd lag er doch zu jungester dot'
14) In Etzels hofhaltung bezeichnet* Hildegrin nicht blosz
Dieterichs heim, sondern auch den seines gegners (168), und ist
mithin eine allgemeine poetische benennung. diese ansieht geht hier
noch weiter, gar nicht einmal Dieterich, sondern ein beide be-
268 100
269 sitzt Hildegrin und der name bezieht sich nicht auf den ganzen
270 heim, sondern auf einen darin befestigten stein, wie auch in
Ecken ausfahrt (185. 186 Casp.) ein leuchtender karfunkel als
die Ursache des glanzes angegeben wird, es heiszt von dem
beiden :
11^. 'So virt der heilt einen nuwen heim
Der lücht durch nebl vnd durch melm
Gegen der spielende sunne
Do inne lit ein hiltegrin
Der git von golde lichten scJiinJ
100.
Dieterichs drachenkämpfe in dem heldenbuche des Ca»par
von der Röhn, (in der Hagen, und Büsching. Sammlung:
Dieterich und seine gesellen.)
1) Der Verfasser gibt selbst das Verhältnis zu seiner qujßUe
in zahlen an: 'des alten vir hundert vnd echte ist dis hie hun-
dert vnd dreissigke sein so vil vnnüczer wort man list' (130).
wie viel zugleich vom inhalte wegfallen muste, lässt sich aus
dieser rechnung schlieszen; es fehlen die meisten kämpfe mit
drachen, deren unnatürliche menge das vorige gedieht aus-
zeichnet, allein die vergleichung damit setzt doch auszer
zweifei, dasz Caspar eine andere quelle benutzte, denn nicht
blosz weichen zum theil die namen ab, sondern auch die be-
gebenheiten selbst, vorzüglich gegen den schlusz hin.
Nur was dort unter 2 und 3 bemerkt ist, findet sich wie-
der, freilich nicht wörtlich; groszentheils auch, was unter 12
von Helferich, der hier 'von Lane* heiszt (61), und 'Partolafe
(61. 64) gesagt ist (vgl. s. 257); nur nichts von der Verwandt-
schaft mit Wolf hart, der so wenig a^ls sonst einer der Wöl-
finge auftritt.
2) Eigenthümlich dieser darstellung ist ein held 'Lieberdein\
bald von 'Palner' (78. 79. 82), bald 'Paldner' (83. 99) genannt,
erst mit Dieterich im kämpfe, späterhin sein streitgenosz. nach
str. 91 wäre er ein söhn Helferichs, aber hier findet wahr-
scheinlich eine Verwechselung mit Rentwein statt, merkwürdig
ist eine äuszerung:
81, 3. 'Lieberdein zu dem perner sprach
dein oheim sigstap ich abstach
vnd manchen kempff erliteJ
101 269
Die angäbe selbst widerspricht der echten sage, denn 270
Sigestap wird erst lange hernach in der Nibelunge not erschla-
gen, allein er erscheint in dieser äuszening doch wieder als
ein verwandter Dieterichs (oben s. 104), und davon wissen die 271
übrigen gedichte dieser zeit nichts mehr, die ihn vielmehr zu
einem bruder Wolfharts machen (oben s. 191. 192).
101.
SiGENOT. wir besitzen einen zweifachen text: den, welcher
in handschriften und alten drucken enthalten ist, und die Über-
arbeitung Caspars von der Röhn^ welche, jedoch ganz anders
als bei Ecken ausfahrt, nur in einzelnen, den Inhalt wenig be-
rührenden ausdrücken abweicht. ich bediene mich hier eines
alten, noch unbekannten druckes (Nürnberg durch Friedr. Gut-
knecht ohne jähr, 196 Strophen), benutze aber die in dem ab-
drucke von Caspars werk in der Hagen, und Büsching. Samm-
lung beigefügten Varianten aus handschriften und andern
drucken. (Haupts zs. 5, 245.)''^
1) Die ältere quelle: tuot uns diu wäre achrift sagen 36,
11 (ez liegen den die buochstaben Caspar 37, 11); ez haben dan
diu büecher gelogen 84, 5 (die buochataben haben nit gelogen
C. 84, 5); daz wizzen wol (sagen wtse C) liute noch und die
daz in den büechem geschriben finden doch 135, 11; und als ez
noch geschriben stät 146, 9. bei C allein 198, 5: als uns daz
buoch verkündet hie.
2) Dieterichs kämpf mit Hilde und Grim (s. oben
s. 214—216):
2. dr. 'Do der Bemer bei Hiltebrandt sasz
Die zwen die wurden reden das
Was sie betten erstritten
Mit jrer held krefiligen handt
Do sprach sich meister Hiltebrandt
Ich hob so vü erlitten
Wol von dem starcken Eysengrein {risen grin Str. hds.)
Vnd von seim bösen weibe
Sie het mir nahet das leben mein
'* die plattdentsche Übersetzung, mit der des homen Siegfried und des
Lanrin zusammengedruckt, ist anzuführen vergessen worden, sie liest: 2 Isen-
grim, 19 Ditmar, 46: o herr so hete ich Valdunck, vnd hebbe van Albrecht
den ortsprunck, 92 Walünger-Amelung und Sygstach, und da auch 120 ^vicdcr,
wie im hochdeutschen, Sygstach steht, so scheint das misverständnis in das ge-
dieht aufgenommen; 144 sare wSit, 146 frysan.
27Ö 101
271 Geschieden von dem leibe
Sie zwang mich zwischen jre bein
('Do sü mich schlosz vnder iren stein Straszb. und
Heidelb. hds.
'Gar tiff graben vnder eynem steitp Caspar)
Ich must sein da beliben
Das wendet jr herr allein^
3. dr. 'Herr Dieterich sprach, ja das ist war
Mein leben stund als vmb ein har
Do sie dich het vmbfangen
2^^ Vnter jr uchsen (ein fels c) sie dich zwang
Dein weer die was gen jr so hranck
Es was vmb dich ergangen
Ich schlug jr ab das haupte zwar
Von stund must sie dich lassen
Hiltebrandt sprach, herr das ist war
Sie was grosz ohne massen {ir peine das sei ver-
wassen C)
Wo sie noch in der erden leit (wo es doch C.)
Ich leid nie hertier drücke
Bey aller meiner zeit^
An dieses ereignis knüpft sich das gedieht hier an. Hilde-
brand sagt zu Dieterich:
6, 3. dr. Herr wisset jr auch noch den stein
Da ir den alten Hiltegrein (den stargen gnnen
allein Str.)
Sein (vnd sin Str.) Schwester habt erschlagen
Da wont der rysz heist Sigenot
Vnd ist des Greymen wage (mage Str.)
Er wart auff vnser beyder todt
Vnd liegt dort an der läge
Wo vnser einer für jn ritt
So müst er mit jm streitten
Des liesz er warlich nie.''
Kein älteres gedieht weisz von Siegenot und die Vilkina
Baga von der ganzen dichtung nichts, der Verwandtschaft mit
dem getödteten Grin geschieht noch mehrmals erwähnung, der
riese sagt zu Dieterich (77): 'Du giltest mir den ohem mein
Den du mir hast erschlagen.' hernach ruft er aus (91): 'Ge*
röchen ist der ohem mein'.
Es kommt nochmals eine beziehung vor. der Berner sagt
zu dem riesen:
106, 2. 'Auff mein trewe so rewet mich
Thet ich dir je kein leide
101 — • 271
Das wisse du vil werder man 272
Dein öheim mich nicht erlan
Sein weih (swester C, diu swester hdss.) als vnge-
fuge was
Sie druckt Hütebrant beaunder
Vnd das der selb vor jr genas
Das nimpt mich jmmer wunder
Vnter ein uchsen (den stein C.) sie jn zwang
Sie druckt jn also herte
Das jm das blut ausz drang/
Offenbar soll Siegenot (der name bei Neidhart, HMS. 3, 273
205^) ein bruder der (hier niemals genannten) Hilde sein, das
ist nur einige mal, am entschiedensten von Caspar, misverstan-
den worden, der daraus eine Schwester des Grim selber macht,
was doch seiner eigenen annähme in einer andern stelle (2, 8)
widerspricht, wo der ausdruck weib sogar durch den reim fest-
gehalten wird, eine andere abweichung, der jedoch auch in
einer stelle (2, 11) die handschriften zugethan sind, nimmt an,
das riesenweib habe den Hildebrand unter einen felsenstein ge-
zwängt, während der druck passender und in Übereinstimmung
mit der Vilkina saga erzählt, dasz sie ihn mit ihren armen zu-
sammengedrückt und ihm die kniee auf die brüst gesetzt habe,
indessen scheint doch dieser irrthum wieder aus einer richtigen
in Ecken ausfahrt (oben s. 215) vergessenen ansieht entstan-
den, wonach Dieterichs kämpf mit dem riesen und seinem
weibe in einer felsenhöhle und nicht auf einem freien waldplatz
stattfand. — 'des dort gewonnenen und weithin glänzenden
helmes Hildegrtn geschieht auch hier erwähnung. Dieterich
wird daran erkannt (47, 5. 63, 6. 87, 4).
3) Dieterich sagt beim abschiede zu Hildebrand:
19, 12. dr. 'Ich befilch dir landt vnd leute
Vnd Dietmar {Diether Str. hds.) den bruder mein/
Und späterhin (186, 12) noch einmal fast mit denselben
Worten.
4) Der riese (92 dr.):
'Nun wil ich ietz gen Beren gan
Das musz mir werden vndterthan
Des wil ich sie bezwingen
Von Beren ist mir wol gesagt
Es seyen beiden vnuerzagt
Die da heyssen Wolffinger
Vnd Amelung ein degen herr
Die zwing ich mit gewalte
274 103. 104
275 anfange des dreizehnten Jahrhunderts sein kann. es gibt kein
Zeugnis von dem dasein unseres gedichtes (von dem auch die
Vilkina saga nichts weisz) aus dem ganzen dreizehnten Jahr-
hundert; bis jetzt das frühste, in Spiegels abenteuer (unten
nr. 119), fällt höchstens in das ende des vierzehnten Jahr-
hunderts.
2) Dietleib von Steiermark hat hier eine Schwester Similte^
die in die gewalt des zwergkönigs Laurin gerät und wieder
daraus befreit wird, kein anderes gedieht nennt sie (vgl. oben
s. 193. 194).
3) 2208 (Str. dr.). 'do sprach Laurein der gezwerg
sehent jr den grossen man
mit seinem glantzen heim stan!
3257. 'von Bern der edel fürste reich
sein swert das gürt er um sich
ein Hechten heim er uff gebaut,'
Hildegrtn ist offenbar gemeint, nur nicht genannt.
276 103.
Laürin b. fortsetzung des gedichts, abgedruckt in Nyerups
symb. [D,HB. 1.]
1) Unter Dieterichs beiden ein Wielant^ welcher ohne
zweifei sein dasein dem zusatz Wielandes suon bei Wittich ver-
dankt, der deshalb auch hier fehlt, während er im Laurin a
häufig dabei steht.
2) s. 47*. 'die potschaft wart gesant
ZV lamparten in daz lant
- zu einem twerg hiesz allnech (1. alberich)
ez was ein mechtiger kunk reich
ez klagt got sein note
daz im sein her waz tode
der edel und der zarte
kunck ortneid von lamparteJ
104.
Laürin c. bearbeitung des Caspar von der Rohn.
1) Beziehung auf ein schriftliches werk: 'die istory sagt
das' (72); Caspar scheint es abgekürzt zu haben: 'solt man
105 275
das als durch grynden das wurd doch als zu lanck als inan8 2i&
in der schrift thut finden das wurd zu vä in geaancK (290).
seine quelle war eine widere, als die von a, da er im einzelnen
theils abweicht, theils genauer erzählt. [DHB. 1, 293.]
2) Der name Simüte kommt nicht vor, es wird dafiir all-
zeit Dietleibs Schwester oder königin gesagt. Caspar würde
ihn, wenn er in seiner quelle gestanden hätte, gewis gebraucht
haben.
3) In A vier kämpfer Dieterichs: Hildebrand, Wolf hart,
Wittich und Dietleib, auszer diesen hier noch ein fünfter,
sonsther nicht bekannter Wolfdieterich. [ZE. 26, 12; 30, 3;
DHB. 1, 293.]
4) Dieterichs feuerathem (oben s. 105) verletzt zwerge und
riesen (122. 229. 230. 303).
5) Laurins panzer mit Otnits verglichen (oben s. 220):
65. ^Es was kein prun auf erden
vor noch sider erkant
den ein keyser werden
Ortney was er genant
der het der prun gleichen
von allem gezauch so gut 277
die wurd gemacht in deichen
in der zwergischen art.
66. Ortney was behüte
in der prun für die not
das im kein helt so gute
darin mocht thun den tot
slaffent must er dersterben
von eynem wurm vnrein
vnd in der prun verderben
trug in den jungen hain.
105.
Etzels HOFHALTUNG, (der Wunderer.)
1) Wahrscheinlich eine Überarbeitung Caspars von der
Rohn^ doch deuten etwa nur darauf die worte: 'gelaubt das es
mag seyne als mans geschriben fani (211, 7); vielleicht kannte
Spangenberg (s. unten nr. 154) eine andere abfassung. kein
gedieht weisz sonst etwas von dieser sage und kein zeugnis
redet davon. (Fastnachtsp. 2, 547, nr. 62; Kellers erzähl. 1.)
276
106
277 2) Dieterich ist seit länger, als zwei jähren bei Etzel (99),
zu dem er mit fönfhundert mannen gekommen war (100) und
den er selbst als seinen herrn anerkennt (96). er hat dem
Hildebrand versprochen, vor seinem vierundzwanzigsten jähre
nicht zu kämpfen (122), bis dahin sind noch neun jähre, er
müste demnach fönfzehn jähre alt sein, aber es werden hier
(103) achtzehen angegeben, seines vaters bruder sitzt als kaiser
zu Rom, das wäre Ermenrich, der sage gemäsz; aber dieser
ganz entgegen ist auch sein vater, ein könig, noch am leben
(101), und man weisz nicht, warum er ihn verlassen hat.
seines feuerathmens ist schon oben (s. 105) erwähnung gethan,
sowie der sage von seinem tod (s. 38). — man erkennt die un-
vollkommene und lückenhafte Überlieferung.
3) Von Rüdiger unerhörte dinge (vgl. oben s. 97). er ist
der söhn eines koniga von Mailand (54); vielleicht eine Ver-
wechselung mit Rienold (oben s. 145); seit ftlnf jähren an
Etzels hof (53), hat er von ihm Bechelaren und Ostreich er-
halten (55) und noch eine königin als gemahlin zn erwarten;
also Gotelind ist hier unbekannt, sein vater und seine mutter,
von welchen keine sage berichtet, waren gleichfalls konigskinder
(55). es heiszt auch hier der müde (58).
278 106.
HoRNCHiLDE AND MAiDEX RiMENiLD (Ritsou ancicut romaucees
3, 295); aus dem vierzehnten Jahrhundert:
Than sehe lete forth bring
a swerd hongand bi a ring
to Hom sehe it bitaught:
it is the make of Miming,
of all swerdes it is king,
and Weland it wrought.
Bitterfer the swerd hight,
better swerd bar never knight.
Hom, to the ich it thought;
is nonght a knight in Inglond,
schal Sitten a dint of thine hond;
forsake thou it nought.
Dann liesz sie herbei bringen
ein Schwert, hängend an einem ring,
dem Hom sie es zugedachte:
es ist das gegenstück von Mimingf
von allen Schwertern ist es könig,
nnd Wieland schmiedete es.
Bitterfer heiszt das schwert;
besseres schwert tmg kein ritter.
Etom, dir ich es zugedachte;
kein ritter ist in England,
der stehe einen schlag von deiner haad;
gib du es nicht weg.
Bitterfer ist in den deutschen gedichten nicht genannt
(s. 59).
107. 108. 109 277
107- 278
Die HEIDIN (cod. Pal. 341 f.; 111—123; Kolocz. 191—240).
(von der Hagens GA. 1, 414. 422; Haupts zs. 5, 2 ff.)
1) 933. unt waert irz der von Berne^
80 küene als der (her?) Dietrich
der was ein helt lobelich —
ich neme (nem P.?) alle recken
hem Hagen und kern Ecken
er benimt iu daz leben.
2) 1253. zwar wirt der gräve erslagen,
so muoz wir in verklagen,
als die andern recken,
kern Dietrichen und hem Ecken ^
und da bi hern Hagen;
die fuoren ouch niht iJs die zagen,
sie wären offenbar genuoc;
wenic si daz vür truoc,
wan d wurden erslagen ze tot.
108.
I
Der REIHER (cod. PaJ. 341).
bl. 99. von einem zornigen manne, der sich rächen will:
släfen gienk der guote
in Wolfhartes muote.
Die ZELTENDE FRAU (Licdcrsaal 1, 297 — 303).
Der mann will die widerspenstige firau als ein pfelrd auf-
zäumen:
55. dö sprach si: ir schelm und gebüre,
waeret ir zwirent als süre,
als her Dietrich von Berne^
zelten wölt ich ungerne;
und als gröz als rise Aaprtdn^
noch denn wser ez ungetan.
278 — 110. 110*. 110«. 111 —
"0 110.
Fraüentreüe (Liedersaal 1, 117—128).
15. den reinen wiben wart er holt,
^ den diente er mit richem solt
wüleclich und gerne:
waer er gestn ze Beme
der ritter unverdrozzen,
des het er dicke genozzen.
110*»-
Johann von Würzbürg. Wilhelm von Ostreich (um 1314).
^4*». Do vaht der milt von Hennenberc
wol und der von Brünec:
der Bemer noch der Eck
waer küme d4 besezzen.
110«.
Der Zunge strIt. allegorie mit beziehung auf markgrat
Waldemar von Brandenburg, c. 1322, begonnen von Otto WaM-
mann von KarUtatt^ pfarrer zu Ostheim bei Aschaffenburg, in
der Würzburger liederhs. (HMS. 4, 882) bl. 233 ^ unter den
gedichten Luppold Homburgs von Rotenburg (von der Hagen
in den Märkiscken forschungen 1841. 1, 113):
Der kunster von der frauwen schiet
hin durch den walt die twirge
an ein vil hoch gebirge
in ein Idk, hiez Sprengenberg,
do Eiberich ötnydea twerg
im lief engegen s6n zehant.
111.
Kaiser Ludwig der Baibr (Liedersaal 3, 121 — 24).
1) Spottlied eines unbekannten dichters das zwischen die
jähre 1334—40 fäUt.
67. bt einer wil sd kom ich,
ez reit tkz Bern her Dietrich.
Si/rit der küen was hürntn.
112. 113. 113^ 279
2) Von demselben dichter ein quodlibet (das. 3, 563). 279
[Uhland in der Germania 1, 328.]
102. ez reit uz Bern, als man uns seit,
her Dietrich von Bern*
da von könt ich gern
harpfen unde rotten.
112.
Heinrich der Glichsener (gehört ins 12te jahrh.) im Rein-
hard Fuchs (cod. Pal. und Kolocz. 387):
wir münche spraechen niht ein wort
umbe der Nibelunge hört.
113. 280
Cod. Pal. 329 (Adelung 2, 320). [ist von Hugo von Mont-
fort (geb. 1357 gest. 1423), s. Mones heldens. 60. 61, Wacker-
nagels leseb. 1839 s. 952, Weinhold in den mittheilungen des
histor. Vereins für Steiermark. Graz 1857 heft 7.]
1) nr. 7. ^Meng man rumt sich Eggen nun
Er hat nie hasen geuangen'.
2) nr. 24. ^Kriemhielt die schön von rein
die bracht all held in not
ze etzelburg tet es die vein
Da lagentz alle tot.
Her Dietrich von bern
Den nert sein manleich mut
An krefilen was er der wernd
Das kam im da ze gut'.
Der dichter will sagen, in der Nibelunge noth habe Diete-
rich durch grosze tapferkeit sich erhalten, er sei nicht bei dem
allgemeinen verderben umgekommen.
113b-
Friedrich von Schwaben, es wird erzählt (Bragur 6, 204,
Jahrb. der Berlin, gesellsch. 7, 95 ff.), dasz der held unter dem
namen Wieland seine geliebte Angelburg, ein halb geisterhaftes
401
280 114
401 wesen, gesucht habe, ihm wird hoffiiung gemacht, an einein
bestimmten ort seinen wünsch zu erreichen, als er dort ange-
langt ist, sieht er drei tauben zu einer quelle fliegen, die sich
darin baden wollen, indem sie die erde berühren werden sie
zu Jungfrauen; eine davon ist Angelburg, sie werfen ihre ge-
wänder ab und springen ins wasser. Wieland, durch hilfe einer
Wurzel unsichtbar, nimmt ihnen die kleider weg. darüber er-
heben die mädchen groszes geschrei, aber Wieland, sichtbar
402 hervortretend, erklärt sich nur dann zur zurückgäbe der kleider
bereit, wenn eine davon ihn zum manne nehmen wolle, sie
entschlieszen sich endlich und überlassen ihm die wähl, er
wählt die geliebte Angelburg, die mit freuden den Friedrich
von Schwaben in ihm erblickt^*.
Man erkennt sogleich die sage von Wieland und dessen
zwei brüdem, welche drei schwanenjungfrauen überraschen, die
am strande ihre gewänder abgelegt haben. (Haltrich märchen
aus Siebenbürgen nr. 5. Meier schwäbische märchen nr. 7.)
wir kennen diesen theil der sage nur noch aus dem alten eddi-
schen liede, wo sie insoweit weniger vollständig ist, als dort
die wegnähme der gewänder nicht ausgedrückt wird, welche
doch^ wie Hagens Beispiel in dem Nibelungelied zeigt, nothig
ist, um die schwanenjungfrauen in die gewalt zu bekommen,
merkwürdig ist die wiedererscheinung der sage nach so langem
Zwischenraum in einem gedichte , das allem anschein nach in
das 14te Jahrhundert gehört, ist sie nicht aus mündlicher Über-
lieferung eingedrungen, so könnte das verlorne gedieht von
Wieland (oben s. 288) im mittel gelegen haben.
280 114.
[Conrad von Ammenhaüsen,] Schachzabelbüch [vollendet 1337]
(cod. Pal. 398. Adelung 2, U4).
^^ mitgetheilt von Jacob Grimm. — [auf eine yerschiedene darstellimg
der fabel deuten die meisterlieder bei Görres s. 81.
'Die fünfte stund die leid ich pein,
als herzog Friderich ufz Schwaben,
als er erschofz
imd sie macht los
drei tauben weifz in einem bach ohn leben.'
s. 134. 'Er lacht mit herzog Friderich,
der kühne Schwab genannt,
da er erschofz elendiglich,
drei tauben wohl bekannt,
bei einem bach sie lagen
und waren leider todt.
erst fieng er an zu klagen
und thät also verzagen
in seiner grofzen noth.']
115. 116. 117 281
D6 Ecken (1. Ecke) IHetertchen vant, 280
Irmengart die rief zuohant usw.
[Vgl. Ecke 74 Lassb. Uhland Germ. 1, 328.]
115.
Ritterpreis (handschriftliches bruchstück^ wahrscheinlich
aus dem 14ten Jahrhundert), es werden zwölf Schwerter aus-
getheilt (s. 254).
^her Herman van Helfinstein
schämet uch nit, nemet hin dit swert,
it is geheisin Wüaaunk
it druch ouch ein degin junk.
der was genannit Dittdeib.
na des dode it verborgen bleib
manich iar uffe disse zit\
Das Schwert Welsunc des Dietleib von Steier im Biterolf
und Laurin (oben s. 16).
116.
Cod. Pal. 313 (Wilken s. 405).
^Das wer ein schad geringer, 281
Als Danckbart sprach zu HagerC.
Bezieht sich auf Nibel. 1891, 1: daz ist ein schade kleine;
ringe hat keine handschrift. ['Hagen sagts zu Dankwart\
Lachmann.]
117.
KöNiGSHOVEN, elsassische chronik um 1386 (herausgegeben
von Schilter Straszburg 1698). [ZE. 30, Ic. 46. vorr. zum
deutschen heldenb. 1, xxxix.]
1) s. 86. 'Doch sit Dieterich von BemCy von dem die ge^
huren aUo vü eingent und aagent, ist ein künig gewesen über
ein teil der Gothen dis volkes, derumb wil ich etwas von ime
sagen, das do in der geschrift bewert ist\
2) s. 89. 'Aber wie Dieterich und sin meiater Hütehrant
vä wurme und drucken eralugent, und me er mit Ecken dem risen
282 111\ 117«. 118. HS'»
/
281 8^eü und mit den quercken^ und in dem rosengartenj do schribet
kein meister von^ dovon habe ich es für ein Mgene\
*117b.
Chbonicon monasteru Melligensis bei Pez SS. austr. 1, 194
hat zu der notiz zum jähr 522 ^Theodoricus subitanea morte
Kavennae periit' den in Wattenbachs ausgäbe Mon. Germ. SS.
9, 492 fehlenden zusatz: multa de ipso cantantur quae a iocu-
latoribus sunt conficta*. der zusatz kann nach der von Pez
p. 165 benutzten handschrift aus dem 14. 15. Jahrhundert sein,
er gehört in die reihe der mit dem 14ten Jahrhundert begin-
nenden äuszerungen über die unglaubwürdigkeit der alten sagen,
vgl. nr. 117. 133. ZE. 30, 1. 2. 4. 43. 46. 49.
♦117^.
König Wenzel verzeiht in einer undatierten scherzhaften
Urkunde (archiv für künde österreichischer geschichtsquellen
1863. 29, 155) dem Johann Westfal seine räubereien:
omnem o£Pensam quam adversus nos commisit per spolia
innumerabilia, que in regno nostro perpetravit, cum superbus
multis spoliis revertebatur in Joppa, sicut olim Theodericus con-
sueverat de Verona^ sibi duximus remittendam '^'*'.
118.
Volks- und meistbrlieder, herausgegeben von Görres.
8. 98. ^Freut sie mich nit, die rein, die zart,
So war ich gar ein hümin man\
Des TEDFELS NETZ (vielleicht zwischen 1415—18 veifasst),
herausgegeben von Barack. Stuttgart 1863.
V. 11758. so er also predien stat,
wie Egg Dietrichen sluog
* die stelle Ist von Lachmann in seinem exemplar angemerkt
•♦ nachgewiesen von Wattenbach,
119. 120 283
und metz Hilgart zooh den pflaog, 281
so waent er hab es wol geschafft.
Andre beziehungen auf das Eckenlied und Sigenot in ZE.
30, 3—9. 47. 56. 57.
119.
Spiegels abentheuer (handschriftlich), [jetzt gedruckt in
Meister Altswert. Stuttgart 1850. ist von Hermann von
Sachsenheim (gest. 1458 s. nr. 128), Germania 1, 361].
1) bl. 14. [146, 17] ich ruoft und winkt mit henden
dem edlen twerg so reine.
künic Laurtn der vil kleine
kund nit so mezez grüezen^
d6 er von henden und füezen
dem Berner iesch ein pfcnt^
Dietleihen und meiater Hüdehran%
ze Tirol in den rosen;
die selben zitlosen
den Berner dühten ze tiure.
2) bl. 34 — 39. frau Ehre zeigt dem dichter ein buch, 282
worin der frauen missethat und minne geschrieben steht: ez
ist der lieben hört; er soll kein blatt überschlagen, auf dem
dritten blatt findet er seine geliebte, über seine untreue trauernd
und weinend, heftig schlägt er das buch zu; frau Ehre
fragt ihn:
[179, 16] h&stu der Niblunff hört
dort funden in dem buoch?
3) bl. 53. [196, 3] ich waene der vogt von Bern
darab erschrocken waer.
120.
Die minnebürg. (Cölner und Heidelberger handschrift vgl.
Mones heldens. 60. auch in Wien, Diutiska 3, 288. 290. 349.
398 [HoflBnanns Verzeichnis s. 130. 176]).
8. 37. *ich werde schiere Verliesen myn witze
ach minne vnd liden iamers mort
dar vmb das din richer hört
ist also gar verswonden
das hain ich wol entphunden
an mir an allen widerstrit
bie myner trewen niblung tzyt (nibHng zit Pal.)
284 120*. 121
282 liie vor do ich der franwen myn
gerucht zu erst ir diener sin
din schätz vff mich ey minne zart
steten sifrid (stätter syfrid P.) geerbet wart
der ist von myner jfrauen slag
versenket nu in zwyfels wag
das wilich myime dir clagen
wan iz ist gar erslagen
myn freuden frerüdsch ingesinde
an mynem synne ich woil enphinde
es tet ir hemmen (hennen P. 1. Heunen) missetat
mynne wende noch irs zomes grat
der vzerwelten frauwen zart
durch din vil' hochgeboren art
in wyplich süsse milde
das irs zomes krimhilde
in lateyen (latenyen P.) erbermde sy
gene mir so worde ich leydes fry'''*.
288 Merkenswerth ist das f renkisch ingesinde, denn in dem
Nibelungelied das dieser dichter kannte, scheinen nicht Bur-
gunden, sondern Franken aufgetreten zu sein (vgl. oben s.
66. 67).
402
Der ACKERMANN AUS Bgeheim (herausgegeben durch von der
Hagen), aus der ersten hälfte des 15ten Jahrhunderts.
s. 47. der tod spricht: uin — Dieterich von Bem^ den
starken Poppen und um den Hörnen Siegfried haben wir nicht
so viel mühe gehabt.
Unter dem starken Poppen wird ohne zweifei der bekannte
dichter gemeint, welcher diesen beinamen fahrte (grundrisz 502.
HMS. 4, 693). von seinem tode gab es wahrscheinlich eine
sage. (Haupts zs. 3, 239. 8, 347 f.)
283 121.
Cod. Pal. 392. aus dem 15ten Jahrhundert (Görres volks-
und meisterlieder vorr. xxxiv). [ist von Frauenlob und gibt in
dem bessern text bei Ettmüller s. 161, 281, HMS. 3, 376
(vgl. Mones heldens. 60, Haupts zs. 12, 423) ein zeugnis für
das alter des Rosengarten, s. 249. übrigens vgl. nr. 151.]
^' milgetbeilt von Jacob Grimm.
122. 123. 123»> 285
bl. 93. ^Ach got nu wisst ich gerne. Wa kamen hin die 283
starke man. Wolfhart^ Wittich und Heim, Und auch der here
Hüebran [1. Hübrant und ouch der herre Ilsdn]. Wa kam hin
Key [1. her Iwein] und auch Gawan. Egg und Hagen die
beld auch allesande. Wa kam hin der von Beme. Wa kam
hin markgraf Riedinger [Haupts zs. 12, 383]. Wa kam hin
Etzel gewaltig. Mit seiner groszen macht so her. Wa Sifrid
der hirnein. Wa kam künig Rantolan [1. Kantolän] aus Soden-
lande. Wa kam hin Parzevale und Sigenot [1. ris Sigenöt] vnd
der wild man\
122.
Cod. Guelferbtt. 2, 4. ms. Aug. fol. wahrscheinlich aus
dem löten Jahrhundert.
f. cxviii*. 'Ich pin das gut alter genant
von Frankreich fater hiUeprantJ
123.
Abbildungen von kriegsgeräth (Tiroler handschrift aus der
zweiten hälfte des 14ten Jahrhunderts. Primisser in Büschings
wöchentl. nachr. 4, 226). darunter ein Streitwagen mit den
Versen: '
^Ledit lesura grandi biga dytrici hütehrandi
principie verone^ cui prefuit cum racione\
Auch ein karren:
'der charr ist gehaissen der scharpfe pi^echer
vnd den fand Athila der Chiinig von Vngern,
do er twang hispanien vnd schottenland"'®.
123b
Herr Sifrid und der schwarze mann, ein bruchstück von
73 verszeilen (St. Gallische handschriften, in auszügen heraus-
gegeben von Gustav Scherer. St. Gallen 1859. s. 34, 7).
Herr S^nc^ erblickt eine schöne Jungfrau, die ein schwarzer
mann in das heidnische land entführen vnll. als dieser sieht
^* mitgetheilt von Lachmann.
286 124. 125
dasz ^er Syfrid so vast uf in trabt\ macht er darcli Zauberei
einen groszen see um sich. Syfrid tritt an das gestade des
sees und bittet die Jungfrau ihm zu sagen 'wes sy der schwartz
man zig, der üch fiirett by dem gewand und ir im so vastge-
Yolget hand\ der schwarze mann erlaubt es ihr:
sagent im mit züchten, was es sig;
und wärint siner noch drig,
die furcht ich klain.
versuochent was er main.
fragent unverschrocken gar,
wan er nimpt sin so eben war, (?)
es mag in wol geruwen,
und künde er isen kuwen\
Die iunckfrow was des urlobs fro.
Her Syfrid bat sy do
[Vielleicht ein Überrest einer andern darstellung der fabel
des Sieg&iedliedes.]
m 124.
Reinecke de voss (Eutin 1798).
s. 67. — myn here vader hadde gefunden
de8 mechtigen konningea Emerikes schat
s. 76. Ik geve juw den ane allen hat,
so fry alse den konnink JEmrik besät
s. 77. Gy werden dar finden ok de kröne,
de Emerik drog in synen dagen.
In dem flamländischen text heiszt er koninx Ermelinc 2239
(wo statt heymeliken so zu lesen ist). 2560. 2609. von Ermen-
richs schätze reden alte Zeugnisse (oben s. 17. 45. 46. 188).
[Ermenrich als erbauer von Gent ZE. 34, 1.]
125.
LoszBüCH (cod. Monac. aus dem ISten Jahrhundert), darin
werden genannt:
4. die vier Layfursten 2. die vier Püler (Wolfram von
Eschenbach, Moringer, Prennberger, FAss der puler) 3. die
vier Recken {Günther, Baym^ Wytüig, Hageny*.
7^ durch hrn. dr. Massmaun erhalten (und späterhin berichtigt).
126. 127. 128. 121 287
284
126.
Spruch vom eigennütz (cod. Vinar.) aus dem 15ten Jahr-
hundert.
bl. 3. 'kunig Etzel durch aigennutze starb*.
Scheint sich auf den in der Vilkina sage erzählten tod
Etzels zu beziehen (oben s. 123).
127.
JoH. BoTHE. schrieb um 1442 [1430] die Thüringische
chronik (Menken Script, rer. germ. 2). [herausgegeben von
Lilienkron s. 38. vgl. ZE. 30,. le.]
p. 1637*. 'von — den öind [synt sedir] komen der starke 2^
Sifrid [Seifridt] Hagin und Kunehilt (1. Kriemhüd) [Krimehüt],
'oon den man noch [auch] gesänge hai.
128.
Hermann von Sachsenhbim. dichtete im jähre 1453 die
Mohrin (ed. 1512). [s. zu nr. 119.]
1) bl. 5*. %et ich gehebt den Nohling hört
vnd allen schätz von Indien.
2) bl. 19^. 'vnd secht wie freidig ist der man,
als da der Berner Ecken erschlug\
3) bl. 25*. 'der Eckart sprach, das thun ich gern,
wer ich her Dieterich von Bei'n\
4) bl. 40^. 'wer ich her Dieterich von Bern^
so fecht ich gern, das bin ich nit\
129.
Sächsische CRöniK (handschrift zu Halberstadt, auszüge in
Abels teutschen und sächsischen alterthümem 1).
•1) s. 262. als Attila, von dem pabst zurückgewiesen, aus
Italien kam, fieng er an aus der nase so zu bluten, dasz er am
toüheit in die Donau lief und sich gar verloren hat
288 lao, 130«»
285 2) s. 504. ^Offerus de wart hir na noch eyn konigk to
Ungern, do konigk Attila vorghink^ went ehe sine fruwen
Grimhüdy Gramyla wedder nam\
3) 8. 506. ^Athala, konigk tho Hungaryen, wegen seines
esels levens Ezzelo benomet, reyg. 32 jaar; seyn wyff hete
GramuUa^ mit der he neynen erven hadde. se nam na sinem
. dode Offerus, Aymers söhn wedder, den fürsten von Panonia,
de mit ohr k. in Hungaryen wart, van ome hat de stad Offen
oren namen\
4) s. 507. ^A 483. do de konigk Athala de geysele
godes, de lande so verdorvede, do bleiff eyn van sinen frun-
den de heyt Titello, de wart ein konigk der Gothen, de hadde
eynen sonen de heyt Dethardvs^ de hedde neyne kinder, men
einen bastert de heyt Theodoricus Ost-Gothus, Diderickus^ de
386 wart ein fiirste der Gothen, u. he wanede uppe der horch to
Beme^ darumme wert he gebeten Diderich van Beme^ u. is de
Diderickj dar de bur van singhef.
5) s. 508. 'A. 484. De konigk Odoacer, Ottrocus, Offen
sone, de toch mit grotem volke uth Ungeren, u. vordorvede
dat Komesche rick, u. dat lant to Italien, do kam herDide-
rick van dem Beme mit den Gothen, u. dreff den konigk Ot-
trolus uth dem lande, u. de konigk floch vor Diderich yan
Beme in eine veste, de was kortes angehaven to buvende, dar
beleyde he den konigk inne, to lesten toch de konigk to ome
uth in dat velt, u. stritende to samede, u. her Diderick van
Beme wart tornich, und wan he tomich wart, so geberde he
yft ome vür uth deme habe blese, so dat de konigk de flucht
nam, u. kam wech mit cleynem volcke, unde de synen de
bleven dar dot, de fireten de reven, darumene nomede Diderick
de Stadt Ravenne, u. de Komer geven Diderick van Beme dat
lant to Italien dar yore\
130.
fiüPLi (Job. Müller Schweizergeschichte 4, 415. anm. 848),
in den jähren 1450-^1469. [vgl. zu nr. 117.]
Der landmann sang vom Dieterich von Bern, wie er mi
helden gefochten.
130»>.
Niederdeutscher freidank. hs. (g) des herm von der 6/ibe-
lentz vom jähr 1462.
s. 35^. Rutgere mUtekeit.
130«. 1300. 131. 132 289
130 c.
Michael Behaim, buch von den Wienern 1462 — 1465. her-
ausgegeben von Karajan. Wien 1843.
8. 33, 27. Sy luden in auff hass vnd neit,
als fraw Kreimhüt auff ir hachczeit
in Heünen lud ir prader drei.
s. 58, 14. Mit der kekait vnd manhait sein
gleich ich in wal pischalfP Turpein
vnd dem fraidigen munch Ulaam.
130d
Fortsetzung der lübekischen chronik des Detmar (heraus-
gegeben von GrautoflF. 1830. 2, 392) zum jähr 1476:
Hertegen Karl van Burgundien mishagede swarleken de
schade undo hon des ersten strides iegen de buntgenoten, alse
vor screven is int iar lxxv, unde vorsammelde grod volk, so
dat mene word lep wol lxx dusent, unde wolde hagen wreken.
Jac. Grimm fand hierin eine sprichwörtliche anspielung
auf die heldensage.
131. M6
Skida Bima (isländisches gedieht aus dem ende des 15ten
Jahrhunderts '*).
Hier werden Vidolf Mittiatang^ Oddgeir riese, Aventrod und
Isungs söhne unter den alten, berühmten beiden genannt, die
in V alhall bei Odin sitzen.
132.
Seb. Brant (geb. 1458, gest. 1520), Narrenschiff (Augs-
burg 1498).
h. III. [44, 8—14 Zarncke] 287
'do (in der kirche) ist ein klappern vn ein schwetzen
do müsz man auszrichte all Sachen
'^ sagenbibl. 2, 314. wahrscheinlich durch einen Schreibfehler s. 223 in
das 14te Jahrhundert gesetzt.
WiLH. Obimm, dbutsohb hbldbhsaob. 19
290 133. 134
287 vn schnip schnap mit de holtzschü mache
vnd vnför mancher haud
do lügt mä wo frau krienhilt städ
ob sy nit woU her vmher gaffen
vnd mache ausz de gauch ein äffen'.
(Z. 5 lautet in dem plattdeutschen Narrenschiff (Rostock
1519):
bl. 70^. So suth men dar frouwe Krymehelt steit.
Ä.uszerdem theilte Meusebach aus der Basler ausgäbe von
1494 folgende stelle mit:
m 5* [72, 23—26 Z.]
'Wer yetz kan tryben sollich werck
Als treib der pfaff vom Kalenbergk
Oder münch Eyham mit sym hart.
Der meynt er tüg eyn gute fart'.)
133.
Ecelne'r CHRONIK (druck von 1499).
bl. 92°. 'Item wie Diederich van Berne streit mit Ecken
den reyaen im rosengarden by Wornisz, as men singet, dar van
vint man gheyn wairheit ind synt gedichte lyeder'. [ZE. 30,
1''; dazu vgl. aus Godefrid Hagene ZE. 27, 3«]
134.
Anhang des heldenbughs. ich bediene mich der ausgäbe
von 1509 und habe die übrigen, nur durch ganz unbedeutende
kleinigkeiten sich unterscheidenden, selbst in den meisten druck-
fehlem übereinstimmenden, verglichen, in der ausgäbe o. j.
und von 1590 ist diese übersieht nicht angehängt, sondern als
einleitung vorangestellt, ein stück, den auszug aus dem Nibe-
lungehed enthaltend, ist abgedruckt hinter dem Nürnberger
Laurin, stimmt aber gleichfalls überein. was Mone vor dem
Otnit (73 — 75) aus dem cod. Arg. d bekannt gemacht, habe
ich benutzt, so wie die vergleichung einzelner stellen, die ich
mit der bemerkung erhalten, dasz dieser codex von dem altea
drucke wenig abweiche, die Verbindung dieses anhangs mit
dem heldenbuch ist äuszerlich und scheint ganz zufallig; der
Verfasser desselben hatte einen andern Otnit und Rosengarten
vor sich ; übrigens wiederholt er sich mehrmals und lässt wider-
134 2^1
Sprüche und verschiedene Schreibung der eigennamen (z. b. Arne- 287
lang und Amelot, Ermentrich und Ementrich) bestehen, jenach-
dem er verschiedene quellen benutzte, angefiihrt sind bereits
früherhin einzelne stellen s. 174. 191. 192. 195. 222. 225. 240.
248. 252. 253. 254. 255. 256. 257.
1) 'Vnger das stosset auf Osterreich hyesz etwen der hun-
nen landt in dem was künig Etzel ein herre. Wurms vnnd das
land darumb hiesz etwen Burgun. In dem was Gibich eyn
herr. vnd fraw Crymhilt syn tochter. Der selben was auch 288
der rosengarte. als das teil von dem rosengarten eygentlichen
ausz weiset'.
2) Wolfhart der was Hiltbrant Schwester sun Vnd was
Amlung (1. Amelolt) von garten syn vatter. Vnnd was hertzog
Bechtung syn groszvatter von der muter her. Vnd Alphart von
Ach der was syn bruder, auch syn (1. ein) küner held. — Nun
ligt garten vnd Bern nahet bey einander', vgl. oben s. 191. 192. .
3) 'Margkgraff Riediger von Bethelar (ebenso in der aus-
gäbe vom jähre 1545 und 1560; Bettelar 1590) dem gäbe künig
günther syn tochter, die was künig Gibichs suns tochter'.
Eine auffallende, durch kein gedieht zu erweisende behaup-
tung, wo sie nicht auf einem misverständnis beruht > denn um-
gekehrt verlobte Rüdiger nach dem Nibelunge liede seine toch-
ter mit einem söhne des rheinischen königs.
4) 'Wittich eyn held. Wittich Owe syn bruder. Wielant
was der zweyer wittich vatter. Ein hertzog, ward vertriben von
zweyen riszen, die gewunnen jm syn land ab. do kam er zu
armut. Vnd darnach kam er tzü künig Eiberich vnnd Ward
syn gesell. Vnd ward auch ein schmid in dem berg zu glog-
gensachszen (glockensassen c. Arg. d). Darnach kam er zu
künig Rertwich (hertniht c. Arg. d). Vnd by des tochter machet
er zwen süne'.
Nur in dem einzigen gedichte von der Flucht (oben s. 196)
haben wir einen Witigouwe gefunden, doch ohne dasz er ein
bruder Wittichs genannt wäre. [ZE. 3.] darin liegt jedoch
immer ein zeugnis flir das seinem allgemeinen inhalte nach hier
angedeutete, jetzt verlorene gedieht von Wieland. wir kennen
sein leben aus einem besondern abschnitte (c. 19 — 30) der Vil-
kina saga, aber jenes deutsche gedieht musz in vielen stücken
davon verschieden gewesen sein. Velint ist dort kein herzog,
der von zwei riesen vertrieben und des landes beraubt in
armut geräth. sein aufenthalt bei den zwergen in dem berge
fallt in seine erste jugend; er tödtet sie, und Eiberich, mit dem
jedoch aus andern gründen (oben s. 57) ein Zusammenhang ver-
mutet wurde, wird dabei nicht genannt, der berg heiszt in
der Vilkina saga Kallova oder Ballova, ein unverständlicher
name, während der Caucasus (berg zuo glockensassen) auch im
Otnit (oben s. 227) Eiberichs aufenthalt ist. der könig, dessen
19*
292 134
■
288 tochter Wieland entehrt, heiszt in der Yilkina saga Nidung;
der name ist aus dem alten Nidhad oder Nidud (oben s. 21)
289 entstanden, dagegen hier ein anderer, Hertnit (denn diese les-
art verdient wohl den vorzog) eingeführt. [Haupts zs. 12, 348.]
von zwei söhnen Wielands sagt die Yilkina saga nichts.
5) ^Getrü Eckart ein held von Brisach von dem geschlecht
der harlinge^ der was auch auss Elsas vnd brüszgaw. Ynod
do kam ein keyser. Der hiesz keyser Ermentrich, Der selbe
hieng die harlinge. Dem selben Eckart wurdent empfolhen die
jungen herlinge darnach achlvg er keyser Ermentnch tzü tode.
Man sagt das der selbe Eckart noch vor fraw venus berge sy
bisz an den jungesten tag\ und späterhin noch einmal: 'Man
vermeinet auch der getreu Eckarte sey noch vor fraw fenus
berg, vnd sol auch do belyben bisz an den jüngsten tag, vnd
warnet alle die in den berg gan wollen'.
Kein gedieht weisz etwas von diesem tode Ermenrichs
durch Eckhart (oben s. 188). das hier gesagte wiederholt Agri-
cola in den Sprichwörtern (nr. 667): 'Der Eckard wolt seinen
herren, deren vormundt er was, trewe beweisen, vnd schuff und
bracht also viel zu wegen, dasz er mit andere?^ helden hülfe
den Ermentfride wider erwürgte\ und: 'die deutschen sagen,
er sitze vor dem Yenusberge vnd warne alle leutte, sie sollen
nicht in den berg gehen', wahrscheinlich hat Agricola (geb.
1492) aus unserer quelle geschöpft, denn was gleichfalls bei
ihm vorkommt: 'Wormbs am Reyn, etwan Burgun geheyssen^
ist doch wohl buchstäblich abgeschrieben.
6) 'Künig GünOiers sun der erschlug den alten (meyster
dr. o. j.) Hiltebrant vor der stat Bern do wurden auch alle
held erschlagen' (die stelle ebenso im c. Arg.).
Yon dieser unerklärbaren behauptuug hernach (s. 300).
7) 'Keiser otnita (1. Otnits) vatter was ein mechtiger künig
vnnd hett vyl guter land vnd leüte. Ynd was gesessen in lam-
parten land auff einer bürg hiesz Garten. Do nam er eyn
weyb, die was des künigs von reüssen Schwester. Ynnd do
sy lang bei eynander warent do betten sy gern ein kyndt ge-
habt, wye wol sy got darumb battent so mocht es doch
nyt gesyn, das wyste künig Eiberich der zwerg wann er
nahent by jne gesessenn was. Er wiste auch von dem gestym
{vnd an kunst c. Arg. d) das sy von dem man keyn kind nit
trügj nun was es künig Eiberich gar leit, das sy soltent on
leybs erben sterben, wann er besorgete er überken vngetruwe
nachbauren die Jm mochten schaden, Ynd gedacht wie er ein
290 künig wäre, vnd als gut als sy were. Es were weger sy über-
kemen leibs erben. Vnnd nam ein fingertin an syn handt do
was ein stein jnn wer den by jm het den mocht niemant gesehen
der heyszt ein nebelkap. Ynd för zä der künigin, vnd kam
vnsichtberlich tzu ir in ein kemnat do sy an jrem gebete was.
134 293
Do mocht sy jn nit gesehen, do was elberich gar starck. das 290
käme auch von edelem gestein vnd überkam die künigin wider
jren willen. Do warde sy keyser otnites schwanger, do saget
er ir wer er wcre, vnnd gab ir das fingerlein, vnnd saget jre
warumb er es gethon hete. durch des besten willen. Vnd dar-
nach über zehen jar. do was der alt künig Otnii ein alt schwach
man. vnd gebott got über jne das er starb, do empfalch er sinen
sune dem künig von reüssen siner muter bruder. Also erbet der
jung Otnit das künigreich, vnnd warde darnach Römischer
keiser, vnd was er künig elberichs leyblicher sun. das wiste
nyemant dan er vnnd die künigin.
Keyser Otnit künig Elberichs sune geboren ausz lamparten
lande ein mechtiger künig, Keyser Ottnites muter was künig
£ligas Schwester von reüssen der ward zo^'nig über syn Schwester
von Elberichs wegen, do das Elbei'ich befand do bracht er sy mit
»ynen listen wider zu samen das sy freund wurden. Dem selben
keiser Otnit dienet reüssen. vnd das land zu Bern, damoch
über zweihundert jar ward das land Bern her Diethei'ich von Bern.
Keiser Otnit betzwang die lande von dem gebyrge bisz an
das mer. jm dient auch Rom vnd Latran. Er was gesessen in
lamparten auff einer bürg, die hiesz garten nahent by dem land
zä Bern. Er hett auch zwolff man sterck. Im dienten auch
zwen vnd sibentzig man aüff garten, die waren hertzogen,
grafen, vnd edel leüt die gehorten jm all sipschaft halben zA.
Keiser Otnits vatter vnd alles syn geschlecht fürten ein guldin
heljfant jm schilt vnd auff dem heim. Aber do Otnit keyser wart,
do fürt er ein schwartzen adler als all römische keyser.
Dyses waren keyser Otnits diener vnd ratgeben. Der
künig Eligas (Elegast druck o. j. doch vorher auch Eligas;
druck von 1545 wieder Eligas) von reüssen der was syner
mäter bruder. Der trucksesz ab garten was keiser Otnits Schwester
sun. Der marggraff von tustkan. vnnd keyser Otnit waren zu
den andern kindern, Hertzog Gerwart von ti^oy was Otnites 291
Schwager. Hertzog Zacharias der was gesessen zvrischen der etsch
vnd dem meer, der was von Otnit belehnet. Er thet Otnit grosse
freündtschaft. er bestellet jm vil speisz vnd kiel do er über mer
wolt faren. do was der künig von messin syn rat vnd diener.
Keiser Otnit nam ein weib. die was eins heidnischen küni-
ges tochter tzu rachaol gesessen, vnd hiesz syn land surgen landt.
In dem was ein stat Suders genandt vnnd hat noch ein stat
genant Montebur. in der was der künig mit sym weib vnd mit
syner schönen tochter Sidrat. Aber Otnit nam jm die tochter
mit Gewalt, vnd teufet sy vnd nam sy zä eynem eelich weyb.
Damach schicket der heyden ein ryszen vnnd syn weib in Ot-
nites landt mit zweien bösen wurmen (vnd zwen lint wurme
c. Arg. d) die solten sy ziehen in dem land. als sy grosz wur-
den vnnd schaden in dem land theten do wolte sy der keiser
294 134
291 erschlahen. vnd do fand jn der wurm schlafent unter einem
bäum, da verschland ihn der wurm vnd trug jn in ein holen
berg. Das befandt syn gesol Wolfdieterich. der erschlug die
würm all bisz an eynen den erschlug her Dieterich von Bern
hernach über achtzig jare. Vnd do Wolffdietrich die würm all
erschlagen vnd Otnit gerochen het. do nam er otnites weyb
tzü der ee. Otnit (c. Arg. d setzt hinzu: 'waz in der eiltt also
WolfFdiettrich, doch') was acht jare elter dan wolffdieterich\
Der Verfasser dieses auszugs hat eine weniger durch ab-
weichungen von dem jetzt bekannten gedieht, als durch voll-
ständigem inhalt sich auszeichnende quelle vor sich gehabt.
a) Wir hören hier von Otnits Vorgänger, der mit ihm einen
namen führte, aber blosz könig, noch nicht kaiser war. er
starb in hohem alter^ als der junge Otnit noch nicht zehn jähre
alt war, und empfahl diesen vor seinem tode dem bruder seiner
frau, dem könige Eligas von Reussen. sein und seines ge-
schlechtes schildzeichen war ein goldener elephant^ den der junge
Otnit, als er römischer kaiser ward, mit dem schwarzen adler
vertauschte, nach dem gedichte führte er aber den goldenen
löwen (oben s. 227). (doch im Wolfdietrich (cod. Francf. 97^
druck 903. vgl. 929) steht dasz Otnit einen elephanten von gold
im Schilde führte.)
b) Von Elbench erfahren wir mancherlei neues, nach dem
gedieht (182) hörte er zwar das gebet beider eitern um ein
kind, hier aber wird ausdrücklich gesagt, er sei zugegen ge-
wesen, nämlich unsichtbar wie ein elfe. weiter wird erzählt,
Eiberich habe in den Sternen gelesen, dasz die königin von
292 diesem manne kein kind empfangen werde, und gefürchtet, wenn
sie stürbe, von bösen nachbarn beunruhigt zu werden. sein
(unterirdisches) reich ward also in der nähe von Lamparten ge-
dacht: aber es ist ein in der natur der elfen liegender charak-
terzug, dasz sie nur neben friedlichen und wohlwollenden nach-
barn hausen wollen, in dem gedichte heiszt es blosz (183) mit
einer ohne zweifei späteren und zur entschuldigung des zwergs
aufgesuchten änderung, Eiberich habe besorgt, die königin möge
als kinderlose wittwe verstoszen werden, es wird ausdrücklich
bemerkt, durch hülfe des unsichtbar machenden ringes sei er
in ihr gemach gedrungen und statt dasz er im gedieht (184)
sie vor ihrem bette sitzend und in Sehnsucht nach einem kinde
weinend findet, so ist sie hier im gebete begriffen, indessen
mag diese Verschiedenheit aus einem misverständnis entsprungen
sein, und das gedieht das richtigere enthalten.
c) Völlig fremd ist diesem, was hier von dem zorne des
königs Eligas über seine Schwester und ihre durch die klugheit
des zwergs bewirkte Versöhnung gesagt wird, ja es scheint
dort (251. 252), als habe Eligas den Eiberich zum erstenmal
während ihrer fahrt aus dem schiffe erblickt.
134 395
d) Otnits Verwandtschaft^ von der das gedieht nicht spricht, 292
wird hier auseinander gesetzt, der truchaesz von Garten (nach
dem gedieht: Hütiger 351, 1. Hutteger c. Pal. b, Hütiger c. Fr.
4**, hitzinger alter dr. von 1509; bei Caspar str. 21. ein 'marck-
graf von Garten geheissen Engekan) ist kaiser Otnits schwcster-
sohn, worin nothwendig ein irrthum liegt; es ist schon nicht
glaublich, dasz er noch geschwister gehabt, in jedem falle hätte
die Schwester jünger sein müssen, und unmöglich ein söhn von
ihr schon in den krieg ziehen können, ich vermuthe also, dasz
eine Schwester von dem alten könig Otnit gemeint ist. der
markgraf von Ttcstkan {Heinot im gedieht, bei Caspar einmal
Str. 9 'Helmschrot' ^ hernach 'Helmbolf) und Otnit waren 'zuo
den andern kinden', ich verstehe: geschwisterkind. Gerwart
von Troie (bei Caspar 'Gerepart von Trogane') ist nur allgemein
als verwandter bezeichnet, denn 'schwager' kann hier keine an-
dere bedeutung haben. —
e) Herzog Zacharis (was im gedichte 44, 1. Z. von wilden
Giemen heiszen soll, weisz ich nicht, c. Fr. liest ebenso, c. Arg.
c Rusen; c. Arg. d Clenie; bei Caspar str. 30 fehlt der zusatz
ganz) hat ein lehen von Otnit; die läge desselben wird ange-
geben: zwischen der Etsch und dem meer. das gedieht sagt
nichts davon.
f) Der name des heidnischen königs, dessen tochter Otnit 293
holt (vgl. oben s. 200), ist hier auf den ort, wo er seinen sitz
hat, angewendet, denn es ist doch wohl Nachahol zu lesen.
g) Aus dem Wolfdieterich genommen (oben s. 234) ist
wahrscheinlich die behauptung, dasz Dieterich von Bern nach
achtzig jähren den einen drachen noch erschlagen habe; in
starkem Widerspruch damit steht vorher, Otnits reich sei nach
zweihundert jähren an Dieterich von Bern gekommen. Wolf-
dieterich und Otnit waren Zeitgenossen, aber die genauere be-
stimmung, wonach dieser acht jähre älter war, findet sich nicht
in dem gedieht.
8) Der auszug aus Hugdietenchs und Wolfdieterichs ge-
schichte, sowie die aufzählung aller zwc familie des alten Beehr-
tung gehörigen glieder, ist dem gedichte gemäsz. allein abwei-
chend ist die nachkommenschaft Wolfdieterichs dargestellt:
'Wolfdietrich Der was des Berners groszvater — Wolfdie-
therich erste frawe hiesz rauch Elsz. vnd ward darnach genen-
net Sygemin die schonest ob allen weihen. Darnach macht
Wolfdieterich ein sun vnd eyn tochter mitt keiser Otnites weihe.
Der sun was genand dietmar. der thet den ersten streyt mit
den beiden vor dem closter tustkan. vnd ward keiser vnd ritten
Do was Wolffdieterich ein münich in dem closter. Dietmars
müter hiesz Sydrat. vnd syn Schwester hiesz auch Sidrat. Also
machet der selbe keiser Dietmar vier sün. Der erste hyesz
dietherich vnd ward genandt dieterich von bern. Der ander
296 134
298 künig Ementnche. Der dritte künig Harlung Der vierde diether.
der wart in syner jugeutd erschlageD\ hernach wird noch ein-
mal wiederholt: 'Der berner het noch drey brüder. einer hiesz
ementrich. der ander küni^ harlung. der drit der jung Diethe-
rich (1. Diether) der erschlagen ward'.
Statt den söhn Wolfdietberichs, wie im gedieht, Hugdiete-
rich nach seinem groszvater zu nennen (oben s. 201) heiszt er
Dietmar; wie es scheint, absichtliche änderung, um Dieterichs
geschlecht anzuknüpfen und diesen als enkel geltend zu machen,
aber auch die folgenden angaben sind falsch: Ermenrich ist
nach der echten sage kein bruder, sondern vaterbruder des
Dieterich von Bern (oben s. 104), ebenso der vater der beiden
Harlunge (Fritile und Imbrecke), der hier, das einzige was
richtig sein könnte (vgl. s. 186), Harlung (weiter unten Har-
ling) heiszt.
294 9) 'Als des berners müter syn schwanger ward, do machet
ein böser geyat machmet syn gespenst. Eins nachtes do Diet-
mar in der reisz was Do träumte jr wie sy bey jrem man Diet-
mar lege, do sy erwachet do greiff sy neben sich, vnnd greiff
auff eynen holen geyst. Do sprach der geist. du solt dir niht
furchten ich byn ein geheurer geyste. Ich sage dir. Der sune
den du tregst wirt der sterckest geüt der ye geboren ward.
Darumb das dir also getraumet ist. so wirt feüre ausz synem
munde schyessen, Wan er zornig wirt. vnd wirdt gar ein from-
mer held. Also bauwet der teüfel in dryen neckten eyn schone
starke bürge, das ist die bürg zu Bern.
Das gedieht, welches der Verfasser des anhangs benutzte,
ist verloren, erläutert wurde schon oben (s. 40. 105) die sage
von der geburt und dem feuerathem Dieterichs, über die er-
bauung von Bern ist eine stelle aus dem 12ten Jahrhundert
(s. 40) und das gedieht von der Flucht (s. 189) zu vergleichen,
weldbes sie dem Dietmar beilegt.
1 0) 'Dises sind die herren ausz nyderland. vnd Wurms,
Ment^. KoUn. und Ach. Das hiesz vor zeyten grippigen land.
D^selbe lande was künig gibich von wurms der het ein toch-
ter hiesz Cnmhilt die pflantzet eynen Rosengarten wunnigkiich
tzu wurms an dem rein. Fraw Cnmhüt nam den hürnen künig
Seyfrit ausz niderland. Künig Günther was künig gibich sun.
Künig Ger not Was auch syn sun. vnd Gyselei* der ward jung
erschlagen'.
11) 'Seyfrit ein künig ausz niderlant. des was das land vmb
Wurms, vnd lag nahent by künig Gibich lande. Syn vatter hiesz
künig Sigemundt ausz der nybelunge (Nib. 453, 4. gram. 4,261).
Im ward Crimhilt vermehelt. Vnd ward von dem Berner todt
geschlagen ,
12) ^Amelot von garten was Alphart vnd Wolflfhart vatter.
dem ward empf ollen des berners länd. vnd [syn] fraw ytte. seym
134 297
schwagms Hütbrant weyb. do sprach Amelot von garten tzu 294
hiltbrant synem Schwager, das er jm liesz empfolhen syn AI--
phart vnd WolßiaH syn sun'.
Nur im Rosengarten a und b kämpft Amelolt, in c und d
bleibt er daheim und behält das reich des Berners und Hilde-
brands frau Ute in obhut, und darauf bezieht sich diese stelle,
wiederum empfiehlt auch Amelolt dem Hildebrand seine söhne
c (O*), und in d (cod. Arg.) werden sie genannt: Wolf hart und 296
Siegestab^ nicht Alphart, wie hier, und das ist richtiger, da
Alphart im rosengarten nicht mitstreitet.
13) Zu wissen das keiser Ementnch ein marschalck het.
der hyesz der getrü Sibiche. der hette gar ein schone frumme
frawen. die het der keiser geren beschlaffen, das wolt sy jm
nit Verheugen. do gedachte er den marschalck hinweg zu
schicken, do müszte er twolf wochen ausz syn. die weil leget
der keiser mit den anderen frawen an, da^ sy einen hof solten
machen» vnnd het mit etlichen dienern vnnd frawen bestelt das
sy im solten heißen weg suchen wie er sy über kerne. als nun
der hoff gemachet wardU do mochts nit syn. do lyesz er aber
eyn machen, vnd so ml bisz an den fierden hofe. do ward
ein böser fund erdacht mit bösen weibenn das sy mvste syne
willen thün über jres hertzen willen, vnd mit grossem leid.
also ward sy gar ser betrübet bisz an ir ende, do nun Sibich
jr man her heim kam. do saget ym die frawe wie die sach er-
gangen was. do sprach Sibich nun byn ich all wegen ein ge-
treuer frummer man gewesen, vnnd ward mir der nam geben
der getreu sibich. nun wil ich werden der vngetreuwe Sibich.
Vnd darnach sprach er tzu synem herren keiser Ementreich.
er solte syns bruder kinden jr landt vnd eyn schlosz nach dem
andern abgewinnen, das was das landt in dem preüszgawe vnnd
vmb Brisach. Wann syn bruder Harlinge hete gelassen tzwen
süne. die warenn zwen jung starck künig. do was der getreu
eckart den zweyen künigen zu vogt vnd zuchtmeister geben,
vnd was gesessen auff eyner bürge nyd wendig Brisach. also
schickt der künig nach dem (1. den) jungen harlingen sincs
bruders kipd. vnnd liesz sy hencken. Nun was auff die selben
zeite der getreu Eckart nit do heym, do nun der getruwe Eckart
das befant do besetzet er alle schlosz. und befalch da^ man nie-
niandt solt in lassen, do reit eckart zu dem Berner. vnnd klagete
jm die sachen. do sahen der Berner vnd Eckart an die dübeltet.
Vnd fielen dem keyser mit macht in syn land. vnnd gewanen
jm syn schlosz abe darauff er gesessen was. vnnd erschhigen
gar vil hundert held. do käme der keyser cnd Sibich zu fu-sz
darvon. darnach schlug er dem Berner vil held zu tod. vnd
fienge jr wol acht, do hete der keyser zwen süne der het der
Berner ein gefangen, do schicket der Berner tzii synem bru-
der Ementriche das er jme solte syn diener ledig lassen, so
298 134
295 wolte er jm syn sune auch ledig lassen, do enbot er jm wider-
296 umb. er mochte mit synem sune thün was er wolte. do lege
jm kein not an. wolte er syn acht held han. so müste er jm
alles syn land geben, vnd dartzii sinem (1. sinen) suae auch
ledig lassen vnd tzu fusz hynweg gan. der bemer weszt nit
was er thun solte. vnd nam rat von synen mannen, die rieten
jm es were weger er verlüre syn held dann syn land. do
sprach der Berner das woll got nit. wan vnder den achten ist
keyner, lege er allein gefangen ee ich jn liesz tödten ich gienge
ee vonn allen mynem lande. Also gab der Berner dem keyser
syn sun vnd land wider, und loste syn held. vnd also gieng er
vnd syn diener zu fvsz hynwege. do kamen sy gen bethalar tzü
margkgraft rüdigers vmb. die gab jn essen vnd trincken. Do
giengen sy für ein ander schlosz. Do käme margkgraff Rüdiger
on geferde geritten, do sach er die herren ann einem fenster
ligen. do reit er in des würts hausz. vnd do er den Bemer
sähe, do knyet er nider, do sprach der Berner stand auf ick
bin ein armer man. vnnd sagete jm wie es jm ergangen was.
do hyesz der margkgraff jn essen vnd trincken genug geben,
do embot der margkgraff dem künige Etzel wye es vmb die
herren ergangen was. Do kam künig etzel mit vil volckes. vnd
fürt den Berner vnd Hiltebrant vnd die held mit jm auff syn
schlosz zi\ fraw Herchin künig Etzels weybe. Nun was sy gar
ein stoltze kündige fraw. do nun der Berner wohl acht tage do
was gewesen, do setzet sy den Bemer neben sich vnd sprach.
Berner myn her Etzel hat einer schwoster tochter dye solt man
lengest versorget han. do kund sy nit jren geliehen überkum-
men. min hat er vil künigreich vnnd landt. auch sindt jm vil
herren ritter vnd knechte zu dienen verbunden. so mil ich
achten das dir dreü kunigreiche werden, meyn herre hat doch
on das genug, so würstu dynes leids alles ergetzet. do nam
sich der berner zu beraten mit dem Hiltbrant. do ryete jm
Hiltebrant. Seid mal es also ergangen were. vnnd auch das sy
ein wol geboren weyb were. vnnd jm wol getzeme. so were
es gut das er sy neme. Also geschach die vermehelung vnd
ward ein hoff beruft, vnd kamen vil herren vnd beide da hyn.
Darnach schycket künig Etzel ausz in vngerland wan es was
syn eygen landt noch allen pferden vnd rossen die man finden
kund, vnnd gab dem Berner vnd synen dienern pferd. vnd
gab jm wol achzehen tausent der kjinsten held. vnd ge-
wan der Berner syn landt vnd leüt alles wider, vnnd kam wider
gen Bern in syn landt.'
297 a) Sibichs Umwandlung aus einem treuen in einen unge-
treuen diener erzählt keins der bekannten deutschen gedichte,
wol aber noch die Vilkina saga (c. 248. 249), wie schon oben
(s. 2) zum Jemandes bemerkt wurde. Ermenrich erreicht hier
erst nach mancherlei versuchen und durch list seinen zweck,
134 299
während er nach der Vilkina saga die frau Sifkas in der ein- 297
samkeit überrascht und mit gewalt zu seinem willen nöthigt.
b) Was hierauf in der Vilkina saga folgt, Ermenreks grau-
samkeit gegen seine eigenen kinder (oben s. 46), ist hier ganz
übergangen, wie sich auch in dem gedieht von der Flucht (oben
s. 187) nur eine andeutung findet; oder es sind an beiden orten
diese ereignisse in eine andere zeit versetzt, denn des kaisers
söhn gerät wie dort in Dieterichs gefangenschaft. Ermenrich
beginnt mit der Verfolgung der söhne seines bruders Harling
(vgl. oben s. 186). Eckhart war gerade nicht zu haus, vnrd
hier erzählt; in der Vilkina saga ist der meister zugegen und
ermahnt seine zöglinge in männlicher vertheidigung zu sterben.
c) Der jetzt anhebende kämpf zwischen Dieterich und Er-
menrich wird anders als in dem gedieht eingeleitet, wo nicht .
Eckehart, sondern eine von Sibich veranlasste, verrätherische
botschaft den Berner aufreizt, auch dort flieht Ermenrich (3483.
3505), aber es wird nicht ausdrücklich gesagt: zu fusz und in
geseÜschaft mit Sibich. die gefangenschaft von acht beiden
(3619 — 32; nur sind es im gedichte deben 3625. 4002), ihre
lösung durch zurückgäbe des gefangenen kaisersohnes (ein
zweiter söhn Ermenrichs wird angenommen, wie in der Vilkina
saga, die ihn Reginbald nennt c. 252) und durch entsagung
Dieterichs auf sein reich, der zug zu den Hünen, alles wie in
dem gedichte ; allein der aufenthalt zu Bechelaren bei Rüdigers
weib fehlt dort (oben s. 198). dagegen wird in der Vilkina
saga (c. 267) Thidrek auf seiner flucht von Kodingeir und Gu-
delinda zu Bekalar ehrenvoll empfangen, wiederum wie in dem
gedieht: die begegnung mit Rüdiger, Etzel und Herche; dagegen
eigenthümlich die ehrerbietung, welche Rüdiger dem Dieterich
bezeigt, und die antwort des unglücklichen. Herche stiftet
gleich die heirat Dieteridhs mit Herrad, die hier blosz, in ab-
weichung von der gewöhnlichen angäbe (oben s. 103), dagegen
in Übereinstimmung mit Nie. Olahus (s. unten nr. 139), als
schweatertochter Etzels bezeichnet wird, schon vorher, nach er-
wähnung von Dieterichs erster frau, war gesagt: 'Do sy nun
gestarbe. do name er Hen^ot künig Etzel Schwester tochter,^ in
dem gedieht findet diese Verbindung erst statt, nachdem Diete- 298
rieh von dem zug in sein reich abermals in das Hünenreich
zurückgekehrt ist; hier scheint dieser nur einmal Etzels bei-
stand empfangen und damit nicht blosz die Schlacht gewonnen,
sondern auch sein reich behauptet zu haben, die sage ist hier
allerdings einfacher und verständiger, scheint diese Vorzüge aber
durch Unterdrückung der Rabenschlacht, die in die mitte von
Dieterichs aufenthalt bei Etzel fällt, erkauft zu haben, daher
steht auch folgende stelle früher und ganz vereinzelt: 'Fraw
Herriche dye was künig Etzels weyb, dye het zwe sün, dye
erschlüge Witbich in de streit vor Rafen*^
300 134
298 14) *Zu wissen als künig Etzel syn frau herriche gestarb,
do nam er künig Gibichs tochter crimhilten die vor des hürnen
künig Seyfrit weib was. der von dem Berner in dem rosengarten
erschlagen warde, das muet frau Crimhilt gar sere. vnd ward
des Berners vnd aller Wolfinge veindin die ausz der hünnen
landt warent. Do gedacht sy ein bösen fündt das die Wolfinge
all erschlagen wurden, Vnd darumb nam sy künig Etzel wann
er was der reichest vnnd gewaltigest künig darumb sy ver-
meinte er mocht den wolffingen wol widerstan. vnd machet ein
grossen hoff, vnd liesz den auszrüffen in alle landt. vnd verkün-
den allen beiden, do kamen al held tzö hoffe in die stat Ofen
in vngerlandt das selb land was künig Etzels. do helt sy heim-
lichen gar grossen neid vnd hasz wider die wolffing atisz hünen
land. dz sy den hürnen Seifnt jren man in dem rosengarten er-
schlagen hetten. Also ward der hoff gelegt in kunig Etzels stat
Ofen, do gieng sy zu Hagen von Troy, vnd hat jn das er die
held zu jm neme, vnd ein gereisz vnd hader anfyeng. also das
die hünischen held all erschlagen wurden. Do sprach Hagen
das künde er mit keinen eren anfahen. were es aber das nye-
mant (1. iemant) den streit anfienge. so wolte er syn aller bestes
thun. Do nun frauwe Crimhilt sähe das hagen wider syn er
nit thun wolt. do het sy ein jungen sun von zehen jaren zu dem
sprach sy lauff schlag hagen an eynen hacken, der knah sprach
wolcher ist es, sy sprach es ist der dort sitzet, do gienge der
knah hyn vnd schlug jn an eyn hacken, do sprach Hagen, das
wil ich dir vertragen vmh diner kindtheit willen, were es aber
das du mich 7ne schlugest, so mochte ich dirs nit vertragen, d^o
was sy fro und sprach aber zum knahen^ lauf vnd schlack jn
noch ein mal, der knah thet was jn die müter hiesz, Do er jn
299 aber het geschlagen, do stund hagen auff und sprach, da^ kastu
nit von dir selber gethon, vnd nam das kind hy dem har, vnd
schlug jm das hauhet ah, do sprang yeder man auff. do einer,
do tzwen , do drey bisz das man es in dem oberen sal vnd in
der stat gewar ward. Do lieffen die held alle zu samen vnd
schlug ye einer den andern zu tode. auszgenummen Hilte-
brand der errette sich syns lebens mit schlegen. doch warden
jm tzwü wunden in das haubt geschlagen, Do was der Bemer
in der stat in einem andern hause, vnd wiszt nit von den
Sachen bisz das Hiltbrant verwundt zu jm kam. vnd jm die
mere sagete. Do lieff der Berner bald vnnd wolt es besehen
was der mere wer. do fandt er fraw Crimhilten zwen brüder.
die fienge er. vnnd bandt jn alle fiere tzflsammen. vnnd gieng
do hynwege. Darnach käme fraw Crimhilt vnd fand ir brüder
also gebunden ligen. do läge ein schwert. neben jn das nam
sy vnd hew jn beiden dye haubt ab also gebunden. Do käme
der Berner vnd wolt besehen han die tzwen gebunden man.
do was jn beyden die haubt abgeschlagen. Do sähe er fraw
134 301
Crimhilten vor jm gan vnd ein schwer! in der band tragen. 299
do spräche der Berner. jr habet den tzweien die haubte abge-
schlagen, do sprach sy ja. do nam der Bemer das schwert.
vnd hew sy in der mitten entzwey. also wurden gar vil held
erschlagen. Also reit der Berner und Hiltebrand hinweg, die
selben wunden woltent Hütebrant nye geheüen bisz in aynen todt!
Eine bis zu den ersten grundzügen hin veränderte darstel-
lung von dem zweiten theile des Nibelungeliedes. nicht Hagen
Latte den mord an Siegfried vollbracht, sondern Dieterich von
Bern ihn im rosengarten getödtet (auch nach s. 294), wozu nur
die einzige angäbe bei Staricius (unten nr. 165) passt. deshalb
will Kriemhild an ihm und den Wölfingen, die hier aus Hünen-
land (wovon üngerland, Etzels reich, mit dem sitze zu Ofen
unterschieden wird) stammen, räche nehmen, dabei bleibt der
arge Widerspruch, dasz sie ihren eigenen brüdern, die zumal
Dieterich, hier ihr feind, gebunden hat, das haupt abschlägt,
bei dieser Verschiedenheit der ganzen anläge haben wir blosz
auf die Übereinstimmungen im einzelnen rücksicht zu nehmen,
einige neigen sich zu der Niflunga saga. Hagen nämlich wird
auf gleiche weise (c. 353) durch den (hier zehnjährigen) söhn
Etzels aufgereizt, aber die erzählung ist doch eigenthümlich;
den ersten backenschlag erträgt und verzeiht Hagen der Jugend
des knaben, erst bei dem zweiten fasst er, wie dort, ihn bei
den haaren und haut ihm den köpf ab. wie in der Nibelunge 300
not den Hagen und Günther, bindet hier Dieterich die beiden
brüder der königin, und sie selbst tödtet sie, wie schon be-
merkt, ohne grund; aber mit der Vilkina saga (c. 366) stimmt
wieder das eigene ende der Kriemhild, selbst bis zu dem aus-
druck : nü lopur pidrikur kongur at GrimhUdi oc hoggur hana
t sundur t midio, (über den tod der Kriemhild in der Hundes-
hagenschen handschrift s. von der Hagens anm. zu den Nib.
9624, s. 302.)
Hildebrand erhält zwei wunden in das haupt; die Vilkina
saga sagt gar nichts davon, nach der Nibelunge not (2243, 4)
und der Klage (590) wird er durch den panzer gehauen, also
nicht ins haupt. doch hier sind jene zwei wunden bedeutungs-
voll, denn es wird gesagt, dasz sie bis zu Hiltebrands tod nie-
mals hätten heilen wollen. (dasz der Berner und Hildebrand
hinwegreiten, bezieht Lachmann zur Klage 1940 s. 291 auf die
Klage; aber es kann ^uch blosz auf das gehen, was die Thid-
reks saga meldet und Lachmann anflihrt.)
15) 'Darnach ward aber ein streite bereidt der geschach vor
bern. do ward der alt Hütebrant erschlagen von künig Günther,
der was fraw Crimhilten bruder. vnd do käme ye einer an den
andern bisz das sy all erschlagen wurden. Alle die beiden die
in aller weit waren, wurdent do zumal abgethan auszgenummen
der bemer. Do kam ein kleiner zwerg. vnd spräche zu jm.
802 134*»- 134«-
300 Berner berner du solt mit mir gan. Do sprach der bemer. wo
sol ich hin gan. do sprach der tzwerg. du solt mit mir gan.
dyn reich ist nit me in dieser weit. Also gieng der bemer hyn
wege vnnd weysz nyemant wo er kummen ist ob er noch
in leben oder todt sy, weysz nyemant warlichen davon zu
reden.'
Diese erzählung von dem allgemeinen Untergang aller bei-
den in einem groszen kämpfe vor Bern, in welchem Dieterich
allein übrig bleibt, musz aus einem gedichte genommen sein,
das wir nicht mehr besitzen, dessen echtheit wir jedoch be-
zweifeln dürfen, da keins der erhaltenen im geringsten auf so
etwas hindeutet, die behauptung, Günther habe den alten
Hildebrand erschlagen, die so sehr aufföUt und mit dem auch
hier berichteten tode Günthers durch die bände seiner Schwester
unvereinbar scheint, ist schon einmal (unter 6) vorgekommen,
jedoch mit einer abänderung, die wenigstens jenen grellen
Widerspruch hebt: nicht Günther, sondern sein söhn habe den
alten Hildebrand erschlagen, wäre die stelle hier dahin zu
verbessern? viel weiter gelangen wir auch auf diesem wege
nicht, denn keine sage weisz etwas von einem erwachsenen,
kämpfenden söhne Günthers, und nach der Vilkina saga (c. 382)
stirbt Hiltebrand an einer krankheit. — die sage von Dieterichs
ende ist schon oben (s. 39) erläutert.
Geistliches spiel, aus dem ende des fünfzehnten Jahr-
hunderts, aus Eger stammend. die Soldaten des Herodes
heiszen Dietrich^ Helmschrot^ Laurein^ HiUebrant^ Sigenot^ Trit-
inklee.* Pfeiffers Germania 1858. 3, 279—289.
*
134 <^-
Wilhelm Wittwer, catalogus abbatum monasterü SS. Udal-
rici et Afrae, aus den letzten jähren des fünfzehnten Jahrhun-
derts, im Archiv für geschichte des bisthums Augsburg von
Steichele 1860. 3, 41: *
Theodorici regis Gothorum, qui a Theutonicis beUicosus
cognominatus est — Militavit autem predictus Theodericus suh
Attüa rege Hunorum**
* in dem Fastnacht (Neithard-) -spiel nr. 21 (s. 197) tritt ein arzt Lau rein
auf. ygL ZE. 55. in dem Dorotheenspiel (Fandgroben 2, 287; 8. 15) aas dem
vierzehnten jahrhandert heiszt ein miles ritter Grim.
** nachgewiesen von Wattenbach.
134 «• 303
Ladislaus SUNTHEIM. chronik der fürsten und ISnder, um
1500 verfasst, handschriftlich in Stuttgart (das Donauthal,
herausgeg. von Franz Pfeiffer. Wien 1860. vgl. ZE. 30, 5).
1) bl. 46« (Pfeiffer s. 23):
Etzelburg (Altofen), ein stat und slos, hat künig Etzel
gepawt.
Die übrigen belege für [die identität von"" Etzelburg und
Ofen (Altofen) s. ZE. 58, 1.
2) ebenda«. (Pfeiffer s. 24 f.):
Tättn oder Tehen (Teteny unterhalb Pest) ist etwann ain
vast grosse stat gewesen, ainer meil weit und prait, hat ge-
haissen Potenciana; da (bl. 46^) ist vor zeiten ain grosser
plütiger streit beschehen zwischen künig Etzels sünen. —
neben der Tuonaw ain weit eben feit, dor in ligt kunig Etzel
nach haidnischer gewonhait begraben. der wart hundert und
xxnii jar alt und het albeg zehenmal hundert tausent man in
seinem hör, und die schon Kreimldlt was sein letzste gemähel.
auf der hochzeit ward jedermann erslagen bis an vier menschen^
praut und prautgam^ Diethreich von Pern und der alt Hütprant.
DRITTE ABTHEILÜNG.
VON DEM SECHSZEHNTEN JAHRHUNDERT.
135.
CHRONrcoN WoRMATiENSE (Ludcwig rcliq. manuscriptor. 2,
170. 171). geht bis zum 16ten Jahrhundert.
Anno Domini 1488 Fridericus III. imperator venit Wor-
matiam diebus paschalibus. — — Audiens esse sepulchrum fa-
mosum cujuadam gigantu in eoemeterio beatae Ceciliae vel beati
Meynardi, quod est in suburbio, versus Spiram ; qui gigas dke-
batur Si/ndus desz Hörnen tenuitque hoc rusticorum stoliditm^
quia in loco illo etiam signa posita videhantur. voluit imperator
ipse hoc experiri, si verum esset, unde vocans ad se dispensa-
torem suum quatuor vel quinque dedit florenos, dicens: ite ad
consulatum et dicite, ut nomine meo faciant fodi in eoemeterio
illo, ut agnoscam, si vera sit fama illa. qui accipientes pecu-
niam ad fodiendum conduxerunt, qui ad locum praefatum ve-
nientes usque ad ebuUitionem aquae foderunt et nullum signum
humani corporis vel ossium ibi invenernnt. et sie renuncian-
tes imperatori fictitium illud fuisse narraverunt.
^
135b.
Tiroler osterspiel aus dem anfang des löten Jahrhunderts,
bei Pichler drama des mittelalters in Tirol 1850. '
1) s. 46. Caiphas wirbt unter Pilatus rittern.
Helrmchratt tertius miles.
so heisz ich der Helrmchratt.
und kam halt von Bern her Dietreich *
oder iemand sein geleich,
den wil ich auf dem feld fachen.
2) s. 145. Unverzait, Schuerenprant, Wagendrusel, Helm-
schraty Wagsring heiszen die Wächter an Christi grabe.
1350. 186 805
*135c.
Johann Geiler von Eaisbrsberg (geb. 1445, gest. 1510),
paradies der seelen, Straszburg 1510 von Otther herausgegeben.
bl. 228 b^. 'aber die in den klöstren die vahen geist-
liche wort an zu reden, und würdt von ynen geendet mit
torechten weltlichen, ettwenn auch fleischlichen Worten, denn
sagend sy von Dietnch von Bern und andre torechte unnütze
wort'.*
Ganz ähnliche stellen bei Geiler s. ZE. 54.
136.
801
AvENTiN (Johann Turnmayr, geb. 1477, gest. 1534; schrieb
nach 1512). [ZE. 58, 1. 2.]
1) Annales Bojorum (Basil. 1580).
a) Nomenclatura proprior. germ. nom.
'Greimhyldy Grimylda — canitur apud nos filia Guntheri
regis Turogorum'. dieselbe unrichtige angäbe, die in der bairi-
schen chronik vorkommt und aijs der Kriemhild eine tochter
des thüringischen königs Günther macht (s. 303. 305).
b) 165: 'Nam et adhuc vulffo cantatur (AUüa) et est jpopw- 302
laribtos nostris^ Qtmm literarum rndibus, notissimm,
c) 165: 'Reperi Reginoburgii in bibliotheca diui Haime-
rani, de rebus ab Attila gestis, opus heroico versu et latina
lingua non ineleganter factum, vnde istaec de Hunnis et At-
tila carmina excepi:
'Foedera supplicibics donat sternitque rebeües
Vitra TniUenos fertur dominarier anno8\
Aus dem- Waltharius. [ZE. 58, 1.]
d) 376: Victor Amulphus — Austriae infra Anassum,
Rogeriunt armorum Tnartisque studiosissimumy inclytum fabulosis
Teutonum carminibus^ cuius et Metellus Tigurinus in Lyricis
meminit, praeficit, Vgris opponit'. und am rande: ^Rogerius
Rudiger a Germanis dictus\
Er wüste also doch etwas mehr von ihm, als er im Me-
tellus (oben 8. 44) gefunden hatte, in der deutschen Übersetzung
(309**) lautet die stelle: 'könig Arnolph — setzt ^— wider die
Vngem, vnter die Ens hinab, Marggraff Rudinger, einen gar
streitbaren fursten, von dem man noch viel singet vnd saget\
* von Jacob Grimm nachgewiesen.
WiLH. Grimm, deutsche heldemsaoe. 20
306 136
S02 2) Bairische chronik (erweiterte Übersetzung der lateinischen,
Frankfurt 1580).
a) 36»: ^Nach könig Adelgar ist in das regiment getret-
ten sein söhn, könig Lareyn, was in ehren vnd gewaät ein
vnd fün£%zig jar, von welchem wir noch vil singen vnd sagen,
seyn alte reimen ein gantz buch voll von j'm noch vorhanden^
doch auff poetisch art gesetzet'. — — 'Die von Tyrol am
Oschland zeigen noch den hämisch konig Lareyns vnnd der
gemein mann solts jhnen gleich glauben, dasz ers sey'.
Er meint den könig Laurin und findet nach seiner ansieht
geschichte in dem gedieht von ihm.
b) 36**: 'Nach könig Lareyn hat Teutschlandt verwaltdrey
vnnd jfunfftzig jar sein son Ylsing, von dem man noch alte
reimen der alten Teutschen, vnser vorfahren chronica, hin vnnd
herwider findt\ sollte der ritter Tlsunc darunter verstanden
sein, der in dem zweiten theile des Laurins genannt wird (oben
s. 192)? aber man begreift nicht, was Aventin veranlassen konnte,
ihn zu einem söhne Laurins zu machen; es würde eine sehr
flüchtige ansieht beweisen.
c) 38*: 'Heccard. Den haben die alten för ein richter
vnter das thor der hellen gesetzt, der die leut gewarnt vnd
903 gelehrt, wie sie sich in der hell sollen halten, ist noch ein
Sprichwort, als der troisch Heccard, — Wir haben noch zwey
gemeine Sprichwort von den troien^ Heccard vnd bundschuch,
vnnd eine gantze teutsche historien mit reimen y vnnd schlecht
one reimen, doch nach poetischer art vnd der alten brauch
beschrieben'. — Der treue Eckhard ist gemeint.
d) 250*: 'Diese krieg (des westgothischen Dieterichs) wer-
den bey vns gesungen in reimen vnd m^istergesängen, sind aber
nach poetischer art in abentheuwer verkehrt worden'. [ZE.
59, 1. vgl. 42.]
e) 250*^: 'Konig Ätzel der mächtigst konig — nam zu der
ehe Frauw Grimhüt, konig Günthers ausz Thüringen tochter.
— Es seyn viel alter reimen vnd meistergesang bey vns vorhan-
den, von jm gemacht'. [ZE. 59, 1.] — 251**: 'In den teut-
sche?i reimeny so man von jm gemacht, vnd noch singet^ stehet,
er sol zu Ofen in der hauptstatt, ietzt in Yngern, gewohnt I
haben, allda gestorben seyn'. [ZE. 58, 1.]
f) 249*: 'Dietrich von Bern — vnser leut singen vnd
sagen noch viel von jm, man findet nit bald ein alten konig,
der dem gemeinen mann bey vns so bekannt sey, von dem sie so
viel wissen zu sagerC. [über Dietrichs verschwinden ZE. 58, 2.]
g) 260**: 'Die vnsern singen vnd sagen^ es sey auch Mnx^
Dieihmar (Dieterichs von Bern vater) von den Beyern vnd
Schwaben vnden vmb die Rab erschlagen worden\ — scheint
eine verwirrte erinnerung von der Kabenschlacht.
137. 138. 139 307
303
137.
Epistolae viror. obscüror. (1570 tom. 2). aus dem anfange
des 16ten Jahrhunderts.
t. 2. Et una sabbatorum venimus ad Veronam. illa est
pulchra civitas, habens muros, castra et fortalitia. et vidimus
ibi domum Ditheri de Bern, uhi ipse habitavit et ibi superavit
et mortificavit multos gigantesy qui bellaverunt cum ipso.
138.
:'jr
Sebast. Münster (geb. 1489^ gest. 1552), cosmographei
(1561).
s. 280. 'Verona oder Dietrichs Bern\ — desselben aus- 304
druckes bedient sich sein zeitgenoss Casp. Hedio (st. 1552) in
seiner chronika (1541) s. 410. 412; {Nicod. Frischlin nomenclator
(1591) s. 355,/ BT^pcDva, ß>]p(üv Verona Dieterichsbern^ Haupts zs.
6, 156. [12, 377. 429. bei Graff 3, 214 eine Zürcher glosse
aus dem 9 — lOten Jahrhundert Verona. Perina, aus dem san-
gallischen Boethius ze Berno. Veronae, im Summariüm Hein-
rici aus dem Uten Jahrhundert in Hoffinanns ahd. glossen 10,
14 Berna. Verona, oben s. 40 nr. 25.)
139.
Nie. Olahüs (geb. 1493, gest. 1568), vita Attilae (Bonfinii
Script, rer. ungaric. 1606). er folgt häufig dem Simon Keza,
hat aber einiges eigenthümliche zugefügt.
1) c. 2. p. 864. Detricus in fronte sagitta graviter vul-
neratus vix evasit. ex quo vulnere aegre tandem convaluit. ob
quod vülnus acceptum cognomen Detrico ab Hunnis inditum
Immortalis, quem in hunc diem Hungari in suis cantationibus,
more graeco historiam continentibus , Detricum immortalem no-
minant. [vgl. s. 164.]
2) c. 17. p. 889. Mortuo rege Attila, duo legitimi et
animo et virtute nothis filiis praestantiores (alter Chaba ex
Herriche^ Honorii Graecorum imperatoris filia, alter Aladaricus,
ex matre Kreinheiltz^ filia ducis Bavariae^ geniti) de imperio
certabant.
Simon Keza nennt die mutter des Chaba Honoria (die
tochter des griechischen kaisers Honorius, die sich ihm nur
angeboten hatte), Olahus hat dafür den namen Her^'iche aus
20*
308 140. 141
904 der sage (oben s. 68) eingeführt, so dasz richtig diese der
Kriemhild vorangeht, welche er zur tochter eines baifischen
herzoffs macht. '•
3) C. 17. p. 889. Detricus a Verona, qui neptem Attüae
ex sorore uocorem duaisse dicitur. Serrad ist gemeint, der sage
gemäsz, wo sie nur eine Schwestertochter, nicht Etzels, sondern
der Helche ist. aber merkwürdigerweise stimmt diese angäbe
zu dem anhange des heldenbuchs (oben s. 297).
140.
Thüringische chronik. aus der handschrift führt Sagittarius
(geb. 1643, gest. 1694) und aus diesem Falkenstein in der
Thüringer chronik (1, 227. 228) folgende stelle an:
305 'Wie Attila nun mit seinem kriegesvolk in Thüringen an-
kommen, und sich zu Eisenach zu konig Günthern^ der daselbst
hof hielte, verfüget, und damit er ihn zum freund und bunds
genossen machte, nahm er seine tochter Grymhildam zur ehe,
hielt daselbst mit ihr beylager und beschrieb einen fürstl. land-
tag aus, sammt einer Zusammenkunft; aller benachbarten flir-
sten, durch gantz Teutschland, hielt da einen sonderlichen
triumf, rennen, thurniren und allerley ritterspieF. — vielleicht
aus Aventin.
141.
Wolfgang Laziüs (geb. 1514, gest. 1565), de gentium mi-
grationibus (Francof. 1600).
1) p. 548. His Omnibus et hoc argumentum adjicio, Theo-
dericum multis postea seculis Teutones suum concelebrasse et
Bernensem a loco habitationis vocasse vulgo den Dieterich von
Bern, de quo et cantilenas Germanica^ excogitarunt majores nostri.
2) p. 603. — propter quam (Chrymhildem) Athila extincto
Gothos Gepedasque cum Hunnis Athilaeque filiis cruentiim
bellum gessisse vulgares cum cantilenae nostrae gentisy tum vero
rhythmi isti (aus der Nibelunge noth) demonstrant. *
^^ nach Bititis res ungar. 1, 839 ist sie die tochter eines sächsischen
herzogs. Bonfinins sagt blosz nach Keza {h 7): Aladaricus ex illastri Ger-
manorum prosapia genitus; vgl. oben 166.
* Jacob Grimm vermisste hier die anführnng der auf die Nibelunge noth
und die Klage bezüglichen stellen des Caspar Bruschius de Laureaco veteri
et de Patavio Germanico (Basileae. 1553) s. 119. 120 und des Wiguleas
Hund von Sulzenmoos in seiner nach dem datum der dedication im j«hr
141". 142 809
141b
Qaspar Brcsghius, monasteriorum Germaniae centuria I.
Ingolstadii 1551. bl. 82\ (Chronologia etc. Sulzbaci 1682.
s. 294):
Sunt in huius coenobii (des Marien- oder nonnenstifls in
Worms) vicinia duo sacella non procul a se invicem dissita,
quorum unum S. Meinardo, alterum D. Caeciliae dicatum est.
in medio horum sacellorum et interiacente spacio humatus
dicitur Corneua Si/ridtts^ Vangionum urbis gigas stupendae alti-
tiidinis et roboris admirandi, de quo exstat hodie adhuc poema
quoddam Germanicum, Der hurnin Seyfrid inscriptum. tumu-
lus duobus e terra prominentibus saxis notatus, ter a me dt-
mermiSy habet in longitudine pedes quadraginta quinque. lan-
cea huius gigantis ostenditur in summo templo urbis Vangio-
num. Maximilianus imperator, antiquitatum omnium studiosissi-
mus princeps, cum anno 1495 comitia Wormaciae celebraret,
aperiri et effodi tumuhim jussit, sed praeter aquas nihil in eo
invenit. *
Nach nr. 135 (s. 301) vgl. s. 317. ZE. 59, 2 (Haupts zs
12, 435) geschah die aufgrabung auf veranlassung kaiser Fried-
richs III; Bruschius berichtet ungenau, nur nach hörensagen.
bei Maximilians an Wesenheit in Worms im jähr 1495 wurde
der Rosengarten und Artushof nachgeahmt, ZE. 53, 1. eine
andre nachahmung des Kosengarten s. ebendas. 2. — über
Siegfrieds lanze in Worms s. 317. ZE. 59, 2.
142.
HvENiscHE CHRONIK (spätestens aus der mitte des 16ten Jahr-
hunderts; auszug aus der handschrift in der sagenbibl. 2, 409
1552 beendigten Metropolis Salisburgensis (Ratisponae 1710) 1, 201. es wird
vorläufig genügen auf E. Dümmlers Piligrim von Passau (Leipzig 1854) s. 94
— 98. 193 — 196 zu verweisen, bekannt ist, dasz Hand den Bruschius ausschrieb
und nur zu jener stelle die nachricht hinzufügte, über die auf schlosz Prünn an
der Altmühl gefundene, 1575 von ihm an herzog Albrecht von Baiem verschenkte
Nibelangenhandschrift, den jetzigen Münchener cod. genn. 31 , Lachmanns d
(s. hierüber noch Pfeiffers Germania 1, 202 — 207). unerledigt aber ist bis jetzt
noch die von Dümmler angeregte frage, ob oder wie weit Bruschius den Lazius
benutzt hat, da Lazius nach Dümmlers eignen anfährungen s. 194 (vgl. dagegen
i. 97) durchaus nichts davon zu wissen scheint, das» wie Bruschius sagt, bischof
Piligrim author fuit cuidam sui seculi versiticatori Germanico, ut is rhythmis
^esta Avarorum et Hunorum — quos Gigantes, nostrate lingua Rcckhen et
itiesen vocari fecit, celebraret
* nachgewiesen von E. Dümmler.
306
310 143
305 — 416). [abdruck in Svend Grundtvigs Danmarks gamle folke-
viser 1853. 1, 38 — 44.] eine zwar auf den grund der deutschen
sage gebaute, aber durch eine seltsame Vermischung ihrer be-
standüieile und hinzufügung einiger altnordischen zftge ausge-
zeichnete, sehr eigenthümliche darstellung von Kriemhildens
räche an ihren brüdern.
1) Gi^emild ist die tochter eines beiden namens Nögling
(d. h. Niblung), welcher die Norburg und Katheideborg auf
einer insel zwischen Seeland und Schonen bewohnt, sie hat
zwei brüder: Hogne und Folgmar; jener vertritt eigentlich die
stelle Günthers, der aber so wenig als Gernot genannt wird.
Nögling besitzt zu Hammersbierg (vgl. s. 322) einen groszen
schätz. Gremild war zu Worms mit dem beiden Sigfred ver-
heiratet worden.
306 2) Hogne hat den Sigfred getödtet. nach vier jähren ver-
mählt sich Gremild zum zweitenmal, mit wem wird nicht ge-
sagt. Hogne wird von seiner frau Gluna, Gunnars Glaumvör
in Atlamal, gewarnt, der einladung zur hochzeit nicht zu fol-
gen, schon todtwund zeugt er mit Hvenüd^ einer Jungfrau der
Gremild, einen söhn, der nicht wie in der Vilkina saga (c. 367)
Aldrian, sondern Ranke heiszt. zu gleicher zeit gebiert Gremild
einen söhn, der Sigfred (wie Nib. 662, 4) genannt wird.
3) Der tod, den in der Vilkina saga Attila leidet (oben
s. 123), ist hier der Gremild beschieden: sie verschmachtet bei
Nöglings schätz im berge eingeschlossen, auch die dänischen
lieder enthalten diese angäbe, und sie stimmt merkwürdiger-
weise wieder mit Atlamal, wonach Atli die mutter der Gudrun,
also die nordische Grimhild, ihrer schätze wegen ums leben
brachte (vgl. Edda Saemund. 2, 873). wir werden noch einmal
auf diese begebenheit zurückkommen.
4) Nach Rankes abzug und der Hvenild tod, von welcher
die insel den'namen Hven erhielt, erscheint ein söhn von Hogne
und Gluna, der Carlhof de heiszt, und macht sich zum herm
von Hven, wird aber seiner drückenden herschaft wegen
getödtet.
143.
Drei dänische Volkslieder von der Eriemhild räche (Danske
viser fra middelalderen 1, 109 — 131). sie setzen die sage vor-
aus, wie sie die hvenische chronik enthält, und mögen eben-
falls im 16ten Jahrhundert aufgefasst sein; im einzelnen jedoch
gehen sie weiter und liefern genauere angaben, bald mit unserer
Nibelunge noth, bald mit der Vilkina saga in übereinstimmong?
aber auch in einigen puncten von beiden unabhängig.
144 311
1) Statt im Hünenland wohnt Grimild auf der insel Hven^ soc
wobei die ähnlichkeit im klang des Wortes gewis gewirkt hat®^,
nur die Nörborg ist genannt. Grunther und Gernot {Germer im
alten druck) werden zwar (1, 13; 3, 16), als auf der reise zu
ihr begriffen, angefthrt, kommen aber in der that nicht vor,
sondern Haagen und Folker (Folkquard), der hier spielmann
heiszt und dessen fiedel als schildzeichen nicht vergessen ist
(1, 22. 32: 3, 22. 31. 38), sind ihre brtider. ihr vater Niflung^oi
wir<l bei dem zu Hammer liegenden schätz erwähnt (1, 38. 40),
und in dem dritten Hede (2) Hagens mutter Bodüd^ die in der
Vilkina saga (c. 151) Oda heiszt, die geschwister sind herzo-
genkinder (1, 23. 3, 24), wie in der ungarischen sage (oben
s. 304).
2) Haagen hat einen habicht im schüd (3, 22), was kaum
als eine abweichung von dem adler der Vilkina saga (oben
s. 130. 182) gelten kann.
3) Haagen berührt (2, 21) eine unbekannte begebenheit:
panzer und rosz habe er in den drei kalten jähren verloren, in
welchen sie vor Trojen gelegen, auf diesen zusatz hat wohl
sein beiname (oben s. 87) einflusz gehabt.
4) Den könig Sigfred getödtet zu haben, bekennt Haagen
(2, 20) selbst: wer ist aber der von seinen bänden erlegte
starke könig Ottelin'i der name weist auf den hier ausgeschie-
denen könig Etzel, den jedoch kein gedieht durch ihn umkom-
men lässt.
5) Eine Verknüpfung mit der Dieterichs sage : Ranke, nach-
dem er seines vaters tod gerächt hat, zieht nach Bern in die
Lombardei (1, 41); die hvenische chronik sagt blosz: zu den
Gothen nach Italien.
IM.
Dänische Heldenlieder (Danske viser 1, 1 — 108). die Vil-
kina saga, aller Übereinstimmung ungeachtet, ist doch nicht
ihre quelle, wenigstens nicht, wie wir sie kennen, sie enthal-
ten einiges, wovon jene nichts weisz.
1) Thidrek wird, wie in der Vilkina saga (oben s. 236),
von dem drachen in die höhle getragen; dort findet er das
Schwert des früher getödteten königs Sigfred (44, 20. 66, 10),
der also Hertnids (Otnits) stelle vertritt, es führt den namen
®" in der sagenbibL 2, 408 die Vermutung, dasx die Schreibung Hvcnaland
für Hanaland den Umtausch veranlasst hat.
312 145
307 AdelriHff und wird auch in einer andern stelle (135, 19) dem
Sivard beigelegt.
2) Der drache sagt (45, 24. 25) :
Hör du, Mester kong Diderik, du hug mig ikke ihjel,
Jeg.yiser dig diu Fästemo, hun er i Bjerget skjult.
Foroven ved mit Hoved der ligge de Nögler smaa,
Forneden ved mine Födder, der kan du til hende gaae.
Diese Worte stehen ohne Zusammenhang da; weder vorher
ist von einer braut DIdriks und ihrer wegfiihrung durch den
808 drachen die rede, noch nachher, als das ungeheuer besiegt
worden, da wir eben eine einmischung Siegfrieds bemerkten,
so gerathe ich auf die Vermutung, dasz diese Strophen ursprüng-
lich zu einem Hede von diesem gehörten, wohin sie vollkommen
passen: es ist Kriemhild auf dem drachenstein gemeint, und
um zu ihr zu gelangen, muste man sich erst des von dem
riesen bewahrten schlüsseis bemächtigen.
3) Hildebrands schildzeichen, abermals abweichend (vgl.
oben s. 233. 267), ein habicht, der auf einem felsen sitzt.
4) In Brand Hr. Viff erlin (6, 17. 19, 22), dem weitgewan-
derten (16, 4) erkennt man deutlich die entstellung des namens
Herbrant hinn mdfbrli (vgl. sagenbibl. 2, 219).
5) Vidrik Verlandsons ross Skimming und schwert Mimring
sind nicht blosz benannt, auch sein schild Skrepping und sein
heim Blank (28, 19). (auch schwedisch bei Arwidsson s. 15.
vgl. Haupts zs. 2, 250.)
6) Gyntlier^ Gernot ^ Haagen, FoJker (spielmann mit fidel
und bogen im schild 3, 19) finden wir, ebenso wie Sivard
Snarensvend (zum beweis, dasz verschiedene quellen sich hier
vereinigten, von könig Sigfred unterschieden), in Didriks gefolge
(18. 19), (vielleicht daraus entstanden, dasz sie in der Vilkina
saga c. 151 einmal zu Thidrek eingeladen werden und unter
seinen beiden sitzen.)
[7) Vonved — — . Jacob Grimm.]
. 145.
Sebast. Franke (lebte in der ersten hälfte des 16ten Jahr-
hunderts und starb vor 1545), Sprichwörter (1541), 1, f. 35 r.:
'da das gold im Rhein ligt' das heist: nirgends; gerade
wie (oben s. 158): ze Loche lit er in dem Rine.®^
®' dies wie das zunächst folgende mitgetheilt von Lachmann.
146. 147. 148. 149 813
146. 308
Martin Luther (geb. 1483, gest. 1546) werke (Jena 1573),
(vgl. neues Jahrbuch der Berlin, gesellsch. 2, 233 anm.) [ZE.
30, 4. 56.]
1) 3, 76* (wider die himmlischen propheten): 'Als wenn
ich aus Dietrich von Bern wolt Christum machen, Vnd aus
dem ßisen, mit dem er streit, den Teufel, Vnd aus dem Zwarge
die demut, aus seinem Gefengnis den tod Christi'. — er scheint
auf den Laurin anzuspielen, in dessen felsenhöhle Dieterich ge-
fangen lag. *
2) 7. 425^ (wider Hans Worst): 'Machet also ein Hele- sog
keplin^ ja eine Narrenkappe, beide, aus Gott vnd dem Christ-
lichen Glauben'.
147.
JoH. Agricola (geb. 1492, gest. 1566), Sprichwörter (1534).
Sprüchwort 667. Dieterich von Bern^ — von dem die
Deutschen lieder singen.
[Sprichwörter (Hagenau 1529) vorrede.
bl. 2**: Wir kennen sonst den alten Hilhrand^ Diterich '
von Bernp herr Eck^ künig Fasold^ risen Signot*.]
148.
Heinrich Steinhowel, vorrede [von August 1473] zu der
chronik der vornehmsten weiber von Boccaz (1544). [ZE. 30, lg.]
'Graf Laurenz von Tyrol, den man den starken Laurin
nennt, umb sein grosze reichthum und mächt, die sein leut aus
den bergen graben, darumb sie auch erdmännlein geheiszen
werden'.
149.
Hans Sachs.
1) Fechtspruch (vom jähr 1545):
'Vil heldt kämpfften in freyen feldt
Vnd ritten zsam in finster wäld
Als Eck vnd der alt HiUebrant^
Laurin^ Hürnen Sewfried genannt,
König Fasolt vnd Dietrich von Bern
Theten einander kampff gewem.
* mitgetheilt von Pfeiffer Germania 10, 95.
3U 149
309 2) Tragedia, der Hörnen Seyfnd (vom jähr 1557). III, 2,
233—45.
a) Zwei sagen sind vereinigt: Siegfrieds Jugend und be-
freiung der Kriemhild von dem drachen mit dem Rosengarten.
Kriemhild lädt den Dieterich von Bern zum Zweikampf mit
Siegfried, ihrem manne, nach Worms ein. doch nur von die-
sem einzigen kämpfe ist die rede, auch auszer Hildebrand keiner
von den andern beiden mit gezogen oder nur genannt, vpn
Dieterich heiszt es:
^Sagt man doch von eim beiden werth,
' Der wohn zu Bern in Welschland
Derselb Herr Dietrich sey genant,
310 Hab auch erschlagen vil der kecken
Den konig Fasolt vnd den Ecken
Die Rvtz vnd auch den SigenoU'
6) Hans Sachs folgt in den übrigen theilen seiner tragodie
dem Siegfriedsliede. der Kriemhild brüder heiszen Günter,
Gerner und Hagon^ eine Schreibung der namen, die mit keiner
in den bisher bekannten ausgaben übereinstimmt (oben s. 258).
dort wird eine bekanntschaft Siegfrieds mft Kriemhild an Gi-
bichs hof vor der entführung auf den drachenstein nur vor-
ausgesetzt, hier dargestellt: sie blickt eben bei einem tumier
mit Wohlgefallen auf ihn herab, als sie geraubt wird, die
mutter, dort unerwähnt, stirbt hier vor leid über ihren verlast
man könnte schon deshalb eine etwas verschiedene quelle mut-
maszen. aber aus einer bedeutenden ab weichung wird gewisz,
dasz der dichter einen andern text vor sich hatte. Siegfried
nämlich wird nicht in dem augenblick getödtet, wo er sich zu
einem brunnen herabbeugt (oben s. 154), sondern Hagon er-
sticht ihn, als er schläft, schon der Ehrenhold kündigt das im
prolog an:
' — jhr bruder ausz neid vnbsunnen
Erstachent schlafend bey dßm brunnen
Ihren schwager Seyfrid darnach.
Den Crimhilt schwur ein schwere rach\
Der zwerg prophezeit:
'Dir wird die jungfraw zum weib geben
Bei der werst du nur acht jar leben.
Nach dem wirst du im schlaff erstochen^
Gerner räth:
'Ihr brüder es ist gewis die sag
Das Seyfrid allemal vmb mittag
Ud^ — r 315
Hinattsz spatziert in den walt, 310
Legt sich zu einem brunnen kalt^
Ins gras und wolschmeckenden blumen^
Thut darin ein wenig schlaffen un schlummen^
Da mocht man jn heimlich ersteche
Vnd denn zu hof mit ehren sprechen,
Es hettens die m6rder gethan.'
Seyfrid selbst spricht:
ach wU mich legen zu dem brunnen
Hie an den schatten vor der sunnen,
Vnter die linden an den rangen
Den schmack der guten würtz empfange, 3ii
Vnd ligen da in stiller ruh.
Wie sanfft gehn mir mein äugen zu^
Eine willkürliche, von dem dichter herrührende Verände-
rung wäre schon deshalb nicht anzunehmen, weil er keinen
grund dazu gehabt hätte; die andere erzählung war für seine
darstellungsweise ebenso tauglich. die echthcit dieser abwei-
chung wird aber auszer allen zweifei gesetzt durch die höchst
merkwürdige Übereinstimmung mit der nordischen sage (vgl.
oben s. 35) und noch mehr durch die Verbindung derselben
mit der Nibelunge not, denn nicht im bette liegend wird der
held erstochen, sondern an dem lindbrunnen (oben s. 154), von
denn das bisher bekannte Siegfriedslied ebenfalls nichts weisz.
(Lachmann zu Nib. 913, 1. Danske viser 1, 66 daraus ent-
stellt?)
*
149 b-
Grobianus. verteutschet durch Casparum Scheidt von
Wormbs. (1551.) cap. 8. von sittigen reden nach dem abend-
essen.
'Erzelt dabei an solchem disch
Syrenen meerschwein und walfisch,
Von hertzog Ernsts bewartem schiff.
Wie er zu dem Carfunkel griff:
Und wie Signot den Berner truog '
Und wie wolf Dietrich würm erschluog^
Und wies Sant Brande vbel gieng' u. s. w.
In Grobianus vnd Grobiaiia, von newem zugericht durch
Wendelinum Hellbach (1567), cap. 10 sind folgende verse hin-
zugekommen :
316 149<^- 150
Auch wie Wolffdietrich würm erschlug.
Und wie Seufrid viel Mrürm verbrannt,
Darvon ein homin Bächlin rand,
Darausz er nackt zur selben fahrt
Seinn leib bestrich und hörnern ward,
Und nun daher in allem land
Der hörnern Sewfried wirt genannt.
Bald wird ein andrer hie drauff sagen,
Wie der Schneblerkong sei erschlagen,
Und wies sanct Brandon vbel gieng* u. s. w.
*149c.
Heinrich Pantaleon. Teutscher nation heldenbuch (Basel
1568) thl. 1. 8. 2 vorrede.
'Wann auch bey den alten etlicher weniger beiden leben
beschriben, ist dieses dermaszen mit unnützen fahlen und mer-
leinen besudelt, dasz kümerlich ein schatten der rechten war-
heit noch vorhanden, der gestalt ist herr Thieterich von Bern,
meister Hütebrandt^ hürnen Seyfridt^ getrewe Eck^ hertzog Ermt
und andere dergleichen von dem gemeinen volck in liedern
und meistergesangen geprisen worden.'
##
3" 150.
JoH. Fischart (zweite hälfte des sechszehnten Jahrhunderts).
Gargantua (1594).
1) 'Ottnit (115) — mit des Wolfdieterichs lindwürmen
vnd trachen ergraben vnd erhaben (119**). — Bechtunger''
stamm (30^).
2) 'nibelung (185). — Risz Ruperan 1. Kuperan (30**) —
der trachenblutgetaufft Hörnin SifHd (170^) — der Sornen
Sei/rid^ der den amposz trey klafflber inn die erd schlug (185).
— so grosz (gemalt) — wie der homin Seifrid am newen thurm
zu Worms*** gegen dem Kein zu (274^).
3) Dietnch von Bern (30'*). — Der Harlungm\ Amelunger
— stamm (30^).-^ 'Der Trew Eckart (62). — Ir Hüdenbrand^
* diese stelle ist von Jakob Grimm angemerkt.
** mitgetheilt in der Germania 10, 95.
♦♦♦ vgl. s. 313. 316. 319. über andere bilder Haupts zs. 12, 329. 386.
150 317
streichige wilde hummeln (17**) — braucht vor dem mann Hüde^^n
hranta streich, siben klaffiter inn die erd, braucht des Ecken
eckhaw, des Laurina zwerckzug, Fasolts blindhaw' (188**). —
4) 'Wie monch Illzan seinen brüdern die rosenkränz auf-
setzt (25 P) — Vnnd fiimemlich an eim (thurm gemalt) der
mönch Milchzan^ so grosz er war, mit einer Creutzstan-
gen' (274*>).
5) 'Königs Etzeh ausz Vngarn hochgeadlet vnglückschwerd^
dessen genealogy vnnd Vrane die Manszfeldisch chronic be-
schreibt, bisz auf graff Lupoid, dem es, als er im schlaff reu-
tend vom gaul fiel, das sächlin machet: vnd welches zu vnserer
zeit der duc Dalba nach der schlacht bei Mülberg seltsam soll
auszgegraben haben: vnd niemand weisz wo er mit hinkom»ni2
men' (118).
Priscus (Jörn. c. 35) erzählt, das schwert des Mars sei
gefunden und dem Attila gebracht worden, nach Lambert von
Aschaffenburg (p. 348 Pistor.) hatte kaiser Heinrich IV im
jähre 1071 seinem lieblinge Leopold von Mersburg dieses
schwert geschenkt, der aber bei einem stürz vom pferde in
die spitze desselben fiel und an der wunde starb ; es war gött-
liche räche wegen Ottos von Baiem. dieser Otto hatte das
schwert von der mutter des ungarischen königs Salomon er-
halten, dann dem markgraf von der Lausitz Dedi dem Jüngern
geliehen, und nach dessen ermordung war es an den kaiser
Heinrich gekommen.
Nachzutragen®^ ist:
1) aus Gargantua, ausgäbe von 1582: ein mönch lUsung-
scher landsknechtsmut (a5*). — vorzeiten in die illa, da trei-
zehenelenbogige reysende oder reiszende risen, recken, gigan-
ten oder wiganten waren und — Blattfusz, Patagonische pfal-
kränch, alzenfidler, Asperian^ Pusolt^ strausfttszige Staudenfusz
vn SchruUhan^ ha, da war nur die sag von zwerchen, Eiberich,
Rauch Elsen auffwartem, könig Laurin^ des Herman von bach-
senheim Eckertszwerch (d P). — sagt man hingegen von risen
und Heunen, zeigt ihr gebein in den kirchen, unter den raths-
häusern, ihre nimrotische spiesz, stählene Stangen, goliathische
weberbäume, horenenaeifrige wurmstecher^ Durandal u. s. £,
welches eine anzeigung gibt heutiger unvoUkommenheit (d2*).
— der Wolffdietherischen Rauch Ehen halben (m6**) — (wenn
ihr Gargantuas kleid gesehen hättet), so würden ihr gefragt
haben, ob könig Ortwin inn aller seiner herrlichkeyt herrlicher
gewesen seie (r4^). — ausgäbe von 1590: könig Ortwifi und
^' gröstentheils nach mittheilungen von Emil Sommer und Mens eb ach.
318 151
Ottnitt im Graal (219). — ausgäbe von 1594: weiter lehrnet
vnser Gargantuischer Wolffditerich von seim giinnastiscben her-
tzog Bechtung^ wie zu fusz einer zu rosz zu bestehen sei (177'').
— als ob es mönch Illzam im rosengarten war (205*) — kont
doch der hörnen Seifried auff einmal mit zwen bestehn (218'*).
— was hal£P es den hön^nen Sigfrid dasz er fornen hömin war
vnd am rucken zu erstechen gar, fornen beschlossen, binden
erschossen (251*).
2) aus Reveille matin (Vilmar s. 6): dise recht Brenn-
hilde^ die wie GriemhUde als verwülte.
3) aus Aller Practic Grosmuter (1574. 8): Hüdebrandkriger,
mönch Ilsung brüder (e 4** ) — gewaltige Hildenbrandische neun
klafterstreich (f5*»).
4) aus dem Bienenkorb (1581); c. 4. 'hornin Seifrida argu-
menta mit der randnote: argumentum comutum.
312 151.
Meistergesangbuch (cod. Berolin. germ. fol. 23, vordem in
Arnims besitz; aus der zweiten hälfte des sechszehnten Jahr-
hunderts :)
'was halfs von Bim Hirr Ditrich
er hat manchen irschlagin *
wan ihn ankam des zornis grimm
warf er aus ß/wir roth
grosz lob dit er erlangen sich
hört man wiit von ihm sagin
sin lob erhallt durch manchi stimm
doch muszt er stirbin todt.
was halfs Eckin von Eckenbarth
sein grosz stirk und gewalte
dann er war auch von hoher art
auch Hütibi^and der alte
was half kinig Gibichs ubirmut
er war ein fürst am Bin.'
(Steht auch in cod. Berol. fol. nr. 22 gegen das ende.
'Ein lied von dem tod gedruckt zu Nürnberg durch Kunegund
Hergotm' in Mones anzeiger 8 (1839), 197. 198 [ZE. 30, 7].
ein älterer druck, wie es scheint, 'Ein lied von dem tod, wie
er alle stend der weit hin nimbt. in des Regenbogen plaben
thon, oder in der ritterweisz ein gemess'. 8 ss. 8^**-, aus der
ersten hälfte des sechszehnten Jahrhunderts, abschriftlich mitge-
theilt von Karl Gödeke^ hat folgende abweichungen: 'was
151»> 319
half der risen grosze kraft — was half hern Dietrich von Bern
— grosz lobes thet er hie begem — sein lob erhaU — noch
müst er — was half Ecken und Eckehart, was half Seyfrits
gewalte, wan er was — was half Hiltebrant — .') [der spnich
ist eine nachahmung des Frauenlobischen nr. 121; noch andre
s. ZE. 47, 1. 2.]
*151b.
LiENHABT Flechsbl. bcschreibung des frey- vnd herrn-
schiesen ... zu Wormbs 1575. Heidelb. handschrift 405.
1) bl. 11**- Esz (Wormbs) ist ein weit berumbte statt
Vnnd die gar vill erlitten hat,
Dass ich in Sachen euch nit lieg
So hats erlitten manchen krieg,
bl. 12*- Mit dem gewurm was ihr nit woU
Darumb da wasz das land gar voll,
Mit trachn lindwurm musz ich sagen
Der Seufridt had es all erschlagen,
Er hat gewont woU an dem Khein
Der Ro88engardn gab man jm ein,
Künigin Grimhildin^ hatn baut,
Herr Diettrich von Bern hat in bschaut.
Mit sambt sein helten und rekhen
Thet die rissen hart erschrekhen,
Vnnd die auch hatten helttes mut
Hielten den garten in guetter huet.
Welcher wolt ein rossen brechen
Thetten sie erschlagen vnd stechen.
Er muest leutten groszen schaden.
Grimhütin liesz den Berner ladn,
Dasz er in jren gartten kom
Vnnd seine helten mit jm nom.
Mit sein rekhen solt nit ausz pleibn
Vnnd welcher ritterspil wolt treibn.
Da selb wurts einer wol erfaren
Von rissen die im gartten waren
Ligt einer ob so will in preiszn
Yil ehrn zucht jm thun beweiszen,
bl. 12^' Darmit das ritterspil bleib gancz
Will jhm schenkhen ein rossenkrancz.
Das hat Herr Berner wol bewert
Vnnd hat den gartten gar zerstert
Auch etlich rissen erschlagen.
320 — 15P- 152
2)bl. 13**- Wie ich bin zu der Muncz ganngen
Ain eissen kein sach ich hangen,
Mechtig vill grosse rissen bain
Ich stund darbey was nit allein,
Besach mir der bain gleich ebn gnug
Ein vhr die was gemacht gar klug
Ich stund davuor vnd sach es an (die trinkhstub)
Grosz rissen waren gmalt daran
Mit jrn grossen rissen Stangen
Grimhüdin die kam geganngen
bl. 14*- Vnnd thut ein krancz bey ihr tragen
Weitter noch mit warhait sagen (so!)
Wie sasz so hupsch schön gmakt dran
Kaisaer Friedrich hoch lobsan.*
vgl. nr. 157. 158. s. 315—317; nr. 165. s. 319 f.
4c
151«-
JoH. Thom. Freige nennt in seinem Ciceronianus (Basel
1579) Freiburg im Breisgau Friburgum Harelungorum.
In der dedicatio seines Paedagogus (Basel 1582. 8.) s. 3
heiszt es:
Friburgum illud Harelungorum veterum (in quorum locum
Brisgoi, nomen a monte Brisiaco adepti, successerunt)
communem tibi parentique nostro patriam esse.**
162 152.
G. Rollenhagen (geb. 1524, gest. 1609), Froschmeuseler
• (1595):
1) Ji V. 'Sein schneeweiszkleid war schwartz gezieret,
Sein pantuflhom glantz auszpolieret,
Vnd gehertet mit schlangenblut.
Als Signoten hämisch rnd hutt.'
* nach ühlands angäbe (German. 6, 323, vgl. einL zu Hallings- ausgäbe ^on
Fischarts glückhaftem schiff) mitgetheilt von Dr. E. Martin.
** nachgewiesen von Mone quellen und forschungen (1830) 1, 5.
153. 154 821
2) B b b iij. — 'Noch viel hundert 8i2
Tausent geharnschter kriegesleut,
Die hatten gantze beinern heut, 313
Zusam gesetzt von schalen hart,
Nach muscheln vnd Schildkröten arth.
Wie ein rhinoceroth gestalt,
Wie man den hörnin Siegfried mahltJ
153.
Crüsiüs (geb. 1526, gest. 1607), Schwab, chronik 1, 7, 10.
s. 163. er meint, Attila möge auf seinem zuge nach der cata-
launischen Schlacht Würtenberg zerstört haben: 'besonders da
man (wie ich yon einem glaubwürdig, alt und gelehrten mann
gehört habe) ftiszstapfen ungefähr von fünfzig zerstörten schlos-
sern, nur allein in dem Nürtinger amt, zu unserer voreltem
Zeiten hat anzeigen können, welche vielleicht damals verwüstet
worden sind, insonderheit weil die hauern^ wenn man sie des-
wegen fragte^ gleich des Attilae namen in dem maul gehabt.^
154.
Ctr. Spangenberg (geb. 1528, gest. 1604).
1) Adelspiegel 2, 172*'- 'Vnd diese leut (dichter) haben
etliche der alten beiden thaten reimweise, doch wunderbarlich
verblümet, beschrieben, wie denn davon noch vorhanden das
heldenbuch, der grosz vnd kleine Rosengarten, der Hürnen Sig-
frid, der Hildebrand, vnd Dietherich von Bern , von könig Etzel
vnd dem Wunderer.^
Vielleicht kannte Spangenberg eine andere darstellung, als
die Überarbeitung Caspars von der Höhn (oben s. 277).
'Viel solcher gedichte sind entweder gar verloren oder
doch gar seltzam worden, als von Iwan, Crecken (1. Iwein,
Erecken), könig Ruggern^ könig Fasolt, riesen Siegenot.' auch
2, 275*- wird 'könig Rucker' wieder angeführt.
Es ist könig Ruther gemeint, aber Spangenberg kennt das
gedieht wol nur dem namen nach und diesen aus dem Renner,
wo vde hier Iwan für Iwein (oben s. 171) steht.
2) das. 268 — 275. auszüge aus dem gedruckten beiden-
buche, dessen anhange und aus dem liede von Siegfried, ich
fähre nur folgende stelle (274^) an: 'Usan ist Hildebrands
WiLH. Grimm, deutsche buldensagb. 21
322 155
SU bruder gewesen, wiewol etliche meinen, er sei des kleinen Laurin
in Tyrol Bohnü nach Aventin (oben s. 302), nur wird Dsing,
wie dort steht, eigenmächtig durch Ilsan erklärt.
155.
Jos. Scaliger (geboren 1540, gestorben 1609), castigat. in
Catullum.
Ausg. von 1577. p. 30 = 36 der letzten vo*n 1600. Sca-
Ugerorum principum amoenissimus secessus Sirmio, a Theodo-
rico usque Scaligerp Gottho (Gottho fehlt 1600), quem Died-
rieh von Berna vocant Germani^ ad avum usque meum Bene-
dictum Scaligerum. — Ab eo Theodorico, qui patruelis fuit
Theodorici magni Gotthorum Regis, ad Guillelmum usque histo-
riam Scaligerorum quatuor libris complexus est Paulus Aemilius
Veronensis.®® — nam verum est Vngaros Attila duce ea loca
devenisse, et quum iam se in agrum Veronensem effundere vel-
lent, repulsi sunt a Theodorico Scaligero Tiroliae principe,
quem^ ut dixi, Germani Theodoricum Veronensem vocant.
Diese angaben ergänzt und berichtigt eine andere stelle
Jos. Scaligers in 1. C. Scaligeri vita (epistola de vetustate et
splendore gentis Scaligerae. Lugd. B. 1594. p. 8 — 10): Igitur
injuria temporis, malevolentia hostium, imperitia scriptorum, eos
cuniculos in generis nostri memoria egerunt, ut de totius nomi-
nis Scaligeri ruina metuendum esset, nisi praesto fuisset elo-
quentissimus vir et antiquarum originum vindex Paulus Aemi-
lius Veronensis, qui nactus in Norico acta et annales prosapiae
nostrae vetustissimos pingui stilo, ut ipse ait^ conceptos, edo-
lavit eos et latine loqui docuit. ex eo libro parens mens ea
excerpsit, quae ad nostri generis claritatem praecipue pertinere
visa sunt, caetera per otium describere non licuit, quod utinam
fecisset et nobis edendi laborem reliquisset. postquam igitar
Paulus Aemilius multa de splendore et vetustate gentis Scali-
gerae disseruit deducta generis Serie ad Alanum Scaligeram
Carniolae et Tirolii atque montanorum Feltriae totiusque reliqui
tractus inalpini principem, docet quomodo Attila Hunnorum res
in Italiam per Carniolae montes irrumpens ab Alano depulsus
et in partes Altini summotus est. quo tempore accolae Vene-
tici sinus ingruentem tempestatem prospicientes relictis orae
^^ zweifei des Scioppius über das vorgegebene werk des Paulas Aemilio;
nnd seinen streit mit Joseph Scaliger findet man angeführt bei Bayle {%
1067-1068; Rott. 1720). Jos. Scaliger erklärt, P. AemiUus habe die annalen
der Scaliger zwar in Bayern gefunden, damit aber werde keineswegs eine ab*
fassung derselben in deutscher spräche behauptet.
156. 157 323
maritimae avitis sedibus in proximas insulas Adrianorum 8ta*8i4
gnorum sese receperunt. id fuit initium magnificae civitatis
Venetiarum. — — quemadmodum vicinia maris Yenetis, itasu
vallis Polyzela sive Pulicella et Anania periugium Veronensibus
fuerunt, cum Attila non solum agrum Veronensem ad vtetita-
tem depopulatus esset, sed et ipsam Veronam funditus evertisset.
qua clade ita perfugarum civium animi dejecti sunt, ut patriam
jacentem flere potius quam de ea excitanda cogitare parati
essent, donec Alanus eos ex vallibus, in quas perfugerant, con-
vocatos ad meliorem spem erexit et repetendae patriae simul
atque instaurandae auctor fuit. quod cum bene cessisset, eo
nomine omnium Veronensium suffragiis princeps renunciatus
est. ita duae nobilissimae urbes, Venetiae et Verona, uni Alano
Scaligero debent, una quidem quod nata, altera autem quod
renata est. quod autem pater mens in oratione, funebri Theo-
dorico attribuit, quod de Alano dicendum erat, humanitus %a\
jxvTjjiovix&c peccatum est. Alant ex Theodoro Theodoricus nepos
iia rehuB gestia fuit eaque virtutU ghria^ ut hodie vemcLCuMs Ger-
inanorum carminibus et proverbüa celebria dt, quem Veronensem
ideo vocant^ quod praecipuam aedem in ea urbe^ cujtis instau-
randae avus Alanus auctor fueraty elegiaset. aed ante omnia Vera*
nensis agri loca Sirmionem peninsulam amavit^ quam etiam regio
palatio^ cujus hodieque eastant veatiyia^ eaornavitJ*
156.
Jac. Ayrer (zweite hälfte des sechszehnten Jahrhunderts),
opus theatricum (1618).
Darin drei stücke von Hugdieterich, Otnit und Wolfdiete-
rich (lyO — 241), deren Inhalt mit dem gedruckten heldenbuch
übereinstimmt, der vater von Hugdieterich heiszt Antziua^ der
meister Bechting (vgl. oben s. 230. 231).
[Aus Ayrm^s historischem processus juris s. ZE. 30, 10.]
157.
Matth. Qüade (st. 1609), Teutscher nation herrlichkeit
(Colin 1609).
s. 145, 146: 'Die andern wollen, es (Worms) hab den
uamen von den groszen wurmen, welche nach Zerstörung dieser
^^ mitgetheilt von Lach mann.
21''
324 — 158 —
S16 Stadt daselbst erwachsen und gefunden worden, der gemeine
mann halts dafür, es hab den namen behalten von dem groszen
wurm oder drachen, der allda des königs tochter durch die luft
entführet, welchen nachmals der hürnen Seyfried im Odenwald
erschlagen und die Jungfrau wieder erlöset, wie derselbe dracb
mit sammt der Jungfrau und ihren brüdern sammt Seyfrieden
zu Wurmbs auf dem markt an einem überalten gebäu (die
Münz genannt) ganz antiquitätisch abgemalt stehen, dabei auch
das gebein von den riesen und drachen, welche Seyfried über-
wunden, in eisene ketten gefasset, hangen thun. item, auswen-
dig an der Mainzer pforten sieht man auch die alte contrafei-
tung des drachen und am Rhein uf dem neuen thurm im eck
der Stadtmauern siebet man auch den Seyfrieden; so ist auch
noch ein fliegender wurm oder drach der schildführer des
Wappens dieser Stadt, welches ein Schlüssel ist, den Seyfried
dem riesen abgewonnen, damit er unten den felsen ufschlosz,
um oben zu der Jungfrau hinaufzukommen; und denselben
Schlüssel hat Seyfried sofort mit heim gen /Worms geftihrt und
hat ihn die Stadt zur ewigen gedächtnis in ihren schild gesetzt,
sammt andere antiquitäten von den riesen und ihren waffen
noch mehr, so man in der Stadt findt. dieses alles ist wol
ein ganz scheinbarliche red, die wol ein feines ansehen hat; so
wäre aber diese frage dargegen, ob dann die Stadt nit auch
den namen Wurms gehabt habe vor der zeit des hürnen Sey-
frieds." [vgl. hiezu nr. 15P, s. 312; nr. 165«>- s. 320.]
158.
Freher (geboren 1565, gestorben 1614), origines Palatinae
(1612):
2, 61 — 63. Hinc antiquissimae fabulae rhythmis vemaco-
lis consignatae, nescio quem Gybiconem regem Wormatiae im-
perantem, nescio quod rosetum virginea Crimhildis manu ex-
cultum, invictorumque heroum armis contra invasores defen-
satum, crebrisque duellis et concertationibus sanguinolentum
nobis decantant. praesertim vero Sigefridi^ cujuadam ffiganüs.
quem ab immani robore et duritie telis impervia, non ut Pelops
ille humero fuit eburneo, sed totum corneum dixere^ fama ad
miraculuTa increbuit: qui ludis olympicis a Crimhilde illa regia
puella indictis et Theodorico Veronensi cum veteranis suis pro-
317 vocato, consertis manibus, multoque utrinque sanguine fiiso,
^' diese stelle hat v. d. Hagen in der Gräterschen alterthumszeitung 1813.
anz. 8. 32 bekannt gemacht.
158 »> 325
cadmea prope victoria inter alios depugnarit; ibidemque tan- 317
dem sepultus, ceu alter quidam Hector, famo8um monmento auo
locum fecerit cuJim eüam hastay ingena pintis^ ibidem ostentatur.
— — — tarn plebejis et puerilibus fabulis vera priscorum
Francorum historia involuta intercidit, quos a corporum pariter
animorumque robore (romanis etiam calamis eelebrato) gigantes
posteritas credidit. unde etiam damum quandam in Vangionum
urhe^ non dubiae vetustatis, vasta altitudine et amplitudine (quam
praetorium regum aut ducum comitumve Francorum fuisse certo
certius est), gigantum domicilium etiamnum vulgo vocant. cum-
que ab immanissimis hostibus, modo a Croco Vandalo modo ab
Attila Hunnorum rege (quem hostem Rheni Sidonius 1, 12 vo-
cat) urbs expugnata et vastata fuisset; quae propugnatoribus
et restauratoribus suis non carebat, eos in heroum numerum
posteritas retulit: quo modo et Sifridi fabulam ad Sigibertum
virum clarissimum, quem circa annum 538 sub Theodorico rege,
majorem domus fuisse et Yormaciae cum uxore Crimhilde habi-
tasse et multa fortiter gessisse invenitur, non incommode referri
posse eruditis videtur. in annalibus certe urbis hoc annotatum,
indicio viri docti (Frid. Zomii [Z£. 59, 2] epist. ad Melissum)
nobis constat, Fridericum III imperatorem, difficillimis in Bel-
gio Maximiliani caes. filii sui nomine confectis expeditionibus
fessum, Vormatiam quietis et recreationis gratia se contulisse;
ubi cum aliquamdiu commoraretur, de immani isto gigante
per totam prope Germaniam decantato, cujus in D. Caeciliae
fano sepulchrum vulgo ostenditur, mira ad ipsum quoque per^
lata, cujus rei cognoscendae causa mandasse, eruta terra tumu-
lum ipsum perscrutari, num aliquorum ossium reliquiae, ex qui-
bus de tam vasto corpore conjectura fieri posset, superessent.
— illos enim etsi in viscera terra tam profunde descendissent,
ut aqua copiose egereretur, ne minimum tamen indicium uUius
cadaveris, nedum gigantei, reperisse. ut jam liquido constet,
paria narrationibus veris Lucianicis esse, quaecunque de illo
Sigefrido ineptorum rumoribus jactatay ab ineptioribus unquam
credita fuerunt.
*158b.
Michael Sachsens neue kaiserchronik. Magdeburg 1615.
fol. 2, 32:
'In gegenwart dieses koniga Dieterich hat im Rosengarten
zu Worms sich ritterlich gehalten der mönch Ilsanes^ aus dem
kloster Eysenburg^ denn er hat nach erlegung des stolzen ritters
Staudenfass noch mit 32 starken männern gekämpft, deren
zwölf erschlagen und die andern flüchtig gemacht und von der
326 — - 159. 160
jungen königin Chrimküd 25 rosenkränze empfangen und der
königin 25 küsse gegeben und mit seinem barte ihre zarten
lippen so gerieben, dasz sie geblutet haben und dabei gesagt
haben: ^also soUt man noch küssen eine ungetreue maid, dasz
sie auch solle wissen, was sie gestiftet für laid/ denn sie hatte
den kämpf angestiftet, darinnen viel beiden zu gründe gegan-
gen sind und könig Dietrich mit seinem beistände den preis
davon gebracht hat.'
Sachse citirt dabei auszer Crusius (1, 8 f. 220) Heinrichs
Ofterdingensis heldenbuch.
817
159.
Melchior Goldast (geboren 1576 oder 1578, gestorben
1635).
318 1) Constitut. imperial. 3. praef. redet er von Dieterich von
Bern: nemo princeps, cujus quidem memoria superest, Theuto-
noi:um carminibus celebratior uHus fuit, quae passim adhuc a
vulgo nostro in Germania^ Darda^ Suedia et Sungaria decan-
tantur»
2) Paraenesis 1, 346. 347. — ex media antiquitate circum-
feruntur carmina de Otnite Longobardo, de Woluftheodorico
Graeco, de Gibicho Vangione, de Laurino, de Theodorico Ve-
ronensi, de Hiltibrando Gotho^ de Sigifrido Agrippinensi cogno-
mento Comeo, de Eckio sive (ut quibusdam placet) Eceone
Alsato, de Eckardo — alia quae necdum in manus nostras per-
venere. ®*
160.
Chytr^üs (Mindesmärker i - Skaane , Halland og Bleking,
abgefasst im jähr 1598 und gedruckt in Brings Monuni.
Scan.).
Er rechnet den Vidrich unter die beiden Dieterichs von
Bern und kannte mithin die deutsche sage. er erzählt kürz-
lich die geschichte von dem schmied Valland, wie sie in der
Vilkina saga vorkommt, nur mit dem unterschiede, dasz Val-
land sich mit einer nordischen königstochter verheiratet und
*° diese stelle hat Taub mann in der vorrede zu Virgilii culex (1618)
abgeschrieben.
161. 162. 168. 164 327
dasz er die waffen ftir seinen söhn Vidrik unter einem stein 318
aufhebt, während es dort Vade, sein vater, f&r ihn selbst
thut. »^
161.
MoscHEROSCH (geb. 1600, gest. 1669) inPhilanders von Sitte-
wald gesiebten (1665) s. 32. 33.
^Li dem wir nun überzwerchs zurück durch den wald,
auff die matten kommen, erkante ich mich alsobald, dasz wir
nicht weit, vnd nähst bei GeroUz eck^ einem alten schlosz auf
dem Waszgau, wären, von dem man vor jähren hero viel aben-
thewer erzehlen hören: dasz nemblich die vralte Teutsche bei-
den, die könige Ariovistus, Ärminius, Witichindus, der hümin
Stegfried vn viel andere, in demselben schlosz zu gewisser zeit
desz Jahres gesehen werden; welche, wan die Teutsche in den 319
höchsten nöthen vnd am vndergang sein werden, wider da her-
ausz, vnd mit etlichen alten Teutschen völckern denselben zu
hülf erscheinen selten.'
162.
Facetiae facetiarum (Pathopoli 1647).
p. 547. — tale monstrum, cui nee Homericus Polyphemus
— — nee ullum vel a Wigoleisio, vel a Sevfrido^ vel ab Ama-
diso, vel a quopiam necessariorum ejus debellatum portentum
coihparari queat^»
163.
Matte. Abele, Metamorphosis telae judiciariae, 1654.
p. 23.
'Es hat ein alter Hürnenseyfrid eine ehrliche Jungfrau
Mariam de Ravenna geheiratet.'
164.
JoH. Praetoriüs (st. 1680) weltbeschreibung (1666) 1, 273.
Närrische gaukelers zelte 'wo der alte Hüdebrand un
solche possen mit docken gespielt werden^ puppencomedien ge-
nannt.'
«^ sagenbibl. 2, 168.
328 165. 165 >>
819 165.
JoH. Staricius (lebte in der mitte des siebenzehnten Jahr-
hunderts), neuvermehrter heldenschatz (6. aufi. 1734).
1, 79 — 81. ^Marcus Claudius Paradinus meldet in Heroi-
eis von dem D. Thoma de Aquino, dasz derselbe habe ein
messer gehabt, mit dem er ein eisen-gestählten ambos in der
mitten habe von einander schneiden können.
Deszgleichen seynd auch gewesen die Schwerter des hömin
Seyfriedes, dessen geschieht zu Worms auch am rathhaus von
alters hero künstlich abgemalet, zum zeugnis historischer Wahr-
heit noch heutiges tages zu sehen sein werden, so vnrd auch
der Rosengarten daselbst, in welchem bei seiner zeit viel beiden
820 erschlagen worden und er selbsten ums leben kommen y auszer-
halb der Stadt daselbsten, noch heutiges tages gezeiget.
Die Stadt Worms aber soll ihren namen von würmem
haben, nämlich von den vielen bösen Würmern, so allda ge-
wohnet, deren dann der hörnin Seyfried viel verbrannt und
erschlagen, mit welcher saft er sich geschmieret und also hör-
nin worden.
Wenn auch jemand in der singschulen der meistergesänge
öffentlich daselbsten die geschieht vom hörnin Seyfriede aus
dem köpf also aussingen kann, dasz von den dazu bestellten
merkern oder judicirern, wie man sie zu nennen pfleget, kein
verslein ausgelöscht oder notirt wird, so wird ihm ein gewis
stück geld zu schuldiger Verehrung vom rath der Stadt Worms,
alter gewohnheit nach, gereichet. ist derowegen nicht alles
fabelwerk — zu voraus, was von Seyfrieden Schwertern Mey-
nung^ Boland^ Dumdart, in historien gefunden wird.'®*
Dasz Siegfried im Rosengarten erschlagen worden, stimmt
zu dem anhange des heldenbuchs (oben s. 298. 299). der name
des Schwerts ist aus Mimung entstellt, dieses aber wie in dem
Rosengarten a (oben s. 246), mit Balmung verwechselt.
165b.
m
Maasze nissim der stat Wormeisse [Worms] von Jephtba
Jospe beschämes (der küster) herausgegeben von seinem sehne
^Eleeser Lieberman aus der familie Mansbach'. Amsterdam
1696. 8. (jüdisch-deutsch) bl. 22»>— 24»-
«
^" diese stelle ist durch v. d. Hagen jn Büschings WÖchentl. nachrichiai
1816 bekannt gemacht worden.
1650 829
Mäasze (geschichte) warum asz die stat Wormeisza heiszt
und warum ein schlflssel das wapen is.
^Vor alte zeiten is die stat Wurmsz gar grosz gewesen^ so
war ein lintwurm aus der midbar (wüste) gekommen zu fliebn,
und hat sich hart an die mauer der stat gelegt und hat grosze
schaden gethan. er hat viel häuser umgerissen und hat auch
viel menschen und viel beheimes (thiere) eingeschlunden. als
was er hat gekrogen, hat er als ohoruf (wüst) gemacht, der
lintwurm war gräulich grosz gewesen und hat zwei fbsz und
hinten hat er gesehen asz wie ein wurm und ein schlang, aber
er ist doch viel dicker und gröszer gewesen und er hat äugen
die leuchten als feuer^ un ein maul mit gräulich grosze zäbn,
dasz einem ein grauel anging, er ist abgemalt gestanden auszen-
wenig an der mintz auf dem mark zu Wurmsz, und wenn man
schon nach ihm schieszt, das wolt doch als niks helfen, denn
es tat ihm kein pfeil niks. dasselbig mal wüst man noch
nicht von büchsen oder gestük zu sagen. mit einem gestük
hat man ihm efscher (vielleicht) jau können beikommen, aber
es war noch kein gestük in der weit, die chachmah (weisheit)
von pulver ist noch nit gewesen, dasselbig mal war noch nit
emunath jischa (christlicher glaube) zu Wurmsz unter der um-
mauth (volke) gewesen, es war als noch heidesche emunah
(glaube), und es war dasselbig mal noch kein melech (könig)
zu Wurmsz gewesen, neurt eine malkah (königin) eine almanah
(verwitwete), die regiert das ganze land, denn ihr mann der
melech (könig) war gestorben, und wenn man den lintwurm stillen
wolt, so must man ihm einn mensch alle tag 'naus werfen
über die mauer, da schündet er ihn straks ein, und tet der-
nach denselbigen tag weiter kein schaden min(?). so schreibt
man alle menschen die in Wurmsz wohnten in ein buch, und
man werfl goral (loosz) und auf dem das goral (loosz) gefallt,
den werft man über die mauer zu dem lintwurm. leszof (zu-
letzt) weiten die borgers nit mehr goral (loosz) werfen), denn sie
forchten sich, das goral (loosz) würd auf sie auch fallen, die mal-
kah (königin) sagt zu sie: ^ was wolt ihr haben? zeichnet mich
auch und alle meine szärim (fürsten) und hofhaltung in das
in das goral (loosz) und wenn das goral (loosz) auf einen von
uns wird gefallen, soll man uns auch nit verschonen.' da die
borgers das hörten, da waren sie alle zufrieden und lieszen das
goral (loosz) fortgehn. dasselbig mal waren zu Wurmsz drei
brüder die waren grosze risen und waren alle drei Schlösser und
messerschmiden, dasz man ihr gleichen wenig so gefindet, sie
machten ein malbusch (kleid), ein hämisch von eisen und auszen-
w^enig waren dran lauter scharmesser, und machten eisene händ-
schieb mit glieder, dasz sie sich drin rühren könnten, und mach-
ten scharmesser an die händschich, die scharmesser waren gar
330 165*»
scharf gemacht, und die drei brüder haben 'so mit einander
ausgenommen, wenn das goral (loosz) auf einen von sie drei
kommen wird, denn soll derselbig das kleid anthun und er sol
den lintwurm zuschneiden, das goral (loosz) ging als fort. Yon
tag zu tag werft man einen menschen über die mauer 'naus,
ein mals faUt das goral (loosz) auf die malkah (königin) selbers.
die malkah (königin) trauert und weint, wie man wol denken
kan. da kam einer von den drei brüder und derbarmt sich
über die malkah (königin) und sagt, er wolt sich unterstehen
den lintwurm um das leben zu brengen, aber die malkah
(königin) solt ihm versprechen, dasz sie ihn nehmen will zn
einem mann, die malkah (königin) verspricht ihm, dasz sie ihn
nehmen will, und alle die szarim (forsten) versprechen ihm,
wenn er den lintwurm um das leben würd bringen, denn soll
man ihn zu einem melech (könig) krönen, nun man warf den
risen naus und der lintwurm schlindt ihn ein, aber er zu-
schneidet den lintwurm, und er kam lebendig wieder 'raus,
die szimchah (freude) war gar grosz. nit aleins den grosze
hesek (schaden) das er an menschen und an viech und an pferd
gethan hat und an viel häuser gethan hat^ er hat auch ge-
macht, dasz man kein thor von den mäkom (ort) hat können
öffiien, und in der ganzen zeit ist niks geackert und gesät wor-
den, wenn es noch länger gewährt hätte, hätten sie müssen
vor hunger sterben, und der lintwurm hat die stat viel klener
gemacht und die. chorwoth (Verheerung) die er gemacht hat,
die kan man nit als beschreiben, nun die malkah (königin) halt
ihr wort und nam den Schlösser der risen zu eim mann, und
man krönt ihn zu einem melech (könig) gleich man ihm ver-
sprochen hat, und iedermann waren ganz wol zufrieden mit
dhm, bifrät (zumal da) er den lintwurm hat um das leben ge-
bracht; das gutes konnten sie ihm nit vergessen, und sie thaten
ihm als käwod (ehre) an, wie es sich ein melech (könig) ge-
bürt. wie der Schlösser nun sah, dasz er geliebt was in die
leuten äugen, und alls was er geboten hat das geschah, so ge-
bietet er, dasz man zu eim ewig gedächtnis von wege des maasze
(begebenheit) mit dem lintwurm soll man die stat Wurmsz heiszen,
und es kann sein, dasz die stat zuvor Garmisa geheiszen hat, denn
man find in sz'farim (büchem) wenn man von sie etwas schreibt, da
waren sie geheizen chächme Garmisa (die weisen von Garmisa).
und von dem melech (könig) der Schlösser, da kommt es her,
däsz man die stat noch auf den heutigen tag Wurmsz heizt,
und damit als da nit vergessen werden, dasz ein Schlösser zu
Wurmsz melech (könig) istgewesen, da sol die stat ein Schlüssel
vor ein wapen führen, darum hat die stat Wurmsz ein Schlüssel
vor ein wappen. und an das etzah (rat) haus, das man die
mintz heiszt, das auf der mark steht, da seinen gestanden ange-
malt die drei brüder mit dem lintwurm und die malkah
165^- 166. 167 331
(königin) mit ir kröne derbei zu ewigem gedächtnis.' * [vgl.
nr, 157. s. 315 f.]
165 <^-
Jofl. Christ. Ettner, des getreuen Eckharta unwürdiger
doctor. Augsburg und Leipzig 1697. Eckhart reist mit Sieg-
fried und hilft den kranken. — des getreuen Eckharta unvor-
sichtige hebamme. Leipzig 1715. — des getreuen Eckharta medi-
cinischcr maulaffe. Frankfurt und Leipzig 1719 (891). 'machte
es (das wasser) mit der zeit den cörper mit einer steinharte,
gleich des drachenschmalz den gehörnten Seyfried mit einer
hornfeste überzogen!
166. 320
De Koker.
8. 346. 'We fdnde der Lefferlungen achat
de könde weren ewych ryke. . . .'
167.
Färöische HELDENLIEDER. bis ZU Sigurds tode folgen sie
der nordischen sage, von da an der deutschen, indem sie zu-
gleich der Vilkina saga, der hven. chronik und den dänischen
liedem, doch mit eigenthümlichen ab weichungen und erweite-
rungen, sich nähern.
1) Svanüd aoula Ijauma (sonnenglanz) wird hier mit einem
beiden {Ujamal (Ismal) vermählt und bei der hochzeit sieht ihr
bruder Sjürur zum ersten mal die Brinild (120, 53). von dieser 321
begegnung weisz weder die deutsche, noch die nordische sage
etwas, obgleich beide auf eine frühere, in verlorenen liedern er-
zählte bekanntschaft hindeuten (vgl. oben s. 82 — 84).
2) Der Gudrun brüder heiszen Gunnar^ Högnar^ Gujalar^
und Hjamar^ welche alle zu ihr nach Hundland ziehen; der
letztere vertritt also unter einem vielleicht nur entstellten
namen (vgl. Germer in den altdänischen liedern s. 306) den
Gernot. indessen wird auch einmal (156, 69) ein bruder Gry-
mur erwähnt und darunter scheint Gupormr der nordischen
sage zu stecken, der name Nifiung kommt hier nicht vor.
* mitgetheilt von herm Karl Gödekc.
332 168. 169
321 3) Eine eigene erzählung von Dieterichs ende (vgl. oben
8. 38 — 40). Tujrikur Tatiara 80on (Dietmars söhn) wird von
der Gudrun aufgereizt, gegen Högnar zu kämpfen, er weigert
sich aber und erhebt sich als drache in die lüfte; Högnar wirft
ihm sein schwert nach und tri£% ins herz, der drache fallt
herab, speit aber ein so heftiges gift auf Högnar, dasz es,
sogar durch dessen panzer dringend, noch seine tödtliche Wir-
kung äuszert (274—280. 286, 174). das gift bezeichnet ohne
zweifei Thidreks feuerathem, womit er nach der Yilkina saga
(c. 365) den Högni bezwingt.
4) Högnar erzeugt vor seinem ende mit der Helwig^ einer
jarlstochter, den Aldrias^ welcher den tod seines vaters rächt,
indem er den Artcda, und nach einer andern erzählung (306,
anm.) auch die Gudrun, in dem goldberge einschlieszt.
168.
Sagen auf Hven (Sjöborg nomenklatur för nordiska fom-
lemningar. Stockholm 1815. p. 83. 84).
Man kann noch heut zu tag sehen, wo Norreborg, Sön-
derborg, Karlshögaslott und Hammarslott gestanden haben,
nördlich bei Karlshögaslott befanden sich sonst in einem läng-
lichen Viereck aufgestellte steine, welche der frau Grimüt grab
hieszen.
Eine alte sage auf der insel macht die Grimüd und Svenäd
zu Schwestern und riesenweibem, die erst auf Seeland wohn-
ten. Hvenild trug stücke vou Seeland nach Schonen und kam
damit glücklich hinüber, wo berge aus diesen erdstücken ent-
standen, als sie aber hernach allzu grosze stücke nahm, brach
das band ihrer schürze mitten in der see, und alles, was sie
.^22 darin trug, fiel hinab und bildete die insel Hven. da soll sie
die St. Jacobskirche gebaut haben, nach welcher Grimild von
Seeland aus einen stein schleuderte, der bei Karlshögaslott ins
meer fiel und noch zu sehen ist. Grimild wohnte hernach aut
Hammarslott (vgl. s. 305), aber als (Ranke) der söhn ihres bru-
ders kam, räche zu nehmen, warf sie (ich lese Tum statt han)
die burgschlüssel ins meer und versenkte die ganze bürg durch
Zauberei in die erde.
169.
Nordische sagen.
1) Vom Nibelungehort noch jetzt geht in Nerike die
sage, der Nifiungeschatz sei irgendwo in Kilsbergen aufbe-
170 333
wahrt und der Schlüssel zu dem bergsaal unter einem rosen- 322
busch verborgen (Iduna lOtes heft, 269). nach Geyer (Svea
Rikes häfder 1, 118) heiszt der felsen, wo der schätz liegen
soll, Garphytteklint.
2) Von Wieland und Wittich. [Haupts zs. 12, 264.]
a) In Werend nennt das volk noch heut zu tag einen
groszen felsen auf einer insel in der see bei Alletorp in Kinne-
valldshärrad Verlehall^ und behauptet, da sei Yerlands schmiede
gewesen (Geyer 1, 304).
b) Die bewohner von Velandsherrad in Schonen leiten
den namen ihres orts von Velands aufenthalt daselbst ab und
und führen seines sohnes Wittich wappen, hammer und zange
(vgl. s. 268) im siegel. grosze steine bei Sisebäck bezeichnen
sein grab (Bring, monim. Scaniae 36, 302. sagenbibl. 2, 170.
!Edda Saem. 3, 857). (abgebildet in Sjöborgs samlingar 2, 48.
fig. 76.)
c) VeUev By im stifl Aarhus leitet ebenfalls seinen namen
von Verland ab, dessen grab sich da befinden und der die
kirche dort gebaut haben soll (Pontoppidan Atlas Dan. 4, 857.)
d) Auf Seeland eine meile von Roeskild bei Birkeby findet
sich das grab des riesen Langbein, den Vidrich erschlug, und
eine berghöhle gilt far sein haus, ein anderer hügel daselbst
heiszt Vidrik Verlofs oder Videdys grab (Danske viser. 1787.
vorr. 3. 8. sagenbibl. 2, 250).
e) Vidriks grab soll auch bei Grosby in Bahuslehn liegen
(ödmann over Bahuslehn 173 — 186).
f) In Island (vgl. s. 388) bezeichnet man einen kunst-
reichen Schmied durch den ausdruck: hann er Yölundr ä jam,
a guU oc silfr (Edda SaBm. 2. 14. anm. 30. vgl. sagenbibl.
2, 170).
[3) In einem norwegischen märchen (Asbiörnsen und Mone,
Norske folkeeventyr nr. 24) nennt sich der eine zwiUingsbru-
der kong Lavring. das dänische Volksbuch von Laurin musz
also auch in Norwegen bekannt gewesen sein. s. DHB. 1, xl.]
170.
Englische sage. [ZE. 6.]
In Berkshire, nicht weit von White horse hill, in der
nähe von Ashdown, befindet sich ein altes steindenkmal, wo
vordem, nach der sage der bpwohner, ein unsichtbarer schmied
wohnte ; wenn eines reisenden pferd ein hufeisen verloren hatte,
so brauchte man es blosz dorthin zu bringen, ein stück geld
323
334 171. 172
I
823 auf den stein zu legen und auf eine kurze zeit sich zu ent-
fernen, kam man zurück^ so war das geld weg und das
pferd neu beschlagen, der unsichtbare hiesz Wayland-SmüL
(F. Wiae letter to Dr. Mead concerning some antiquities in
Berkshire. Oxford 1738. Conybeare 237.) (Boethius^ Lond.
1829. s. 416.)
P. E. Müller bemerkt hierzu (sagenbibl. 2, 162. 163), dasz
an dieser stelle eine schlacht zwischen Alfred und den Dänen
871 vorgefallen sei; und da ein berühmter normannischer an-
flihrer, der 861 — 862 Frankreich verheerte und 863 in einem
Zweikampf blieb, Veland hiesz, so könne durch eine Verwechse-
lung der kriegszüge die sage den tod jenes Velands in die
Schlacht von Ashdown versetzt und an diesen geschichtlichen
namen hernach den schmied Veland der dichtung geknüpft
haben.
171.
Deutsche sagen.
Das noch jetzt durch die Überlieferung lebendig erhaltene
ist in den hausmärchen nr. 90 — 95 zusammengestellt und er-
läutert, es betrifft Siegfrieds heldennatur, seinen aufenthalt bei
dem Schmidt, die befreiung der Kriemhild vom drachenstein,
die erlösung der Brünhild auf dem flammenberg, vorzüglich
aber die theilung des Nibelungehortes. [über Siegfried s.
ZE. 32*; über Dietrich ZE. 60.]
172.
Wappen der stadt Alzei (Storck darstellungen aus dem
Rhein- und Mosellande 1, 258). (vgl. unten s. 355.)
'Sie fiihrt im wappen und siegel einen aufrecht stehenden
gekrönten löwen der eine geige in den klauen hält. die geige
scheint allein das frühere wappen gewesen zu sein, denn der
(pfalzische) löwe wurde erst mit der geige vereinigt, als herzog
Konrad von Hohenstaufen durch kaiser Friedrich I. mit der
pfalzgrafschaft bei Rhein belehnt wurde, sein eidam^ pfalzgraf
Heinrich, nennt den truchsesz von Alzei in einem lehnbriefe
824 von 1209 und in einer andern Urkunde von 1211 seinen dienst-
* bei Panzer (beitrag zur deutschen mythol. I s. 110. 163. 205 und dem
m'archen in der Germania 8, 373 ist die reinheit und echtheit der Überlieferang
ans nahe liegenden gründen mindestens zweifelhaft.
172 335
mann, dieser truchsesz aber und Winter von Alzei, deren 824
noch einer im jähr 1434 als burggraf von Alzei genannt wird,
führte^n Hie geige im wappen. im jähr 1305 kauften die pfalz-
grafen von den gebrüdern Werner und Eonrad truchsessen von
Alzei ihren theil an der dasigen burg.®^
Um des wappens willen hieszen die Alzeier in der ganzen
gegend spottweise die Fiedeler.^
(Lepsius sphragistische aphorismen, 2. heft.) [Vgl. ZE. 26,
5. 39; Haupts zs. 12, 359. 416.]
^' wahrscheinlich entlehnt aus J. Gosw. Widder beschreibang der Pfalz
3, 19. 38. Tgl. 4, 410.
325 ZEUGNISSE ÜBER DAS GEDICHT VON GUDRUN.
1) Der mündlichen Überlieferung T^rd gedacht: also ist
uns geaeit 33. 663. 1351; ja saget man daz 2195, vgl. 5890;
80 wir hceren sagen 85. 149. 1152. 6001; auch ihrer begrän-
zung: wir künnen daz niht bescheiden noch wizzens niht ze
sagen 1143. dagegen einmal: als uns diu buoch kunt tuont 2019.
2) Beziehungen auf frühere bcgebenheiten lassen andere zu
dieser sage gehörige gedichte vermuten.
a) Wate, von Hettel berufen, wird mit folgenden Worten
empfangen :
943. Her Wate sit willekomen. daz ich iuch nit ensach,
des ist nü lange zite, daz wir ensamt [wären und] säzen^
da wir uns urliuges uf unser widerwinnen vermäzen.
Wate hatte die heilkunst gelernt:
2116. sie haßten in hinger zite da vor wol vernomen,
daz Wate arzet wcere von eime wilden wtbe.
b) Hartmut wirbt vergeblich um Gudrun.
2439. Do sprach vrou Hilde: wie laege sie im bi?
ez leck min vater Hagene hundert unde dri
sinem vater bürge da ze Kdradine:
diu lehen nsemen übele von Ludewiges hende die mäge
mine.
Er gesaz in Frideschotten, da gedienet er daz,
daz im des küniges Otten bruoder wart gehaz^
der ouch lehen hcete von Hagenen mime herren.
Wie dieser könig OUe nur hier vorkommt, so sind auch
die ereignisse, worauf angespielt wird, weiter nicht bekannt.
Nochmals wird Hartmut als vasall von Hagen bezeichnet.
3275. Do sprach der forste Hetel: darumbe daz ich verzech
im min schoene tochter, wol weste ich daz im lech^
* Haupts zs. 2, 2 ff. 380. 6, 62 ff. ZE. 19. (dazu zs. 12, 386.) Germania
10, 476. die mittheilang in der Germania 12, 220 f. beruht nur auf einer
Selbsttäuschung.
173 337
dem künige uz Ormanie^ Hagene sin lant; 826
darum be was Gudrun hin ze im nach ^ren niht gewant.
c) Auch Hildburg scheint ein eigenes Schicksal gehabt zu
haben, von dem wir nur andeutungen vernehmen. Hetel empfängt
Hilde mit ihren Jungfrauen.
1936. Da was einiu under, diu moht vil wol sin
geborn von küniges künne; sie was von riehen mdgen,
sie was der vrouwen einiu, die lange bi den grifen lägen,
diu was geheizen Hüdeburc. frö Hilde Hagnen wip
diu haßt erzogen nach eren iren tugenthaften lip.
sie was von Portegdle geborn uz dem lande.
Sie heiszt auch Hildeburg diu edele von Galitzenlande
(4787), uz fremden landen (6339).
d) Wie Horand seinen kunstreichen gesang erlernte, mochte
auch in einer andern sage beschrieben sein.
1577. D6 huop (er) ein wise diu was von Amile,
die gelernte nie cristenmensche sit noch e,
wan daz er sie h&rte üf dem wildsn sS.
3) Das nördliche Deutschland, Friesland, Dietmarsen, Dä-
nemark, Seeland, Irland, Normandie, sind der Schauplatz der
begebenheiten und einem mit dem meer und der schiffiahrt ver-
trauten Volke gehört die sage in dieser gestalt an. darum sind
auch ferne welttheile bekannt: Indien und, was ich hervorhebe,
Alzabe (2315. 2671. 2680. 2692. 2877. 3343) oder Mohrenland
(2319. 2329. 2733) in Arabien (6356, vgl. 5305), denn dasz
dieser name den dichtungen schon längst bekannt sei, zeigen
im Biterolf (1161) pfelle üz Azzabe^ wie auch hier einmal (6768)
geschrieben steht, gleicherweise wird seide und ein stein von
Abalte (3458. 4994) erwähnt, wie im Biterolf wät von Abaltn
(1155).
4) Die macht von Horands gesange wird mehrmals be-
schrieben.
1415. Do sich diu naht verendet und ez begunde tagen,
Horant begunde singen, daz da bt in den hagen^
geswigen alle vögele von sinem süezen sänge.
die liute die da sliefen die lagen do niht lange.
1523. Des wilden Hagenen tohter und ouch ir magedtn,
die s&zen und loseten, daz diu vogelm
vergäzen ir doene üf dem hofe fröne.
1555. Diu tier in dem walde ir weide liezen sten^ 8i7
die würme die da soMen in dem grase gSn^
die vische die da solden in dem wage vliezen
die liezen ir geferte.
WX&H. 0BIKM, DBOTSOHI HILDBMfAOB. 22
338 — na —
827 Ganz ähnlich beschreibt ein dänisches lied (Danske viser
1, 235) den zauber eines elfenliedes:
4. Den ene begyndte en vise at qvaade
saa favrt over alle quinder,
striden ström der stiltes derved,
som fbrre var vant at rinde.
Striden ström den stiltes derved,
som förre var vant at rinde;
alle smaa fiske i floden svam,
de legte med deres finde.
Alle de fiske i floden var'
de legte med deres hale,
alle smaa fugle i skoven var'
begyndte at qvidre i dale.
5) Im norden finden vnv ein stück des gedichts, nämlich
entfthning der Hilde Hagens tdchter, Verfolgung des räubers
und kämpf zwischen ihm und dem vater, als eigene f&r sich
bestehende sage mit einem eigenthümlichen schlusz. so häufig
beziehungen darauf, so kommt doch keine auf einen andern
theil unseres gedichts vor.
a) Ich stelle die Snorraedda (163. 164 Rask) voran, die
zwar nicht die älteste, aber die vollständigste erzählung enthält
konüngr sä er Hogni er nefhdr ätti dottr er Hilldr het, hana
toc at herfangi konüngr sä er Hepinn het Hiarranda son^ pä
var Högni konüngr farinn i konünga stefnu, en er hann spurpi
at heriat var i riki hannz oc dottir hannz var i braut tekin, pä
för hann mep sinn lipi at leita Hepins oc spurpi til hannz at
Hepinn hafpi siglt norpr mep landi. pä er Högni konüngr
kom i Noreg, spurpi hann at Hepinn hafpi siglt vestr of haf,
pä siglir Högni eptir honum allt til Orkneyia; oc er hann kom
par sem heitir Häey, var par firir Hepinn mep lip sitt. pa
för Hilldr ä fund föpur sins oc baup honum men (i) saett af
hendi Hepins en i ödru orpi sagpi hon at Hepinn vaeri büinn
at beriaz oc aetti Högni af honum öngrar vaegpar van. Högni
svarar stirt dottur sinni en er hon hitti Hepin, sagpi hon honum
at Högni vildi önga saBtt oc bap hann büaz til orostu oc sva
328 gera peir tveggiu, gänga upp ä eyna oc fylkia lipinu, pä kallar
Hepinn ä Högna mag sinn oc baup honum sa&tt oc mikit gall
ä bötum. pä svarar Högni: ofsip bauptu petta, ef pü vill
saettaz, pvi at nü hefi ec dregit Ddinsleif^ er dvergamir gerpu,
er mannz bani skal verpa hvert sinn er bert er, oc aldri bilar
1 höggi, oc ecki sär grasr ef par skeiniz af. pä svarar Hepinn:
sverpi haslir pü par, enn ei sigri; pat kalla ec gott hvert er
drottinhollt er. pä hofo peir orostu p^, er Hiapmnga v^g er
— : 173 889
kallat, oc börpuz pann dag allan, oc at qveldi föru konüngarsss
til skipa. en Hilldr geck of nottina til valsins oc vakpi upp
mep fiölkyiigi alla pk er daupir vom, oc annan dag gengu
konüngarnir ä vigvöUin oc börpuz oc svä allir peir er fellu
hinn fyrra daginn. For sv4 sü orosta hvern dag eptir annan,
at allir peir er fellu oc oll vapn, pau er lägu ä. vigvelli oc svä
hlifar urpu at grioti. en er dagapi stopu upp allir daupir
menn oc börpuz oc öU vapn voru pa nyt. svä er sagt i qvae-
|>am at Hiapningar skulu svä bipa ragnarökrs.
b) Aber schon Bragi der aüe^ der vor Harald dem schön-
haarigen (853 — 936) lebte, spielt in Ragnars dräp, wovon ein
Stück in der Snorraedda (165) erhalten ist, auf den kämpf
zwischen Högni und Hedin an, dessen veranlassung ein böses
zauberweib war, womit die jeden tag beide zu neuem kämpf
erweckende Hüde gemeint ist.
c) Hieran schlieszen sich eine reihe aus dieser sage ent-
sprungener kenningar von Biarkamal an bis zu Thiodolf im
Uten Jahrhundert, aus welchen sich ihre Verbreitung, sonst aber
nichts neues ergibt, sie sind von P. E. Müller in der sagen-
bibl. 2, 574, 575 und in den Untersuchungen über Saxo 67. 68
gesammelt.
d) Eigenthümliches enthält die darstellung der sage bei
i^axo (5, 89. 90 [Müller s. 238]; vgl. sagenbibl. 2, 575. 576,
über Saxo 57). beide, Högni und Hedin, sind zuvor eng ver-
bundene freunde. Hedin wird mit Högnis tochter verlobt, aber
eines verbotenen Umgangs mit ihr vor der hochzeit beschuldigt;
der aufgebrachte Högni kämpft mit ihm und besiegt ihn, schenkt
ihm aber das leben, doch nach sieben jähren wird auf Hedinsei
der kämpf erneuert und beide beiden fallen. Saxo fögt hinzu,
der sage nach habe Hilde aus Sehnsucht nach Hedin jede nacht
die erschlagenen durch gesang zu neuem kämpfe aufgeweckt.
e) Weit mehr verändert ist die fabel in der Hedins und 829
Hognia saga aus dem 13ten oder 14ten Jahrhundert (vgl. sagen-
bibl. 2, 572. 573). da sie auf diesem besondern weg von
unserm gedieht sich noch weiter entfernt hat, so ist eine ge-
nauere betrachtung hier überflüszig.
Auszer dem abweichenden ende der sage, welches ohnehin
in dem deutschen gedichte den Zusammenhang zerstören würde,
ist das anders gestellte Verhältnis Hedins zu bemerken, der
aicht ftr seinen herm, sondern flir sich selbst die Hilde ent-
Ibhrt und dessen vater den namen trägt, den ihm das deutsche
redicht ertheilt. auffallend ist, dasz der wundervolle gesang
Borands, worauf unsere sage so groszes gewicht legt, gänzlich
fehlt, zwar kommt in der wahrscheinlich im 14ten Jahrhundert
erdichteten Herrauds und Bosasaga (c. 11. p. 50) folgende stelle
^or: slö bann pä Gyarslag, Drambuslag oc Hieranda hliod
liop). ob der ausdruck aus der deutschen sage hinüber ge-
22*
340 173
329 kommen, oder auch im norden zu hause war, oder endlich ein
bloszes misverständnis von dem in den echten sagen häufig ge-
brauchten t heyranda hliopi (uno tantum andiente) ist, musz ich
unentschieden lassen.
6) Mit dem Biterolf gemeinschaftliche namen arabischer
orte, wahrscheinlich handelsplätze, sind schon vorhin angemerkt,
noch ein anderer Zusammenhang erscheint mit dem im Biterolf
(vgl. oben 133. 134) angedeuteten gedichte von Herbort, wo,
wie hier Hartmuot von Ormante (Normandie) und dessen vater
Ludewig auftreten, waren die beiden sagen auf eine bis jetzt
noch unbekannte weise aneinander geknüpft, oder hat ein bloszes
vertauschen der namen auf einer seile statt geftinden? im Bi-
terolf heiszt wie in der Klage (oben 113) Hartmuts Schwester
Uildehurg^ hier Ortrün.
7) Ich lasse nun die äuszem Zeugnisse folgen.
a) In dem angelsächsischen gedieht, aus welchem schon
oben (s. 20. 21) stellen mitgetheilt sind, findet sich auch eine
hierher gehörige (Conyb. 243):
— secgan wille
paßt ic hwile waes heo Deninga (I. Heodeninga) scop^
dryhtne dyre. Me waes Deor nama.
Ahte ic fela wintra folgap tilne
330 holdne hlaford, oppe paet Heorrenda nü
leopcrcefUg mon londriht gepah,
paßt me eorla hleo aer gesealde.
sagen will ich,
dasz ich einst war der Hedninge dichter
dem fiirsten werth. ich ward Deor (d. i. thier) genannt
viele jähre hatte ich ein gutes amt, ^
holden herrn, bis Herrenda
der liederkundige mann das amt (gut) empfieng,
das mir der edlen Zuflucht (der herr) vordem gegeben hatte.
Eorand und sein kunstreicher gesang beweisen eine bezi^
hung auf die deutsche sage, die Hiadninge nennt die Edda
und zwar, als würden die beiden kämpfenden Högni und Hedin
darunter verstanden; wer hier darunter gemeint wird, bleibt
dunkel und nur so viel scheint gewisz, nicht Horand. [Haupts
zs. 11, 277.]
b) Lambrechts Alexander:
16*. von einen volcwige höre wir sagen,
der üf Wlpinwerde gescachy
dar Hilden vater tot lach
inzwischen Hagenen unde Waten;
der ne mohte sih hizuo niht gegaten.
173 341
Herwich unde Wolfram 330
ne mohten ime niwit gelich sin.
Die namen finden sich, bis auf einen, alle in unserm ge-
dickte wieder, auch der Wulpenwe^^ zweimal (3534. 3590),
neben dem häufigem: wert uf dem Wulpensande (3238. 3391.
3486. 3796. 3801. 4485. 4483). [Haupts zs. 2, 4.] der feh-
lende name ist Wolfram^ aber ich zweifle nicht, er verdankt
sein dasein hier nur einem irrthum, das beweist schon der
mangehide reim; Herwigs kriegsgenosz war Ortwtn^ und so
musz gelesen werden.
Aber die angaben selbst stimmen nicht, vorerst statt
Hilden vater müste Gudrunen vater stehen, zwar verfolgte
auch Hagen, der Hilde vater, den Hettel, der ihm seine tochter
geraubt hatte, doch sie kämpfen in Waleis und Hagen ward
nicht getödtet, sondern es kam zu einer Versöhnung, dagegen
auf dem Wulpensant ward eine furchtbare Schlacht geliefert
zwischen Hettel und Hartmut, dem räuber seiner tochter Gud-
run, und darin fiel Hettel, hierauf bezieht sich also sicher das
Zeugnis; aber nun weisz das gedieht nichts davon, dasz Wate,
Hettels mann, der allerdings damals mit kämpfte, geblieben sei, 331
im gegentheil er rächt späterhin seinen herrn. noch weniger
begreift man, was Hagen (der Schwiegervater des Hettel, der
einzige Hagen, der in dem gedichte vorkommt) hier soll, von
dem längst nicht mehr die rede ist. ist also der text nicht
verderbt oder verwirrte nicht Lambrecht selbst in der erinne-
rung die beiden kämpfe, so wird eine ganz andere gestaltung
der sage vorausgesetzt, und dabei ist nicht zu übersehen, dasz
der toa von Hagen, dem vater der Hilde, wieder der erzählung
der Edda gemäsz erscheint.
c) Ich musz hier anmerken, dasz das oben (s. 55) ange-
führte Zeugnis aus dem pfaffen Konrad auch auf die Gudrun
kann^ bezogen werden, worin der aite Wate bei weitem als
der wildeste kämpf er erscheint; ja, diese ansieht hat noch für
sich, dasz den Wate der Dieterichtssage kein älteres gedieht
nennt.
d) Boppe (zweite hälfte des 13ten Jahrhunderts). M. S. 2,
233. 234:
Haßt ich des küneges Salomönes wisheit ganz,
und Absolones schoene da bi sunder schranz,
und gewalt des riehen küniges Davides,
waere ich noch sterker danne sih was Samson,
künde ich vür bringen als Horant aüezen don
und wsere gewaltic alles goltgesmides.
* 'musz, weil Ogier und Wate beide aus Dänemark'. Jacob Grimm,
[Haupts 28. 2, bJ]
842 178
m e) Wemsehwelg (A. W. 3, 23):
276. er singet so wol, daz Uorant
daz dritte teü nie so wol gesanc.
f) Wartburger krieg (M. S. 2, 11):
Da sach man den von Eschelbach,
als man Horanden vor der künegin MUden sach,
*
g) Morolf 800. waer ich als wise als du, Salomön,
und waere als schcene als Absolön,
und sunge als wol als Horant (Herant alt. dr.)^^.
382 h) Der groszyater der Bilde, Gudrunens mutter, heiszi
Sigebant von Eierlant; merkwürdigerweise erscheint dieser name
auch in der Rabenschlacht (248), wo ein held Sigebant von
lerlant aufgeführt wird, ich zweifle nicht, er ist aus unserm
gedieht durch vermittelung der lebendigen sage dorthin über-
gegangen, [vgl. s. 192.]
^® die Zeugnisse d — g sind in den altd. wäldern 3, «31 schon vor auffin-
dang der Gudrun von Jacob Grimm zusammen gestellt worden. [Haupts u.
2, 4. ZE. 19, 1. 47, 3. 48. 51. im anzeiger für künde der deutschen voneit
1862 nr. 10 schreibt ein Adelbert Heinrich Horand *über österreichische en-
Unten'.]
L
URSPRUNG UND FORTBILDUNG.
1. 385
Die sage folgt der entwickelung des menschlichen geistes
oder, vielmehr, sie begleitet ihn von einer stufe zur andern,
in diesem fortgange kann sie alles, was ein volk geistig be-
sitzt, himmlisches wie irdisches, berühren und in sich aufneh-
men, dieses Verhältnis gestattet nicht ihren inhalt anders, als
auf solche allgemeine weise zu bestimmen; doch scheint bei
selbständigen, in ruhigem imd abgeschlossenem dasein verhar-
renden Völkern ernste betrachtung des übersinnlichen das erste
bedürfnis des erwachten geistes gewesen zu sein, als durch
äuszere einwirkungen mannigfaltigkeit des lebens entstand, die
den einzelnen auszeichnete und zu eigenthümlicher thätigkeit
anregte, mochte die sage vorzugsweise zur verherlichung irdi-
scher ereignisse sich geneigt fühlen, wir unterscheiden daher
götter- und heldensage und nehmen eine spätere entstehung oder
ausbildung der letzteren an, deren keime gleichwohl neben der
erstem können vorhanden gewesen sein.
Die dichtungen, welche die heldensage überliefern, stamme
sie aus dem griechischen oder indischen alterthume, aus der
Vorzeit der Deutschen,* Galen, Slawen, oder aus den christ^
lieben Jahrhunderten romanischer Völker, sie unterscheiden sich
zwar durch grosze Verschiedenheit des inhaltes wie der dar-
stellung, dennoch aber geht ein verwandter geist durch alle
hin und lässt uns eine gemeinsame natur erkennen, wimder-
bare werke ungenannter dichter, erfiült von reinster poesie,
schlicht und zwanglos, tiefsinnig und unausmeszbar, bewahren
sie das bild eines jugendlichen, in unverletzter sitte kraftvoll
blühenden lebens. sie verkündigen zugleich den Untergang
dieser herlichkeit und es scheint nicht, als ob spätere, wenn
auch in anderer hinsieht geistig begabte zeiten, in welchen jener
einfache zustand und das gefühl frischer Jugend verschwunden
ist, fähig seien, werke dieser art hervorzubringen.
Zu einer genauen, durch allgemeine betrachtungen nicht
zufrieden gestellten einsieht in die natur des epos den weg zu
346 1
385 bahnen, dünkt mich eine würdige aufgäbe, noch sind wir nicht
im Stande, die ersten und wichtigsten fragen zu beantworten,
die erscheinung Homers, selbst nach so ausgezeichneten unter-
336 suchungen, darf man noch immer räthselhaft nennen, wissen
wir, ob die gesänge der rhapsoden übrig gebliebene, überarbei-
tete oder erweiterte stücke eines früher wirklich vorhandenen
groszen ganzen, oder ob es ursprünglich solche einzelne brach-
stücke waren, die in dem bewustsein des Volkes ihren Zusam-
menhang fanden? selbst der streit über die eigentliche heimat,
oder den grund und boden, in welchem das unsterbliche ge-
dieht keimte, ruht noch unentschieden, die Untersuchung ist
dort auf das einzige werk angewiesen und deshalb so schwie-
rig, von dem deutschen epos hat sich dagegen ein reicher
cyklus, des bedeutendsten wenigstens ein groszer theil erhalten;
und, was wir vielleicht noch höher anschlagen dürfen, wir ge-
nieszen den vortheil die Veränderungen der sage in denkmälem
beobachten zu können, welche von den ersten spuren bis zu
dem völligen verschwinden den räum von etwa tausend jähren
einnehmen, es gibt kein anderes volk, das sich dieses vortheils
in solcher ausdehnung erfreue ; für uns liegt die mahnung dann,
innerhalb dieser gränze und vorerst ohne rücksicht auf andere
Völker, die resultate zu suchen, welche sich aus betrachtung
eines so glücklichen Verhältnisses ergeben müssen.
Unter den verschiedenen, über Ursprung und fortbildung
der deutschen heldengedichte geäuszerten meinungen haben sich
zwei geltend zu machen gesucht, die einander geradezu ent-
gegen stehen, die eine findet den eigentlichen inhalt in der
älteren göttersage, und nimmt an, dasz diese bei längerer fort-
dauer sich mehr verhüllt, irdisch und sinnlich umgesüJtet habe,
die andere hält geschichtliche Wahrheit für die erste grundlage,
nur mit freier phantasie ausgebildet und durch die zuthat des
wunderbaren geschmückt, ohne zweifei haben einzelne Wahr-
nehmungen auf diese ansichten geleitet^ aber auf jeder seite
stellt sich, so lange man unbefangen bleibt, sehr bsdd das ge-
föhl des unzulänglichen und völlig unhaltbaren ein. will man
nur den ausdruck geistiger Vorstellungen finden, so musz man
den das ganze beherschenden gedanken immer weiter und all-
gemeiner fassen; bei dieser allgemeinheit aber verschwindet der
inhalt der sage unter den bänden oder zerflieszt in eine un-
förmliche, leblose masse. wenn Siegfried zugleich Dieterich
ist, als Baidur die nordische, als Sonnengott auch die griechi-
sche mythologie in anspruch nimmt, so schwankt überall der
boden, und der stolzen aussieht von der höhe bleibt zuletzt
nichts mehr übrig, als eine graue, unübersehbare ferne, die
historische erklärung scheint sicherer zu gehen, aber schon nach
337 wenig schritten musz sie auf ihrer bahn einhalten, mehr als
ein paar historische namen kann sie nicht nachweisen; sie sieht
— 2 — 347
sidi genötbigt, auf zukünftige entdeekungen zu hoffen, bis da-8S7
hin aber allgemeinen Sätzen zu vertrauen.
Ich eatsAge gerne dem yortheil, eine vorausgewiählte an-
sieht in die mitte zu stellen, oder mit dem glänzenden Schwerte
eines sinnreichen einfalls auf den kuoten loszuhauen, ich theile
hier ^e reihe von beobachtungen mit, die aus betrachtung der
denkmäler selbst hervorgegangen sind und die mir tauglich
scheinen, aufklärung über das wesen der sage za geben, auf
diesem wege sollen wir, glaube ich, dem noch unerforschten
ziele näher rücken, und dieser versuch wird verdienstlich sein,
wenn er nur von der richtigkeit des weges überzeugt.
2.
Eine übersieht sämmtlicher sagen unseres fabelkreiszes, wie
sie sich in den erhaltenen werken darstellen, musz ich, mit an-
deutung ihres inhalts, vorangehen lassen, ich benutze dabei
die nordischen denkmäler (über deren Verhältnis zur deutschen
quelle ich mich oben hinlänglich erklärt habe) und die Yilkina
saga nur da, wo sich kein entsprechendes deutsches gedieht
vorfindet.
1. Siegfrieds ahnen. Yölsung, Siges enkel, Sigurds grosz-
vater, wird erzeugt, nachdem Odin seinem vater ßerir einen
fruchtbringenden apfel gesendet hat. er wird nicht geboren,
sondern, schon sechs jähre alt, aus mutterleib geschnitten. Völ-
sungs berühmtester söhn, Siegmund, nimmt, ohne sie zu ken-
nen, seine Schwester Signe bei sich auf; ihr söhn ist Sinfiötle.
beide, vater und söhn, nachdem sie eine zeit lang, in wölfe
verwandelt, ein wildes, thierisches leben geführt, rächen an Sig-
geir, dem gemahl der Signe, den tod Yölsungs. Sinfiötle wird
von seiner Stiefmutter Borghild durch einen trank vergiftet;
Siegmund vermählt sich hierauf mit Hiordis, und diese gebiert,
doch erst nach seinem tode, den Sigurd.
2. Siegfried, die sage von ihm zerfällt in zwei, eigentlich
drei theile. der erste, in dem liede von Siegfried befasst seine
Jugend, den aufenthalt bei dem schmied, die besiegung des
drachen und den erwerb des hortes; der zweite, in der vordem
Jidlfte des Nibelungeliedes ^ sein verweilen bei den rheinischen
königen, den besuch bei Brünhild, um sie in Günthers bände
zu liefern, seine Verheiratung mit Elriemhild und seinen tod.
endlich in der letzten hälfte der Nihelunge noih die Verbindung 338
der wittwe mit Etzel, einladu^g der bxüder ins Hünenland, um
Siegfrieds movA, zu rächen, und der Untergang der dort ver-
sam^zelten beiden. — hierw schlieszit sich wohl die Klage üb^
die gebliebenen äuszerlich an, indessen konnte sie auch zur
I>ie.teri,ch/3sage gerechnet werd^, w,eji;m man desse;» heimkehr
348 2
388 in sein lange verlassenes reich als das wichtigste ereignis darin
betrachtet.
3. Dieterich und Ermenrich, vorangehen müste freilich
das aedicht von den ahnen ^ dürfte man nur etwas mehr echte
überliefenmg darin vermuten.
In die zeit, wo Dieterich mit seinem oheim Ermenrich
noch in guten einverständnis lebt, also in seine erste Jugend,
föUt eine reihe von gedichten. a) Grim und Hüde. Dieterich
und Hildebrand besiegen einen riesen und sein weib, bei wel-
chen sie köstliche waffen und schätze finden. — b) Ecken aus-
fahrt, der gegen Dieterich ausgeschickte held Ecke wird von
ihm überwunden und getödtet, Fasold, dessen bruder, unter-
wirft sich. — c) Rosengarten, auf anreizung der Kriemhild
stellt sich Dieterich mit seinen beiden dem Siegfried und den
rheinischen königen entgegen und behält die oberhand. — d)
Dieterichs drachenkämpfe, der Berner und Hildebrand, indem
sie eine königin in Tirol aus der gewalt eines beiden befreien,
bekämpfen bei dieser gelegenheit riesen und drachen. — e)
Siegenot Dieterich wird nach hartnäckigem widerstand von
dem riesen Siegenot überwältigt und in eine höhle geworfen.
Hildebrand erfahrt ein gleiches geschick, doch gelingt es ihm
den riesen zu tödten und seinen herrn zu befreien. — f) Laurin,
Dieterich und einige seiner beiden gerathen in die gewalt des
Zwergenkönigs Laurin, den sie bei ihrer befreiung aus seinem
unterirdischen reich mit nach Bern fähren, ein zug dahin, den
Walbaran, Laurins verwandter, seinetwegen unternimmt, wird
in der fortsetzung des gedichts beschrieben. — g) endlich ge-
hört hierher das verlorne gedieht (s. 174) vom zwerg Goldemar,
aus dessen bänden Dieterich die Hertlin, eines königs tochter,
erlöst und mit welcher er sich vermählt.
Die feindschaft zvnschen Dieterich und Ermenrich wird
eingeleitet durch Sibichs räche. Ermenrich hat Sibichs frau
gewalt angethan. sichere räche zu erlangen, verbirgt der ge-
kränkte seinen zorn und verleitet den kaiser durch arglistige
rathschläge, sich selbst in seinem eigenen geschlecht zu ver-
nichten, schon hat JErmenrich den söhn und die Harlunge,
seine neffen, gemordet, jetzt kommt die reihe an Dieterich.
389 hier hebt eigentiich das gedieht von der . Flucht an. der Bemer,
nur von den Wölfingen begleitet, entflieht vor Ermenrich ins
Hünenland zu Etzel und Herche. die hünische königin gibt
ihm ihre nichte Herrad zu frau und er nimmt theil an Etzels
kriegsfahrten. dann zieht er, sein väterliches reich vrieder.zu
erobern, mit dem beer seines Beschützers aus Hünenland in die
Lombardei, die furchtbare Rabenschlacht^ den tod beider söhne
Etzels und des jungen Diethers durch Wittich beschreibt ein
besonderes gedieht. Dietrich siegt, kehrt aber zu Etzel zurück.
Alpharts tod durch Wittich, ein einzelnes ereignis, fallt auch
2 349
in diesen Zeitpunkt. Dieterich weilt noch lange bei Etzel, erst 339
nach dreiszigj ähriger abwesenheit, nach der Nibelungeschlacht,
gelangt er wieder zu dem besitz seines reichs. die Begegnung
des alten Hildebrand und seines sohnes Hadebrand auf diesem
zug in die heimat erzählt das Hildebrandslied, endlich die sage
von seinem geheimnisreichen ende und dem untergange seiner
beiden, auch Jörmunreka tod ist der gegenständ einer beson-
dem dichtung: drei brüder rächen den mord ihrer schuldlosen
Schwester, die er auf Sibichs grausamen rath von pferden hatte
zertreten lassen.
4. Etzel, er erobert sich Hünenland und fiberlässt seinem
älteren bruder das väterliche reich, dann toirbt er um Herche,
Oserichs tochter. sie wird ihm versagt, aber markgraf KCidiger
kommt in einer Verkleidung an ihres vaters hof und entfahrt
sie zu Etzel, der nun in fortwährender feindschaft mit Oserich
lebt. — Etzels zug gegen Waldemar^ Oserichs bruder. Dietrich,
Waidemars söhn, wird vom Berner gefangen, Herche heilt seine
wunden, er entflieht, aber der Berner holt ihn ein und haut
ihn nieder, grosze schlacht zwischen den Hünen und Russen,
völliger Untergang Waidemars und eroberung von Buszland. —
jetzt tritt Etzel, der als wittwer sich mit Kriemhild verheiratet,
in die Siegfrieds sage ein. von seinem tod berichtet blosz die
Yilkina saga (oben s. 128).
Ein einzeln stehendes ereignis erzählt das gedieht von
Etzels hoßialtung. eine Jungfrau, von einem ungeheuer verfolgt,
flieht zu Etzel und wird durch des Bemers tapferkeit erlöst.
5. Das leben der berühmtesten beiden Dieterichs sondert
sich in einigen theilen als selbständige sage ab. a) Wittichs
erste ausfahrt, von seinem vater, dem schmiede Wieland, for-
dert er, weil seine mutter eine königstochter ist, ritterliche
rüstung, und begibt sich auf den weg nach Bern zu Dieterich. 340
er begebet dem alten Hildebrand und besteht mancherlei aben-
theuer, bis er dort anlangt, er fordert den Dieterich zum Zwei-
kampf und würde ihn, ohne Hildebrands vermittelung, mit dem
Schwerte Mimung erschlagen haben, hierauf geht er in die
Dieterichssage über, doch wieder ein besonderes gedieht scheint
Wittichs ende, von dem Berner verfolgt, springt er in die see;
dort empföngt ihn seine ahnfrau Wachilt, ein meerweib, und
bringt ihn an sichere statte, aber Dieterich sucht ihn auf und
tödtet ihn. — b) Heimes erste ausfahrt, er verlässt seinen
vater, reitet nach Bern und fordert emen Zweikampf mit Die-
terich, in welchem das schwert ihm zerspringt, jetzt erscheint
er in der Dieterichs und Ermenrichs sage, fast immer in Wit-
tichs gesellschafb. för sich besteht vrieder die erzählung von
Heimes ende, mit Sibich verfeindet, entfernt er sich von Er-
menrich und lebt lange in der wildnis. dann begibt er sich
in ein kloster, verlässt es aber, um mit dem heimgekehrten
350 2
340 Dieterich wieder in sein» voriges* heldenleben zurück zu treten,
ihn tödtet endlich der furchtbare > streich eines riesen. — c)
Dtetleib. in der jugend unbeholfen und hintangesetzt, fordert
er plötzlich von seinem vater Biterolf waffen und erhebt sich
als gewaltiger held. abentheuer mit Siegfried von Griechen
und dessen tochter. ül^ermütiges gastmabl bei Dieterich von
Bern. Zweikampf mit Walther von Wasgenstein, den er be-
siegt, einen völlig verschiedenen inhalt liefert das gedieht von
Biterolf. Dietleib, noch ein kind, sucht seinen vater, den könig
von Tolet, der sich unerkannt bei Etzel aufhält, von den rhei-
nischen beiden auf seinem zuge dahin beleidigt, kommt hernach
Dietleib mit Etzels ganzer macht, räche zu nehmen. — d) Wä-
deber. in eine bärenhaut versteckt, lässt er sich von dem spiel-
' mann Isung zu dem könige Oserich fahren*, in der absieht,
den gefangenen Wittich zu befreien. — e) Herburt er soll flir
Dieterich um die Hilde werben, aber sie verlangt ihn selbst
zum manne, und er entführt sie ihrem vater.
6. In ähnlichem Verhältnis zu Etzels sage stehen zwei
andere beiden, a) Rüdiger, aus seiner heimat in Arabien ver-
trieben, wovon die verlorne dichtung ausführlich reden mochte,
wird er von Etzel aufgenommen und mit Bechelaren belehnt
jetzt erscheint er in dessen sage. — b) Walther und HUdegund.
an Etzels hof geisel, entflieht er mit der geliebten Hildegund
nach seiner heimat und bekämpft auf dem Wasgenstein den
könig Günther und dessen beiden, auch seinen freund Hagen,
die sich ihm entgegenstellen.
841 7. Samson. nachdem er eines grafen tochter entföhrt und
ihren vater, der ihn verfolgte, getödtet hat, zündet er in einer
nacht das waldschlosz an, worin könig Brunstein liegt und föUt
ihn im kämpfe, er gelangt dann zur herzogs- endlich zur
königswürde, erobert in seinem alter Bern und wird Stifter des
dort gewaltigen herscherstammes.
8. Wieland, riese Wade, söhn einer meerfrau, gibt seinen
söhn Wieland erst bei Mime, dann bei zwergen in die lehre,
die ihn zum kunstreichsten schmied machen. Wieland kommt
zu dem könig Nidung, und besiegt im wettkampfe den schmied
Amilias mit dem Schwerte Mimung. Nidung lässt ihn lähmen,
aber Wieland rächt sich, indem er des königs beid# söhne
tödtet und seine tochter entehrt, dann entflieht er in einem
federkleid. — ein verlornes deutsches gedieht scheint manches
eigenthümliche gehabt zu haben.
9. Mime und Hertrich. die sage von diesen zwei berühm-
ten schmieden, die zwölf Schwerter verfertigten, kennen wir mir
aus einer andeutung.
* vgl. den bar Wisselau des niederländischen gedichts s. 248. ühland
in der Germania 6, 315. 320.
3 351
10. Iran und ApoUonius. als altes weib verkleidet, ent-Mi
ibhrt ApoUonius die Herburg, tochter des fränkischen königs
Salomon. dieser jagt in den wäJdem des ApoUonius und tödtet
das wild darin, ein gleiches thun beide brüder in des königs
wald. endlich wird Iran gefangen, aber von seiner frau aus*
gelöst, nach ihrem tode fängt er einen liebeshandel mit der
frau eines andern an und wird von dem ehemann erschlagen.
11. Hertnit krieg mit könig Isung, den Hertnits zauber«
kundige frau in drachengestalt sammt aUen seinen söhnen in
der Schlacht tödtet.
12. Oserich. gewalt über den ganzen norden erbt er von
seinem vater Hertnit. er verlangt Oda, tochter des hünischen
königs Melias, zur frau, aber Melias wirft die boten ins ge-
fangnis; nicht besser geht es Oserichs bruderssöhnen. jetzt
unternimmt Oserich, von seinen riesen begleitet, einen zug ins
Hünenland und erscheint unter dem namen Dieterich vor Me-
lias. aber dieser bleibt abgeneigt und entflieht, worauf Oserich
sich mit Oda vermählt, dieselbe sage im könig Ruther,
13. Otnit und Wolfdieterich. Otnit, kaiser in Lamparten,
entführt mit beistand des zwergkönigs Alberich, der eigentlich
sein vater ist, dem könige von Syrien seine tochter. dieser
sendet ihm dafür drachen ins land, die ihn auch zuletzt um-
bringen. Wolfdieterich, heimlich erzeugt, wird von seinen
brüdem unter dem verwände unehelicher geburt aus Constan-342
tinopel vertrieben, von einem wilden weibe bethÖrt und wieder
entzaubert, kämpft er erst mit Otnit, wird dann sein freund und
rächt, nachdem er von einer fahrt nach Jerusalem zurückge-
kehrt ist, seinen tod an den drachen. er heiratet Otnits wittwe,
besiegt seine brüder und befreit die gefangen gehaltenen dienst-
leute. zuletzt geht er in ein kloster und kämpft vor seinem
ende mit geistern.
14. Ich nehme das gedieht von Gudrun^ obgleich es nicht
in diesen kreisz .gehört, mit in die Untersuchung auf. zuerst
Hagens entführung durch einen greif, rückkehr und Verheiratung,
um Hilde, Hagens tochter, wirbt dann Hettel, raubt sie, ver-
söhnt sich aber mit dem vater. nun beginnt die geschichte
der Gudrun, beider tochter. Hartmut von Ormanie wirbt ver-
geblich um ihre band, sie wird dem Herwig zugesagt, jener
entführt sie mit gewalt und ihr vater Hettel fallt, als er dem
räuber nachsetzt. Gudrun, nach langem aufenthalt in Ormanieland
und harter behandlung, die sie aus treue gegen Herwig erduldet,
wird endlich durch ihn und Ortwein, ihren brüder, erlöst.
o.
Neigung zu htsto^ischei* anlehnung und geographischen he-
Stimmungen verrathen schon die ältesten denkmäler. ich ver-
352 3
342 stehe unter jener die annäherung und berührung der vorhan-
denen sage mit der wirklichen geschichte. sie ist natürlich fQr
eine zeit, welche zwischen poesie und historie nicht unterschei-
det und in die Wahrheit der Überlieferung keinen zweifei setzt.
die sage lässt dann geschichtliche beiden in ihr gebiet eintre-
ten oder sie knüpft ihre erzählung an wirkliche begebenheiten.
Übereinstimmung der namen kann eben so leicht Veranlassung
gewesen sein, als ähnlichkeit der ereignisse, überhaupt mögen
viele der hier möglichen falle eingetreten sein ; wir beschränken
uns auf das, was nachweisbar ist.
1. Die Siegfriedssage hat schon in der Edda, wie in den
deutschen dichtungen, ihren sitz an dem Rhein, darin versucht
der held sein schwert, darin wird der hört versenkt, der des-
halb selber Rheines erz heiszt. wir haben keine Ursache eine
vertauschung des namens vorauszusetzen, im gegentheil wegen
Übereinstimmung beider quellen das recht, darin eine hinwei-
sung auf die ursprüngliche heimat zu sehen. Worms und die
fränkische herschaft^ die zuerst bei Eckehard (oben s. 29) vor-
343 kommt, mag als nähere bestimmung später sich eingeftmden
haben, da die ältere Edda nichts davon weisz. die beziehung
auf das burgundische königshaus^ die daneben bestand und
dauernder sich erhielt, war, wenigstens nach den Zeugnissen
(oben s. 13) zu uriheilen, schon früher eingeführt, die auf-
nähme Griselhers in die dichtung betrachte ich als eine folge
davon; um ihm antheil an den begebenheiten zu verschaffen,
wurde der aufenthalt der rheinischen könige zu Bechelaren auf
ihrem zug ins Hünenland und die Verlobung mit Rüdigers toch-
ter, deren name nur in der Klage zum Vorschein kommt, hin-
zugeftkgt, wobei die absieht auf ein neues und rührendes Ver-
hältnis in dem groszen kämpfe selbst hervorleuchtet, auf der
andern seite scheint die allmählige entfernung Hagens aus dem
königlichen geschlechte, von welcher in der Edda keine spur
und die in der Nibelunge noth noch nicht vollbracht ist, aus
dieser aufnähme der burgundischen namenreihe hervorgegangen
zu sein, und da sie schon bei Eckehard entschieden ist (oben
s. 29), der doch die könige fränkische nennt, so möchte in der
that die burgundische anknüpfung die ältere sein, weitere folge
dieser Zurücksetzung Hagens scheint mir auch die finstere und
wilde bösartigkeit seines Charakters in dem Nibelungelied, welche
den mord Siegfrieds, die feige und schändliche that, dem königs-
sohne und schwager abzunehmen und ihm, der nach einem
eddischen liede (Sig. III, 17. 18) sogar davon abräth, aufzu-
bürden gestattete, viel bedeutender tödtet in der Edda Sigurd
noch seinen mörder, den Guttorm, bevor er selbst zusammen-
sinkt, und gewis ist dieser zug ursprünglich. Gemot, der in
der deutschen sage Guttorms stelle vertritt, ist daher im gründe
überflüssig geworden, späterhin gab wohl diese Veränderung
3 353
von Hagens Charakter veranlassung, Dieterichs dämonische ab- 348
kunft auf ihn überzutragen (vgl. oben s. 105).
2. Was Jemandes von Ermenrich erzählt, gehört der
sage, nicht der geschichte an. wir könnten das vermuten,
wenn auch der gothische geschichtschreiber nicht seine quelle
selbst angegeben hätte, sonst freilich würde ein unwidersprech-
liches beispiel von einer entwickelung des epos aus historischer
grundlage vorhanden sein. der geschichtliche Ermenrich ist
durch Ammian gesichert, und der glänz und die macht, die
seine herschaft umgaben, erklären sehr wol die neigung der
sage, sich den berühmten namen zuzueignen. Ammians andeu-
tungen stimmen sonst in nichts zu dem inhalt der dichtung, ja
bei der nachricht von Ermenrichs eigenthümlicher todesart (vgl.
oben s. 8) sind wir im stände beides^ geschichte und sage, zu
vergleichen und ihre völlige Verschiedenheit zu bemerken, die S44
anknüpfung hatte also schon bei den Gothen zu Jemandes zeit
statt gefunden, und da auch die Edda und das angelsächsische
lied vom Wanderer das Gothenreich als Ermenrichs heimat be-
trachten, so dürfen wir imbedenklich hier eine gothische sage
annehmen.
3. Dieterich ^ dessen Schicksal die dichtung so genau mit
Ermenrichs verkettet, empfieng einen historischen anhält viel
später, erst durch den ostgothischen könig Theodorich den
groazen^ der um mehr als hundert jähre nach Ermenrich in
der geschichte auftritt. die Übereinstimmung beschränkt sich
auf ein paar namen, Dieterich, Dietmar und Amelung, die wir
auf beiden Seiten finden, und es ist noch die frage, ob nicht
vor berührung mit der geschichte schon diese ähnlichkeit zu-
fällig vorhanden war. indessen scheint doch der name von
Dieterichs Widersacher Otacher eine beziehung auf den von
Theodorich besiegten Heruler könig Odoaker zu enthalten, zu-
mal nur einige denkmäler von ihm wissen (vgl. oben s. 24. 32.
37) und in andern der sagenhafte und, wie ich vermute, ältere
Sibich unvertauscht sich zeigt. in den ereignissen selbst ist
so wenig übereinstimmendes, dasz man sie gerade entgegenge-
setzt nennen könnte, denn während die geschichte den ost-
gothischen Theodorich als einen in allen Unternehmungen glück-
lichen, in unbestrittener und glänzender Übermacht herschenden
könig darstellt, sehen wir den Dieterich der sage von der ge-
walt seines oheims unterdrückt, in beständigem kämpfe gegen
sein hartes geschick den grösten theil seines lebens bei einem
fremden könige zubringen; erst nach seines gegners tod wagt
er in sein reich zurückzukehren, unter diesen umständen würde
man vielleicht den Zusammenhang der sage mit der geschichte
fiir ungewis halten, er wird jedoch unzweifelhaft durch die Ver-
pflanzung jener nach Italien, namentlich nach Verona , dem
sitze Theodorichs des groszen. eine Verpflanzung war es, denn
WUH. GbIMM, DBÜT80HB HBLDBMSAOa* 23
364 3
344 zu Ermenrichs zeiten, am ende des vierten Jahrhunderts,
konnten die Gothen noch nicht an die eroberung von Italien
denken, ja ihre bewegungen begannen erst bei dem andränge
der Hunnen, wodurch des hochbejahrten Ermenrichs Untergang
herbeigeführt wurde, über die zeit, wo diese Veränderung von
grund und boden in der sage eintrat, lässt sich nichts sagen,
als dasz sie in dem Hildebrandsliede schon sichtbar, dagegen
in einem wahrscheinlich etwas altern angelsächsischen zeugnis
(oben s. 21) sehr ungewis ist. auf den inhalt muste sie einflusz
haben, namentlich auf die erzählung von dem zug, welchen der
fliehende Dieterich zu Etzel unternahm ; möglich, dasz sich hier
346 erst das Verhältnis Dieterichs zu Rüdiger, dessen Ursprung
dunkel ist, ausbildete.
4. Die Edda kennt noch keine beziehung Etzels auf Attüa^
den Hunnenkönig^ während sie in dem Hildebrandsliede und
bei Eckehard schon entschieden durchgesetzt ist. späterhin, in
der Nibelunge noth, finden wir den Bleda^ Attilas bruder, als
Blödelin, und die Kerka^ wie es scheint, als Helche [Haupts
zs. 10, 168 — 171]. Eckehard dagegen legt Etzels frau noch
einen ungeschichtlichen, völlig abweichenden namen bei. eine
wichtige geographische Veränderung war die weitere, sehr na-
türliche folge. Hunaland, Siegfrieds heimat (oben s. 6), ward
als das historische Hunnenreich nach osten verlegt und dem
Etzel zugetheilt; und da die Atlaquida, welche auch den
rheinischen stamm Burgunden nennt, darin beharrt, so ist wol
zu vermuten, dasz beide beziehungen gleichzeitig eintraten,
jetzt wird auch ' begreif lieh , wie die geschichtliche nächricht
von der Vernichtung "des ganzen burgundischen volkes durch
Attila (oben s. 70) den zwist und kämpf zwischen zwei edlen
geschlechtern zu einem weltereignis , zu einer groszen, den
Untergang aller beiden nach sich ziehenden schlacht steigern
konnte, die einzelne züge selbst aus dem furchtbaren blutbad
in den catalaunischen feldern scheint aufgenommen zu haben,
was sonst in der darstellung des Nibelungeliedes mit den ge-
schichtlichen nachrichten von Etzels reich und gewalt überein-
stimmt^ ist oben (s. 68. 69) angemerkt, dagegen auch, dasz
Etzels feigherziges wesen wol der sage gemäsz, aber in völli-
gem Widerspruch mit der geschichte, sich erhalten hat. offen-
bar hat sich das historische hier gradweise ausgedehnt und
breiter gemacht.
5. Irnfried, landgraf von Thüringen, der seines landes be-
raubt bei Etzel verweilt, deutet auf den könig Irmenfried von
Thüringen y den der austrasische könig Dieterich besiegt und
zur flucht aus seinem reiche genötigt hatte (oben s. 117).
6. Ich übergehe ganz den austrasischen könig Siegebert
und dessen gemahlin, die berüchtigte Brünehild aus der zwei-
ten hälfte des sechsten Jahrhunderts, weil ich keine hinweisung
4 855
der sage darauf entdecken kann; selbst die namen stimmen 845
nicht einmal völlig überein.
7. Etwas ganz anderes, als jenes streben der dichtung in
der geschichte sich wieder zu finden, ist die ohne innere ver-
anlassung unternommene, ungeschickte einmischung einer histo-
rischen person, wie des bischofs Pügrim von Paasau. eigenmächtig 346
und gewaltsam durchgesetzt, darf sie nicht als ein wahrhafter theil
der sage betrachtet werden, (auch markgraf Gero gehört wol
hieher. vgl. auszer Leutsch über ihn Eöpkes jahrb. des deut-
schen reichs s. 112 — 124).
8. Auch die historischen anknüpfungen im Ruther sind
äuszerlich und haben auf die sage selbst weiter keinen einflusz
gehabt, natürlicher scheint die beziehung BerchtUngs auf den
grafen Berthold HL , den herzog von Meran (vgl. oben s. 53).
4.
Aus der berührung ursprünglich unabhängiger sagen, die
zufallig sein, aber auch aus einem natürlichen trieb des epos
nach Zusammenhang hervorgehen kann, pflegt eine anknüpfung
zu erfolgen ; die manchmal blosz äuszerlich ist, manchmal in
eine Verschmelzung übergeht, wobei die verschiedenartigen theile
so in einander wachsen, dasz bis zu den ersten grundzügen
hin die Veränderung eindringt, kommt dann nicht eine ver-
gleichung reinerer darsteUungen zu hülfe, so ist es schwer, oft
unmöglich, die verschiedenen demente zu scheiden, desto lehr-
reicher die falle, wo sie gestattet ist.
1. Die Vilkina saga gewährt mehrere beispiele von blosz
oberflächlicher anknüpfung in den gedichten von Samson, Her-
burt, Iran, Walther von Wasgenstein. hier lässt sich das selb-
ständige mit geringer mühe ablösen.
2. Blosz äuszerlich angeschoben und leicht zu trennen
ist die an sich schöne, eddische sage von den beiden Helgen;
in den deutschen gedichten sucht man vergeblich eine spur
davon, ein gleiches gilt von Aslaug in der Völsunga sage, die
eine bei Heimer erzogene tochter Sigurds und Brünhildens sein
soll, schon in der sagenbibliothek (2, 94. 95) ist das unpassende
und widersprechende dieser annähme dargethan.
3. Wichtiger ist die in der Edda eingeftlhrte Verbindung
der Siegfrieds- mit der gothischen Ermenrichssage, wenigstens
ist sie allem anscheine nach nicht ursprünglich, vorausgesetzt
wird sie indessen in der Sig. 2, 5, wenn diese unter den aeht
forsten, die durch Andvares über das gold ausgesprochenen
fluch ins verderben gerathen sollen, auch Erp, Sörle und Ham-
dir wirklich begreift. Schwanhild, deren grausamen mord ihre
23»
356 4
346 brüder an Ermenrich rächen, erBcheint als eine tochter Sigurds,
die erst nach seinem tode zur weit gekommen ist, und, damit
sie brüder haben könne, musz Gudrun, vergeblich den tod in
den wellen suchend, noch eine dritte ehe eingehen, in welcher
die rächer der Schwanhild, ihre Stiefbrüder geboren werden,
die etwaige, an sich schon unwahrscheinliche Vermutung, dasz
347 die deutsche sage , die von diesem Zusammenhang nicht das
geringste weisz, ihn nur vergessen habe, ist leicht durch das
chronicon Quedlinb. zu widerlegen, welches Ermenrichs tod
durch die brüder ohne irgend eine beziehung auf Siegfried er-
zählt, ob Saxo das, was er vorbringt, aus der Völsunga saga
abgetrennt hat und die mutter Gudrun absichtlich nur als eine
Zauberin gelten lässt, oder es ohne diese Verbindung, die zu
seiner zeit in jedem falle daneben bestand, kennen gelernt, mag
zweifelhaft bleiben.
4. Die Verknüpfung der rheinischen und gothischen sage
ist in Deutschland auf einem andern wege und viel gründ-
licher zu stand gebracht. Dieterich von Bern ist als zeitge-
nosz und Regner der rheinischen beiden hingestellt worden,
welchen er in der hier 'ursprünglichem Edda fremd bleibt.
aber steht nicht Dieterich von anfang her in natürlichem Zu-
sammenhang mit der Siegfriedssage durch seinen aafenthait bei
Etzel? ich glaube nicht, denn ich halte den Atli def rheini-
schen sage, dessen reich nach der Edda (oben s. 7) in Süden
lag und der sich mit Sigurds wittwe verheiratete, fiir einen
ganz andern, als den Etzel der gothischen sage, zu dem Diete-
rich flüchtete und der im tiefen osten eigentlich seine heünat
haben mochte, dasz in beiden sagen der name Etzel vorge-
kommen sei, setze ich allerdings voraus, und gar wol mag
dieser umstand veranlassung zur Verschmelzung gegeben haben.
zwar erscheinen auch Etzels söhne auf beiden selten und ihre
namen zeigen nur geringe Verschiedenheit (oben s. 140), allein
was von ihnen erzählt wird, steht in geradem widersprach:
Gudrun tödtet sie nach ihrer brüder ermordung selbst und es
sind ihre eigenen kinder, dagegen in der Dieterichssage, wo sie
der Helche zugehören, unterliegen sie Wittichs seh wert; Ortliep,
Kriemhildens söhn, der in der Nibelunge nöth das leben ver-
liert, entspricht eigentlich dem Eitil und Erp der Edda, die
Vereinigung beider sagen hat dem zweiten theile des Nibelunge-
liedes erst den groszen umfang gegeben; daher rührt der zug
der Burgunden über die Donau, der aufenthalt bei Rüdiger, das
^anze Verhältnis Dieterichs zu den rheinischen beiden^ selbst
die in seine bände gelegte entscheidung. jede sonstige beruh-
rung Dieterichs mit Siegfried ist eine folge davon; dunkel
bleibt ahnehin jene in der Jugend, deren Biterolf gedenkt (oben
s. 74) und das unpassende von Siegfrieds erscheinung in der
Flucht vind Kabenschlacht fällt in die äugen.
4 357
5. Der Rosengarten ^ ursprünglich blosz eine Dieterichs- 347
sage, steht seiner früheren gestalt in der Vilk. saga (c. 170 — 202)
näer. Thidrek will die tapferkeit seiner helden prüfen und die 348
entscheidung ist bei weitem besser und poetischer, als im Rosen-
garten, ich meine nicht so einseitig und parteiisch, dort kämpfen
sogar Gunnar und Högni fiir Thidrek, aber Siegfried ist ihm
schon gegenübergestellt und bestimmt, sich mit ihm zu messen,
sind sie einmal Zeitgenossen und stehen sie in berührung, so
ist der gedanke sehr natürlich, sie ihre kräfle gegen einander
versuchen zu lassen, indessen zeigen in dem Zweikampf beide
nicht den wahren charakter: Thidrek erlaubt sich einen betrug,
um die oberhand zu erlangen, Siegfried unterwirft sich und
wird Thidreks mann, in dem deutschen gedieht ist der Schau-
platz nach dem sitze der Siegfriedssage, nach Worms, verlegt,
wo eine Rheininsel, auf welche das Nibelungelied keine rück-
sicht nimmf, als ein rosengarten, wie ihn andere Städte auch
besaszen, (eines poetischen gedenkt schon der Meisener a. Mgb.
48^) den reiz erhöhte.* die beschreibung von ihm, als einem
irdischen paradies, mag aus einer volkssage von einem wunder-
baren elfengarten herrühren. nun sind es nicht nur die
rheinischen helden, welche den Amelungen sich entgegen
stellen, sondern Kriemhild selbst hat übermütig diese zuerst
aufgefordert und Dieterich nur zögernd nachgegeben, während
gerade umgekehrt in d,er Vilkina saga er es ist, der sich hoch-
mütig äuszert und von Hildebrand deshalb getadelt wird, keine
gerechte vertheilung der kräfte ist sichtbar, der sieg, höchstens
einmal unbestimmt gelassen, wird keinem einzigen auf Gibichs
Seite zu theil, selbst Siegfrieds leben musz schimpflich erfleht
werden, dies widerstrebt ebenso sehr seiner natur^ als Kriem-
hildens die wilde mordlust, zu welcher sie in ' der Nibelunge
noth erst durch rachegeftibl aufgeregt wird und die ihr, als
schüchterner und zarter Jungfrau, völlig fremd ist. die Nibe-
lunge noth weisz auch nichts von unsrem gedieht, das sie nicht
mit völligem stillschweigen hätte übergehen können, der Rosen-
garten c und D hat die Vermischung noch weiter getrieben und
Ctzel und Rüdiger hinein verflochten, deren hülfe doch ganz
überflüssig ist. einer der früheren kämpfer muste platz
machen, damit Rüdiger wenigstens mitstreiten konnte, und dann
ist noch eine besondere botschaft an Kriemhild hinzu gedichtet,
damit er gelegenheit habe, seine freigebigkeit an den tag zu
legen.
6. Eine Vermischung eigener art hat uns der anhang des
heldenbuchs bewahrt, hier ist der Rosengarten zur grundlage
des Nibelungeliedes gemacht. darnach hatte Dieterich den
* Uhland Mer rosengarten in Worms' in der Germania 6^ 307 AT.
858 5
9i8 Siegfiried im Zweikampf wirklich getödtet, und er und die Wöl-
349 finge sind jetzt der gegenständ von Kriemhildens räche, aber
weil die frühere sage von dem untergange der Hünen spricht,
so ist Bern nicht mehr Dieterichs sitz, sondern Hünenland,
und Ungarn wieder davon geschieden, wo Etzel herscht. an
Hagen statt an Blödel geht Kriemhildens aufforderung, den
streit anzufangen, aber wieder aus der älteru sage beibehalten
ist der umstand, dasz Hagen den söhn der Kriemhild, welcher
ihn zu beleidigen abgeschickt ist, tödtet und daran sich der
kämpf entzündet, warum Kriemhild ihren eigenen brüdern das
haupt abschlägt, begreift man nicht, da sie hier nichts feind-
liches gegen sie begangen haben, aber es ist darin gleichfalls
eine nachwirkung der altem sage zu erkennen, wie die Un-
fähigkeit, der veränderten grundlage gemäsz das ganze umzu-
gestalten, jene aus dieser darstellung wieder herauszufinden,
würde dem grösten Scharfsinne nicht gelingen.
5.
Was wir jetzt betrachten, sind gleichfalls erweiterungen der
sage, aber anderer art. es ist nämlich von dem fall die rede,
wo der Inhalt ohne eigentliche einmischung fremder sagen,
ebenso die zahl der handelnden personen, sich vergröszert hat.
im ganzen mag man spätere Zusätze darin sehen, im einzelnen
ist oft schwer, darüber zu entscheiden, da wir nicht vergessen
dürfen, dasz das älteste denkmal uns keine ganz vollständige
sage überliefert und umgekehrt ein spätes, möglicherweise das
späteste, etwas kann erhalten haben, was in dem früheren ver-
nachlässigt war. die namen von Hildebrands vater und söhn
sind davon ein überraschendes beispiel (oben s. 107): lange und
in den besten dichtungen verschwunden, erscheinen sie nur in
der frühsten und spätesten zeit, ich übergehe, was sich von
selbst als willkürliche überfiillung kund gibt und als solche
oben angedeutet ist, z. b. die erweiterte genealogie Dietleibs
und Biterolfs (s. 126), die unnatürliche Dieterichs von Bern,
welche gegenständ eines besonderen gedichtes ward (s. 185),
die grosze anzahl neuer namen in der Flucht und Raben-
schlacht, hier kommt es auf nachweisungen vorzüglich aus
altern denkmälern an, wo sich ein natürlicher, wenn wir auf
das ganze sehen, selten glücklicher, im einzelnen oft sehr poeti-
scher trieb zur fortbildung wirksam zeigt.
1. Nach der erzählung der Edda reitet Sigurd von Brün-
hilden, die er aus dem zauberschlaf geweckt und sich durch
eide verbunden hat, weg an Giukes hof ; das wird mehrmahls
in verschiedenen liedern angedeutet, die Völsunga saga (c. 32)
350 rückt ein besonderes ereignis dazwischen. Sigurd begibt sich
5 369
erst zu Heimer in Hlymdale, dem eine Schwester der Brünhild, sfiO
Bekhüdy zur frau gegeben ist ; gleicherweise als eine ganz neue
person erscheint ihr söhn Alsvid^ mit dem der gast freundschaft
stiftet. nach langem aufenthalt findet Sigurd bei Verfolgung
eines entflohenen habichts Brüuhilden abermals und zwar in
einem thurme mit kunstreicher Stickerei beschäftigt; zwischen
beiden erfolgt ein zierliches liebesgespräch. es wird dargestellt,
als sei dies die erste begegnung gewesen, da die Widersprüche
mit den andern liedern, die Verschiedenheit in dem ton der er-
zählung und die ganz abweichende färbe, die sie trägt, schon
in der sagenbibliothek (2, 67) sehr wol auseinander gesetzt
sind, so verweise ich dahin, dasz wir ein eingeschobenes stück
vor uns haben, darüber kann kein zweifei sein. den beiden
Edden ist es fremd, und Bekhild und Alsvid werden sonst nir-
gends erwähnt. zwar Sigurds aufenthalt bei Heimer wird in
Grripers Weissagung (Sig. 1, 19. 27) gedacht, aber dies ganze
lied, welches in form einer prophezeiung nur eine Übersicht der
sage, sonst durchaus nichts unbekanntes enthält, als eben die
person Gripera^ der als ein bruder von Sigurds mutter einge-r
führt wird, ohne dasz die übrigen Eddalieder etwas davon
wissen, ist entweder nicht alt, oder jene dunkle äuszerung hat
eben die erweiterung der Völsunga saga veranlasst.
2. Das erste lied von Gudrun beschreibt die unglückliche,
die, auf keinen trost der sie umgebenden frauen hörend, unbe-
weglich da sitzt, bis bei dem anblick der leiche ihr schmerz
sich in thränen löst, das ganze lied, für die geschichte über-
flüssig, verweilt blosz bei einem rührenden augenblick; auch
weisz weder die Völsunga saga, noch die Snorraedda etwas
davon; es widerspricht sogar (wie die übereinstimmende Gudr.
2, 10) der Sig. 3, 28, wornach Brünhild das weitschallende
ge schrei der Gudrun in ihrem bette hört, dagegen berichtet es
neue, auch in keinem andern liede erwähnte Verhältnisse, ich
sehe darin blosz hier angenommene, der sage ursprünglich
nicht zugehörige erweiterungen. neben Gudrun sitzt Giaflaug^
eine Schwester Giukes, die eine zahlreiche Verwandtschaft, doch
nicht namentlich, anführt: fünf männer, zwei töchter, acht bru-
der und drei Schwestern, so dasz Giukes familie sehr ausge-
breitet müste gewesen sein, sodann finden wir GuUrönd, eine
tochter Giukes, also eine Schwester der Gudrun. hiesze sie
Gudny, so würde sie durch die Snorraedda (s. 139) bestätigt,
wo, unter den bekannten kindern Giukes, diese zweite tochter
vorkommt; Gudny ist freilich auch anderwärts unbekannt, söi
scheint aber doch aus echter quelle zu stammen, sowie die
nachricht, dasz Guttorm ein Stiefsohn Giukes gewesen, womit
das lied der Hyndla (st. 27) übereinstimmt. endlich ist in
unserm liede noch eine huniache königin Herborg gegenwärtig;
sie erwähnt den verlust einer zahlreichen Verwandtschaft: nicht
860 5
S51 blosz vater, mutter und den mann hat sie verloren, auch vier
brüder und sieben söhne.
3. Die berührungen des dritten Gudrunenliedes mit der
deutschen dichtung sind schon (oben s. 33. 34) erörtert, hier-
her gehört die bemerkung, dasz der inhalt, mag er nun, wie es
scheint, aus dem deutschen entlehnt^ oder im norden zugefugt
sein (nach den rechtsalterth. 922 wird der kesselfang auch in
Gragas erwähnt, ist also dem norden nicht völlig fremd), als
an sich ungehörig, far kein ursprüngliches stück der sage gel-
ten kann, wie denn auch die Völsunga saga und Snorraedda
es nicht kennen. Gudrun, durch Herkia verdächtigt, mit Thio-
drek in unerlaubter Verbindung zu stehen, reinigt sich durch
ein gottesurtheil, indem sie aus siedendem wasser mit unver-
sehrter band steine holt, die verläumderin , welche die gegen-
probe nicht aushält, wird in einem sumpf ersäuft, alles ist hier
ungeschickt: die begebenheit trägt sich nach dem untergange
Gunnars und Högnes zu, allein nach der erzählung der andern
eddischen lieder wurde Atle selbst damals von Gudrun umge-
bracht, nach der deutschen sage verliesz Dieterich Etzels hof;
am widersprechendsten ist die einmischung der Herche, die,
zum kebsweib erniedrigt, zugleich mit Gudrun lebt.
4. Ein anderes eddischas lied, der Oddrun klage, fuhrt
eine Schwester Atles in die sage ein. Oddrun wird in frühester
Jugend von ihrem sterbenden vater dem Gunnar bestimmt;
warum er ihrer Schwester Brünhild zu theil wird, ist hier nicht
gesagt, aber dem Gunnar selbst scheint eine Verbindung mit
der Oddrun wünschenswerther, da er, im Widerspruch mit den
übrigen liedern, der Brünhild zumutet, den heim wieder zu
nehmen, das heiszt, als valkyrie in ihr voriges leben zurück-
zutreten, auch bietet Gunnar dem Atle grosze gaben für
Oddrun, der sie ausschlägt. doch beide können nicht von
einander lassen; Atles kundschafter überraschen sie im walde
in vertraulicher Umarmung. umsonst suchen sie die diener
durch geschenke zum stillschweigen zu bewegen, sie berichten
dem Atle alles, nur, heiszt es, der Gudrun nicht; sie ist also
schon mit ihm vermählt, jetzt wird gesagt, ohne des todes der
Brünhild, der doch gleich nach Sigurds mord, also vor der
352 Gudrun Verbindung mit Atle erfolgte, oder ihres Schicksals im
geringsten zu erwähnen , dasz Gunnar und* Högne an den hof
Atles geritten seien - und dieser (in solchem zusammenhange
musz man voraussetzen: wegen des unerlaubten Umgangs mit
Oddrun) an beiden die auch aus andern liedern bekannte grau-
samkeit verübt habe, dem Högne wird das herz ausgeschnitten,
Gunnar in den schlangenthurm geworfen. Oddrun, gerade ab-
wesend bei Geirmund^ hört in der ferne Gunnars harfenspiel,
womit er die schlangen besänftigen will, und eilt zu hilfe; sie
kommt aber zu spät: eine schlänge hatte sich nicht beschwich-
5 361
tigen lassen und diese war AÜes mutter. Oddrun erzählt das 352
alles der Borgny^ tochter des königs Heidrek^ der sie bei der
geburt eines sohnes, frucht einer heimlichen liebe mit dem
mörder Högnes (näher wird er nicht bezeichnet)* beistand
leistet.
AUes scheint einen auswuchs anzudeuten, jedoch einen
solchen, den dieses lied nicht allein verschuldet, sondern der mit
einer andern darstellung der ganzen sage zusammenhängt.^^ hier
findet man personen, die sonst nicht genannt werden, und be-
gebenheiten, auf die in der übrigen Edda keine beziehung vor-
kommt, obgleich die grönländischen lieder die gröste veranlas-
sung dazu hatten, und worin man etwas unpassendes und fremd-
artiges sogleich fühlt. Gunnars betragen widerspricht ganz der
haltung, in der ihn die Edda sonst erscheinen lässt; er ist
durch das Verhältnis zu der Oddrun herabgewürdigt. Atlea
mutter^ die, in eine schlänge verwandelt, dem Gunnar das herz
abnagt,* verdankt ihr dasein einem misverständnis : eine schlänge
gröszer als die übrigen ist gemeint, soll unter Högne, den der
Borgny heimlicher liebhaber getödtet hatte, jener söhn Giukes
verstanden werden, nicht irgend ein unbekannter gleiches
namens, so wäre dies abermals eine ganz neue angäbe, denn
wir wissen nicht, wer ihm das herz ausschnitt. die namen
Borgny^ RMreky Geii^mund werden sonst in der sage nicht ge-
hört, in Atlamal sogar wird eine ganz andere frau Gunnars
genannt, die er nach der Brünhild tod musz geheiratet haben,
und wäre das abermals ein zusatz, so zeigt er doch unbekannt- 353
schaflb mit dem hier erwähnten, denn er wird am natürlichsten
als im Widerspruch stehend betrachtet, da die Vereinigung beider
angaben zwar möglich, aber völlig unwahrscheinlich ist. dasz
die Yölsunga saga und Snorraedda das lied von Oddrun ganz
übergehen, beweist ein richtiges gefiihl oder unbekanntschaft
damit.
Ich sagte vorhin, die hier bezeichneten personen seien
sonst in der sage unerhört, davon musz in beziehung auf
Oddrun eine ausnähme gemacht werden, eine der Brünhild in
den mund gelegte Strophe (Sig. 3, 55) nennt nicht blosz die
* ^er heiszt ja in der prosa, sowie im gedieht selbst (str. 6) aosdrücklich
Vilmundr/ Jac. Grimm. .
^^ ich bemerke zu s. 84, dasz sich in Oddrünar gr4tr eine andeutung auf
Sigurds eintritt in Brünhildens bürg findet, welche mit der erzählung der Vilkina
saga verwandt scheint. Sigurd kommt, als erde und hlmmel schlafen, also iu
der nacht, zu der bürg, und da heiszt es (str. 16):
}>ä var vig vegit völsko sver^i
ok borg brotin, sü er Brynhildr ätti.
auch in den faröischen liedem (s. 161) etwas ähnliches.
362 5
ssaOddrun, sondern verkündigt auch in deutlicher Beziehung auf
unser lied Gunnars Verhältnis zu ihr. aber ich glaube, diese
Strophe ist in so weit unecht, als sie eben erst durch Oddrunar
grätr veranlasst worden; nicht blosz findet sich eine stelle wört-
lich tibereinstimmend (hon mun per unna sem ek skyldak, vgl.
Odd. 18), sondern sie scheint mir auch einen Widerspruch zu
enthalten, denn sie kündigt der Oddrun. liebe als zukünftig an,
die in dem liede selbst als vor der Verbindung Gunnars mit
Brünhild schon begründet dargestellt wird.
5. Von den eigenthümlichkeiten der grönländischen lieder
war (oben s. 10 — 12) die rede, als wir ihre annäherung zur
deutschen sage betrachteten; hier ist der ort, der erweiterun-
gen zu gedenken, die ausschlieszlich in ihnen und vorzugs-
weise wieder in Atlamal vorkommen, denn die Atlaquida geht
in dieser hinsieht nicht weiter, wenn auch in andern, a) Gun-
nars frau heiszt Glaumvör^ Högnes Kostbera oder Bera. diese
liest runen, von Gudrun als warnung gesendet, beide suchen
durch erzählung bedeutungsvoller träume die reise zu Atle ab-
zuwenden. , b) zwei söhne Högnes von Bera, Sncevar und Soiar^
ziehen mit zu Atle und sie begleitet Orkning^ bruder der Bera.
statt des letztern nennt dräp Niflünga einen Giuke^ aber als
einen söhn entweder von Gunnar oder Högne, der also nach
seinem groszvater ist benannt worden. sie zeichnen sich im
kämpfe aus (50), scheinen aber nach tapferm widerstand ge-
blieben zu sein. Hniflung, der an Atle räche nimmt (vgl. oben
s. 11), ist also ein anderer söhn Högnes und nicht etwa wird
einer von jenen unter dem geschlechtsnamen verstanden, ganz
anders erzählt die deutsche sa^je von Höjjnes söhn und Atles
tod (vgl. oben s. 123). — c) auch Atles geschlecht ist er-
weitert, bei seines vaters tod waren es fünf bruder. er hatte
mit den übrigen, als sie noch jung waren, gekämpft (95), und
364 die hälfte kam damals um. die zwei andern erschlägt hier
Gudrun, die ein schwert ergriffen hat (47. 48. 51). ihre namen
erfahren wir nicht und dunkel erscheint jener bruderkrieg, wol
nach des vaters tod durch die erbschaft veranlasst. ungewis
ist, ob das dritte Gudrunenlied (5) von brüdern Atlis redet, die
Vilkina saga gibt auch keine aufklärung: Attila überlässt dem
einzigen bruder, den er hat, friedlich das ganze väterliche
reich (c. 63) und erobert sich ein eigenes. — d) Atle hat Grim-
hild^ mutter der Gudrun, getödtet bezieht sich der ausdruck
systrünga (53) gleichfalls auf die Grimhild, so hat er sie bei
dem Niflungehort eingesperrt und hungers sterben lassen, wie
auch die Hven. chronik und die dänischen lieder berichten
(oben s. 306). wo dies geschehen sei und ob Grimhild nach
der Vermählung ihrer tochter mit Atle bei diesem sich aufge-
halten und den schätz mitgebracht habe, wissen wir nicht, aller-
dings reden sonst die eddischen lieder nach jener Vermählung
5 368
nicht weiter von Grimhild und ihrem geschickt insoweit könnte 354
jener ausgang der sache angemessen sein, aber darnach wäre
ja Alle durch ihren mord in den besitz des hortes gekommen,
und dann könnte dieser nicht in .den Rhein versenkt sein und
Gunnar nach Högnes tod sich nicht rühmen^ allein darum zu
wissen ; also ein Widerspruch bliebe immer zurück. — e) Gudrun
gedenkt einer meerfahrt^ die sie mit Sigurd und ihren zwei
brüdern Gunnar und Högne (denn Guttorm ist hier unbekannt)
unternommen, jeder hatte ein eigenes schiff, sie fuhren gen
Osten, tödteten einen könig und eroberten dessen reich. die
grafen unterwarfen sich und ein landesflüchtiger ward aus dem
walde wieder in die glückliche heimat geführt, wie es scheint,
war bei dem zuge die absieht, einen vertriebenen rechtmäszigen
herm wieder in sein reich einzusetzen. vielleicht haben wir
hier keine erweiterung, sondern ein stück der ursprünglichen
sage vor uns, denn die Völsunga saga gedenkt (c. 35) im all-
gemeinen der heldenthaten, die Sigurd nach seiner Verbindung
mit den Giukungen und vor der fahrt zur Brünhild vollbracht
(vgl. oben s. 183), und darauf mag sich auch beziehen, was
ebendaselbst (c. 37) Brünhild von fünf königen erzählt, die
Sigurd nach Pafnes und ßeigins tod erschlagen habe.
6. Unter den in das Nibelungelied eingeschobenen per-
sonen zeichne ich blosz (denn von Giselher ist schon bei einer
andern gelegenheit die rede gewesen) Volker den spielmann aus,
der wegen des bedeutenden antheils, den er an den begeben-
heiten nimmt, der wichtigste ist. Lachmann hat Volkers Ver-
hältnis schon (s. 11 — 22) überzeugend dargethan. seitdem hat 355
sich eine neue bestätigung im Biterolf gefunden: die sage, wie
sie dort vorausgesetzt wird, kennt ihn durchaus nicht (oben
s. 130). jetzt bin ich auch im stände, nachweisungen über
seinen wahrscheinlichen Ursprung zu geben, die herren der
bürg Alzei, welche durch ihre läge nahe bei Worms schon an-
spruch darauf hatte, an der sage theil zu nehmen, führten eine
fidel im wappen und hieszen im volk die fideler (oben s. 323).
daraus wird deutlich, warum die fidel, daz wafen, auch Volkers
Schwert ist und beide in mannigfachen ausdrücken (ez ist ein
roter anstrich, den er zem videlbogen hat 1941, 3; sin videl-
boge snidet durch den herten stäl 1943, 3) mit einander ver-
tauscht werden, oder mit andern Worten, warum er zugleich
held uud spielmann ist, und die geige, sein wappen, mit in den
kämpf trägt, ich meine auch, dasz der ganze etwas phan-
tastische Charakter gegen die sonstige geschichtliche haltung
des Nibelungeliedes absticht, sowie seine durch frühere ereig-
nisse nicht erklärte freundschaft zu Hagen auffallt.
7. Die er Weiterungen von Hildebrands geschlecht durch
Ilsan und Alphart (andere ohne wesentlichen einflusz auf den
inhalt der sage übergehe ich) scheinen mir etwa gegen die
364 — 6
365 mitte des dreizehnten Jahrhunderts erfolgt zu sein, die Vilkina
saga weisz von beiden nichts. Ilsans thätigkeit im Rosengarten
ist, auszer seiner theilnahme am kämpfe selbst, auf die derben
scherze mit den brüdern im kloster beschränkt; was im
Alphart (309) von ihm gesagt wird, scheint damit in keinem
zusammenhange zu stehen, einmal übrigens in die sage einge-
führt, konnte er sich leicht weiter darin verbreitet haben.
Alphart erscheint im Biterolf noch gar nicht, in der Flucht und
Rabenschlacht noch auszer jenem verwandtschaftlichen band,
und das mag der reinern sage gemäsz sein. ich will kein
grosses gewicht darauf legen, dasz das besondere gedieht von
Alpharts tod mit den angaben jener beiden völlig unvereinbar
ist (vgl. oben s. 237), allein spätere entstehung desselben anzu-
nehmen bestimmt mich die der echten sage widerstrebende art
und weise, womit Hildebrand und Wittich dargestellt sind,
jener wird nicht blosz von dem jungen Alphart besiegt, sondern
musz schimpflich um sein leben flehen, Wittich aber äuszert
sich und handelt mit einer niederträchtigkeit, die seiner natur
fremd ist. mir scheint das ganze eine nachahmung von dem
kämpf der söhne Etzels mit Wittich und ihrem rührenden tode.
8. Ich weisz nicht, ob ich die Klage und Biterolf erwei-
terungen der sage nennen und überhaupt von diesen gedichten
356 hier reden soll. ihr dasein betrachte . ich mehr wie einen Zu-
fall und ihren inhalt wie ein äuszerliche und willkürliche zu-
that, welche auf die sage selbst keinen einflusz gehabt hat. un-
geachtet aller anstrengung ist keine lebendige regung, kein fort-
schritt darin, nicht besser sind die beschreibungen der kämpfe
in der Rabenschlacht, die, dürr und unfruchtbar, zwischen die
grünen, von wahrer poesie getränkten stellen geschoben sind.
6.
Blosze einkleidung einzelner und unabhängiger sagen in
das gewand des fabelkreiszes, dem sie ursprünglich fremd sind,
seh ich in Laurin^ Siegenot , Etzels hofhaltung und Dieterichs
drachenkämpfen, hier liegen allerdings volkssagen zu grund,
deren inhalt nicht nothwendig braucht verändert zu sein, und
die nur durch Umtausch der namen und äuszeren. Verhältnisse
gleichsam in eine andere familie übergetreten sind, eine solche
entstehung verrathen auch die sonst nirgends bekannten per-
soneu , die hier zum Vorschein kommen, diese Umwandlung
scheint erst im vierzehnten Jahrhundert erfolgt zu sein, darauf
deutet der geist dieser gedichte, auch hat sich ein firüheres
Zeugnis bis jetzt nicht auffinden lassen, der Wartburger krieg,
der zuerst Laurins gedenkt, sagt noch nicht das geringste von
der beziehung auf Dietleib und Dieterich von Bern, obgleich
7 — r 365
die stelle ziemlich ausführlich spricht, ich halte den Laurin S66
für eine tirolische zwergsage. herliche, mit Wunderdingen
angefüllte gärten in dem Innern der berge und felsen schreibt
der Volksglaube den elfen, von welchen die zwerge eine gat-
tung sind, aller orten zu, und ganz wie in dem gedieht erzählt
wird, ist ihr wesen und ihre Sinnesart: sie rauben junge mäd-
chen, sind beides, gutmütig und boshaft, und pflegen beleidi-
gungen und Verletzung ihres gebietes hart zu bestrafen, in
dem bruder der entführten Simild den Dietleib von Steier zu
sehen, lag veranlassung in der nachbarschaft seiner heimat, und
dasz er beistand bei Dieterich von Bern suchte, war dann sehr
natürlich. die drei andern gedichte sind gewöhnliche riesen-
sagen von dürftigerm inhalte; das zuletzt genannte scheint
gleichfalls in Tirol einheimisch gewesen zu sein.
7.
Die erscheinung, welche wir so eben bei einführung frem-
der sage beobachtet haben, finden wir innerhalb des kreiszes
selbst: in zwei dichtungen eine und dieselbe fabel mit völliger 357
Verschiedenheit der äuszern Verhältnisse. als früheste Ursache
müssen wir wol eine überfragung ansehen, die jedoch nicht auf
kunstreichem oder gelehrtem wege entstanden ist, sondern jedes
mal ein beispiel von lebendiger Verschiedenheit der sage gibt.
1. Die fabel von Ruther und Oserich stimmt dem inhalte
nach überein, stellt aber die Verhältnisse ganz anders dar. jede
bildung ist dabei ihren eigenen weg gegangen, an klarheit und
Verständigkeit des inhalts steht Ruther der Vilkina saga nach,
wie in maasz und Ordnung der erzählung, allein das deutsche
gedieht erhebt sich durch höheren poetischen gehalt und freiere
Phantasie. Ruther enthält übrigens beziehungen, welche beweisen,
dasz die sage in dieser Verpflanzung wurzel gefasst und weiter
sich ausgebreitet hatte, dazu ist aber schon längere zeit nötig ;^
möglicherweise könnte diese südliche auffassung älter sein, als ich
(s. 51) angenommen habe, überhaupt scheint es in solchen fallen
unräthlich, ein original zu bezeichnen, da wir zeit und bedin-
gung nicht kennen, unter welcher die Spaltung statt fand.
2. Besondere berücksichtigung verdient die Verwandt-
schaft Ruthers mit Wolfdieterich. sie äuszert sich theils in
dem alten Berther^ dessen sage Ruther scheint an sich gezogen
zu haben und der bei Oserich völlig unbekannt ist, theils in
dem gleichen hintergrunde der begebenheiten : die Lombardei,
Rom, Constantinopel, Seefahrten, feindliches Verhältnis zu den
Sarazenen finden wir in beiden gedichten; im Otnit und Wolf-
dieterich kommt noch Messina, Syrien und Jerusalem hinzu,
beide gedichte setzen also eine zeit voraus, wo die deutsche
366 8
357 sage veranlassung hatte, sich in jenen gegenden anzusiedehi,
und diese zeit möchte man am natürlichsten unter den Hohen-
staufen finden, auch sind, soweit sich urteilen lässt, nur ver-
einzelte sagen dorthin gewandert (wenn man diesen ausdruck
gebrauchen darf), in welcher läge eine frühere Vergessenheit des
ursprünglichen und eine freiere, weiter um sich greifende fort-
bildung sehr begreiflich ist.
3. Die Vilkina saga erzählt einige hauptbegebenheiten aus
Wolfdieterichs leben (vgl. oben s. 236), aber sie schreibt sie
ihrem beiden, dem Dieterich von Bern^ zu. sollte Wolfdieterich
kein anderer sein? ich will es weder behaupten, noch die Ver-
mutung völlig abweisen. vielleicht würde auch die Hertnits
sage (vgl. oben s. 177), wenn sie erhalten wäre, die fahrt er-
zählen, die Otnit unternahm, um sich eine frau zu erobern,
358 wenn auch nicht als eine meerfahrt, der eigentliche mittelpunct
im Wolfdieterich ist die flucht aus seinem reiche, sein Verhält-
nis zu Otnit und der kaiserin und die anhänglichkeit seiner
dienstmannen; das möchte das älteste und vielleicht das ge-
meinschaftliche in sich begreifen. die bethörung durch die
wilde Else, der magische Jungbrunnen, der beide entzaubert und
zusammenführt, ihr reich in der alten Troja jenseits des meers,
die fahrt nach Jerusalem, die abenteuer mit Marpalie, das alles
trägt meiner meinung nach eine andere färbe und möchte einer
andern ausbildung zugehören, das Verhältnis Wolfdieterichs zu
Berchtung und die dienstleute halte ich für keinen zusatz, weil
ich in jenem nur den alten Hildebrand wieder sehe, woran
mich die im gedieht selbst aufgestellte genealogie (oben s. 231),
die ihn fast um ein Jahrhundert später setzt, so wenig irrt, als
die erwähnung des später lebenden Dieterichs, in dem andern
gedichte von Wolfdieterich, worin Sahen als Sibichs söhn auf-
tritt und dem Puntung, wie das böse dem guten, entgegen-
steht, müste gerade Wolfdieterich jünger sein, als Dieterich
von Bern.
8.
Einen eigenen einflusz auf Umbildung der sage hat eine
gewisse beschränktheit der ansieht ausgeübt, die ich nicht näher
bezeichne, weil man sie am besten aus folgenden beispielen
wird kennen lernen.
1. Hält man die darstellung von Dieterichs Verhältnis zu
Ermenrich in der Vilkina saga mit dem zusammen, was das
gedieht von der Flucht berichtet, so ergibt sich eine grosze
Verschiedenheit, und es scheint dort alles einfacher und natür-
licher. Thidrek weicht vor Ermenreks Übermacht, der ihn zur
entrichtung eines tributs nötigen will, und entflieht zu Attila,
8 367
wo er aufnähme findet, späterhin rüstet ihm dieser ein groszes 368
heer aus, welches Thidrek gegen Ermenrek führt, die Hunnen
siegen, Thidrek kehrt zu Attila zurück und weilt noch lange
zeit bei ihm, bis sein Widersacher gestorben ist. eins befrem- /
det bei dieser erzählung: warum bleibt Thidrek, nachdem er
den Ermenrek besiegt hat, nicht in seinem reiche und vereitelt
durch seine rückkehr den erfolg der ganzen Unternehmung?
die Ursache lässt sich errathen: der echten sage nach war
Dieterich in jener schlacht der unterliegende theil und deshalb
genötigt, bei Attila abermals Zuflucht zu suchen, die dichtung,
um von ihrem beiden die schmach der besiegung abzu-
wenden, hat das ereignis umgekehrt, gleich wol den wider- 359
Spruch im erfolg daneben müssen bestehen lassen. das um
hundert jähre ältere zeugnis der Klage (oben s. 121) setzt das
aiiszer zweifei: Dieterich war trostlos aus der schlacht zurück-
gekommen.
Die Vilkina saga hat sich also, scheint es, eine abände-
rung, doch nur in einem einzigen punkt erlaubt; sie ist gering-
fügig gegen das, was wir in dem gedichte von der Flucht
finden, ohne jene bessere quelle würden wir nicht mehr im
Stande sein, das wahre durchzuschauen, denn hier ist die unge-
schickte verherlichung Dieterichs so weit gesteigert, dasz er
in einer ganzen reihe von kämpfen den Ermenrich besiegt und
dennoch sein reich meiden und fremden schütz suchen musz.
schon die list, mit welcher Ermenrich anfangs den Dieterich in
seine gewalt zu bringen hofit, scheint dem wilden und unge-
stümen Charakter, den die ältesten Zeugnisse (oben s. 18. 21)
ihm beilegen, wenig angemessen: er gibt vor, seiner Sünden
wegen wolle er einen zug zur befreiung des heiligen grabes
unternehmen und dem Dieterich während seiner abwesenheit
die regierung übertragen. Dieterich, gewarnt, geht nicht in
die falle, es kommt zu ofienem krieg, in welchem Ermenrich
eine völlige niederlage erleidet, ja sein söhn Friedrich, derselbe,
den er nach der ursprünglichen sage vor dem angriffe auf
Dieterich sollte ums leben gebracht haben, fällt mit achtzehn
hundert kämpfern in Dieterichs bände. die Sache scheint be-
endigt, als zufällig einige von Dieterichs leuten in einen hinter-
lialt gerathen und gefangen werden, es sind ihrer nur siebene,
um sie aber zu befreien, geht Dieterich unsinnige bedingungen
ein: er gibt nicht blos den söhn Ermanrichs und die achtzehn
hundert gefangene dagegen, sondern überantwortet das ganze
reich in seines feindes gewalt, wird selbst landesflüchtig und
lässt sich von ihm mit dem galgen drohen. diese groszmut
soll ihn erheben, sie ist aber ohne haltung und Wahrheit und
bringt deshalb keinen eindruck hervor. Etzel rüstet dem
üieterich ein heer aus; in einer groszen schlacht nahe bei
Mailand werden dem Ermenrich alle leute erschlagen, er allein
368 8
359 entflieht: dennoch kehrt Dieterich ohne Ursache und freiwillig
ins Hünenland zurück, ein unbedeutendes ereignis, Wittichs
abermaliger verrat, wird als grund angegeben, warum Etzel aufs
* neue ein beer aufstellt, eine dritte grosze Schlacht findet bei
Bologna statt, Dieterich ist glorreicher sieger, geht aber zu
Etzel zurück, in dem besondern gedichte, das sich hier an-
schlieszt, wird ein abermaliger heerzug and die auch in der
Vilkina saga dargestellte und wahrscheinlich allein der echten
360 sage gemäsze Rabensehlacht beschrieben, freilich der erfolg ist
genau wieder derselbe: Ermenrich wird zu grund gerichtet,
aber Dieterich verlässt sein reich. auszer Zusammenhang mit
dieser erzählung steht noch eine weitere Schlacht Dieterichs
gegen Ermenrich, wovon im Alphart die rede ist, allein schon
andere gründe lassen eine spätere entstehung dieses gedichtes
vermuten, in eine vielleicht noch neuere darstellung der sage,
welche der anhang des heldenbuchs bewahrt (oben s. 296 — 298),
ist zwar wieder Ordnung und Zusammenhang gebracht, aber
auch ein theil ihrer grundlage aufgegeben.
Also nicht eigentlich aus misverständnis, sondern aus einem
unfreien sinne in auffassung der sage sind umkehrungen des
inbalts und ungeschickte erweiterungen entstanden, feiner gieng
die Nibelunge noth zu werk, welche Dieterichs abkunft von
einem schwarzen geiste blosz nicht berührte. ich bin über-
zeugt, dasz in der ursprünglichen sage die poetische Wahrheit
und kraft zu stark wirkte, als dasz rücksichten dieser art mög-
lich gewesen wären. die Edda verrät nirgends die absieht,
irgend jemand in ein günstigeres licht zu setzen, sondern sie
lässt die natur eines jeden frei sich äuszern und ihm wider-
fahrt das recht, das ihm gebührt.
2. Eine solche engherzige Parteilichkeit far Dieterich trägt
auch schuld, dasz, umgekehrt, Wittichs Charakter herabgesetzt
ist. die Vilkina saga stellt ihn nirgends verächtlich, nicht ein-
mal unedel dar. er gibt dort nur den unabwendbaren Ver-
hältnissen nach, warnt seinen vorigen herm und tödtet dessen
bruder im kämpfe erst in höchster not. die reue, die er dar-
über in der Rabenschlacht zeigt, ist schön und ergreifend be-
schrieben und dies stück gewis noch aus dem alten gedichte
erhalten, dagegen der verrat, den er in der Flucht an Diete-
rich gleich nach empfang von dessen gnade ausübt, und die
schon erwähnte Schändlichkeit, womit er den Alphart mordet,
sind widerstrebende zusätze.
3. Die Veränderung in der fabel des Rosengarten zu
gunsten Dieterichs ist schon bei einer andern gelegenheit (oben
s. 347—348) berührt.
9 — 868
9. 360
Wir dürfen nicht versäumen, die Wirkungen aufzusuchen,
welche die veränderte sitte^ der Untergang alter, die einfiihrunjg
neuer, auf das epos gehabt hat, müssen sie aber unterscheiden
von der allmähligen und langsamen umwandelung, welche das
veränderte poetische bedürfnis hervorbringt und wovon hernach
die rede sein wird.
1. In den eddischen liedern verkündigt sich die heldenzeit, S61
welcher sie ihre entstehung verdanken, sie sind erflült von dem
stolzen gefühl der kühnsten todesverachtung, aber frei äuszem
sich auch die heftigsten leidenschaften, und eine unentschuldigte
grausamkeit glaubt erst die pflicht zur räche vollständig zu er-
füllen, was ist der allgemeine blutige Untergang in dem Nibe-
lungelied gegen den tod, den Högne und Gunnar leiden? und
doch scheint das noch überboten durch den mord der jungfräu-
lichen Schwanhild, deren zarten leib piferde zertreten, oder
durch das opfer, das Gudrun mit den eigenen kindern bringt,
gleich wol liegt in dieser grausamkeit, der eine gewisse tra-
gische würde nicht fehlt, und die der gegenüberstehende unbe-
zwungene mut mildert, denn Högne lacht, als ihm das herz aus-
geschnitten wird, und Gunnar rührt unter schlangen sitzend die
harfe; es liegt darin keine eigentliche, widrige rohheit. diese
erscheint erst in der herabsinkenden dichtung, wenn sie erzählt
(Vilkina saga c. 366), dasz Grimild ihren brüdern einen feuer-
brand in den mund gestoszen habe, um sich von ihrem tode
zu überzeugen. in dem Nibelungelied ist jener ungezähmte
sinn, zugleich mit der auf heidnischer ansieht ruhenden blut-
rache, verschwunden und der geist des ritterthums, der alle
persönlichen Verhältnisse verfeinerte und grosze gewalt über
die leidenschaften geradezu forderte, übermächtig geworden,
der ganze Charakter Rüdigers hat daher seine Bedeutung
empfangen: die hintansetzung seiner selbst, die freigebigkeit,
die bereitwilligkeit gegen seine freunde zu kämpfen, um seinem
herrn die treue des vasallen zu bewähren. überhaupt ist gut
und bös mit einem gesteigerten gefuhl und gröszerer Parteilich-
keit geschieden, als in der Edda, welche nicht anklagt oder
entschuldigt, sondern das Schicksal ohne einspruch, die that
ohne rücksicht auf die gesinnung walten lässt. in ihrem geiste
würde das schwert der gerechtigkeit, welche das Nibelungelied
dem Hildebrand oder Dieterich in die band gibt, die wut der
Kriemhild zu bestrafen, sinnlos und Etzels billigung (in der
Vilkina saga) unnatürlich und tadelnswürdig sein.
2. Das erlöschen des rechts zur blutrache hatte noch eine
hauptveränderung in der Siegfriedssage zur folge. Kriemhild
WlI«H. GftIMM, DBUT80HB HHLDIMSAGB. 24
fW 16
861 bereitet in dem Nibelungelied ihren brüdem den Untergang,
weil sie' sich genugthuung für Siegfrieds mord verschaffen will,
dieses beginnen war nach den begriffen älterer zeit unrechtlich,
denn sie hatte stlhne angenommen. [Germania 3, 195.] auch
weisz die Edda durchaus nichts davon, im gegentheil sie lässt
fttr ihre gemordeten brüder, dieselben, die Sigurds tod ver-
363 schuldet hatten, die Gudrun blutrache an dem eigenen gemahl
nehmen. und doch geht dieser that noch eine grausamere
voran: bevor sie ihn selbst tödtet, lässt sie ihn die herzen der
mit ihm erzeugten, von ihren eigenen bänden gemordeten kinder
als eine süsze speise verzehren und aus ihren zu bechern ge-
formten Schädeln blutgerötheten wein trinken. verpflichtet
glaubte sie sich vielleicht, weil die kinder (was blosz die prosa
in dräp Nifl. p. 287 noch weisz) das leben der brüder ihrer
mutter von Atle zu erflehen sich geweigert hatten, die räche
der Kriemhild an ihren brüdem findet ihren grund in jener an-
sieht des mittelalters , welche die liebe als das höchste gefiihl
verehrte, vor dem jede andere rücksicht weichen muste. der
dichter der Klage erblickte daher in ihrer that eine gott wohl-
gefällige treue gegen Siegfried (vgl. oben s. 112).
3. Als Sigurd in Gunnars gestalt mit Brünhild das bett
theilt, scheidet er sich durch ein schwert von ihr, weil er sie
nicht berühren will, ein alter gebrauch (rechtsalterth. 168),
dessen verschwinden in dem Nibelungeliede die darstellung einer
scene möglich gemacht hat, die freilich Siegfrieds ritterlichen
edelmuth in das glänzendste licht setzt, aber der trefflichen
erzählung ungeachtet etwas künstlich ausgesonnenes und über-
feinertes enthält, es war für ein späteres, weniger zart gehal-
tenes gedieht nicht schwer, dies abzuändern, und in der Vil-
kina saga (c. 207) zieht Siegfried der Brünhild erst den ring
vom finger, nachdem er ihre gunst wirklich genossen hat. da-
mit schwindet auch die reinheit seines Charakters, auf welche
die echte sage ein so groszes gewicht legt, und ein wesentlicher
zug ist verwischt.
4. Die eddische sage musz den Sigurd für schuldig er-
klären, nicht sowohl seiner gesinnung wegen, denn zu dem
grösten unrecht, das er begieng, ward er durch einen zauber-
trank bethört, als seiner handlungen. er brach die eide, welche
er der Brünhild geleistet hatte, aber auch die täusch ung, in
welche er sie versetzte, ward in dem augenblick eine schuld,
wo sie durch ihn, wenn auch gegen seinen willen, an den tag
kam und ihre ehre verletzte. Brünhild war berechtigt räche
zu fordern und die rheinischen könige denken nicht weiter
daran, Sigurds tod zu verheimlichen, nachdem sie das feige
und unwürdige dabei von sich, abzuwälzen und dem Guttomi
aufzuladen gesucht haben, in der Nibelunge noth ist das Ver-
hältnis ganz anders : Siegfried bleibt rein und unschuldig, selbst
dasi 1^ uhtfteMbar ^i^ioht ih '(^itt^r ^d&fb ^stlAt) für Gktnlh^r .^2
baatifd^^ ^anfi BrQuMId ka^tn als ein üntecht betT^acMen; den^
wu* i;<^e«l iiiohte von einer frübeteii yet^iüdutig mit ihr und aes
e^ ist aufls ftadzerste ttber iKriemMldeiid 6ok^aft2s>haftigkeit anfge-
bracbt. an ihm ttrird ako ein fichtodticher mord begangen,
welchen die urhefcer zu verbergen sich bemühen, ihn zu ent-
decken, ward das bdhr^erickt in daö gedicfht eingeführt, über
welches noch keine ältere nachweisungen aufgefonden sind, ob-
wohl gleichzeitige (redht&alterth. 930).
5. Wer unter dem anscheine feindlicher gesintiung nach
namen und geschlecht gefragt wurde, dem gebot ritterliche
sitte, antwort zu weigern^ damit es nicht auBsehe, als wünsche
er den kämpf zu vermeiden.^*
Ich musz zuvor einige beweisende stellen anführen. Bi-
terolf gibt keine auskunft über sich (590). Omlung Terschweigt
hartnäckig dem Sigurd namen und geschlecht, weil es ihm zur
schände gereichen möchte (Vilkina saga c. 181); aus demselben
gründe Parcifal dem Feirefiz (177*^), und dieser erklärt daher
den scbfimpf auf sich nehmen zu wollen und nennt sich zuerst,
als Otnit und Wolfdieterich zum kämpfe gerüstet sind, spricht
jener (80^):
nü dar, ritter edele, nü sagent mir iuwern namen,
daz ich iuch da bi erkenne, des dürft ir iuch nit
schämen.
Do sprach Wolfdieterich: daz wcer ein zageheit^
daz ich iu von mime gesiebte so schiere haete geseit,
w^r min vater waere oder wannan ich si geborn.
waz hänt ir des ze fragen f daa ist mir an iu zorn,
dieser ehrenpunkt war in d^ ältesten zeit unbekannt und es
lag in der beantwortung einer solchen frage nichts schimpf-
liches, zengnis davon liefert Eckehards gedieht: Walthari auf
Haganos rath befragt, gibt (595) ohne bedenken dem Kamelo
übeir namen und herkunft bescheid. gleicherweise im Beowulf
(s. 22) der ankömmling dem Wächter Hrodgars.
Dieser ansieht gemäsz beantwortet in dem alten Hilde-
brandsliede (oben s. 23) der söhn dem vater, obgleich beide,
zum kämpfe gerüstet, einander gegenüber stehen, genau, sogar
ausführlich, die frage, wie er heisze und von wem er abstamme.
Hildebrand, der seinen söhn erkannt hat, sucht auf jede weise
den kämpf zu verhindern, aber jener sieht einen betrüger in
ihm, und legt seinen werten keinen glauben bei. der vater mag
wollen oder nicht, er musz zu den waffen greifen, in der Vil-
■» ßrec 4467—72. 4520 ff. 4816 ff. ^325— 74. Volframs Wh. 118, 21 ff.
Lftna^et did» 1^65 f. Krone 21596. Duniel von Bldmenthftl bi. 6.
24*
3?3: Id — ^
seskina saga (c. 876 Bafii, der Ider ^nen besseAi cöid voUstän-
digem text hat) ist in folge der eingedrungezien) ritterlichen
364 sitte der ganze natürliche inhah des liedes verschoben und der
yerst&ndige Zusammenhang zerstört, beide vater und söhn, wie
sie sich begegnen, beginnen ohne weiteres den streit, obgleich
(ganz anders, als in dem alten bruchstück) Hildebrand recht
gut weisz, dasz sein söhn ihm gegenübersteht, das höchst
natürliche gefühl des vaters, der das blut seines sohnes zu ver-
gieszen aufs äuszerste sich sträubt und nur nothgedrungen sich
auf den kämpf einlässt, ist der ritterlichen ehre geopfert, welche,
um zum kämpfe zu gelangen, jede andere rücksicht hintansetzt,
die frage nach namen und geschlecht kommt zwar vor, findet
aber erst während der ruhe vom kämpfe statt; sie ist passlicher
in dem munde des sohnes, als des vaters, der seinen söhn nach
der Beschreibung, die ihm vorher davon gemacht war, recht
wohl kennt, allein beide wünschen im gründe die antwort
blosz als ein zeichen der demüthigung und besiegung zu er-
zwingen; der söhn will nicht einmal eingestehen, dasz er ein
Wölfing sei, obgleich ihm dann der alte frieden verspricht, ja
als er wirklich unterliegt, will er durch nennung des namens
nicht einmal das leben erkaufen; Hildebrand musz sich ent-
schlieszen den anfang zu machen, diese entwickelung war ge-
wis dem alten gedichte fremd, das Volkslied schlägt wieder
einen andern weg ein. die kampflust des alten, den die tapfer-
keit seines sohns mit der eigenen zu messen gelüstet, ist ge-
steigert, aber durch einen scherzhaften, über das ganze lied
verbreiteten humor gemildert, die frage, woran sich ursprüng-
lich das lied entwickelte, ist, weil sie bei dieser ansieht über-
flüssig war und störte, ausgelassen, doch dasz sie ganz fehlte,
hätte ich oben (s. 23) nicht so bestimmt sagen sollen, denn
nach beendigtem kämpfe will Hildebrand dem söhne die beichte
abnehmen und sagt, wenn er vielleicht ein Wölfing sei, habe
er nichts zu fürchten, jetzt hält der söhn nicht, wie in der
Vilkina saga, zurück, seine klage über die wunden, die er dem
vater selbst geschlagen, ist ein schöner, vielleicht noch ein alter
zug, den die Vilkina saga schon vergessen hatte; das gilt aber
schwerlich von dem nachherigen scheinkampf vor firau Ute, den
nur die Dresdener handschrift erzählt, die Vilkina saga jedoch
erklärt allein den Vorwurf, den Hildebrand dem söhne macht,
einen hieb geführt zu haben, wie ihn ein weib nur lehren könne,
för die fortbildung der sage gewähren diese drei darstellungen
aus den verschiedensten zeiten ein höchst lehrreiches beispiel.
10.
Den poetischen werth der einzelnen gedichte allseitig zu
würdigen, ist hier nicht meine absieht, ich beschränke mich
10 873
darauf, die Terschiedene weise anzudeuten, die sich in auffassung 865
der Überlieferung kund thut. der geist der dichtung blieb in
dem fortgange der zeit nicht derselbe, er stieg oder sank, und
sollte er sich auch auf gleicher höhe erhalten haben, so ver-
änderte er doch vielfach den Standpunkt, von welchem aus er
die sage betrachtete.
1. Die eigenthümlichkeit der eddischen lieder beruht darin,
dasz zunächst die absieht nicht dahin geht, den inhalt der sage
darzustellen, den sie vielmehr als bekannt voraussetzen, sondern
dasz sie einen einzelnen punkt, wie er gerade der poetischen
Stimmung dieser zeit zusagt, herausheben, und auf ihn den
vollen glänz der dichtung fallen lassen, nur was zu seinem
Verständnis dient, wird aus der übrigen sage angeführt, oder
daran wird erinnert, eine beziehung auf das zunächst voran-
gegangene folgt vielleicht erst einer andeutung der zukunfl, das
entfernte wird durch kühne Übergänge in die nähe gerückt, und
zu ruhiger entfaltung und gleichförimgem epischen fortschreiten
gelangt diese poesie nicht, wo sie etwa den anfang dazu macht,
wird sie durch die neigung zu lebhafter, dramatischer darstel-
lung gestört, die überall durchbricht und dieser betrachtungs-
weise völlig angemessen scheint, die schönsten lieder gehen
bald in gespräche über, oder sind ganz darin abgefasst; die
erzählenden Strophen wahren nur den Zusammenhang, auch
im einzelnen verleugnet sich nicht der geist des ganzen : oft
wird ein bedeutender zug allein herausgenommen, alles übrige
im dunkel zurückgelassen, so wird z. b. Sigurds mord einmal
nur mit wenigen werten erzählt: 'leicht wars Guttorm anzu-
reizen: das Schwert stand in Sigurds herz\ wie unzulänglich
ftkr epische entwickelung und doch wie poetisch anschaulich!
Das erhabene der eddischen lieder beruht in diesem auf
der höhe genommenen Standpunkt, wo das äuge, über die ebenen
wegschauend, nur auf vorragenden gipfeln verweilt, der aus-
druck, edel und einfach, aber scharf und genau bezeichnend,
ist nur durch reiche und kühne Zusammensetzungen geschmückt;
da wo er schwer und tiefsinnig wird, blitzt der gedanke uns
doch entgegen, eigentliche, zumal ausgeföhrte gleichnisse kom-
men kaum vor (doch vgl. Atlam. 69 den spruch von der spitze
und den wurzeln), um Sigurds Vorzüge zu beschreiben, sagt
wohl Gudrun, er habe sich unterschieden, wie lauch vor gras,
hirsch vor übrigen thieren, gold vor silber; doch dergleichen
ist selten, dagegen sind die einzelnen ausdrücke selbst häufig
bildlich zu verstehen und vorzugsweise liebt diese poesie Um-
schreibungen, welcher statt der sache den eindruck, statt der
person die handlungen vor äugen bringen, als Högne der 366
Gudrun den tod Sigurds verkündigt, spricht er seinen namen
nicht aus, sondern, theils aus einer gewissen Schonung, theils
8f4 — W —
m weil er zugleich dils raohe^ die der sterbeode nodi genomnen,
ausdrücken will, nennt er ihn Guttorms tödter*
In der dichtung von Sigurds ahnen, vorsstiglich aber von
'Siegmund und Sinfiötle, hersoht eine wildbeit, die auf das
höchste alter deutet, keineswegs zeigt sich dabei die gemein-
heit herabgesunkener naturen. selbst in wölfe verwandelt und
thierischen trieben überlassen, vergessen sie nicht ganz ihre
heldennatur. Signe scheint ibr nichts als den glänz ihres ge-
schlechtes gef&hl zu haben; sie trägt kein bedenken, ihm ihre
kinder, welche die probe des muthes nicht, wie es Völsungen
geziemt, bestehen, binzuopfern und in fremder gestalt mit dem
eigenen bruder einen reinen abkömmling zu zeugen, dennoch
fehlt dem Sinfiötle die volle kraft, die seinem vater, der zu-
gleich sein oheim ist, innewohnt; er verträgt nicht wie dieser
den gifttrank, sondern stirbt davon, in allen thaten dieses ge-
schlechts ist kein zaudern, kein überlegen, sie folgen dem ge-
waltigen dränge ihrer natm*^ aber Signe sühnt die begangenen
greuel durch einen freiwilligen tod mit dem ungeliebten manne.
Die sage von Sigurd ist in sich reiner und edler, er, dessen
glänzende äugen schon eine höhere natur andeuten, die blute
des geschlechts, das mit ihm abstirbt, die dichtung hat ein
sichtbares Wohlgefallen an der herlicbkeit seiner ganzen er-
scheinung und drückt das an mehr als einer stelle aus. man
musz der zeit, welche sich in diesen liedern kund gibt, eine bil-
düng beilegen, welche äuszerungen der zartesten geftible ver-
gönnte und natürlichkeit und adel der gesinnung zu vereinigen
wüste, groszartig ist der Charakter der Brünhild und in dem
widerstreit unverlöscbter liebe zu Sigurd und der nothwendig-
keit ftir die preisgegebene ehre seinen tod zu fordern mit nicht
gewöhnlicher tiefe und kraft dargestellt, ihre letzte rede, die
anordnung ihrer und Sigurds leichenfeierlichkeit und die Pro-
phezeiung, womit sie endigt, hinterläszt einen vollkommen tra-
gischen eindruck. Gudrun denkt milder und weiblicher und
ihre natur äuszert sich am schönsten in dem schmerz bei Si-
gurds leiche. Grimild steht tiefer und im hintergrunde mit
hexenkünsten beschäftigt, sie will das Schicksal lenken und ai^
beitet ihm in die bände, unter den Griukungen ragt Högne
hervor, Gunnar ist weniger offen und entschieden, und verdient
einigermaszen die geringschätzung, welche Brünhild ihm be-
zeigt; doch die heldennatur beider brüder äuszert sich bei At-
367 les verrath und ihrem tod. Guttorm, ihr Stiefbruder und kein
söhn Gciukes, gilt nicht fUr ihres gleichen und gibt siek als
Werkzeug zu Sigurds mord in ihre bände. Atles Charakter ist
zu unbestimmt, um eia urtheil zuzulassen.
2. Eine merkliche Verschiedenheit finde ich in den ffron-
ländi^chen^ lißdern imd oi^en fcirtsdunti «m der epigohen damlelr
lung, wie denn auch hier erst das ich des dichters zum vor-
10 375
schein kommt, schon deshalb kann ich ihnen nicht mit den 96^
andern ein gleiches, oder gar ein höheres alter beilegen, wenn
sich auch nicht gezeigt hätte, dasz neue namen, höchst wahr-
scheinlich auch neue ereignisse, darin aufgenommen sind, sie
umfassen ein groszes, für sich selbst bestehendes stück der
sage, das ohngefähr dem zweiten theile unserer Nibelunge noth
entspricht, zwar an freien übergangen fehlt es auch hier nicht,
aber es ist doch ein festerer fortgang und eine gewisse ent-
wickelung der fabel merkbar, der ausdruck ist auffallend
schwerer und künstlicher, dennoch aber von einem poetischen
geiste durchdrungen.
3. Wenn die alten lieder sich nicht um eine in beziehung
auf den Inhalt vollständige darstellung der sage bemühen, so
dürfen wir schlieszen^ aasz sie allgemeine kenntnis derselben
voraussetzen und der ergänzung ihrer werte in dem bewustscin
der Zuhörer gewis sind, einer solchen, noch nicht, wie die
spätere, durch das zuströmen fremder sagen gestörten zeit
mochte für die erhaltung der eigenen zu sorgen gar nicht ein-
fallen, das Hüdebrandslied^ das einzige, was wir aus jener pe-
riode dagegen zu stellen haben, ist ein zu kleines bruchstück,
als dasz wir mit Sicherheit urtheilen könnten, doch lässt sich
ein den eddischen liedern verwandter geist wohl erkennen, es
erzählt nicht, dasz Hildebrand auf dem wege nach haus sich
befunden und einsam vorausgeritten sei, es beginnt gleich dra-
matisch: vater und söhn stehen sich einander gegenüber und
ehe es zum kämpf kommt, entspinnt sich ein lebhaftes, natür-
liches gespräch, das mit der läge beider sehr woM bekannt
macht, doch herscht mehr streben nach Vollständigkeit, als in
den eddischen liedern, und der ton scheint mir mehr episch,
weniger feierlich ; mit einem ich iUngt das gedieht sogar an.
Hildebrand zeigt hier schon die Weisheit, das vorsorgliche und
die schwer zu reizende, aber ihres erfolgs sich bewuste tapfer-
keit, wie in spätem gedichten.
4. Der zeit nach rückt Eckehards Walihari hier an. als
Übersetzung oder stilübung, die, wenn auch geschick und ver-
stand, doch wenig von poetischer lebendigkeit verräth, liefert
sie keinen aufschlusz über den geist des Originals, nur ein un-
möglich von Eckehard ausgegangener, sondern in seiner quelle S68
begründeter umstand gibt eine merkenswerthe andeutung. Gun-
thari zeigt ein unwürdiges, nahe an feigheit gränzendes betra-
gen, worüber er auch vorwürfe erhält, für die Edda und Ni-
belunge noth passt diese grundlage seines Charakters nicht.
Hagano dagegen ist durchaus edelmüthig gesinnt und das
finstere und böse wesen, das die Nibelunge noth beschreibt,
ihm fremd.
5. König Ruther fallt eigentlich auszer den kreisz unserer
betraphtung, da 9.eine nicht volkamäa?igQ, selbst et^4s rol^e ge-
376 10
868 lehrsamkeit einmischende darstellung schon jener zeit und bü-
dung angehört, aus welcher sich die höfischen dichter des 13ten
Jahrhunderts entwickelten, auch ist bei dem verderbten text
schwer, einen richtigen eindruck zu erlangen, die begeben-
heiten werden erwähnt, um besprochen zu werden, sie selbst
aber gelangen, wenn ich so sagen darf, nicht zum wort, zu
loben ist die Sicherheit in der ganzen arbeit und manche schöne
einzelheit, z. b. die erzählung von Ruthers heimlichen besuche
bei der königstochter und der probe mit den goldnen schuhen,
in dem alten Berther ist mit Hildebrands Verhältnis auch dessen
Charakter wiederholt.
6. Die darstellungsweise der eddischen lieder ist in der
Nibelunge noth zu ihrem gegensatze gelangt, hier wird nicht
blosz an die sage erinnert und die theilnahme auf eine hervor-
leuchtende stelle geleitet, hier ist absieht, den inhalt so voll-
ständig und genau als möglich darzulegen, dies geschieht mit
einer aus dem frischesten und lebendigsten gefühl erzeugten
Wahrheit, die jedes wort durchdringt und beseelt, die Edda
zeigt eine bewegte, aufgeregte Stimmung, sie schreitet heftig
weiter, während hier eine gleichförmige ruhe herscht, die in
sicherer und langsamer entwickelung der fabel jedem theil die-
selbe aufmerksamkeit schenkt, erhaben in dem sinne, in wel-
chem es die eddischen lieder sind, ist die Nibelunge noth nicht;
jenen fehlt dagegen die anmuth, das eindringliche und zutrau-
liche des deutschen gedichts^ dem ein natürliches gemüth nicht
leicht widersteht, es setzt die geistig reiche, in allen Verhält-
nissen innerlich belebte zeit voraus, in welche seine ausbiidung
fallt; ihr entspricht die darstellung des öffentlichen und häus-
lichen lebens, die feinheit der sitten, die pracht der feste, über-
haupt die äuszere ausst^ttung. die Wirklichkeit ist nur in das
reinere licht der poesie hervorgehoben, volksmäszig ist das
lied allerdings, insoweit nämlich das beste dieser zeit, aus der
mitte des ganzen volkes hervorgegangen, keine abgesonderte
erscheinung war. auch ist die person des dichters niemals
369 durch die geringste eigenthtimlichkeit ausgezeichnet und bedeu-
tet in der tbf^t nichts anders als den lebenden mund der sage,
das ich (meist in dem ersten theile des gedichts) erscheint nur
in allgemeinen (8, 1. 197, 2. 553, 2) und wiederkehrenden
(71, 2. 362, 1. 1649, 3) ausdrücken, oder in humoristischen
Wendungen (293, 2. 560, 4), wie sie auch der dichter des grafen
Rudolf und Wolfram lieben, schicklich hebt das gedieht mit
Uns an, um auch die, welchen die sage soll überliefert werden,
mit zu begreifen; diesen pluralis gebraucht aber schon ein
angelsächsisches gedieht, das lied von Anno und Ruther (oben
s. 21. 49. 50).
Die alten lieder beherschen vollkommen den inhalt der
sage und verlieren den Zusammenhang des ganzen selten aus
10 377
den äugen, darin steht das Nibelungelied zurück, und eine ver- 869
gleichung von diesem gesichtspunkt würde zu seinem nachtbeile
ausfallen. Widersprüche, nachlässigkeiten und andere verstösze
dieser art sind schon oben (s. 64) besprochen, doch wie unge-
recht es sein würde, darnach den poetischen werth messen zu
wollen, bedarf keiner bemerkung. die darstellungsweise des
Nibelungeliedes und das hingeben an die genaue erzählung
lenken von der rücksicht auf das ganze und von der sorge ab,
erweiterungen und Umbildungen damit in Übereinstimmung zu
setzen, der lebendige Zusammenhang wird dadurch nicht ge- .
stört, bleibt wenigstens erkennbar, und darauf vertraut die dich-
tung. wird doch auch das wunderbare eher in den hintergrund
gerückt, als hervorgehoben, und dem menschlichen die höchste
theilnahme zugewendet.
Wir haben gelegenheit die auffassung einiger hauptcharak-
tere zu vergleichen. Brünhild ist offenbar gesunken, zwar ist
eine finstere stärke verblieben, aber nicht die hoheit, welche
die Edda ihr beilegt, hier wirkte nicht blosz eine andere an-
sieht des dichters, auch die verblasste sage, da ihre frühere
bekanntschaft mit Siegfried beinahe völlig vergessen ist, so hat
sie nur den ihr gespielten betrug zu rächen; wir vernehmen
nichts von ihrer heimlichen und heftigen neigung zu ihm, und
nachdem sie seinen mord erlangt hat, tritt sie ungeschickter-
weise ganz in ein dunkles leben zurück, während sie in der
Edda mit einem richtigem gefühl ihr dasein nicht länger er-
tragen kann, nur als Etzels botschaft anlangt (1425. 1426),
wird sie noch einmal genannt; das hätte ebenso gut unterblei-
ben können, sie bedeutet nichts mehr, zwei der ergreifendsten
momente, ihre Unterredung mit Sigurd nachdem das geheimnis
an den tag gekommen ist, welche die Völsunga saga (c. 38)
allein bewahrt hat, und ihr feierliches, stolzes ende sind durch
diese Veränderung aus der dichtung verschwunden. Eriemhil-370
dens (Gudrunens) und Günthers charakter ist nicht wesentlich
verändert, er tritt auch hier vor Siegfried zurück, dieser er-
scheint ganz wieder als der reinste und tapferste held, den die
weit noch gesehen hat, obwohl weniger in der that, als dem
eindrucke nach, den seine, jetzt nicht mehr in frischer erinne-
rung bekannte Jugendzeit hinterlassen hat. eine rohe bezeich-
nung seiner unerschrockenheit und eine ungeschickte entstel-
lung scheint mir die hornhaut, von der mit recht die Edda, die
Klage und Biterolf nichts wissen (oben s. 112. 132). die er-
zählung von dem auszuge auf die jagd an, bis* zu dem augen-
blick, wo er meuchlings durchstochen wird, ist trefflich und
man vergiszt darüber, dasz der grundgedanke der alten lieder,
wonach der mörder den Sigurd im schlafe tödtet und dreimal,
von dem glänze seiner äugen erschreckt, zurückgegangen ist,
bis er sie geschlossen hatte, als poetischer und bedeutender
878 10
STOmusz anerkannt werden, völlig in einem andern lichte zeigt
sich Hagen; über die gründe, die dabei mögen gewirkt haben,
habe ich schon muthmaszungen aufgestellt, er räth und yoU-
bringt die böse that und äuszert sich auch sonst, und ohne
noth, rauh und unbarmherzig gegen Kriemhild, ganz der Edda
entgegen, in dem zweiten theile des Nibelungeliedes ist dieser
Charakter durch Hagens grausamkeit gegen den fährmann und
den kapellan fortgesetzt, bis in den neu hinzugekommenen Ver-
hältnissen zu Volker und Rüdiger er wieder gehoben und edel-
müthiger dargestellt wird. Volkers heiterer humor, geschildert
und durchgefiihrt, wie es nur Volksdichtung vermag, würde
doch dem geiste der eddischen lieder nicht zusagen und sich
dort, falls auch der neu hinzugetretene held selbst schon be-
kannt gewesen wäre, nicht eingefunden haben.
7. Ich erwähne hier gleich neben dem Nibelungelied das
gedieht von Gudrun , weil es an innerm gehalt ihm so nahe
steht und allein mit ihm kann verglichen werden. alles der
darstellung dort ertheilte lob ist auch hier anwendbar, den letzten
srad etwa nehme ich aus, denn die zarte ausführung, welche
den zweiten theil des Nibelungeliedes auszeichnet, ist nicht
völlig erreicht, auch sitte und lebensweise möchte dort gleicher-
weise um einen grad feiner und vornehmer sich ausweisen,
dagegen was anläge des ganzen und regelmäszige, fortschrei-
tende entwickelung der fabel betrifft, so steht es über der Ni-
belunge noth; es ist noch mehr aus einem gusz und kann in
dieser hinsieht als ein muster gelten, es überrascht durch neu-
heit des inhalts wie der Charaktere, und zu bewundem ist der
371 eigenthümliche ausdruck, den jede der auftretenden personen
zeigt und durch das ganze gedieht behält, mit dem aufenthalt
der gewaltsam entführten Gudrun in der Normandie öffiiet sich
die blute des gedichts; die erzählung, die jetzt folgt, wie
Gudrun unter herabwürdigungen aller art den adel ihrer seele
bis zu dem augenblick ihrer erlösung bewahrt, ist von unbe-
schreiblicher Schönheit und der werth dieses gedichts überhaupt
so grosz, dasz es dem jbesten, was epische poesie irgendwo
hervorgebracht hat, kann an die seite gesetzt werden.
•8. Eine gewisse geistesverwandtschaft finde ich zwischen
Otnit und Wolfdieterich^ dem Rosengarten und Alphart; sie
mögen sich ziemlich gleichzeitig, wahrscheinlich in der zweiten
bälfte des 13ten Jahrhunderts*, wenigstens in der auffassung
in der wir sie besitzen, ausgebildet haben, was stil, darstel-
lungsweise, poetisches gefähl angeht, so haben sie manches mit
* wegen des Ortnit und der Wolfdieteriche s. zur gesch. der Nib. not s. 9,
23 f., Haupts zs. 13, 185 ff. (vgl. oben s. 174); über den Rosengarten die nach-
weisungen zu s. 249 oben; über den Alphart zur gesch. der Nib. not s. 21,
PQ3, %^ eiiU.
)9 W9
dei|i Nibelungeliede gemein, nur dies alles steht nicht eine, sonr in
dem mehrere stufen tiefer, sie sind volksmäszig, aber von
dieser poesie hat sich der edelste stand, ich meine die kunstreich
gebildete!» dichter, entfernt; dem übrigen volk verblieben, zeigt
sie sich wahr, tüchtig, kräftig, noch immer hat sie einen un-
gewöhnlichen werth und vermöge ihres Ursprungs eine kraft im
festhalten der Charaktere, welche den höfischen dichtem man-
gelt; allein der erzählung fehlt die genaue und anmuthige aus-
föhrung und der geistige duft des Nibelungeliedes und der
Gudrun*, rohheit der sitten ist an mehr als einer stelle ein-
gedrungen: das ganze abenteuer, das Wolfdieterich mit der
heidin Marpalie erlebt, die beschreibung ihrer reitze, der grund,
der, wie sie glaubt, ihn bewegen müsse, sie freizugeben, ist ein
Zeugnis davon, so viel verdienst die belebte, sichere darstellung
sonst hat. Kriemhild im Rosengarten schlägt nicht blosz der
Jungfrau, welche zu gunsten Rüdigers spricht, mit der faust
ins gesiebt, sie straft sich späterhin selbst auf diese weise;
und wie viel gemeiner noch ist das anerbieten, das die herzogin
an Dieterichs hofe dem Wolf hart macht, um damit seine gunst
f)ir den rheinischen boten zu erlangen, diese beispiele lieszen
sich vermehren, ich bemerke aber nur noch die rauheit des
jetzt erst auftretenden mönchs Ilsan und die halb scherzhafte,
halb plumpe weise, womit das klosterleben verspottet wird, die
deutlich jenes Zeitalter verräth. man musz die Uagen des Hugo
von Trimberg aus dem ende des 13ten Jahrhunderts über Ver-
derbnis der geistlichkeit im Renner lesen, um jene Schilderun-
gen begreiflich und in der allgemeinen ansieht begründet zu
finden.
9. Das unvolksmäszige, überdies ziemlich geistlose gedieht 872
von Dieterichs flucht kommt hier nicht in betracht. die Rdben-^
Schlacht und Ecken ausfahrt besitzen wir leider nur in Umar-
beitungen; wie sie vorliegen, sind sie beides älter und jünger,
als die so eben beurtheilten werke, hier unterscheidet sich das
edle metall deutlich von dem tauben gestein und unverkennbar
ist der geist der alten dichtung, da wo kämpf und tod Diethers
und der beiden söhne der Helche erzählt wird, noch in dieser
wortreichen, durch Wiederholungen geschwächten darstellung
einer unsichem band, die bei Ecken ausfahrt gewählte strophe
veranlasste zwar manche überflüssige zeile, doch ist etwas gleich-
formiges und festes in der manier, die der arbeit einen be-
schränkten werth und reitz verleiht; auch wäre es ungerecht,
den eigenthümlich poetischen sinn zu verkennen, womit Diete-^
richs und Eckes zusammentreflen, ihr gespräch und kämpf, und
Dieterichs klage über den getödteten feind aufgefasst ist. reinem
inhalt liefern wohl die hierher gehörigen capitel der Yilkina
* (
Hagdietrichs brautfahrt ist trefflich, auch oft in darstellimg.' Jac. Qrimm,
880 10
$73saga, doch wohl nur einen auszug aus dem gedieht, das En-
enkel in der mitte des 13ten Jahrhunderts kannte. Sigenothshe
ich schon bei einer andern gelegenheit beurtheilt: die sage ist
unbedeutend, die darstellung matt und leblos. Laurm^ durch
bessern inhalt geschützt, erhebt sich doch an keiner stelle über
eine flache gleichfbrmigkeit.
10. Das lied von Siegfried zeigt noch einigen Zusammen-
hang mit dem geiste der Nibelunge noth, aber in höchster be-
schränktheit und Ungeschicklichkeit, ja es scheint dem völligen
erstarren nah. dagegen das Hildebrandalied^ als wirkliches Volks-
lied, eine frische, nicht unangenehme Stimmung verräth. selbst
das lückenhafte und abgerissene darin hat etwas gefalliges und
die phantasie anregendes.
11. Ich darf die VHkina aaga nicht ganz übergehen, als
blosze Übersetzung und compilation aus zwar guten, aber doch
ungleichartigen quellen erlaubt sie kein eigentliches urtheil über
ihre darstellung. gerade das geistreichste der gedichte mnste
auf diesem wege verfliegen, aber die Übertragung in prosa ist
verständig und allem anscheine nach gewissenhaft, zudem ist
sie öfter durch umständlichere erzählung belebt und ihr fehlt
dann nichts, als ein höherer ausdruck und rhythmische be-
wegung.
12. Das heldenbuch Caspars von der Röhn ist eine von
allem poetischen sinn entblöste, unglaublich geistlose arbeit; der
beschränkteste meistersänger des löten steht den besten dich-
373 tern des 13ten Jahrhunderts näher, als dieser rohe bearbeiter
der alten quelle, nachdem dreihundert jähre etwa verflossen
sind, ist die heldensage aus den edelsten in die gemeinsten
bände stufenweise herabgefallen und ihr völliges erlöschen nicht
blosz begreiflich, sondern nothwendig. Caspar hat, wie es
scheint, für gemeine bänkelsänger gearbeitet und sein geschäft
wie ein tage werk betrieben; mehrmals thut er selbst die Über-
zeugung von dem werth seiner, viele unnütze worte wegschnei-
denden bearbeitung kund, von der Stumpfheit der spräche und
überhaupt ihrer behandlung musz man sich selbst überzeugen,
um sie ftlr möglich zu halten.
13. Das gedieht von Dieterichs drachenkämpfen ist, nur
in einer andern weise, ebenso schlecht als Caspars bearbeitun-
gen, ja dieser zeigt doch eine gewisse rüstigkeit, während das
weitschweifige und die endlosen Wiederholungen in diesem star-
ken, strophischen werk eine ganz kindische unbeholfenbeit an
den tag legen.
« »81
11. S78
Die Untersuchung rückt vor zur betraohtung der Verände-
rungen, welche die dichtung im munde der sänger oder durch
schriftliche aufzeichnung erfahren hat.
1. Nach Jornandes sangen die Gothen ihre heldenlieder
unter Begleitung der zither (die stelle oben s. 1). es ist frei-
lich nur eine Vermutung, dasz dieser gesang mehr eine lang-
same, den rhythmus bezeichnende, von den tönen des instru-
menta begleitete rede war; aber diese Vermutung stützt sich
auf ähnliche erscheinungen bei Völkern, deren heldenlieder noch
wirklich gesungen werden, das dasein besonders ausgebildeter
Sänger dürften wir nicht bezweifeln, wüsten wir, dasz der zither-
spieler, den der ostgothische Theodorich dem fränkischen könig
Chlodowig sendete und den er in seinem briefe (Cassiodor. var.
2. p. 1128. bibl. max. XI.) nennt: citharoedum arte sua doctum^
qui ore manibusque consona voce cantando gloriam vestrae po-
testatis oblectet, nicht ein römischer sondern ein gothischer ge-
wesen wäre, uugewis ist auch, ob er epische gedichte vortrug,
aber doch wahrscheinlich, ein noch früheres zeugnis aus der
mitte des 4ten Jahrhunderts belehrt uns über Volkslieder der
Deutschen am Bhein und ihre lust am gesang. ich meine die
bekannte stelle in Julians Misopogon gleich eingangs: ^deaaa-
jjLiQv Tol xal Toi>c 6ir&p x6v ^Pr^vov ßapßapou? a^pia fieXif] 'kiizi
Tr8Tronf3[i.lva irapairXi^aia tot? xpco'iffi.oTc x&v ßoc&VTcov äpvtftcüV aSovxac xal
eu9paivop.£vooc iv xot; fxsXeaiv. freilich ist nichts von ihrem in- 374
halte gesagt, im Venantius fort. (7, 8) nur die werte: barbaroa
leudos harpa relidebat, und: dent barbara carmina leudos,
2. Das angelsächsische gedieht von Beowulf enthält einige
wichtige äuszerungen über den vertrag der sage (die stelle oben
8. 14). der dichter, der eine menge alter sagen im gedachtnis
bewahrt, singt von Siegmund und Fitela. auch die iähigkeit
wird gerühmt, mit verstand und Sorgfalt die erzählung vorzutra-
gen, eines begleitenden Instruments geschieht gerade hier nicht
erwähnung, aber anderwärts wird der klang der harfe bei dem
gesange, der während des festlichen gelags statt fand, mehr als
einmal (Beowulf 9. 138. 158. 224. Conyb. 18) bemerkt, ver-
ständen wir den ausdruck singen und sagen^ der von dem vor-
trage epischer lieder gebraucht wird, in seiner eigentlichen be-
deutung, so würden wir über art und weise dabei besser unter-
richtet sein; sagen musz hier so viel heiszen, als umständlich,
bei festlicher gelegenheit verkündigen, nnd nur eine genauere
Bestimmung von singen enthalten, der ausdruck begegnet in
den werken des mittelalters. pfaffe Konrad von den heidnischen
boten, die an dem hofe des kaisers Karl anlangten (9*^): si
S8f ««- tt
874 hörten sagen und singen, in der ältesten Nibelunge noth findet
er sich nicht, wohl aber in der Überarbeitung (166 Lassb.), bei
Walther (58, 25. 61, 35. 72, 35), in Gudrun (666), Alphart
(254, 4), Rosengarten c (9». 17»». 24»»), Flucht (681. 2486), Ra-
benschlacht (5); ich enthalte mich der citate Aus andern wer-
ken des ISte^ und 14ten Jahrhunderts,' wo er nicht selten yor-
kommt. (noch bei Hans Sachs (Götz 55) pi^apt und i^esunffen,)
Wolfram Scheint einen gegensatz hineinzulegen: sagen oder
singen (Parc. 7187), singen oder sprechen (Parc, 12429); so
auch anderwärts (Fragm. 28, 47. Benecke beitr. 113. Amgb; 48*.
Renner 313*. 815». Dieterichs Drachenk. 169*. 241*). Reinbot
(Georg 340. 356. 1068) und Conrad von Würzburg (troj. kr.
eingang 132. 5205. 16821. 18260) gebrauchen beide ausdrücke,
ich zweifle sehr, dasz dieser gegensatz ursprünglich war, die
begriffe von gesang und rede lagen sich vielmehr früherhin so
nah, dasz häufig einer den andern ersetzte; das zeigt das nor-
dische qveda, das beides heiszt^ singen und sagen, das gothi-
sehe siggvan und Otfrieds (I. 17, 56) ausdruck: buah singet,
(das Vaterunser singan Hoffmann althochd. xi, 9 vgl. 20. Kaiser-
chron. 105*.) erläuterung und, wie ich glaube, bestätigung
meiner ansieht gewährt eine stelle in Yeldeks Ernst (s. 53): vil
seiden sie ir vergizen, von den sie sich da schieden: mit guoten
sagelieden so wart ir vil wol da gedäht und ir lop ze schalle
bräht. das alter aber und das technische in jenem ausdrucke
ergibt sich deutlich aus der äuszerung eines angelsächsischen
876 wandernden Sängers (Conyb. 15): ic msßg singan and secgan
spei, msBuan fore mengo in meoduhealle. diese stelle gibt auch,
wie mich däucht, grund zu glauben, dasz angelsächsische und
deutsehe einrichtungen hierin sehr üb^einstimmten. (eoncinna-
tur et canitnr. Pertz 2^ 83. 104.)
3. War der gesang frei oder bildete sich ein besonderer
stand von Sängern mit herkömmlichen sitten und rechtem ? ieh
fra^ zuerst die angelsächsischen quellen, deren Wichtigkeit wir
oben anerkannt haben und bei welchen wir früher, als bei "den
einheimischen, eine antwort finden, im Beowulf heiszt der,
welcher die alten sagen vorträgt, ein ruhmbeladener held (oben
s. 14), aber auch an mehreren stellen (Beowulf 40. 81) des
konigs dichter (scop, ahd. scuof); offenbar verwaltete er ein ihm
zu theil gewordenes amt, dasz dies Herrenda gethan, sagt ein
anderes angelsächsisches Zeugnis (oben s. 329 — 30) ausdrück-
lieh, und noch deutlicher spricht das gedieht von dem Sänger
Widsith (oben s. 18. 19), der in der weit umher zu allen be-
rühmten königen zieht, eine zeit lang in ihre dienste tritt und
köstliche geschenke zum lohn filr seine ktmst empft^ngt. dar
gegen sehen wir in einer anderen stelle BeowuUs (158) den
gesang nicht ausschlieszlich an die sänger gebunden: der alte
könig selbst übernimmt beim feste ihr amt aiid singt zur harfe
— II — HS
tapfere thaten. beides scheint also statt g^Ainden ^ haben, W
freier gesang und bestimmter beruf dazu, an welchen sich rechte
und Verpflichtungen knüpfen mochten; und diese einrichtung
scheint die natürlichste, (ich lasse die nordischen skalden,
deren Verhältnis eine scharf bestimmte eigenthümlichkeit zeigt,
aus dem spiel, obgleich viel ähnliches dabei vorkommt.) auf
gleiche weise sehen wir in den deutschen gedichten Volker den
spielmann und Horand, dessen kunst so hoch gepriesen wird,
als freie beiden, sogar in augenblioken , wo der kämpf ruhte,
ihrer neigung folgen, dagegen der sächsische sänger^ dessen
Saxo gedenkt (oben s. 48) , machte doch aus seiner kunst ein
gewerbe und ein noch älteres zeugnis lässt sie uns in gleicher
läge erblicken, (habet mundus ludorum eochibitorea^ carminum
pompaticos relatores, Walafrid Strabo bei Stalin Wirtemberg.
gesch. 1, 395.) Adam von Bremen berichtet nämlich von dem
erzbischof Adalbert (4, 42 [3, 38]): raro fididnea admittebaty
quos tamen propter alleviandas anxietatum curas aliquando cen-
suit esse necessarios. hätten sie nicht kunstgemäsze ausbildung
gehabt, wie könnte sonst von den zweien im Wigalois (7425.
vgl, 8480) gesagt werden: ir deheiner dem andern nie einen
grif übersach. Tristan (7563—72) zählt seine geschicklichkeit
als spielmann auf und fügt hinzu: daz kund ich allez wol, als
so getan Hut von rehte sol; ausdrücklich wird ihres amtes in
andern stellen gedacht (Trist. 3561. Mai p. 124). die spielleute 376
dienten zugleich als boten ^ wie eben jener bei Saxo. hierzu
taugten sie vorzugsweise, weil sie durch ihre reisen pflegten
aller orten bekannt zu sein und ihre kunst freien zutritt ver-
schaflle. Horand, des sanges meister, darf selbst am abende
zu der königstochter gehen (Gudrun 1570. 1649). spielmann
Isung wird (Vilkina saga c. 118) von einem könige an den
andern als böte gesendet und dabei die bemerkung gemacht,
dasz spielleute in frieden überall, sogar dahin reisen könnten,
yvo andere verdacht erregen würden. ausdrückUch geschieht
(c. 120) des groszen ruhmes erwähnung, in welchem Isung
stand, von zwölf sängern im dienste eines königs, die täglich
vor ihm singen musten, redet Gudrun (1624). Werbel und
Swemmlein, Etzels spielleute, sind aus dem Nibelungeliede be-
kannt, sie erfreuen sich groszer gaben (1314) und werden als boten
am Rhein ehrenvoll empfangen und behandelt (1376, 4. 1379, 1.
1393, 3), auch die reichsten geschenke ihnen bestimmt (1417).
nach einer stelle im Parcifal (974) sitzen sie bei der mahlzeit
an dem tische des herrn, unten dem capellan gegenüber, und
aus dem Tristan (7562) lernen wir, wie viele Vorzüge ein höfi-
scher spielmann vereinigen muste. sie befinden sich überhaupt
im gefolge des herrn (Parc. 550. 1864. Frauend. 87. 235. Wigal.
7426. 8474. Wigam. 4591) und stehen oflfenbar in dem Verhält-
nis geachteter dienstleute. in der art und weise, wie sie ihre
884 — 11 —
STekunst ausübten, mag der angebome stand weiter keinen unter-
schied gemacht haben; Volker heiszt blosz ein edel spilman
(Nib. 1416, 4).
Herumziehende, fahrende Banger suchten die höfe der forsten
und könige, zumal wenn grosze feste bevorstanden, bei dem
schlusze derselben sie mit ansehnlichen geschenken zu entlassen,
war eine alte, durch viele Jahrhunderte festgehaltene sitte. sie
empfingen gewöhnlich, was der mann bedarf, kleidung, schwer!
und rosz^ also das heergewäte, wenigstens ein einzelnes stück
davon. .Ruther reicht an Constantins hof einem armen spiel-
' mann einen mantel. in dem welschen gast wird freigebigkeit
getadelt, welche nicht einen bedürftigen armen, sondern den «u
bekleiden pflegt, der schon hinlänglich bekleidet ist; zur ver-
sinnlichung der lehre hat der cod. Pal., der im jähr 1216 ver-
fertigt ist, folgendes bild hinzugefügt : ein herr, zwischen einem
spielmann und einem halbnackten armen stehend, reicht jenem
einen mantel, während dieser vergeblich nm einen pfennig bittet,
darüber die werte: des ruomes gäbe. Enenkel erzählt (Rauch
1, 158. 159), dasz herzog Leopold von Ostreich einen spielmann,
377 der nach Rom an des kaisers hof gewollt, für seine kunst her-
lich mit rosz, schwert und kleidern beschenkt habe, ähnliche
gaben werden Nibel. (42, 2), Eracl. (2395), Wigal. (1680) er-
wähnt, beispiele lieszen sich häufen, es kam nur darauf an,
solche auszuwählen, welche achtung und theilnahme für den
gesang bewähren. Walther (63, 3) verschmäht getragene klei-
der, aber ein kaiser, sagt er, würde sie als spielmann nehmen,
beständen sie aus dem leibe selbst, womit die schöne frau be-
kleidet ist.
Der Vortrag epischer gedichte mochte wohl dem der minne-
lieder (Frauend. 204), auch wohl bloszer instrumentalmusik
(Lohengr. 81. Flore 7579), immer mehr nachstehen, dagegen
sagt noch der Meisener: gedoene äne wort daz ist ein toter
galm (Amgb. 41*). das lied von Anno gedenkt des epischen
gesanges (oben s. 49) und Swemmel, nach annähme der Klage
(oben s. 108), erzählt daz maere von dem Untergang der beiden;
überdies beweisen die Zeugnisse Marners (oben s. 161. 162),
Conrads von Würzburg (s. 167) und Hugo von Trimbergs (s. 171),
dasz die heldensage auch noch später gegenständ des gesangs
war. selbst die nachricht von Verbreitung Wolfdieterichs (oben
s. 229) verdient hier berücksichtigung. strophische lieder waren
es immer, setze ich voraus.
Blinde^ zu andern beschäftigungen unfähig, scheinen wie
bei vielen andern Völkern ^^ häufig das gewerbe der Sänger
® ' der blinde Wibert wird Jongleur. Fauriel in der reme des deux mondes
tom. 8 p. 279. blinde sänger bei den Serben. GÖttiuger anz. 1834 8. 371.
372. 1837 s. 73. Talvj 2, 244. Houarve blind geboren lernt gesänge. VUIe-
— 11 — 986
ergriffen zu haben, von dem blinden Friesen Bemlef gibt es 877
ein altes zeugnis, das schon anderwärts (deutsche sagen 2, xii)
angeführt ist. er sang epische lieder. spätere Zeugnisse von
blinden strciszensänffern sind oben (s. 173) mitgetheilt. sie be-
fanden sich ohne zweifei in einer andern läge, als die Sänger
im dienste der könige; überhaupt mag nicht nur eine grosze
Verschiedenheit der Verhältnisse, nach stand, bildung und natür-
lichen gaben eingetreten, sondern auch das gewerbe selbst immer
mehr gesunken sein, spielleute, die zu dem gewöhnlichen fah-
renden Volke gerechnet wurden, mochten oft genug die traurige
Seite ihrer lebensart zeigen, und es ist gar nicht zu verwun-
dern, dasz ihnen, als rechtlosen, nur scheinbusze an dem schat-
ten des beleidigers gewährt wurde (rechtsalterth. 677). auf sie
fallt das nachtheilige, was zumeist spätere Zeugnisse von ihnen
aussagen (Oberlin s. 1535). Ottokar am ende des 13ten Jahr-
hunderts gedenkt (c. 754) eines schönen weibes, welches die
geige spielen und singen konnte, und das spricht deutlich den
zustand damaliger zeit aus. es ist ganz der natur der sache ge-
mäsz, dasz#die Sänger auf der einen Seite ausgezeichnet und geehrt,
auf der andern gering geschätzt und der ehre beraubt wurden.
4. Ich kehre zu der bemerkung noch einmal zurück, dasz
nicht blosz von den eigentlichen sängem, sondern von jedem 378
im Volke, nach lust und gelegenheit, die gangbaren lieder moch-
ten gesungen werden, gemeine (rustici), das heiszt, nicht höfi-
sche leute, werden ausdrücklich genannt (oben s. 32. 33). die
bis zu dem neunten Jahrhundert zurück nachweisbaren aus-
drücke: vulgare Carmen (oben s. 27), carmina gentilia (28),
vulgaris fabulatio et cantUenarum modulatio, vulgaris opinio
(36. 37. 38)^ gens canens prisca (44) und ähnliche in andern
auf den volksgesang bezüglichen stellen (deutsche sagen
2, 7CI. xii) können ebenso gut dahin ausgelegt werden, wie
lang diese art lieder gedauert haben, zeigen bei Lazius die vul-
gares cantilenae gentis nostrae ; dänische sind aufgefasst worden
und zu uns gelangt.
5. Eginhart gibt die erste nachricht von schriftlicher auf-
Zeichnung der alten gesänge; sie fand auf des kaisers veranlas-
sung statt. Ludwig dem frommen musz eine solche zugänglich
gewesen sein, da er die gedichte nicht lesen wollte, erhalten
ist uns aus dieser zeit das bruchstück vom Hildebrandslied, das
auf mündliche Überlieferung (ik gihörta dat seggen) hinweist
gegen das ende des 9ten Jahrhunderts sehen wir Alfred im be-
sitz einer, zumal mit dem ausgemalten anfangsbuchstaben ge-
marqu^ Barzas-Breiz introd. X. die pipers in Irland, welche fast alle blind
sind und sieh aus weitem alterthum herschreiben, fangen jetzt an immer mehr
zusammen zu schmelzen, briefe eines verstorbenen 2, 119.
WiLH. Grimm, dsutschb hbldbmsaqb. 25
886 — 11 —
378 zierten handschrift sächsischer gedichte. am schlusz des lOten
Jahrhunderts werden von Flodoard schon libri teutonici citiert,
deren inhalt in unsem fabelkreisz fiel, unter den denkmSlern
des mittelalters beruft sich die Nibelunge noth allein blosz auf
mündliche sage (uns ist in alten maeren wunders vil geseit^ und:
so wir hoßren sagen 871, 1, als ich vernomen hau 1447, 2), da-
gegen die übrigen, selbst Gudrun, berufen sich auf beides zu-
gleich, das buch und die mündliche sage, diese doppelte quelle
gibt auch die Vilkina saga mehrmals an und äuszert sich deut-
fich über die allgemeine Verbreitung der gedichte in Nieder-
sachsen zu damaliger zeit, die fortdauer der mündlichen sage
bis ins 16te, in immer mehr schwindenden spuren bis ins 17tß
Jahrhundert, wird durch die Zeugnisse dieser periode bewiesen.
Die schriftliche aufzeichnung der gedichte war gewis von
groszem einflusse. beide quellen kreuzten sich und der erfolg
davon konnte ftlr die reinheit der sage ebensowohl günstig als
nachtheilig ausfallen, die schrift stellt zwar die Überlieferung
fest, verschafft aber auf der andern seite einer zufallig mangel-
haften und verderbten aufzeichnung eingang. das stumme und
einsame lesen, wie es jetzt möglich geworden, entbehrt den ein-
879 druck des lebendigen gesanges, und wo die sorge für erhaltung
im gedächtnis wegfallt, da wird die kraft des gedächtnisses von
selbst gemindert und eine lückenhafte kenntnis der sage be-
günstigt, unbezweifelten einflusz muste die schrift schon auf
den Vortrag der sage haben; er konnte zu bloszem vorlesen
herabsinken ohne gesang oder begleitende musik. der ausdruck,
dessen sich Thegan bedient, docere, scheint mir schon darnach
zu erklären, in den gedichten aus der ersten hälfte des ISten
Jahrhunderts finden wir das vorlesen der quelle oft angemerkt,
z. b. beim Biterolf (oben s. 125) und in der Rabenschlacht
(s. 207). im Wolfdieterich heiszt es (60**): als irz noch hiute
hoeret singen odei* lesen, und (208*^): also wir ez hceren lesen.
Während die auf keine schrift sich stützenden Sänger, wie
man der natur der sache nach glauben darf, kürzere lieder
sangen^ etwa von dem umfange der eddischen, deren stoff sie
nach Wohlgefallen auswählten und begränzten, und welche da-
her, in beständiger, lebendiger fortbildung begriffen, von selbst
in einem cyklischen kreisz standen, machte die schrift, welche
überhaupt die epische ausftihrlichkeit begünstigte, gröszere com-
positionen, zusätze, Überarbeitungen, eigenmächtige Verknüpfun-
gen, und dergleichen nicht ganz unschuldige ein Wirkungen,
selbst die anwendung einiger gelehrsamkeit, möglich, die Vil-
kina saga ist ein umfassender versuch, aus beiden quellen ein
ganzes zusammen zu setzen.
« »T:
12. 879
Ich gedenke hier des verhälinmee^ in welchem das epos
zu der jedesmaligen büdung der zeit stand, bei den Gothen
wurden die lieder vor dem königlichen geschlechte der Amaler
gesungen. Jahrhunderte später sehen wir Karl den groszen für
ihre auffassung sorge tragen. Ludwig der fromme hatte sie in
der Jugend auswendig gelernt; so darf man didicerat (oben
s. 18) erklären, wenn man bei Asser liest, dasz könig Alfred
ein gleiches gethan. könig Arnulf wird durch ein aus der sage
entlehntes bespiel und zwar von einem erzbischof an seine
pflicht in der wichtigsten angelegenheit ermahnt diese zeug*
nisse lassen über die achtung, in welcher das alte epos damw
stand, keinen zweifei. zu der zeit, wo das Nibelungelied die
gestalt erhielt^ in der wir es besitzen, mochte drüber hinaus
keine bildung sich erheben, das ergibt sich aus betrachtung
seines sittlichen und poetischen werths. erst mit dem aufkom-
men der höfischen dichter bildete sich ein gegensatz von selbst, 880
ich will sagen, sie hatten eine ganz verschiedene weise und
richtung, welche sie von dem volksmäszigen ableitete, einsei-
tige Verfeinerung des geistes .und conventioneile Vornehmheit
hinderte sie den groszen werth der einfachem dichtung zu
fühlen. Wolfram macht insofern ausnähme, als er genaue
kenntnis derselben zeigt und mehrmals darauf zurückkommt,
doch seine gewaltige poetische kraft übte sich an ganz andern
gegenständen und holte Stoff in der fremde; sein Titorel ist das
einzige werk namhafter dichter, das vor der Nibelunge nöth
nicht zurückzuweichen braucht, dies kleine stück ist von auszer-
ordenüicher Schönheit der gedanken und des ausdruoks, • steht
aber der schlichten rede des Nibelungeliedes, die nur selten
von ein paar herkömmlichen gleichnissen unterbrochen wird,
gegenüber, bei Veldek und Eilhart nur eine leichte hindeutung,
eine versteckte bei Walther, den ein ganz besonderer anlaaz
dazu bewog. entschiedenes schweigen bei Hartmann, Wirnt
und dem glänzenden, beredten Gottfried; noch auffallender
scheint mir, dasz im welschen ga$t und Freidanks werk, die
beide das wirkliche leben besprechen, nicht die fernste bessie^
hung vorkommt, gleichwohl war die sage selbst in dieser zeit
allgemein verbreitet, wie hätte sonst Walther sich so dunkel
ausdrücken können! und der Verfasser der Klage (oben s. 109)
sagt es ausdrücklich; aber. sie lag der höfischen und gelehrten
bildung zur seite und war bereits in die zweite band über-*
gegangen, (wie wenig die gedichte romanischer abkunft in das
volk gedrungen waren, zeigt die Vilkina saga in welcher nicht
eins davon vorkommt, was gewis nicht kritischem gefüble zu-
zuschreiben ist. sie waren nicht unter das volk gedrungen^
26 •
tm — tt
880 sondern waren ein eigenthum der höfischen bildung.) dem Ra-
^ dolf von Ems und Conrad von Würzbarg entschlüpft in ihren
zahlreichen werken, und während sie sonst durchaus nicht wort-
karg sind, ttUT eine ziemUefa unbedeutende anspielung, die von
zumJliger erinnerung zeugt; in dem kreisz ihrer gewohnlidieii
gedttnken stand die Tolksdichtung offenbar nicht, der Mamer
redet davon nur in einer unwilligen Stimmung, Ulrich von Tür-
lin nebenbei, als die höfische poesie selbst anfieng in verfall
zu gerathen, gegen das ende des 13ten Jahrhunderts, erwähnen
dichter, wie Ottokar, Hugo von Trimberg, der Verfasser des
Rein£ried, wiederum die Volksdichtung, wie andere dinge, ohne
nähere theiinahme, und die war auch im 14ten Jahrhundert, als
die poetische kraft immer tiefer sank, nicht mehr möglich, in
den werken des Suchenwirts kommt nicht die leiseste andeu-
tnng vor fs. jedoch ZE. 30, 3. 58, 1 s. 434]. wir finden zu-
letzt die Siegfirieds saga, von der die Edda meinte, sie würde
erst mit der weit selbst untergehen, als gegenständ ftir die
dürftigen sänger der meisterschule; immer noch besser mag
sich der alte Hildebrand auf dem puppentheater ausgenommen
haben.
881 13.
Absichtlich ist die betrachtung des übernatürlichen und
wunderbaren in der sage bis hierher verspart.
1. In der dichtung von Sigurds ahnen tritt Odin^ als ein
gnädiger, die familie vorzugsweise schützender gott sichtbarlich
auf. der erste ahnherr Sige ist sogar sein söhn, scheint aber
noch daneben einen irdischen vater zu haben, als er bei diesem
wegen eines an einem knechte begangenen mordes nicht länger
bleiben kann, so geleitet ihn Odin, hUft ihm zu kriegsschi&n
und lässt nicht ab, bis Sige ein mächtiges königreich erworben
hat. sein söhn Rerir lebt lange kinderlos, doch Odin erhört
seine bitte und sendet ihm durch die tochter des riesen Hrim-*
ner einen fruchtbar machenden apfel, wovon er und seine firan
etwas genieszen. Rerirs söhn Yölsung heiratet hernach eben
diese^ durch Hrimner selbst ihm zugesandte riesenjungfrau. von
Yölsung, obgleich die sage von ihm den namen erhält, erfahren
wir wenig, vielleicht weil hier ein stück untergegangen ist,
aber Odin zeigt sich wieder, einäugig, mit herabhangendem
hute^ in einen bunten mantel eingehüllt, als Yölsung die Ver-
mählung seiner tochter Signe mit dem mächtigen könige Siggeir
fdert. der gott stöszt ein schwert bis an das heä in den
stamm einer eiche, die mitten im saal steht, und durch den
ausspruch, dem solle es gehören, der es herausziehen könne,
schenkt' er es dem ältesten und ausgezeichnetsten söhne, dem
Siegmund^ der ohne mühe die au%abe löst, mit diesem Schwerte,
13 889
wdches Odin selbst das beste aennt, ist stätiger sieg Terbun-m
den; es zerschneidet sogar einen felsen, weicherden vater und
söhn in dem gef&n^isse trennt, doch in dem letzten kämpfe
scheint Siegmund die gnade Odins verloren zu haben« noch
fallen die feinde vor ihm, als Odin wiederum in jener gestalt
ihm entgegen tritt und einen speer vorhält, an dem jenes
Schwert in zwei stücke zerspringt, alsbald weicht das glück,
Siegmund wird mit seinen leuten niedergeschlagen, befiehlt aber
noch sterbend der schwangern Hiordys die schwertstücke auf-
zuheben, weil daraus dem knaben, den sie gebären werde, das
Schwert Gram solle geschmiedet werden.
Den grund warum Odin sich von Siegmund abwendet, ver-
räth nicht eine leise andeutung, doch war er wohl vorhanden,
von der Überlieferung aber schon vergessen, die Völsunga saga
enthält bekanntlich allein die geschichte von Sigurds ahnen, die
eddischen lieder, die sie benutzte, sind verloren, und die deut-
schen gedichte wissen durchaus nichts davon, wir müszen uns 383
also, da alle vergleichung fehlt, mit der bemerkung begnügen,
dasz die einwirkung eines hohem wesens hier gar sehr in den
gang der begebenheiten einzugreifen scheint und schwerlich
darin fehlen konnte, doch wie vorsichtig man mit diesem
Schlüsse sein müsse beweist das folgende.
2. Nach der Völsunga saga zeigt sich Odin dem Sigurd
wieder geneigt und hilfreich, in der gestalt eines alten, lang-
bärtigen mannes verschaft er ihm das rosz Grane, welches allein
durch einen flusz schwimmen kann und welches er einen ab-
kömmling von Sleipner (dem achtbeinigen pferde Odins) nennt,
als Reigin Gram schmiedet, holt Sigurds mutter dazu die zer-
brochnen stücke des odinischen schwerts. Sigurd fährt Gram
so lange er lebt und rächt sterbend noch damit seinen mord.
als auf einer seefahrt Sigurds ein unwetter sich erhebt, lässt
sich Odin unter dem namen Hnikar in das schiff aufiiehmen
und sogleich legt sich der stürm ; er verschwindet, als sie glück-
lich am ziele angelangt sind, bedeutender wirkt Odin, tds Si-
gurd entschlossen ist, den drachen zu tödten. Reigins heim-
tückische absieht war, dasz Sigurd in der grübe stehend durch
das herabströmende blut des verwundeten Fafne selbst umkom-
men sollte; aber Odin erscheint auf der Gnitahetde und gibt
dem Jüngling den klugen rath, noch andere gruben zum ab-
flusse des blutes zu graben, doch das ist der letzte beistand,
den er von Odin empf≯ wie sehr er auch späterhin dessen
bedürftig ist, der gott zeigt sich nicht weiter, nur am ende
der sage tritt er noch einmal auf, aber in befremdlicher weise,
er gibt nämlich dem Jörmunrek, dem mörder von Sigurds tooh-
ter Schwanhild, den anschlag, die rächenden Stiefbrüder, durch
Waffen unverletzbar, mit steinwürfen zu tödten. hier erscheint
er also im gründe fiBindlioh gegen Sigurds gqsdileehi
390 13
iS2 Merkwürdig genug kennen die eddischen lieder diese ein-
wirkungen Odins nicht, hier wählt Sigurd das rosz Grane
ganz einfach ohne probe aus dem stalle Hialpreks und der
abstammung von SIeipner ist mit keinem worte gedacht. Gram
wird von Reigin geschmiedet^ ohne dasz von den zwei stücken
jenes zerbrochenen, odinischen Schwertes die rede wäre, eben-
sowenig empfängt Sigurd den rath noch andere gruben zum
schütze gegen Fafnes blut zu graben, er gräbt nur eine ein-
zige, in welcher er selbst sitzt, und es wird sogar bemerkt,
dasz das gifb des darüber schreitenden drachen ihm auf das
haupt gefallen sei. Sigurd weisz nichts von Reigins heimtficke,
388 erst der sterbende Fafne und die vögel verrathen sie ihm. nur
in einem einzigen und gerade dem unbedeutendsten falle, in
seiner erscheinung als Hnikar, stimmen die eddischen lieder
überein und nicht einmal völlig, denn nach beschwichtigtem
. stürm und glücklicher landung verschwindet Odin nicht, son-
^ dern ertheilt noch in einer reihe von Sprüchen dem Sigurd gute
lehre über glückliche und unglückliche zeichen beim kämpf,
worin ich jedoch nichts, als einen nicht ursprünglichen zusatz
sehen kann, ob Odins erscheinung bei Jörmunrek auch in der
Edda anzunehmen sei, bleibt zweifelhaft; genannt wird er nicht,
aber er könnte mit der Umschreibung inn regin kunngi baldr
i brynnio (Hamdism. 24) gemeint sein, und diese erklärung
wird durch Saxo (oben s. 47) bestärkt, der ausdrücklich den
Odin nennt, doch scheint uns natürlicher, den Jörmunrek
darunter zu verstehen, und fiir diese ansieht spricht die Snorra-
edda (s. 144), wo der alte könig den rath mit steinen zu wer-
fen selbst ertheilt.
Es ist schwer zu sagen, wer hier das richtigere enthalte,
die eddischen lieder oder die Völsunga saga. ganz angemessen
scheint zwar Odins einmischung jedesmal, dennoch könnte die
darstellung der Edda die einfachere und bessere sein, dazu
kommt, dasz die auf einer eigenthümlichen quelle ruhende
Snorraedda mit den liedem übereinstimmend nichts von Odins
Verhältnis zu Sigurd, ja nicht einmal etwas von Hnikar weisz.
in den deutschen gedichten wird die theiinahme eines über-
irdischen Wesens an Siegfrieds leben durch nichts entfernt an-
gedeutet, man müste denn den glänz, der auf seiner erschei-
nung überhaupt ruht, als einen davon übrig gebliebenen ein-
. druck betrachten.
3. In dem einflusse Odins auf das geschick der Brünhild
stimmen beide, die Edda und Völsunga saga, überein. ein vor-
angegangenes ereignis wird erwähnt. Brünhild war eine vaUcyne
und hatte, Odins anordnung umkehrend, einmal demjenigen
sieg verliehen, der unterliegen sollte, die strafe folgte sogleich.
Odin stach einen schlaf dorn in ihre Jdeidung (ä feldi, daftlr liest
^e Völsunga saga fSbchlicb a höfdi) und nun entschlief sie
IS 891
auf einem hohen berge (nach Helr. 8 in dem walde Skatalund), 888
den beim noch auf dem baupt, den panzer am leib, wie sie
aus der schlacbt gekommen war. dann ward sie von einem
wabernden feuer und auszerdem noch von rothen und weiszen
schildern (einer schildburg) umgeben, deren ränder sie berühr-
ten und über welchen eine fahne ragte. Odin that den aus-
spruch, dasz sie aus ihrem stand heraustreten, d. h. nicht mehr
in den krieg ziehen, sondern als verheiratete frau leben sollte,
dem wird sie bestimmt, der durch das feuer reitend ihren pan- 384
zer ablösen und (durch wegnähme ihres schlafdorns ?) den zau-
berschlaf brechen kann, das vermag nur Sigurd. (vgl. Sig. 1,
15. Fafnism. 42—44. Brynh. 1, 2. prosa s. 109. 193. 194.
Helr. 8. 9).
Die sage in diesem Zusammenhang ist der deutschen dich-
tung zwar fremd, doch bewahrt sie einzelnes, das der nordi-
schen entspricht, auch hier zeigt Brünhildens natur etwas be-
fremdendes und übernatürliches: sie ist ein angestltchez wip
(Nib. 604, 4). die wucht der waffen (419, 2. 3), die kriegeri-
sche rüstung {gewdfent man die vant sam ob si wolde striten
um elliu küneges laut 413), gefahrvolle, das leben zum pfand
setzende kampfspiele (326, 4), endlich die abhängigkeit ihrer
stärke von dem Jungfrauenstand (629, 1) lassen deutlich ihren
ursprünglichen beruf erkennen; auch werden wir hernach sehen,
dasz solche, menschliche schranke schon durchbrechende wesen
nicht blosz im norden einheimisch waren, man könnte wohl
den namen lectulus Brunihildae, den ein felsenstein auf dem
Feldberg fuhrt (oben s. 155), dahin deuten, dasz Brünhild wäh-
rend des zauberschlafs dort gelegen habe, endlich dürfte man
noch an das von einer spindel gestochene und deshalb in schlaf
versunkene Dornröschen (Hausm. nr. 50) erinnern, das statt des
feuers ein dornenwald umzäunt, und das so lange schlummert,
bis der vom Schicksal erwählte durch die dornen dringt.
4. Die drei götter, Odin^ Hcener und Loke^ kommen bei
einer Wanderung zu dem Wasserfall Andvares, eines zwerges.
sie erblicken dort eine otter, an einem erhaschten lachse kauend,
und Loke wirft sie todt. die Äsen, über diesen fang erfreut,
nehmen ihr nachtlager bei Hreidmar, ßeigins vater, und hier
offenbart sich, dasz jene otter ein dritter söhn Hreidmars ge-
wesen, der die gestalt dieses thiers angenommen hatte, die
götter werden festgehalten und müssen lösegeld entrichten. Loke
ausgesendet das nöthige gold herbeizuschaffen, fängt mit dem
erborgten netz der göttin Ran den als fisch umherschwimmen-
den zwerg Andvare und . nöthigt ihn seine schätze heraus zu
geben, womit Heidmar befriedigt wird, dieses gold, dem Hreid-
mat wiederum von dem eigenen söhne Fafne geraubt, kommt
späterhin in Sigurds bände und ist der berühmte Nibelungehort,
von dem sogleich näher die rede sein wird, diesen Ursprung
892 18
384 kennt die deutsche sage ebensowenig, als jene fahrt der drei
Äsen; ihre einmischung gibt sich mithin als nordischer zusatz
kund, ich meine nicht die fahrt selbst und das ereignis mit
385 Otur, beides mag in der echten sage begründet sein, allein die
götter sind eingeschoben ; denn obgleich gerade zwei der mäch-
tigsten genannt werden, so ist doch, was sie thun und was sie
sich müssen gefallen lassen, ganz im gegensatze zu der vorhin
erwähnten eri^cheinung Odins, so wenig möglich, dasz ebenso
leicht, selbst schicklicher, sterbliche menschen an ihren platz
treten würden. Hreidmar spricht sogar fSig. 2, 7), als habe er
den göttem das leben nehmen können, nur in dem umstand,
dasz Odin ohne gefahr den verderblichen ring, welchen wir
sogleich näher betrachten werden, besitzt, zeigt er seine gött-
liche natur, aber dieser besitz ist nicht nothwendig.
5. Der zwerg Andvare hat dem Loke seinen ganzen
schätz hervorgetragen, fleht aber, ihm einen kleinen goldring zu
lassen, die Snorraedda, überhaupt hier am vollständigsten,
weisz, warum der zwerg so viel werth darauf legt (s. 136): oc
letzt mega oßxla ser fe af bauginum, ef hau heidi, er konnte
sich, wenn er ihn behielt, damit sein gold wieder vermehren.
Loke, unerbittlich, nimmt ihn weg. da verwünscht der zwerg
den ring: jedem, der ihn besitze, solle er den tod bringen.
Odin behält ihn fiir sich, weil er ihm gefällt, mit dem golde
wird das lösegeld entrichtet, doch, um es voll zu machen, musz
Odin auch jenen ring, Andvaranaut genannt, herausgeben, der
ausgesprochene fluch geht in erfüUung, nach der reihe empfan-
gen den ring Hreidmar, Fafhe, Sigurd, Brünhild (Völsunga saga
c. 36), Gudrun (Drap Nifl. s. 287), die ihn dem JSögni sendet;
und alle sterben eines gewaltsamen todes. Gudrun macht in
so weit eine ausnähme, als das meer sie nicht verschlingt, son-
dern weiter trägt; ein abermaliger wink, dasz ihre dritte Ver-
heiratung ein nicht ursprünglicher zusatz sei.
Die deutsche sage kennt noch das bose^ an den besitz des
goldes geknüpfte Verhängnis (oben s. 63. 111. 260), wiewol nicht
den Ursprung davon, überhaupt scheint ihr nur eine dunkle
erinnerung vorzuschweben. Brünhild bleibt leben, was schon
vorhin aus andern gründen unpassend geftinden wurde, obgleich
der ring^ den ihr Siegfried abzieht (Nib. 627, 3), ohne zweifei
Andvaranaut ist; die Völsunga saga berichtet es (c. 36) aus-
drücklich.
6. Der hört ist ein zwergschatz. ein solcher fasst uner-
meszliche reichthümer in sich, denn alles köstliche, wirklich
oder nur erdenkbar, häufen zwerge in unterirdischen Woh-
nungen an. das ist noch jetzt Volksglaube. Andvares hört
zeichnet sich durch zwei Wunderdinge aus: durch den Aegis-
13 898
•
helm*^ vor dem jedes lebendige wesen erzittert (Sig. 2, s. 160. 886
Str. 16. 17. Fafnism. s. 188. Snorraedda s. 137), und den vorhin S86
erwähnten ring Andvaranaut der werth, den der zwerg darauf
setzt, und die verlorene schätze wieder erzeugende kraft verrät
seine natur: in ihm liegt eigentlich der hört beschlossen. Xnd-
vares fluch verkehrte das glück, das mit des ringes besitz ver-
bunden war. viele deutsche sagen berichten eine gleiche Um-
wandlung, die mit den von zwergen rührenden Wunderdingen
stattfand, weil sie in unrechte bände kamen oder die bedingung
verletzt wurde, unter welcher sie den menschen gegeben waren,
jenen furchtbaren heim haben wir in der deutschen sage als
Hüdegrim wieder gefunden (oben s. 79. 142. 164), wobei ein
Wechsel in der person des eigenthümers eingetreten ist. an die
stelle des ringes, glaube ich, ist die wünschelruthe gesetzt (Nib.
1064), deren unerschöpfliche macht gleicherweise über den gan-
zen hört hinausgeht, sie bleibt ohne einflusz in dem gedieht
und Siegfried macht nie gebrauch davon, das wäre unnatürlich,
wenn wir nicht wüsten, warum Andvaranaut aufgehört hat,
segensreich zu sein, der unschätzbare, über alle reichthümer
zu setzende, mit übernatürlichen kräften begabte ring Otnits
(86. 88, 2. 104. 148. 150. 164. 187), nach dem Eiberich so
heftig verlangt (141. vgl. Wölfd. dr. 833. 834), und der ihn
an den besitzer bindet (201, 4), ist genau ein zwergring, wie
jener nordische. nach Fafnism. (prosa s. 188) findet Sigurd
auch in dem hört das seh wert Hrotte^ das nicht weiter vor-
kommt und entweder mit unrecht hier genannt wird, oder wo-
von die sage verloren ist.
7. Eingemischt in die dichtung sind die wunderbaren,
halb überirdischen, halb menschlichen wesen, welche geheim
wirkende kräfte der natur darzustellen scheinen, und deren
eigenthümlichkeit wir aus alten Überlieferungen, wie aus noch
jetzt lebendem Volksglauben, mit einiger Sicherheit bestimmen
können, ich setze die vor den irischen elfenmärchen mitge-
theilten Untersuchungen als bekannt voraus, und ordne, so ein-
fach als möglich, die erscheinungen dieser art in unserm fabel-
kreisze.
a) Valkyi^n. ihr geschäft ist: örlög drygia (Völ. 1). örlög
heiszt Schicksal und, wodurch das Schicksal in ältester zeit zu-
meist entschieden wurde, krieg, ihr verlangen geht also dahin,
das Schicksal der menschen oder die entscheidung im kämpfe
zu lenken, deshalb sehnen sich die drei valkyrien von Völund
und seinen brüdern fort in den krieg, ein gleiches thut die
valkyrie Brünhild (Völsunga saga c. 36). von jenen dreien
wird im eingang des eddischen liedes erzählt, sie hätten am
* 'es ist nirgend gesagt, dasz Andvari je den Aegishelm besessen.' Jacob
Grimm.
894 — 13
«
386 wasserstrand gesessen und linnen^ wie ich glaube, die fäden des
387 Schicksals (örlögpaBttir , Helg. 1, 3), gespunnen. sie vermögen
thierhäute anzuziehen und als tagegeister nehmen sie schwanen-
gestalt an. {Kara in schwangestalt Hrom. Gripis s. c. 67; ge-
sang von schwanen Saxo 6, 100). die eine valkyrie im Völunds-
lied heiszt deshalb nicht blosz Svanhmt^ sondern es wird noch
ausdrücklich gesagt, sie hätten, während sie am ufer gesessen
und gesponnen, ihre schwanenhemder (alptar hamir) neben sich
liegen gehabt, dasz Brünhild auch ein solches besasz, lernen
wir aus Helr. 6; sie erzählt da, ihr und andern valkyrien
habe der muthvolle könig die gewänder (hamir) unter eine eiche
tragen lassen, wer dieser könig gewesen ist, kann hier uner-
örtert bleiben, aber höchst wahrscheinlich will Brünhild sagen,
er habe sie dadurch in seine gewalt bekommen, dasz er ihnen
(den spinnenden oder badenden) die gewande geraubt und (von
dem Wasser weg) unter eine eiche tragen lassen, es war ein
ereignis aus frühester Jugend, denn in der nächsten Strophe ver-
nehmen wir, dasz sie damals erst zwölf jähr alt war. in Gudr. 1,
25 wird gesagt, der Brünhild sei bei dem anblick von Sigurds
leiche feuer aus den äugen gesprungen, und sie habe gift aus-
geblasen, war das ein ausbruch ihrer geisterhaften natur oder
ist es blosz ein von drachen entlehntes gleichnis, das nicht
wörtlich soll verstanden werden? »die valkyrie, die Odin dem
Rerir sendet, gehört als tochter eines joten zu den nacht-
geistern und zieht deshalb eine krähenhaut über (Völs. c. 4).
Diese wesen, welche von den in der mythischen Edda er-
scheinenden, gleichnamigen, durch eine stärkere beimischung
des menschlichen und irdischen sich unterscheiden, sind dem
deutschen Volksglauben nicht fremd, ich verweise auf die schon
angeführte abhandlung über elfen und füge nur hinzu, dasz der
sogenannte fliegende herbst beim volk für ein gewebe der elfen
gilt, also das spinnen bei ihnen eine hauptbeschäftigung aus-
macht, hier habe ich nur aufzustellen, was in unsern dichtun-
gen darüber vorkommt, schwanenjungfrauen sind ohne zweifei
die meerweiber, die Hagen auf dem zuge zu Etzel in dem
wasserbad gleich schwebenden vögeln findet. er nimmt ihnen
ebenfalls die kleider, um sie in seine gewalt zu bekommen,
nennt sie wtsiu wtp (Nib. 1473, 3. 1483, 4) und verlangt von
ihnen Verkündigung seines Schicksals (Nib. 3476, 4. Vilkina s.
c. 338), die ihm auch endlich zu theil wird.^* hierher gehört
'^ eine schwanjungfrau scheint auch &au Bahehild, die Dieterich nach
dem kämpfe mit Ecke an einem brannen schlafend findet und erweckt, die
ihm dann für seine wunden salbe gibt, sein Schicksal ihm prophezeit und
beim abschiede ihn segnet. Ecke Lassb. 151 — 160 (hier allein). sie besitzt
ein schönes reich im meer und 'weisz übel und gut', d. h. sie sieht in die
Zukunft.
— 13 — 896
auch Wittichs ahnfrau Wachild^ die ihn, als er von Dieterich 387
verfolgt wird, zu sich ins wasser aufnimmt und ihn schützt,
längeres leben, als andern menschen wird ihr in jedem falle zu-
geschrieben , wenn sie nicht ganz unsterblich ist. dagegen 388
tödtet Högne in der Vilkina saga die beiden meerweiber. die
rauhe Ehe trägt als eine den Wolfdieterich bethörende, schwarze
waldelfin eine dunkle, zottige haut, von der sie erst im Jung-
brunnen befreit wird, (auch Birkhild^ Fasolds mutter, ist rauh.
Ecke Lassb. 231.)
Ich vermute, die geheime kraft, wodurch eine solche haut
sich dem menschlichen leib anschlosz, und selbst eine Umge-
staltung desselben bewirkte, lag in einem ring, wir haben vor-
hin schon die macht des zwergringes kennen gelernt, ob es
derselbe ist, steht dahin, die wolfshäute, in welche Siegmund
und Sinfiötle fahren und die ihnen sogar wolfsnatur verleihen,
hiengen neben den männern, die jeden zehnten tag davon be-
freit wurden, und es wird von diesen männern gesagt (Yöls.
c. 12), sie hätten da im gebüsch ge^e^^eii mit dicken goldringen.
bloszer zierrat kann nicht gemeint sein, es soll etwas bedeu-
tendes damit angezeigt werden. da ungewis ist, ob sie die
ringe wirklich angehabt oder in bänden gehalten, so bleibt der
hergang dunkel, aber ich zweifle nicht, der goldring, den
Wildeber aus unbekannter Ursache am arme trug (oben s. 30),
verlieh ihm die kraft, thiergestalt anzunehmen; Notker nennt
ihn suanerinc^ weil die Verwandlung in einen schwan wol die
edelste und häufigste war. wir finden in einer mit vielen haus-
märchen nah zusammenkommenden sage (deutsche sagen nr. 534)
den besondern umstand, dasz die verwandelung von sieben
kindern in schwane und ihre rückkehr in menschliche gestalt
von silbernen ketten abhängig ist, die sie um den hals tragen
und die mit jenem ringe gleichbedeutend sein mögen, in der
bekannten sage von dem schwanritter hat der übernatürliche
schwan, der das Schiffchen mit dem ritter fuhrt, ebenfalls eine
goldne kette um den hals (deutsche sagen nr. 535), gewis nicht
blosz, um das schiff daran zu lenken. so scheint es auch,
können die Yölsunge nur deshalb nicht die wolfshaut verlas-
sen, weil sie die ringe nicht besitzen, und Siegmund musz da-
her die geister (Völs. c. 12) bitten, sie ihnen abzunehmen.
b) Völund ist ein elfe. in dem eddischen liede (10) wird
er ausdrücklich Alfa liopi, sogar (20. 30) viai Alfa genannt,
und zwar scheint er zu den lichtelfen zu gehören, denn es ge- .
schiebt seiner weiszen färbe (2) erwähnung und die valkyrie,
die bei ihm weilt, heiszt die leuchtende (5). die prosaische An-
leitung nennt ihn mit recht den kunstreichsten mann (Hamdism.
6 bedeutet Völund allgemein einen künstler, vgl. s. 322. 29.
ZE. 26, 7); als solcher bewährt er sich in Verfertigung von
ringen, bechern, köstlichen Schwertern; denn arbeiten dieser
896 13
388 art machen die hauptbescfa&ftigung der elfen aas. er haust
389 einsam in den wolfthalen, d. h. in einer wilden, Ton menschen
nicht bewohnten gegend, wo er jene kleinodien schmiedet, bis
er im schlafe überrascht und gefangen weggefiEkhrt wird. er
rächt sich ganz in der weise boshafter elfen: heimlich, aber
sicher und auf das grausamste: dann entfliegt er, wahrschein-
lich in gestalt eines vogels; näheres sagt das alte lied nicht,
die Vilkina saga berichtet Yelints elfische ' abkunft noch be-
stimmter: sein vater ist ein riese, seine groszmutter eine meer-
frau; auch seine geschicklichkeit, vorzüglich in wunderbarer
Schmiedearbeit (doch verfertigt er auch das bildnis eines men-
schen),- wird noch mehr hervorgehoben und ausdrücklich gesagt,
dasz er in einem künstlich gearbeiteten federkleid als vogel da-
von geflogen sei. — ein engel^ der in gestalt eines vogels (d. h.
Schwans) zu Gudrun geschwommen kommt und nachricht bringt
(4660 — 4670), scheint ursprünglich ein elfe gewesen und diese
Umänderung in christlicher ansieht erfolgt zu sein, ebenso ist
im Lohengrin (s. 16 — 20) der schwan ein engel.
c) Riesen und zwerge sind nach der nordischen dichtung
besondere, allenfalls in einander übergehende erscheinungen der
elfennatur, welche die offenbar und heimlich gleich grosze
macht derselben auszudrücken bestimmt scheinen. diese an-
sieht halte ich fttr die ältere und richtigere, von Beigin heiszt
es (Sig. 2. prosa s. 150. Snorraedda s. 135. Nomagests saga
c. 3: hann var hveriom manni hagari oe dvergr afvoat; hann
var vitury grimmr oc fiolkunnigr; Sigurd aber sagt zu ihm (Völ-
sunga c. 24): du bist ungetreu wie deine blutsfreunde; denn
listig und falsch werden zwerge überhaupt geschildert, dagegen
nennen ihn die weissagenden vögel (Sig. 2, 38) einen riesen
(jötun), wie Reigin selbst kurz vorher (29) seinen bruder Fafne
einen alten riesen genannt hat und die Nomagests saga (c. 4)
ihn schildert; hann var undarlega mik3l voasti, in derselben
person wechseln also beide begriffe, kraft ihrer geisterhaflien
natur nehmen Otur und Fafne thiergestalt an, jener wird zur
otter^ dieser, nachdem er zuvor seinen vater mit dem schwert
durchstochen, zum drachen^ wahrscheinlich um das geraubte
gold besser hüten zu können, rede bleibt ihm und verstand,
das zeigt das gespräch mit Sigurd, und doch musz er zugleich
drachennatur besitzen, denn gleich diesen speit er gift (Fafhism.
18). in blut und herzen ruht die höhere macht, deshalb ist
• Reigin lüstern darnach, und Sigurd, indem er davon genieszt,
39oempföngt geheime kenntnisse, namentlich das Verständnis der
vogelsprache (Fafnism. s. 184); ob die behauptung, dasz der
Gudrun (nach Gudr. 1. s. 270) dadurch ein wilder sinn mitge-
theilt worden, echt ist, bin ich zweifelhaft, die deutsche dich-
tung hat dem beiden aus dem blute des drachen nur einen
äuszem vortheil erwachsen lassen: er bestreicht sieh nacli. der
NibeluagQ noth damit), oder, wie es in dem Siegfiriedsliede pa$- 89o
sender heiszt, mit den weich gewordenen schuppen des drachen '
den leib und erhält eine unverletzbare homhaut; die Vilkina
saga vereinigt die ältere erzählung damit (oben s. 75). ich habe
die einftlhrung einer solchen unverwundbarkeit schon vorhin
getadelt, sie trübt Siegfrieds erscheinung, indem sie seinen, hei-
aenmut verringert, und mit recht ist diese vergröberung in
andere darstellungen der sage nicht eingedrungen (vgl. oben
s. 76. 112. 132); sie machte späterhin noch fortschritte (oben
s. 315. 316), als sie in dem edelsten beiden einen ungeschlach-
ten riesen erblickte, wo von einer homhaut sonst die rede ist,
bezeichnet sie eine rohe halbthierische natur. nach Wolfram
(Wilh. \&\ 158% 177% 178»), der gleichfalls nichts von Sieg-
frieds hornhaut zu wissen scheint, und dem Verfasser des Titu-
rels (211, 251—262) lebt an der grenze der weit ein unge-
heures, nur zu fusz und mit stahlkolben kämpfendes, mensch-
licher stimme beraubtes geschlecht, das mit dem grünen hörn
der drachen bedeckt und mit ihrer Schnelligkeit begabt ist. der
genusz eines krautes, wovon die drachen sidh nähren, verlieh
ihrer vereitern die kraft nachkommen dieser art zu zeugen, an
diesen selbst konnte es noch nicht wirken; von der wunder-
baren entstehung dieses krautes spricht Wolfram dunkel im
Parcival (117% 126»). XJlrich von Türheim (Wilh. 3, 389—391.
cod. Cass.) lässt einen riesen auftreten, dessen haut hörnern ist,
und zweifelt eben deshalb an der menschlichen abkunft solcher
geschöpfe; in einem liede (oben s. 281) wird ein roher und un-
empfindlicher ein hürnin man genannt, auch scheint mir die
in drachenblut gehärtete rüstung von hörn, die dem riesen
Siegenot (str. 4. 69 — 71) beigelegt wird, nichts als eine Um-
schreibung einer hörnernen haut. — noch ist der zwerg And-
vare hier anzuftihren , der in hechtee gestalt, unfreiwillig, wie es
scheint, im wasser lebt (Sig. 2, 5); nach der Snorraedda (s. 136)
wohnt er in Svartal/ahevm,
Die deutschen gedichte bemühen sich, eine übermäszige,
dabei ungefüge leibeskraft der riesen anschaulich zu beschrei-
ben und besitzen daftir eigenthümliche ausdrücke. Aspilian
wird in der Vilkina saga (c* 60) mit eisenketten an bänden
und ÜLBzeu gebunden, wie Widolt im Rüther (760); Asprian
sinkt (Rüther 942) beim auftreten bis an das bein in die erde 39i
und wirft einen löwen an die wand (1150), aber als geister-
hafte wesen, die sich in dieser gestalt gefallen und sie ver-
tauschen können, werden sie nicht geschildert. Kupiran dient
zwar noch dem drachen, der zu zeiten in die menschliche ge-
stalt zurückkehrt, aber von der ansieht, dasz er mit ihm ur-
sprünglich nur eine person möge gewesen sein, finde ich keine
spur; gleichwol haben wir hier Fafiie vor uns, der söhn eines
zwer^s, riese und drache zugleich war. nur Grimur und Hüdur
»8 18
391 in der Vilkina saga (c. 16) scheinen noch zu den riesen im
sinne der alten lieder zu gehören : Hildur, mehrmals von Thid-
rek durchhauen, vereinigt wieder die stücke des leibes und
lebt fort; dagegen sind WiAolf mit der Stange^ Äspäiem. Abent-
rod und Etgeir blosz menschen von ungewöhnlicher stärke imd
Wildheit, nur dadurch, dasz er Wächter groszer, in die erde
vergrabener schätze ist, erinnert der letztgenannte, sowie ein
anderer, der den Heime tödtet (Vilk. c. 329), an die drachen-
natur.
Riesen kennt Eckehards Walthari nicht; die Nibelunge noth
kennt sie, wie überhaupt das wunderbare, nur aus der ferne,
zwölfe werden in der erzählung von dem erwerbe des horts
als freunde der Nibelunge erwähnt (95, 2), einer als pförtner
der bürg, mit einer eisenstange, der gewöhnlichen waffe plum-
per riesen, versehen (456, 1. 460, 1), will dem Siegfried den
eingang wehren, im Biterolf gar heiszen jene zwölf nnr risen-
maBzic (7837) und dort wird gleichfalls nur in einer anspielung
auf eine nicht zur sage gehörige begebenheit eines riesen, als
einer landplage, gedacht (6482. vgl. oben s. 133). in den ge-
dichten der nächstfolgenden periode sind sie dagegen gar nicht
selten, im Wolfdieterich ist ihre anzahl schon zu grosz und
vermindert den eindruck, obgleich noch mancher zug ihrer
rohen krafb glücklich angebracht und gewis volksmäszig ist.
Ecke und Fasold, in der Vilkina saga nichts weniger als riesen,
treten als solche in dem deutschen gedichte auf, noch unpas-
sender ist Heime im Rosengarten ungewandelt und das unbe-
hilfliche Wesen durch die widernatürliche annähme von vier
ellenbogen gesteigert (vgl. s. 156). (auch Kriemhild ist als
riesin dargestellt, oben s. 321; Siegfried s. 301. 305. 316. 390).
völlig ins abgeschmackte übertrieben ist die zahl der riesen in
Dieterichs drachenkämpfen, ein beispiel, wie eine an sich be-
deutende idee in das sinnlose und unerträgliche ausarten kann.
Weniger scheint die geisterhafte natur der zwerge verän-
dert. Alberich ist im Otnit trefflich und ganz übereinstimmend
mit dem allgemeinen Volksglauben dargestellt; ich verweise des-
halb auf die abhandlung über die elfen. angemessen ist auch,
392 was in dem Nibelungeliede von ihm erzählt wird. sollte die
tarnhüt^ die Siegfried dem zwerg abnimmt, nicht mit dem vor-
hin erwähnten federgewand oder thierbalg zusammenhängen?
eine thiergestalt annehmen oder als vogel entfliegen, war wol
in der Wirkung dem verschwinden gleich. Alberich gehört in
den dunklen ersten theil der Nibelunge noth, in dem zweiten
wie in der Klage und dem Biterolf kommt kein zwerg vor. in
den spätem gedichten mehren sie sich zugleich mit den riesen
und ihr zusammenleben zeigt noch die ursprüngliche Verwandt-
schaft, die Vilkina saga weisz wenig von Alberich (vgl. oben
s. 79) und vergisst ihn nachher völlig; doch in dem geiste alter
— — 13 — 899
dichtung ist die erzählung von den zwergen, die den Yidga in 892
die lehre nehmen (Yilkina c. 20); auch Euglin hat seine natur
noch erhalten, helden zu dienen, werden zwerge erst durch
gewalt bewogen, zeigen aber dann sich treu.
8. Zauberei wird vollbracht durch Sprüche, zeichen, müh-
sam bereiteten trank, immer aber ist etwas äuszerliches nötig,
um die geheime macht hervorzulöcken. sie ist in den dich-
tungen unseres sagenkreiszes meist das gewerbe von frauen
hohen Standes. Grimhild in der Edda übt Zauberkünste, Gudrun
bei Saxo (oben s. 46), königin Ostacia in der Vilkina saga
[zs. 12, 351], Marpalie, des mächtigen beiden tochter, im Wolf-
dieterich, ich hebe nur die wichtigsten punkte heraus.
a) Sigurd verlangt von der aus dem schlafe geweckten
Brünhild, in der Weisheit (speki) unterrichtet zu werden, sie
sagt ihm, wie imd wo die zeichen der runen müssen einge-
schnitten werden und welche kraft ihnen beiwohnt, dann fügt
sie klugheits- und sittenregeln hinzu (Br. 1). die deutsche sage
weisz nichts davon und ich glaube mit recht, denn mir scheint
das ganze stück .ein nordischer zusatz. Brünhild als valkyrie
hatte kenntnis von der zukunft, sie legt deshalb träume der
Gudrun aus und sieht das kommende Schicksal (Völs. c. 34. 39),
und das mag der grund sein, warum das lehrgedicht ihr in
den mund gelegt wurde, aber geheime künste verstand sie
nicht; vermochte sie doch nicht, Sigurds und Gunnars täu-
schuüg zu durchschauen, auszerdem passt von den lehren, die
sie hier ertheilt, keine auf das eigenthümliche Verhältnis
Sigurds, als die ganz allgemeine: wahr beim eid zu sein und
ihn treu zu halten (Br. 1, 23), indem sie selbst späterhin ihn *
des eidbruches anzuklagen hat (Sig. 1, 31. Br. 2, 2. Völs. c. 38).
aber ganz ungehörig und nur durch künstliche erkläruug zu
beseitigen ist die Voraussetzung eines langen lebens bei Sigurd
(Br. 1, 38) und seltsam lautet in Brünhildens mund die lehre, 39S
an verwandten keine beleidigung zu rächen, da sie selbst her-
nach aus rachegefühl Sigurds Schwäger zum morde au&eizt.
b) Vertauschung der gestalt kommt zweimal vor: zwischen
Signe und einem zauberweib (Völs. c. 75) und zwischen Sigurd
und Gxmnar. sie ist verschieden von der einseitigen annähme
einer andern, namentlich einer thiergestalt. diesen Umtausch
vollbringen zaubermittel, er ist blosz äuszerlich und der mensch
behält die eigenen gedanken (Sig. 1, 39). die deutsche sage
weisz nichts davon; bei Siegfried tritt die unsichtbar machende
tarnhüt an die stelle, eine änderung, welche den Günther schon
bei den kampfspielen herabwürdigt, indem er die leeren gebär-
den übernimmt und dem Siegfried die handlung überlässt. (un-
natürlich und gezwungen ist die annähme, dasz Siegfried bei
dem Sprunge den Günther mit fortträgt. Nib. 437.)
«Ml j3
S98 c) Die elfen verwandeln sich, wie es ihnen beliebt/ aber
auch Zauberei kann mittelst ihrer künste Veränderung der ge-
stalt bewirken, namentlich den menschen thiergestalt geben,
so verwandelt sich Siggeirs mutter in einen eich (Völs. c. 9),
königin Ostacia (Ostansia, bei Rafn) aber in einen drachen
(Vilk. c. 328); in dieser gestalt und mit einem wüden beer,
das sie allein durch Zauberkünste hervorgebracht hat, geht sie
in den kämpf, und nichts widersteht ihr. die worte dabei sind
merkwürdig: Ostacia fer üt oo rcerdi atnn gand^ pat köUum vier
at hon faßri at seida, sva sem gert var i forneskio, at fiölkunn-
gar konor, päd er vier köUom Volor, skylldi seida honum seid.
Rafn erklärt: sie bewegte ihr zaubergeräthe. Marpalie zieht
ihre kleider ab, schlägt in die bände und verwandelt sich in
eine krähe (Wolfd. 139^).
d) Die dem Guttorm gereichte speise und die ihm in den
trank gemischten zaubermittel, welche ihn zum morde antreiben,
beschreibt die Völsunga saga (c. 39) noch sorgföltiger, als das
eddische lied (Br. 2, 4). am genausten werden wir belehrt
über die Zubereitung des Vergessenheitstrankes ^ den Qrimild der
Gudrun gibt (Gudr. 2, 21 — 23. Völs. c. 41); um ihn noch
wirksamer zu machen, sind äuszerlich in das hörn, in welchem
sie ihn empfängt, runen eingeschnitten. auch das hom mit
trügerischem meth, welches Grimild dem Sigurd reicht (Völs.
c. 34. 35), löscht in ihm die erinnerung an die der Brünhild
geleisteten eide. in allen diesen fällen weisz die deutsche dich-
tung nichts von einem zaubertrank, auch durfte Kriemhild Sieg*
frieds mord nicht vergessen, da sie ihn rächen soll, und Sieg-
frieds früheres Verhältnis zu Brünhild ist völlig im dunkeb
894 gelassen, ein segensvoUer trankt den Brünhild dem Sigurd dar-
bietet (Br. 1, 5) ist vielleicht, wie das darauf folgende lehrge-
dicht, ein zusatz: zudem waren die guten wünsche umsonst.
9. Bedeutsame, die zukunft verkündigende träume sind
etwas in deim glauben aller Völker so gewöhnliches, das ich sie
hier nur wegen eines besonderen umstandes erwähne, in Atla-
mal (18) erzählt Kostbera, wie sie im träum gesehen, dasz ein
adler in das haus gekommen sei, und alle mit blut bespritzt
habe, nach Gudr. 2, 39 träumte Atli von zwei habichten, und
darunter sind seine beiden söhne gemeint, abermals ein habicht
mit goldnen federn, den Gudrun auf der band trägt, bedeutet
den bigurd (Völs. c. 33). ganz in diesem geiste aber ist der
entsprechende träum der Kriemhild im Nibelungeliede von den
zwei adlerny die ihren falken^ den Siegfried, mit den krallen
packen, (träum von einem adler hat Herebrand, Wolfdieterich
2028.) es liegt, wie mich däucht, die ansieht zu grund, dasz
der geist des menschen, gleich einem elfen, in eine thiergestalt
schlüpfe, am gewöhnlichsten in das gewand (hamr) eines vogels:
doch erzählt auch Gudrun (Völs. 34) einen träum, worin Sigurd
13 401
durch einen goldnen hirsch angedeutet wird, (menschen die 894
hamramir sind, sagenbibl. 2, 45, 47.)
10. Ich musz noch einiger helden gedenken, in deren
wesen sich eine beimischung des übernatürlichen zeigt.
a) Dieterich von Bern, seine wunderbare erzeugung durch
einen nachtelfen, sein wahrscheinlich daher rührender feuer-
athem, sein häszliches antlitz, schwarzes pferd, endlich sein ver-
schwinden und seine rückkehr zu den geistern ist schon oben
(s. 39. 40. 105. 142. 294) zusammengestellt.
b) Der treue Eckart (oben s. 144). es scheint hier eine
im anhange des heldenbuchs (oben s. 289) ausgesprochene be-
ziehung auf den noch in der deutschen volkssage (deutsche
sagen, nr. 7) lebenden treuen Eckhart zu walten, der mit
weiszem Stabe vor dem wilden beere einher geht und vor Un-
glück warnt, auch auf darstellung des markgrafen Eckwart im
Nibelungelied könnte ein solcher gedanke schon einflusz ge-
habt haben, er folgt mit besonderer anhänglichkeit der Kriem-
hild zu Etzel (1223), verspricht ihr lebenslange treue und ist
ihr kammerer (1338, 3). dann finden wir ihn plötzlich und
fast im Widerspruche damit als nächtlichen wächter von Rüdi-
gers mark, wo er sich im schlafe von Bagen überraschen lässt,
den er dann warnt (1575). in letzterer eigenschaft allein kennt
ihn die Vilkina saga (c. 341).
c) Die milchstrasze am himmel, via secta, wird in der gl.
Jun. (Nyerup. symb. 372, wol aus gleicher quelle bei Lye Man-
ning) übersetzt Iringeswec^ und dieser name wird bestätigt durch 395
Wituchind, der nach der erzählung von Irnfrit und Iring (oben
s. 117) hinzufügt (1, 634): mirari taniien non possumus, in tan-
tum famam praevaluisse, ut Hiringi nomine, quem ita vocitant,
lacteus coeli circulus usque in praesens sit notatus. dem Witu-
chind folgt das chron. Ursperg. mit diesen werten: ut lacteus
coeli circulus Iringis nomine Iringestrdze usque in praesens sit
vocitatus. die Vilkina saga bemerkt etwas ähnliches in einer
oben (s. 179) mitgetheilten stelle, bedarf aber fttr den Zusam-
menhang ihrer erzählung einer lv\mg%wand und nimmt daher
veggr statt vegr an. [vgl. jedoch anm. s. 179.] ist demnach
ihre an Wendung an sich unrichtig, so bewährt sich doch der
alte ausdruck selbst in diesem mis Verständnis und, was hier
das wichtigste wäre, die Verknüpfung mit den helden des Sagen-
kreises, indessen scheint es blosz eine äuszerliche, durch den
namen selbst erst herbeigeführte; denn was das Nibelungelied
von Iring berichtet, enthält keine veranlassung, die milchstrasze
nach ihm zu benennen, so tapfer er auch gegen Hagen kämpft.
Wituchinds behauptung befremdet noch mehr, da Iring nach
seiner erzählung gerade ein verräther an seinem herrn war und
ihn mordete, dasz er hernach an dem feind seines herrn sich
rächte und mit dem schwert einen weg bahnte und entrann, ist
Wilhelm Gbium, dkdtschb niLDBNflAOB. 26
402 — u —
P95 keine in solchem grade ruhmwürdige that. entweder also haben
verlorene lieder die Verknüpfung gerechtfertigt, oder wir haben
einen eben nicht sehr glücklichen versuch vor uns, einen
mythischen namen, dessen bedeutung verloren war, durch an-
lehnung an eine person, die man für geschichtlich hielt zu
erklären. Aventin (102'*) kennt auch eine Euringaatrasze^ njpamt
aber als Urheber derselben einen zauberkundigen konig Euring
bei der Donau an.
14.
Ich füge noch einige allgemeine bemerkungen hinzu.
1. In dem vorangehenden ist öjEler in beziehung auf die
sage der ausdruck ursprünglich gebraucht, aber noch nicht er-
klärt worden. ich verstehe darunter diejenige gestaltung,
welche sich aus den verschiedenen äuszerungen der sage, vor-
zugsweise den älteren (denn von rohen an&ngen findet sich
keine, spur und in der regel ist das ältere hier auch das
bessere) der betrachtung als die vollkommenste ergibt ; ich sage
ausdrücklich: der betrachtung, denn ich behaupte blqsz die
896 inöglichkeit, keineswegs die Wirklichkeit dieser gestaltung.
überhaupt glaube ich, dasz man von einem anfang der sage
nicht eigentlich reden könne; sie wird jedesmal eindrucke aus
der vorangegangenen zeit empfangen und bewahrt haben, selbst
da, wo kein materieller Zusammenhang mit früherer Überliefe-
rung bestanden hätte, falls dies überhaupt möglich ist. das
ursprüngliche bezeichnet also nur die grenze, bis zu welcher
wir von unserm Standpunkte aus sehen können; über diese
hinaus mag seine Vermutungen irren lassen, wer vortbeil aus
solchen bemühungen erwartet, in ähnlichem sinne ist von rein-
heit der sage geredet worden, die ich keineswegs von völliger
abwesenheit eines fremden Stoffes, sondern von einer gewissen
durchsichtigkeit des Inhalts verstehe, die nur vorhanden ist,
wenn alle theile sich vollkommen durchdringen und ein ganzes
bilden, was sich bei der berührung mit andern Völkern einge-
mischt hat, kann völlig übergegangen und einheimisch gewor-
den sein, wie wir sehen, däsz die reinste spräche fremdartige
Wörter aufgenommen hat.
2. Ruhend und in eine feste form gebunden dürfen wir
(ins das epos zu keiner zeit denken, vielmehr herscht iu ihm
der trieb zur bewegung und Umgestaltung, ja ohne ihn würde
es absterben, wenigstens die kraft lebendiger einwirkung ver-
lieren, hier erprobt sich die fahigkeit zur poesie und ein un-
freies, verarmtes geffihl wird jedesmal eine Verschlechterung
des epos bewirken. echte fortbildung geht niemals aus laune
ijnd Willkür, immer aus innerer nothwendigkeit hervor^ eins
14 408
der bedeutendsten mittel dabei ist ohne zweifei die in verschie^ 896
denen ersobeinungen beobachtete Verknüpfung einzelner sagen,
der norden hatte die Helge- und Krakasage der Sigurdssage
beigemischt, Deutschland die Dieterichssage mit noch gröszerm
erfolg, aber das glänzendste beispiel ist unser Nibelungelied.
geAde der ausgezeichnetste theil, der zweite nämlioh, ist ledig-
lich aus einer solchen Verknüpfung hervorgegangen. nähme
man Büdiger und Dieterich heraus, die bedeutendsten Verwicke-
lungen und ergreifendsten stellen würden fehlen, und der ganze
grosze kämpf in die erzähiung von Günthers und ' Hagens
tapferer gegenwehr vor ihrer Überwältigung sich zusammen-
ziehen, so aber treibt die dichtung, frisch getränkt, neue
sprossen und überall verkündigt sich ein höherer schwung und
eine reichere, gleichförmigere fülle des ausdrucks. wahr ist es
auf der andern seite, das neue wird niemals ohne einbusze an
dem alten gewonnen und einfachheit und verstand der grund-
lage leiden bei solchen Umbildungen fast immer; aber wir
haben an dem ersten theile des Mibelungeliedes ein beispiel,
wie ohne eine solche erfriscfaung die sage lückenhaft wird, in
sich zerfallt und allmählich erlischt. Siegfrieds jugendleben,
nur unvollständig angedeutet, zum theil vergessen, Brünhildens
damit verknüpftes geschick, es würde sich besser, freilich auch
in anderer gestalt bewahrt haben, wenn ein neuer ström der 397
sage wäre hinzugeleitet worden, absichtlich enthalte ich mich
der anfäbrung analoger Verhältnisse, wie sie vorzüglich die ge-
schichte der spräche darbietet.
3, Ich nehme die schon am eingange berührte frage, ob
der Ursprung der sage mythisch oder historisch sei, hier wieder
auf. nach dem, was darüber vorgebracht ist, darf ich als aus-
gemacht betrachten , dasz die geschichtlichen beziehungen,
welche die sage jetzt zeigt, erst später eingetreten sind, mithin
die behauptung, dasz jene ereignisse die grundlage geliefert,
aUer stützen beraubt ist. noch eine andere, wie mir scheint,
nicht geringere Schwierigkeit macht die damit verknüpfte Vor-
stellung von absichtlicher, poetischer ausbildung des histo-
rischen factums. der dichter der Nibelunge noth muste dar-
nach vorsätzlich chronologische verstösze begehen und sehr ge-
nau wissen, dasz die gestalten, die er auftreten liesz, bis auf
einige namen, geschäpfe seiner eigenen einbildungskraft waren;
gleicherweise konnte er sich über die Unwahrheit der thaten,
die er sie vollbringen liesz, unmöglich täuschen, wie steht das
in Widerspruch mit der nicht blosz in frühester zeit, sondern
noch bei den gebildetsten dichtem des mittelalters herschen-
den Überzeugung von der vollkommenen Wahrheit der Über-
lieferung, man wird oben mehr als ein zeugnis von dieser ge
sinnung, die selbst ein groszer dichter, wie Wolfram, theilte,
finden; erst später bei gelehrter bekanntschaft mit den gewöhn«-
26*
404 U
397 liehen quellen kommt der gedanke an die Unwahrheit der sage
auf, wie Heinrich von München den Jornandes und die ge-
dichte von Dieterich entgegen setzt (oben s. 206). kann man
glauben, dasz gerade die, welche man sich als Verfasser jener
werke denkt, eine andere der klugheit unserer zeit ent-
sprechende ansieht nicht allein hegten, sondern auch mit ni%e-
wöhnlicher Schlauheit verbargen? überall bricht ein ehrlicher
glaube an die Wahrheit durch, jede zuthat und weitere ausbil-
düng galt für eine blosze ergänzung derselben, dieser glaube
ist freilich höchst naiv, aber nicht unverständig, denn er will
in dem gemüte von menschen, die historie und poesie zu
trennen noch nicht gelernt haben, nicht mehr sagen, als dasz
hier nichts aus der luft gegriffenes, sondern seiner letzten
quelle nach im wirklichen leben begründetes aufgenommen sei.
setzt man noch hinzu, dasz auf eine Wahrheit dieser art das
ganze, wie jeder einzelne theil, vollkommen denselben anspruch
machen könne und nach einer historischen thatsache zu fragen
vergeblich, ja sinnlos sein würde, da in dieser poetischen läute-
rung und herübernahme in das gebiet des freien gedankens
398 jedes äuszere merkmal des geschichtlichen leicht verschwin-
den würde, so hat man, wie es mir scheint, das richtige ge-
troffen.
Wer einen mythischen Ursprung annimmt, hegt folgende
Vorstellung, die beiden, welche die dichtung in geschicht-
lichem scheine auftreten lässt, waren früherhin götter, verkör-
perte, sinnbildlich aufgefasste ideen über erschaffung und fort-
dauer der weit, als sich das Verständnis dieser ideen verlor,
bildete sich das epos, in welchem die götter zu menschlichen
beiden, ihre thaten zu geschichtlichen begebenheiten herabsanken,
doch jene göttermythen selbst verdankten erst spätenn, sinn-
lichem Wohlgefallen ihr dasein, und rücken wir zu ihrem Ur-
sprung abermals zurück^ so finden wir noch unverhüllter den
ausdruck einer hohem, übersinnlichen betrachtung. die aufgäbe
besteht also darin, das verborgene philosophem in der dop-
pelten Überkleidung, in welcher es jetzt sich darstellt, aufzu-
suchen, was dahin sich deuten lässt, musz als der eigentliche
inhalt hervorgehoben, alles andere als nichtssagend zurückge-
lassen werden.
Diese ansieht, welche den gegenständ bei der wiirzel zu
fassen und die aufgäbe völlig zu lösen scheint, zeigt sich bei
der ausführung schwierig und musz zu unerweisbaren Voraus-
setzungen ihre Zuflucht nehmen, ich habe schon oben ange-
deutet, dasz Sätze wie jener vom leben und tod der weit oder
dem mit dem besitze des goldes verbundenen verderben in
ihrer allgemeinheit nicht im stände sind den eigenthümlichen
inhalt . der sage zu bezeichnen , eben weU sie sich auf die
epischen gedichte fast aller zeiten und Völker anwenden lassen.
14 405
billigerweise sollten versuche, den grundgedanken aufzufinden, S98
erst nach ausmittelung der reinen sage gemacht werden^ allein
man sucht aus allen darstellungen nur das heraus, was zu der
vorausbeliebten ansieht passt, und Untersuchungen, wie die hier
gelieferten, die gewis nur erst einen theil der Veränderungen,
welche die sage erfahren hat nachweisen, fallen lästig und wer-
den zurückgeschoben. es kann daher leicht kommen, dasz
einem unbezweifelt spätem zusatz das höchste gewicht beige-
legt, das älteste aber und merkwürdigste unbeachtet gelassen
wird, ich habe das wunderbare im epos vorhin zusammenge-
stellt, geringf&gig ist es nicht und es scheint allerdings, dasz
sein einflusz früherhin noch mächtiger war (vgl. sagenbibl. 2,
49. 228. Faeröische lieder einl. 27—29), aber bei fortbildung
der sage zurückgedrängt und verdunkelt wurde. gleichwol
habe ich kein beispiel von der Umwandlung eines gottes in
einen bloszen menschen gefunden, oder eine spur, dasz der aus-
druck einer geistigen Wahrnehmung durch absichtliche einklei-
dung in eine geschichtliche begebenheit sich verloren hätte, ich 399
untersuche nicht, ob es unbezweifelte beispiele einer solchen
Umbildung gibt, es ist wol möglich; ich behaupte nur, dasz,
wenn wirklich etwas einzelnes dadurch eingeführt oder geändert
wäre, dies noch nichts entscheiden könnte, weil der hauptinhalt
selbst aus einer solchen Veränderung müste hervorgegangen
sein. das epos, welches das ganze leben zu erfassen strebt,
kann den glauben an überirdische dinge nicht hintansetzen,
noch die weise, wie er sich äuszert, ihr unbekannt bleiben, es
vrird dort immer ein wesentliches dement seines Inhalts finden,
ja es scheint mir ohne eine solche mischung des leiblichen und
geistigen gar nicht bestehen zu können, etwa wie gesang beides
Worte und töne verlangt, keinem gedichte, wenn es wahrhaft
beseelt ist, fehlt innere bedeutung oder eine sittliche erkenntnis ;
wir haben gesehen, wie der dichter der Klage sich bemüht,
den grundgedanken des Nibelungeliedes aufzufinden, und wie
er in seiner ansieht schwankt, aber nichts berechtigt uns bis
jetzt zu der Vermutung, dasz die deutsche heldensage aus er-
forschung göttlicher dinge oder aus einer philosophischen be-
trachtung über die geheimnisse der natur hervorgegangen sei
und in einem sinnbildlichen ausdrucke derselben ihren ersten
anlasz gefunden habe. sie selbst hat, so weit wir ziu^ck-
blicken können, sich allezeit neben der geschichte ihren platz
angewiesen, das älteste zeugnis bei Jemandes legt schon den
gesängen der Gothen ausdrücklich historischen Charakter bei.
die lieder, welche die sage von dem aus der erde geborenen
gott Tuisto und seinem geschlecht enthielten, die Tacitus (G. 2)
alte nennt, sind untergegangen; meiner ansieht nach bestanden
sie neben den heldenliedern, dergleichen jene waren, welche
die thaten des Arminius feierten (ann. 1, 88). ein treffliches
406 14
Sdobeispiel dieser Unterscheidung bei den Galliern liefert eine
stelle bei Ammian (15, 9), die ich als den besten schlusz hier-
her setze: Bardi quidem fortia virorum illustrium facta heroicis
composita versibus cum dulcibus lyrae modulis cantitarunt (ge-
rade wie Jemandes sich ausdrückt); Euhctges v^o scrutantes
seriem et sublimia naturae pandere conabantur. inter hos
Druidae ingeniis celsiores, ut auctoritas Fythagorae deerevit,
sodaliciis adstricti consortiis, quaestionibus oocultarum rerum
erecti sunt, et despectantes humana pronuntiarunt animas im-
mortales.
REGISTER.
AbaJüe 326.
Matth. Abele (nr. 163) 319.
Abentrot, brader des Ecke 225.
Abentrod, brader des Afipilian 225.
286. 391. .
Ach 222. 294. Alphart Ton Ach 192.
288.
Ackermann asiA Böhmen (nr. 120^) 283.
Adelger 146. 257.
Adelhart 102.
Adelind 113.
Adelring 307.
adler, zeichen kaiser Otnits 290. 291,
Dieterichs von Bern 143. 237, Gün-
thers 129, Hagens 130. 307; mit dem
löwen Heimes zeichen 268: anf der
fahne von Wolfdieterichs leaten 234.
— traumbild 182. 394.
Admont 228.
Aegishelm 79. 385—386.
Agacien 88.
Agnellas 9.
J. Agricolas sprichw. 79 (ni. 147), 309.
Ainsiax 43. 57.
Aki, ein Harlung 20. 263.
Aki Örlnngatrausti (Öldangatransti 263
—264. 265), vater der Harlunge 186.
Alanus Scaliger 315.
Alberich. Albrian s. Eiberich.
Albert von Stade (nr. 48c) 156.
Albertus Argentin. (nr. 72c) 169.
Aldrian, Hagens vater 86. 88. 180.
Aldrian (Aldrias 321), Högnes söhn 123.
306. Etzels 68.
Alebrand, Berchtungs söhn 233.
Alebrand, Hiltebrands söhn 257;
schenkt dem Dieterich das rosz
Blanke 209. s. Hadebrand.
Alebrand, Dieterichs mann 209.
Alexins, griecb. kaiser 50.
könig Altred 28 (nr. 14). 29.
Alferins s. Alphere.
meister Alexander (nr. 75) ^0.
Alexander der grosze, LambrecfatB ge-
dieht 330; altholländ. ged. (nr« 67)
167.
üz Alexandrin 149.
Alfrich s. Eiberich.
Almari 227.
Alphart (Alfart 242, von Ach 192.288),
herknnft 191. 192. 240. 294; jagend
240; kämpf mit Bittemng 192;
tod darch Reinher 192; durch.
Wittich 242. 244; von Dieterich be-
weint 192. 207. — gedieht von
seinem tod (nr. 90) 236. 339;
spätere entstehung desselben 355;
poetischer gehalt 371.
Alpher, böte Friedrichs v. Raben 209.
Alphere, Alferins, Alpker, Walthera
von Spanien vater 92.
Alpris s. Eiberich.
Aising s. llsan.
Alsvid 350.
Alzabe, Azzab^ 326.
Alzei, Wappen (nr. 172) 323. s. VoU
ker.
Amala, Amali, Amalongus 1.
Amalger von Tengelingen 53.
Ame 140.
Amelgart ans Normandie 185.
Amelgart aas Schweden 240.
Amelger von ^Brysen' 239.
Amelrich 96.
Amelolt (Amerolt 191, Amelot 294)
von Garte, Garten 191. 247; kämpft
mit Wittich 195. 196; geschlecht
191-192. 240. 294.
Amelung (Abelan, Abelon 258) herzog
250. 251. 258. vgL 273.
Amelung} söhn des Hagdieterich 185.
200. 264.
408
Amelungi Amnltiiig, Dieterich von Bern
32. 33. 190. 344.
Amelang (Ömlnng), söhn des Homboge
102; begegnnng mit Siegfried 182.
die Amelnnge 2. 101. 102. 145. 173.
311. vogt der Amelnnge: Dieterich
von Bern 104. s. Ymeinnge.
Amelungeland (Ömlnngaland 2) 101.
142; von Amelnnge der degen 101.
Amige 232.
AmilS 226.
Amilias 341.
Ammianns Marcellinus 8. 343. 399.
Ammins s. Hamdir.
*Ampprian 215. 216.
Amnl 33.
Amolwinns 32.
Andvare 384—386. Andvaranant 385
—386. .
Angelbnrg 280.
angelsächsisches gedieht (nr. 8) 20.
anhang des heldenbnchs (nr. 134)
287.
Ankona 145.
annales Colon. 49. Magdeb. 9. Pega-
▼iens. (nr. 85»>) 49.
annalista Sazo 38. .
lied anf Anno (nr. 36) 49.
Antfnchs von Gabelin 149.
Antioch 198.
antwort weigern 363.
'AnzenSy Anzins, Antis, Attenns' 230.
315.
ApoUonins 341.
Apnlien s. Fülle. ,
Aquitanien 87. 95.
Arabien 326; pfeUel daher 65; Rüdi-
gers heimat 98.
Aijas 98.
Marolt von Arie 197.
Arnold von Lübeck (nr. 34) 48.
Arnold, graf 55.
k. Amnlf 30.
Artala s. Etzel.
k. Artus 134. 181.
Asiaug 346.
Asmund Eappabanes sage 261.
Asprian 157. 174. 247. 248. 279.
312. Aspilian 225. 391.
Asser 22 (nr. 13). 28.
Astolt 140.
Atlamal (nr. 3) 10. 70. 71.
Adaqnida (nr. 4) 11.
k. Atli der nordischen sage 3. 4;
tödtet die Grimild 306. 354; wird
ermordet 9. 11. 12; in einer Stein-
kiste begraben 10. ausser beziehung
Auf den historischen Attila 9. 345;
verschieden von Etzel 347. — Atlis
mutter 352; bruder 353—354.
k. Attila der historische 6. 9. 18. 25.
29. 37. 40. 69. 300. 314. 345; sein
Schwert 311. 312; sein tod 9. 285.
Aventin (nr. 136) 301. 395.
Jac. Ayrer (nr. 156). 315.
Azagouc 65.
Azzaria 146. 148.
BabehUd 387.
Babilon 148.
BadohUd 20.
bahrgericht 363.
Baiem, raublnstig 125; besiegen k.
Dietmar 303.
Baierland 54. 124. 137. Rüdigers leben
69. Diepolt von Baiem 212. bairi-
scher herzog 304.
Baidung (Waldung), zwerg 274.
Baidung von Paris 211. .
Baligan von Libia 149.
BaUova 288.
Ballus von Normandie 185.
Bahnung 78. 80. 82. 213. 246. 250.
2f4.
Baltram 198. ^
Balther, Etzels mann 199.
Balther von Etzelingen, Ermenriclu
mann 211.
Bange 239.
Bari 51. 203.
Bechelaren (Bechelseren 211, Bekalar
297, Bethelar 288. 296, Bettelar 288)
96. 124. 198.
Bechtung s. Berchtung.
Mich. Behaim (nr. 130c) 286.
Bekhü4 350.
lant ze Belagnnder 159.
Belebe 127.
BeHan 149. 231.
Bendegnck 164.
Benig 256.
Beowulf (nr. 6) 13.
Bera s. Kostbera.
Berta 180.
Berther von Meran 51; ist Berchtong
von M. 53. 357.
Berther, söhn Berchtungs von M. 233.
Berther, mann Dieterichs von B. 193.
Berthold lU. von Meran 53 anm. 346.
Berthold, fürst aus Schwaben 138; gnf
von Elsasz 138.
Bertram von dem berge 237 anm. 238.
Ladmer von den bergen 197.
Bertram von Pole 192. 208.
Bertram von Salnecke 212«
409
Berchtung (Becfatang 288. 293. 311.
312, Bechting 315, Beriher 51) von
Meran (auf * Lilienporte' 235), Wolf-
dieterichs meister 229; geschlecht
231 — 234. 293 ; historische beziehnng
auf Berthold von Meran 53 anm.
346.
Berchtung, söhn des meisters Berch-
tung 233.
Berchtung, herzog zu Raben 145.
Berchtung, markgraf, verwandter der
Herrad 104. 212.
Berchtwin 233.
Berker 145.
Bern, bürg 286, Verona, Dieterichs
Bern 304; läge 288. 290. 307. 309;
erbauer 40. 189. 204. ^94. auf
Hildebrands schild 233. groszer
kämpf daselbst 289. 300. — buoch
von Beme 184 ; helt, vogt, ritter von
Berne: Dieterich 104. 279. 282. 283;
herzöge von Beme: Siegestab 104.
der Bemeere: Dieterich 104. 105. 142.
279. 311. 312; Berneri 169. die
Bemsere: Dieterichs beiden 101. 102.
142.
Bemburg 33 anm.
Bertangaland 134. 180.
Biarkamal (nr. 10) 26. 328.
Bicci s. Sibich.
Binose 193.
Birkhüd 388.
Biterolf, das gedieht (nr. 45) 123. 355;
hat einiges mit Gudrun gemein 326.
329. — der held 127. 194; sein
schildzeichen 127; wird mit Steier-
mark belehnt 127. 194.
Bitterfer 278.
Bitterung von Engelland 192. 197.
Bitrunc von Mdrlande 211.
Blank, heim 308.
Blanke, rosz 209.
Bleda 68. 345.
blinde singen 173. 377.
Blodgang 243.
Blodelingen 124.
Blödel, Blödelin, Etzels bruder 67. 140.
212. 345; Etzels mann 198; held
aus Bern 268; fürst der Walachen
140; könig 212.
Blomsturvalla saga (nr. 98) 262.
blutrache 361—362.
blut trinken 71.
Bodild, Hagens mutter 307.
Bödvild 21.
Böhmen, land 124. 137. 161; volk
125.
Boethins de consol. 29.
Böge 236.
Boguphalus (nr. 55) 158. 164.
Bolognaschlacht 359.
Bonfinius 304.
Bonn 222.
Boppe 331. der starke 283.
Boppe, Herborts schwestersohn 135.
Borgny 352.
Botelung 68. 138.
Bottel 239.
Brabant 138. 197. 233. 248.
Bragi, der alte 328.
Bramaleif 265. 266.
Brand herr Vifferlin 308.
Brandenburg 38 anm. 49. 69. 180.
181.
Branker 239.
Sebast. Brant (nr. 132) 286.
Braunschweig 211.
Breisach 37. 49. 144. 185. 186. 232.
238. 264. 289. 295. — Breisgau 37.
Bremen 176.
*Brysen* 239.
Brinnig 239.
Broder 45.
Brosinga mene 17.
Brünhild, bürg und heimat 5; Verhält-
nis zu Siegfried 82 — 85. 321. im
Rosengarten 254; im Biterolf 129;
fehlt im Siegfriedsliede 259 ; tod 369.
Schönheit 178. Jungfrauenstand 384.
Charakter 366. 369. feuer springt
aus ihren äugen 387. valkjrie
383—384. 386—387. Brünhüdestein,
lectulus Brunihildae 155 anm. 384.
Brünhild, austrasische königin 345.
Brunstein 263.
Gasp. Bruschius (nr. 14 1^) 305.
Buda 164.
ze Budine 198.
Budli, AÜis vater 68. die Budlunge 6.
Budlis bruder 183. 184.
Budli, vater der HUde 261.
Budli, oheim des Jarmerich 45.
Budva 69.
Burgund, das land 124. 128. 166 anm.
, 201. 205. 212. 254. 287. — die
Burgunden 12. 13. 18. 66. 128. 254 ;
in die sage eingeführt 343. — lex
Burgundionum (nr. 5) 12. — Bur-
gnnthart 66.
ze 'Burgern' 218.
burgzinne, Hagens zeichen 130.
Burlenberc 162.
Kaiserchronik 203 anm.
'KaJeich' 225.
410
Kallova 208.
Carl der einfältige 30. Carl der grosze
50.
Karle der guote 197.
Karle, Marolds bruder 197.
Carlhöfde 306.
Karlshögaslott 321.
.carmina gentilia 28.
Kämthen 233.
Cassiodor 2. 70.
Caspar von der Röhn 213. 227. 235.
249. 270. 271. 276. 277. poetischer
werth seiner gedichte 372-373.
Catalannische schlacbt 70. 345.
Katheideborg 305.
Kaukasus 196. 227. 288.
Keisersberg s. Geiler.
Kerka 68. 345.
Kerlingen 95. 185.
kesselfang 33. 351.
^Kewart' 193.
Kewe 164.
Simon Keza (nr. 63) 163.
Christen an Etzels hof 68. 69.
Chronik von 1452. — kaiserchronik
203 anm. — köln. chrönik (nr. 133)
287. — : Ebersbcrger chronik (nr. 15b)
30. — hvenische chronik (nr. 142)
305. — livländ. chronik (nr. 74) 170.
— Chr. Mellic. (nr. 117b) 281. —
chron. Novalic. (nr. 22) 36. — ehr.
Qnedlinb. (nr. 18) 31. — repgauische
oder Sachsenchr. (nr. 48^) 156. —
Sachs, ehr. (nr. 129) 285. — schwe-
dische ehr. 182. — thüring. ehr.
(nr. 140) 304. — ehr. Urspcrg. (nr.
23) 36. — ehr. Wormatiense (nr. 1 35)
301.
chronographns Saxo 9«
Chytraeus (nr. 160) 318.
Kiar 12.
ze Kiewen 69.
Kiliandur 41.
Klage, das gedieht (nr. 44) 108. 355.
Überarbeitung (nr. 48) 155.
Zacharid Son wilden Giemen, Clenie'
292.
Knefmdr 11 anm.
cod. Guelferbyt. (nr. 122) 283. cod.
Palat. 313. (nr. 116) 281. cod. Pal.
329 (nr. 113) 280. cod. Pal. 392.
(nr. 121) 283. cod. Tirol, (nr. 123)
283.
Königshoven Elsasz. ehr. (nr. 117) 281.
de Koker (nr. 166) 320.
pfaffe Konrad (nr. 38) 55. 331.
Konrad von Ammenhauaen (nr. 114)
280.
Konr^d voi\. Wtirzbiirg (nr. 65) 167.
meister Konrad 108.
Con^tantin der grosze 50.
Constantinopel 50. 51. 212.
Kostbera 353.
krähe 387. 393.
^krapen' in Hildebrands schild 257.
Kriemhild [ZE. 12. 26, 6. 33] (Grim-
hild 285. 305, Grimmhild, Grimhildin
312, Grimild 301. 303. 321, Gremild
305, Krlmhilt 111, Crimild 165. 287.
294. 298, Chrimhild 317, Chreim-
hilt 205, Greimhjld301; Kreinheiltz
304, Kremheyich 165, Crumheldina,
Crimiheldina 165, Crnmhelt ' 166,
Gramulla 285) vom Rhein 280; in
freundiBchaft mit Brünhild 132;
pflanzt den rosengarten 294. 312;
ihr gold Itl; träum 182; höchzit
160. 163. 166. 169. 286. 300; not
169. 280; mort 171; proelium 166.
lohn 167; verrat 48. 162. 286;
räche 260. 306. 310; zom 282;
tödtet den Hagen 116, ihre brüder
299; hasst die Wölfinge 298; ihr
alter 64; wird nicht getödtet 300;
tod 168. 287. 300, 306; grab 321;
ist ein riesenweib 321; zaubert 322;
ihr Charakter 348. 370; diu übele
168; rohheit ihrer sitten 371; tochter
eines thüringischen königs 301. 303.
305; eines deutschen 165, eines bai-
rischen, eines sächsischen herzogs
304, eines burgundischen 166 anm.
vgl. 307. — Criemhildespil , Kriem-
hildenstein, Griemhildensteg, -graben
155 anm.
kröne, Siegfrieds zeichen 132; Gün-
thers 129.
Crusius (nr. 153) 313. 317.
Cuningesbrunno 154.
Kuperan 80. 311. 391. Cüprtän 174.
'Dageminde' 228.
Dainsleif, schwert 328.
Damascus 43.
Dänen 178. — vikingr Dana: Sigurd
9. — Dänenkönig von den Oia-
kungen getödtet 183. — Dänemark
6. 7; 116. 135. 156. 183. 184. 197.
211. 239. 247. 256. 326; Tenelanf
133. 135. 156. 211.
dänische Volkslieder (nr. 143. 144) 306.
318.
Dankrat 129.
Dankwart (Danebart 281), Hagens bru-
der 86; im Biterolf unbekannt 130;
4il
kämpft für Dieterich von Bern 202;
nicht in der Rabenschi. 212.
k. Desen tochter 189. 204.
Dethardns 285.
Detmar, fortsetz. (nr. IdO«^) 286.
Deutsche 143. 177. 178. 179. —
deutsche landb 172. — deutsche
sagen (nr. 171), 323 und lieder 175.
Diether der alte, vater der Dietlind
126.
Diether, Ennenricbs bruder 185; vatcr
der Harlunge 186. 264.
Diether, bruder des Dieterich von Bern
47. 189. 190. 247. 267. 273; könig
von römisch hmd 190; von Beme
208; älter als der Helche söhne 208;
in der Jugend von Wittich erschla^
gen 157. 216. 293.
Dietleib , königssohn aus Spanien
125 — 127; mit Dieterich von Bern
verwandt 126. 142; andere Ver-
hältnisse als Dietleib von Steier
193—195; der Stiraere 127; Biterolfs
söhn 125. 194, nicht überall 194;
sein Schwert 16. 280; Übersicht der
Dietleibssage 340. — unter Diete-
richs helden 103; in ungutem ver-
nehmen mit Dieterich 251; bei
Sigurd dem Griechen 180; wettkampf
mit Wakher von Waskenstein 181 ;
wird dessen geselle 251.
Dietlind, Dietleibs mntter 126.
Dietlind, Rüdigers tochter 118.
Dietmar (Detiiardus 285, Dietmarus
Verdnnensis 49), vater des Dieterich
von Bern 36. 37. 106. 156. 189.
250. 267. 344; söhn des Wolfdiete-
rieh 293, des Amelung 185; unehe-
lich geboren 189; seine franen 189;
erbaut Bern 189. 204) empfiehlt
sterbend seine kinder dem Ermen-
rich 189. 190; wird an der Rah er-
schlagen 303.
Dietmar von Wien 212.
Diepolt von Baiern 212.
Dietpolt von Grünland 197.
Dietrich) westgothlscher könig 303.
Dietrich, Wolf dieterichs bruder 236.
Dietrich der alte 203 anm.
Dietrich von Bern (Theodric 21. 24
Dieterich 59, Thcodoricus 40. 169,
de Verona 32, Tetricns 24. 39 anm.
44, Detricus de Verona 164 — 166.
281, a Verona 304, princeps Ve-
ronae 283, Veronensis 315, Bemen*
sis 49, Berneri 169, Thidric de
Beme 32» Theodoricus rex Hunnorum
40) 157. 162. 159—160. 168. 170.
171. 260. 263. '278.' 279. 280. ^83.
285. 286. 300. 301. 309. 311. 312.
314. 317 (s. Amelung, Bern, Ber-
nsere); bellicosus 300; Zusammen-
hang mit dem ostgothischen Theodo-
rich 344) Dietmars söhn 36. 37.
169. 208. 321; enkel Wolfaieterichs
293; Übereinstimmung mit Wolfdie-
terich 234. 236. 357, mit Siegfried
79; seine ahnen, gedieht 185. 202;
sein geschlecht 2. 104—107. 142;
Verwandtschaft mit den Wölfingen
107. 240; Zeitalter 290. 293; bild-
liche darstellungen von ihm 39. 105-,
erzeugung durch einen geist 40.
105; seine elfennatur 40. 105. 343.
394; ist. ein giftspeiender drache
321; sein feueratliem 105. 106. 214.
276. 286. 294. 312. 321; sein
schwarzes pferd 39. 49; schild-
zeichen 142. 143. 237; heim 8.
EUltegrim; seine reliquien 209; sein
haus, bauten und denkmäler 40.
204. 303. 315; seine zwölf helden
101. 102. 289, unvollständig 190.
209, vermehrt 191; acht (sieben)
helden 296. 297; Jugend 190. 266.
277; kämpf mit Hilde und Gnm 58.
214—216. 271—273, mit drachen
und riesenl34. 250. 255. 281. 303, ge^
dicht darüber (nr. 99 und 100) 266. 27a
338.356. 373; kämpf mit Herbort 135 ;
mit Wenezlan 137; mit Siegenot und
Laurin (s. die gedichte), mit Odoaker
286; pf erdetränken in Friesland 181;
Zweikampf mit Siegfried 74; wider^
willen, mit Siegfried zu kämpfen
126; tödtet den Siegfried im rosen-
garten 298. 348; rächt den mord
der Harlunge an Ermenrich 295 ;
könig von römisch laut 208; aus
seinem reiche vertrieben 22. 24. 34.
36. 37. 201. 204; gedieht von der
flucht (nr. 83) 184. 296. 339. 372.;
hindeutung darauf 119. 120. 167.
207; aufenthalt zu Bechelaren ^6.
297, zu Maringaburg 21, hei Etzel
127. 300; sein vater lebt noch 277;
kriegszüge bei Etzel 120; vermählt
mit Gotelind 180» mit Hertlin 174,
mit Herrad 103. 104; mit Sieben«
bürgen belehnt 104; zug gegen
Ermenrich 120. 353—359. s. Raben-
schlacht; beweint, den Alphart und
Helmschart 207 ; führt deh Etzel aus
dem streit 69; entgeht dem verder-
ben 280. 300; tödtet die Eriemhild
299. 3(X); an ;der stirse verwundet
412
164. 304; heiszt der unsterbliche
164. 304; kehrt in sein reich zu-
rück, zeit der Abwesenheit 26. 122;
sein ende 38. 39. 49. 206. 300. 303.
321. — Dieterichs bad 39. — sagen
und lieder von ihm 32. 36. 38. 40.
177. 190. 206. 246. 281. 286. 287.
300. 301. 303. 304. 305. 309. 312.
315. 323; auszerhalb Deutschland
39 anm. 318; personenname 169;
Übersicht der Dietrichssage 338—339.
Dietrichs Bern s. Bern.
Dietrich von Dentz (nr. 25b) 40.
Dietrich von Griechen 198. 247 256.
Dietwart 185.
Hademar von Diezen 54.
Diezolt von Dänemark 197.
Ditmarsen 197. 326.
Donan 125. 177; Attila ertränkt sich
darin 285.
Domröschen 384.
Dorotheenspiel 300.
drachC) Siegfrieds zeichen 132; schild-
halter im wappen von Worms 316.
Fafne (389, 391), Ostacia (393) und
Dieterich (321) als drache. drachen
und dracheneier 200. drachenkämpfe
s. Dieterich und Siegfried.
Drachenfels 155 anm.
drei brüder 43.
Drusian 180.
Eber, Günthers zeichen 129.
Ebersberger chronik (nr. 15^) 30.
Ecke (Ecke von Eckenbart 312), söhn
des Mentiger 225; erhält von ihm
die kröne 224. in der Vilkina saga
kein riese 391; verwechselt mit
Eckehard 311; Ecken ausfahrt, ge-
dieht (nr. 86) 213. 273. 338; be-
ziehung darauf 160. 162. 167. 168.
170. 171. 269. 278. 279. 280. 281.
285.287.309.310.311. poetischer
werth 372.
Eckenvrid 116 anm.
Eckehardi chron. Ursperg. (nr. 23)
36.
Eckehard I. von St. Gallen 29.
Eckehard, Mimes geselle 73. 246.
Eckehard (Eckewart 190, Heccard 302),
söhn der Hache 144. 232; pfleger
der Harlunge 144. 190. 191. 209.
237. 247. 255. 295; der getreue
144. 264. 265. 289. 303. 311. 312.
320. 394; der zornige 170; Ecke-
hardes not 162; will räche an Bib-
stein nehmen 186; tödtet den £r-
menrich 289; sitzt am Venusberg
und warnt 289.
Eckenbrecht 254. 250.
Eckenot, Fasolds vetter 224. 225. 226.
Eckenot, mann Dietericfas von Bern
193.
Eckesachs 56—59. 142. 181.
Eckewart, markgraf 131. 202.
Eckwit, Eckes verwandter 225.
Edda Ssemundar (nr. 2. 3. 4) 4—11.
sittliche natur 361, poetische 365—
367.
Eginhart (nr. 11) 26.
Eierland s. Irland.
Spruch vom eigennutz (nr. 126) 284.
Eigil 178.
Eilhard von Hobergen (nr. 40) 59.'
Einar Skaleglam 26.
einhom, Biterolfs zeichen 127.
'Einstett, Eystett* 228.
Eisenach 305.
Eitil 12. 140. 347.
Elbe 51. 52. 68. 69. 139.
Eiberich (Alberich 77. 81. 216 , Alfrik
181, Alpris 79, Albrian 216, Ain-
siax? 57), zwerg 168. 312; besitzt
Wunderkräfte 82; sein vater föhrt
gleichen namen 216; Baldung stammt
von ihm ab 274; könig 227. 288;
läge seines reichs 289; fürchtet böse
nachbaren 282. 290; verstellt astro-
nomie 289; Otnits vater 236; Otny-
des twerg 279; hat Otnits paozer
gesehmiedet 220; versöhnt Eligas
und Otnits mutter 290; Verhältnis za
Siegfried 77—79; gerät in Dicte-
richs gewalt 79 ; leistet ihm beistand
216; steht in Verbindung mit Wie-
land 57. 288. seine erscheinnng im
Otnit, Nibel. und der Vilkina saga
391—392.
eich 393.
elephant, Otnits zeichen 290. 291;
Dietleibs zeichen 127. 179. Sigord
der Grieche reitet darauf 180.
elfen 388—390.
Eligas, Elegast von Benszen 290.
Elsan 192. s. Bsan.
Elsasz 124. 138.
Else, der alte 138.
Else, der junge 138. 192.
rauch Else 312. 388.
Elsentroie 198. 211.
Eisung 189.
Embrica, Emerca s. Imbrecke.
Enenum von Westenland 211.
'Engekan' 292.
engel 389.
418
Engelland 192. 197. 211. — englische
sage (nr. 170} 323.
Engelsbarg 40.
historia comitnm Engolismensinm (nr.
28) 41.
Enenkel (nr. 59) 160.
epistolae virorum obscuromm (nr. 137)
303.
Erich Yon Venedig 108.
Erka s. Helche.
Ermenrich (Airmanareiks 2, Ermana-
ricu8-ly Ermanricns 30. 31. 32,
Hermenricus 30. 36. 44, Emmericns
40, Eonnanric 17. 18. 21, JÖrmnn-
rek 3i Jarmerich 45, Ermrich 187.
Ermelinc 284, Ermentrich 242. 268,
Erentrich 204. 242, Ementrich 293.
295, Emrich 170. 284, Emelrich 49),
der historische 8. 343; gotbischer
könig 3. 5. 18. 31. 32. 36. 40;
Attilas Zeitgenosse 30; rex Theu-
toniae 49; erbant Gent 284; römi-
scher kaiser 168. 238. 242. 263.
265. 295; oberkönig 168; könig 170.
187. 204. 242; Veronensis 44; nm-
fang seines reichs 145. 238. 263;
seine beiden 145—146. 195—197.
209 — 211; Dieterich yon Bern ihm
unterworfen 145. 238; abstammung
185. 293 ; Dieterichs von Bern oheim
32. 36. 185, verwandter 106, bruder
293. 295; zornig nnd treulos 18.
19. 204; wölfischen sinnes 21. 22;
freigebig 159; beschenkt den Sibich
61; besitzt einen schätz 17. 46. 188.
284; übt gewalt an Sibichs fran 295.
397; richtet sein geschlecht zu grund
30; bringt den einzigen söhn ums
leben 3. 31 (mehr söhne 31. 295.
297); sendet ihn zu denWilzen 187;
lässt die Harlunge hängen 31. 185.
186. 289. 295; feindschaft mit Die-
terich von Bern 170; flieht vor ihm
295. 297; verleiht dem Heime ein
zeichen 268; sein tod 2. 3. 32. 47.
187—188. 289. sagen und lieder
von ihm 30. 40. — Übersicht der
sage 338. 339.
Erp (Odoaker 32), Stiefbruder der
Schwanhild 3. 46. 347.
Erpantana 1.
Erpfe (Erp 47 anm.), Etzels söhn 140
= Scharf.
Erwin, Berthers söhn 51. 52.
Erwin von Elsentroie 198.
Etgard (Otgard 263) 20.
Etgeir 225. 391.
Etherpamara, Ethespamara 1.
Etsch 291. 292.
Ettaer (nr. 165^) 320.
Etzel (Attila, Athila 283, Artala 321,
Atzel 303, Ezzelo 285, Eczelin 156,
Ethele 164, Ettel 167, Thila 164
anm.), Htinenkönig 40. 138. 156.
287; beziehungen auf den histor.
Attfla 67—71; geschlecbt 67. 68.
138—140. 207; widersprach in der
sage von seinen söhnen 347; macht
68. 139. 283. 296; hat zwölf krönen
139. 155, dreiszig 155; sein schätz
156; mit Eriemhild verheiratet 285.
300. 305; seine feigheit 69. 70;
ein Christ 113. 114; ein abtrünniger
139; seine beiden 140—142.
197—199. 211—212; kriege 157,
mit Witzlan 137; beraubt den alten
Dieterich seiner lande 203; verleiht
Brandenburg 181; empfängt Diete-
rich von Bern 296; leistet ihm bei-
stand im rosengarten 249; zieht
nach Bern 253; tod 122. 123. 284.
285. 321. 353; grab 300. s. Atli. —
sagen und gesänge 40. 61. 300.
302. 313. — Etzels hofhaltnng, ge-
dieht (nr. 105) 277. 313. 356. —
Übersicht der Etzelssage 339.
Etzelburg 124. 138. 280. 300.
Etzelingen 211.
Engel, Euglin 80. 84. 258—260. 392.
Eugippius 21.
Euring, Euringsstrasze 395. s. Iring.
Eylimi 260.
Ejsenburg, kloster 317.
Vade, riese 55. 210. 318.
Väringer 178. 179.
Färöische heldenUeder (nr. 167) 320.
Fafne 8. 79. 389.
Vafurlogi 5.
fahrende sänger 376—377.
Vala mengi, valaript 6.
Valeravans 207.
Falke, Dieterichs rosz 195. 208. 243;
gewinnt es von Starker 208; hat es
von Heime erhalten 208; Wolfdiete-
richs rosz 236.
falke, traumbild Siegfrieds 182. 394.
Falkenstein, thüring. chronik (nr. 140)
304.
valkyrien 386 - 387.
Valland 6.
Vallevan 230.
Vallerades 207.
Valslöngavald 266.
Fasold 103. 168. 170. 223. 309. 310.
4U
313. bekämpft mit Dieterich einen
drachen 250. in der Vilkina saga
kein riese 391.
fastnachtspiel' 300.
federkleid 3S9.
Feldbauer (nr. 66) 167.
Felcctheus, rngischer könig 21.
Velandi normannischer held 323.
Velaudsherrad 322.
Velint 8. Wieland.
Velle 174. 223.
Vellev by 322.
Venedig 108. 234.
Venusberg 289.
Verlehall 322.
Verona 40. 303. 304. 344. s. Bern.
vertauschung der gestalt 393.
Fertilia 178.
Vidga, Vidrik s. Wittich.
Vidicoja, Vidicula 1. 196.
Vidilon 265. 266.
Vidolf s. Witolt.
Fiedel, Volkers schildzeichen 253. 306.
308. 355. Volker trägt sie auf dem ^ ,
rücken 253; wappcn von Alzei 323.
— die fiedeler 324.
Fierabras 43.
fil 179.
Vildifer s. Wildeber.
Vilkinaland 69. 187.
Vilkina saga (nr. 81) 175; = Niflunga
saga 299; poetischer gchalt 372.
schwedische Vilkina saga 76. 175.
177. 180. 182. 210. 257.
Vilkinus 210.
Vingi 11.
Fischart (nr. 150) 311. 312.
Fitela s. Sinfiötle.
Vlächen 68. 125. 140. Vlächenlant
140. s. Walachen.
Lienh. Flechsel (nr. 15ll>) 312.
Flodoardi bist. Kemens. (nr. 17) 30.
Vögelsprache 390.
Völsung, Siegmunds vater 16.
die Völsunge "178.
Völsunga saga (nr. 21) 35.
Völund s. Wieland.
Vogesenwald 90.
Volker (Folgmar 305, Folkquard 306)
von Alzeie (Alzan 201) 354. 355;
Hagens gefährte in der Nibel. noth,
fehlt im Biterolf 130. 355; seine
freundschaft zu Hagen unerklärt 355;
kommt in der Niflunga saga vor
180; kämpft für Ermenrich 201.
212; im rosengarten 247; sein
zeichen s. fiedel. Kriemhildens bru-
der 305. 307; ihr schwestersohn 254 ;
sein Charakter 370; von Ortwein er-
schlagen 249.
Volknant 193.
Volkwin, bruder des Nantwin 138.
Volkwin, Dieterichs mann 239.
fragmentum historicnm (nr. 72) 169.
Sebast. Franke (nr. 145) 308.
Franken 29. 66. 128. 348. Bhein-
franken 67. 128. Frankönödal 66.
Frankreich 113. 200. 283. frän-
kisches gesinde 282. 283. Frakland
34. 35. 265. Frakaskäli, bm*g 265.
Franenlob (nr. 121) 283.
frauentreue (nr. 210)> gedieht 279.
Freher (nr. 158) 316.
Freiburg 312.
Freidank (nr. 130^) 286. 380.
Job. Thom. Freige (nr, 151c) 812.
Freise, Hildebrands schwert 267. 274.
Frideger von Sfilande 211.
Fridigernus 1.
Friederich, Ermenrichs söhn 31. 46.
187. 204. 295. 397.
kaiser Friedrich lU. 301, 305. 312.
317.
Friedrich von Raben 192. 193, der
junge 192.
Friedrich von Schwaben (nr. 113b)
280.
Fridleip 138.
Fridsselä 178.
Fridunc von Zeringen 197.
Friesland 181.243. friesische sage 135.
Fritile (Fridla 18, Fritia 31, Vridelo 49)
20. 31. 48. 106. 143. 264.
Fritula, bürg 263. 264.
Frut von Dänemark, Günthers feiod
184. 247. 256 ; kämpft für Ermen-
rich 211, mit Nudung 212; sein
schildzeichen 256.
Fnlko, erzbischof von Eheims 30.
Fundin Noregur (nr. 97) 261.
Füsz der puler (nr. 125) 284.
Qabein 58.
GabeUn 149.
Galaber 142. 197.
•Galame' 199. 200.
Galan 42. 43. 44.
Galitzenland 326.
Gamalin 99. 124.
Gandalfs söhne 183.
Gapt 22.
Garphytteklint 322.
Garte 191, Garten, läge 288; sitz Otnits
389, Herbrands 232; Amelolt dar-
nach benannt 191; trachsesz von
415
Garten 290. 292 ; markgraf von Gar-
ten 292.
Welscher gast 380.
Gat 22; Geata 22; Geates frige 21.
22. 25.
Joh. Geiler von Keisersberg (nr. 135o)
301.
Geirmnnd 352.
geisüiches spiel (nr. 134^) 300.
Gelfrat 138.
Gerbarty held Dieterichs von Bern 102.
268.
Gerbart, Ermenrichs mann 211. 238.
Gere, markgraf 202. 346; herzog 131;
kämpft für Dieterich von Bern 212;
fehlt in der Rabenschlacht 212.
Gere, vater der Gotelind 140.
Gere, bnider des Stadenfusz 136. 238.
Gernot (Gimot 258, Gernoz 180, Ger-
mer 306, Gemer 311. 321) 129.
294. 308; vertritt Guttoims stelle
343; kämpft für Ermenrich 201.
212,
Gernot, Dleterichs held 268.
Gerolt von Sachsen 211.
Geroldseck 318.
Gerwart von Troie 291. 292.
Giaflög 350;
GibicA. (Giflka 18) 13, der historische
könig der Burgunden.
Gibich (Giuki 13) zu Worms 258; am
Rhein 312; könig der Bargunden
129. 247. 287. 294, der Franken 29.
87; Giukis familie 350. — die Giu-
knnge am Niederrhein 5. 6. 7; im
kämpfe mit Sigard Ring 183.
Gibich, Etzels mann 141.
Gibich von Galaber 142. 197.
Gisa, rugische königin 21.
Gislahari, der historische künjg von
Bnrgund 13.
Gieselher (Gisler 180, Gujslar 321),
aufnähme aus der geschichte 343;
Günthers bruder, daz kindelin 129;
in der jugend erschlagen 294; fehlt
in der Flucht 201, Rabensclüacht
212 und im Siegfriedsliede 258.
Giuki s. Gibich.
Giuki, enkel des königs Giuki 353.
Glaumvör 353.
Gleste 244.
Gluna 306.
Gnitaheide 11. 41.
berg zu Glockensachscn 196. 288.
Göckelsas 227.
Godebrand 261.
Godian 199.
Godomar 13.
aold, verhängnisvoll 63. 111. 260.
Melch. Goldast (nr. 159) 317.
Goldemar, zwerg 174. 338.
Goldrun 113.
goldschmiede, gefangen 21.
Goltwart 133. 135.
Görres meisterlieder (nr. 118) 281.
Gordian s. Godian.
Gotel 142.
Gotelind, Rüdigers frau 104—106. 180;
ihrer Schwester kind 255 ; mit Diete-
rich von Bern verwandt 104 — 106.
tochter des Gere 140; ihr rühm 177;
ungenannt 296; ganz unbekannt 198.
211. 271. 277.
Gotelind, Drusians tochter, Dieterichs
von Bern frau 180,
Gotar, Gotnar 6. 22. Gotna thiödan
ä= Högni 11. Goti, könig 22.
Gothen, Gothenrich 5. 6. 307; gothische
gedichte 1. 373; gothische sage 344.
Godefrid Hagene 287.
Godefridus monachus (nr. 35) 49.
Gottfried von Monmouth (nr. 26) 40.
Gottfried von Viterbo (nr. 32) 44.
Gottfried von Straszburg 380.
Göz 22.
de fundat. monasterii Gozecensis (nr.
25) 40.
Gram 5. 182.
Gramaleif 266.
Grane Sigurds rosz 84.
von Grane Wolger 212.
Gregor M. 38. 40.
ein Grieche 226; Griechen 68; Grie-
chenland 113. 115. 137. 231. 257.
griechisches meer 178.
Grim 58. 214. 271—273. 338.
Grimild, mutter der Gudrun 5; übt
Zauberkünste 392; von Atli getödtet
306. 354.
Grimme 174.
Grymur 321.
Griper 350.
Grippian 230. 231.
Grippigenland 294.
Grobianus (nr. 149b) 311.
grönländische lieder (nr. 3 und 4)
10 — 12; ihre poetische natur 367.
Grünland 4. 197. 211.
Gudengai-t 225.
Gudny 350.
Gudrun, Giukis tochter 3. 5. 9. 12.
350. 351. 354 366. — das dritte
lied von Gudrun (nr. 19) 33. 351.
Gudrun, zauberin 46. 47. 392.
Gudrun, Hettels tochter. Zeugnisse
über das gedieht 325—332. über-
416
sieht des inhalts 342. werth
370—371.
Gollrönd 350.
Gundahari, der historische könig von
Burgand 13. 18; von den Hnnnen
vernichtet 70.
Günther (Gynther 308, Gunnar 13.
180. 321), Gibichs söhn 29. 129. 247.
258 284. 294; sein zeichen 129;
krieg in Sachsen 131. 183 (Gunnars
zng nach Dänemark 183); kämpft
für Ermenrich 201. 212; in Dieterichs
gefolge308; tödtetden Hildebrand 289;
Günthers söhn tödtet den Hildebrand
300 (Gunnar im Verhältnis mit Oddrnn
351 ; in der sehlangenhöhle 41. 352);
könig von Thüringen 301. 303. 305.
Günzenle 124.
,von Gnrdenwale Tywan' 211.
Gnttorm 13. 259. 321; Ginkis Stief-
sohn 351.
Habicht auf Hagens 307, auf Hilde-
brands Schild 308. traumbild 394.
Hache, Berchtungs söhn 231; Ecke-
harts vater 144. 232.
Hache, vetter des Wachsmut 143. der
junge Hache 144.
Hadebrand, Hildebrands söhn 23. 107.
275. s. Alebrand.
Hadebrand von Steiermark 142.
Hademar von Diezen 54.
Hadewart 116 anm.; kämpft mit
Walther 181.
Hsener 384.
Hagathien 88.
Hagen (Högni, Högner 321, Hagon
310, Hagano 29. 87 [der name
ZE. 11]) von Tronje (Troja 87, Troy
298. aus trojanischem geschlecht
29) 85-90. 130. 247. 278. 281.
284; sprichwörtlich 286; elfensohn
180; verwandt mit. den burgundischen
königen 86. 343; bruder der Eriem-
hüd 258. 305. 306; mit Gluna ver-
heiratet 306; sein Charakter 343.
368. 370; schildzeichen 130. 253;
erscheint zu früh in der Vilkina saga
180; fährmann am Rhein 89; auf-
enthalt bei Etzel 86. 87. zug nach
Dänemark 183; rät ab von Sigurds
mord 343; mordet den Siegfried
201. 259. 306. 307. 310; bietet dem
fährmann einen goldring 182;
schenkt cles fährmanns wittwe einen
goldring l^S^i kämpft für Dieterich
202; töntet den Dieterich 321; hat
drei jähre vor Trojen gelegen 307;
tödtet den Irnng 179, den söhn der
Eriemhild298— 299; zeugt todtwund
einen söhn 306. 321. Högnis mör-
der 352. — Hagenbrunno, Hagenonis
platea 155 anm.
Hagen, vater der Hilde 325. 327. 328.
330. 331.
Hagenau 124.
Hama s. Heime.
Hamdir 3. 32. 46, Hamideo 37,
Hemidus 32, Ammins 2. 3. 36.
37.
hammer, in Wittichs zeichen 268.
Hammersbierg 305, Hamerslott 321,
Hammer 307, da liegt Niflungs schätz
305, 307.
Hanala 1.
Hans Sachs (nr. 149) 309.
Harlung 293 (Harling 295), vater der
Harlunge. s. Aki Örlungatrausti,
Diether und Herlibo.
die Harinnge (Harlinge 289. 295,
« Herelingas 18) 37. 45. 48. 49. 247.
311. 312; ihr vater 49. 186. 264;
zwei brüder, Imbrecke und Fritile
(Aki und Etgart 20. 263—265) 31.
106. 133; drei brüder 49. 185. 204;
ihr gold 188; Ermenrich lässt sie (zu
Raben 204) aufhängen 185, erdros-
seln 45. s. Eckehard.
Harlungeberg 38 anm. 49. Harlunge-
burg, Harlungefeld 38 anm. Har-
lungeland 143.
Hartman 380.
Ebrtmut von Ormanie 133—134. in
Gudrun 325. 329.
Hartnit (Hertnit 247. 253, Härtung 253)
von Russen, Etzels mann 198. Hert-
nit n>n Ruszland, vater des Oserich
253. 341.
Härtung von Russen s. Hartnid.
Hertnit » Nidhad 288.
Hertnit, Oserichs söhn, sage von ihm
177; stirbt an seinen wunden 183.
Hertnid = Otnit 227. 236.
Hawart 69. 115. 116. 140. 155; fehlt
in der Flucht und Rabenschlacht 197.
211.
Heccard s. Eckhart.
hecht 390.
Hedin 327. 328. 329.
beiden an Etzels hof 68.
Heidin, gedieht (nr. 107) 278.
Heidrek 5. 352.
Heime, ein drache 178.
Heime (Hama 17. 19) 146. 162. 283.
284; heiszt erst Stndas 178; tödtet
411
den drachen (Heime} 156. 178; soha
des Madelger 146; wohnt in Lam-
parten 146, zu Raben 268; ein aus-
länder 19. 20; hat vier eilenbogen
257. 391; riese 156; sein zeichen
268; Schwert und heim 146; grosze
tapferkeit 47; der grimme 103; unter
Dieterichs zwölf beiden 103. 247;
Verhältnis zu Dieterich 241—244, zu
Wittich 19. 20. 146. 162. 244. 268.
283. 284; entwendet dem Ermenrich
einen schätz 47. sage von seiner
ausfahrt und seinem ende 243. 340;
sein grab 156.
Heimir 178. 346.
Heinrich von Veldecke (nr. 39) 56. 400.
Heinrich der Vogeler 184.
Heinrich der GUchsener (nr. 112) 279.
Heinrich von München (nr. 84) 202.
Heinrich von Ofterdingen 275. 317.
Ilelche (Herche 68. 249. 296, Henriche
298. 304, Herkia 34. 351, Erka 68.
139. 177. 180), Etzels frau, tochter
des Oserich 139, des Honprius 304j
Christin 139; wird entfuhrst 139; ihr
rühm 177; ihre Schwester Berta 180;
kinder 127. 140. 157. 167. 217; z»-
stmmenhang mit Eorka 68. 345.
Heldenbuch, anhang (nr. 134) 287—300.
Helferich, Berthers söhn 52.
Helferich (Hialprik), Dieterichs mann
102. 103. 239; sein blutsfreund?
106. 107.
Helferich von Lunders, Etzels mann
199.
Helferich von Lütringe, Etzels mann
198. in andern Verhältnissen ein
ritter dieses namens von Dieterich
verwundet 221. der wunde heiszt
auch Helferich von Lone 222, Lane
270, endlich auch von Bunn 222.
ein Helferich von Lune, vater des
Rentwin, abermals in ganz verschie-
denen Verhältnissen 269.
Helgensage 346.
Qelge Hildebrandsen 261.
Wendel. Hellbach (nr.U49»>) 311.
Helle 174. 223.
die Hellespontier 45.
namhafte helme 6. Hildegrimr Limme,
Blank,
meier Helmb^echt, gedieht 157.
Helmnot, einer von Dieterichs zwölf
beiden 102. 339.
Helmnot (Heinot, HehnfKihvot, Q^üm-
holt 292) von Tuskan , Ot^j^ Wr
wandter 32^^
WILV. OaiHN, DBUTSOHa HBLDIXSA«!.
Helnmot von Tuskan, Dieterichs mann
239.
Hehnschart (Heknschrot 239. 247. 300.
301), Dieterichs held, mit Wolffaart
verwandt 191; von Dieterich be-
weint 207.
Helvig 8. Hvenhild.
Hemidns s. Hamdir.
Herborg 351.
Herbort, k. von Dänemark 133. Her-
bort, Dieterichs schwestersohn 134.
180. herzog Herbort kämpft lür
Gibich 248. 255. Herbortssage 340.
Herbrand, Hildebrands vater 107.
23 1 — 232 ; trägt Wolfdieterichs
Sturmfahne 232. 234.
Herbrand, der weitgewanderte, Diete-
richs held 103. 107. 308; fahnen-
träger 234.
Herbrand, Dieterichs mann 107. 191.
Herbrand, angeblich Sintruifis vater
234.
Herbrand, söhn Hiltebrands 261.
Herche, Herriche, Herkia s. Helche.
Herdegen, Harlungemann 144.
Herdegen, schwager Dieterichs von B.
144.
Herelingas s. Harlunge.
Herleib von Westphalen 138.
Herlibo, vater (der Harlunge) und söhn
49.
Herlind von Griechen 113.
Hermann, Artus ritter 134.
Hermann, Rüdigers knecht 255.
Hermann von Osterfranken 192.
Hermann, k. von Norafiandie 211.
Hermann von Pohlen 114. 115. 141.
Hermanne von Sachsenheim spiegel
(nr. 119) 281. mohrin (nr. 128)
285.
Hermann, herz<^ von Schwaben 138.
Herrad, tochter des Nentwin 103;
der Helche nichte, schwesterkind
103. 104. 139; Etzels schwestertoch-
ter 175. 296. 297. 304: aus der
heimat vertrieben 103; ihr rühm
177; mit Dieterich verhioiratet 103.
180. 208. 304; empfangt den Dieter
rieh, der aus dem kämpf mit Eck?
zurückkehrt 217.
Herrich v. Burgund 87.
Hertlin, tochter des Itönigs vpn Pojjtu-
gal 174.
Hertnit 8. Hartnit.
Hertrich 147t-48. 3^1. .
Hertwich (Hertnit), könig, Ni41||Mj ^^r
289.
Hessen 138. 197. 21i:
27
4l8
Hiadninge 328. 329—30.
Hilde, Artus tochter 134.
Hilde, Budlis tochter 261.
Hilde, Hagens tochter 327—28.
Hilde, riesenweib 214.
Hildebrand 59. 63. 168. 239. 260. 283.
288. 300. 309. 311. 312; alter Hün
25; WölfiDg 107. 233; aus Bern 143;
aus Garten 232; Verwandtschaft 107
—8. 240—41. 232—33; s. schwester
Mergart, frau des Amelolt 191. 232;
Partolaphe, eine bruderstochter 260;
s. bürg 49 ; s. zeichen 233. 255. 257.
267. 274. 308; heim 255. 274;
Schwert 239. 267; rosz 267; pfleger
Dieterichs und Diethers 143. 190.
266, einer von Dieterichs zwölf bei-
den 102. 190. 209. 247; steht ihm
bei im kämpfe 232. 281; geselle des
Norprecht 251. 252; kämpft mit Her-
bort 133; lange abwcsenheit 287;
erhält zwei unheilbare wunden 299.
300; alter 177. 267; tod 289. 300.
— vater Hildebrand aus Frankreich
283. Hildebrand, ein Gothe 318. —
Hildebrandslied Tnr. 9) 22. (nr. 95)
257. 339. Umbildung des liedes 363
— 64. poetischer Charakter 367. 372.
— Puppenspiele von Hildebrand 319.
Hildebrand, söhn des Hildir 261.
Hildebrand, kÖnig 261.
Hildebrand, söhn von Helge und Hilde
261.
Hildeburg von Normandie 113. 135.
Hildcbnrg von Ormanie 133.
Hildeburg von Portugal, von Galitzen-
land 326.
Hildegund 60. 86—94. 157. 158.
Hildegrim, heim Otnits 227, Dieterichs
79. 142. 164. 216.273.275; ist der
Aegishelm 386; allgemeine benen-
nung für heim 269; ein karfunkel
270.
Hildesheim 38 anm.
hirsch, Herborts zeichen 133. traum-
bild 394.
Hjamar 321.
Hniflung s. Nibelung.
Holmgard 69.
Horand, Herrenda 326. 329. 330. 331.
Homboge, Dieterichs held 102; Sieg-
frieds verwandter 182.
Homboge von Vlachenland 140, von
Fohlen 141.
Homchilde, gedieht (nr. 106) 278.
Horus 41.
Holsetuland 183.
Bro^e 386,
Hüpli (nr. 130) 286.
Hug von Dänemark, Dieterichs held
239; von Dieterich getödtet 221,
Hug von Mainz 222.
Hugdieterich, Wolfdieterichs vater 230.
315.
Hugdieterich, Wolfdieterichs söhn 185.
200—201.
Hugo von Montfort (nr. 113) 280.
Hugo Theodoricus, der austrasische, 33.
Hugo V. Trimberg (nr. 76) 171. 371.
Hunbrecht 239.
Wigul. Hund 305.
Hün 25; Hüneo truhtin 25. — Hünar;
Hünmörk 11. Hönaland 5. 6. 12. 69.
261. 321. 345. — Hünen 173. 282.
Hünenland 125. 138. 298. — Hnnni
9. 70; mit den Gothen verwechselt
40. Hunnenreich mit Hünaland ver-
wechselt 345.
Hunolt, rheinischer held 130. 131. 239;
kämpft für Dieterich 202. 212.
Hunolt, Dieterichs mann 239.
Hütteger 292.
Huzolt von Norwegen 197; von Grün-
landen 197.
Hazolt von Preuszen 199.
Hven 306. sagen auf Hven (nr. 168)
321.
Hvenild (Helvig 321) 306; riesenweib
321.
hvenische chronik (nr. 141) 305.
Jäger von Griechen 230.
Jarmerich s. Ermerich.
Jarnamodir 183.
*Yban* 58.
llias von Griechenland 91.
Ilsan der alte 209. 192.
Ilsan (Aising 241, lUzan, Milchzan 311.
312, Ulsam 286, Ilsung 312, Eylsam
287), Hildebrands bruder 232; mönch
240; Laurins söhn 314; sein rosz
256; im Alphart 240. 355; kämpft
im Rosengarten 247. 317; früheres
leben 252 — 53; sein Charakter 371.
spätere einführung in die sage 355.
Ilsing 302. 314.
Ilsung 192. 302.
Imelungehort s. Nibeinngehort.
Imian 198.
Imbrecke (Embrica 31, Emerca 18. 19.
Emelricus 49) 31. 48. 143. 264. s.
Harlunge.
Indien 171. 326.
Insbmck 156.
Jocherein 58. Jochgrim 217.
41«
JohanaoB moauushiiB (nr. 29) 42.
Johann von Wiiraburg (nr. 110»») 279.
Jonaknr 3.
Jörmunrek. s. Ermanarich.
Joniandes (nr. 1) 9. 22. 68. 69. 70.
71. 188. 206.
Jephtha Josphe (nr. 165^) 320.
Ipperland 253
Iran (Iron) 159. 160. 180. 181. 341.
Irland 211. 248. 326.
Irmenfried, der historische könig von
Thüringen 117. 345; Irnfrit von Thü-
ringen 69. 115. 116. 155. 345; fehlt
in der Flucht 197. 211.
Iring 115. 116. 140. 156. 179. 197.
211. Iringsstrasze, Imngsveggnr 179.
394-95.
Isalde, herzogin zu Wien 118.
Island 140. 197. 258.
Ismal 320.
Ismarus 45.
Isod 263.
Isolde, Herbords mutter 134.
Isolt, Etzels mann 198.
Isung 180. 181. 286.
Jubart V. Lateran 193.
K s. C.
Lademer (Ladinores von Westerland),
vater der Minne 185.
Ladmer von den bergen 197.
Ladislaw 137.
Lagulf 239.
Langbardur 7.
Langbein riese 322.
Lamparten 145. 203. 208. 227. 238.
268. 289. 307.
Lateran 145. 193. 290.
Lativald, Lutuvald, Luruvald 265 — 66.
Laurin (Larein 302, kong Lavring 322)
zwergkönig 172; sein hämisch 302;
der starke 309; vater des Ilsan 314;
Volkslieder von ihm 302. das gedieht
A (nr. 102), B (nr. 103), c (nr. 104)
275—77.338. anspielung darauf 281.
300. 308. 309. 311. 312; poetischer
werth 372. dänisches Volksbuch 322.
ursprünglich eine unabhängige sage
356.
Laurenz, graf von Tirol 309.
Wolfgang Lazius (nr. 141) 305,
Lebermeer 172.
Lechfeld 124.
der Lefferlungenschat s. Nibelungebört.
Leitha 124.
Lenges, der Lengesasre 199.
Leopold von MAilmid 51. .52.
Libyen 149.
Lieberdein 270.
Liebgart, Wolfdieterichs groszmutter
200.
Liebgart, frau des Otnit 199. 200.
Lilienporte 235.
Limme (Lonen) 146. 147. 148.
Lintbrunno 154. 311.
ze Loche 158. 308.
Lohengrin (nr. 78) 172.
Loke 384.
löwe, zeichen Otnits 227. 291; Wolf-
dieterichs 234; Dieterichs von Bern
142. 143. 237; Fruts 211; Walthers
255; Heimes 268.
Löwe, Hildebrands pferd 267.
Lorelei 162.
Lorse 114. 155. 156.
Lothringen 124. 138. 198. 221. 222.
loszbuch (nr. 125) 284.
Liudegast von Dänemark 135. 184. 202.
Liudegast, Helfrichs bruder 221.
Lüdeger (Litidingerus 135) von Sachsen
(Meisen) 131. 135. 184. 202.
Lüdeger von Frankreich 113.
lügenmärchen (nr. 70) 168.
Lütwar 145.
Ludwig der Baier, gedieht (nr. 111)
279.
Ludwig von Ormanie 113. 133. 329.
Luna 41.
Lunder, Lunders 199.
Lupolt Hornburg von Rotenburg (nr.
110 c) 279.
Lupus 265.
Lurlenberg 162.
Luruvald, Lutuvald s. Lativald»
Martin Luther (nr. 146) 308.
*Machahor 200.
Madelger 146. 196.
Madelolt 197.
Jak. Maerlant 167.
Magnificans 43.
jarl Magus saga 266.
Mal, Schwert 55.
Mailand 145. 193. 209. 248. 277.
Schlacht bei Mailand 359.
Main 124.
Mainz 222. 294.
Manznchius 68.
Marcellinus Comes 9.
marder (marmel) 256.
Marhung 197.
Maringaburg 21. 22.
Markeiz 211.
27
4M
llarktoBim ^. M^klMiä f )1.
Marneir (nr. 60} 161.
Marolt TOD Arie 197.
Mtirhölt wa QnmtifrtiA 197.
Marcholt von Siebenbürgen 212.
Marp<tlie 371. 39?. 39S,
'Marsey* 211.
kaiser MaximiHan 305.
Medelicke 124. 140.
meerweiber 387 — 83. mermittne 209.
Meisen 135. 138i die Mtsenttre 138.
meistergesangbnch (nr. 151) 312.
iSeizung^ 197.
Mentiger 225. 8. Nettinger.
Meran 53. 142. 192. 203. 203 anm.
229. 230. 235. 346.
Mercian 148.
Mergart 232.
Matth. Merian 162 anm.
Metellas (nr. 31) 44.
Metz 124. 130.
xhiichstrasze 394.
Mime 29. 73. 146—48. 341.
Miming (Mimring 308, Mennng 245,
Meynuhg 320) 56—59. 146—47. 153.
268. 278; mit Balmnng rerWechselt
246. 320.
Mime, Dietwarts fraa 185. 203.
Minnelmrg, gedieht (nr. 120) 282.
Miriqnidni 11.
mittländischea meer 178.
Mohrland 211. 326.
Momaland 5. 6.
Morolf 331.
Morolt y. Eierland 211.
Momng 211.
Momng von Tuskan 211.
Moschero^Nih (nr. 161) 318.
Mosel 179.
Munificans 43.
Münster, Stadt 176.
Sebastian Münster (nr. 138) 303.
Mundinfiöll 263. 264. 265.
Mnndioeh 68.
Mundzack 68.
Mnntabar (Montebar 291), Mantetthir
200.
Mataren 124. 140. 244.
Myrkvxddr 11.
Nachaol (Rachaol) 200. 293.
Nagelring 56. 59. 146. 216.
Nägling 59.
Nantwin von Regensbnrg 103i 137. 138
nater 268.
nebelkappe 290.
NentwMf^ yyav M tUmä t09i
Iff^n^ t2d; 2U. d25.
Nere, Dieterichs mann 192; WoHNfliak
yater 118; Hildebmn^s htaäiit 282.
240.
nenn Schwerter 43.
Nibelot 149.
Nibelang. könig 76. 81. 311; der alte
82. [de^ name Zß. 10, 2. 29.]
Niflang (Nögling 3>05), Vater der Rrieiin-
hild 307. — Hdiilang, Högnes söhn
10. 353. — Hniflange, söhne der
Gudrun von Atli 8.
Nibelunge, beiden aus Nibelnngeiand
66. 76. 182.
Nibelnnge (Niflange), Gibichs geschfecht
8. 10. 12. 60. 66. 67. 178; der name
wird in einigen denkm&Iern nicht ge-
braucht 66. 206. 212.
Nibelnngeiand 76. 77; Siegemttnd aus
der Nibelunge 294.
Nibelnnge (Nyblinges 260, Nöglings 305,
Nobling- 285, Nebulange- 171, Ime-
lange- 162) hört 12. 26. 76—82. 279.
282. 285.322. 323; in den Rhein ver-
senkt 12. 26. 63. 158. 162.308 ; in seiner
felsenhöhle verborgen 322. 354. —
hodd Niflflnga 12; rögr Niflünga 26.
— der Lefferlungen schat 320. —
— Kriemhilde gold 111; verhängnis-
voll 68. 111. 260. 385. isteinzwerg-
schatz 385—86.
Nibelnnge noth, das gedieht (nr. 43)
63 ; poetischer Charakter 368. Über-
arbeitung (nr. 47) 158. abweichende
darstellung 298—300. beziehnngen
auf die sag^e 60. 162. 163. 201. 305.
213. 259. 260. 280. 281. 282. 300.
305. Vermischung des Nibelungeiie-
des mit dem Rosengarten 348—49.
abt Nicolans (nr. 27) 41.
Nidhad O^dnd 21, Nidung 288) 20. 21.
Niederland 132. 201. 212. 254. 294.
niederiändischeb Volkslied 169. 230.
Niflünga (Vilkma) saga 299.
Ninive 65.
Nithard 380.
Nitiger 113.
Nögling 8. Niflung.
Norburg 305. 306. 321.
norddeutsche gedichte 169.
Nordian 159. 160.
nordische sage 178 (nr. 169) 322. Nord-
manner 178. 179.
Normandie 113. 185. 197. 311. 326 s.
Ormanie.
Noma Gests ftaga (mr. 8^) 183.
m
Korprechl ^ßupt^cbft ^), tüMtiätii
251. 252.
Noning 211; «^ ztkh^ Sil.
Norwegen 1^.
Notker (nr. 16) 30.
Nudung, söhn oder bmder dei^ Gotöliücl
9f9— 101. 140. 251; Rüdigers söhn
101 ; kehl söhn odet verwandter Rü-
digers 198. 211; kämpft mit Frut
212. herzog aus Deutschland 244.
Nürnberg 244.
Oda, Högnis mntter 307. ^ Ute 24.
Oddrun 351. 353.
Odenwald 66. 153. 154. 259. 316.
Odilia, Elsungs tochter 189.
Odilia, frau des Aki Ölldungatr. 263.
Odin 381-^83.
Odoaker, der historische 33. 344. (Ot-
trocus) 286.
Odoaker>Erp 32.
Ömlnng 8. Amelnng.
Ostreich 124 s. Osterland.
Ofen 205. 298. 303.
Ogier, gedieht 42.
Eric und Joh. Olahus 182.
Nie. Olahns (nr. 139) 304.
Oppenheim 124.
Ormanie 113. 133. Vgl. 212. s. Nor-
mandie.
Ort (Ortwin 47 anm.) Etzels sohU 140.
Orte, riese l'?4.
Ortiieb 68. 347.
Ortnit, Etzels bmder 198.
Ortrun 329.
Ortwein, riefee 247. 248.
Ortwin, könig 312.
Ortwin, Hettels söhn 330.
Ortwin, Dieterichs mann 239.
Ortwin von Metz 86. 130; käitopft füi'
Dieterich 202. 212.
Ortwin von Metz der iange 130.
Ortwin von Mainz 22 1; von Bonn 222.
Oserich (Osantrix 31), vater der Helchö
.139; sagen von seinem t<od 180.
Übersicht der äage 341. Übereinstim-
mung mit Rüther 357.
Osid 401.
Ospim 68.
Ostacia, Ostansia 392. 393.
Osterfranken 124. 192.
Osterland 113. 124. 135. 140.
osterspiel (nr. 1^5^) 301.
Ostgothen 19. 70.
Otacher von Böhmen 161.
Otacher-Sibich 24. 25. 32. 37. 344.
Otenheim 153. 154.
Otgard 8. Etgard.
Ofgeir (El^ir) 286.
Otnit, köfiig, käi^^r ÖtsdtA vÄC^r 2^^.
291.
ÖitAt (Örtnit |ioä. 261, Ortnei, Ortheid
227. 276. OtacWf 161) 311. 3l2
söhn des Sigeher 18Ö: des Otnit 291
könig von Rom 19d; käiser 290
seine macht 290; sein zeichen 227
290; heim 227; f)anzer 220. 260
261. 276. 277; seine grosze gestalt
221; acht jähre älter, als Wolfdiete-
rich 291; sein tod 203. — das ge-
dieht (nr. 87) 226. 341; alter un^
poetischer werth 371. beziehung
darauf 217. 279. 291. — s. Hertnit
und Sigfred.
Otte, Etzels ihahn 142.
Otte Waldmann vot Karlstatt (nr. 110^)
279.
könig Otte 325.
könig Ottelin 3Ö7.
Otter 384. 389.
Otto von Botenlaube (nr. 54) 158.
Otto von Frfeisingeh (nr. 24) 37.
Ottokar Von Horneck (nr. 73) 169.
Otur 7. 384. 389.
I^adtia 210.
Heinr. Pantaleön (nf. 149»>) 311.
Palakers 171. 172, Palakir 172.
*Lieberdein v. Palner, Paldher' 270.
Paltram üz Alexandriii 149.
^Paltrian, Piüdram*, Puntungs verwand-
ter 235.
panther, Nornngs zeichen 211.
Paris 96. 124. 149. 197. 211.
Tartholaphe» 257. 269. 'Pärtölape' 270
von TuskÄn.
Patavrid 29.
Paulus Diaconns 70.
'Pauzolt* von Norwegen 197.
Pelian 231.
Persien 43. 149.
*Pertolfe', Stadt 257.
die Peschenaere 69.
Pilgrim von Passau 71. 108. 129. 305.
345.
Pippin 50.
poeta Saxo 9. 27. 28.
Poimunt 118.
Poitän voü Wuscherat 137.
Pola 192.
Pohlen 68. 114. 115. 139. 199.
TolloySflBre' s. Pulleere.
Fömmem 139.
der starke Poppe 283 (402).
f89
Portugal 174. 326.
Fotelung 235.
Joh. Prätorius (nr. 164) 319.
Priscus 68. 69. 312.
Norprecht von *Profinge, Pruwinge* 198.
Procosii chronicon 401.
Prosper Aqait. 70.
Preuszen 125. 139. 199. 248. Priazen-
wäc 125.
Pulle 149. PüUn 203. PuUelant 136.
Pullfflre, 'Pollojsaire' 136.
Puten 113.
Pultusk 179.
Puntung 235.
Pusold, riese 247. 248. 312.
Matth. Quade (nr. 157) 315.
Qualle, Schwert 234.
Eaben (Raven 204. 298, Ravenne 286),
die Harlungo sind da getödtet 204;
Wittichs und Heimes sitz 268; woher
der name 286. Friedrich von Raben
192. Sabene von Raben 193. die
Rabensere 145.
Rabenschlacht, gedieht (nr. 85) 207.
339 ; poetischer werth 372 ; bezie-
hungen darauf 120—122. 157. 167.
216. 217. 268. 269. 298. 303.
Rabestein 144.
Rachaol s. Nachaol.
'Rachin' s. Rütze.
rad, Hildebrands zeichen 267; Hertnids
von Ruszland 253.
räthsellied (nr. 68) 267.
Ragnars dräp 328.
Ramung v. Island 140. 197.
Ramung von Viachenland 140.
Randolt von Ankona 145. 193.
Randolt von Mailand 145.
Randver 3. 46.
Ranke 306. 307.
Rasomoni s. Roxolani.
Ratebor 137.
Reigin 78. 389.
Reginbald, Ermenrichs söhn 297.
Reginbald von Venedigs Hildebrands
vater 108. 233.
Regensburg 103. 137.
Regentag der alte 144.
reiher, gedieht (nr. 108) 278.
Reinald 146.
Reinmar von Zweter (nr. 50) 156.
Reinecke de Vosz (nr. 124) 284.
Reinfried von Braunschweig ^ gedieht
(nr. 80) 174. 266.
Reinhard Fuchs (nr. 112) 279.
Reinher von Paris 192. 197.
Reinher von Mailand 209.
Rentwin von Elsentroie 211.
Rentwin, Helferichs söhn 269.
Rerir 381.
Rhein 4. 5. 6. 68. 124. 158. 221. 222.
231. 247. 280. 308. 342; flieszt in
die Donau 177. Rheingau 124.
Rheinherren , rinesche man 254.
Rheinfranken s. Franken, des Rheins
glanzerz, stein, flamme 26. 342.
Ribestein 186. 196.
Richold 212.
Richard s. Ritschart.
Riedinger s. Rüdiger.
Rienold von Mailand 145—146. 20S.
210. 247. 248.
riesen 133. 250. 288. 303. 312. 389
— 91; 8. Abentrod, Asprian, Kupiran,
Ecke, Eckenot, Eckwit, Etgeir, Vade,
Fasold, Velle, Grim, Grimme, Helle,
Langbein, Mentiger (Nettinger), Ort-
wein, Otgeir, Pusold, Schrutan, Sieg-
fried, Siegenot, Ülsenbrand, Witolt
— riesen weiber s. Kriemhild, Guden-
gart, Hilde, Rütze, Hvenild.
riesenhaus 317.
Rimstein 144.
ring 388, Eiberichs 290. 386; Andva-
res 385 ; in Hildebrands schildzeichen
233.
'zun wilden rissen' 230. 231. Zacharis
Von wilden Rusen* 292.
Rispa 243.
Ritius 304 anni.
ritterpreis, gedieht (nr. 115) 280.
Ritschard (Richard 239) 102. 107.
'Ritzsch* 225.
Rodenach 198.
Rodingeir s. Rüdiger.
Rodgeir v. Salernburg 263.
Rodolf s. Rüdiger.
Kogerius s. Rüdiger.
G. Rollenhagen (nr. 152) 312.
Rom 40. 145. 199. 265. römisch Und
und mark 189. 190. 208. römischer
kaiser 290, könig 185. 190.
Roschlin s. Rusche.
Rose, schwert Otnits 227, Dieterichs
227. 234. 250.
Roseleif 56. 181.
Rosengarten, gedieht a (nr. 91) 245,
B (nr. 92) 249, c (nr. 93) 249, i>
(nr. 94) 253. 338. beziehung darauf
169. 170. 281. 283. 286. 287. 288.
305. 312. 316. 317. alter 371. ur-
sprüngliche gestalt 347 — 48. 3()Ü.
423
Vermischung mit dem Nibelunge lied
348 - 49.
rosengarten in Berners mark 258.
namhafte rosse s. Belebe^ Benig, Blanke,
Falke, Grane, Löwe, Rispa, Rusche,
Scheming.
Roten, flusz 68. 139.
Joh. Rothe Thüringer chronik (nr. 127)
285.
Roxolani (Rosomoni, Rasomoni) 1.
Rücker s. Ruther.
Rüdiger (Riedinger 283, Rodingeir 180,
Rodolf 180, Rogerius comes 44,
Rutger 286) von Bechelaren 96—99,
140. 163. 211; nicht historisch 99
anm.; heimat 96-98; söhn eines
mailändischen köni^s 277; seine frau
Godclind s. oben; mit Berta verhei-
ratet 180; mit kÖnig Günthers toch-
ter 288; kinder 100. 101. 118; kennt
seit seiner kindheit die könige zu
Worms 99; wirbt Helche für Etzel
98; heerfahrten bei Etzel 98; empfängt
Dieterich auf der flucht 197; kniet
vor ihm 296; streit mit Witzlan 137.
Etzels böte zu Worms 126, in den
rosengarten 247. 255. sein Charak-
ter 361. Volkslieder von ihm 302.
Verhältnis zur Etzelssage 340.
Rudlieb 56.
Rudolf von Ems (nr. 57) 159.
Rudwin 282.
Rumolt 60. 61. 131; kämpft für Er-
menrich 202. 212.
rnnen 392.
Ruprecht s. Norprecht.
Rusche, Roschlin 144.
Russen (Reussen 298) 68. 247; dem
Otnit unterworfen 290. der Russen
Sturm 162. 171. Ruszland 179. s.
'zun wilden rissen*.
Ruther (Rücker 171. 313) gedieht (nr.
37) 50. Übereinstimmung mit Ose-
rich 357; Verwandtschaft mit Wolf-
dieterich 357; beziehnngen auf das
gedieht 157. 171. 174; dessen poeti-
scher werth 368.
Rütze (Runze, Rachin) 223—25. 310.
Riuze 174.
Sahen, Sibichs söhn 145. 193.
Sahen, Hugdieterichs treuloser rathgeber
235.
Sahen, herzog von Raben 193.
Sabin, herzog von Brabant 248.
Mich. Sachse (nr. 158^) 317.
Sachsen 130. 131. 135. 175. 211. 233.
sächsischer sänger 48. sächsischer
herzog 204. carmina Saxonica 28.
angelsächsische gedichte (nr. 6. 7. 8)
13 — 22. Saxo Grammaticus (nr. 33)
45. 162. 261. 328.
Sänger 373—78.
sage, mündlich und schriftlich verbreitet
177.
Sagittarius 3C4.
Salan 200.
Salernburg 263.
Salnecke 230. 236. Salnicke 212.
Salomon, könig von Frankreich 265.
266.
Samson, der schwarze ritter 263. 264*
Samsonsage 341.
Samsons gold 264.
die von Sande 138.
Sanielh s. Schwanhild.
Santen 138.
sarbant, auf Uildebrands heim 255.
Sarus (Sarelo 37, Serila 32, Sürli 3.
46) 2. 3. 36. 37.
Saxo Grammaticus s. Sachsen.
Joseph Scaliger (nr. 155) 314.
Skatalund 383.
schachzabelbuch (nr. 114) 280.
Scharpfe 140.
Casp. Scheidt (nr. 149 »>) 311.
Scheming (Skimming 308) 195—96.
Skida Rima (nr. 131) 286.
Schilbung 76. 81.
Schiltrant, Schiltbrant 193.
Schiltwin 268.
Schirn 137.
schlafdorn 383.
schlänge, auf Wittichs heim 147. 148.
173. 268; auf Hildebrands heim 274.
Schlüssel vom Drachenfels, im wappen
von Worms 316. 320.
der tugendhafte Schreiber (nr. 49) 156.
schriftliche aufzeichnung der sage 378
— 79.
Schrit 146.
Schrutan, riese 247. 248. 312.
Schwaben 124. 138. 303.
Schwan, ein elfe 389.
schwanenjungfrauen 280. 387.
Schwanfelden 244.
Schwangau 211.
Schwanhild (Sanielh, Suanibilda) 2. 3.
45. 46. 320.
Svanhvit 387.
schwanring 30. 388.
Schwanritter ) französisches gedieht 43.
Schweden 178. 240. schwedische Volks-
lieder 230, von Dieterich 318.
Schwert ins bett . gelegt 362 ; in Damas-
cus nnd Persien gemacht 42; neun
43A
Schwerter 43; zwölf Schwerter
254.
BAmhafte Schwerter s. Balmung, Blod-
gang, Brinnig, Dainsleif« Ecl^esachs,
Preise» Gleste, Gram, Hrotte, Lagolf,
Mal) Mimung, Nagelring, QuallC; Rose,
Schrit, Waske, Weisung. — awölf
Schwerter 254.
Seotorferri 41.
Seeland 211. 326.
S. SQverin 21.
Sewart 133. 135.
Sewart von Tnskan 237. 238.
Siebenbürgen 194. 212.
Sibjch (Sibche 156, Sibeke 61, Sübich
167, Sifeca 18. 20, Sifka 2, Bicci 3.
45)t boshaft nnd treulos 30. 46. 156.
157. 167. 196; Ursprung seiner treu-
losigkeit 295; feig 61; entflieht zu
fusz 295; von Eckehart gefangen 209,
. Übersicht der sage 338. 339.
Sidonius Apollinaris 69. 70.
Sidrat, Otnits frau 200. 291.
Sidrat, Wolfdieterichs tochter 201. 293.
Sigebant, Dieterichs mann 192.
Sigebant von Merän 192.
Sigebant von Jerlant, Ermenrichs mann
212. Sigebant von Eierlant 332.
Sigebert) ausiras. könig 345.
Siegfried von Niederland (Sigfrod 73,
Sigfred 305. 307. 308, Sivard Snaren-
svend 308, Sigurdur Fafnisbani 41.
178, Sjürur320) 132. 201. 212. 250.
254. 282. 294. 312. 319. 323; seine
voreitern hunnische könige 5; seine
? glänzenden äugen 366; sein rosz
Trane 84; schildzeichen 132; schwert
8. Balmung; hat zwölf Schwerter 254 ;
sein goldpanzer 246; trägt drei pan-
zer250; Qibichs nachbar 294 ; Jugend
71—73. 245; aufenthalt in der
schmiede 72 ; bei Etzel 73—74 ; tödtet
den drachen (Fafne 41) 74—76. 132.
171. 173. 312. 316. 320; seine hom.
haut 74-76. ^70. 173. 245. 260.
283. (402.) 301. 305. 309. 311. 312.
313. 316. 3ia. 320. 370. 390', in
andern gedichten unbekannt 132. 213;
erwirbt den hört 76—82 s. Nibelungen
bort; bel^^); sein pferd daioit 81;
Siegfrieds keller 79; erblickt Brün-
hild 320; erster besuch bei Bri^phild
82 — 84. 352 anm. ; weisz nichts vpn
vat^r upd pwtter 84; ein waller 85;
hat Kriemhild schpn vor dein raube
des dracb^B ge^iO^c^li 253 i auf<»nt|^alt
bfii Jsjftng 182; ?«j5 »aph päwe^J^rl?
zit 259; meerfahrt mit den Giukun-
gen 354 *, tödtet fünf könige 354;
kämpft mit Dieterich 74, in der Ba-
ben8fihlacht208; erkauft mit Balmung
sein leben 213; Dietrichs zeitgenosz
185; in Dieterichs gefolge 308; wiid
ermordet 35. 201. 259. 307. 310;
von Dieterich im rosengarten er^^
schlagen 294. 298. 299. 320; seine
wunden schmerzen die Kriemhild 182;
rächt seinen mord 343; sein rühm
geht durch die weit 35. 36. ist ein
riese 301. 305. 316. 390.; mit Hörn-
böge verwandt 182; SQin spiesz 305.
317; grab 301. 305. 317. bildnis
311. 313. 316. 319. — gedieht von
Siegfried (nr. 96) 258. 310; bezie-
hung darauf 305. 308. 311. 316;
poetischer werth 372. gedieht von
Siegfried 'und dem schwarzen mann
(nr. 123 b) 284. Ueder von ihm 317;
meistergesänge 320. übersieht der
sage von Siegfried und seinen ahnen
337—338. — Sifritsbrunne 154. Si-
frides mör 155 anm.
Sigfred, söhn der Kriemhild 306.
Sigfred-Otnit 307.
Sigeher, Otnits vater 185; bozwingt
Lamparten 203.
Sigeher, einer von Dieterichs zwöK
beiden 190. 202. 209. 239.
SigehSr von Walächen 114. 115; von
Turkie, Etzels mann 102. 149.
Sigeher v. Zeringen, Em^eBriclis mann
211.
Siegelind, Siegfri^s mutter 1$. 201;
Otnits schwestejr 185.
Siegelind, tochter des Nitiger 113.
Siegemar v. Brabant 197.
Siegemar von England 211.
Siegewein 238.
Sigeminne 185. 200. 201.
Sigemunt 14—16. 73. 201. 254. 294.
urbs Sigeni 41.
Sigen6t 272. 273. 283. 300. gedieht
(nr. 101) 271. 338; poetischer werth
372; beziehung darauf 281. 300. 310.
311. 312. 313. nrspri^ngUch der
sage fremd 356.
Sigurd der Grieche 180.
Sigurd Bing 183.
Sigest^P (Sigstach 270)i einer von Die-
terichs zwölf beiden 102. 239. 247.
268; herzog vpn Bern 104; mit Die-
terich v^rwaq^t 104 — J06. 270 ; Ame*
lolts sohB 19|. 192, ^73. ?95.
^«taf liärnj^ mit V»dga Ui.
,^a^ .?75. 2715.
4>6
Sindolt ISO; kämpft für Dieterich 202.
212.
Sinfiötle (Fitela) 14. 15.. 16.
Sinnels 172.
Sintram, Herbrands söhn 234.
Sintram, Reginbalds söhn 234; durch
Dieterich von einem drachen befreit
250.
Sintram, Herthegens söhn 180.
Sintram aas Griechenland 113. 142.
Sirmio 314. 316.
Sisilia 73.
Sytomer 137.
Skrepping 308.
Snevar 353.
Snorra Edda (nr. 46) 153. 261. 397
—28.
Sögnbrot 261.
Sönderborg 321.
Solar 253.
Cyr. Spangenberg (nr. 154) 313.
Spanien 95.
Speier 222.
Spervogel (nr. 62) 163.
spilstein 155 anm.
Spiegels abentheuer (nr. 119) 281.
spiel 8. Dorotheen-, fastnachts-, geist-
liches, oster spiel,
spinnen ; geschäft der valkyrien und
^ elfen 387.
Jos. Staricins (nr. 165) 319.
Suders (Sünders) 200. 227. 291.
de Suevorum origine 117.
Ladisl. Suntheim (nr. 134^) 300.
Surben 138.
Snrgen, Syrren 200, Surgenland 291.
Susa 69.
Susat, Suosaz, Soest 176. 177.
Starkadr 162. 183.
Starkan 193.
Starcher, Dieterichs mann 193.
Starker, Ermenrichs mann 208.
der Stiraere 127. 194.
Steiermark 125. 127. 142. 194.
Heinr. Steinhowel (nr. 148) 309.
Stoyne 137.
strausz, zeichen Markmanns von West-
phalen 211.
streifen von gold und silber, in der
fahne der hüter des rosengartens 254.
Stritgßr von Gruonlant 211.
Strither, Dieterichs mann 193.
Strither von Tuskan, Ermenrichs mann
197.
'Strut^in' 268.
Studas, vater des Heime 146. 178;
Heiaie führt anfattglich denselben
namen 178.
Stuffing. Stiffing 248. 253.
*Stutfuchs von Paleme* 136.
'Stutfus von Rine' 136. 248. Standen-
fusz 312. 317.
Sturinger, Etzels mann 199.
Sturinger von Island 197.
Sturinger von Hessen 211.
Sturmhold von Schwangau 211.
Suchenwirt 380.
Tacitus 399.
Tagemunt 228.
Taillefer 42.
•Tallentz antrob* 57.
der Tanhüser (nr. 56) 159.
tamhüt 392. 393.
*Tegelingen' 211. Tengelingen 54. 55.
Tenelant s. Dänemark.
teufeis netz (nr. 118^) 281.
Thegan (nr. 12) 27.
Theodorich Scaliger 314. 315.
Theodorich, könig der Ostgothen 25.
38. 344.
Theodoriche, fränkische könige 27.
Thila s. Etzel.
Thiodolf 328.
Theodolf von Hvin 11 anm.
Thüringer 69. 138. Thüringen 116.
117. 138. 211. 301. 303. 305.
Tibald von Siebenbürgen 103. 112. Ti-
walt von Westväle 197.
Tirol 58. 172. 215. 301. 302. 309.
Titurel (nr. 79) 173. Wolframs ge-
dieht 380.
'Tydas', herzog von Mailand 193»
*Tywan von Gurdenwale* 211.
Tolet 124. 146.
'Tragant* 57.
zaubertrank, vergessenheitstrank 393
—94.
träume 394.
Treisem 124.
Treisenmüre 140. 212.
Trey, flusz 56.
trojanische abkunft der Franken 87^
Hagens 29. 87. 298.
Troie s. Gerwart. — der troische Hec-
card 303.
Trojen 307. .
Tronje, bürg 124 s. Hagen.
Türkei 115.
Turolt 211.
Tuskan (Taschgan 238, Tnstkal 204.
219, Tischgal 304. 219) 211. 228.
237. 269. herzog, graf ton Imkifa
238.
Jkmik von» NoEOMtwIto 19Ti
426
Ulsenbrant .174.
Ulrich von Lichtenstein (nr. 52) 157.
-Ulrich von Tegclingen 211.
Ulrich von Türlein (nr. 61) 163.
Ungarn 198. 206. groszen Ungern 198.
Ungerland 248. 253. 298. 299. Un-
germark 113. ungarische Volkslieder
von Pieterich 304. 318.
Ute (Ttte 294, Oda 24), Hildebrands
fran 24. 107. 190; ihre treue 63;
hat den Alphart erzogen 240.
Ute, mutter der rheinischen könige 1 29 ;
wohnt zu Lorse 114. 155. 156.
V 8. F.
Wachilt 209. 387.
Wachsmnt, Harlunge mann 143.
Wachsmut, Wolfdieterichs bruder 236.
Wälschland 7. 309.
Walachen 114.
Walamir 69.
Walandus 41.
Walbaran 338.
Walber 115.
Waldemar, roarkgraf von Brandenburg
279.
Walderich 239. Waldmann s. Otte.
Waldung s. Baidung.
Walgunt 230.
Walch 143. Walhenlant 6. 7. 172.
Walker 211.
Waise 15. 16.
Walsing 14. 15. 16.
Walther, Dieterichs mann 192.
Walther, Etzels mann 212.
Walther von der Vogelweide (nr. 41)
59.
Walther von Lenges 199.
Walther von Spanien (Aqnitanien, Ker-
lingen, Wasgenstein 95) 60. 85 — 96.
132. 157. 202. 244 ; manu fortis 29.
36; robustus 158; kämpft mit dem
. spiesz 181; sein zeichen 255; Ver-
hältnis zur Etzelssage 340. das ge-
dieht Eckehards (nr. 15) 29. 302;
poetischer Charakter des gedichts 367
-368.
St. Walpurg, Waltburg 228.
lied vom Wanderer (nr. 7) 18.
Wartburger krieg (nr. 77) 171. 331.
Wate, Ermenrichs mann 55. 196. 331.
Wate, Hettels mann 325. 330. 331,
Wasce 162.
Waske (Wasche), schwert 95.
Waskem (Waschen 95. 124) walt 66.
Wascönolant 87. 95. 147.
Wasgenstein 90. 95.
Wazam 162. .
gedieht vom bösen weibe (nr. 52) 15T.
* Weicher von Constantinoper 102. 212.
'Weigant von Yban' 58.
Weihe, schwert 274-
weinschwelg, gedieht (nr. 59) 159. 331.
Weiderich 225.
der junge Weife 236.
Weisung 148. 280.
Wendelsee 25.
Wenezlan 137.
könig Wenzel (nr. 117«) 281.
Wernher der gärtner (nr. 51) 157.
Wemher ron Wemhersmarke 211.
Weser 179.
Westgothen 71. 303.
Westenland 211. Westerland 203.
Westphalen 138. 197. 211.
'Wiker*, Ermenrichs mann 211.
Wichdr, Dieterichs mann 102.
Wichart, Dieterichs mann 102. 239.
'Wichman*, Dieterichs mann 193.
Wicnant 102. 107. 115. 239.
Wieland (WSland 14. 20. 29, Galan
42-44, Walandos 41, Völnnd 21.
Velint 178. 210. 288, Wayland 323,
Vorland 308, Valland 318, Vcrlof
322), abstammung 210; ein elfe
388. 389; raubt eine schwanenjnng-
frau 280; hat zwei söhne 288. 289;
von riesen vertrieben 288; schmied
147. 178. 268. 288. 322. 323, gold-
schmied 29; künstler 322. 388; seine
schmiede 322 323; in gefangenschaft
20. 21; wohnt in einem berge 196.
288; mit Eiberich in Verbindung 288;
Waelandia fabrica 29; schmiedet
Schwerter 41. 42. 43, Miming 278,
eine rüstung 14, einen heim 147.
226, becher 41; sein grab 322. -—
verlorenes gedieht von ihm 288. 341.
Übersicht der sage 341.
Wieland, Dieterichs held 275.
Wien 118. 124. 212.
Wiener meerfahrt (nr. 71) 168.
Wigolt 199.
Wildeber (Wildifer 103. 180) 30.^ 340.
Wilhelm von Angouleme 41 ; von Öster-
reich (nr. 110^) 279.
Wilten 156. 243.
Wilze 162.
der Wilzen diet 162. der Wilzen laot
187.
Winelint 113.
Wiprechts von (jrroitsch genealogie (nr.
35b) 49.
427
Wirnt 380.
wisends hörn, in Hagens fahne 253.
Wislan 137.
Wissehrad 137.
Wisselau, bar 248. 340.
Witolt (Vidolf 286. 391) 55. 174.
Wittich (Witegc, Witche 162, Wideke
40, Wudga 19, Vidga 103, Vidrik
308. 318) [ZE. 3. 7. 14, 2], herkunft
20. 196. 209. 210. 249. 268. 288;
s. Schwert 146. 268; heim 146. 308;
schlänge darauf 148. 173. 268 ; schild
308; schildzeichen 268. 322: rosz
195-196; ausfahrt 339; Verhältnis
zu Dieterich und Ermenrich 241—
244. 247. 103. 195, zu Heime 19.
20. 146. 162. 244. 268. 283. 284;
sein Charakter 360; setzt über die
Weser 179; schlägt 18000 feinde 61.
62; lebt in Unfriede mit Nantwin 137.
138; tödtet Nudung 100, wovon die
Rabenschlacht nichts weisz 212; mit
Rüdiger versöhnt 251; kämpft mit
Amelolt 195. 196; hat zu Raben sei-
nen sitz 268; erschlägt der Helche
kinder 157. 298, den riesen Lang-
bein 322; sein ende 40. 209. 210.
340; sein grab 322.
Wittigtsen, bruder des Wittich 196.
Wittigouwe 196. 288.
Wilh. Wittwer (nr. 134 •) 300.
Wituchind 117.
Witzlan, könig von Böhmen 131.
'Wytzschach' 239.
wolf, in Wolfharts schild' 255. drei
wölfe, Hildebrands zeichen 233.
wolf und geisz, gedieht (nr. 64) 166.
Wolfdieterich, ahnherr Dieterichs von
Bern 185. 199. 293; Verhältnis zu
ihm 234. 236. 357—58; seine mutter
Funtungs Schwester 235; der junge
Weife 236: schildzeichen 234; seh wert
234; tod 203. — das gedieht von
Wolfdieterich (nr. 88) 228—34. 293.
315. 391. 342; poetischer werth 371;
beziehungen darauf 161. 174. 276.
311. 312; alter desselben 174. 371;
niederländisches Volkslied 230; Ver-
wandtschaft mit Ruther 357. — Wolf-
dieterich und Sahen, gedieht (nr. 89)
235.
Wolfdieterich, Dieterichs mann 276.
Wolfing, herzog 238. 240.
Wölfing (Wtilfinc 107, Ylfing 257),
Hildebrand 107. 257. die Wölfinge I
(Wülfinge 207, Wilfinge 232), das
geschlecht 107. 142. 174. 190. 232.
233. 239. 240. 247. 273. 298. 299.
der Wölfinge tröst — Dieterich von
Bern 267; Wölfinge man — Wolf-
hart 299, der Wölfinge laut — Lam-
parten 268.
Wolfhart (Ulfard, Ulfrad 103), söhn des
Amelolt 191. 273, und Hildebrands
schwestersohn 107. 269. 288; mit
Dieterich verwandt 107; mit Helfe-
rieh V. Lune 269; einer von Diete-
richs zwölf beiden 102. 209. 239.
247. 268. 283. s. schildzeichen und
heim 255; s. schwert55; streitlustig
und zornig 60. 190. 278; tödtet den
Osantrix 180.
Wulfgrambär 80.
Wulpensant, Wulpenwert 330.
Wolfhelm 239.
Wolfram 330.
Wolfram v. Eschenbach (nr. 42) 6Ö.
229. 380.
Wolfrat V. Tengelingen 54. 55.
Wolfrat ans Osterland 140.
Wolfwin 102. 118. 239.
Wolger V. Grane 212.
Worms 29. 124. 212. 294. 305. 312.
342. Wappen der Stadt 316. 320.
wünschelrnthe 386.
Ylfing s Wölfing.
Ymelunge 162.
Zacharis, herzog 292.
*Zacherer 200.
Zähringen 197. 211.
Zauberei 392—94.
zauberlinde 200.
Zazamanc 65.
Zeizenmüre 140.
die zeltende frau (nr. 109) 279.
Zerre (Zorre) 225.
Friedrich Zorn 317.
zorn braten, gedieht (nr. 68) 167.
der zunge streit (nr. 110«) 279.
zwerge 389 — 392. zwerg holt den
Berner , 300. s. Klberioh, Engel,
Goldmar, Laurin, Sinneis, Walbaran.
zwergring s. ring.
zwölf meister 169. 226. pugiles 169.
Schwerter 254.
NACHTRAGE.
Urkundenbuch der familie Teufenbach, hrsg. von Brandl.
Brunn 1867.
nr. xcv a. 1368. Dyetreichs der Ferner — insigel. nr. cvu
a. 1370 Dietreich der Pernner vnd Chvnrat der Pemner sein
brueder, söhne von 'Dythreich der Pernner.'
nr. Gcxsxvii. ccxlvi a. 1422. 1424. Görg perner hern
Chunraten des pemcr seligen sun — mit meinem libn prüder
Dietreichen den perner.
nr. cccxu. cccxlviu. cccli. a. 1509. 1512. Dietrich Pernner
vom Schacbn.
vgl. ZE. 20. 38 und oben s. 169 jbu nr. 72»>.
In der kirche zu Floda in Södermannland in Schweden
(Nyköping lehn) sind am westlichen ge wölbe acht beiden abge-
bildet, die paarweise zusammengehören (wiederholt in N. M.
Mandelgrens Monuments Scandinaves du moyen äge. Paris 1862.
auf taf. xxvni; das alter der kirche und maiereien ist nicht an-
gegeben, es ist aber ohne zweifei das 15. Jahrhundert), zuerst
I>iderik vä-barä (vgl. Haupts zs. 12^ 381 f.), in rüstung^
an der linken den schild, in der rechten das schwert, heim und
Schild ohne zeichen, er ist bartlos^ lässt aber den feuerathem^ der
wie ein stralenbüschel aus kleinen pünktchen dargestellt ist, auf
Wideke weläs so ausströmen. dieser ist ebenfalls m
rüstung, hat in der rechten ein schwert, den schild auf dem
rücken; die untere hälfte des gesiebtes ist verdeckt durch daß
helmband; der heim hat einen aufrecht stehenden busch.
Die übrigen maiereien stellen dar 1) David und Goliath;
2) Burman (ganz nackt) und ^hoUager das h& vä siger af burmä'
(s. Arwidsson nr. 1\ Grundtvig nr. 30); 3) HruUat' zu pferde
und einen ritter, der jenem mit der lanze den köpf abhebt.
Über andre bilder von Dietrich s. die nachweisungen oben
s. 39 anm.
*Zu 8. 339 (329).
Die altnordische sage von Hedin und Högni klingt nach in
einer 1774 auf der Shetlandsinsel Fula aufgezeichneten, ^nor-
sischen^- ball ade in Barry history of the Orkney islands, London
1808, s. 489 — 495. vgl. darüber P. A. Munch in den Samlinger
til det Norske folks sprog og historie. Christiania 1839. bd. 6
und Conrad Hofmann in den Münchner Sitzungsberichten 1867.
n, 2. s. 206—210.
A.W. Sehade*! Bvehdrnokerei (L. Sehede) ia Berlin, StaUschrefberftr. 47.
!;■'
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cl'f'
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